Erste Fragerunde beendet – und weiter geht’s…!

Erste Fragerunde beendet – und weiter geht’s…!

So, die erste Fragerunde ist beendet und ich bedanke mich für die vielen Fragen. Ich habe diese Fragen im vorangegangenen Blog im Forum direkt unter den jeweiligen Fragen  beantwortet. Einige Fragen habe ich allerdings auch noch vor mir, da diese per Email gesendet wurden. Diese werde ich in einem separaten Video beantworten. Sollten also von Euch noch Fragen da sein, die ich per Video beantworten soll, sendet sie gern noch (mal) per Email (moinvolkspark@gmx.com) nachträglich zu.  Das Video wird am Montag online sein. Und wo wir schon bei den Fragen sind, auch gleich noch eine an Euch: Welche Art Videoformat würdet Ihr gern auf MoinVolkspark geboten bekommen?

So, in den nächsten Tagen wird die EM das Tagesgeschehen im Fußball dominieren und auch ich werde mich an einigen Punkten dazu äußern. Unser Profi-Analyst Max hat das übrigens schon getan und sich ausführlich mit seinem Co-Gründer über die bevorstehende EM in allen Facetten unterhalten. Ein sehr sachlicher, fachlicher und mit vielen spannenden Passagen ausgestatteter Podcast, den ich Euch sehr empfehlen kann. Aber hört selbst mal rein: 

Und hier der dazugehörige Link: https://spotify.link/YdW8hl2HmKb

In diesem Sinne, ich wünsche Euch allen einen guten Start in die EM und ein schönes Wochenende!
Scholle

Communitytalk 2.0 – Ihr fragt, wir antworten

Communitytalk 2.0 – Ihr fragt, wir antworten

Es ist schon erstaunlich, welch niedriges Niveau einige Menschen öffentlich demonstrieren – und sich dabei auch noch wie Gewinner fühlen. Da beschwert sich ernsthaft ein (ehemaliger) User, dass wir hier erklären, wie viel und wofür wir spenden wollen.  Ein anderer regt sich darüber auf, dass ich nur 40 Euro obendrauf packe – wobei wir insgesamt 100 Euro spenden. Dann kommt noch einer mit dem Vorwurf, man solle einfach ruhig spenden und nicht auch noch dazu aufrufen.

Wäre es nicht so traurig, ich würde darüber lachen.

Aber so ist es nun mal. Und es wird mir den guten Gedanken hinter dieser Aktion, bei der unserer User (Michael) seinerseits100€ dazu beisteuert, nicht verhageln. Im Gegenteil: Ich werde hier auch zur neuen Saison dazu aufrufen, etwas für den guten Zweck zu machen. Und ich kann in diesem Zusammenhang schon mal eine Frage beantworten: Ich werde in Zukunft auch derart respektlose Kommentare – ob gegen andere oder gegen mich gerichtet ist zweitrangig – und im Nachgang deren Verfasser sperren. 

Womit ich zum heutigen Blog komme, der eigentlich nur als Hülle dafür dient, dass Ihr in den Kommentaren Eure Fragen stellen könnt, die ich dann bis morgen Nachmittag sammele und am Abend beantworten werde. Parallel dazu könnt Ihr mir gern auch über moinvolkspark@gmail.com Fragen zukommen lassen. Solltet Ihr diese lieber privat beantwortet wissen, schreibt das in der E-Mail gern dazu. Dann lasse ich sie auch privat.

In diesem Sinne, bis morgen.

Scholle 

Kuntz hat den Schreibtisch jetzt schon voll…

Kuntz hat den Schreibtisch jetzt schon voll…

Der HSV ist ruhig. Während links und rechts die ersten Transfers getätigt werden, kommen vom HSV bislang vorrangig Abgangsmeldungen aus dem talentierten Nachwuchsbereich, der aktuell unter der Führung des bisherigen Cotrainers Loic Favé auf vielen Ebenen neu strukturiert wird. Ebenfalls neu strukturiert wird im Hintergrund die medizinische Abteilung – und dabei entstehen zunehmend Irritationen. Beim Großprojekt am Volkspark herrscht seit der Pleite des GU ein Baustopp mit noch ungeklärtem Ausgang.

