So ist es unter Trainer Tim Walter. Immer all in. Läuferisch fordert er es von seiner Mannschaft eh immer – und sehr oft geht eben auch er all in. Heute personell. Moritz Heyer musste er bringen, da sich Jan Gyamerah durch die Folgen seiner Kopfverletzung aus dem Derby nicht rechtzeitig einsatzbereit zurückmelden konnte. Dennoch, die Spekulationen, ob und. Wen er ausa dem Achter-Duo auf der Bank lassen würde, beantwortetet Werner deutlich mit: Beide! Maximilian Rohr und Anssi Suhonen kamen für Ludovit Reis und David Kinsombi. Und im Ergebnis blieb am Ende eine diskutable erste Halbzeit, eine bessere zweite Hälfte – und nach nur zwei Toren (Schonlau und Heyer trafen) mit diesem 2:2 gegen Darmstadt 98 ein nur wenig zufriedenstellender Punkt vor 17.950 Zuschauern im Volksparkstadion.
Wild und unsortiert begann das Spiel. Wobei, besser gesagt: der HSV spielte Wildwest-Fußball. Laufen, laufen, kämpfen – kontrolliert-dominanter Fußball blieb auf der Strecke. Es ergaben sich durch Ballverluste des HSV immer wieder Umschaltmomente für den Gast aus Darmstadt, der diese Räume leider auch zu nutzen wusste. Auf HSV-Seite wirkte es oft übermotiviert und ohne jeden klaren Plan. Darmstadt selbst spielte nicht einmal wirklich gut – und bekam trotzdem seine Szenen. Geschenkt! Im Mittelfeld liefen Suhonen, Meffert und Rohr sich ‘nen Wolf – hatten aber kaum Zugriff aufs Spiel. Und hinten erwischte Jonas David einen schwachen Start, den einzig das Schiedsrichtergespann noch zu toppen wusste. Wie man es schafft, ein Spiel nach 20 Minuten schon so entgleiten zu lassen: Dieses Spiel dürfte als Lehrbeispiel dafür dienen.
Schiedsrichter und HSV verlieren Kontrolle übers Spiel
Allein die dritte Minute schien schon ein Fingerzeig zu sein, was folgen sollte. Da wurde Tim Leibold im Kopfball-Duell mit Philipp Tietz vom Ellenbogen des Angreifers im Gesicht getroffen. Und zwar nicht unglücklich aus einer natürlichen Bewegung, sondern fahrlässig. Der schwache Schiedsrichter Sven Jablonski beließ es bei einer Ermahnung. Trotz Videoschiris und einer Milliarde Zeitlupen – unfassbar. Mich kotzt dieser Videoschiri – ABSOLUT NICHT!! nur in HSV-Spielen, wohlgemerkt! – inzwischen nur noch an.
Ebenfalls ein Lehrstück der negativen Art bot der HSV defensiv, mit dem jungen David in einer traurigen Hauptrolle. Nachdem der HSV durch Jatta (nach sehr schöner, scharfer Hereingabe vom guten Sonny Kittel) knapp das 1:0 verpasst hatte (6.), kamen die Darmstädter zu Gelegenheiten. Eine davon war dann auch die Szene, in der David leider im Sechzehner zu spät kommt und dem starken 98-Angreifer Tietz auf die Zehen steigt. Dieser nutzt diese Einladung, fällt kurz hin, bekommt den Elfer, schnappt sich den Ball selbst und verlädt Daniel Heuer Fernande zur Führung für die Gäste per Foulelfer (14.). Es hätte sogar noch schlimmer kommen können. Der in der ersten Hälfte auffällig fehlerhafte Moritz Heyer spielt viel zu langsam zu seinem Keeper zurück. Honsak ist dazwischen, legt sich den Ball um Heuer Fernandes herum, doch der Keeper eilt hinterher und erobert sich die Kugel im Laufduell zurück (19.). Glück für den HSV! Und Glück für Heyer, dass sein Keeper so gut reagierte.
Pech hatte der HSV fast direkt im Gegenzug, als Tim Leibold per flacher Hereingabe den frei stehenden Glatzel findet und dieser mit seinem Schuss 98-Keeper Marcel Schuhen „abschießt“. Das hätte der Ausgleich sein müssen! Dieser fiel allerdings erst zehn Minuten später. Nach einem Standard. Kittel schlägt einen Freistoß von rechts scharf ins Zentrum, wo Sebastian Schonlau sich gleich gegen zwei Darmstädter (Holland und Patric) durchsetzt und per Aufsetzer tritt. D98-Keeper ist zwar noch an diesem Aufsetzer dran – und hätte ihn halten können. Tat er aber nicht.
HSV dreht Rückstand und geht verdient in Führung
Apropos Nichtstun: Das traf immer wieder auch auf Schiri Jablonski samt Assistenten-Team und Kölner Keller zu. Zumindest aus meiner Sicht hier im Stadion hätte der Bremer dieses Spiel klarer reglementieren müssen. In der dritten Minute verpasste er es aber ebenso wie im Rest des Spiels. Und ohne jetzt über Nahaufnahmen zu verfügen, sah mir auch das Foul von Emir Karic an Heyer in der 34. Minute nicht nur nach Gelb aus. Aber das wird Pascal Müller als VAR sicher genauestens seziert haben. Zumindest gab es (nur) Gelb für den Darmstädter…
Trotzdem: Der HSV kam langsam besser in die Partie und hätte in der 41. Minute das 2:1 machen müssen. Da legte Kittel stark am Sechzehner auf den heranstürmenden Jatta ab, der legte sich den Ball zu weit vor und kam nur noch unkontrolliert zum Abschluss. Zu allem Überfluss rasselte der Gambier auch noch mit Keeper Schuhen zusammen und holte sich einen deftigen „Pferdekuss“ ab, der behandelt werden musste.
