Schlimmer geht’s immer! Kandidat Kuntz plaudert offen im TV über Gespräche mit dem HSV

Schlimmer geht’s immer! Kandidat Kuntz plaudert offen im TV über Gespräche mit dem HSV

Oh Mann, oh Mann! Immer, wenn man denkt, es geht nicht noch schlimmer – schafft es der HSV doch. Und nicht selten spielt der Aufsichtsrat samt seinen Entscheidungen darin eine gewichtige Rolle. In diesem Fall wird das Kontrollgremium von einem potenziellen Kandidaten fast schon lächerlich gemacht! Hintergrund: Vorstandskandidat Stefan Kuntz spricht schon offen im TV darüber, dass er als Vorstand beim HSV im Gespräch sei. Und das alles, bevor beim HSV irgendetwas entschieden wurde! Allein für diese Indiskretion ist er als neuer Vorstand schon nicht mehr tragbar – und der aktuelle HSV-Sportvorstand Jonas Boldt wird maximal geschwächt.

https://www.ran.de/sports/fussball/bundesliga/videos/exklusiv-bald-hsv-sportvorstand-das-sagt-stefan-kuntz

Man muss sich das mal vorstellen: Erst braucht ein Gremium über alle Maße lang, um die sportlich für den HSV existenziellste Entscheidung zu treffen. Dann hat man im uneinigen Gremium eine Tendenz, findet aber keinen geeigneten Kandidaten. Dass auf dem Weg dieser verspäteten Suche fast alle Namen dazu noch öffentlich werden und nicht weniger öffentlich absagen, schwächt zudem die vorhandenen, handelnden Personen. Und das alles Mitte Mai! Das alles passiert, während andere Vereine und Konkurrenten bereits die ersten Neuverpflichtungen bekannt geben und allesamt wissen, wie sie die neue Saison angehen wollen…!

Und selbst wenn man im Fall von Kuntz nichts dafür kann, dass dieser einfach mal munter drauflos plaudert, zeigt das doch, wie wenig ernst die Kandidaten das Konstrukt HSV zu nehmen scheinen. Denn die Kontrolleure werden mit Sicherheit Stillschweigen eingefordert haben. Da bin ich mir sicher. Aber es blieb eine Forderung ohne Erfolg.

Damit spitzt sich die verzweifelt wirkende Lage des Aufsichtsrates weiter zu. Kandidaten sagen ab oder machen sich wie Kuntz untragbar. Es tut mir inzwischen schon körperliche Schmerzen, diesen Dilettantismus mitzuverfolgen. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, dass inzwischen der Vorstand des HSV noch das mit weitem Abstand am professionellsten geführte Gremium dieses Klubs ist. Der HSV ist zum sechsten mal im Aufstiegskampf gescheitert, findet aber keinen Weg, der besser ist. Von daher kann es eigentlich nur noch heißen: Diesen Aufsichtsräte gehört für ihr komplett unkontrolliertes, verzweifeltes und vor allem für ihr maximal schlecht vorbereitetes Handeln die Verantwortung entzogen. Und zwar allen.

HSV siegt und feiert – obwohl es nichts zu feiern gibt

HSV siegt und feiert – obwohl es nichts zu feiern gibt

Der HSV hat sein letztes Saison Spiel mit 4:1 erfolgreich bestritten. Und dieser Sieg gegen alles andere als starke Nürnberger wurde nach Schlusspfiff von den Rängen gefeiert. Hätte man es nicht vorher gewusst, hätte man tatsächlich denken können, der HSV hätte etwas Großes erreicht. Das allerdings ist nicht der Fall. Der vierte Platz und damit das Sechste Scheitern im Kampf um den Wiederaufstieg ist vielleicht die bitterste aller Pleiten der letzten Jahre. „Wir wissen, dass wir unsere Ziele verfehlt haben. Und das ist enttäuschend“, sagte Laszlo Benes nach dem Spiel. „Aber es war uns sehr wichtig die Saison mit einem positiven Ergebnis abzuschließen und den Fans noch ein Erfolgserlebnis zu schenken.“

HINWEIS IN EIGENER SACHE: Im Video muss es selbstverständlich „Nordtribüne“ heißen

Benes‘ Worte klangen ein wenig nach Abschied. Und damit meine ich nicht den Abschied in die Sommerpause, sondern den generellen Abschied. Der Mittelfeldspieler ist einer von drei Spielern mit bekannten Ausstiegsklauseln. Nicht wenige erwarten, dass es ihn in der bevorstehenden Sommerpause zu einem höherklassigen Verein verschlägt. „Ich kann dazu nichts sagen“, so seine einzige Antwort auf die Frage, ob er noch mal im HSV-Dress aufläuft. Gleiches gilt für Ludovit Reis sowie für Robert Glatzel, der heute Dank seiner Dreier Tore auf dem letzten Drücker noch die Torjäger-Kanone der zweiten Bundesliga ergattern konnte. Glückwunsch dazu!

Ob Reis und Glatzel in der neuen Saison wieder für den HSV auflaufen, ist ebenso offen wie alles andere aktuell. Und das mal wieder selbst verschuldet. Es käme jetzt erst einmal darauf an, einzelne Bausteine zusammenzusetzen, antwortete Jonas Boldt auf die Frage, was man denn in der kommenden Saison besser machen müsse. Und klar ist: Der Sportvorstand ist dabei das erste Teilchen im neuen Mosaik, das es einzusetzen gilt. „Von oben nach unten“ müsse alles stehen, um die notwendigen Entscheidungen zu treffen, was die neue Saison betrifft, so Boldt, der im Laufe der kommenden Woche vom Aufsichtsrat erfahren soll, ob er im Amt bleibt oder nicht. Aber zu diesem Glanzstück des Aufsichtsrates noch mehr im Blitzfazit.

