Daten sprechen gegen ihn – aber wie gut passt Selke zum HSV?

Daten sprechen gegen ihn – aber wie gut passt Selke zum HSV?

Selbstverständlich stürzen sich die berichterstattenden Medien inklusive uns als Blog zumeist auf die Themen, die am meisten polarisieren. So eben auch bei Transfers, die besonders hohe Wellen schlagen. Das, was früher bei Weltklasse-Spielern wie Ruud van Nistelrooy oder Zé Roberto passierte, passiert jetzt einfach nur ein paar Etagen tiefer. Es sind einfach andere Zeiten. Heute sind es eben nicht mehr Barbarez, Petric und Olic – heute ist es ein Spieler wie Davie Selke, der die HSV-Fans zum Diskutieren anregt. Auch ich habe es hier schon getan – und werde es heute alles noch einmal mithilfe unseres Profi-Analysten von Createfootball.com auf völlig emotionsloser, sachlicher Ebene machen.

Mein Dank geht dabei an Mats Beckmann, den Ihr alle aus unseren Videos kennt. Mats hat sich kurz vor seinem wohlverdienten Urlaub die Mühe gemacht und mal ein paar Daten zusammengestellt, die uns einen besseren Blick auf die Sinnhaftigkeit bzw. die Unsinnigkeit des so genannten „Königstransfers“ geben. Denn Fakt ist auch, dass beide Spieler, die auch heute im Trainingslager im österreichischen Bramberg noch individuell trainierten,  zu den Topverdienern im Kader zählen – wobei davon auszugehen ist, dass sie es sind. Ergo: Sollte Trainer Steffen Baumgart dauerhaft jeweils einen der beiden auf die Bank setzen und damit nicht den maximalen Erfolg herausholen, würde das intern wie extern schnell zu der Diskussion führen, ob der Selke-Transfer wirtschaftlich zu rechtfertigen war. Aber lasst uns erst einmal sportlich über diesen Transfer sprechen.

Zuletzt wurde von HSV-Seite darüber nachgedacht (und im Training sogar so gespielt), mit einer Doppelspitze zu agieren. Und angesichts der Spielertypen Robert Glatzel und Selke bliebe Baumgart auch gar nichts anderes übrig, wenn er beide zugleich auf dem Platz haben will. Das Problem hierbei ist nur, dass eine solche Doppelspitze sehr eindimensional würde, weil beide sich spielerisch extrem ähneln. Beide sind sehr zentrumslastig und weichen nahezu nie in Richtung Außenbahn aus. Beide sind klare Zielspieler – und eine Doppelspitze mit Zielspielern hat fast nie zum Erfolg geführt. Als Beispiel hierfür nennt Mats Arminia Bielefeld in der Abstiegssaison oder zeitweise auch den VfL Wolfsburg mit Wout Weghorst und Daniel Ginczek, die jeweils außergewöhnlich erfolglos mit einer Doppelspitze bestehend aus zwei Zielspielern agierten.

Sowohl Glatzel als auch Selke strahlen mit dem Kopf mehr Torgefahr aus als mit dem Fuß. Mit anderen Worten, sie benötigen möglichst viele Flanken. Das Spiel des HSV würde somit noch eindimensionaler als in der Rückrunde 2023/24, wo man immer wieder schnell ins letzte Drittel spielte und dabei oft planlos wirkte bei der eigenen Chancenkreation. Ob das mit Selke besser wird? Statistisch ist das schwerlich zu erwarten. Selke kommt seit 2020 in insgesamt 118 Spielen auf gerade einmal eine Torvorlage. Als guten Torvorbereiter hat man Selke sicher nicht verpflichtet. Und da weder Selke noch Glatzel als Flankengeber agieren, käme es in der neuen Saison also noch mehr auf die Außenbahnspieler (Jean Luc Dompé, Bakery Jatta oder auch Adam Karabec) an.

So kommt Davie Selke vornehmlich zum Torabschluss

Ähnlich wie Glatzel ist Selke der Typ Spieler, der verwertet, nicht derjenige, der in die 1-gegen-1-Duelle geht. Dafür fehlen ihm die technischen und athletischen Mittel. In der Bundesliga hatten nur sechs der 56 Stürmer mit mehr als 1000 Spielminuten schwächere Werte als Selke, der sich auch deshalb nur sehr wenig ins Kombinationsspiel einbringt. Zudem empfängt der HSV-Neuzugang selten Pässe hinter der letzten Kette, was darauf hindeutet, dass er zu wenig spielerischen Tiefgang einbringt. Und das, obwohl das Spiel in Köln (Selke fehlte verletzungsbedingt viel und kommt so auf 19/34 Spiele) komplett auf ihn zugeschnitten war.

