Es wird wirklich eng. Wenn ich sehe, wie andere Mannschaften in dieser Liga aufspielen und das vergleiche, dann hat der HSV gestern zweifelsfrei einen Schritt nach vorn gemacht – aber auch nur, weil er vorher noch drei oder gar vier Schritte hinter den Topteams hinterherhing. Und: Offensiv büßte man so gleich einen Teil Torgefahr wieder ein. Also Ein Schritt nach vorn, einer zurück – der HSV verändert sich also, ohne wirklich voranzukommen. Das 0:0 in Heidenheim war das vierte sieglose Spiel in den vergangenen vier Partien und sortiert den selbst ernannten Aufstiegsaspiranten ins triste Mittelfeld der 2. Liga ein.
„Für uns war dieses Spiel insgesamt ein Schritt nach vorn. Wir haben hinten sehr konsequent verteidigt, gerade bei den vielen Eckbällen. Da muss ich meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen, sie hat das alles wegverteidigt“, sagte Walter erfreut und betonte ausdrücklich: „Das, was uns alle vorwerfen, dass wir nicht konsequent verteidigen, hat sie heute überragend gemacht.“ Und hier muss man einfach mal dazwischenfunken. Denn „überragend“ war gestern gar nichts. Nur, weil man die vielen Fehler der vergangenen Wochen nicht macht, heißt das noch lange nicht, dass man vorankommt. Geschweige denn, dass irgendwas „“überragend“ ist.
HSV-Coach Walter überhöht sein Lob deutlich
Allerdings kann ich nachempfinden, weshalb der HSV-Trainer hier etwas euphorisiert formuliert. Er steht seit Beginn seiner Amtszeit in Hamburg unter einer besonderen Beobachtung. Noch mehr als seine Vorgänger, da ihm der Ruf vorauseilte, schwierig zu sein. Als Typ wohlgemerkt. Sportlich wurde Tim Walter zudem eine gewisse Beratungsresistenz vorausgeschickt. Das und ein extrem riskant-offensiv ausgelegtes Spielsystem. Mit anderen Worten, Tim Walter ist gefühlt immer in der Verteidigungshaltung.
Und während sich Walter bislang als durchaus kommunikativ und klar präsentiert, ist sein Spielsystem tatsächlich wie beschrieben. Gestern mal ausgenommen. Denn da wirkte die HSV-Defensive stabiler und kontrollierter als zuletzt. Kein ständiges Unterzahlspiel bei Ballverlusten, stattdessen bot Walter mit Jonas Meffert, Moritz Heyer und Ludovit Reis drei defensiver orientierte Mittelfeldspieler auf – was nach hinten funktionierte. Zuerst hatte die Defensive in Heidenheim eine knappe halbe Stunde nichts zu tun, dann aber war sie mehrfach gefordert. Glück war sicher auch dabei, als zweimal das Alugestänge Schlimmeres verhinderte. Unterm Strich stand jedoch: Defensivverhalten deutlich verbessert.
Entscheidend für solche Urteile ist halt immer der Maßstab. Und diese „Neuausrichtung“, die ich eher Nachjustierung nennen würde, brachte offensiv Einbußen mit sich, denn auch vorn stand am Ende erstmals die Null. Weil es an Präzision fehlte. Die herausgespielten Chancen hätten normalerweise reichen müssen. Der starke Moritz Heyer mit Lattentreffer, der eher blasse Sonny Kittel, Tim Leibold, Manuel Wintzheimer und andere scheiterten aussichtsreich. Ergo: Der Weg ist richtig. Und genau deshalb sage ich im Blitzfazit, dass ich mit diesem System klarkomme. DAFÜR kann ich auch die so oft geforderte Geduld aufbringen. Anders als für den Harakiri-Fußball der Vorwochen.
Dennoch muss der HSV nachbessern. In allem. Ohne Siege geht es in der Tabelle abwärts. Logisch. „Wir sind mit der bisherigen Punktausbeute nicht zufrieden, aber wir müssen die Entwicklung bewerten, und da haben wir heute einen Schritt nach vorne gemacht“, lautete Walters Fazit, das man so recht nicht hören mag als HSV-Anhänger. Denn das klingt fast so, als würde man sich in Hamburg mit Mittelmaß schon zufriedengeben. Zumindest sind sechs Punkte nach fünf Spielen einfach zu schwach.
Ansprüche zurückgeschraubt – oder ist dasTaktik?
Wohl auch deshalb sprang HSV-Sportvorstand Jonas Boldt dem Trainer schnell zur Seite: „Wir haben sehr gute Anlagen gehabt, sehr konzentriert gespielt, sehr geduldig gespielt, viele richtig gute Chancen rausgespielt“, lobte Boldt das Team, das er nun zusammen mit Sportdirektor Michael Mutzel noch einmal nachbessern muss. Ein kreativer Spieler fürs offensive Mittelfeld, einer oder zwei für die Außenbahn und sogar ein Neuer für die Innenverteidigung werden benötigt. Behaupte ich weiterhin.
Dass die sportliche Leitung samt Trainer das Ganze etwas unaufgeregter formuliert, liegt dabei in der Natur der Sache. In etwa so, wie bei der Beurteilung der bisherigen Spiele. Die einen sehen im Spiel beim 1. FC Heidenheim einen Schritt nach vorn – die anderen sehen zuvor zwei, drei Schritte zurück, um jetzt einen wieder nach vorn zu gehen.