Dass der HSV trotzdem in Führung ging – es war dem Spielverlauf entsprechend nicht einmal unverdient. Denn so unkontrolliert das Spiel auch wirkt – es steckt eine extreme Intensität drin. Und der Wille, Tore zu erzielen. So auch in dieser 45. Minute, als Meffert einen Abpraller wieder Richtung Tor bringt und Heyer diesen per Hacke ins Tor verlängert (45.). Eine Pausenführung, die Mut machen sollte – dachten wir. Bis Tietz kam und per Abpraller in der vierten Minute der Nachspielzeit zum Ausgleich einköpfte, nachdem Heuer Fernandes einen Schuss nur an den Pfosten lenken konnte. Das 2:2 (45+4). Bitter.
Dennoch kam der HSV stark verbessert aus der Halbzeitpause. Allemal deutlich kontrollierter. Es wirkte strukturierter, und der HSV hatte gleich nach wenigen Minuten die große Kopfballchance durch den heute unglücklich agierenden Rohr, der wohl einen Gedanken zu viel hatte. Zumindest köpfte er weder direkt aufs Tor, noch legte er den Ball quer (49.). Und nach Rohr hatte auch der andere Startelf-Debütant in der Liga seine Hundertprozentige: Erst kann Schuhen den aufsetzenden Distanzschuss von Meffert nur nach vorne abwehren, dann kommt Suhonen und verzieht freistehend im Rutschen und aus kurzer Distanz mit Wucht den Ball weit über das Tor. (62.) Da war deutlich mehr drin!
Suhonen vergibt Siegchance – Walter mahnt Geduld an
So, wie im ganzen Spiel – das allerdings kurz vor Schluss auch noch hätte in die falsche Richtung kippen können. Denn eine der 9 Torchancen (Quelle: Kicker.de) der Darmstädter hatte Darmstadts bester Mann auf dem Platz, Tietz. Allerdings verzog er. „Mit der Art und Weise sind wir zufrieden. Bei meinem Team ist es aber momentan noch so, dass es die Euphorie im Offensivspiel noch nicht ins Defensivspiel übersetzen kann“, analysierte Walter im Anschluss. „Dennoch gab es heute häufiger gute Phasen.“
Aber eben noch nicht konstant genug. Wobei das angesichts des unfassbaren Aufwandes auch schwer ist. „Ich glaube zumindest, dass wir vorwärtskommen“, sagte Torschütze Schonlau zum Abschluss: „Wir müssen einfache Fehler abstellen, dann sieht es wieder ganz gut aus.“ Vor allem muss man zusehen, dass nicht selbst Mannschaften aus dem unteren Mittelfeld zu derartig vielen Torchancen kommen wie Darmstadt heute. Ich jedenfalls bleibe dabei, dass man auf lange Sicht mit einem derart aufwendigen, intensiven und riskanten Fußball nicht ganz oben landen wird. Auch, wenn Walter nach Spielschluss sagte: „Mit der Punkteausbeute sind wir nicht zufrieden. Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen. Am Ende haben wir ein wenig den Kopf verloren. Es braucht noch mehr Geduld, weil wir uns dann die Chancen herausspielen. Das muss unser Weg sein.“
Aber dazu morgen noch mehr. Für heute soll es das gewesen sein. Ich werde unzufrieden in den Restabend starten und melde mich dann morgen früh mit dem MorningCall wieder pünktlich um 7.30 Uhr bei Euch. Bis dahin!
So, ein Update würde es heute noch mal geben. Das hatte ich gestern angekündigt. Wobei es sportlich heute aus HSV-Sicht einigen Grund zur Freude gab. Immerhin patzt die Konkurrenz weiter munter vor sich hin. Allen voran der nominell mit weitem Abstand stärkste Kader des FC Schalke 04, der heute bei sackstarken Regensburgern mit 1:4 unterging, während der FC St. Pauli beim SC Paderborn 1:3 verlor und Werder bei nie zu unterschätzenden Karlsruhern mit 0:0 nur einen Punkt mitnehmen konnte. Allerdings, und das schicke ich in großen Buchstaben hinterher: JETZT MUSS DER HSV LIEFERN. Denn sonst bringen alle Patzer dieser Welt nichts.
„So viel Früh-Druck war lange nicht mehr“ titelt heute die BILD – und baut damit eigentlich erst so richtig Druck auf. Einen Druck, der so selten sinnfrei ist, dass mir dazu gar nicht mehr viel einfällt außer Kopfschütteln. Nicht über die BILD an sich, sondern vielmehr über den Umstand, dass da tatsächlich etwas dran sein könnte. Denn das Umfeld ist nach der Derbypleite tatsächlich unruhig. Und bei allem Patriotismus, den die HSV-Fans damit zum Ausdruck bringen wollen: Die Derbypleite muss abgehakt werden, wenn man hier nicht noch einen Kollateralschaden hinterherjagen will. Nur so kann die Mannschaft jetzt wieder das Darmstadt-Speil für sich nehmen und sich darauf konzentrieren.