Am Ende war es jedenfalls eine große Party im Volksparkstadion. Das einzig traurige daran war, dass es sportlich wieder nichts zu feiern gab. Und ich kann nur noch einmal betonen, dass die Stimmung auf den Rängen schon sehr lange nicht mehr das Niveau auf dem Platz widerspiegelt. Im Gegenteil: die Ränge sind erstklassig. Sie stehen dem HSV so massiv zur Seite, obwohl der Klub selbst sportlich eine weitere Negativentwicklung genommen hat. Und eines ist auch klar, sollte der Aufsichtsrat nicht langsam seiner Pflicht nachkommen, und strukturell für klare Verhältnisse sorgen, wird es auch in der kommenden Saison sportlich nichts zu feiern geben.

SPIELERBEWERTUNGEN:


MATHEO RAAB: 
Er hatte dank der schwachen Nürnberger nicht allzu viel zu tun – und musste dennoch einmal hinter sich greifen. Wobei, nein: zweimal sogar. Aber ein Treffer zählte nicht. Ansonsten nichts falsch gemacht – also Note: 3

STEPHAN AMBROSIUS (bis 79.): Er ist einer der Spieler, die von den Fans immer wieder gefordert und gefeiert werden – weil er die richtige Einstellung auf den Platz bringt. So auch heute. Ich mag diese Spielertypen, auch wenn mir Ambrosius zu oft angeschlagen und verletzt ist. Dennoch wird er über die Rolle eines Backups kaum hinauskommen, wenn der HSV im Sommer auf die diesjährige Abwehrproblematik richtig reagiert. Heute war das absolut okay! Note: 3

MORITZ HEYER (ab 79.): Noch ordentlich dabei.

GUILHERME RAMOS: Was wollte er beim 1:1 direkt bei Ambrosius‘ Zweikampf? Warum stellt er den Raum dahinter nicht zu? Antwort: Weil er ein reiner Zweikämpfer und kein Organisator mit dem nötigen Überblick ist. Für ihn gilt, was auch für Ambrosius gilt, womit das Abstimmungs-Problem im Abwehrzentrum zu Spielbeginn heute schnell erklärt ist. Note: 3

LUDOVIT REIS: Pennte beim 1:1 und hatte auch sonst in den ersten 30 Minuten einige Aussetzer. Aber: Seine Position als Rechtsverteidiger (gegen den Ball) und Mittelfeldspieler (mit dem Ball) ist eine der wenigen guten Ideen der letzten Wochen beim HSV – auch wenn er heute defensiv zu schwach war, er kann das normalerweise besser.  Note: 3

MIRO MUHEIN (bis 85.): Spielte sehr solide, und damit meine ich auch den Rest der Saison. Zusätzlich leitet er immer wieder gefährliche Angriffe ein und bereitet Tore vor.  Note: 3

NOAH KATTERBACH (ab 86.): Seine paar Minuten darf er als Geschenk des Trainers werten.

JONAS MEFFERT: Ein grundsolider letzter Saisonauftritt, der auch zeigte, dass ihm ein defensiv denkender Mittelfeldmann (wie Poreba) an der Seite sehr wohl guttut.  Note: 3

LUKASZ POREBA (bis 60.): Er will beim HSV bleiben, sagt er. Und vom Typus her passt er gut zu dem, was Steffen Baumgart einfordert. Er zeigt gute Ansätze, hat aber auch noch zu viele Fehler im Spiel, als dass man ihn final bewerten kann. Heute war das absolut okay – und das nicht nur wegen seines Treffers. Note: 3

IMMANUEL PHERAI (ab 61.): Er schleppt die Bälle, wirkt grazil und wie einer, der mal was Besonderes macht. Aber wirklich dazu, dass er mal was Besonderes macht, kommt es nicht. Note: 4

LASZLO BENES: Hat seine Schonzeit in Paderborn beendet und war heute wieder aktiv auf dem Platz. Sogar sehr. Das war in großen Teilen gut. Note: 2,5

RANSFORD KÖNGSDÖRFFER (bis 60.): Er wollte immer wieder, nahm aber bei den wenigen gefährlichen Angriffen den Kopf zu spät hoch und verpasste mögliche Abspiele. Note: 4

JEAN-LUC DOMPÉ (bis 79.): Er war anspielbar, nutzte seine Räume oft gut und war für die Nürnberger immer eine Gefahr – aber effizient genug war das wieder nicht. Note: 3,5

ROBERT GLATZEL: Er ist für den HSV offensiv unersetzlich – bislang. Denn so stark er auch heute wieder war, der Kader muss ein Backup für ihn hergeben. Dieses Versäumnis der sportlichen Leitung hat dem HSV diese Saison schon viele Punkte gekostet. Das darf sich nicht wiederholen. Und Glückwunsch an Glatzel, der sich die Torjägerkanone mit einer saustarken Hinrunde verdient hat. Note: 1

v.l. Redakteur Sebastian Wolff (kicker), Torjaegerkanone fuer Robert Glatzel (HSV) Hamburg, 19.05.2024, Fussball, 2. Bundesliga, Hamburger SV – 1. FC Nuernberg

TRAINER STEFFEN BAUMGART: Er will ein paar Tage raus aus dem Geschäft und den Kopf frei bekommen, um dann schnellstmöglich wieder voll durchzustarten. Allein, ob die Verantwortlichen ihn lassen, ist noch offen. Sportlich ist er in Hamburg meiner Meinung nach noch nicht angekommen. Man sieht, was er will. Aber man sieht auch, dass diese Mannschaft das aktuell noch nicht so umzusetzen versteht. Auch heute war einiges gut, anderes nicht. Ich bin gespannt, wie es aussieht, wenn Baumgart sowohl seine Spieler als auch ausreichend Vorbereitungszeit bekommt.  

DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

HSV: Raab – Reis, Ramos, Ambrosius (75. Heyer), Muheim (85. Katterbach) – Meffert, Poreba (58. Pherai), Benes – Königsdörffer (58. Jatta), Glatzel, Dompe (75. Suhonen)

1. FC Nürnberg: Reichert – Hofmann, Marquez, Jeltsch, Gyamerah (70. Valentini) – Flick, Duman (60. Weckesser), Castrop – Goller (70. Hungbo), Lohkemper (70. Andersson, 85. Geis), Schleimer

Tore: 1:0 Glatzel (6.), 1:1 Schleimer (16.), 2:1 Poreba (22.), 3:1 Glatzel (28.), 4:1 Glatzel (90.+5)

Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Arne Aarnink (Bochum) 

Gelbe Karten: Poreba, Meffert, Muheim / Flick

Innere Unruhen und andere Baustellen vor dem Saisonfinale des HSV

Innere Unruhen und andere Baustellen vor dem Saisonfinale des HSV

Das Gerücht, dass Hasan Salihamidzic auf dem Kandidatenzettel des HSV-Aufsichtsrates steht, waberte schon seit einiger Zeit. Das „Abendblatt“ berichtet zuletzt, dass der traditionell unentschiedene Aufsichtsrat den ehemaligen HSV- und Bayern-Profi als möglichen Nachfolger für Jonas Boldt in Erwägung gezogen haben soll – und es im Kontrollrat ein Veto gegeben haben soll. Und so scheint es jetzt auch zu sein. Problem bei dem Ganzen ist nur:  Zuerst einmal muss das Kontrollgremium des HSV klären, ob es überhaupt weitergeht mit Boldt oder nicht. Der amtierende Sportvorstand hatte sich am gestrigen Donnerstag dem Rat gegenüber erklärt und sein Konzept für die Saison 2024/25 vorgelegt. Eine Entscheidung für oder wider Boldt soll aber erst Mitte nächster Woche getroffen werden.

Somit bleibt es dabei: Der HSV ist sich auch jetzt, unmittelbar vor dem letzten Spieltag der Saison 2023/2024 noch immer nicht im Klaren darüber, wie die neue Saison angegangen wird. Denn einhergehend mit der Entscheidung pro oder contra Boldt gehen auch viele andere sportliche Entscheidungen, die eigentlich schon längst hätten getroffen sein müssten. Die Kaderplanung müsste längst laufen. Wer bleibt, wer wird ersetzt? Wie will der HSV taktisch agieren – und wen braucht man dafür noch? Allein die Trainerfrage ist schon eine entscheidende, die geklärt sein MUSS – so, wie bei allen anderen Zweitligisten. Vorher nützt die beste Kaderplanung nichts….

Steffen Baumgart hat heute bei der Pressekonferenz jede Frage nach seiner Zukunft bzw. der gewünschten Planbarkeit selbiger umschifft. Er hätte noch einen Vertrag und wolle auf jeden Fall bleiben – und Unruhe käme ja eh nur von außen, so der HSV-Trainer naturgemäß vereins-loyal. „Ich habe das Gefühl: Mit den Jungs, mit denen ich tagtäglich zusammenhänge, ist alles ruhig. Nicht entspannt, aber wir sind klar in unseren Zielen und unseren Gedanken“, sagte der Trainer. Aber was sonst hätte er auch sagen sollen? Er kann ja nicht die Kontrolleure anzählen und seine eigene, noch immer unklare Position schwächen.

Nein, Baumgart machte, was er machen konnte: Er verwaltete das Übel mit einer Portion Gelassenheit, die intern sicher nicht ansatzweise so vorhanden sein dürfte. „Ich habe die Info, dass beide im Austausch sind, dass wir alle im Austausch sind“, sagte der 52-Jährige über das Innenverhältnis Boldt/Aufsichtsrat. Über seine eigene Position sagte er: „Ich habe einen Vertrag nächstes Jahr. Und ich bin hier nicht angetreten, als ich den Vertrag unterschrieben habe, Trainer in der ersten Liga zu sein, sondern Trainer beim HSV“, sagte Baumgart. 

Bei einem Aus von Boldt ist es nicht sicher, ob auch sein Nachfolger auf Baumgart setzen würde. Und auch deshalb habe ich im Talk bereits gesagt, dass ich die Kontrolleure in ihrem Wirken aktuell als fahrlässig erachte. Ich habe auch erklärt, warum ich sie bzw. ihr entscheidungs-schwaches Handeln als große Gefahr sehe. Denn hier werden wieder nur Verlierer produziert. Boldt wird infrage gestellt – was grundsätzlich okay ist nach fünf Nicht-Aufstiegen. Aber wenn dieser Aufsichtsrat nicht mehr hinter Boldt steht, muss er entscheiden. Selbst für den unfassbar unprofessionellen (und aktuellen!) Fall, dass man keine Alternative hat. Nichts ist schlechter, als seinem Hauptverantwortlichen erst erkennbar das Vertrauen zu entziehen und ihn dann doch im Amt zu belassen. Von daher bleibt es auch hier dabei, dass der Aufsichtsrat schnell entscheiden sollte. Vor allem auch im Fall pro Boldt!

