Während die HSV-Verantwortlichen heute mit dem neuen Trainer Tim Walter alles klarmachen und den Ex-Kieler und Ex-Stuttgarter beim HSV einen Zweijahresvertrag unterschreiben lassen, will ich mich weniger mit dem neuen Coach, denn mit Horst Hrubesch nach dessem letzten Auftritt als Interimstrainer des HSV beschäftigen. Denn dort zog Horst Hrubesch noch einmal eine ernüchternde Bilanz einer erneut enttäuschenden Fußball-Saison, die auch ein neuer Trainer nicht mal eben so per Unterschrift abwenden kann: „Wenn man sieht, was die Kieler und die anderen geleistet haben, stehen sie zu Recht da oben. Wenn man sieht, was wir geleistet haben, sind wir zu Recht nicht aufgestiegen“, sagte die 70 Jahre alte Vereins-Legende. Zudem gratulierte er dem VfL Bochum und Greuther Fürth verdientermaßen zum Aufstieg und Holstein Kiel zum Relegationsplatz. Und über die eigene Mannschaft sagte er, sie habe „die Qualität. Das haben wir gesehen, aber mit dieser Qualität musst du das ganze Jahr spielen“, sagte die HSV-Vereinslegende.
Das letzte Blitzfazit der Saison 2020/2021
Hrubesch wird ab sofort wieder auf den Chefposten im HSV-Nachwuchszentrum zurückkehren, um an der Zukunft des Vereins zu arbeiten und die Profis von Morgen zu formen. Und das finde ich gut. Vor alle, weil ich jetzt noch mehr als vorher das Gefühl habe, dass Hrubesch intern eine treibende Kraft werden kann und werden sollte. Hrubesch sollte helfen, den HSV zu dem Ausbildungsverein zu machen, der der HSV ist. Denn egal wie oft man diesen Status mit teuren Einkäufen auch zu leugnen versucht, der HSV muss mehr denn je umdenken – und Hrubesch mahnt genau das an: „Es gibt viele Dinge, die sich eingeschliffen haben. Es sind viele Leute, die schon viele, viele Jahren da sind, wo man sich hinterfragen muss, ob man immer in der richtigen Spur ist“, sagte er.
Walter soll kommen und: Hrubesch sollte beraten!
Für die nahe Zukunft ist operativ vor allem Sportvorstand Jonas Boldt gefordert. Der 39-Jährige muss schnell einen Trainer finden, danach kann es auch mit der Kaderplanung losgehen. Es könnte schon schnell Vollzug in Sachen Übungsleiter vermeldet werden. So war gestern nach Informationen des Pay-TV-Senders Sky davon zu hören, dass der HSV „in aussichtsreichen Verhandlungen mit Tim Walter“. Demnach sollen sich die Club-Verantwortlichen mit dem 45-Jährigen „in vielen Punkten“ einig sein. Boldt dazu gestern etwas wortkarg gegenüber dem NDR: „Ich werde jetzt keine Namen groß kommentieren.“
Es wäre eine Trainerlösung, die nicht wirklich kreativ ist. Das muss es auch nicht sein, wenn inhaltlich alles passt. Und da ich bislang auf nichts als auf Außenstehende Meinungen bauen kann, werde ich mir an dieser Stelle untersagen, was in vielen Foren schon passiert: Ich werde Walter nicht als falsche Lösung bezeichnen, bevor ich mir nicht wirklich selbst ein objektives Bild von ihm machen konnte.
Bis dahin halte ich mich an Fakten: Walter war zuletzt Trainer des VfB Stuttgart in der 2. Liga. Ende 2019 musste er dort gehen. Vor seinem Stuttgarter Engagement war er für ein Jahr tätig Holstein Kiel, mit denen er den sechsten Rang einfuhr. Walter betonte dabei immer wieder, dass er seinen Weg selbst bestimme und sich dabei auch von niemandem abbringen lassen werde. Hrubesch ist nach eigener Aussage noch nicht in die Suche eingebunden: „Ich bin noch nicht gefragt worden. Bei uns hat das Thema auch nicht stattgefunden.“
Aber so, wie ich Boldt und Hrubesch im Tandem erlebt habe, wird der Sportvorstand den Europameister von 1980 sehr wohl mit einbinden. In alle Bereiche. Auch bei der Kaderzusammensetzung, die man definitiv überdenken muss. Hierbei allein auf den neuen Trainer zu setzen wäre mehr als fahrlässig. Den neuen dabei auszusparen nicht minder. Aktuell scheint noch offen, wie die Mannschaft für den vierten Aufstiegsversuch aussieht. „Alles Weitere werden wir in den kommenden Tagen sehen, wenn dann auch ein neuer Trainer feststeht“, meinte Boldt. „Wir werden den Spielern klar mitgeben, was wir hier verlangen: Mit ein paar guten Spielen während der Saison reicht es einfach nicht. Die Bereitschaft muss da sein, hier erfolgreich sein zu wollen.“
HSV muss den Status Ausbildungsverein annehmen
Viele Profis stehen auf dem Prüfstand und haben sich nicht gerade als stressresistent im Aufstiegskampf erwiesen. Mal wieder nicht. Und hier kommt aus meiner Sicht Hrubesch zwangsläufig ins Spiel, da genau seine bodenständige, an den Basics orientierten Anforderungen beim HSV zuletzt zu kurz gekommen waren. Als Zugang steht bislang nur Paderborns Kapitän Sebastian Schonlau (26) fest. Bleibt noch die Hoffnung auf die Jungen. Vor allem der 21-jährige Robin Meißner drängte sich in den Spielen unter Hrubesch auf, traf in den letzten drei Saisonpartien insgesamt drei Mal und könnte auch zur neuen Saison eine Konstante bei den Profis werden.
Und dieser Talente-Nachschub soll aus Hrubeschs Nachwuchsleistungszentrum kommen. „Am Ende muss es so sein, dass wir Spieler entwickeln müssen, dass wir ausbilden müssen“, sagte der langjährige DFB-Nachwuchscoach. Seine Vorstellung: „Wir müssen Spieler ausbilden, die beidfüßig sind, die Kopfball spielen können und die Verantwortung übernehmen.“ Vor allem letzteres braucht der HSV in Zukunft. Hrubesch betonte, dass das ein hoher Anspruch sei, sagte aber auch: „Dem können wir aber irgendwann gerecht werden.»
Klar ist: Sturm-Enttäuschung Bobby Wood ist schon vor dem Saisonende gegangen, Torjäger Simon Terodde (33) verabschiedete sich am Sonntag mit seinem 24. Saisontreffer nach einem Jahr aus Hamburg und soll Bundesliga-Absteiger Schalke 04 wieder nach oben schießen, während der HSV den Zweitliga-Torschützenkönig und gebürtigen Hamburger Serdar Dursun (27 Tore) von Darmstadt 98 auf dem Zettel haben. Auch er wäre zweifellos die für jeden Zuschauer die offensichtlichste Lösung aus der Zweiten Liga. Ähnlich Terodde vor dieser Saison. Und das wiederum hat eine Halbserie lang sehr gut funktioniert.
