Der HSV macht vieles richtig, aber auch einen Fehler zu viel

Der HSV macht vieles richtig, aber auch einen Fehler zu viel

Der HSV hat seine Antwort auf die Frage geliefert, inwieweit man gegen die besonders tief stehenden, besonders destruktiv agierenden Gegner spielen muss. Und dabei meine ich vor allem die ersten 45 Minuten, in denen die Mannschaft von Trainer Tim Walter defensiv nichts zuließ und offensiv immer wieder einen Weg zum Tor suchte – obgleich man diesen nicht allzu oft fand. Dennoch: Genau so, wie es der HSV in der ersten Halbzeit spielt, ist es richtig. Geduldig, organisiert und defensiv stabil (Reis ragte im Mittelfeld heraus, Ramos war defensiv eine Wand) den Gegner müde spielen und dann ggf. mit neuen Kräften von der Bank die entscheidenden Impulse für den Sieg setzen. So zumindest habe ich es in der Halbzeit in meine HSV-Gruppe geschrieben

Und dann kam die zweite Halbzeit, die ne gute halbe Stunde so weiterlief wie die erste Halbzeit endete. Aber sie nahm einen Verlauf, der die Zeiten beim HSV nicht ruhiger werden lässt. Denn erst gelang den Gastgebern mit deren zweiten Schuss aufs Tor der überraschende Führungstreffer, dann glich der HSV aus und bekam in der Nachspielzeit die Hundertprozentige per Strafstoß, den durchaus verdienten Sieg einzufahren. Aber Benes traf zum zweiten Mal in diesem Spiel die Latte. Ein bitterer Nachmittag für den HSV, der es in der eigenen Hand hatte, mit einem Auswärtssieg in die Länderspielpause zu gehen.

„Wenn man das gesamte Spiel sieht, dann hatten wir gute Chancen. Wir müssen diese Möglichkeiten nutzen und in Führung gehen. Es ist ärgerlich, dass wir uns am Ende nicht belohnt haben, denn für mich hätte es heute nur einen Sieger geben dürfen“, resümierte Sportvorstand Jonas Boldt nach dem Spiel. Und Trainer Tim Walter ergänzte: „Wir sind genauso aufgetreten, wie wir es uns vorgenommen hatten. Wir haben es die letzten Wochen schon erlebt, dass wir auf einen ganz tiefstehenden Gegner getroffen sind. Wir haben diesen gut bespielt, leider haben wir uns mit den vielen Abschlüssen auf das Tor nicht belohnt. Wir hatten aber viele, das ist für uns das Entscheidende. Wenn wir da mehr Konsequenz haben, geht es letztendlich anders aus. Wenn wir genauer und präziser gewesen wären, hätte es uns mehr als nur das Unentschieden gebracht. Die Jungs wollten diesen Sieg unbedingt und haben alles investiert. Wir haben heute aber ein bis zwei Fehler zu viel gemacht.“ Stimmt.

DIE SPIELERBEWERTUNGEN:


DANIEL HEUER FERNANDES: 
Dass er eigentlich nur durch den eigenen Mann (Ramos mit verunglückter Abwehr 1. Hz.) wirklich geprüft wurde, durfte er seiner Vordermannschaft verdanken. Fehlerfrei bis zum Gegentor, wo er den Ball unnötig nach vorn prallen ließ. Note: 4

IGNACE VAN DER BREMPT: Er versuchte, das Tempo hochzuhalten. Manchmal fehlt mir dabei das schnellere Abspiel, aber die Tendenz bei ihm war heute in den ersten 45 Minuten positiv. In der zweiten Halbzeit zu stumpf im Zweikampf – oder eben gar nicht richtig drin im Zweikampf, wie beim Gegentreffer. Note: 4

DENNIS HADZIKADUNIC: Souverän bis zur verletzungsbedingten Auswechslung. Note: 3
GUILHERME RAMOS: 
Machte wieder genau das, was er am besten kann: Rustikal Zweikämpfe im Infight gewinnen. Die Mischung mit einem rein defensiv agierenden und defensiv denkenden Spieler in der Innenverteidigung bleibt meine favorisierte Konstellation für die HSV-Defensive. Also mit ihm oder Ambrosius. Und: aktuell liefert Ramos. Dass er im Passspiel nach vorn noch eine Menge Luft hat – für den Moment nicht entscheidend… Note: 2,5