Bezeichnender Fakt: In der abgelaufenen Saison hatte in der Bundesliga nur Darmstadts Vilhelmsson eine geringere Passquote unter hohem Gegnerdruck. Ergebnis all dieser Daten ist, dass Selke mit 29 Jahren eher wenig Weiterverkaufspotential hat. Daher MUSS er in Hamburg funktionieren, um seinen Transfer zu rechtfertigen. Das bringen sein Alter, seine Erfahrung und sein finanzieller Anspruch im Gehalt schon mit sich.

Und noch einmal, völlig losgelöst von allen Daten und Statistiken, stelle ich mir die Frage, was genau Selke dazu bewogen hat, nach Hamburg zu kommen. Denn das ist eine extrem wichtige Frage! Es gilt einfach auszuschließen, dass der HSV Spieler holt, die sich ob der schönen Stadt und eines guten Gehaltes hier in Hamburg vor allem eine schöne Zeit machen wollen. Es gilt stattdessen zu sichern, dass der neue Spieler nach Hamburg kommt, weil er sich beweisen und Erfolge erzielen will. Mein Profil für HSV-Zugänge beinhaltet IMMER, dass der jeweilige Spieler den HSV sportlich braucht! Der HSV muss im er über dem einzelnen Spieler stehen. Soll heißen: Der Spieler muss den HSV als Hilfe für seine sportliche Karriere brauchen. Er muss wissen, dass ihm nur der Erfolg mit und beim HSV zum Erreichen seiner persönlichen Ziele helfen. Und genau hier sehe ich ein großes Delta bei Selke.

Mein Fazit: Ich hätte Selke eher nicht verpflichtet. Aber ich warne dringend davor, den Stab über Selke zu brechen, ehe er eine faire Chance hatte, sich hier zu zeigen und alle Statistiken zu widerlegen. Denn dass er sportlich Potenzial hat, ist unbestritten. Und es gibt auch einige positive Ansätze. Sowohl Sportvorstand Stefan Kuntz als auch Baumgart kennen Selke bereits aus alten Zeiten der Zusammenarbeit. Bleibt zu hoffen, dass beide sich in diesem Fall nicht irren und Selke dem HSV am Ende maßgeblich dabei zu helfen weiß, das formulierte Ziel Wiederaufstieg diese Saison zu erreichen. Und ganz nebenbei noch ein wenig positive Statistik: Der Abgang von Bénes könnte mit Selke durch eine Systemumstellung (4-3-3 zu 4-4-2) kompensiert werden, höherer Flügelfokus und bessere Boxbesetzung gehen damit einher. Und:  Selke gab von seinen wenigen Torschüssen viele aus zentralen, torgefährlichen Positionen ab. Er nutzte seine wenigen Großchancen in Köln zuverlässig (nur 5.5 Schüsse pro Tor). Da hat er Glatzel und dem Rest der Chancen wuchernden HSV-Profis etwas voraus…

In diesem Sinne, über Selkes Verpflichtung an sich zu diskutieren, macht nur sehr bedingt Sinn. Davie Selke ist jetzt HSV-Profi und wir sollten ihm genau die Zeit und die Chancen geben, die alle verdient haben. Ich habe damit auch völlig unabhängig von meiner bisherigen Meinung über ihn absolut kein Problem. Im Gegenteil: Ich würde mich riesig freuen, wenn ich bezüglich dieser Verpflichtung komplett irre! Aber damit bin ich ganz sicher nicht allein hier…

Scholle

Es muss sich noch einiges verändern – beim HSV und bei uns

Es muss sich noch einiges verändern – beim HSV und bei uns

Die Europameisterschaft ist beendet – was für eine Leere sich da plötzlich auftut. Oder? Wobei, ein wenig wurde ich durch das Aus der Deutschen ja schon darauf vorbereitet. Die letzten Spiele der EM waren dann alle interessant, teilweise spannend – aber ohne das dazugehörige Herzblut, um ein Spiel so emotional mitzuverfolgen, wie ich es gern mache. Und auch wenn das einige jetzt nicht gern hören – auch beim HSV fehlt mir noch etwas, um voll mitzufiebern. Das Spiel am Freitag bei Drochtersen und das Spiel am Sonnabend in Lübeck waren zumindest noch nicht so, dass ich den Saisonstart herbeisehne.