Von daher will ich an dieser Stelle auch vor der drohenden Schwarz-Weiß-Diskussion warnen. Denn ein richtig gutes Nachwuchskonzept basiert nie allein auf dem Nachwuchs. Und: Kein guter, ambitionierter Verein auf dieser Welt verschließt sich vor Veränderung und Qualität, wenn diese denn machbar ist und hilft. Für mich waren die Verpflichtungen von den so genannten Säulenspielern so lange kein Problem, wie diese Spieler funktioniert haben. Ein Problem (falsche Signalwirkung!) wurden sie erst, als sie nicht funktionierten und talentierten Spielern quasi den Platz nahmen, um sich zu entwickeln. Bestes Beispiel hierfür ist für mich Klaus Gjasula, der schlichtweg niemals vor Amadou Onana aufgestellt werden darf – behaupte ich seit Beginn der letzten Saison – und auch weiterhin…
Der HSV muss sich Leitplanken setzen – neue…
Ich habe mir oft überlegt, wie ich als Sportvorstand bzw. als Sportdirektor vor dieser Saison gehandelt hätte. Und ich muss zugeben, dass ich Leistner und Terodde auch genommen hätte, solange ich finanziell mit ihnen kein Risiko eingegangen wäre. Bei Ulreich hätte ich damals auch stark zum Transfer tendiert – weil ich viel Gutes über ihn gehört habe. Dass man sich aber darauf NIE verlassen kann, hat Gjasula gezeigt. Von dem einwandfreien Teamplayer wurde mur seinerzeit berichtet, dass er eine ganze Mannschaft zusammenhalten könne. Allein, es kam anders…
Wichtiger als das alles aber ist, dass man ein langfristiges Ziel definiert und den Weg dahin stufenweise beschreitet. Man muss hier klare Leitplanken setzen. Und die muss man auch dann einhalten, wenn der Glamour für eine davon abweichende Entscheidung auch noch so verführerisch scheint. Dabei darf man nie stur sein – aber immer konsequent. Was neu dazukommt, muss sich an diesem einen, langfristigen Ziel ausrichten. Auch der neue Trainer. Und zu dem werde ich aller Voraussicht nach morgen schon mehr erzählen können. Heute noch soll Walter in Hamburg seinen Zweijahresvertrag unterschreiben.
Horst Hrubesch mit schlechter Laune zu erlebe, das ist selten. Die lebende Legende des HSV hat in seiner Karriere schon so einiges erlebt und ist schwer zu erschüttern. Dennoch, nach dem Spiel zuletzt in Osnabrück erinnerte ich mich sofort wieder an die EM in Rotterdam. Damals schied die DFB-Auswahl sang- und klanglos gegen Portugal aus und Cotrainer Hrubesch saß noch lange nach Schlusspfiff erschüttert allein auf der Reservebank. Ähnlich muss er sich nach dem willenlosen 2:3 in Osnabrück vor einer Woche gefühlt haben. „Es war enttäuschend“, sagte Hrubesch heute noch mal, „wir wussten, was uns erwartet. Wir haben nur versucht, Fußball zu spielen. Und das funktioniert einfach nicht. Dass wir nicht 100 Prozent abgerufen haben, obwohl es eine kleine Chance für uns gab, das kann ich nicht verstehen. Und da nehme ich keinen aus. Das war einfach enttäuschend.“
Horst Hrubesch spricht über das bevorstehende, letzte Saisonspiel
Während Hrubesch vor dem Osnabrück-Spiel hoffnungsvoll von einer tollen Trainingswoche und davon gesprochen hatte, dass die Mannschaft die Kurve gekriegt habe, musste er nach der Partie konstatieren, dass dem nicht so war. „Wir haben versagt, das muss man so klar sagen“, wurde Hrubesch heute noch einmal sehr deutlich und forderte gegen Braunschweig von seiner Mannschaft einen halbwegs versöhnlichen Saisonabschluss. „Es geht um drei Punkte. Und zum anderen, dass man die Saison sauber und ehrlich zu Ende bringt“, sagte der 70 Jahre alte Interimstrainer kurz vor dem letzten Saisonspiel im Volksparkstadion am Sonntag gegen den Tabellenvorletzten Eintracht Braunschweig. „Ich denke, für die Braunschweiger geht es noch um vieles, in erster Linie um den Klassenerhalt. Andersherum denke ich, haben wir eine Pflicht gegenüber Osnabrück, dass wir 100 Prozent geben.“
Im letzten Spiel seiner letztlich erfolglosen Kurz-Mission muss Hrubesch auf einige Stammkräfte verzichten. Stephan Ambrosius (Kreuzbandriss) und Aaron Hunt (Muskelfaserriss) sind in jedem Fall nicht dabei, Jeremy Dudziak fehlt aus disziplinarischen Gründen. Fraglich ist zudem noch das Mitwirken von U21-Nationalspieler Josha Vagnoman (Oberschenkelzerrung) sowie von Gideon Jung (Knieprobleme), Jan Gyamerah und Amadou Onana (beide Adduktorenprobleme). Sicher aber ist, was ich zuletzt schon vermutet habe: Hrubesch wird keine Rücksicht auf Potenziale nehmen, sondern nach Bauchgefühl die wählen, die bereit sind, 100 Prozent zu geben. Hrubeschs passende Ansage: „Willst du besser sein als andere, musst du mehr trainieren. Und dabei bleibe ich, da müssen wir ansetzen.“
Insbesondere die jüngeren, zuletzt nicht so oft berücksichtigten Spieler, dürfen auf ihre Einsätze hoffen. Jonas David, Ogechika Heil, Momo Kwarteng – und auch Rick van Drongelen nannte Hrubesch dabei explizit. Ob sie alle spielen? Möglich! Zumindest hat Hrubesch nach dem letzten Sonntag in Osnabrück alle Freiheiten, da sich so gar niemand anzubieten wusste. „Wir werden einiges verändern“, kündigte Hrubesch heute an. „Wir haben versucht, über viele Gespräche wieder dahin zu kommen, wo wir gegen Nürnberg waren. Und ich bin überzeugt, dass alle wissen, worauf es ankommt. Ich bin überzeugt, dass wir dann mit 100 Prozent ins Spiel gehen.“ Und allein darüber freue ich mich schon. Denn die Jungen werden sich zerreißen. Hoffe ich zumindest…
Hrubesch freut sich übrigens auch. Vor allem darauf, dass sein Job als Cheftrainer bald vorbei ist. Er hatte Anfang Mai das Traineramt von Daniel Thioune bis zum Saisonende übernommen. Letztlich wurden es nur drei Spiele. Er wird nach dem Spiel wieder auf seinen Posten als Direktor der HSV-Nachwuchsakademie zurückkehren. „Und darauf freue ich mich“, so Hrubesch, dem anzusehen und anzumerken ist, wie sehr ihm die lasche Haltung einiger Profis gegenüber ihrem Job beim HSV auf den Sack geht. „Manchmal guckst du dir die Leute an und fragst Dich: Wer hat dich eigentlich gezwungen, Fußball zu spielen?“, so Hrubesch mit Unverständnis. Und ich kann ihn nur zu gut verstehen. Vor allem, dass er sich darauf freut, wenn es vorbei ist als Trainer dieser Mannschaft. Sein Fazit: „Gelernt habe ich auch einiges. Es bestätigt sich immer wieder, dass man sich auf nichts verlassen kann. Mich ärgert, dass wir dieses Jahr eine Möglichkeit hatten, das Jahr erfolgreich zu gehen. Wir haben die Chance einfach nicht genutzt. Jetzt müssen wir gucken, was wir ändern müssen – und wie. Wir haben auch nächstes Jahr eine Chance. Wir müssen zusehen, eine Saison durchzuspielen – nicht nur eine halbe. Da müssen sich alle hinterfragen.“
Das letzte Orakel der Saison – auch das letzte mit Braunschweig?