Entwicklung wird aber für mich auch in den nächsten Tagen im Mittelpunkt stehen, da es ein ganz wesentlicher Beurteilungsfaktor für die Arbeit von Trainer Tim Walter ist. Denn er muss Spieler entwickeln, und dafür bedarf es auch Geduld. Was mir hierbei fehlt, ist allerdings der klare Weg. Aktuell wird es in der Außendarstellung immer so gedreht, wie man es gerade braucht. Dabei galt intern bislang immer, dass der eigene Anspruch nur der Aufstieg sein dürfe. Alles andere wurde gar als inakzeptabel abgetan. Wenn ich jetzt aber die Worte von Boldt, Walter und Co. höre, klingt das anders. Also hat man entweder den eigenen Anspruch abgesenkt – oder die Verantwortlichen gehen schon in den Selbsterhaltungs-Modus über. Beides wäre fatal.
Gleiches gilt übrigens für die Transferpolitik, die bislang ordentlich ist – aber eben auch nur, wenn jetzt noch etwas passiert. Und damit sind gute, günstige Zugänge gemeint, nicht etwa Abgänge von Aussortierten wie Toni Leistner oder heute von David Bates, der zum FC Aberdeen wechselt und dem ich persönlich nur das Allerbeste wünsche. Bis Dienstag haben die Verantwortlichen noch Zeit und ich traue Boldt, Mutzel und Co. zu, dass sie die Ansprüche senken, um nach außen nicht zu bedürftig zu wirken. Denn das wiederum würde die Preise steigen lassen.
Oder anders formuliert: Ich hoffe inständig, dass die sportlich Verantwortlichen beim HSV ihre letzten Aussagen wider besseres Wissen und taktisch gewählt haben, weil sie damit einen Plan verfolgen und darauf setzen, auf den letzten Metern des Transferfensters doch noch den einen oder anderen größeren Fisch abfangen zu können, den man sich sonst nie hätte leisten können. Zuzutrauen ist es den verantwortlichen definitiv. Auch wenn das einige hier anders sehen mögen. Sollte dem allerdings nicht so sein, dann wird es hart. Denn sportlich ist der Abstand selbst dem vermeintlich „kleinen Stadtrivalen“ gegenüber schon zu groß. Nicht nur tabellarisch.
In diesem Sinne, bis morgen. Da werden wir uns wie immer schon früh um 7.30 Uhr mit dem MorningCall melden. Und da werden wir sicher schon wieder ein bisschen mehr wissen.
Scholle
P.:S: Der HSV muss in der zweiten Ründe des DFB-Pokals, die am 26./27. Oktober ausgetragen wird, zum 1. FC Nürnberg reisen.
Bereits zum siebten Mal treffen Heidenheim und der HSV in der 2. Fußball-Bundesliga aufeinander. Und der HSV steht nach nur einem Sieg und zwei Unentschieden aus den ersten vier Saisonspielen dabei schon unter Druck. „Es treffen zwei unterschiedliche Spielphilosophien aufeinander, das sieht man schon am Torverhältnis“, sagte Trainer Frank Schmidt vom 1. FC Heidenheim. Das des offensiv ausgerichteten HSV beträgt 8:7, das seiner punktgleichen Heidenheimer 3:3. Aber: Für Schmidt sind Partien gegen den langjährigen Bundesligisten nach wie vor nichts Alltägliches. „Auch wenn es nun schon mehrere Duelle waren, sollten Spiele gegen den HSV immer etwas Besonderes bleiben und das ist für uns auch so“, sagte der 47-Jährige einen Tag vor dem Aufeinandertreffen mit Tim Walters Mannen. Wenigstens auswärts hat der HSV noch die Wertschätzung einstiger Tage.
In Hamburg selbst herrscht schon wieder Skepsis vor. Der Saisonstart des HSV war holprig, nun sorgt auch noch der Ärger um Abwehrspieler Toni Leistner für Unruhe – nur Tim Walter scheint nichts aus der Fassung zu bringen. „Wir haben die Geduld. Es geht nie etwas von heute auf morgen. Wer da keine Geduld hat, das sind andere.“
Dass das Umfeld in Hamburg bei ausbleibendem Erfolg durchaus ungemütlich werden kann, hat Walter schon zu hören bekommen. Zuletzt waren beim wilden 2:2 gegen Darmstadt Pfiffe zu hören, wenn der Ball zum Torhüter zurückgespielt wurde. Das mache ihn aber nicht nervös, versicherte der 45-Jährige. „Wir versuchen, die Zuschauer mitzunehmen und zu emotionalisieren, und versuchen die Spielidee, die einfach etwas anderes bedeutet, ihnen näher zu bringen.“ Er sieht sich in seiner Haltung innerhalb des Vereins gestützt. „Wir sind uns intern sehr, sehr einig, sehr schlüssig, weil wir uns jeden Tag austauschen“, meinte er.
Dass allmählich geliefert werden muss, weiß aber auch Walter vor dem Spiel beim 1. FC Heidenheim. Schließlich besteht sonst die Gefahr, beim vierten Anlauf zurück in die Beletage früh zurückzufallen. Ein Sieg, zwei Remis und eine Niederlage machen fünf Punkte – so schlecht war der HSV seit seinem Abstieg 2018 noch nie in die Zweitliga-Saison gestartet.
Walter verweist darauf, dass die Liga ausgeglichen ist. „Da gibt es keine Kleinen.“ Auch der nächste Gegner gehört seiner Ansicht nach längst nicht mehr zu den Kleinen. Von „seinen Jungs“ ist Walter jedenfalls überzeugt. „Man muss sehen, dass wir eine junge Mannschaft haben, die man noch weiterentwickeln muss“, sagt Walter. „Wir haben Entwicklungspotenziale. Die müssen wir einmal ausschöpfen.“ Und diese öffentliche Haltung unterstütze ich zu 100 Prozent – sofern Walzer nach innen Klartext spricht. Denn Fakt ist, dass dem HSV im Kreativbereich noch ein, zwei Leute fehlen. Und spätestens nach der Causa Leistner fehlt auch noch etwas für die Innenverteidigung.