MIRO MUHEIM: Er war defensiv wenig gefordert, und offensiv manchmal noch etwas zu zaghaft. Aber: Er versuchte es immer wieder, auch mal aus der zweiten Reihe zu schießen. Und das kann er mit am besten beim HSV, wie er beim Ausgleich in der 89. Minute fast aus dem Stand schießend – bewies. Tendenz bei ihm ist absolut positiv.  Note: 2,5

JONAS MEFFERT (bis 79.): Sehr durchwachsene erste Halbzeit ohne positive Akzente. Danach stabiler und etwas aktiver. Aber gut war das nicht heute. Er kann es zumindest deutlich besser.  Note: 4

JEAN-LUC DOMPE (ab 79.): Ich hätte ihn gern früher für Öztunali auf dem Platz gesehen. So blieb er ohne die Wirkung, die eine frühe Einwechslung vielleicht gebracht hätte. Note: 4

LUDOVIT REIS: Saustarke erste Halbzeit des Kapitäns. Er holte defensiv stark die Zweikämpfe, trieb den Ball unermüdlich, legte vor (wie auf Benes vor dessen Lattentreffer) und war omnipräsent. In der zweiten Halbzeit immer noch einer der aktiveren. Wenn auch nicht mehr so stark wie in den ersten 45 Minuten. Note: 2

LEVIN ÖZTUNALI (bis 53.): Er wirkt weiterhin wie ein Fremdkörper. So, als würde er immer erst dann aktiv werden, wenn er dazu gezwungen wird. Proaktives Anbieten, Finten, schlaue Pässe, mutige Ideen – alles aktuell nicht im Repertoire des Außenstürmers. Dompés Verletzungspause unter der Woche war das einzige Argument für ihn heute in der Startelf. Und mit diesem Spiel hat er keine weiteren Argumente für sich sammeln können. Note: 4,5

RANSFORD KÖNIGSDÖRFFER (ab 53.): Hatte in seinen ersten drei Minuten mehr gute Aktionen, als sein Vorgänger zuvor insgesamt. Trotzdem fehlt ihm die Technik, um aus seinem physischen Vorteil noch mehr Kapital zu schlagen. Zumindest ist und bleibt sein erster Kontakt zu schwach. 
LASZLO BENES: 
Er ist der Spieler auf dem Platz, von dem man sich immer wieder diese eine, entscheidende Aktion erhofft. In den ersten 45 Minuten verhinderte dies die Latte. In der zweiten Halbzeit tauchte er ab und vergab in der letzten Minute den sicheren Sieg, als er seinen  Elferan die Latte schoss. Bitter für ihn und den HSV, der dadurch die drei sicheren Punkte liegen ließ. Note: 4

BAKERY JATTA (bis 74.): Er versuchte viel, aber es klappte wenig. Zusammen mit van der Brempt stellt er die vielleicht sprintstärkste rechte Seite der Liga – aber neben den defensiv guten Aktionen muss er eben auch offensiv liefern. Auf jeden Fall deutlich mehr als heute. Note: 4

IMMANUEL PHERAI (ab 74.): Brachte erst überhaupt keinen Schwung– und holte dann den Elfer heraus. Note: 3

ANDRAS NEMETH (ab 85.): Er hatte den Sieg auf dem Fuß, vergab aber. Es fehlt einfach noch die nötige Durchschlagskraft bei dem jungen Angreifer. Note: 4

ROBERT GLATZEL: Er wirkt müde und lange nicht so präsent wie sonst. Dazu der fehlende Zweikampf vor dem 0:1 und überflüssige Ballverluste. Ohne ihn – und das war der HSV heute weitestgehend – ist der HSV vorn zu zahnlos. Note: 4,5

TRAINER TIM WALTER: Er hat die Mannschaft richtig eingestellt. Und normalerweise MUSS der HSV diese Partie so auch gewinnen. Seine Wechsel in der zweiten Halbzeit waren etwas wild. Trotzdem war die gesamte Spielausrichtung aus meiner Sicht ein Schritt in die richtige Richtung. Allein offensiv war der HSV heute ob des blutleeren Auftrittes von Glatzel und natürlich durch den vergebenen Elfer zu ineffektiv, um hier einen verdienten Sieg einzufahren. Note: 2

DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

SV Wehen Wiesbaden: Stritzel – Angha, Mathisen (83. Mockenhaupt), Vukotic – Goppel (75. Catic), Fechner, Heußer, Günther (46. Rieble), Bätzner, Lee (61. Froese) – Kovacevic (46. Jonjic)

HSV: Heuer Fernandes – van der Brempt, Hadzikadunic (79. Nemeth), Ramos, Muheim – Meffert (79. Dompe), Reis, Benes – Jatta (74. Pherai), Glatzel, Öztunali (54. Königsdörffer)

Tore: 1:0 Vukotic (81.), 1:1 Muheim (89.)