Vor allem aber dürften gerade seine Erfahrungen als Cheftrainer (Hrubesch: „Das ist doch noch einmal ein anderer Blickwinkel, da hast du noch mal mehr Input“) bei der Wahl des neuen Personals wichtig werden. Hrubesch’s bodenständige, werthaltige Anforderungen an seine Spieler sind das, was dem HSV abgeht. Seit Jahren. Hier muss angesetzt werden. Hier muss gelten, was für Hrubeschs letztes Spiel als Cheftrainer zu gelten scheint: Der Wille und die Bereitschaft, alles für den HSV zu geben, muss gewichtiger werden.
Apropos: Jeremy Dudziak bleibt zwar für das eine Spiel von Hrubesch suspendiert – die Tür für ihn aber bleibt offen. „Dass jeder mal Fehler macht, passiert. Und wir reden hier noch von einem jungen Spieler. Ich hatte ihm klipp und klar erklärt, was ich von ihm erwarte. Er muss dann auch diese Geschichte akzeptieren, sie verantworten. Jeremy ist ein begnadeter Fußballer, der zu seinen Fehlern stehen muss. Aber es ist kein Welt-Untergang. Wir reden von einem noch jungen Spieler. Und für mich ist das damit dann auch getan. Aber jetzt ist die Geschichte vorbei. Natürlich kann ich mir vorstellen, dass er beim HSV eine Zukunft hat.“ Manchmal sind die Geläuterten ja anschließend die Zuverlässigsten…
In diesem Sinne, ich hoffe, dass am Sonntag ausschließlich die heißesten, willigsten und ausschließlich geläuterte Spieler auf dem Platz stehen. Denn dann habe ich Spaß. Manchmal sogar komplett unabhängig vom Endergebnis. Der Weg ist inzwischen das Ziel…
Gestern hatte ich es bereits angekündigt, heute ist der Text da. Und es lohnt sich (wie immer!), dieser Expertise Aufmerksamkeit zu schenken. Mich hat sie jedenfalls schlauer gemacht. Vor allem aber weiß ich jetzt auch wieder, woher das Zitat von Mehmet Scholl stammt, das ich gestern in meinem Blog genutzt habe: Olaf hatte es aufgegriffen und mir vor einigen Tagen bereits zugeschickt. Das Zitat war so prägnant, dass ich es im Kopf behalten habe – aber nicht mit Absender. Daher habe ich es gestern noch mal gesucht und im Netz gefunden, um es Euch zu zeigen.
Neben dieser Doppelung werdet Ihr in den folgen Zeilen von Olaf aber einige sehr spannende, neue Erklärungen für das Phänomen finden, das ich sehr pauschal unter „Charakterschwäche“ im Blitzfazit kritisiert hatte. Aber was ich einfach mal so raushaue, kann Olaf nach nunmehr als 25 Jahren, in denen er sich mit der Diagnostik von Führungskräften und Top-Management, beschäftigt, natürlich exponentiell fundierter erklären. Unser Glück: Was sich ansonsten große Firmen einiges kosten lassen, bekommen wir hier als Bonus – der gemeinsamen Leidenschaft für den HSV sei Dank. Aber lest selbst, was Olaf über das „Charakterproblem“ beim HSV schreibt:
Nicht-Aufstieg – eine Frage des „Charakters“
Wie Scholle und alle anderen hier in der Community war ich vom Osnabrück-Spiel extrem gefrustet. Selten hat Scholle mir so aus der Seele gesprochen wie in seinem Blitzfazit nach dem Spiel. Zu Recht hat er (und viele hier im Blog) vom fehlenden Charakter der Spieler gesprochen. Nachdem ich mich einigermaßen von dem Frust am Sonntag erholte habe, fühle ich mich jetzt aufgefordert etwas dazu zu sagen, denn „Charakter“ ist ja wohl ein Thema für einen Psychologen.
Es wird viele erstaunen, dass der Begriff „Charakter“ in der Psychologie heute eher selten verwendet wird (früher gab es sogar eine psychologische Disziplin mit dem Namen „Charakterpsychologie“). Dennoch bietet die psychologische Sichtweise einige Ansatzpunkte dafür, die Fragen zu beantworten, die uns HSV-Fans beschäftigen: Wie kann es sein, dass Fußballprofis dermaßen lustlos die Chance auf den Aufstieg verspielen? Wieso verweigern hochbezahlte Arbeitnehmer dem Arbeitgeber die Leistung? Wieso endet die Mannschaft mit dem höchsten Etat der Liga am Ende auf dem fünften Platz? Warum lassen die Spieler die HSV-Ikone Horst Hrubesch so im Stich?
Leistung ist Können mal Wollen
Eine einfache psychologische Grundformel lautet, dass Leistung das Produkt aus „Können“ und „Wollen“ ist. Betrachten wir einmal das „Können“ angesichts des Marktwerts der Mannschaft als gegeben (wobei ich bei einigen Spielern schon Bedenken hinsichtlich deren technischer, taktischer oder intellektueller Fähigkeiten hätte) und richten den Fokus auf das „Wollen“. Dieses setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: der Situation bzw. dem Umfeld und der Persönlichkeit eines Menschen. Beides – das Umfeld und die Persönlichkeit – beeinflussen sich gegenseitig, mal ist das eine stärker, mal das andere. Zum Beispiel wird ein ängstlicher Mensch mitunter mutig, wenn die Situation ihm keine andere Wahl lässt. Oder ein eher schüchterner Mensch kann im Stadion, wenn er/sie in der Kurve steht, plötzlich aus sich herauskommen.
Dass das Umfeld beim HSV aus meiner Sicht nicht unbedingt leistungsförderlich ist, habe ich hier hinlänglich erläutert und ich will die Community nicht mit erneuten Ausführungen über die fehlende „Hochleistungskultur“ beim HSV langweilen. Heute möchte ich etwas über die andere Seite sagen, die Persönlichkeit.
„Persönlichkeit“ als Konstanten im Leben
Natürlich ist jeder Mensch anders und jeder verhält sich in verschiedenen Situationen unterschiedlich. Wie man an obigen Beispielen sieht, kann sich auch der Introvertierte mitunter extrovertiert verhalten oder der Ängstliche mutig. Aber: es gibt für jeden Menschen so etwas wie Konstanten, die sich durch sein Leben ziehen. Das kann man übrigens schon bei Babys sehen: manche sind neugierig, andere eher ängstlich, manche suchen Kontakt, andere vermeiden ihn eher. Einen großen Teil der Charakterzüge, die ein Mensch als Baby bzw. Kleinkind zeigt, entdeckt man noch im hohen Erwachsenenalter, auch wenn sie natürlich durch Erziehung (die Werte, die jemandem vermittelt werden) und Erfahrungen weiter ausgeformt werden. Das ist jedoch weniger gruselig als es klingt, da „Persönlichkeit“ kein Schicksal ist, man kann sich immer entscheiden, ob man seinen spontanen Impulsen folgt oder sein Verhalten bewusst steuert.