Heute und noch vier Tage bleiben noch, um weitere Zugänge zu verpflichten. Etwas mehr als drei Millionen Euro sollen die HSV-Verantwortlichen dafür bereitstellen. Und dass der HSV noch einmal auf dem Spielermarkt bis zum Ende der Transferperiode aktiv wird, schließen weder er noch Sportvorstand Jonas Boldt aus. Der Bedarf ist auch einfach da. Nur noch 18 Feldspieler inklusive dreier Torhüter stehen derzeit regelmäßig auf dem Trainingsplatz. „Wir haben immer gesagt, dass wir Ausschau halten. Aber der millionenschwere Heilsbringer wird nicht kommen“, hatte Boldt Anfang der Woche dem TV-Sender Sport1 gesagt. „Erstens wurde es schon öfter probiert und der schaffte es auch nicht. Zudem liegen die Millionen in Hamburg auch nicht auf der Straße.“
Stattdessen werden Millionen immer wieder vor die Tür gesetzt. Ulreich, Gjasula, Terodde und jetzt Leistner sollten die Säulen für den Neuaufbau werden – und wurden allesamt rasiert. Und wäre Leistner vor zwei Jahren beim HSV in derselben Position gewesen, er wäre schon mit Abfindung weg. Heute aber hat der HSV dafür das Geld nicht, daher wird es keine Abfindung für Leistner geben. Aber eben auch keine Ablösesumme. Läuft es schlecht, sitzt Leistner seinen 500.000-Euro-Vertrag gar auf der Tribüne aus. Oder es kommt gar zum Rechtsstreit. Alles Optionen, die der Ruhe in Hamburg nicht zuträglich sind. Im Gegenteil.
In Heidenheim wird es für den HSV darum gehen, defensiv ruhig zu bleiben und den Kampf anzunehmen. Und darum, aus den Fehlern der ersten vier Ligapartien zu lernen, in denen die defensiven Schwächen recht schonungslos offengelegt wurden. Sollte man das weiterhin nicht hinbekommen, dürfte alles andere relativ nebensächlich werden. Dann wird es schon deshalb laut beim HSV.
Bleibt noch die Startaufstellung, in der ich sehr darauf hoffe, dass Anssi Suhonen nach seiner besseren zweiten Halbzeit gegen Darmstadt erneut seine Chance von Beginn an erhält. Ansonsten hätte ich gegenüber der Startelf der Vorwoche nur eine Änderung, und die würde Maxi Rohr betreffen. Ich würde den Youngster rausnehmen und für ihn David Kinsombi oder noch eher Ludovit Reis bringen. Letzteren vor allem auch deshalb, um ihm nicht gleich schon zu Saisonbeginn den Spaß am HSV zu nehmen. Denn Potenzial hat der Junge definitiv.
Oder wie würdet Ihr aufstellen?
In diesem Sinne, bis morgen. Da werden wir uns ab 13 Uhr wieder auf der Auswärtscouch einfinden und via youtube mit allen zusammen das Spiel schauen, die einschalten mögen. Wir freuen uns auf Euch und auf zwei spannende Überraschungsgäste.
Dieser bedingungslose Teamgeist wie im Abstiegsendspiel der Kreisliga B mit gemeinsamen Grillabenden und langen Nächten nach Spielen, diese bedingungslose Hingabe zum Verein, diese ewige Treue – es gibt sie nur noch von Fanseite. Oder eben im unteren Amateurbereich, wo Geld noch keine Rolle spielt. In allen anderen bezahlten Ligen aber gilt mit ganz, ganz wenigen Ausnahmen immer der eigene Vorteil als Leitmotiv. Für Spieler, für Trainer – und auch für Vereinsoffizielle. Und wer etwas anderes behauptet, der gehört vielleicht tatsächlich zu diesen nullkommairgendwas-Prozent. Oder er/sie ist ein/e Träumer/in. Schon deshalb können mich solche Szenarien wie jetzt rund um Toni Leistner weder in die eine noch in die andere Richtung ziehen. Sie schockieren mich nicht – und die Protagonisten sollten aufhören, zu jammern. Alle. Ebenso wir Außenstehende.
Verträge zählen nur, so lange sie dem eigenen Vorteil dienen
Denn weder der Spieler noch der Klub würden jemals das Wohl des anderen über das eigene stellen – vorsichtig formuliert. So, wie wir es immer wieder erleben. Auch jetzt bei Leistner wieder, der für den Verein nach einer außergewöhnlich wichtigen Rolle unter Trainer Daniel Thioune unter dem neuen Trainer eben sportlich keine Rolle mehr spielt. Was also machen Verein und Spieler? Sie versuchen so gut es geht, ihr Gesicht zu wahren. Es habe einige Gespräche gegeben, in denen man sich „klar und ehrlich“ ausgetauscht habe, hat Trainer Tim Walter über sein Verhältnis zu Leistner gesagt. Er habe sogar eine Rolle für den 31-Jährigen in seinem Team gehabt. Aber: Leistner wollte diese nicht annehmen.
Das sagt Walter. Und so hat es der Verein ja gestern auch via Pressemitteilung verlautbart. Und das klingt ja erst einmal nach völlig unaufgeregter Entwicklung, die offenbar eine Trennung als logische Konsequenz nach sich zieht – was per se auch noch kein Problem wäre. Wäre da nicht das liebe Geld. Denn Leistner verdient in Hamburg gut, heißt es. Und es dürfte schwer werden, diesen Betrag auf die Schnelle bei einem neuen Verein zu bekommen. Ergo: Der Spieler stellt – vielleicht noch dazu beraten von einem Arbeitsrechtler – auf stur. Keiner hat eben was zu verschenken. Und Leistner hat einen gültigen Vertrag, der ihm das Recht dazu gibt.