Aber: Auch in meinem Umfeld gibt es viele, die sich von dem platten „die haben nicht gekämpft“-Quatsch haben mitreißen lassen. Dabei hat der HSV an dem Tag vieles falsch gemacht – aber man ist nicht zu unmotiviert aufgetreten, wie man es in den vergangenen Jahren immer wieder mal war. Vielmehr lag das Problem im eigenen Spiel nach vorn – und an unerklärlichen Lücken in der Defensive. Inhaltlich darüber zu diskutieren macht Sinn, weil man so noch mal den Fokus auf die Verbesserungsmöglichkeiten legt – und daher mache ich das auch.
Ebenso wie die Kollegen sehe ich im zentralen Mittelfeld mit David Kinsombi /Ludovit Reis im Verbund mit dem einfachen Sechser Jonas Meffert die größte Schwachstelle. Anssi Suhonen wird gefordert – und das freut mich für den jungen Finnen, dem ich in diesem Jahr den Sprung nicht nur zutraue, sondern von dem ich ganz fest überzeugt bin. Aber da Jan Gyamerah hinten rechts wohl spielen kann, sehe ich keinen Grund, Moritz Heyer nicht ins Zentrum zu stellen. Neben Meffert, mit dem er sich beim Einschalten ins Offensivspiel dann immer gern abwechseln kann. Fakt ist: Ich würde Heyer nur dann draußen lassen, wenn es gar nicht anders geht.
Und: Mir reicht es, wenn Suhonen zu Beginn immer wieder im Laufe der Partie reingeworfen wird. Er darf alles – aber er muss nichts. Der kleine U-Nationalspieler Finnlands muss die Freiheit bekommen, sich über einen längeren Zeitraum etablieren zu können, ohne dass man ihn mit dem Prädikat Hoffnungsträger versieht, wie es heute hier und da schon passiert. Denn obgleich Suhonen sicher eine außergewöhnlich hohe Druck-Resistenz besitzt, darf er keinen Druck spüren müssen, sondern das Vertrauen, sich alles trauen zu dürfen. Deshalb sehe ich ihn gegen Darmstadt auch noch nicht in der Startelf, sondern als einen der ersten Einwechselspieler, wenn das Mittelfeld wieder nicht funktioniert.
Rausnehmen wird der Trainer aller Wahrscheinlichkeit nach nicht David Kinsombi, weil dieser etwas im Fuß hat, worauf Walter noch immer hofft: den Torriecher. Und bei aller Kritik, die ich aktuell bei Kinsombi gelten lassen würde und selbst formuliere – er hat das Näschen für die Offensive. Mehr als Meffert, mehr als Reis, mehr als Heyer und Suhonen. ABER: Kinsombi ist sowas wie das Gegenteil von Suhonen. Denn er durfte jetzt schon eine ganze Weile (zweieinhalb Jahre) beweisen, dass er die Führungsrolle beim HSV bekleiden kann, die er sich selbst als Ziel gesetzt hatte, und die die Verantwortlichen mit ihm bekleiden wollten, aber nie bekleiden konnten. Kinsombi ist für mich einer der ersten Kandidaten für die Bank. Und trotzdem glaube ich, dass Walter alles richtig macht, wenn er Kinsombi maximal stützt, denn das braucht der. Allein, wenn er gegen Darmstadt wieder nicht abliefert, wäre er bei mir nicht mehr nur ein Bank-Kandidat, sondern ein Verkaufskandidat.
Und damit komme ich zu der Startelf, die ich für morgen erwarte (wohlgemerkt: nicht zu meiner Wunsch-Startelf!): Heuer Fernandes – Gyamerah, David, Schonlau, Leibold – Heyer, Meffert, Kinsombi – Jatta,Glatzel, Kittel. Wobei ich einem Tim Walter wirklich zutraue, dass er mutig auf Suhonen im Mittelfeld setzt und diesem alles vertrauen der Welt mit auf den Platz gibt… Oder was meint Ihr? Wie würdet Ihr aufstellen?
Ich melde mich dann morgen wieder bei Euch! Nach dem Spiel mit Blog, Pressekonferenz und Blitzfazit. Bis dahin!
Es gibt Gegner, gegen die kann sich der HSV quälen wie er will – es will einfach kein Sieg herausspringen. Der SV Darmstadt 98, der am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) im Volksparkstadion gastiert, ist so ein Team. Von den zurückliegenden fünf ligaübergreifenden Begegnungen in Hamburg gewannen die Hessen vier und holten zudem ein Unentschieden. Und ich sage: Na und?? Viele machen aus derartigen Serien einen großen Film – ich nicht. Ich glaube nicht an „Angstgegner“ und ähnliches. Auch Trainer Tim Walter will sich mit solchen Rückblicken nicht aufhalten. Stattdessen bewertet der HSV-Coach den Moment – und da sieht er den kommenden Gegner erstarkt. „Sie bringen viel Physis mit und haben eine gute Präsenz in der vordersten Linie. Sie sehen ihre Chancen – wie viele Teams in der 2. Liga – sicherlich im Umschaltspiel. Wir müssen dafür bereit und stets wachsam sein.“
Nach der schmerzhaften Derby-Pleite wolle man vor allem bei ihren enttäuschten Fans Abbitte leisten. „Es ist klar, dass du dich immer rehabilitieren willst“, meinte Walter. Nach dem Saisonauftakt mit Sieg, Unentschieden und Niederlage sieht er sein Team indes noch im grünen Bereich. Vor allem die sportliche Entwicklung seiner Mannschaft „Es geht um die Art und Weise, wie wir spielen, wie wir in unseren Spielprinzipien weiterkommen. Ich glaube, da sind wir auf einem sehr guten Weg“, erklärte der 45 Jahre alte Coach. Wobei: Was sonst soll er auch sagen?