Dennoch – diese Konstanten im Verhalten machen es uns möglich, uns selbst und andere zu verstehen und Verhalten anderer Menschen vorherzusagen. Genau das, nämlich vorherzusehen, wie sich Menschen in bestimmten Situationen verhalten werden, ist übrigens mein Job. In dem Beratungsunternehmen, in dem ich arbeite, untersuchen wir relativ hochrangige Manager:innen, die eingestellt oder befördert werden sollen, mit allen Mitteln, die die Psychologie zu bieten hat, darauf hin, ob sie für einen konkreten Job geeignet sind (das nennt man übrigens nicht „Personalberatung“, denn der/die Personalberater:in betreibt „Headhunting“, also Personalsuche, sondern „Management-Diagnostik“).
Bei den Manager:innen, mit denen wir es zu tun haben, ist es ähnlich wie bei Fußballprofis: auch hier gilt: Leistung ist Können mal Wollen. Und die Könnenseite ist zumeist nicht das Problem, die meisten unserer Kandidat:innen sind intelligent, gut ausgebildet, sozial kompetent und erfahren. Der kritische Punkt ist häufig die Motivation, also das Wollen: passt die individuelle Motivation eines Menschen, sein Wollen und seine Persönlichkeit zu dem, was gefordert ist?
Unternehmen wissen, dass sie diesen Punkt aus eigener Kraft nur aus dem Bauch heraus beurteilen könnten, deshalb beauftragen sie uns, sie dabei zu unterstützen und teure Fehlbesetzungen wichtiger Positionen zu vermeiden.
Falsche Spielerauswahl
Wenn man sich also die Leistungen der Mannschaft in den letzten Jahren anguckt, dann behaupte ich, dass es nicht nur am System HSV, der Taktik oder dem jeweiligen Trainer lag, sondern dass man teilweise auch bei der Auswahl der Spieler Fehler gemacht hat – und zwar indem man zu wenig darauf geachtet hat, wie die Spieler „ticken“. Was treibt sie an? Wie reagieren sie in schwierigen Situationen? Motivieren sie andere oder müssen sie motiviert werden? Warum wollen sie überhaupt zum HSV?
Vermutlich werden jetzt einige Kommentatoren sagen, „jaaa, man kann aber Fußballspieler nicht mit Manager:innen vergleichen“. Doch genau die Charakterfrage, die jetzt viele stellen, ist etwas, das man gut untersuchen und vorhersagen kann, auch bei Fußballspielern. Wie wichtig dieses Thema im Profifußball ist, haben schon bei weitem kompetentere Experten als ich thematisiert. Mehmet Scholl hat zum Beispiel anlässlich einer Frage zu seinem Sohn Lucas (der m.W. Profi in Österreich ist) dargelegt, worauf es bei Fußballprofis ankommt:
„Zunächst schaue ich mir an: Was kann er technisch, taktisch, wie stoppt er, wie passt er, wie dribbelt er, wie verhält er sich? Da ist Lucas bei 100 Prozent. Der zweite Bereich ist körperlich: Wie ist die Athletik, wie ist die Physis, wie ist die Ausdauer? Da ist er bei 60 Prozent. Und der wichtigste Bereich: Wie ist der Charakter? Wie reagiert ein Spieler, wenn’s eng wird? Wird er besser, lehnt er sich auf, legt er ’ne Schippe drauf oder bricht er weg? Und da ist Lucas bei 30 Prozent.”
Also: Technik, Physis und Charakter. Während man die ersten beiden Punkte gut messen (und übrigens auch durch gezieltes Training verbessern) kann, wird die Charakterfrage zumeist ignoriert bzw. aus dem Bauch heraus beantwortet.
Dass man Themen wie Motivation, Werte und Persönlichkeit professionell messen und beurteilen kann, zeigt der Blick in die Wirtschaft. Ohne zu sehr in die Details gehen zu wollen, kann man sagen, dass man diese wichtigen Bereiche mit sog. psychometrischen Verfahren (psychologische Tests und Fragebögen) und bestimmten Fragetechniken recht zielsicher einschätzen kann. Professionell geführte Vereine (ich weiß es mit Sicherheit von einigen Clubs in Dänemark, Italien und England) setzen diese Methoden in der Auswahl von Spielern ein. Wenn der HSV eine Lehre aus dem Osnabrück-Spiel ziehen will, dann sollte es die sein, dass er zukünftig bei der Auswahl von Spielern alle drei von Mehmet Scholl angesprochenen Bereiche genau betrachtet.
Dr. Olaf Ringelband
Personell gibt es heute wieder ein paar Neuigkeiten. Die Guten zuerst: Josha Vagnoman und Amadou Onana konnten heute schon wieder individuelles Training absolvieren, währed der Rest der Mannschaft auf dem Platz stand. Ob es bis zum Sonntag reicht, ist noch offen. Wibei ich mir sicher bin, dass Hrubesch beide nut zu gern spielen lassen würde. Denn jetzt, wo der HSV nichts mehr zu verlieren hat, wird der Horst Hrubesch, den ich kennen, nicht die nominell beste Mannschaft auf den Platz stellen, sondern ganz geau beobachten, wer sich wie präsentiert und wer bereit ist, am Sonntag alles zu geben. Er wird den „Charakter“ an erste Stelle setzen.
Apropos: Ganz oben auf der Einkaufsliste des HSV steht Serdar Dursun. Nach dem Abgang von Simon Terodde gen Schalke 04 gehört der Angreifer weiterhin zu den Top-Kandidaten. Nachdem es zuletzt eher ruhig um den möglichen Transfer geworden war, weil ihm angeblich andere, finanziell lukrativere Angebote unterbrietet worden sein sollten, heizt nun Dursun (29) selbst die Gerüchte wieder an. „In meiner Kindheit wollte damals jeder in Hamburg für den HSV oder den FC St. Pauli spielen. Es sind beides große Vereine. Wir werden sehen, was die nächsten Wochen bringen. Ich bin auf jeden Fall offen für alles“, bestätigte der Noch-Stürmer von Darmstadt 98 gegenüber „11Freunde“. Somit scheint auch ein Wechsel zurück in die Hansestadt, genauer gesagt in den Volkspark, noch nicht vom Tisch zu sein.
Allerdings haben auch die Erstligisten Union Berlin und Besiktas Istanbul Interesse am Stürmer. Dursun sagt in „11Freunde“ auch: „Bundesliga, Premier League, La Liga … Das würde mich alles reizen, das sind Ligen, von denen ich seit meiner Kindheit träume. Der Lebensstil in Istanbul gefällt mir sehr, das wäre super. Ich bin auf jeden Fall heiß, bin ein bisschen ein Spätzünder und habe daher noch einiges vor.“ Hoffentlich in Hamburg mit dem HSV. Denn vom Typ her gefällt mir der fleißige Ex-Spieler des SC Concordia sehr. Und dass er Tore schießen kann, beweist er gerade eindrucksvoll.