Allein das abgegebene Bild hierbei stört Spieler wie Leistner, die als Mentalitätsspieler immer auch den Anspruch erheben, sportliche Werte zu leben. Also muss er Dinge nach außen andeuten, wenn er sie schon nicht sagen darf. Das wiederum funktioniert heutzutage ganz easy über die sozialen Netzwerke. Da haut man etwas raus und binnen Sekunden weiß die ganze Welt davon. So geschehen beim Post am Montag, in dem Leistner eindeutig-zweideutig schrieb, dass Hindernisse dazu da seien, sie zu überwinden. Und: So ein Typ ist er ja auch in der Wahrnehmung Außenstehender. Den Post einen Tag später allerdings vom gleichen Account hatte er dann nicht mehr selbst geschrieben, so sagt er es jedenfalls im Nachgang. Die gewollte Wirkung aber hat dieser Post erzielt, in dem Leistner den HSV und Trainer Walter für die Entscheidung attackiert, ihn auszusortieren. Den Fan-Protest gab es schon.
Wer sich heute die Pressekonferenz anschaut, der kann bei Walter heraushören, dass er Leistner zwar nicht wörtlich angreifen will, ihn durch die Blume aber mangelnde Einstellung vorwirft. Wie gesagt, er hätte ja eine Rolle für Leistner vorgesehen gehabt. Allein dieser habe diese Rolle nicht annehmen wollen. Und das gehört sich im Mannschaftssport nicht. Da steht das Team über allen. In der Theorie zumindest.
Auch im Fall Leistner gibt es kein „Gut“ und kein „Böse“
Nein, diese Trikotküsser auf der einen Seite, die eben ewige Liebe schwören und keine drei Minuten später für für 2,80 Euro mehr das nächste Trikot küssen, die gehen mir genau so auf den Sack wie die Vereinsoffiziellen, die ihren Spielern vermehrt dann Vorwürfe machen, wenn man diese loswerden will. Wie jetzt. Da soll dieser zweite Leistner-Post (der ja ein Fake sein soll) sogar rechtlich geprüft werden und ggf. eine fristlose Kündigung Leistners nach sich ziehen.
Nein, beide Seiten vertreten ihre Interessen auch über den sozialen Umgang miteinander hinaus. Wohlgemerkt: BEIDE SEITEN: Also hören wir bitte auf, hier mit moralischen Diskussionen den Guten und den Bösen erkennbar machen zu wollen. Letztlich sind beide gleichermaßen gut. Und gleichermaßen böse. Verträge zählen für beide Seiten nur so lange, wie sie ihnen zum Vorteil dienen. Am Ende geht es im Business Profifußball nur darum, Geld zu sparen (Verein) bzw. nicht auf Geld zu verzichten (Spieler). Immer wieder. Das Emotionale wird dabei vor allem von außen gelebt. Bei den Fans. Innerhalb des Vereines wird es nur dafür genutzt, Druck aufzubauen bzw. seine eigene Position zu stärken, sofern die öffentliche Meinung einen eben unterstützt.
Eigentlich wollte ich nur kurz schreiben, wie wenig dramatisch und wie (leider) inzwischen normal so ein Vorgang im Fußball auch ist. Von der allseits umjubelten Liebeshochzeit zum Rosenkrieg binnen Wochen – das ist inzwischen nicht nur beim HSV an der Tagesordnung. Meist wiederkehrend in Transferphasen. Und mich nervt es, dass alle immer wieder versuchen, sich selbst als den/die Guten darzustellen, anstatt einfach mal ehrlich zu sein und zu sagen, dass man eben nicht mehr zusammenpasst.
Walter raunzt David an – und gut ist…
Wobei ich HSV-Trainer Walter genau das zutraue: Ungeschönte Ehrlichkeit. Wie heute auf dem Platz, als der Trainer Jonas David lautstark maßregelte. „Ein Zöffchen“ nannte Walter das, was im Amateurfußball alle Nas‘ lang vorkommt und in den allerseltensten Fällen eine längere Halbwertszeit als fünf Minuten hat. Zurecht übrigens! Von daher ist dieses Thema damit für mich auch schon wieder erledigt. Und ich hoffe, dass sowohl Spieler als auch Offizielle im Fall Leistner den öffentlich ausgetragenen Zoff nicht eskalieren lassen, sondern sagen, wie es ist.
Meine ganz subjektive Vermutung hierbei: Der Verein hat keinen Gebrauch mehr für Leistner und komplimentiert ihn raus. Dieser erkennt das, ist gekränkt und hat nicht sofort eine bessere Alternative – deshalb ist er noch da. Sollte sich das Thema Finanzen aber zum Vorteil des Spielers regeln, wird er gehen. Eine sportliche Zukunft aber hat er bei Walter nicht mehr. Das zumindest meine ich heute mehr als deutlich herausgehört zu haben. Ergo: Trennung, und weitermachen. Business as usual eben, so traurig das auch ist…
Sollte alles glatt laufen, werde ich morgen früh wieder den MorningCall machen können. Auch wenn ich aktuell noch die Nebenwirkung dieser Erkältung spüre. Oder ist es der HSV, der mich gerade so nervt? Egal wie, Euch allen einen schönen Rest-Donnerstag,
Scholle
P.S.: Angerifer Robin Meißner hat seinen Vertrag wie angekündigt bis 2024 verlängert.
Um 14.42 Uhr verkündete der HSV offiziell, was vorher schon durch alle sozialen Netzwerke verbreitet worden war: Ton Leistner wurde freigestellt. „Toni Leistner wird in der Vorbereitung auf das kommende Zweitligaspiel des HSV beim 1. FC Heidenheim am Sonnabend und auch für die weitere Saisonplanung keine Rolle mehr spielen“, hieß es in der Erklärung. Der 31-Jährige soll sich einen neuen Verein suchen.