Zuschauer: 12.500 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Wolfgang Haslberger (St. Wolfgang)

Gelbe Karten: Fechner / Muheim, Reis

Hoffentlich wird das bald besser…

Hoffentlich wird das bald besser…

Ich muss zugeben, dass es für jeden Trainer schwer wird, wenn er seit Jahren auf dem Podium dieselben Fragen beantworten muss. Und HSV-Trainer Tim Walter hat in den letzten Jahren sehr oft dasselbe gesagt. So auch heute. „Wenn wir Angst hätten, würden wir aufhören, Fußball zu spielen und den Laden dichtmachen“, sagte der 47-Jährige auf der heutigen Pressekonferenz, die im Verlauf abdriftete. Sicherlich getrieben von einem nicht besonders gut vorbereiteten Rundfunkkollegen, den Walter mit Nichtbeantwortung abstrafte. Eine Aktion, die Walter souveräner hätte lösen müssen. Zumindest sehe ich das so. Denn dem jungen Kollegen, der offensichtlich zum ersten Mal da war, war die Nervosität anzumerken.

Ehrlich gesagt wirkte die Pressekonferenz heute wie ein Sinnbild für das zunehmend festgefahrene HSV-Konstrukt. Personell hat der HSV allemal das Zeug dazu (um hier nicht von einem zwingenden Ziel zu sprechen), selbst dann aufzusteigen, wenn man nicht immer an seine 100 Prozent heranzukommen. Aber der HSV wird sein Image, etwas großspurig zu sein, nicht los, wenn der Trainer es weiter so befeuert. Denn Walter betonte zwar, dass man Siege gegen andere Teams nie voraussetzen darf. Egal gegen wen es geht. Aber abgesehen davon, dass er hier die Frage schlichtweg nicht verstanden hatte, konterkarierte er seine Aussage, indem er betonte, wie unwichtig für ihn der Blick auf die Gegner sei, weil man selbst der HSV sei und sich nur auf sein Spiel fkoussiere.

Die heutige PK war das beste Beispiel dafür, weshalb sich immer weniger Leute auf selbiger einfinden. Sie sind selten informativ und vermehrt Veranstaltungen, die verdeutlichen, wie unverändert viele Dinge beim HSV sind. Die einen freuen sich in solchen Zusammenhängen immer wieder darüber und loben das „endlich mal Konstanz beim HSV“. Ich persönlich sehe hier eher fehlende Reizpunkte, um eine notwendige Entwicklung zu erreichen.

Insbesondere jetzt vor dem dritten Spiel gegen einen Aufsteiger binnen drei Wochen sollte auch Walter wissen, dass es eben nicht reicht, immer dasselbe zu sagen und zu machen. So, wie er zuletzt mit einer stabileren Defensive überzeugen konnte, waren die Erfahrungen mit Neulingen gleichbleibend unerfreulich. Sowohl bei der SV Elversberg als auch beim VfL Osnabrück kassierten die Walter-Schützlinge jeweils eine 1:2-Niederlage. Und die Partie am Sonnabend wird zeigen, inwieweit Walter und sein Trainerteam die überfällige Lösung für das Bespielen der tief stehenden Mannschaften gefunden haben. Wie Walter das sieht? Der Coach setzt nach eigener Aussage vor allem auf die tägliche Arbeit auf dem Trainingsplatz. „Es gibt immer Dinge, die man tagtäglich verbessern kann“, sagte der Coach. Für das Spiel am in Wiesbaden, in dem der Trainer einen „tief stehenden Gegner“ erwartet, gelte das beispielsweise für die Ballgeschwindigkeit.