Ich habe an der aktuellen Situation des HSV zuletzt sehr vieles kritisiert – und täglich kommen neue Themen hinzu. Eines, was ich immer moniert habe, ist die fehlende Weitsicht. Immer wieder strategisch Neues zu probieren, hat einfach nicht funktioniert. Die gelebte Konstanz in Form des Festhaltens an Tim Walter war okay – aber sie wirkte ab dem Zeitpunkt, an dem Walter bewies, dass er trotz der offensichtlichsten Mängel nichts an seinem Spiel ändern werde, populistisch und wurde letztlich zum Selbstzweck. Und das alles blieb teilnahmslos beobachtet von einem Aufsichtsrat, der den HSV ob seiner internen Uneinigkeit mehr gefährdet, als dass er kontrolliert. Kritische Stimmen, die immer wieder vor dieser sportlichen Entwicklung warnten, wurden ignoriert oder übertönt und sorgten – wie bei Marcell Jansen – sogar zum Ausschluss aus dem Rat. Geblieben ist eine sportloche Null-Kompetenz in dem Rat, der alle Saisonplanungen für 2024/2025 aufhält und damit sportliche Ziele gefährdet.

Fakt ist: So verabschiedet sich der HSV von Tag zu Tag weiter von der Rolle eines Aufstiegsfavoriten für die neue Saison. Die verlorene Zeit gegenüber anderen Kandidaten wie beispielsweise auch dem FC Schalke 04, der sich auf allen Ebenen vor Wochen neu aufgestellt und die Verantwortlichkeiten klar strukturiert hat, holt der HSV schwerlich auf. Der HSV wird auch auch wieder einmal darauf einstellen können, unnötig verteuert einkaufen zu gehen. Sollte man die Vorarbeiten der aktuell Verantwortlichen nicht mehr einplanen und auf einen neuen Sportvorstand/Direktor und evtl. Trainer setzen wollen, sicher noch mehr. Denn eines ist klar: Wer spät kommt, zahlt fast immer mehr – oder er nimmt, was übrigbleibt. Und das ist selten bis nie das Beste…

Achja, fast hätte ich das bedeutungslose Spiel am Sonntag gegen den 1. FC Nürnberg vergessen. Hierüber wurde bei der heutigen Pressekonferenz auch gesprochen. Ganz kurz. Bei Sebastian Schonlau (Wadenprobleme), und Immanuel Pherai (muskuläre Probleme) gebe es noch „ein Fragezeichen. Da warten wir ab“, so Baumgart. Die beiden Leihspieler Igance Van der Brempt (angeschlagen) und Dennis Hadzikadunic (krank) fallen dagegen sicher aus. „Alles andere sollte für den Kader bereit sein – und dementsprechend auch fürs Spiel“, so Baumgart. Und ein Spieler, der zuletzt von den Kollegen der „BILD“ als Neuzugang gehandelt wurde, hat inzwischen abgesagt: Mark Uth wird nicht vom FC Köln zum HSV wechseln, sondern bei seinem aktuellen Arbeitgeber verlängern. „Für mich gibt es nichts anderes mehr – ich möchte meine Karriere hier beim FC beenden“, stellte Uth klar. Wobei: Mit wem hätte er denn auch verhandeln können/sollen…?

In diesem Sinne, Euch allen ein schönen Wochenendstart! Ich melde mich dann nach dem Spiel gegen den 1. FC Nürnberg wieder an dieser Stelle. Es sei denn, der Aufsichtsrat hat vorher etwas zu verkünden… 

Scholle

Der HSV ist führungslos – und es fehlen Entscheider

Der HSV ist führungslos – und es fehlen Entscheider

Ich liebe diese Gänsehautmomente. Bei den Welt- und Europameisterschaften schaue ich mir Last-Minute-Entscheidungen quasi in eine Endlosschleife an, um mich auf besondere Matches mental einzustimmen. Ich mag das! Auch die Aufholjagd der Kölner am Wochenende gegen Union habe ich mir noch mal angesehen, weil das Stadion nach dem Siegtreffer förmlich explodiert ist. So, wie das Volksparkstadion seinerzeit bei Luca Waldschmidts Last-Minute-Siegtreffer zum 2:1 am 34. Spieltag 2016 gegen den VfL Wolfsburg.

Oder eben so, wie das Volksparkstadion gefeiert hätte, hätte der HSV diese Saison sein Zeil erreicht. Aber: Das hat er nicht.

Dass die Fans die Mannschaft trotzdem feiern, als hätten sie Großes geleistet, es ringt mir Respekt ab. In Paderborn wurde die HSV-Mannschaft nach Schlusspfiff gefeiert, was selbst di Spieler verwunderte. Ich persönlich war nach der absolut bodenlosen sportlichen Frechheit in Paderborn so auf Zinne, dass ich das Blitzfazit noch einmal jugendfrei aufzeichnen musste. Ich habe für jede Niederlage Verständnis, wenn ich weiß, dass alle alles gegeben haben. Aber ich habe null Verständnis, wenn sich jemand verweigert bzw. sich nicht voll reinhängt. Und genau das ist – wider die Aussagen von Trainer Steffen Baumgart – in Paderborn passiert. Kein Aufbäumen, jeder schiebt die Verantwortung auf den anderen, keiner geht voran und letztlich ergeben sich alle ihrem Schicksal.