Aktuell liegt Dursun mit 25 Toren in der Torjägerliste der zweiten Liga sogar zwei Treffer vor HSV-Top-Torschütze Simon Terodde. Trotzdem schwärmt Dursun in dem aktuellen Interview von der Offensive des HSV: „Es ist ja so: Simon spielt beim HSV, da ist es vielleicht generell etwas leichter Tore zu schießen als in Darmstadt – ohne das Simon gegenüber despektierlich zu meinen oder seine Leistung schmälern zu wollen. Da kommen generell noch mehr Bälle nach vorne. Wir haben zwar auch in diesem Jahr als Verein sehr viele Tore geschossen, aber der HSV hat die beste Offensive der Liga. Wenn eine Mannschaft immer um den Aufstieg mitspielt, generell auf ein Tor spielt, dann kommen natürlich viele Bälle in den Sechzehner.“ Meine Antwort: Das kannste alles haben, Serdar!! Du musst nur den Vertrag unterschreiben…
In diesem Sinne, bis morgen! Dann auch mit Horst Hrubesch, der uns via Pressekonferenz am Nachmittag zugeschaltet sein wird. Bis dahin!
Als gestern die Nachricht reinkam, dass der HSV Schonlau aus Paderborn verpflichten wurde, haben ich mich zunächst gefreut. Der Innenverteidiger gilt als zuverlässiger Spieler. Als einer, der nicht durch seine Genialitäten auf sich aufmerksam macht, sondern durch seine Konstanz. Und genau davon braucht der HSV noch eine ganze Menge Spieler. Es bedarf hier nicht mehr besondere Momente einzukaufen, sondern den sportlichen Alltag qualitativ zu stärken. Insofern ist Schonlau, über den ich persönlich nichts weiß und über den ich mich nur über andere informieren konnte, nominell erst einmal eine sehr nachvollziehbare Wahl. „In Paderborn ist er zu einer Persönlichkeit gereift. Er hat den Ehrgeiz, sich zu entwickeln. Ja, ich hätte ihn gerne mit nach Köln genommen“, hat Trainer Steffen Baumgart über seinen Bald-Ex-Spieler der BILD gesagt. Und das klingt gut. Gerade aus dem Munde eines Arbeiters wie Baumgart.
Dennoch: Ob Schonlau wirklich eine gute Wahl war, wird sich erst noch zeigen. Denn wie sagte mir ein guter Bekannter, der beim HSV arbeitet, zuletzt so richtig: „Es ist schon unglaublich, was dieser Klub aus einem Menschen macht“. Und damit meinte er nicht die Fans – sondern die Offiziellen und noch mehr die Spieler. Und so, wie Schonlau gestern in Foren und einzelnen Medien schon zu einem „Toptransfer“ hochgehypt wurde, wurden zuletzt Spieler wie Klaus Gjasula als „Mentalitätsmonster“ und ein David Kinsombi als „Königstransfer“ und „absoluter Leistungsträger“ vorabgefeiert – um dann zu enttäuschen.
Von daher will ich Schonlau überhaupt nichts Böses, wenn ich ihn hier nicht als „Toptrabsfer“ feiere. Ich will ihm vielmehr mit meinen bescheidenen Mitteln zumindest hier im Blog helfen, wenn ich die Hoffnungen in ihn moderat halte. Ich versuche, dem Spieler damit nur den Raum zu geben, in dem er sich noch entwickeln kann. Soll heißen: Freundlich empfangen, aufs Beste hoffen – aber noch nicht das Maximale erwarten. Denn ansonsten kann er nur noch enttäuschen. Wie zum Beispiel die beiden vorher Genannten.
Denn ich bleibe dabei, dass ich Spieler nicht allein daran messe, wie geil sie dribbeln und was für eine Schusstechnik sie haben. Auch Tore sind für mich kein Allheilmittel. Besondere Momente sind schön anzusehen – aber sie sind nichts wert, wenn die Basics nicht vorhanden sind. Aber okay, wem erzähle ich das? Ihr verfolgt den HSV in den letzten zehn Jahren ja alle genau so intensiv wie ich und bekommt es Jahr für Jahr gnadenlos vor Augen geführt.
Ich kann schon kaum noch nachzählen, wie oft ich hier am Rechner saß und darüber philosophiert habe, was dem HSV fehlt und was er verbessern muss. Immer dabei: Spieler mit Charakter. Und diesmal bin ich bei meiner Recherche über einen meiner bislang interessantesten Interviewgäste – Hermann Gerland – auf ein Zitat von Mehmet Scholl gestoßen. Der sagte mal bei meinem Kollegen Kai Traeman im Podcast folgendes (über seinen eigenen Sohn wohlgemerkt), als er gefragt wurde, wie er Spieler beurteilen würde:
„Der erste Bereich ist: Was kann er technisch, taktisch, wie stoppt er, wie passt er, wie dribbelt wer, wie verhält er sich? Da ist der Lucas bei 100 Prozent, das ist erfüllt. Der zweite Bereich ist körperlich: Wie ist die Athletik, wie ist die Physis, wie ist die Ausdauer? Wie ist der Körperbau? Da ist er bei 60 Prozent. Und eigentlich der wichtigste Bereich: Wie ist der Charakter? Wie reagiert ein Spieler, wenn‘s eng wird? Wird er besser, lehnt er sich auf, legt er eine Schippe drauf oder bricht er weg? Und da ist der Lucas bei 30 Prozent. Und wenn du die dritte Kategorie nicht erfüllst, ist‘s scheisse. Wenn du die zweite nicht hundertprozentig erfüllst, ist‘s scheisse. Und die erste – da gibt es viele.“
Mehmet Scholl über seine Kriterien, wie er Fußballer bewertet
Und in der Kaderkonstellation sind davon zu viele aktuell beim HSV. Trotz der zugekauften „Säulenspieler“ Ulreich, Leistner, Gjasula und Terodde, von denen am Ende keiner mehr zu überzeugen wusste. Selbst ein Lautsprecher wie Toni Leistner fand mit seinen drastischen Worten in der Halbzeit in Regensburg zwar kurz das Gehör seiner Spieler – aber die Wirkung hielt lediglich knapp 45 Minuten. Auch, weil sich diese Mannschaft intern verbraucht hatte. Sich schweren Phasen entgegenzustemmen war nicht mehr drin. Womit wir wieder beim Thema Charakter sind.
Zuletzt hatte ich an dieser Stelle gesagt (im Blitzfazit) und geschrieben (im Blog), dass es mir suspekt ist, wenn Spieler unmittelbar mit einem Trainerwechsel leistungstechnisch eine 180-Grad-Wendung hinlegen. David Kinsombi war mir hierbei aufgefallen. Sportlich positiv gegen den KSC und in der Relation zum Komplettversagen seiner Kollegen auch in Teilen gegen Osnabrück. Aber genau so, wie ich mich die Jahre zuvor gefragt habe, was aus dem starken Mannschaftskapitän Kinsombi Kieler Tage geworden ist, habe ich da gefragt: Warum geht es so plötzlich…?
Kinsombi ist ein Streichkandidat
Ich habe jetzt ein paar Listen mit Namen gelesen von HSV-Profis, die weg sollen. Aus HSV-Kreisen sind einige Namen davon bestätigt, andere nicht. Bei mir wäre Kinsombi ein Streichkandidat, weil er abgesehen von seinen sehr durchwachsenen Leistungen in schwierigen Phasen bewiesen hat, dass man sich eben nicht auf ihn verlassen kann. Ebenso wie Gideon Jung, bei dem man ehrlich gesagt vor allem dem HSV den Fehler ankreiden muss, nicht schon längst das Kapitel beendet zu haben. Denn parallel zu den dürftigen sportlichen Leistungen Jungs hat der HSV Jung immer wieder öffentlich enteiert, indem man ihn in jeder Transferphase feilbot. Dass er da nicht in Osnabrück auf den Platz läuft und vor Selbstvertrauen strotzende das Ruder in die Hand nimmt – das ist menschlich sogar nachvollziehbar. Es war zu erwarten.