NEUES VIDEO: So findet der HSV seine nächsten Neuzugänge:

Mats Beckmann von Createfottball.com verrät uns, wie die Profiklubs hinter den Kulissen arbeiten
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Der HSV verpflichtet Selke – ein Transfer, der Fragen aufwirft

Der HSV verpflichtet Selke – ein Transfer, der Fragen aufwirft

Der HSV hat seinen nächsten Neuen: Davie Selke wechselt vom Bundesliga-Absteiger 1. FC Köln nach Hamburg und darf dort gleich zum Saisonauftakt auf ein Wiedersehen mit alten Kollegen hoffen: Denn im Zweitliga-Eröffnungsspiel geht es für den HSV zum 1. FC Köln.  „Ich freue mich sehr auf den HSV“, wird Selke im schon hundertfach gehört und gelesenen HSV-Neuzugangs-Interview zitiert. „Der HSV ist einer der spannendsten Clubs im deutschen Fußball und der Gedanke daran, dabei mitzuhelfen, diesen Verein in die Bundesliga zurückzubringen, hat mich sofort gepackt.“

Im verflixten siebten Jahr kommt Selke als Backup für Glatzel dazu. Oder? Nein, sicher nicht! Selke kommt nicht, um auf der Bank zu sitzen. Selke hat andere Ansprüche. Er kehrt hier zu seinem ehemaligen Trainer Steffen Baumgart zurück. Und auch mit HSV-Sportvorstand Stefan Kuntz verbindet den 29-Jährigen eine sportliche Vergangenheit. „Ich habe mit Davie in der deutschen U21-Nationalmannschaft zusammengearbeitet, als er entscheidenden Anteil daran hatte, dass wir 2017 Europameister geworden sind. Steffen Baumgart hat ihn zudem beim 1. FC Köln trainiert, und wir sind absolut davon überzeugt, dass Davie uns auf dem Platz wie auch in der Kabine stärker machen wird“, schwärmt Kuntz.

Aber wie gut ist Selke noch? In der abgelaufenen Saison kam Selke in Köln auf 19 Liga-Einsätze, in denen er sechs Treffer erzielte. Insgesamt bringt es der schlaksige Rechtsfuß auf 238 Bundesligaspiele mit 46 Toren und 20 Vorbereitungen. In der 2. Liga kommt er auf bislang 30 Partien mit zehn Treffern und drei Vorlagen. Durchschnittliche Statistiken, die mich in den letzten Jahren nie überzeugt haben. Und wirklich absolut ohne ihm irgendwas Böses zu wollen, auch jetzt überzeugt mich dieser Transfer nicht. Zumal er finanziell ein Geschmäckle hat, da Selke in Hamburg zweifellos zum Topverdiener wird. 

Nein, Selkes Transfer ist die Nummer, die der HSV in den letzten 20 Jahren nur allzu oft gefahren ist. Diesmal im Vergleich zu sonst zwar ablösefrei, aber wirklich strategisch langfristig ist diese Verpflichtung sicher nicht. Hier wird kein talentierter Spieler geholt, beim HSV besser gemacht und am Ende teurer verkauft. Nein, hier wird darauf gehofft, dass ein tendenziell formschwacher, zuletzt verletzungsanfälliger Angreifer sein früher mal gezeigtes Potenzial noch mal abruft.

Die Frage, die ich mir stelle, ist: Was sind denn Selkes Ziele in der Karriere noch? Nationalspieler wird er eher nicht mehr, Champions League spielen wird er auch eher nicht mehr. Aber genau von den Spielern, die diese Träume noch haben, bräuchte der HSV ein paar mehr. Auch deshalb ist dieser Transfer für mich ein eher einfallsloser Transfer, der das Signal sendet, dass der HSV zwar den direkten Aufstieg anstrebt – aber eben ohne eine langfristig angelegte Idee. Oder anders formuliert: Der HSV ist mal wieder dabei, es zu verpassen, hier in Hamburg nachhaltigen Erfolg zu säen. 

Fakt ist auch, dass der HSV jetzt zwei Großkopferte im Sturmzentrum hat. Beide können sicher auch als Doppelspitze agieren, aber beide werden jedes Spiel auf dem Platz stehen wollen. Junge, talentierte Angreifer werden es sehr schwer haben, sich bei dieser Konkurrenz in die Startelf zu spielen. Denn eines ist auch klar: Selke wird gepusht werden, damit seine Verpflichtung den Verantwortlichen nicht gleich wieder auf die Füße fällt. Die Nachwuchsstürmer wie Otto Stange oder noch mehr der zuletzt enttäuschende Andras Nemeth werden das wissen und sich ihren Teil denken.