Sicher ist, dass sich die Fertigstellung des neuen Athleticums auf dem ehemaligen Parkplatz Gelb am Volksparkstadion ungewollt verzögert. Zudem sollen Aufsichtsräte gegen die aktuelle medizinische Abteilung um Chefarzt Dr. Götz Welsch wettern und ihren eigenen Kandidaten vorgeschlagen haben.  So soll Aufsichtsrat Hans-Walter Peters seinen Wunschmediziner Dr. Michael Tank mit Nachdruck vorgeschlagen haben – sehr zum Ärger der aktuellen medizinischen Leitung, die vom Vorstand bestellt wird und hier auf eine offizielle Verlautbarung wartet. Stefan Kuntz hat also in den nächsten Tagen und Wochen nicht zu wenige Themen auf dem Tisch. Gerade am bevorstehenden Wochenende werden sich zwei Personalien vorerst entscheiden – Ludovit Reis und Robert Glatzel müssten bis dahin ihre Ausstiegsklauseln aktivieren – oder eben nicht. Und wenn es in all diesen Personalien hier endlich losgeht, werden auch wir hier wieder mehr zu diskutieren haben.

Apropos: Eine Sache möchte ich dann doch noch gern mit Euch diskutieren. Und das ist der Verwendungszweck für das Tippspielgeld, das Jan Stahl und ich hier eingespielt haben. Zuzüglich der großzügigen 100-Euro-Spende unseres Blog-User Michael sind insgesamt 160 Euro zusammengekommen und ich stocke den Betrag noch mal auf 200 Euro auf. Allein, wohin wir es spenden, ist noch nicht klar, weil es einfach zu viele sinnvolle Einrichtungen gibt, die es verdient hätten. Meine Vorschläge wären:

  1. Das Deutsche Kinderhilfswerk setzt sich seit über 45 Jahren für Kinder und gegen Kinderarmut in Deutschland ein. Die Kinderrechte – seit 1992 geltendes Recht in Deutschland – bilden dafür die Grundlage. Durch den Erfahrungsaustausch und gemeinsames Handeln verschiedener Professionen wird dabei ein breites Angebotsspektrum für Kinder und Familien geschaffen.
  2. Welthungerhilfe Die Welthungerhilfe, offiziell Deutsche Welthungerhilfe e. V., ist eine deutsche Hilfsorganisation der Außenhilfe mit Sitz in Bonn. Seit ihrer Gründung im Jahr 1962 hat sie mit rund 4,2 Milliarden Euro über 10.369 Hilfsprojekte in 70 Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens durchgeführt
  3. Friedensdorf International hilft seit 1967 verletzten und kranken Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten durch medizinische Behandlungen hier bei uns in Europa. Mit nachhaltigen Projekten verbessert „Friedensdorf International“ die medizinische Versorgung in verschiedenen Ländern weltweit und fördert mit friedenspädagogischer Arbeit fördert soziales Bewusstsein.

Bitte schreibt in den Kommentaren, welchen Spendenzweck Ihr wählen würdet. Wir werden uns dann der Mehrheit anschließen. Danke dafür im Voraus! Noch mehr freuen würden wir uns, wenn Ihr Euch selbst anschließen und mit einem für Euch darstellbaren finanziellen Beitrag helfen würdet. Auch dafür bedanke ich mich schon einmal vorab!

Parallel werde ich morgen Abend einen Blog einstellen, unter dem Ihr in den Kommentaren bis Donnerstag 12.00 Uhr Fragen stellen könnt, die ich dann am Donnerstagabend unter dem jeweiligen Post beantworte. 

Viel mehr ist aktuell nicht los, wobei ich auch zugeben muss, dass ich mich schon sehr auf die EM fokussiere. Ich habe da richtig Bock drauf!!