Sicher ist auch, dass der HSV sich schon mehr erlaubt hat, als der Klub eigentlich verkraften kann. Wirtschaftlich hat man keine Rücklagen. Positiv betrachtet kann man in diesem Zusammenhang die ablösefreie Verpflichtung Schonlaus noch einmal loben. Andererseits muss man auch konstatieren, dass die sportliche Leitung des HSV jetzt unter noch größerem Druck steht. Sie muss mit weniger Mitteln mehr erreichen. Und ich kann nur hoffen, dass man bei der Auswahl der Spieler ähnlich vorgeht, wie es Scholl gemacht hätte.
Sicher ist auch, dass der HSV sich schon mehr erlaubt hat, als der Klub eigentlich verkraften kann. Wirtschaftlich hat man keine Rücklagen. Positiv betrachtet kann man in diesem Zusammenhang die ablösefreie Verpflichtung Schonlaus noch einmal loben. Andererseits muss man auch konstatieren, dass die sportliche Leitung des HSV jetzt unter noch größerem Druck steht. Sie muss mit weniger Mitteln mehr erreichen. Und ich kann nur hoffen, dass man bei der Auswahl der Spieler ähnlich vorgeht, wie es Scholl gemacht hätte.
Apropos Bayern: Hermann Gerland wäre für mich noch immer die Wunschlösung als Cotrainer beim HSV. Seine Werte hat er mir mal in einem sehr langen Interview fürs Hamburger Abendblatt erläutert. Damals wollte ich eigentlich nur ein paar Sätze zum HSV-Zugang Paolo Guerrero hören und bekam das volle „Paket Hermann Gerland“ am Hörer. Denn der Bayern-Nachwuchschef beleidigte den unter ihm zum Profi herangewachsenen Guerrero in den gefühlt ersten 50 Sätzen zunehmend. Er stellte ihn fast so dar, als sei er nicht geeignet, als Fußballprofi zu arbeiten. Und das alles nur, um mir dann zu erläutern, wie stolz er sei, dieses faule, übergewichtige, undisziplinierte einst als Trainer geformt zu haben.
Denn Gerland konnte genauso loben, wie er kritisiert. Und Guerrero hatte seinerzeit jugendliche Dummheiten im Kopf und war als Nachwuchstürmer so gefeiert worden, dass ihm die Komplimente zu Kopf gestiegen waren. „Wenn einer meint, abheben zu müssen, dann hänge ich mich eigenhändig unten ran. Und bei meinem Gewicht fliegen die keine zehn Zentimeter hoch.“ Das sagte Gerland zuletzt der Welt. Und genau DAS ist der Gerland, den ich in meinem Gespräch kennenlernen durfte. Was würde ich mich freuen, so einen Disziplinfanatiker im HSV-Trainerteam zu sehen… Aber wie so oft beim HSV dieser Tage sticht die Realität hier wohl leider den Wünsche wieder aus.
Kommt der neue Trainer aus Dänemark?
Apropos interessant: Der Coach des FC Kopenhagen, Jess Thorup, steht laut „Sport Bild“ auf der internen Liste der HSV-Bosse. Thorup liegt mit seiner Mannschaft aktuell auf Platz drei in Dänemarks Superligaen und hat noch Chancen auf die Meisterschaft. Das ist schon spannend, auch, dass der Trainer beim FCK wohl trotzdem nicht unumstritten ist. Am interessantesten aber finde ich, wo Thorup davor war. Denn seine größten Erfolge feierte der 51-Jährige mit dem FC Midtjylland, den er zwischen 2015 und 2018 trainierte und der für mich das Abbild eines Klubs ist, der seinen Erfolg auf Konsequenz aufgebaut hat. Dort ist man wider alle Vorurteile und Vorverurteilungen von außen neue Wege gegangen. Das Ergebnis: Man hat Erfolge gefeiert, weil man einer Überzeugung mehr Raum eingeräumt hat als der Kurzfristigkeit. 2018 sprang sogar so die dänische Meisterschaft heraus. Und für alle, die mehr wissen wollen, warum ich Midtjylland so spannend finde, hier ein toller Bericht meines Kollegen Biermann aus dem Magazin „11 Freunde“ aus dem Jahr 2016.
Fazit: Ich würde es begrüßen, wenn der HSV seinen Spielerkader radikal auf das runterbricht, was er braucht: Charakterstärke. Dazu gehört es zwingend, diese von oben vorzuleben. Mit klaren Entscheidungen in Sachen Trainerprofil. Vor allem aber mit Entscheidungen, die verdeutlichen, dass hier alle und alles den Vereinszielen untergeordnet werden. Oder wie Mehmet Scholl es so schön sagte: Kategorie drei muss erfüllt sein. Den Rest haben viele…
In diesem Sinne, bis morgen! Dann mit den im Gegensatz zu meinen deutlich wissenschaftlicheren und fundierten Ausführungen zum Thema Charakter von meinem Freund Dr. Olaf Ringelband. Bis dahin wünsche ich Euch allen erst einmal einen schönen Abend!
Die Zeit der Analysen hat begonnen – und wenn man mal ganz ehrlich ist, ist das größte Problem auch hier im Forum, dass es eben nicht diesen einen einzelnen Schwachpunkt gibt, den man beheben muss. Und so werden auch hier von Problemen im Aufsichtsrat über den Vorstand, das Trainerteam bis hin zum letzten Ersatz- und Nachwuchsspieler Probleme angeführt, die nachvollziehbar sind. Ich werde heute zunächst aus gegebenem Anlass über die Spieler sprechen bzw. schreiben. Denn letztlich sind sie es, die auf dem Platz Siege und Niederlagen eingefahren und einen Trainer gekostet haben – und dem zweiten gerade den Spaß am Spiel zu nehmen scheinen. Dass sie den Fans den Spaß am Zuschauen schwermachen – logisch. Alle hatten sich mehr erhofft. Vor allem aber geht der Spaß am HSV verloren, wenn man anerkennen muss, dass die Mannschaft nicht nur sportlich Probleme hat – sondern auch charakterlich.
Gestern gerade erst hatte Horst Hrubesch den wiederholt undiszipliniert auffallenden Jeremy Dudziak suspendiert. Zum zweiten Mal, wie ich gehört habe. Und erneut, weil er zu spät gekommen und somit gegen Teamrichtlinien verstoßen hatte. Schade um den Fußballer Jeremy Dudziak, der in der gesamten Rückrunde schon nicht mehr zu seinem Spiel zu finden schien. Aber im Sinne der Mannschaft und dessen, was man nach außen vorleben will – überfällig und korrekt. Der HSV muss endlich zusehen, seine Philosophie zur Kernkompetenzen zu erklären. Soll heißen: Disziplin steht über allem. Denn nur so erhält man innerhalb der Mannschaft auch die Motivation bei, von der ersten bis zur letzten Sekunde zu kämpfen.
Arbeiter Tesche zeigt den Feinfüßen, worauf es ankommt
Und das muss für alle gelten. Von der rustikalen Abwehrkante bis hin zum filigranen Feinfuß im Mittelfeld und dem Knipser in vorderster Linie. Die Kaderzusammenstellung muss den Charakter an die erste Stelle setzen. Und an die zweite. Meinetwegen auch noch an die dritte Stelle – denn was Mentalität ausmachen kann, sehen wir seit Jahren in der Zweiten Liga vor dem HSV. Paderborn, Bielefeld, Bochum, Kiel sind hierfür beste Beispiele. Sie haben allesamt nicht die besten Individualisten, sehr wohl aber deutlich bessere, weil homogener auftretende Mannschaften.