Elfadli, Karabec und jetzt Selke – alles Spieler, die bereits ein gewisses Niveau vorgewiesen haben. Aber wirklich mutig ist das nicht von Kuntz. Kreatives ist es allemal nicht. Und nein: Das muss es auch nicht, wenn es darum geht, aufzusteigen. Aber ich würde es mir wünschen, dass der HSV mehr den Weg geht, den ich auch mit Mats Beckmann im letzten Talk „Inside Profifußball“ besprochen habe. Über etwas weniger bekannte Ligen und Mannschaften die Juwelen finden, die sich beim HSV zu Leistungsträgern entwickeln, um entweder mit ihnen aufzusteigen und weitere sportliche Erfolge zu feiern – oder sie eben nach einer erfolgreichen Phase erfolgreich teuer zu verkaufen, um denselben Kreislauf neu zu starten.

Am liebsten wäre es mir, wenn der HSV zwei Spieler günstig holt und diese nach oben hin entwickelt. Dann wird einer von ihnen möglichst teuer verkauft und die nächsten zwei geholt, die man ihrerseits wieder nach oben entwickelt. So würde man den Erfolg des HSV sukzessive ausbauen und sich finanziell parallel unabhängiger machen.  Transfers von Typen wie Selke sind hier eher das Gegenteil.

Ich weiß, dass das viele so nicht lesen wollen.  Aber ich sehe es aktuell so. Dass ich Selke wie allen anderen HSV-Zugängen hier in Hamburg nur das Allerbeste wünsche. Logisch!

Mein Herzlichstes Willkommen, Davie Selke!

Ich hoffe wirklich, dass ich mich in ein paar Wochen schon an gleicher Stelle für meine Skepsis entschuldige und Selke hier voll einschlägt. Und sollte es so kommen, werde ich das auch machen! Nur von einer Meinung würden mich auch starke Leistungen nicht abbringen: Dass der HSV mehr Kreativität bei der Kaderzusammenstellung braucht, um langfristig erfolgreich zu arbeiten.

Aber mich würde vor allem interessieren, wie Ihr diesen Einkauf (ablösefrei) seht. Ist Selke – zumal ablösefrei – eine Chance, die Kuntz und Co. nutzen mussten? Oder hättet Ihr Euch einen anderen Weg/Spieler gewünscht?

In diesem Sinne! Ich freue mich auf Eure Reaktionen!!

Scholle

Hauptaugenmerk des HSV muss weiter auf Defensive liegen

Hauptaugenmerk des HSV muss weiter auf Defensive liegen

Die EM ist für mich tatsächlich am vergangenen Freitag zu Ende gegangen. Ich weiß, dass das nach einem schlechten Verlierer klingt, und ich bin das in Teilen ganz sicher auch: Aber ohne ein Team dabei zu haben, für das ich mitfiebere, ist dieses Turnier nur noch einen Bruchteil so spannend wie bis zum unglücklichen Aus der Nagelsmann-Elf. Und ja, auch der nicht gegebene Elfmeter ist für mich noch nicht abgehakt, im Gegenteil: In dem Moment, wo hier in Deutschland alle einmal miterleben mussten, wie unfair die Auslegung der Handspiel-Regelung noch ist, könnte ja der Anfang sein, um mit diesem absoluten Irrsinn endlich abzuschließen.

Ich hasse diese unsinnige Regel, dass ein Chip im Ball am Ende beweist, dass es eine nicht zu erkennende Berührung des Balles gab (siehe Handfelfer gegen Dänemark). Andererseits wird ein gefährlicher Torschuss wie der Jamal Musialas vom Spanier unabsichtlich, aber deutlich erkennbar so abgefälscht, dass ein mögliches Tor verhindert wird – und es gibt keinen Strafstoß. Von den tausenden unsinnigen Handspielen, bei denen Spieler teils ohne Sicht auf den Ball mit der Hand an selbigen kommen ganz zu schweigen. Nein, das ist nicht mehr gesund. Und auch deshalb bin ich komplett bei Julian Nagelsmann, der hier eine Einheitlichkeit fordert, die ganz einfach klingen kann. 