Mit der sportlichen Führung soll es in den vergangenen Wochen mehrere Gespräche über die „ihm zugedachte Rolle innerhalb der Mannschaft“ gegeben haben. Der Innenverteidiger ist in dieser Saison in vier Punkt- und einem Pokalspiel keine Minute eingesetzt worden. Leistner wollte dies nicht akzeptieren und hatte auf Einsatzzeiten gedrängt. „Daraufhin ist man zu dem Entschluss gekommen, dass es besser ist, ihn für eine Vereinssuche freizustellen, um den Fokus und die Energie des Teams und des gesamten Clubs auf das bevorstehende Spiel beim 1. FC Heidenheim und die weiteren Aufgaben zu richten“, teilte der HSV mit.
Die Pressemitteilung im Wortlaut:
TONI LEISTNER FÜR VEREINSSUCHE FREIGESTELLT
DER 31-JÄHRIGE ABWEHRSPIELER KANN SICH NICHT MIT SEINER ZUGEDACHTEN ROLLE ANFREUNDEN UND SOLL SICH EINEN NEUEN CLUB SUCHEN.
Toni Leistner wird in der Vorbereitung auf das kommende Zweitligaspiel des HSV beim 1. FC Heidenheim am Sonnabend und auch für die weitere Saisonplanung keine Rolle mehr spielen. Der 31-jährige Abwehrspieler wurde vom Club für eine Vereinssuche freigestellt.
Hintergrund ist der gemeinsame Austausch in den vergangenen Tagen. In ergebnisoffenen Gesprächen zwischen den Verantwortlichen des HSV und Toni Leistner wurde zunächst über die sportliche Situation des Innenverteidigers und die aktuell ihm zugedachte Rolle innerhalb der Mannschaft gesprochen. Diese wollte er in der vorgetragenen Form nicht annehmen und hinterlegte seinerseits noch einmal deutlich den Wunsch auf mehr Spielzeit in dieser Saison, in der er an den ersten vier Spieltagen und der ersten Runde im DFB-Pokal noch nicht zum Einsatz kam. Daraufhin ist man zu dem Entschluss gekommen, dass es besser ist, ihn für eine Vereinssuche freizustellen, um den Fokus und die Energie des Teams und des gesamten Clubs auf das bevorstehende Spiel beim 1. FC Heidenheim und die weiteren Aufgaben zu richten.
Offen ist natürlich, welche Rolle man Leistner genau vorgeschlagen hat. Dem Vernehmen nach wollte man ihn als Backup dabei behalten. Offiziell zumindest. Denn man hatte ihm wohl schon im ersten Gespräch signalisiert, dass man ihn bei einem Vereinswechsel unterstützen würde. Und das wiederum gefiel Leistner, der vor einem Jahr noch als großer Hoffnungsträger für die HSV-Defensive verpflichtet worden war, überhaupt nicht. Logisch. Ob er letztlich die Instagram-Mail geschrieben hat oder nicht – es hätte an der Situation nichts geändert. Es hat die Trennung nur noch ein Stück weit forciert.
Ich will und werde jetzt an dieser Stelle nicht noch einmal die Leistner-Diskussion eröffnen. Sportvorstand Jonas Boldt, Sportdirektor Michael Mutzel und Trainer Tim Walter werden sich in den nächsten Tagen und Wochen daran messen lassen müssen. Sie werden in dieser Transferphase noch mal personell nachlegen müssen – egal wie oft sie betonen, mit dem aktuellen Kader schon zufrieden zu sein. Dass man heute die schon länger feststehende Vertragsverlängerung von Robin Meißner (unterschreibt bis 2024) verkündet – das erfreut mich. Ebenso die Unterschrift von Nachwuchskeeper Leo Oppermann (19) bis 2025. Der Zeitpunkt dieser Verkündungen darf dabei durchaus als Stilmittel verstanden werden.
Und auch ich werde hier bis zum Ende der Transferphase keinen Stab brechen. Das machen schon genügend Experten und solche, die es gern wären. Fakt ist, dass die HSV-Verantwortlichen noch eine Wiche Zeit haben, den Kader für die eigenen Ziele tauglich zu machen.
Apropos Tauglichkeit: Da ich als letzter in unserer Familie leider seit heute auch mit Halsschmerzen und einer heranrauschenden Grippe flachliege, schon mal der dezente Hinweis, dass es gut passieren kann, dass der MorningCall morgen ausfällt. Ebenso wie der CT, den heute noch etwas optimistisch auf morgen verschoben hatte. Deswegen ist der heutige Blog auch etwas kürzer. Aber wer weiß schon, was morgen ist? Sollte es mir da doch wieder besser gehen, wird es sowohl den MorningCall als auch den Communitytalk geben. Und natürlich den Blog am Abend.
Dass seine Personalie öffentlich zu Diskussionen führen würde, war allen Beteiligten schon klar, als sie angefangen haben, darüber selbst zu diskutieren. Toni Leistner ist in der Innenverteidigung des HSV nicht nur der erfahrenste Spieler – er ist auch einer der Fan-Lieblinge. Die Wochen ohne ihn in der Vorsaison waren (meiner Meinung nach) ausschlaggebend für den Nichtaufstieg – und in dieser Saison steht man defensiv alles andere als stabil dar. Trotzdem hat die sportliche Leitung jetzt beschlossen, den letzten Säulenspieler der Vorsaison auch noch abzugeben. Und dieser quittierte das mit einem saftigen Post bei Instagram. Aber ich verzichte an dieser Stelle darauf, selbigen zu zitieren, da Leistner selbst versichert haben soll, dass sein Account gehackt wurde. Klingt unwahrscheinlich – aber auch hier gilt: im Zweifel für den Angeklagten.