Weiterhin fehlen werden HSV-Kapitän Sebastian Schonlau und Anssi Suhonen (jeweils wegen einer Wadenverletzung). Dafür stehen Ludovit Reis (Infekt) und Jean-Luc Dompé (Muskulatur) wieder zur Verfügung. Ich persönlich bin sehr gespannt, ob Walter am Sonnabend in Wiesbaden einen Weg mit seiner Mannschaft findet, die vermeintlich „Kleinen“ zu bespielen. Es wird zweifellos allein schon wegen der Beobachtung, unter der neben der Mannschaft auch Walters Entwicklung beim HSV stehen muss, ein Spiel mit erhöhtem Druck. 

In diesem Sinne, es ist heute leider wieder sehr spät geworden und ich bin müde. Trotzdem hoffe ich, dass Walter und sein Team am Sonnabend viele Gründe liefern, die eine Entwicklung andeuten oder gar unter Beweis stellen.

Scholle

Warum kommt Levin Öztunali beim HSV nicht in Fahrt?

Warum kommt Levin Öztunali beim HSV nicht in Fahrt?

Der HSV hat weiter personell zu knabbern. Gegen Wehen Wiesbaden am kommenden Sonnabend fällt Kapitän Sebastian Schonlau erneut aus. Heute gesellten sich auch Ludovit Reis und Jean-Luc Dompé zum Lazarett. Zeit also für die zweite Reihe, sich zu zeigen. Also auch für Levin Öztunali? Eher nicht. Denn der Sommerzugang von Union Berlin ist absolut noch nicht im Wettkampfmodus angekommen. Wie Ihr erinnert, war ich zu Saisonbeginn in den ersten Blogs sehr skeptisch, inwieweit die schöne Geschichte mit der Rückkehr von Uwe Seelers Enkel Levin Öztunali auch sportlich ein solch schönes Happy End haben würde. Denn der junge Außenstürmer hatte zuvor leidliche Erstligajahre hinter sich gebracht und wenig bis keine Spielpraxis mitgebracht. Wie man Statistiken dennoch falsch bzw. nur so auslegt, wie man sie gerade braucht, wurde im Anschluss unter Beweis gestellt, als ihm „Champions-League-Erfahrung“ attestiert wurde.

Dass hierbei der Eindruck entstand, Öztunali sei besser als Zweite Liga – es wurde billigend in Kauf genommen. Ergebnis: Öztunali enttäuschte. Und damit meine ich nicht, dass er wegen der Schlagzeilen zuvor zu viel Druck hatte. Im Gegenteil: Das muss er abkönnen. Aber ähnlich wie bei Jahrhunderttalent Fiete Arp wurde hier eine viel zu hoch gestochene Geschichte verbreitet, die sich nicht im Ansatz bewahrheiten konnte.  Denn Öztunali kam als Spieler, der sportlich gebrochen scheint. Der Seeler-Enkel, wie er immer nur genannt wird, wird auch in Zukunft die hohen Ansprüche von Champions League etc. nicht bedienen können. Warum auch? Er konnte es zumindest bis heute nirgendwo.

Ich bleibe dabei, dass man bei dem Rechtsfuß die Messlatte deutlich niedriger hängen muss. Beim HSV ist er nun da, wo er aktuell wohl steht: Eine Option von der Bank – die allerdings absolut noch nicht funktioniert. Von ihm zu erwarten, dass er das HSV-Spiel sofort verbessert, erscheint zu optimistisch. Wobei er ganz klar und aus meiner Sicht auch offensichtlich jede Menge Zutaten hat, die dem HSV sehr helfen können. Ich glaube, das ist unbestritten, wie auch die untenstehende Transferanalyse von unseren Analysten von Createfootball.com zeigt. Aber das galt zuvor auch schon für viele andere. Beispielsweise auch für Arp, der heute seinerseits  bei Holstein Kiel nur noch Ergänzungsspieler ist und öffentlich an sich selbst zweifelt.

Was also tun? 

Am wichtigsten ist, dass man sich ein paar Fragen ehrlich beantwortet. Zum Beispiel: Bekommt man Öztunali zum vollwertigen Stammspieler gepusht, oder wird das eh nichts? Und natürlich: Wo steht Öztunali heute – wie bekommen wir den Anspruch an ihn mit der Realität in Einklang? Denn alles andere führt nur zu Enttäuschungen, Druck, falsche Erwartungen. Das hilft niemandem. Ergo: Man muss Öztunali aus meiner Sicht tatsächlich einmal wieder von Null an aufbauen. Er muss sich seiner Situation klar sein und diese annehmen. Tut er das nicht, wird er es hier nicht schaffen. Vor allem ist der HSV auch aus psychologischer Sicht jetzt gefragt. Denn sollte man Öztunali dem Druck aussetzen, einem Champions-League- oder wenigstens einem Erstligakicker zu entsprechen, wird er scheitern. Stück für Stück. Und in etwa so, wie es aktuell der Fall zu sein scheint.