Kiel zum Beispiel spielt mit nahezu immer demselben System und fast immer dem gleichen Personal, ebenso Bochum, wo Spieler wie Robert Tesche plötzlich wichtiger werden als die Sonny Kittels, David Kinsombis und Aaron Hunts beim HSV. Tesche spielt zwar einen eher soliden, konservativen Fußball – aber seine Leistungen sind für den VfL zur Konstante geworden. Ausschläge gab es bei ihm maximal nach oben, während beim HSV große Erwartungen in die vermeintlich stärkeren Fußballer mit inkonstanten Leistungen enttäuscht wurden. Ergo: Verlässlichkeit schlägt Extravaganz – und so ist es in der Zweiten Liga nun mal fast immer.
Lange Zeit hatten Trainer Daniel Thioune und alle anderen Verantwortlichen genau dieses Motto proklamiert. Allein bei der Kaderzusammenstellung hat man sich hier vertan. Gerade im Laufe der Rückrunde verlor man die Balance aus Arbeit und Ästhetik zusehends. Würzburg, Aue, Darmstadt, Sandhausen, Regensburg, Osnabrück – sie alle brauchten nur zu kämpfen, um den HSV zu schlagen bzw. einen Punkt gegen den HSV zu holen. Allein diese sechs Partien, aus denen der HSV nur mickrige zwei Punkte holte, zeigen schon, wie leicht es gewesen wäre – mal wieder…
Und: So leicht wird es vorerst nicht mehr. Denn angesichts der starken Absteiger, die dem HSV drohen sowie einigen Traditionsklubs, die hoch kommen wird das Feld immer enger und stärker. Zudem haben mit Düsseldorf, Hannover und Nürnberg drei Hochkaräter in dieser Saison noch nicht das abgerufen, was sie an Potenzial mitbringen. Soll heißen: Der HSV muss sich zur neuen Saison vom Top-Aufstiegsfavoriten zum Team aus dem oberen Drittel umgewöhnen – und selbst dafür ist personell noch einiges zu tun.
Angefangen haben die Verantwortlichen heute mit Sebastian Schonlau, dem Kapitän des SC Paderborn. Und im Gegensatz zu Klaus Gjasula, der ebenfalls als Kapitän aus Paderborn zum HSV kam, darf man bei Schonlau darauf hoffen, dass er direkt zum Stammspieler wird. Der 26-jährige Innenverteidiger unterschreibt bei den Rothosen einen Dreijahresvertrag bis zum 30. Juni 2024 und kommt ablösefrei. Und wo normalerweise die ganzen anderen Klubs kommen würden, die auch Schonlau wollten und die der HSV auszustechen wusste ob seines Glanzes, schreibe ich heute nur: Herzlich Willkommen, Sebastian. Ich hoffe, du bringst mit, was dieser Mannschaft gefehlt hat.
Paderborns Abwehrchef Schonlau kommt ablösefrei
Sportdirektor Mutzel jedenfalls sieht es so: „Wir haben Sebastian schon lange auf unserer Liste, uns intensiv und frühzeitig mit ihm beschäftigt und konnten ihn auch dadurch ablösefrei für uns gewinnen. Neben seiner guten Zweikampfführung besticht er vor allem durch seine Spieleröffnung und die konstanten Leistungen, mit denen er in Paderborn als Kapitän vorweg gegangen ist“, wird Mutzel auf der vereinseigenen Homepage zitiert. Und Sportvorstand Boldt ergänzt: „Sebastian passt sehr gut in unser erstelltes Spieler-Profil. Er bringt die Erfahrung aus mehr als 130 Spielen in der 1. und 2. Bundesliga mit, besitzt mit 26 Jahren aber auch noch Entwicklungspotenzial und versprüht vor allem den Hunger und Ehrgeiz, bei uns den nächsten Schritt gehen zu wollen.“
Nominell also ein Spieler, auf den man sich freuen darf, weil er noch nicht „versaut“ ist, sondern weiß, dass er arbeiten muss, um sich zu entwickeln. „Nach einer langen und richtig guten Zeit in Paderborn, für dich ich mich beim gesamten SCP bedanken möchte, freue ich mich auf die neue Herausforderung. In den Gesprächen haben mich die HSV-Verantwortlichen sofort begeistern können. Ich werde mich in der nächsten Saison und dieser reizvollen Zweiten Liga voll einbringen.“
Und dann wäre da noch die Trainersuche, die seit heute morgen eine Option eröffnet hat, die ebenso wünschenswert wie schwer zu erreichen ist: Hermann Gerland. Den der Bayern-Schleifer, bei dem sich Paolo Guerrero für dessen Ausbildung von herzen bedankte, indem er ersnthaft sagte, dass Gerland wohl ein schlechter Mensch sei, weil er immer streng war – würde verkörpern, was der HSV so gern sein würde: Fleißig, diszipliniert und erfolgreich. Einfach (fast) immer besser als die anderen.
Klingt so einfach, oder…?
Fakt ist, dass der HSV den von Daniel Thioune in der Hinrunde angebrochenen Kursumbruch fortführen muss. Er muss ihn länger durchhalten als bis zum zweiten spielerisch gelungenen Sieg in Folge. Er muss aufhören, sich für besser zu halten, dafür aber immer bereit sein, mehr zu machen als der Gegner. Und hierbei geht es weit über die Mannschaft hinaus. Hier beginnt die Arbeit ganz oben. Denn Charakter können nur die einfordern, die selbst welchen vorleben. Oder wie Dr. Olaf Ringelband sagte: „Jeder ist dafür verantwortlich, seine eigene Leistung und die des Vereins kontinuierlich zu verbessern.“
In diesem Sinne, bis morgen. Da hat die Mannschaft trainingsfrei und ich werde mich Dank des eben gerade angesprochenen Dr. Olaf Ringelband noch einmal mit dem Thema „Charakter“ beschäftigen. Denn darin sehe ich nach wie vor das Hauptproblem dieses HSV.
Der Tag danach ist immer ätzend. Meistens noch schlimmer als der Tag der Entscheidung selbst. Vor allem dann, wenn man Fehler eingestehen muss. Denn Fakt ist: Die wurden gemacht. Hier habe ich mich leider lange Zeit blenden lassen und von einer Stabilität in der Mannschaft gesprochen, die diese Mannschaft in den letzten Spielen komplett hat vermissen lassen. Und auf HSV-Seite müssen sich die Verantwortlichen die Frage gefallen lassen, warum das am Ende wieder so war. Wieso ist dieser HSV wieder in sich kollabiert, hat einen Trainer gekostet und letztlich trotz der in den letzten Jahren immer wieder erkennbaren Probleme gab es selbige erneut zu sehen.