Dennoch war heute in der Pressekonferenz schon zu merken, dass die Derbyniederlage auch mit Walter etwas gemacht hat. Er wirkte gereizt. Dass mitunter von außen mehr verlangt wird und Leistungen kritischer eingeschätzt werden, kommentierte er mal wieder ironisch: „So wie wir am ersten Spieltag schon in der Champions League waren, sind wir jetzt nach der Niederlage im Derby gleich Absteiger.“ Eine Beobachtung, die ich nicht teile. Vielmehr glaube ich, dass auch Walter die Notwendigkeit sieht, seinen Kader personell noch einmal zu ergänzen. Dass er heute anderslautende Aussagen traf – es spricht für das Verhältnis von Trainer und Vorstand. Walter scheint keinen Druck aufbauen zu wollen. Hoffe ich zumindest. Denn sollte er es wirklich so sehen, wie er es heute sagte, wäre das aus meiner Sicht eine fatale Fehleinschätzung.
Konkrete Verstärkungen bis zum Ablauf der Transferfrist am 31. August seien jedenfalls noch nicht geplant: „Momentan sehen wir keinen Handlungsbedarf“, sagte Walter heute im Verlauf der Pressekonferenz. Dennoch sei die sportliche Führung täglich im Austausch. „Wenn wir was sehen, was wir machen wollen, dann werden wir das auch tun.“ Mit anderen Worten: Alles kann – nichts muss. Aber auch das sehe ich anders. Diese Mannschaft muss sich auf den Außenbahnen und im Mittelfeldzentrum noch verstärken, wenn man wirklich um den Aufstieg mitspielen will. Alles andere wäre ein großes Risiko – wobei ich auch das mittragen würde, wenn es dahinter einen Plan gäbe, der erkennbar und plausibel ist.
Aber bislang habe ich nichts anderes gehört, als dass man aufsteigen will. Und obgleich ich Walter unterstelle, dass er die personellen Notwendigkeiten lange vor mir schon erkannt hat, hatte der HSV-Coach zuletzt immer wieder die aktuellen Spieler in die Verantwortung genommen. Zuletzt hatte Walter wiederholt von mangelnder Bereitschaft gesprochen. Das bezog sich besonders auf Umschaltmomente. Wenn er fehlende Bereitschaft beklagte, so habe das für konkrete Spielphasen, nicht für eine gesamte Partie gegolten, erläuterte er.
Sonntag nun willen sie es besser machen. Vor 17.900 Zuschauern den ersten Heimsieg dieser Saison feiern. Die Darmstädter, die am vergangenen Sonntag den FC Ingolstadt mit 6:1 überrannten, sind nach anfänglichen Problemen in Fahrt gekommen. Mit ihnen kehrt ein alter Bekannter ins Volksparkstadion zurück: Klaus Gjasula ist erst vor wenigen Tagen vom HSV zu den Hessen gewechselt. „Der HSV will mit viel Wut im Bauch seine individuelle Klasse und Stellung zeigen“, sagte der 48-Jährige Darmstadt-Coach Torsten Lieberknecht, der mit einem schwierigen Unterfangen rechnet. Trotzdem sieht der Übungsleiter sein Team mit einem klaren Plan ins Volksparkstadion reisen: „Wir wollen die Schwächen des HSV aufdecken. Dazu gehört nun einmal Mut, egal ob im eigenen Ballbesitz, bei Kontern oder Standards.“ Vor allem in Sachen Standardsituationen schoben die Lilien in der vergangenen Trainingswoche Sonderschichten. „Wir wollen dort einfach noch effektiver werden“, sagte Lieberknecht.
Und das hat er mit Walter gemeinsam. Der sprach von einer „richtig guten zweiten Halbzeit“ im Stadtderby, in der man sich nicht ausreichend belohnt habe. Wer das an diesem Sonntag nachholen darf, das ließ Walter offen. Und auch ich werde mich erst morgen nach dem Abschlusstraining mit der möglichen Startelf beschäftigen. Bis dahin aber möchte ich noch einmal an alle Tippspielinteressenten die Nachricht von Janik weiterleiten. Wer mitspielen will, die/der meldet sich einfach oben im Reiter auf dieser Website an und tippt. Mit dabei ist ein Bonusspiel, das doppelte Punktzahl geben kann. Ansonsten gibt es drei Punkte bei richtigem Ergebnis und einen Punkt bei richtiger Tendenz. Also: Mitmachen, gewinnen und/oder einfach Spaß haben!
Es ist gar nicht so lange her, da habe ich hier bei. MoinVolkspark einen längeren Artikel über Anssi Suhonen geschrieben. Ich hatte darin beschrieben, wie sich der Youngster in Finnland hochgearbeitet hatte. ich hatte dabei auch beschrieben, wie der junge Mittelfeldspieler schon (viel zu) früh lernen musste, familiär Verantwortung zu übernehmen. Vor allem aber hatte ich beschrieben, dass dieser Anssi Suhonen das Vertrauen des HSV verdient, reingeschmissen zu werden. Nicht aktionistisch, wie seinerzeit Spieler wie Ashton Götz und Co. Nein, wohl dosiert und zum richtigen Zeitpunkt. Jetzt zum Beispiel.