Der HSV muss es schaffen, sowohl nach außen als auch für ihn nach innen den Erwartungsdruck realistisch anzupassen. Alles ohne Freibrief, denn auch hier gilt: Der Spieler selbst ist für sich verantwortlich – und Fußball ist sein Job. Er muss also täglich so hart wie möglich an sich selbst arbeiten und zusehen, die eigenen Mängel abzustellen und Qualitäten auszubauen. Parallel hierzu wäre die PR-Abteilung des HSV gut beraten, Öztunali öffentlich so zu positionieren, wie es aktuell ist.

Und ja, jetzt werden hier viele wieder anfangen, über „Fehleinkauf“ und anderen Begrifflichkeiten zu philosophieren. Der Sportvorstand sowie seine Scoutingabteilung werden in Frage gestellt und am Ende heißt es wieder: „Warum scheitern alle Spieler beim HSV und funktionieren woanders?“ Ich glaube, dass ich meine Antwort in diesem Fall für Oztunali gefunden habe. Er kann werden, was man ihm zu Saisonbeginn nachgesagt hat – aber er ist es längst nicht mehr. Vielmehr ist er ein Projekt, dass der HSV-Trainerstab jetzt schnellstmöglich aufsetzen und entwickeln muss.

Anbei findet Ihr die Transferanalyse Levin Öztunalis von Createfootball.com – und das so, wie die Kollegen ihn vor der Saison unmittelbar nach seiner Verpflichtung gesehen haben:

Transferanalyse

Levin Öztunali

Von create football.com

Stärken

  • Vielseitigkeit
  • Vertikalspiel
  • Chancenkreation

Schwächen

  • Entscheidungsfindung
  • Passgenauigkeit
  • Effizienz

Spielstil – Winger

Levin Öztunali kehrte nach zehn Jahren und 190 Bundesligaspielen zum HSV zurück. In den letzten zwei Spielzeiten kam er bei Union nur auf knapp 600 Spielminuten, war zuvor aber jahrelang Leistungsträger bei Mainz 05, für die er zwischen 2016 und 2021 123 Bundesliga- Einsätze absolvierte. Der gebürtigeHamburger ist zwar im rechten Mittelfeld zuhause, kann aber sehr vielseitig eingesetzt werden, kam bei Mainz und Union des Öfteren als zentraler oder zentral offensiver Mittelfeldspieler zum Einsatz. Die Spielweise des gebürtigen Hamburgers ist geprägt durch seine vertikale Ausrichtung.

Mit seinem hohen Tempo sucht er häufig den direkten Weg nach vorne, entweder als progressivem Lauf mit dem Ball oder per Pass. Öztunali spielt überdurchschnittlich viele progressive Pässe, 4.5 pro 90 Minuten mit einer Präzision von 76%, sucht häufig nach dem ersten Kontakt den Weg in die Tiefe und sorgt so für hohen Raumgewinn im Spiel seiner Mannschaft. Chancen kreiert er, indem er mit progressiven Läufen Gegner auf sich zieht und dann im richtigen Moment einen Steckpass ins letzte Drittel oder einen präzisen Querpass zum freien Mitspieler spielt.

Gegen tiefstehende Gegner nutzt er häufig auch Flanken, um den Ball in den Strafraum zu bringen. Diese Spielintelligenz macht ihn im Offensivspiel durchaus wertvoll, seine risikoreiche Ausrichtung birgt jedoch auch Risiken. So ist der 1.84m große Rechtsfuß im Dribbling viel zu ineffizient und obwohl er aktiv das Duell mit dem Gegenspieler sucht, gewinnt er gerade einmal 40% seiner 1v1-Duelle. Ähnlich verhält es sich mit seinem Passspiel, seine direkte Spielweise sorgt zwar für viel Torgefahr, jedoch ist der Großteil seiner Pässe deutlich zu unpräzise, wodurch er viele Bälle verliert und eigenes Angriffspotenzial verschenkt wird.