Bis morgen

 Scholle

Der HSV braucht einen dritten Vorstand

Der HSV braucht einen dritten Vorstand

Wir waren zwei Wochen offline. Was anfänglich nur für ein langes Wochenende angedacht war, hat sich dann über die gesamte letzten beiden Wochen gezogen. Sollte sowas noch mal so spontan passieren, werde ich mich hier mitteilen, damit alle Bescheid wissen. Die sehr respektvollen Kritiken diesbezüglich nehme ich zu 100 Prozent an und entschuldige mich dafür ganz herzlich bei Euch. Das schon mal vorweg.!

Das einzig Gute daran: Wir haben in der vergangenen Woche rein gar nichts verpasst. Der HSV macht Sommerpause, der neue Vorstand Sport muss sich erst noch einarbeiten und mit seinen Mitstreitern auf sportlicher Ebene alles besprechen. Intern wird weiter an der Strategie gefeilt, mit der Steffen Baumgart in der neuen Saison das schaffen soll, was bislang noch keiner beim HSV geschafft hat. Dafür gilt es aktuell, das Personal stimmig zusammenzustellen. Wie wir von MoinVolkspark das machen würden, könnt Ihr hier sehen und hören:

Übrigens: Dass auf der Pressekonferenz bei der Vorstellung von Stefan Kuntz vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Plan ausgerufen wurde, für den Aufstieg die nächsten zwei (!) Jahre Zeit zu haben, darf man als unbedacht abhaken. Oder vielleicht eher taktisch? Fakt ist: egal wie oft man das sagt, die Erwartungshaltung wird in Hamburg angesichts der Investitionen und der immer wieder betonten Größe des Klubs die sein, dass man aufsteigt. Allein wenn man personell so agiert, dass zum einen der Etat drastisch gesenkt werden kann und zum anderen viele Talente dazustoßen, könnte das die generelle Erwartungshaltung verändern.

Aber hier werden wir in den nächsten Wochen erkennen, mit welchem Ansatz der HSV wirklich in die Saison 2024/25 startet.

Mir ist bei der Pressekonferenz von Kuntz so einiges durch den Kopf gegangen, von dem ich dachte, dass sich das so nicht halten werde. Beispielsweise die TV-Expertenrolle Kuntz‘ ist angesichts der Fülle seiner Arbeit für den HSV nicht aufrecht zu erhalten. Und diesen Schlussstrich hat Kuntz heute offiziell vollzogen. Eine sehr richtige und noch wichtigere Entscheidung! Auch, weil es den schon lauernden Kritikern aus den eigenen Reihen ein wenig Wind aus den Segeln nimmt. Denn die Fraktion Felix Magath ist weiterhin alles andere als amused über die Entscheidung des Aufsichtsrates.

Aber zurück zur PK, auf der Aufsichtsratschef Michael Papenfuß bei einem seiner ersten Podiums-Auftritte als Aufsichtsratsvorsitzender sagte, dass man sich für die Zeite Liga gegen einen dritten Vorstand entschieden habe. Eine Entscheidung, die ich nicht nachvollziehen kann. Und eine Entscheidung, die ich für falsch erachte. Schon zu zeiten mit Jonas Boldt war es falsch, den Vorstand in seiner Wohlfühloase zu belassen. Denn sobald sich beide Vorstände jeweils nicht in die Quere kommen (Boldt und Eric Huwer waren/sind sogar befreundet), fehlt an oberster Stelle ein Stück Leistungskultur. Denn auch hier gilt, dass unterschiedliche Sichtweisen inhaltlich helfen, den HSV zu verbessern.