Denn neben den gewollten Handspielen muss für die ungewollten eine Regel her. Hier macht es Sinn zwischen gefährlichen Torschüssen und/oder Flanke gegenüber den Schüssen zu unterscheiden, aus denen im Nachgang nichts geworden wäre. Klingt einfach – und das ist es auch. Wenn man hierzu den beiden Mannschaften noch eine begrenzte Anzahl „Challenges“ zugesteht, mit denen sie Entscheidungen überprüfen lassen können, würde man diesem ganzen VAR-Wahnsinn vielleicht seine Fußball-entehrende Wirkung ein Stück weit nehmen können. 

Ich hatte nie etwas dagegen, dass Schiedsrichter Fehler machen. Wie auch? Sie sind denselben physikalischen Gesetzen ausgesetzt wie alle anderen Menschen. Und wir alle sehen verschiedene Dinge entsprechend unterschiedlich – und eben auch mal falsch. Auch die Schiedsrichter. Aber ich habe den Glauben daran, dass die Unparteiischen ihrem Namen Ehre erweisen, nie verloren. Dafür sehe ich in solchen Fehlentscheidungen wie dem nicht gegebenen Elfer gegen Spanien insbesondere dann eine Tragik, wenn sie nach zigfacher Überprüfungen immer noch falsch getroffen werden. 

Der Profi-Podcast von und mit Createfootball.com

Apropos Entscheidungen: Eine haben wir hier getroffen. Und zwar die Entscheidungen, wohin wir die 200 Euro spenden, die wir über unser Tippspiel und über unseren großzügigen Blog-User Michael eingespielt haben. Jeweils 100 Euro werden wir an das Deutsche Kinderhilfswerk sowie an das Friedensdorf international spenden und hoffen, dass wir diesen Betrag zur neuen Saison dann noch mal steigern können.

Ebenso hoffe ich, dass der HSV sich zur neuen Saison weiter neu aufstellt und hierbei alte Fehler meidet. Mit Daniel Elfadli und Adam Karabec hat der HSV zwei Neue geholt. Laszlo Benes ist derweil als bislang einziger Leistungsträger gegangen. Da ich Karabec’s Leistungsniveau auf Zweitligaebene noch nicht wirklich einschätzen kann, bin ich mir in der Summierung der Zu- und Abgänge noch nicht im Klaren, ob der HSV sich verbessert hat. Elfadli halte ich für einen guten Backup für Jonas Meffert – oder eben auch neben ihm. Aber Benes‘ Abgang ist sportlich schwer.

Denn der Linksfuß war nicht nur einer der torgefährlichsten Spieler im Team, sondern auch einer der wenigen, die mal einen Standard direkt verwandeln konnten. Und davon hat der HSV jetzt keinen mehr – den noch immer gesperrten Marijo Vuskovic mal ausgenommen. Aber so einen Spieler braucht der HSV. Wie gesagt, bei Karabec sehe ich einen guten linken Fuß und Torgefahr. Aber kann er Benes in Sachen Standards ersetzen? Und falls nicht – wer kann es sonst?

Dass sich der HSV angeblich mit einem Davie Selke beschäftigt, erschreckt mich. Selke ist vom Typus her als Stürmer ähnlich wie Glatzel – okay. Aber gefühlt ist er eben auch jemand, der mir in den letzten Jahren mehr durch sein Verhalten außerhalb als durch Leistung auf dem Platz aufgefallen ist. Und ich bleibe dabei: Ich wünsche mir einen jungen Angreifer, der sein erkennbares Potenzial beim HSV ausschöpft und hier mit dem Klub zusammen wächst, um später teurer verkauft zu werden oder mit dem HSV aktuell schwer vorstellbare Erfolge feiert. Und ein Spieler mit höherem Wiederverkaufswert ist Selke sicher nicht.

Aber: Offensiv sehe ich beim HSV weniger Probleme als defensiv. Den Ausfall von Vuskovic konnte der HSV nie ersetzen. Und da noch immer nicht klar ist, wie lange der Kroate noch gesperrt bleibt und ebenso fraglich sein würde, wie schnell er nach der langen Pause wettbewerbsfähig fit wird, sehe ich in der Defensive den größten Handlungsbedarf. Die Aussage von Sportvorstand Stefan Kuntz, der sagte, dass man bis zum Ende der Transferphase warten müsse, um dann vielleicht noch einen Hochkaräter günstig zu schießen, kann ich für den einen, besonderen Spieler nachvollziehen. Aber dieser potenzielle Hochkaräter sollte den HSV nur noch in der Spitze verbessern – nicht im Grundgerüst.