Es war ein jämmerliches Bild, das der HSV bei seiner allerletzten Chance in Paderborn abgab. Dass sie trotzdem von ihren Fans gefeiert wurden, sollte ihnen zwei Dinge sehr bewusst machen: Zum einen, dass die HSV-Fans den Verein auch dann unterstützen, wenn sie nahezu nichts dafür zurückbekommen. Zum anderen, dass sie den Anhängern etwas schulden. Zumindest diejenigen, die eine Portion Ehre in sich tragen. Denn eines ist mal ganz sicher: Diese Fans kommen nicht wegen dieser Mannschaft und dem aktuell gespielten Fußball – sondern trotzdem.

Damit will ich auch die Mär beenden, die ein Tim Walter (soll angeblich beim englischen Club Hull City kurz vor der Unterschrift stehen) gebetsmühlenartig wiederholte. Der ehemalige HSV-Trainer machte tatsächlich seinen Fußball dafür verantwortlich, dass der HSV einen besseren Zuschauerschnitt als die meisten Erstligisten hat. Und das ist Nonsens. Diese HSV-Fans kommen wegen des HSV an sich ins Stadion. In der Hoffnung, erfolgreichen Fußball zu sehen zu bekommen, zweifellos! Aber selbst wenn das nicht der Fall ist, kommen sie, um zu unterstützen. Siehe auch jetzt nach Schlusspfiff in Paderborn. Warum das so ist? Weil sie erstklassig waren, sind – und bleiben! Und ja, das ist gut so! Denn die Fans sind eine Basis für den HSV, die sonst nur wenige Klubs in Deutschland vorweisen können. Und für alle, die in der bedingungslosen Unterstützung eine Gleichgültigkeit gegenüber dem notwendigen Leistungsprinzip sehen: Eine solche Unterstützung selbst kann gar nicht schlecht sein, sondern nur das, was die Verantwortlichen fälschlicherweise daraus ableiten, ist es immer wieder.

Apropos: Meine herzlichen Glückwünsche gehen raus an die beiden Nordrivalen Holstein Kiel und den FC St. Pauli, die es sportlich absolut verdient haben, in der kommenden Saison erstklassig zu spielen. Schade nur, dass sich der FC St. Pauli in der Stunde des historischen Erfolges (erstmals eine Liga höher als der HSV) in Person seines Präsidenten nicht zu schade ist, tatsächlich niveaulose Spitzen abzufeuern in Richtung des Geschlagenen. Und dass sich der FC St. Pauli jetzt wieder als „der etwas andere Verein“, als politisch korrekter als andere und als Bereicherung für die Bundesliga darstellt schwer ernst zu nehmen. Denn glaubt mir, wirklich jeder, der auch nur ein bisschen hinter die Kulissen blicken kann und konnte, weiß, dass der Stadtnachbar keinen Millimeter weniger kommerziell agiert als alle anderen Profiklubs. Im Gegenteil. Der FC gilt in der Wahrnehmung führender FC-Mitarbeiter schon länger als „Modelabel mit angehängtem Fußballclub“. Ausgestattet mit einer zweifellos außergewöhnlich guten Marketing- und PR-Abteilung…

Aber noch mal: Sportlich zolle ich dem Stadtnachbarn hohen Respekt. Dort hat man in schwierigen Zeiten schwierige personelle Entscheidungen getroffen, die gefruchtet haben. Man hat immer wieder wichtige Spieler wie Gideon Burgstaller, Daniel-Kofi Kyereh, Omar Marmouch und andere verloren und gleichwertig zu ersetzen gewusst. Man hat einen bei den Fans extrem beliebten Trainer Timo Schultz wider alle Widerstände ausgetauscht und auf den jungen, unerfahrenen Fabian Hürzeler gesetzt. Und man hatte damit größtmöglichen Erfolg. Chapeau, die Damen und Herren! So agieren starke Führungskräfte.

Und die braucht auch der HSV. Nun ist die Frage, wie es beim HSV weitergeht. Personell soll eine Menge passieren, ist zu hören. Sportvorstand Jonas Boldt steht im Visier der Aufsichtsräte, die allerdings noch keinen Plan entwickeln konnten, wie es ohne Boldt weitergeht. Bis auf Magath, der sich proaktiv und mit Hilfe seiner medialen Freunde beim HSV selbst ins Spiel gebracht hat, haben bislang alle Kandidaten abgesagt. Nicht wenige rechnen inzwischen damit, dass Boldt weitermachen darf/soll/muss. Und das nicht, weil alle von ihm als Bestbesetzung überzeugt sind, sondern weil die Herren Aufsichtsräte nichts gebacken bekommen. Sie schaffen es nicht, einen Nachfolger zu finden bzw. die sportliche Verantwortung so zu besetzen, dass sie von einer Verbesserung sprechen können. Und nein! Das ist KEIN Scherz.