Für mich ist der dritte Vorstand, der die Rolle des Vorsitzenden einnehmen müsste, eine unverzichtbare Position für einen HSV, der weiterhin mit einem Mannschaftetat von mehr als 20 Millionen Euro und einem Umsatz um die 100 Millionen Euro kalkuliert. In einem Unternehmen dieser Größenordnung bedarf es dem kontrovers-konstruktiven Austausch. Da müssen – nein, da sollten die Vorstände keine Freunde im Privaten sein, sondern Brüder/Schwestern im Geiste. Alles muss dem Erfolg des HSV untergeordnet werden – auch persönliche Eitelkeiten. So, wie es einst bei dem mehr als ungleichen Trio Hoffmann/Beiersdorfer/Reichert (später Kraus) der Fall war. Denn obgleich nicht zu leugnen war und ist, dass in derart ungleichen Konstellationen auch sehr gute Entscheidungen blockiert wurden und würden, verursacht der Leistungsdruck auf diesen Vorstand eine ungleich höhere Motivation, als wenn der Nebenmann/die Nebenfrau einen in Ruhe sein Ding machen lässt. Und Fakt ist auch: engmaschige Kontrolle vom Aufsichtsrat muss ein HSV-Vorstand wohl eher nicht befürchten…

Wichtig am dritten Vorstand in der aktuellen Konstellation wäre vor allem, dass Kuntz geschützt wird, bis er sich eingelebt hat. Es nützt nichts, einen neuen starken Mann an die sportliche Spitze zu setzen und dann zu hoffen, dass der das Ding schon allein wuppt. Im Gegenteil! Es gab und gibt hier viele, die nicht verstehen, weshalb ich die Ablösung Boldts zum jetzigen Zeitpunkt als kritisch erachte. All denen sei gesagt, dass Boldt zuletzt – zweifellos um seinen Job zu retten – immer wieder einen dritten Vorstand ins Gespräch brachte, obgleich er das zuvor kategorisch ausgeschlossen hatte. Aber: Boldt wusste im Gegensatz zu Kuntz, wo die Heckenschützen im HSV sitzen und wie das sehr schwierige, politische HSV-Feld bestellt ist. Boldt konnte sich behaupten und durchsetzen. Ob Kuntz das kann, bleibt abzuwarten.

Und mindestens zu Beginn seiner Amtszeit wird Kuntz Hilfe brauchen, um sich zurechtzufinden. Ich habe die Art von Kuntz gefeiert, weil ich genauso ticke, wie er sich präsentiert hat. Kuntz sprach davon, hier im Team Großes bewegen zu wollen. Er machte Mut, wirkte motivierend und wie ein absoluter Teamplayer. Er lobte seine Vorgänger, versprach den Angestellten Sicherheit und betonte, man wolle nur kleine Rädchen nachjustieren, um den großen Wurf zu schaffen und „gemeinsam als HSV“ aufzusteigen. Kuntz sprach wie ein Trainer und wirkte wie jemand, der mit extrem sehr viel Herzblut und Fußballdenken an die Sache herangeht. Kuntz sprach wie jemand, mit dem man gern zusammenarbeiten wolle. Er sprach und wirkte allemal nicht ansatzweise so kühl und kalkulierend wie Boldt.

Aber: so fußballromantisch er bei seiner Präsentation auch rüberkam, intern wird er härtere Bandagen anlegen müssen. So, wie Boldt es über die Jahre lernte und tat. Denn intern warten sehr viele, die beweisen wollen, dass ihr Kandidat der bessere ist. Und nicht selten sind das Menschen, die einen Kuntz vorn herum anlächeln, um hintenrum Stimmung gegen ihn zu machen. Darauf muss Kuntz gefasst sein. das muss er schnell lernen. Und genau, weil ich befürchte, dass das eine ganze Weile dauern wird, bis Kuntz sein direktes Umfeld gänzlich einzustufen weiß, hätte ich mich sehr darüber gefreut, wenn der HSV einen Vorstandsvorsitzenden gefunden und eingesetzt hätte, der viel von diesen Nebenkriegsschauplätzen abfedert, weil diese Kuntz in seiner Arbeit nur unnötig stören werden. Aber auch grundsätzlich wäre ein Vorstandsvorsitzender, der die nötige Robustheit und Klarheit mitbringt, wichtig. 