Der MorningCall jetzt auch via Spotify und Co.:
Ich weiß, dass viele von Euch hier ein klares Ja oder Nein zum Leistner-Abgang von mir bekommen wollen. Aber das funktioniert nicht. Und ich werde auch nicht den Fehler machen, populistisch zu urteilen, nur um der Meinung der Masse zu entsprechen. Dass diese ohne jeden Hintergrund urteilend ihrer Sympathie folgt ist nachvollziehbar. Und ginge es allein danach, würde ich Leistner auch halten. Denn ich mag seine Art. Auch sportlich halte ich Toni Leistner für einen Typ Spieler, der in dieser Saison beim HSV wichtig werden kann. Nicht sofort, da aktuell Sebastian Schonlau und Jonas David dabei sind, sich einzuspielen/zu finden.
Und obgleich der junge David zuletzt mit einem Stellungsfehler gegen den FC St. Pauli sowie dem verschuldeten Foulelfmeter gegen Darmstadt unglücklich agierte, liegt es meiner Meinung nach weniger an der Innenverteidigung, dass der HSV bereits sieben Gegentore in vier Spielen kassiert hat. Vielmehr liegt es am noch immer nicht angenommenen Spielsystem. Denn die Balance – ich weiß gar nicht, wie oft ich das jetzt schon geschrieben habe – zwischen mutiger Offensive und stabiler Defensive tendiert derzeit fast ausschließlich zu mutiger Offensive auf Kosten der stabilen Defensive.
Die Innenverteidiger werden nicht selten sogar von den beiden Außenverteidigern allein gelassen. So besonders auffällig im Stadtderby. Dennoch konnten sie zuletzt mit sehr gutem Stellungsspiel (Schonlau) und gutem Tempo (David) sogar noch mehr Gegentore verhindern. Aber: Erst, wenn hier die Außenverteidiger und das Mittelfeld schnell genug mit umschalten, werde ich wirklich beurteilen, wie gut die Verteidiger verteidigen. Zumindest werde ich bei diesem provozierten Unterzahlspiel defensiv nicht die einzig defensiv agierenden Verteidiger als Schuldige herbeiziehen. Im Gegenteil. Ich behaupte aber, dass dieses riskante Spiel unter Walter mit dem zweifellos erfahrenen, aber eben nicht besonders wendigen und noch weniger schnellen Leistner noch deutlich mehr Gegentore verursachen würde.
Walter setzt insgesamt auf schnelleres Spiel, was nicht zwingend Leistners erste Qualität ist. Auch deshalb hat man Leistner jetzt klargemacht, dass er gehen könne. Ein schleichender Prozess, der lange absehbar war und jetzt finalisiert wurde. Denn schon vorher war Leistner immer wieder klargemacht worden, dass er keine Hauptrolle unter Tim Walter spielen würde. Letztes Jahr war er als Säulenspieler so mittendrin wie dieses Jahr unter Walter außen vor. Dennoch gab sich Leistner kämpferisch – nach innen, indem er nicht rummoserte. Und nach außen mit kämpferischen Posts via Instagram. Auf dem Kanal, von dem nun auch die angebliche Fake-Meldung stammt, veröffentlichte Leistner erst Montag folgendes vielsagendes Statement: „Lauf‘ nicht vor Herausforderungen weg. Überwinde sie.“
Leistners Posts via Instagram – zuerst real, jetzt fake?
Leistner selbst hatte seinen Kampf wider Trainer Tim Walter in Teilen jedoch schon eingestellt, als er diese Zeilen eintippte. Nach der Derby-Niederlage soll der HSV-Coach den Publikumsliebling dafür lautstark angemacht haben, dass dieser pietätlos direkt nach Schlusspfiff mit einem Spieler des siegreichen Stadtrivalen noch auf dem Platz lachte und flachste. Nächster Akt: Gegen Darmstadt saß Leistner lange noch auf der Bank , als die anderen sich aufwärmten. Und in der Halbzeitpause stand Leistner mit einem Spieler der Gäste in deren Hälfte und flachste und lachte dort, während sich alle anderen HSV-Spieler in der HSV-Hälfte warmmachten. Leistner wusste offenbar, dass er eh nicht spielen würde. Und so war es offensichtlich ja auch.
In der Beurteilung der Personalie Leistner gibt es daher deutlich mehr Faktoren einzubeziehen als die rein sportliche Seite. Ich würde Leistner aus sportlicher Sicht tatsächlich nicht abgeben, solange ich keinen entsprechenden Ersatz in der Hinterhand habe. Ob dem so ist, weiß ich allerdings nicht. Ich glaube aber, dass Leistner schon ein Spielertyp ist, der sich mit einem entsprechenden Plan und einem klaren Umgang hätte bringen lassen, die Rolle des Backups für die Innenverteidigung ein Jahr lang zu übernehmen.
Sollte er dies allerdings abgelehnt haben, wäre seine Aussortierung auch für mich alternativlos. Denn den Weg über die Ausbildung von Spielern wie David und dem im Winter (hoffentlich!) zurückkehrenden Stephan Ambrosius zu gehen, das halte ich für den einzig richtigen Weg. Und hierbei nehem ich auch noch weitere kleine David-Fehler in kauf, solange erkennbar eine Entwicklung zu erkennen ist. Zudem liegt es wie oben beschrieben auch weniger an der individuellen Leistung, sondern am System, dass man so viele Gegentore kassiert.
Womit ich einen Punkt anführen muss, der intern nur vom Sportvorstand beantwortet werden kann: Ist man beim HSV definitiv dazu bereit, en Walter-Weg konsequent weiterzugehen? Denn nichts wäre dümmer und ärgerlicher, als sich jetzt so eng an die Trainer-Ansichten zu koppeln, um dann in ein paar Wochen doch gegen ihn zu votieren und einen neuen Trainer zu holen, der Leistner vielleicht gut hätte gebrauchen können.