Der HSV hätte „das Bayern-Problem“ titelten die Kollegen der BILD und meinten damit genau dieses Problem. Denn auch der deutsche Rekordmeister hat momentan Probleme, die sportlich wichtige Position des Trainers neu zu besetzen.  Aber derlei Vergleiche sind nicht zulässig, da sich der HSV gerade im Taumel zur dauerhaften Zweitklassigkeit schwerlich mit einem Champions-League-Halbfinalisten vergleichen lässt. Wobei, wenn man die Namen hört und liest, mit denen sich der HSV auf der Ebene des Sportvorstandes beschäftigt, – Rangnick, Bierhoff, Liverpools Schmadtke – scheinen sich viele aktuell Verantwortliche des HSV noch in der Champions League zu wähnen…

Aber zugegeben: Es ist auch nicht einfach, diesen HSV neu zu besetzen. Zu wenig Kompetenz in verantwortlichen Gremien schreckt die neuen Kandidaten ab.  Und das sage ich nicht nur so, das kommunizieren selbige wie beispielsweise Jörg Schmadtke sogar genauso… Die Frage, ob Boldt der bestmögliche Mann für diesen Posten für den HSV ist, könnte demnach im Ausschlussverfahren entschieden werden. Eine wunderbar vertrauensvolle Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, oder?

Ich für meinen Teil habe in den letzten 25 Jahren viele Aufsichtsräte und andere Verantwortliche beim HSV erlebt. Und ich war oft erstaunt darüber, wie wenig einige fachlich mitbrachten und wie wenig sie am Ende auch umgesetzt bekamen. Ich war dagegen nicht erstaunt darüber, dass die wenigen Fähigen wie beispielsweise Alexander Otto irgendwann freiwillig ausschieden, um ihr Image nicht noch weiter zu beschädigen. Denn dieser Kontrollrat ist keiner. Dieser Aufsichtsrat ist wie der Bundestag, wo bei egal welcher Sch…. applaudiert wird – sofern sie denn aus dem eigenen Interessenlager kommt.

Was ich sagen will: Selbst ein Michael Papenfuß, dem ich absolut nicht aberkennen kann und noch weniger aberkennen will, dass er nur das Beste für den HSV will, wird den Rat als dessen Vorsitzender nicht so funktionieren lassen können, wie er funktionieren müsste, um die Begriffe „Aufsicht“ und/oder „Kontrolle“ zu rechtfertigen. Er wird sich mit den politischen Lagern auf einen Kompromiss einigen müssen. So, wie alle anderen auch in den letzten Jahren. Das Problem hierbei: Das hat noch nie – und das wird auf dieser Ebene einfach auch nie funktionieren. Es bleibt so, wie man sagt: Nur starke Entscheider treffen starke Entscheidungen. Aber die hat der HSV nicht.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Berufsentscheider vom internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne morgen und am Mittwoch die richtige Entscheidung fällen, wenn der Dopingfall von Mario Vuskovic neu aufgerollt wird. Bestenfalls mit einem Freispruch, sollte sich die Beweislage so darstellen.

In diesem Sinne, ich drücke Mario die Daumen.

Euch allen einen schönen Abend!

Scholle

P.S.: Ich schätze Steffen Baumgart wirklich mit seiner oft sehr realistischen, ungeschönten Art. Aber das, was er über das Spiel in Paderborn in Sachen Einsatz und Willen über die eigene Mannschaft sagt, ist so bodenlos schöngeredet, dass es schmerzt.

Dramatisch seelenloser Auftritt – der HSV am Tiefpunkt

Dramatisch seelenloser Auftritt – der HSV am Tiefpunkt

Der HSV hat alle Chancen auf den Aufstieg verspielt und mit diesem 0:1 beim SC Paderborn seine maßlos enttäuschende Saison mit einem Spiel „abgerundet“, das schlimmer kaum hätte sein konnte. So seelenlos wie dieser Auftritt beim 0:1 gegen Paderborner, die nicht einmal annähernd an ihre Leistungsgrenzen gehen mussten, um ungefährdet mit 1:0 zu gewinnen, war schon lange nichts mehr.  Dieses Spiel heute, in dem der HSV gewinnen musste, um sich wenigstens Restchancen auf den Aufstieg zu erhalten, war so schlimm, dass ich gern eine Menge Kraftwörter aneinander reihen würde im Zusammenhang mit den Spielern und den Verantwortlichen.

Der HSV hat alle Chancen auf den Aufstieg verspielt und mit diesem 0:1 beim SC Paderborn seine maßlos enttäuschende Saison mit einem Spiel „abgerundet“, das schlimmer kaum hätte sein konnte. So seelenlos wie dieser Auftritt beim 0:1 gegen Paderborner, die nicht einmal annähernd an ihre Leistungsgrenzen gehen mussten, um ungefährdet mit 1:0 zu gewinnen, war schon lange nichts mehr.  Dieses Spiel heute, in dem der HSV gewinnen musste, um sich wenigstens Restchancen auf den Aufstieg zu erhalten, war so schlimm, dass ich gern eine Menge Kraftwörter aneinander reihen würde im Zusammenhang mit den Spielern und den Verantwortlichen.

Denn das war die schwächste Spielzeit in der 135 Jahre alten Vereinsgeschichte.

Dass man in solchen Momenten vom Aufsichtsrat noch immer nichts hört – es passt zu dem Bild des vollständig desolaten, handlungsunfähigen Klubs, den der HSV heute sportlich auf dem Platz widerspiegelte. Und auch wenn ich weiß, dass das nicht passieren wird, diesem HSV müssten die Fans im letzten Heimspiel einen Denkzettel verpassen und den Stadionbesuch boykottieren. Wer nichts gibt, der hat auch nichts verdient. Vor allem aber hat diese willenlose Kapitulation des HSV von heute verdeutlicht, dass ein genereller Umbruch beim HSV unausweichlich ist. 