Denn aktuell braucht die Mannschaft genau das, was Suhonen bieten kann: Kämpfertypen, die alles für den HSV geben und sich hier hocharbeiten wollen. Zumindest bieten andere Spieler auf Suhonens Position nichts, was sie dazu qualifiziert, vor einem Suhonen zu spielen. Drei Spieltage lang kam beispielsweise von dem einstigen Kapitän Holstein Kiels, David Kinsombi, maximal Mittelmäßiges. Sein Achter-Kompagnon Ludovit Reis machte es zwar nur unwesentlich besser, aber er kämpfte wenigstens defensiv.
Warum also sollte der junge Finne, der jede einzelne Trainingssekunde so angeht, als wäre es die letzte, nicht auch einmal von Beginn an spielen? Schon gegen Darmstadt? Es gibt keinen klaren Grund. Zumal Moritz Heyer, den ich als Trainer sportlich dem Finnen wahrscheinlich (noch) vorziehen würde, als Rechtsverteidiger gebraucht werden könnte. Und Suhonen ist gerade mächtig im Aufwind. Der 20-Jährige wurde gerade für den anstehenden Lehrgang (ab 30. August) der finnischen U21-Nationalmannschaft nominiert. Der junge HSV-Profi soll zudem am 3. September gegen Estland und/oder vier Tage später am 7. September gegen die kroatische U21-Auswahl erstmals für die U21 seines Heimatlandes auflaufen. Letztmals lief Suhonen im November 2019 für Finnland auf, damals noch für die U19-Auswahl. Inzwischen hat Suhonen zwei Profieinsätze mehr auf dem Konto – und noch viele mehr vor sich, da bin ich mir sicher. Suhonen ist die Zukunft des HSV.
Die Frage ist nur, wann diese Zukunft beginnen sollte. Wann ist es vernünftig, wann vielleicht sogar die beste Wahl? Jetzt zum Beispiel…
Und wenn wir schon beim Thema Nachwuchs sind, muss ich Rene Adler heute auch hier noch einmal lobend erwähnen. Denn der Ex-HSV-Torhüter hat heute im Hamburger Abendblatt zwei sehr richtig und auch sehr wichtige Dinge gesagt, die sein Kerngebiet betreffen: die Torwartposition beim HSV. „Ein großes Problem ist es, wenn die Verantwortlichen, die einen Torhüter XY geholt haben, jedes Jahr ausgetauscht werden. Dann kann man auch auf der wichtigen Position im Tor keine Konstanz schaffen“ sagte Adler und sprach auch über Daniel Heuer Fernandes, der zuerst von Julian Pollersbeck und anschließend von Sven Ulreich abgelöst wurde und nicht über den Status als Nummer zwei hinauskam. Heute wiederum ist er die (angeblich unangefochtene) Nummer eins. „Nachdenkenswert finde ich es, wenn man vor einem Jahr zu der Überzeugung kommt, dass Ferro doch nicht das Zeug zum sehr guten Zweitligatorhüter hat. Und jetzt hat er es wieder“, wundert sich Adler. Ein Torwart würde in einem solchen Zeitraum sein Talent nicht verlieren. Da müsse man sich beim HSV „schon mal die Frage stellen, warum man dieses Talent dann nicht mehr abruft.“
Meine Idee: Weil man beim HSV kein Vertrauen und noch weniger Geduld hatte. Und weil man einfach gemütlich war und alle Spieler, die nicht sofort funktionierten, nicht besonders trainierte und förderte, sondern sie einfach teuer ersetzte. Denn Geld hat bis vor kurzem beim HSV immer nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Es war irgendwie immer was da – wenn auch nur geliehen. Aber auch das geliehene Geld wurde in aller Regelmäßigkeit für neue Spieler verbraten. Bis auch das nicht mehr ging.
Und an diesem Punkt sind wir heute. Der HSV MUSS seine Spieler selbst ausbilden. Und vor allem muss er sorgsamer mit seinem Geld umgehen. Er muss günstig einkaufen und teuer verkaufen. Einen anderen Weg gibt es nicht mehr heraus aus dem finanziellen Abwärtstrend. Und auf das Hier und Jetzt bezogen bedeutet das auch, dass der HSV seine eigenen Talente nicht mehr wie in den letzten Jahren hintenanstehen lassen kann, sondern sie pushen muss. Verantwortungsvoll – aber auch mutig. Womit wir fast unweigerlich bei Tim Walter angekommen sind – denn der ist mutig. Das sagt und fordert er nicht nur, das zeigt er auch mit seinen Aufstellungen. Und genau darauf dürfen Suhonen und seine jungen Kollegen hoffen. Wobei, nicht nur die: Auch ich hoffe darauf. Denn ich glaube, dass der HSV gerade zu seinem Glück gezwungen wird…
Personell hat sich die Situation heute nicht großartig verändert. Die beiden Torhüter Heuer Fernandes und Marko Johansson trainierten zwar individuell im Kraftraum, aber es kam wenigstens kein weiterer Verletzter dazu. Und: Jan Gyamerah, der gegen den FC St. Pauli K.o.-geschossen worden war, kehrte wieder voll ins Mannschaftstraining zurück.
In diesem Sinne, bis morgen. Da melde ich mich wie immer um 7.30 Uhr mit dem MorningCall bei Euch. Aber bevor ich diesen Blog für heute beende, noch ein Hinweis in eigener Sache. Denn wir haben für Euch/uns alle ein Tippspiel integriert, an dem alle MoinVolkspark-Mitglieder teilnehmen können. Und das wiederum ist ganz einfach: Einfach oben im Reiter auf der Startseite das Tippspiel anklicken und den vierten Spieltag tippen. Den Rest – also die Auswertung und die Erstellung der Rangliste – das übernehmen wir.