Auf die Mannschaft bezogen fallen aktuell einige Namen, die allesamt nicht bestätigt sind und oftmals im Zusammenhang mit vorherigen Stationen Baumgarts stehen. Dass der Kader frühzeitig zusammengestellt sein wird, würde ich angesichts der aktuellen Situation nahezu ausschließen. Zumal auch die EM n och bevorsteht und sich auch hierdurch der Markt (zumeist oberhalb der HSV-Regalhöhe) mächtig bewegen wird. Daher bleibt es aktuell diesbezüglich ruhiger, als es vielen lieb ist. 

In diesem Sinne, ich melde mich am Montag wieder bei Euch – es sei denn, die Aktualität verlangt etwas anderes…

Scholle

Aufsichtsrat verteidigt späte Entscheidung – Kuntz stellt sich vor

Aufsichtsrat verteidigt späte Entscheidung – Kuntz stellt sich vor

Zuerst einmal: Der Aufsichtsrat hat eine Entscheidung getroffen. Gegen eine Weiterbeschäftigung von Jonas Boldt als Sportvorstand – aber vor allem für eine Beschäftigung von Ex-Europameister Stefan Kuntz. Vor allem aus Respekt, aber eben auch, weil ich sehr viele Dinge von Jonas Boldt in seinen fünf Jahren beim HSV als sehr positiv und für den HSV als sehr zuträglich empfunden habe, gilt es hier zu sagen:

Alles Gute, Jonas Boldt!

Und vielen Dank für die fünf intensiven Jahre, in denen sehr viel gelungen ist, sehr viel entwickelt wurde und sehr viel fortgeführt wurde. Der HSV ist finanziell in ruhigere Fahrwasser gekommen, was nicht zuletzt auch der finanziell bescheideneren Transferpolitik des HSV geschuldet war. Es wurden weniger Abfindungen gezahlt, es wurde Konstanz nicht nur gefordert, sondern auch vorgelebt. Und es wurde intern ein Arbeitsklima geschaffen, das dazu führte, dass der Großteil der Angestellten für einen Verbleib Boldts war.

Die klaren Positionierungen in der Causa Jatta, der überlegte, schlaue Umgang mit der Corona-Phase und nicht zuletzt auch die Unterstützung für Vuskovic haben einen Weg beim HSV vorgegeben, den Boldts Nachfolger Stefan Kuntz hoffentlich so weiterführen wird. Und: Boldt wusste sich vor allem auch in dem vereinspolitisch schwierigen Wirrwarr immer wieder zu behaupten – was vor ihm lange niemand mehr geschafft hat. Dass dazu auch einige fragwürdige Entscheidungen wie die Entlassung von Michael Mutzel gehörten, sollte man an dieser Stelle allerdings auch nicht vergessen.

Letzten Endes muss man sagen, dass Boldt auf einem Weg war, sich zu dem seit Jahrzehnten benötigt starken Mann an der Spitze zu entwickeln – hätte er sich nur nicht so böse mit Tim Walter verrannt. Bei dem Coach ist das Resümee sehr ähnlich gelagert. Denn auch Walter hat einen riesigen Impact auf die positive Entwicklung des HSV der letzten Jahre gehabt – bis er aus falschem Stolz an einer Kleinigkeit (er wollte partout die Defensive nicht mehr absichern) scheiterte. Eine „Kleinigkeit“, die den HSV aber letztlich wiederholt den Aufstieg verpassen ließ – und damit auch Boldts Ende besiegelte.

Ich weiß, dass hier viele immer nach dem Rausschmiss Boldts geschrien haben. Und sportlich ist das, das wird auch Jonas Boldt selbst nicht leugnen, auch absolut zu argumentieren. Aber auch hier möchte ich wieder den Vergleich zu Tim Walter heranziehen, dessen Entlassung zwar logisch war, dessen Entlassung den HSV aber ob des Zeitpunktes vor mehr Probleme als Lösungen stellte. Denn die Aufgabe für Stefan Kuntz, einen so komplexen Verein wie den HSV in allerkürzester Zeit kennenzulernen, für sich zu gewinnen und sich selbst dort zurechtzufinden, wird nicht leicht. Den Kader und die sportlichen Strukturen neu aufzustellen wird sogar noch schwerer. Hierzu passt, dass Boldt unmittelbar am Tag seiner Demission noch die Verpflichtung von Lukasz Poreba klarmachte. Ob Kuntz den Mittelfeldspieler auch wollte? Es ist zu hoffen – aber es ist eben nicht sicher.