Es ist – und das sage ich völlig ohne Übertreibung – ein extrem gefährlicher Moment für den HSV in Gänze. Denn hier sollen unfähige Aufsichtsräte jetzt die unfähigen Verantwortlichen ersetzen. Ein Gremium ohne jede sportliche Kompetenz! Dass der Aufsichtsrat sogar erwägt, Teile der Verantwortlichen zu befördern, anstatt sie zu ersetzen, demonstriert in aller Deutlichkeit, was für Amateure hier den HSV aktuell führen und verantworten…

SPIELERBEWERTUNGEN:



MATHEO RAAB: 
Chancenlos beim 0:1. Note: 3

IGNACE VAN DER BREMPT (bis 58.): Zu halbherzig vor der Flanke zum 0:1, ansonsten wirkte er zwar hochmotiviert, aber in der Umsetzung viel zu fehlerhaft. Sein Torschuss unbedrängt auf den Oberrang des Paderborner Stadions war stellvertretend. Das war schon echt bitterschlecht, was der Belgier heute bot. Note: 6l

MASAYA OKUGAWA (ab 59.): Zu wenig. Viel zu wenig. Note: 5

DENNIS HADZIKADUNIC (bis 45.): Er wirkte desorientiert und hatte eine gefühlt hundertprozentige Fehlpassquote in der ersten Halbzeit. Note: 6

STEPHAN AMBROSIUS (ab46.): Er ist kein Taktiker, kein Techniker – aber ein ordentlicher Zweikämpfer. Mehr darf man sich von ihm nicht erhoffen. Und das bot er heute. Note: 3
SEBASTIAN SCHONLAU (bis 45.): 
Hat seine Mannschaft ohne Unterstützung von Jonas Meffert als Hilfe absolut nicht im Griff. Note: 5

MORITZ HEYER (ab 46.): Machte es nicht schlechter als sein Vorgänger. Aber auch kaum besser. Note: 4

MIRO MUHEIM: Verlor den entscheidenden Zweikampf vor dem 0:1 und spielte eine unterirdische erste Halbzeit. Und so sehr er sich in der zweiten Hälfte auch bemühte, es wurde nicht besser. Note: 5,5

ANSSI SUHONEN (bis 45.): Anfänglich viel zu wild und ein Teil des nicht-vorhandenen zentralen Mittelfeldes, durch das die Paderborner immer wieder problemlos marschieren konnten. Note: 5

LASZLO BENES (ab 46.): Schont sich schon für die EM und seinen vermeintlich neuen Klub. Dass diese Haltung das HSV-Spiel im Vergleich zur ersten Halbzeit sogar noch etwas verbesserte, sagt alles über das desaströse HSV-Spiel aus. Note: 5

LUKASZ POREBA: Viele loben ihn – und auch ich sehe das (für Zweitligaverhältnisse) vorhandene Potenzial bei ihm. Aber er ist ins HSV-Spiel einfach noch nicht ausreichend integriert und es fehlt immer wieder an Abstimmung mit den Kollegen. Er macht den HSV (noch) nicht besser. Note: 5

LUDOVIT REIS (58.): Hat er schon mit dem HSV abgeschlossen? So willen- und ideenlos wie heute habe ich ihn noch nie gesehen. Und das in einem so wichtigen Spiel. Er trabte, grätschte zwischendurch zwar auch, aber wie ein Chef trat er in keiner Phase des Spiels auf. Er ist meilenweit entfernt von der Form, die ihn einst bei Erstligisten auf den Zettel brachte. Und obwohl er noch einer der läuferisch aktiveren war und es in der zweiten Halbzeit etwas besser wurde, als der HSV auf Dreierkette mit ihm als Rechtsverteidiger in der Defensive agierte, war das heute enttäuschend. Note: 5

RANSFORD KÖNIGSDÖRFFER (bis 72.): Völlig unnötiger Fehlpass kurz vor dem 0:1 und auch sonst war er anfänglich nicht da. Er verlor fast jeden Zweikampf, hatte null Wirkung offensiv. Wie einfach er sich den Ball beim Konter in der 69. Minute abnehmen ließ – sinnbildlich für sein heutiges Spiel. Note: 5

BAKERY JATTA (ab 73.): Hatte zumindest einen (schwachen) Torabschluss, womit er in knapp 20 Minuten ebenso effektiv war wie sein Vorgänger Königsdörffer in den 72 Minuten davor. Note: 5

JEAN LUC DOMPÉ: Er nahm erst mit seinem ersten Torschuss in der 36. Minute wirklich Teil an dem Spiel. Schade nur, dass er sein Mitwirken unmittelbar danach auch wieder einstellte. Obwohl er oft von den Pässen der Mitspieler gesucht wurde, machte er zu wenig aus dem Raum, der sich ihm immer wieder bot. Bis  Note: 5

ROBERT GLATZEL: Machte keine Bälle fest, kam selbst nicht in die gefährliche Zone, setzte sich in Zweikämpfen nicht durch – das war nichts. Note: 5

TRAINER STEFFEN BAUMGART: Er reagierte in der Halbzeit auf die erschütternd schwachen ersten 45 Minuten mit einem spannenden Dreifach-Wechsel. Und das war richtig – hatte aber nicht die erhoffte Wirkung. Dass seine Mannschaft heute völlig ideen- und planlos umherstolperte, dass es null Aufbäumen gab und man spielte, als wolle man gar nicht aufsteigen, das muss man diskutieren. Soll heißen: Entweder ein neuer Trainer muss kommen, oder diese Spieler müssen größtenteils ausgetauscht werden. Denn die Mischung aus beidem passt ganz offensichtlich nicht. Note: 5

DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

SC Paderborn: Boevink – Hoffmeier, Musliu, Brackelmann – Obermair, Klefisch, Klaas (81. Kinsombi), Zehnter (86. Heuer) – Bilbija (86. Conteh), Kostons (72. Grimaldi), Ansah (81. Leipertz)

HSV: Raab – Van der Brempt (58. Okugawa), Hadzikadunic (46. Ambrosius), Schonlau (46. Heyer), Muheim – Poreba, Reis, Suhonen (46. Benes) – Königsdörffer (72. Jatta), Glatzel, Dompe

Tore: 1:0 Kostons (7.)

Zuschauer: 15.000 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Frank Willenborg (Osnabrück)

Gelbe Karten: Ansah, Brackelmann, Obermair / Reis, Van der Brempt

Baumgarts Reise in die Vergangenheit – Pherai fällt aus

Baumgarts Reise in die Vergangenheit – Pherai fällt aus

Es ist einfach nur ermüdend, beim HSV über die immer selben Probleme und Fehler zu sprechen. Auf dem Platz – aber daneben noch deutlich mehr. Trotzdem haben Mats und ich das heute noch mal gemacht und im Video festgehalten. Das wiederum eröffnet mir die Möglichkeit, mich hier vermehrt um den sportlichen Bereich zu kümmern. Zwei Tage vor dem Duell beim SC Paderborn, das für den HSV einem Finale gleichkommt, ist das sicher auch gerechtfertigt. Und auch wenn die nur noch sehr gering besuchten Pressekonferenzen durchaus schwindendes Interesse am HSV signalisieren, ist das hier mitnichten so. 

Und das nicht, weil der HSV mit einem Derbysieg im Rücken kommt. Ich habe mich über den Sieg am vergangenen Freitag zwar sehr gefreut, wusste ihn aber auf die gesamte Saison betrachtet recht schnell ganz gut einzuordnen. Dass dieser Sieg im Derby für Steffen Baumgart eine „große Erleichterung“ war, ist mehr als nachvollziehbar. Noch besser an seinen heutigen Ausführungen fand ich aber, wie schnell er den Fokus weg vom Derby und hin auf seinen Exklub SC Paderborn gelegt hat. Das Derby sei „schon wieder Vergangenheit“, sagte der 52-Jährige vor einem für ihn ganz besonderen Match:  Erstmals kehrt er als gegnerischer Trainer zum SC Paderborn zurück. „Ich hatte vier wunderbare Jahre. Paderborn wird immer in meinem Herzen sein, und das wird sich in den nächsten 20 Jahren nicht ändern», sagte Baumgart vor dem Auswärtsspiel bei dem Team, für das er von April 2017 bis Juni 2021 verantwortlich war. Dort schaffte Baumgart seinerzeit den Durchmarsch von der 3. Liga in die Bundesliga und überflügelte hierbei auch einmal den HSV (2018/19).  „Paderborn war meine wichtigste Station“, sagte Baumgart heute dankbar, „weil es meine erste richtige Chance war.“

Ob er diese aktuell mit seinem Team auch noch sieht, was den Aufstieg betrifft? Logisch, so Baumgart. Die Chance sei zwar nicht groß und man habe es nicht in der eigenen Hand, aber bei vier Punkten und 13 Toren Rückstand auf Fortuna Düsseldorf sei man eh zum Siegen gezwungen. „Wenn wir nicht gewinnen, sind wir raus. Wenn wir gewinnen, haben wir noch eine Chance. Und dann schauen wir uns gern an, was Düsseldorf und Kiel am Sonnabend veranstalten.“ Fakt ist auch:  Sollte sich die Fortuna aber am Samstagabend im Topspiel bei Tabellenführer Holstein Kiel durchsetzen, würden dem HSV auch drei Zähler in Paderborn nicht reichen.

Auch deshalb lenkte Baumgart alles auf das Spiel bei seinem Exklub, vor dem er großen Respekt hat. Deren Trainer Lukas Kwasniok, sein direkter Nachfolger in der Home-Deluxe-Arena, schaffe es immer wieder, „mit Spielern, die nicht so auf dem Schirm sind, eine gute Struktur zu schaffen. Ich finde seine Arbeit richtig gut“, lobte Baumgart. Und  damit sollte es dann auch genug der Lobhudelei gewesen sein. Finde ich…!

Hinsichtlich der Aufstellung gibt es noch Fragezeichen hinter dem Einsatz von Laszlo Benes und Bakery Jatta. Beide haben heute zwar mittrainiert. Dennoch relativierte Baumgart: „Heute sah es gut aus, aber entscheiden werden wir morgen.“ Baumgart muss im Mittelfeld derweil zwei wichtige Spieler ersetzen muss. Immanuel Pherai hat sich im Derby eine nicht näher bezeichnete Verletzung zugezogen. „Er ist weiter außen vor und wird in der nächsten Woche, wenn alles normal läuft, wieder einsteigen.“ Zudem fällt  Jonas Meffert, der gegen den FC St. Pauli die zehnte Gelbe Karte in dieser Saison sah, gesperrt aus.

In diesem Sinne, Euch allen eine gute Nacht!

Scholle