Highlight des Tippspiels: Wir werden Woche für Woche im Communitytalk den Gewinner oder die Gewinnerin ermitteln. Bei Punktgleichheit werden wir in der Sendung das Losverfahren anwenden. Zu gewinnen gibt es jeden Spieltag etwas von unseren Blogpartnern – und am Ende für den/die Gesamtsieger/-in noch einen besonders schönen Preis. Wir freuen uns auf jeden Fall, Euch das endlich anbieten zu können und hoffen, dass sich zu den ersten mehr als 100 Tipper/innen vom letzten Spieltag noch einige mehr dazugesellen.
Es hatte schon lange begonnen. Namen kursieren (nicht nur) rund um den HSV in jeder Transferphase. Und. Es sind immer ungleich mehr als am Ende wirklich zum HSV kommen – logisch. Heute beispielsweise berichteten meine Freunde von „HSV1887tv“, dass der HSV an Talent Victor Jensen von Ajax Amsterdam interessiert sei. Ein Name, den ich auch schon mal genannt bekommen hatte. Dennoch soll der 21-jährige dänische U20-Nationalspieler Dänemarks, der im offensiven Mittelfeld beheimatet ist und laut Transfermarkt.de einen Marktwert von aktuell einen Million Euro haben soll, aktuell nicht realistisch sein für den HSV, was wiederum das Hamburger Abendblatt vermeldete.
Der junge Mittelfeldspieler war 2017 von der Jugend des FC Kopenhagen für 3,5 Millionen Euro in die U19 von Ajax Amsterdam gewechselt und war zuletzt an den dänischen Erstligisten Nordsjaelland ausgeliehen, wo er auf 18 Einsätze (drei Treffer, drei Vorlagen) kam. Der Vertrag des 21-Jährigen in den Niederlanden läuft noch bis Juni 2023 – wirklich durchgesetzt hatte er sich in den Niederlanden bisher aber nicht. Vom Profil her hätte das gut zum HSV gepasst. Sportlich einschätzen vermag ich Jensen allerdings nicht. Von daher – und weil der Wechsel eh eher unwahrscheinlich ist – belasse ich es auch dabei und bewerte das Gerücht nicht weiter. Denn es werden noch genügend weitere kommen und diese 14 Tage bis zum Ende dieser Transferphase schaffen wir auch noch, ohne auf jedes Gerücht anzuspringen.
Johansson will nächsten Schritt machen – beim HSV
Tatsachen geschaffen hat der HSV bei Marko Johansson, der sich heute in einer Runde persönlich vorgestellt hat. „Der erste Eindruck war super“, freut sich Johansson, der seit vier Tagen in Hamburg ist und als Grund für seinen Wechsel angab, dass der HSV die beste Lösung war, um nach seinen Spielen in Schweden den nächsten Schritt zu machen. „Ich habe zuletzt neun Spiele gemacht und wir haben alle gewonnen“, sagte Johansson, der seinen Platz als Nummer eins dennoch wieder für den erfahreneren Johan Dahlin räumen musste. Auch deshalb suchte Johansson das Weite.
Sauer war Johansson dennoch nicht. Vielmehr sieht er das Positive. „Der HSV ist ein großer Klub, hier will ich helfen, dass wir besser werden“, so der 22-Jährige, der die automatisch entstehenden Konkurrenzsituation als leistungsfördernd bezeichnet. Ob er die Chance sieht, die neue Nummer eins zu werden? Logisch. Aber er äußert sich vorsichtig, spricht von neuen Freunden im Team, auch im Kreise der Torhüter. Und davon, dass die besten Torhüter wie beispielsweise Manuel Neuer und Kevin Trapp aus Deutschland kommen und dementsprechend hier das Torarttraining besonders gut sein müsse. Sein erstes Ziel: „Ich will ein besserer Torhüter werden.“
Heute im Communitytalk wurde ich auch gefragt, ob Johansson die neue Nummer eins werden könne – und verneinen kann ich das natürlich nicht. Zumal Daniel Heuer Fernandes heute das Nachmittagstraining mit einem dicken Verband am linken Fuß beendete. Allerdings würde ich es aktuell für falsch halten, den Keeper zu wechseln, da Daniel Heuer Fernandes bislang konstant gut gespielt hat und es nicht verdient hätte, erneut vor den Kopf gestoßen zu werden. Zumindest wäre das dann dritte Mal, dass er degradiert würde, ein fatales Zeichen an Heuer Fernandes, der gerade dabei ist, sein Selbstvertrauen wieder aufzubauen und von Trainerseite das Vertrauen entgegengebracht bekommen hat, das er brauchte. Aber: Noch ist das trotz ordentlicher Leistungen Heuer Fernandes‘ alles sehr wackelig. Und ich würde da nichts riskieren – im Gegenteil. Denn der HSV braucht Stabilität. Defensiv vor allem. Und der Torwart spielt hierbei zweifellos eine entscheidende Rolle.
Genehmigt: Heimspiel gegen Darmstadt mit Gästefans
Entschieden ist übrigens, dass der HSV am Sonntag auch wieder Gästefans zulassen darf. Demnach steht dem HSV im Heimspiel gegen Darmstadt 98 ein höheres Kartenkontingent als zuletzt zur Verfügung. Das Hamburger Gesundheitsamt hatte den HSV am Mittwoch darüber in Kenntnis gesetzt, dass sich beim Heimspiel am Sonntag durch die zugelassenen Gäste-Fans die mögliche Anzahl an Zuschauern im Volksparkstadion von zuletzt 17.100 auf 17.955 erhöht.