Denn der HSV muss auch ohne diesen unplanbaren Neuzugang schon so aufgestellt sein, dass man aufstiegsreif ist. Und da fehlte es in der abgelaufenen Saison insbesondere defensiv an Qualität. An Tempo in der Innenverteidigung, aber auch an Qualität auf der rechten Verteidigerposition. Insbesondere dann, wenn Ignace van der Brempt ausfiel, mussten die beiden HSV-Trainer Tim Walter sowie in der Folge auch Steffen Baumgart improvisieren. Und neben der dann fehlenden Qualität war es auch die fehlende Eingespieltheit, die im Aufstiegskampf am Ende dazu führte, dass der HSV sein Ziel verpasste. Dass man ein überbordendes Maß an Verletzungspech nicht vorhersehen kann, ist klar. Aber in Sachen Viererkette muss der HSV sich qualitativ noch deutlich besser aufstellen. Und dass zu erkennen, bedarf sich keines Hellsehers – aber leider hört man von Seiten des HSV bislang recht wenig in diese Richtung.

Wie sich die Profiklubs einen Marktüberblick verschafften, könnt Ihr im neuen Video mit unserem Profi-Analysten Mats Beckmann von Createfootball.com hören und sehen. Eine sehr umfangreiche Arbeit, die Profiklubs in aller Regel ohne fremde Hilfe von Datenbank-Spezialisten so umfänglich gar nicht mehr leisten können – zumindest keine Zweitligisten wie der HSV. In dieser Folge „Inside Profifußball“ nennt Mats auch spannende Namen, die für den HSV interessant werden könnten. Auch für die Defensive…

In diesem Sinne, hoffen wir mal, dass der HSV sich für die Defensive noch ein wenig was einfallen lässt und dass Ihr vielleicht ein wenig mehr Freude an der verbleibenden EM habt als ich…!

Scholle

Was Benes‘ Abschied für den HSV bedeutet – Karabec ist da!

Was Benes‘ Abschied für den HSV bedeutet – Karabec ist da!

Von Robert Hoyer

Es hatte sich bereits nach dem erneut verpassten Aufstieg abgezeichnet. Während Robert Glatzel und mutmaßlich auch Ludovit Reis für eine weitere Saison im Volkspark spielen, wird Laszlo Benes in die erste Liga zu Union Berlin wechseln. Benes macht von seiner Ausstiegsklausel gebrauch, die je nach Quelle zwischen schnäppchenhaften 2-3 und marktwertgerechten 5-6 Millionen liegt. Damit verlässt der vermutlich beste Spieler der vergangenen Saison den HSV. 13 Tore und 11 Vorlage sprechen für sich und sind die logische Empfehlung es eine Liga weiter höher zu versuchen. Im Folgenden möchte ich einmal aufzeigen, was Benes Abgang für den HSV bedeutet und wie man mit diesem Verlust umgehen kann.

Zunächst einmal verliert der HSV seinen torgefährlichsten Mittelfeldspieler. 13 Tore sind ein stolzer Wert – zweitbester Torschütze aus dem Mittelfeld ist Jatta mit gerade einmal fünf Treffern. Dabei überzeugte Benes vor allem mit seiner starken Schusstechnik, welche den HSV in dem ein oder anderen Spiel wieder auf Kurs brachte. Zudem zeichnete ihn die Qualität von starken Vertikalpässen aus, die gerade in Baumgarts System mit mehr Tiefe im Vergleich zu Walter von entscheidendem Vorteil sein kann. Bis heute unverständlich, warum Benes in Düsseldorf auf einmal als Flügelspieler auslaufen sollte – die Folge: 0 Schüsse aufs Tor. Mit seinen spielerischen Qualitäten ergänzte sich Benes zudem lange sehr gut im Dreiermittelfeld mit Abräumer Meffert und Box-to-Box Spieler Reis, die die „Drecksarbeit“ für den eher langsamen Benes übernahmen. Benes Profil als vertikaler Spielmacher wird im aktuellen Kader fehlen. Die anderen offensiven Mittelfeldspieler Suhonen und Pherai sind weniger Strategen, sondern quirlige Dribbler.