Auf den Punkt, Elvis! Auf den Punkt gebracht…
Das Spiel in Osnabrück ist nicht Schuld am Nichtaufstieg. Zumindest nicht allein. Es dient lediglich als Beispiel für sehr viele Spiele und Momente, in denen sich der HSV mal wieder nicht aufstiegswürdig präsentiert hat. Und wie Dr. Olaf Ringelband hier schon geschrieben hat, steckt der Fehler im System. Denn was nicht vorgelebt wird, wird unten nicht übernommen. Dabei muss der Vorstand als höchsten operatives Organ immer auch die unten von der Mannschaft letztlich gezeigten Leistungen als Spiegelbild des eigenen Wirkens heranziehen und analysieren.
Leistung auf dem Platz als Spiegelbild des Vereins?
Aktuell liefert das ein verheerendes Bild. Aber umso dringender ist es, dass Sportvorstand Jonas Boldt zusammen mit Finanzvorstand Frank Wettstein die schädlichen Strukturfehler aufspürt und sie abstellt. Sollte es am Ende zu dem Ergebnis führen, dass der Vorstand selbst ein wesentlicher Teil des Problems ist, muss der Aufsichtsrat – und da beginnt das neue Problem – tätig werden. Denn eines ist auch klar: Der auf inzwischen fünf Personen minimierte Aufsichtsrat scheint so weit weg vom Tagesgeschäft, dass eine inhaltlich valide Fehler-Analyse von den Kontrolleuren derzeit nicht zu erwarten ist.
Umso besser, dass wenigstens Horst Hrubesch nach dem desillusionierenden Spiel in Osnabrück klare Worte gefunden hat. „Osnabrück hat uns gezeigt, wie man so ein Spiel angehen muss. Ich habe keine Erklärung. Ich war auch ein bisschen erschrocken“, so der 70-Jährige. Und auch wenn er es nicht wörtlich aussprach, er benannte das Problem: Charakter. Denn davon hapert es im HSV-Team an allen Ecken. Läuft es gut, schwingen sich alle auf und machen „gut“ oft sogar ein „richtig gut“. Aaron Hunt hat, Jeremy Dudziak, Sonny Kittel, selbst Simon Terodde waren da, als es gut lief.
Aber jetzt, wo sie allesamt gebraucht worden sind, waren sie nicht da. Teilweise verletzt, zumeist aber auf dem Platz ohne jeden Führungsanspruch. „Wir machen das 2:2, dann sind wir endlich wieder dran. Dann musst du das Spiel wollen. Das ist das, was mir fehlt. Ich habe das ein Leben lang gemacht“, so Hrubesch deutlich, „es muss sich jeder hinterfragen, ob das alles ist, was wir hier gemacht haben.“ Und mit „jeder“ ist wirklich JEDER gemeint.
Es sind jetzt noch sieben elendig lange Tage, bis diese Saison beendet wird. Am kommenden Sonntag geht es dann im letzten Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig noch darum, den Abstiegskampf nicht unsportlich zu beeinflussen und einen ordentlichen, letzten Auftritt hinzulegen. Mir würde das Zitat des Eintracht-Präsidenten schon reichen, um da besonders motiviert zu sein. Aber ehrlich gesagt hätte ich selbst das nicht gebraucht.
Gestern nach dem Spiel sind mir sehr viele Gedanken durch den Kopf gegangen. Und ich habe im oben eingebauten Blitzfazit auch recht viel davon ausgesprochen. Und so schwer es mir menschlich auch bei dem einen oder anderen HSV-Spieler auch fällt – es muss jetzt hier losgelöst von Wünschen und Hoffnungen gearbeitet werden. Dabei hatte ich gestern auch Gideon Jung erwähnt – und ich möchte noch einmal betonen: Er ist nur einer von vielen, die den HSV halt nicht mehr funktionieren lassen. Wobei es bei Jung noch der besondere Fall ist, dass er einer der Spieler ist, die von Vereinsseite auch komplett bloßgestellt worden sind, weil seine sportlichen Leistungen nicht ausreichten.
Dudziak wird auffällig, spielt – und fliegt jetzt doch raus
Und genau deshalb war ich gestern so erschüttert, dass Jung in dieses wichtige Spiel reingeworfen wurde. Dass er im Spiel selbst dann bocklos wirkte – menschlich ist das schon fast nachvollziehbar. Es war sogar zu erwarten. Und genau diese Kategorie Fußballer bzw. Mitarbeiter im Generellen muss der HSV jetzt aussortieren. Also zum einen die, die es nicht können – und zum anderen die, die es nicht (mehr) wollen. Klingt einfach – und bedarf einfach nur mutigen Entscheidungen.
Passend dazu teilte der HSV heute mit, dass Hrubesch den Mittelfeldspieler Jeremy Dudziak suspendiert hat. Der Linksfuß war schon in den ersten zwei Wochen unter Hrubesch auffällig gewesen und soll teilweise vom Training ausgeschlossen worden sein. Begründet wurde seine Abwesenheit seinerzeit mit Krankheit. Heute nun folgte, was sich intern aufgestaut hatte. Und das wiederum verwundert m ich noch mehr. Denn Dudziak war gestern in Osnabrück ebenso wie Jung in der zweiten Halbzeit eingewechselt worden – und spielte ähnlich lustlos. Sofern meine Informationen stimmen, stellt sich unweigerlich die Frage: Warum durfte er dann überhaupt ran? Ich verstehe es nicht…
Es wird in den nächsten Wochen wieder eine Richtungsdiskussion geben beim HSV. Schon allein, weil Gremien neu gewählt bzw. nachbesetzt werden müssen. Aber diese Diskussion ist notwendig, um dem HSV das komplette Abschmieren zu ersparen. Denn die Gefahr, dass man sich von diesem erneuten Rückschlag nicht erholt, ist riesengroß. In der kommenden Saison nicht aufzusteigen ist angesichts der Konkurrenz sehr wahrscheinlich. Es wird auf jeden Fall eine Saison, in der der HSV nicht als Topfavorit startet. Wobei das ja auch mal hilfreich sein kann. Aber darauf werde ich im Laufe der nächsten Tage und Wochen noch mehrfach eingehen. Ebenso wie auf die Trainerfrage, die weiter offen ist.
Wobei ich weiter davon überzeugt bin, dass Daniel Thioune nicht der Hauptgrund des Scheiterns war. Ebenso wenig wie Hrubesch. Dennoch sind die beiden für die neue Saison nicht mehr vorgesehen. Aber auf dieses Thema werde ich in den nächsten Tagen noch mehr als genug eingehen (müssen).
In diesem Sinne – ich bin ein wenig HSV-müde. Dass sich der aus meiner Sicht größte HSV-Fan aus meinem Freundeskreis per Voicemail meldete und mir gestand, das Spiel gegen Osnabrück nur am Rand verfolgt zu haben, hatte mir mächtig zu denken gegeben. Warum lässt mich der ganze Scheiß nicht einfach mal unberührt? Warum kann ich nicht einfach mit meinen Kindern spielen, anstatt mich über Dudziak und Co. zu ärgern?
Ich weiß es nicht. Ich hatte sogar kurz in Erwägung gezogen, zum letzten Spiel gegen Braunschweig nicht ins Stadion zu gehen, sondern mir die Partie gemütlich von der heimischen Couch aus mit meiner Familie anzusehen. Aber letztlich habe ich meine Akkreditierungsunterlagen doch wieder rechtzeitig an den HSV geschickt. Irgendwie muss es ja weitergehen. Und auch wenn es sich in diesem Moment gerade anders anfühlt – am Ende steckt auch in dieser neuerlichen Enttäuschung eine Chance zur Verbesserung, um nicht Gesundung zu schreiben….