Hintergrund: Der Verein hatte in der vergangenen Woche bei der Stadt einen Antrag auf die Zulassung von 25 000 Zuschauern für seine Heimspiele gestellt. Er hoffte schon für die Partie gegen Darmstadt 98 auf eine Genehmigung. Im ersten Heimspiel gegen die SG Dynamo Dresden am 1. August wurde die erlaubte Kapazität von 17 100 Fans voll ausgeschöpft. In das Volksparkstadion passen etwa 57 000 Besucher. Sämtliche Tickets sind über den HSV -Ticketshop frei erhältlich, auch die Gäste-Anhänger können sich auf diesem Weg ihren Platz in der Arena sichern. Eine Versendung an Darmstadt 98 sei „aufgrund der Kürze der Zeit nicht mehr möglich gewesen. Der Kartenverkauf findet ausschließlich online statt“, teilte der HSV dazu weiter mit.
In diesem Sinne, bis morgen. Anbei noch die neue Ausgabe des Communitytalks von heute und ein Hinweis in eigener Sache: Unser IT-Fachmann und Blogfreund Janik hat seit letzter Woche ein Tippspiel für unsere Community installiert. Jede/r hier Angemeldete kann daran teilnehmen und sowohl den Spieltagsgewinn als auch den Gesamtsieg einfahren. Und obwohl das Ganze eigentlich selbsterklärend ist, werden wir Euch noch eine Anleitung hier reinstellen, wie Ihr daran teilnehmen könnt. Am Tippsiel am vergangenen Spieltag gegen den FC St. Pauli haben insgesamt schon mehr als 100 von uns teilgenommen. Und: Die Teilnahme ist kostenlos! Aber dazu morgen und Freitag mehr!
Bis dahin wünsche ich Euch erst einmal einen schönen Abend! Ich melde mich dann morgen früh wieder mit dem MorningCall um 7.30 Uhr bei Euch.
Bis dahin! Scholle
P.S.: Der HSV hat heute „das kleine Stadtderby“ in der Regionalliga gegen den FC St. Pauli mit 1:0 gewonnen. Torschütze des einzigen Treffers war Valon Zumberi (17.). Das Spiel fand ohne Zuschauer im Edmund-Plambeck-Stadion in Norderstedt statt. Unterstützt wurde die U21-Startelf von den Profis Aaron Opoku und Robin Meißner, der endlich wieder einsetzbar ist und der Profimannschaft schon am Sonntag als Alternative für den Angriff zur Verfügung stehen könnte.
Eigentlich galt die Position des Rechtsverteidigers mit ihm als besetzt. Josha Vagnoman sollte erste Wahl sein, sofern er nicht noch verkauft würde, während Jan Gyamerah mehr oder weniger deutlich gemacht bekommen hatte, dass man ihm bei einem Wechsel keine Steine in den Weg legen würde. Aber wie so oft: Erst6ens kommt es anders – und zweitens als man denkt. Denn heute ist von diesem Plan gar nichts mehr übrig. Im Gegenteil: Gyamerah gilt als gesetzt auf der Rechtsverteidigerposition. Und: Vagnoman wird weder teuer verkauft, noch ist er einsetzbar. Oder anders formuliert: Der HSV muss personell einen ganz bitteren Tiefschlag hinnehmen und hat seit heute eine weitere, große personelle Baustelle, die er via Homepage wie folgt verkündete:
MUSKELSEHNENRISS BEI JOSHA VAGNOMAN
DER RECHTSVERTEIDIGER ZOG SICH DIE VERLETZUNG IM DERBY ZU UND WIRD VORAUSSICHTLICH ZWEI MONATE FEHLEN.
Großes Pech für Josha Vagnoman. Neben dem verlorenen Derby (2:3) hat sich der U21-Nationalspieler im Stadtduell gegen den FC St. Pauli am vergangenen Freitag (13. August) auch noch eine schwere Verletzung zugezogen. Der Rechtsverteidiger, der in der 76. Minute für Jan Gyamerah eingewechselt wurde, zog sich in der Schlussphase einen Muskelsehnenriss im linken vorderen Oberschenkel zu. Das ergab eine eingehende Untersuchung im UKE. Damit wird Vagnoman voraussichtlich zwei Monate ausfallen. Schnelle und gute Besserung, lieber Josh!
Quelle: www.hsv.de
Eine ganz bittere Nachricht für alle Beteiligten. Am meisten sicherlich für den Spieler selbst, der am vergangenen Freitag gerade erst aus einer Verletzung zurückgekehrt war und jetzt wieder angreifen wollte. Angebote aus dem Ausland (Klubs aus England und Italien waren interessiert) hat Vagnoman abgelehnt, lockerer Gespräche mit deutschen Erstligaklubs liefen noch. Aber auch die dürften sich angesichts der langen Ausfallzeit jetzt erst einmal erledigt haben.
Dafür muss sich der HSV jetzt auch für die rechte Seite der Viererkette etwas einfallen lassen. Gyamerah allein dürfte schwerlich reichen. Und das meine ich nicht, weil der Rechtsverteidiger gegen den FC St. Pauli ein Totalausfall war, sondern weil er in den letzten Jahren auch verletzungsanfälliger als andere war. Hier nur auf ihn zu setzen wäre allemal hohes Risiko. Wobei man mit Moritz Heyer noch einen Spieler hätte, der sicherlich auch diese Position spielen könnte – aber Heyer sehe ich dann noch einmal ganz woanders. Zumindest aber sehe ich Heyer nicht auf der Bank.