Für Letzteren könnte Benes Abgang jedoch eine Chance sein. Während der Verletzung von Ludovit Reis spielten Benes und Pherai oft zusammen die Doppel-8. Ein Mismatch, da beide Spieler offensiv denken und Pherai nicht Benes Arbeiter sein konnte. Dennoch musste Pherai mehr defensive Aufgaben übernehmen und konnte nicht wie in Braunschweig mit allen Freiheiten aus der 10er-Position heraus auf die gegnerische Abwehr zulaufen. Diese 10er-Position, die es unter Walter nicht gab (ein Schelm wer sich fragt, warum Pherai dann überhaupt für Walter verpflichtet wurde), könnte nun unter Baumgart vakant werden. In einem 4-4-2 mit Raute könnte beispielsweise Meffert den alleinigen 6er spielen. Auf der Acht würden Reis als klassischer Box-to-Box Spieler und Poreba als zweikampfstarker und passsicherer 8er die Halbpositionen übernehmen. Pherai würde hinter zwei Spitzen (bspw. Glatzel und Königsdörffer) seine Freiheiten bekommen und könnte nach einem Jahr Anlauf endlich durchstarten (Benes erging es ja nach einem ersten durchwachsenen Jahr nicht anders). Ein 4-4-2 mit Raute wäre für Benes übrigens nicht passend, da er für die Halbpositionen läuferisch zu schwach ist und auf der 10 das Spiel zu wenig vor sich hat. Dieser Systemwechsel ist nur eine Idee, für die der Kader auch noch Verstärkungen bräuchte – gerade was einen Herausforderer für Meffert und einen weiteren Stürmer für die Doppelspitze angeht. Jatta und Dompe hätten zudem kein passendes Positionsprofil. 

Einen weiteren Vorteil hat Benes Verkauf übrigens noch. Mit den Einnahmen könnte man vielleicht endlich die seit Jahren bestehende Baustelle auf der Rechtsverteidigerposition langfristig lösen. Zurzeit stehen dafür nominell nur Oliveira und Mikelbrencis zur Verfügung (Heyer ist kein RV!). Abschließend können wir Benes nur alles Gute in Bundesliga wünschen und auf ein baldiges Wiedersehen in ebenjener Liga hoffen. Bis dahin bleibt viel zu tun – insofern auch an Stefan Kuntz viel Erfolg für die nächsten zwei Monate – wir werden ihn brauchen.


Vielen Dank für Deine Einschätzungen, lieber Robert!! Inzwischen hat der HSV auch hierauf reagiert und seinen nächsten Neuen verpflichtet: Adam Karabec kommt zum HSV! Der tschechische Mittelfeldspieler wird von Sparta Prag bis Saisonende ausgeliehen und reist direkt ins Trainingslager nach Schneverdingen. „Mit Adam bekommen wir einen Spieler mit einem sehr spannenden Profil“, sagte Direktor Profifußball Claus Costa. „Dank seiner spielerischen Qualität, seiner Kreativität und seines starken linken Fußes ist er jederzeit in der Lage, für Gefahr zu sorgen.“ Sportvorstand Stefan Kuntz ergänzte: „Wir haben uns schon länger mit Adam beschäftigt und freuen uns sehr, dass es mit dem Transfer geklappt hat.“ Die Pressemitteilung im Wortlaut:

HSV VERPFLICHTET KARABEC

DER 21-JÄHRIGE OFFENSIVSPIELER ADAM KARABEC WECHSELT AUF LEIHBASIS VOM TSCHECHISCHEN MEISTER SPARTA PRAG ZUM HSV UND REIST DIREKT INS TRAININGSLAGER DER ROTHOSEN. 

Der Hamburger SV verpflichtet Adam Karabec, der auf Leihbasis vom tschechischen Erstligisten Sparta Prag nach Hamburg wechselt. Bei den Pragern wurde der 21-Jährige im Nachwuchs ausgebildet und feierte für seinen Club bereits im Alter von 16 Jahren sein Profi-Debüt. In der Saison 2023/24 kam der 22-fache U21-Nationalspieler Tschechiens wettbewerbsübergreifend in 30 Partien zum Einsatz, in denen er fünf Tore erzielte und vier weitere vorbereitete. Seit seinem Profi-Debüt im Februar 2020 kam der vielseitige offensive Mittelfeldspieler in der Liga, im Pokal sowie in der Europa League auf insgesamt 141 Pflichtspiel-Einsätze für den AC Sparta Prag, mit dem er in der abgelaufenen Saison das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg feiern konnte.