Der Aufsichtsrat indes hat, um in den Vergleichen zu bleiben, beim Vorstandswechsel ein wenig die Rolle von Jonas Boldt beim Trainerwechsel eingenommen: Auch die Räte haben etwas Nachvollziehbares deutlich zu spät vollzogen. Und während man Boldt die fatale Sorge um seinen Job bei einer Walter-Entlassung seinerzeit noch als wenig schmeichelhaften „mildernden Umstand“ nachsagen kann, macht es schon allein der Umstand, dass die Kontrolleure nicht um ihren Job/ihr Amt fürchten mussten, für mich so unverständlich, weshalb man diese Entscheidung (pro oder contra Boldt) nicht schon vor Wochen treffen und die Nachfolge vorbereiten konnte.

Wie bekannt, lag es daran, dass man einfach keinen neuen bzw. keinen geeigneten Kandidaten gefunden hatte. Ein Armutszeugnis für den Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender Michael Papenfuß morgen zusammen mit Kuntz zu einer Pressekonferenz geladen hat. Dort wird der ehemalige Banker das Handeln der Kontrolleure rechtfertigen. Ähnlich, wie er es via Vereinshomepage bereits tat. Auf der Vereinshomepage sagt Papenfuß: „Nach dem Feststehen der Ligazugehörigkeit haben wir selbstverständlich auch Jonas die Gelegenheit gegeben, seine Analyse mit den aus seiner Sicht notwendigen Anpassungen vorzustellen.“ Wobei sich mir wie immer die Frage stellt: Was hat die Liga mit der Überzeugung zu tun, ob Boldt der richtige ist – oder eben nicht?

Egal wie, Papenfuß versucht sich und seine Ratskollegen naturgemäß aus der Schusslinie zu bekommen. Der ehemalige Banker sagte, das Gremium habe im Anschluss die finalen Analysen und Bewertungen vorgenommen. Schließlich sei der Kontakt zu Kuntz hergestellt und Boldt persönlich informiert worden. „Jahrelang war der Vorwurf an den Aufsichtsrat, dass er zu viel spricht und zu viel, teils direkt aus Sitzungen durchsickert. All das ist diesmal nicht passiert“, so der 69-Jährige. Eher hätten sich Außenstehende über die Medien ins Gespräch gebracht. „Und hinsichtlich der vermeintlichen Absagen möchte ich nur so viel sagen: Nach meinem Verständnis kann man Absagen nur dann erteilen, wenn es weiterführende Gespräche und entsprechend ein Angebot gab“, betonte er. Und diese habe es ausschließlich mit Kuntz gegeben. Also letzte Woche. Papenfuß: „Wir haben aber nur einem einzigen Kandidaten ein Angebot unterbreitet – und dieses ging an Stefan Kuntz.“

Wie auch immer, dieser Ablöseprozess von Boldt zu Kuntz war alles andere als ruhmreich vom Aufsichtsrat. Inwieweit die Entscheidung die richtige ist, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Ebenso die Entscheidung, dass man sich wider die Forderungen anderer gegen einen dritten Vorstand entschieden hat. Eine Erweiterung des Vorstands auf drei Positionen ist laut Papenfuß aktuell kein Thema. «Damit beschäftigen wir uns derzeit nicht. Die Organisation und Führung der HSV Fußball AG ist stark und voll handlungsfähig“, sagte er. Neben Kuntz ist weiterhin Eric Huwer für die Finanzen verantwortlich.

In diesem Sinne, an dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank für fünf intensive Jahre als Vorstandsvorsitzender, Jonas Boldt! Und im selben Atemzug: Herzlich Willkommen, Stefan Kuntz! Über den neuen Mann an der Spitze sprechen wir dann morgen nach der Pressekonferenz.