Bei mir wäre Heyer neben Meffert auf dem Platz, um das zentrale Mittelfeld zu stabilisieren. Allein das Spiel gegen den FC St. Pauli hatte zuletzt noch einmal mehr als deutlich gemacht, dass Meffert allein hier überfordert ist – und weder David Kinsombi noch Ludovit Reis (dem ich das grundsätzlich aber zutrauen würde) für die eigene Defensive ausreichend Hilfe darstellen. Ehrlich gesagt sehe ich einen Meffert, der nicht durch Spritzigkeit und harte Zweikämpfe besticht, sondern über eine sehr strukturierte Spielführung, eh nicht als Abräumertypen. Und einen solchen braucht der HSV, sobald er mit nur einer Sechs spielt.
Behaupte ich zumindest. Heyer könnte das aus meiner Sicht schon eher. Aber es gehen auch beide miteinander. Wenn der HSV im 4-2-3-1-System spielt, was ich aktuell für sehr charmant halte. Und damit komme ich zurück auf das, was ich beim aktuellen Kader noch vermisse. Defensive Stabilität wie eben beschrieben – aber vor allem auch Kreativität. Denn die fehlte nicht nur gegen den FC St. Pauli, sondern auch vorher schon. Gegen Schalke konnte man dieses Manko ebenso wie gegen Dresden in Teilen noch durch extreme Laufarbeit wettmachen. Gegen den FC St. Pauli aber wurde man taktisch schon das erste Mal ausgezählt.
Klar ist, dass Walter das Risiko von Gegentoren in Kauf nimmt – was an sich nicht verwerflich ist. Denn sein System ist ausgerichtet auf viele eigene Treffer. Und ein 3:2 bringt genauso viele Punkte wie ein 1:0. Muss man nicht mögen, kann aber funktionieren. Wenn man eben defensiv stabil(-er als der HSV aktuell) ist. Aber hierfür fehlt dem HSV aus meiner Sicht die überragende Offensive. Anssi Suhonen wird noch Zeit benötigen, seine Position (er ist irgendwo zwischen Sechs und Zehn angesiedelt) zu finden. Und die muss man ihm auch zugestehen, während Jeremy Dudziak das an guten Tagen konnte. Diese aber waren zu selten – und inzwischen ist der Linksfuß HSV-Geschichte. Sonny Kittel konnte die Zehn bislang nie ausfüllen und wird wohl auch nie DER Führungsspieler, DER Spielmacher werden.
Er ist vielmehr ein Mitspieler mit genialen Momenten, der am besten funktioniert, wenn der Rest auch gut im Spiel ist. Aber da es außer ihm auch sonst keinen Spielmacher gibt, muss der HSV hier nachlegen. Drei Millionen Euro sollen dafür von den bisher knapp 9 Millionen Transfereinnahmen zur Verfügung stehen. Und Sportvorstand Jonas Boldt wird diese Gelder ebenso wie seine Mitstreiter Michael Mutzel und Co. sicher gut brauchen können, da neben einem echten Zehner und einem Rechtsverteidiger auch noch ein oder zwei offensive Außenbahnspieler mit 1:1-Qualitäten vonnöten sind.
Boldt und Co haben also noch eine Menge Arbeit vor sich. Einige sehr spannende Tage warten bis zum Ende dieses Transferfensters am 31. August auf den HSV. Und auf uns hier. In diesem Sinne, morgen werde ich wieder versuchen, Eure Fragen im CommunityTalk zu beantworten. Vorher gibt es wie immer den MorningCall. Bis dahin!
Scholle
P.S.:Holstein Kiel hat Lewis Holtby verpflichtet. Der 30 Jahre alte Mittelfeldspieler erhielt beim Tabellenletzten einen Zweijahresvertrag bis zum 30. Juni 2023. Nach drei 0:3-Niederlagen hat der vorjährige Bundesliga-Aufstiegskandidat auf die sportliche Misere reagiert und will im zentralen Mittelfeld für mehr „Struktur und Ordnung“ sorgen, wie Sport-Geschäftsführer Uwe Stöver sagte.
„Ankommen, kennenlernen, so schnell wie möglich. Direkt auch anpacken und meine Erfahrung einbringen. Gucken, dass wir alle gemeinsam wieder in die Spur kommen und Spiele gewinnen“, sagte Holtby über seine nächsten Aufgaben. Holstein Kiel sei ein „sehr spannendes Projekt, ein geiles Projekt und auch ein sehr geiler Verein“, sagte Holtby, der 200 Bundesliga-Partien für den FC Schalke 04, den VfL Bochum, Mainz 05 und den HSV bestritten hat. Beim HSV wurde der Vertrag des Mittelfeldakteurs nach dem Ende der Zweitliga-Spielzeit 2018/19 nicht mehr verlängert. Zuletzt stand er zwei Jahre beim englischen Zweitligisten Blackburn Rovers unter Vertrag. Dort absolvierte er in der abgelaufenen Serie 27 Partien und kam auf eine Torvorlage. „Ich wollte unbedingt nach Deutschland zurückkehren“, sagte Holtby. „Die 2. Liga ist wahnsinnig attraktiv. Es sind unheimlich viele Teams aus dem Norden dabei, da wird es viele Derbys geben.“ Holtby erhält das Trikot mit der Rückennummer 10.