„Mit Adam bekommen wir einen Spieler mit einem sehr spannenden Profil“, sagt Direktor Profifußball Claus Costa (Foto), „dank seiner spielerischen Qualität, seiner Kreativität und seines starken linken Fußes ist er jederzeit in der Lage, für Gefahr zu sorgen. Darüber hinaus hat Adam mit mehr als 150 Einsätzen für Sparta Prag und die tschechische U21-Nationalmannschaft bereits Erfahrung auf nationalem sowie internationalem Parkett gesammelt.“

Und Sportvorstand Stefan Kuntz hebt hervor: „Wir haben uns schon länger mit Adam beschäftigt und freuen uns sehr, dass es mit dem Transfer geklappt hat, wobei der Dank für die konstruktiven und zielführenden Gespräche auch seinem Berater Pavel Kuka sowie Spartas Sportdirektor Tomas Rosicky gilt, die ich beide schon seit vielen Jahren kenne.“ 

Karabec selbst, der nach bestandenem Medizincheck und der erfolgten Vertragsunterschrift direkt ins HSV-Trainingslager nach Schneverdingen reist, freut sich auf die neue Aufgabe und hat klare Vorstellungen für seine Zeit in Hamburg: „Der HSV ist ein toller Verein und das Volksparkstadion ist absolut beeindruckend. Ich kann es kaum erwarten, hier zu spielen und hoffentlich auch einige Tore zu schießen. Ich möchte mit meiner neuen Mannschaft so viele Spiele wie möglich gewinnen und mithelfen, das große Ziel des Vereins zu erreichen.“

Der nächste Neue für den HSV? Karabec im Anflug

Der nächste Neue für den HSV? Karabec im Anflug

Es geht weiter. Nicht nur auf dem Platz im Trainingslager in Schneverdingen, sondern auch drumherum. „Die letzten Wochen waren ein bisschen einsam im Büro im Volkspark. Deswegen bin ich froh, jetzt alle wiederzusehen – und dass wir wieder loslegen“, sagt HSV-Sportdirektor Claus Costa und verrät via Vereinshomepage, dass es eine sehr anstrengende Zeit war: „Es war eine Zeit, in der sehr viel Arbeit im Hintergrund geleistet wurde, in der viele Dinge vorbereitet wurden und in der viele Gespräche geführt wurden. Die Zeit ist dann eher im Büro als anderswo.“  Wie sich diese Gespräche auszahlen, scheint man gerade heute wieder zu sehen, wo der nächste Neue im Anflug zu sein scheint.

Aber: wie genau solche Kaderplanungen gestaltet sind, wie hier hinter den Kulissen gearbeitet wird, das weiß Mats Beckmann von Createfootball.com. Warum er das weiß? Weil er die Kaderanalysen für die Profiklubs zusammenstellt und anhand seiner Datenbanken klare Profile erstellt, was und wen die Klubs brauchen. Und darüber spreche ich mit Mats in dem ersten Teil unserer neuen Serie „Inside Profifussball“. Interessanter Fakt: Wir sprechen im neuen Video auch inhaltlich über den vermeintlich nächsten neuen des HSV: Adam Karabec, der nach BILD-Informationen bereits am Mittwoch in Hamburg landen und dann dort den Medizincheck absolvieren soll. Der 21-Jährige soll für ein Jahr vom tschechischen Double-Gewinner Sparta Prag ausgeliehen werden.

Zudem soll sich der HSV eine Kaufoption über drei Millionen Euro gesichert haben. Und derlei Leihgeschäfte mit Kaufoption halte ich für sehr sinnvoll. Denn so vermeidet man, dass man einen Spieler mühsam weiterentwickelt, ohne letztlich daran partizipieren zu können, wenn er verkauft wird. Man vermeidet zudem, dass der Spieler zum Leistungsträger avanciert und man ihn dann gegen den Wunsch des HSV abgeben muss. Klar, die Frage, ob Karabec letztlich diese drei Millionen Euro wert ist, die wird man im Laufe der Saison beantworten können und sich dann auf eine Verpflichtung vorbereiten können. Oder anders formuliert: Der HSV hat es so selbst in der Hand, zusammen mit Karabec zu wachsen – oder ihn eben wieder abzugeben, sollte er nicht wie gewünscht durchstarten.

Gesagt wird, der Linksfuß spiele vorzugsweise offensiv im Mittelfeld-Zentrum, weil er als technisch überzeugender Spieler über ein gutes Passspiel verfügt. Welche Qualitäten er wirklich hat, erfahrt ihr übrigens auch im obenstehenden Video, wo Mats uns den potenziell neuen HSV-Spieler einmal durchleuchtet.

Nach Daniel Elfadli (auch ihn bespricht Mats im Video) ist der junge Tscheche somit der zweite Neue. Was noch alles fehlt, wo der HSV den größten Handlungsbedarf hat und wer hierfür in Frage kommt, dass könnt Ihr im Video sehen und hören. Euch allen viel Spaß dabei und einen schönen EM-Abend! Anbei noch ein Trainings-Video des HSV aus Schneverdingen.

Scholle