Bis dahin!

Scholle

P.S.: Michael Papenfuß äußerte sich auch zu der Personalie Felix Magath. Die HSV-Legende hatte sich über Eugen Block und Klaus Michael Kühne ins Gespräch gebracht und bei Papenfuß angerufen. Magath hatte sich zuletzt öffentlich beschwert, dass ihn Papenfuß nicht zurückgerufen habe. Er habe sich bei Magath entschuldigt, sagte der Kontrollchef.  „Dazu möchte ich allerdings anmerken, dass ich Felix Magaths Anruf natürlich nicht ignoriert habe, sondern ihn sofort im Personalausschuss des Aufsichtsrates erwähnt habe.“ Daraufhin habe ihn einer von Papenfuß‘ Kollegen angerufen, „so wie wir es gemäß der Aufgabenteilung im Rat besprochen hatten, womit für mich der Rückruf erledigt war“. Thema erledigt.

Schlimmer geht’s immer! Kandidat Kuntz plaudert offen im TV über Gespräche mit dem HSV

Schlimmer geht’s immer! Kandidat Kuntz plaudert offen im TV über Gespräche mit dem HSV

Oh Mann, oh Mann! Immer, wenn man denkt, es geht nicht noch schlimmer – schafft es der HSV doch. Und nicht selten spielt der Aufsichtsrat samt seinen Entscheidungen darin eine gewichtige Rolle. In diesem Fall wird das Kontrollgremium von einem potenziellen Kandidaten fast schon lächerlich gemacht! Hintergrund: Vorstandskandidat Stefan Kuntz spricht schon offen im TV darüber, dass er als Vorstand beim HSV im Gespräch sei. Und das alles, bevor beim HSV irgendetwas entschieden wurde! Allein für diese Indiskretion ist er als neuer Vorstand schon nicht mehr tragbar – und der aktuelle HSV-Sportvorstand Jonas Boldt wird maximal geschwächt.

https://www.ran.de/sports/fussball/bundesliga/videos/exklusiv-bald-hsv-sportvorstand-das-sagt-stefan-kuntz

Man muss sich das mal vorstellen: Erst braucht ein Gremium über alle Maße lang, um die sportlich für den HSV existenziellste Entscheidung zu treffen. Dann hat man im uneinigen Gremium eine Tendenz, findet aber keinen geeigneten Kandidaten. Dass auf dem Weg dieser verspäteten Suche fast alle Namen dazu noch öffentlich werden und nicht weniger öffentlich absagen, schwächt zudem die vorhandenen, handelnden Personen. Und das alles Mitte Mai! Das alles passiert, während andere Vereine und Konkurrenten bereits die ersten Neuverpflichtungen bekannt geben und allesamt wissen, wie sie die neue Saison angehen wollen…!

Und selbst wenn man im Fall von Kuntz nichts dafür kann, dass dieser einfach mal munter drauflos plaudert, zeigt das doch, wie wenig ernst die Kandidaten das Konstrukt HSV zu nehmen scheinen. Denn die Kontrolleure werden mit Sicherheit Stillschweigen eingefordert haben. Da bin ich mir sicher. Aber es blieb eine Forderung ohne Erfolg.

Damit spitzt sich die verzweifelt wirkende Lage des Aufsichtsrates weiter zu. Kandidaten sagen ab oder machen sich wie Kuntz untragbar. Es tut mir inzwischen schon körperliche Schmerzen, diesen Dilettantismus mitzuverfolgen. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, dass inzwischen der Vorstand des HSV noch das mit weitem Abstand am professionellsten geführte Gremium dieses Klubs ist. Der HSV ist zum sechsten mal im Aufstiegskampf gescheitert, findet aber keinen Weg, der besser ist. Von daher kann es eigentlich nur noch heißen: Diesen Aufsichtsräte gehört für ihr komplett unkontrolliertes, verzweifeltes und vor allem für ihr maximal schlecht vorbereitetes Handeln die Verantwortung entzogen. Und zwar allen.