Ganz sicher ist allerdings, dass die sportliche Leitung des HSV sich mit dieser Entscheidung gegen Leistner noch einmal etwas mehr Arbeit für die letzten Tage der Transferphase gemacht hat. Und das ist nur konsequent, wenn man überzeugt davon ist, dass Leistner nicht mehr helfen kann. Aber im Umkehrschluss muss erkennbar werden, wie sich der HSV eine Saison ohne den Routinier vorstellt. Nur wegschicken und darauf setzen, dass der Rest das schon ausbügelt – das wird nicht reichen. Kleiner und größere Verletzungen sowie Sperren werden zu 99,9% auch diese Saison nicht ausbleiben – und darauf muss man vorbereit sein. Qualitativ wie quantitativ. Und in beiden Punkten hat man hier noch Nachholbedarf. Defensiv und übrigens auch offensiv, behaupte ich zumindest.
Leistner-Aus setzt sportlich Verantwortliche unter Zugzwang
Schon deshalb kann ich die Entscheidung, Leistner wegzuschicken, erst mit Ende der Transferfrist im kompletten Zusammenhang abschließend beurteilen. Aktuell ist sie sportlich riskant, im internen Umgang dem Vernehmen nach aber unumgänglich. Und Fakt ist: Einhergehend mit Leistners Aussortierung setzen sich Trainer und sportlich Verantwortliche unter zusätzlichen Druck, defensiv schnellstmöglich Stabilität herzustellen. Gelingt das, hatten sie einen Plan und werden Lob kassieren. Gelingt es nicht, wird man ihnen die Leistner-Aussortierung vorwerfen. Zurecht – beides.
Gänzlich unaufgeregt verlief indes die Ausleihe von Aaron Opoku an den VfL Osnabrück, die heute verkündet wurde. Der 22 Jahre alte offensive Außenbahnspieler wechselt bis zum Ende der laufenden Saison zum Fußball-Drittligisten aus Niedersachsen. „Aaron Opoku stand auf unserer Wunschliste für den gesuchten Außenbahnspieler ganz oben“, wird Osnabrücks Sportdirektor Amir Shapourzadeh in einer Vereinsmitteilung am Dienstag zitiert. „Er ist schnell, stark im Eins gegen Eins, kreiert Überraschungsmomente und erzielt Tore.“
Opoku war vom HSV zuletzt bereits an Jahn Regensburg und zuvor an den FC Hansa Rostock verliehen gewesen. Für Regensburg erzielte er in der vergangenen Spielzeit in der 2. Bundesliga in 21 Partien ein Tor. Opoku hat in Hamburg noch einen Vertrag bis zum Sommer 2024. „Für seine weitere Entwicklung ist der Faktor Spielpraxis elementar, so dass wir gemeinsam entschieden haben, ihn an den VfL Osnabrück zu verleihen“, sagte HSV-Sportdirektor Michael Mutzel, der die nächsten sieben Tage wenig Zeit zum Schlafen haben wird. Zumindest würde mich der noch sehr unfertige Kaderzustand nicht ruhig schlafen lassen.
Andererseits hatte ich in den letzten Jahren immer auch Antworten von den Beteiligten auf lange offene Fragen bekommen. Zumindest hatten sich Boldt, Mutzel und Co. in den letzten Jahren nie viel aus öffentlicher Kritik gemacht, solange sie einen Plan hatten. Und ich hoffe, dass sie diesen aktuell auch haben. In etwas besser als zuletzt bitte….
In diesem Sinne, ich melde mich morgen früh weder bei Euch. Dann mit dem MorningCall, den ich Euch nach Soundcloud jetzt auch via Spotify und Co. anbieten kann. Den entsprechenden Link werde ich Euch morgen früh hier in den Blog integrieren. Am Abend wird es dann den Communitytalk geben. Bis dahin Euch allen einen schönen Rest-Dienstag,
Es passt einfach noch nicht. Nirgendwo. Weder im Spielsystem zu Kader, noch Offensivdran zu defensiver Sicherheit, und am allerwenigsten passen beim HSV Leistung und Anspruch zusammen. Das größte Problem: Auch der personelle Bedarf passt nicht mit den finanziellen Möglichkeiten zusammen. Es bleibt tatsächlich nur die Hoffnung, dass die sportlich Verantwortlichen beim HSV dieses Jahr gute Arbeit leisten und trotz fehlender finanzieller Möglichkeiten – soweit man bei etwas mehr als drei Millionen verfügbaren Euro überhaupt davon sprechen kann – das noch dringend benötige Personal akquirieren kann. Denn egal wie oft die Beteiligten auch noch betonen mögen, dass sie mit dem vorhandenen Personal sehr zufrieden sind – das wiederum reicht nicht für den Anspruch, am Ende wieder aufzusteigen.
Unseren MorningCall gibt es jetzt auch via Spotify zu hören! Viel Spaß dabei:
Und ich wiederhole das nach einem Spieltag, an dem Sonny Kittel gerade einmal zu Der Techniker hat gegen Darmstadt meiner Meinung nach wirklich ein richtig gutes Spiel gemacht und war zurecht überrascht, als ihn der Trainer vom Platz holte. Außer Kittel war nämlich im HSV-Mittelfeld defensiv Meffert okay und Suhonen zumindest in der zweiten Halbzeit aktiver. Aber außer Kittel wusste keiner, Chancen vorzubereiten, abgesehen vom Distanzschuss von Mefferts, bei dem Suhonen den Abpraller drübersetzte.
Und: Es ist auch kein Spieler in Sicht, obwohl ich weiterhin fest behaupte, dass sowohl David Kinsombi als auch Ludovit Reis die technischen und fußballerischen Mittel besitzen, kreativ zu sein. Allein beide machen es nicht. Reis beschränkt sich zu stark auf die Defensivarbeit, während Kinsombi einfach nicht an seine Topform herankommt. Schon deshalb ist der Ruf nach einem Kreativspieler fürs Mittelfeldzentrum laut – und berechtigt. Wie die Kritik am HSV-Spiel. Das zeigt die bisherige Punkteausbeute mit fünf von 12 möglichen Zählern und Tabellenplatz sieben. Aber vor allem das, was Walter am meisten lobt, stimmt noch nicht: Das eigene Spiel.
Denn das ist weiterhin wild, riskant und defensiv unausbalanciert. Walter selbst verklausulierte das Ganze etwas, gab aber zu: „Meine Mannschaft kann die Euphorie, die sie im Offensivspiel hat, nicht gleich umsetzen in die Euphorie, was das Defensivspiel anbelangt.“
Ich hatte gestern übrigens eine Diskussion, die ich für sinnbildlich halte. Denn auf die Frage, ob der HSV gewinnt oder nicht, antwortete ich während der Partie, dass der HSV gewinnen würde, weil Darmstadt im Volksparkstadion zu schwach sei. Daraufhin erntete ich Entrüstung. Warum ich so negativ sei und dass man es ja auch andersrum sehen könnte, war die Reaktion. Nämlich dazu, dass Darmstadt verlieren würde, weil der HSV so stark ist. Immerhin würde sich die Mannschaft ja zerreißen.
Nunja, dem letzten Argument wollte ich gar nicht widersprechen. Denn diese Mannschaft macht, was Walter von ihr verlangt: Sie zeigt Einsatz, Laufstärke und den Willen, dieses Spiel unbedingt gewinnen zu wollen. Und da das unerklärlicherweise in den letzten Jahren nicht immer so war, ist das tatsächlich ein nicht unwesentlicher Fortschritt, den Walter ins Team gepflanzt hat. Aber dass der HSV deshalb „so stark“ sei, kann ich noch nicht gelten lassen.
Vorweg; Ich glaube schon, dass das Walter-Spiel mich schnell begeistern kann. Dieser Mut, der immer wieder gefordert und auch gezeigt wird – top! Dieses Wilde ist begeisternd, weil man den Willen erkennt und der HSV damit massiv Druck auf den Gegner ausüben kann. „Unser Spiel ist Risiko und Chance zugleich, wir kreieren aber auch viele Chancen“, sagte heute auch Stürmer Robert Glatzel, „die Richtung von uns stimmt. Es sind noch ein paar kleine Stellschrauben, die wir verbessern müssen.“
Stimmt! Und damit komme ich zu meinem noch viel zu großen Aber, wenn es um Walters Spielstil geht. Denn ich bin auch ein Freund von einer klaren Struktur im Spiel, von einem erkennbaren Plan. Mit dem Wilden gewinnt man mal etwas spektakulär – aber nur mit einer klaren Struktur kann man Erfolg konservieren. Diese Struktur darf auch gern viel von „wild“ beinhalten. Das ist sehr gut, wenn es auf den vorderen Bereich zutrifft. Aber in der Defensivbewegung darf man schlichtweg nicht so offen stehen wie zuletzt. Man kann aktuell eben noch nicht erwarten, dass man in jedem Spiel drei, vier oder mehr Tore schießt, weil man immer für ein paar Gegentore gut ist. Im Gegenteil: So landet man maximal im Mittelfeld der Tabelle, glaube ich.
Fazit: Noch ist das Verständnis für den Walter-Plan nicht da. Ich erkenne zwar den Plan, über Engagement und Bereitschaft Gegner zu überrennen – aber ich sehe auch die fehlenden Voraussetzungen, das erfolgreich umzusetzen. Hinten mit einem jungen Spieler wie Jonas David zu arbeiten, ist mutig und gut. Aber wer hinten mutig ist, braucht anderswo etwas mehr Sicherheit. Und die hat dieser HSV aktuell nicht. Sieben Gegentore in vier Spielen sprechen da eine deutliche Sprache.
Es muss hier zusammenfinden, was zusammengehört, wenn man wieder erfolgreich Fußball spielen will. Diese Phase bietet vielleicht nicht die nötigen Erfolge, sie macht aber deutlich, was schon lange nicht mehr stimmt. Oder anders formuliert: Wenn man sich jetzt seine Schwächen deutlich vor Augen führt und sie angeht, hat man eine ehrliche Chance, hier erfolgreich zu arbeiten. „Mit den Punkten sind wir nicht zufrieden. In der Art und Weise tasten wir uns langsam heran“, sagt Walter zwar – aber mir erschließt sich daraus noch nicht, wo genau es hinführen soll. Walter weiter: „Wir müssen die Zuschauer mitnehmen, sie emotionalisieren…“
Stimmt. Ich bin mir sogar sicher, dass der HSV seine Fans nur in seine Pläne einweihen und ihnen einen plausiblen Weg aufzeigen müsste. Dann gehen die Fans diesen Weg auch mit – und das sogar ohne Pfiffe, behaupte ich. Denn eines sollte, nein: eines muss allen HSV-Fans klar sein: Geduld ist unumgänglich, wenn sich der HSV auf lange Sicht noch einmal fangen soll. Dafür hat man die Negativspirale viel zu lange wirken lassen. Und wenn der HSV es jetzt noch hinbekommt, das er seine Fans auf diesem Weg mitnimmt – es wäre ein entscheidender Fortschritt mit Kombi-Wirkung. Es könnte die Spirale nach oben werden…
In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder um 7.30 Uhr mit dem MorningCall.
Scholle
P.S.: Was schon lange schwelte, soll inzwischen beschlossene Sache sein: Toni Leistner soll den HSV verlassen, wie die BILD heute berichtet.