An seiner Entscheidungsfindung muss der 27-Jährige also eindeutig arbeiten. Er selbst sucht eher selten den Abschluss, 1.3 Abschlüsse pro 90 Minuten sind ebenso wie nur zwei Ballaktionen im Strafraum für einen Flügelspieler der Bundesliga deutlich unterdurchschnittlich. Gegen den Ball präsentiert sich der Enkel von HSV-Ikone Uwe Seeler als fleißiger Arbeiter, gewinnt die deutliche Mehrheit seiner sechs Defensivduelle pro 90 Minuten. Hier besticht der ehemalige U21-Nationalspieler mit aggressiver Zweikampfführung, gutem Timing und seinem energischen Nachsetzen. Nach erfolgtem Ballgewinn schaltet er dann jeweils schnellum und sucht den Weg nach vorne.

Benchmarking der relevanten Daten

 Levin Öztunali *Avg.Bundesliga OM 22/23 **
Offensivzweikämpfe(%gewonnen)10.8 (32%)9.1 (41%) 
Defensivzweikämpfe(%gewonnen)5.9 (57%)4.4 (56%) 
Luftduelle (% gewonnen)2.9 (34%)6.6 (37%) 
Balleroberungen4.54.3 
Pressingaktionen5.36.6 
Pässe (% angekommen)22.4 (70%)29.4 (76%) 
Pässe in den Strafraum2.42.7 
Torschussvorlagen1.01.3 
Dribblings (% erfolgreich)5.4 (40%)4.0 (53%) 
Erhaltene Pässe14.121.7 
Strafraumaktionen2.02.8 
Schüsse1.31.9 
Durchschnittliche Positionierung von Levin Öztunali während seiner gesamten Karriere. Je rötlicher die Farbe, umso häufiger hielt er sich in diesem Bereich auf (Heatmap)

*Daten für Levin Öztunali pro 90 Minuten aus seiner gesamten Bundesligazeit (2013-2023, 190 Spiele, 9619 Minuten)

**Durchschnittlicher Wert pro 90 Minuten aller offensiven Mittelfeldspieler der Bundesliga mit mehr als 1500 Spielminuten in der Saison 2022/23 (23 Spieler)

Wie gut passt Öztunali zum HSV?

Von Öztunali kann man erwarten, dass er sich als gebürtiger Hamburger schnell wieder beim HSV einleben wird. Der verlorene Sohn“ soll dabei helfen, den HSV zurück in die Bundesliga zu befördern. Dabei darf davon auszugehen sein, dass er zunächst mit einem Bankplatz Vorliebe nehmen wird, aufgrund der fehlenden Spielpraxis der letzten Jahre. Mit seiner Vielseitigkeit und seinem riesigen Erfahrungsschatz wird er aber auf alle Fälle eine sinnvolle Verstärkung der Kadertiefe darstellen. Seine angestammte Position auf dem rechten Flügel ist bereits mit dem schnelleren und deutlich torgefährlicheren Bakery Jatta auf sehr hohem Zweitliganiveau besetzt. Ähnlich verhält es sich auf der Achterposition, wo Reis, Benes und Pherai zunächst die Nase vorn haben dürften. Eine spannende Konstellation könnte sich für Öztunali dadurch auf der Rechtsverteidigerposition ergeben. Hier sucht der HSV noch nach einer neuen, qualitativ besseren Besetzung als dem zuletzt schwachen Moritz Heyer. Mit seiner robusten Physis, seinem hohen Arbeitspensum und vor allem seiner auffällig guten Werte im Defensivzweikampf könnte Öztunali diese Planstelle durchaus bekleiden. Im Spiel nach vorne könnte Öztunali aus dieser Position dann situativ gefährlichen Vertikalbälle auf Jatta oder Glatzel einstreuen und dem HSV so ein zusätzliches Element im Übergangsspiel bieten. Insgesamt wird sich Öztunali jedoch etwas zurückhalten müssen in seiner Risikobereitschaft, da der HSV unter Tim Walter auf einen deutlich geduldigeren, horizontaleren Spielaufbau setzt als Mainz 05 oder Union Berlin.

Die CREATEFOOTBALL GmbH ist eine Fußball-Consultancy, die national wie international Profivereine, Berateragenturen sowie Medienanstalten in den Themenfeldern Datenscouting und -analyse berät.

Mit Ruhe und Geduld hinten zu Null – HSV  schlägt Tabellenführer Düsseldorf

Mit Ruhe und Geduld hinten zu Null – HSV schlägt Tabellenführer Düsseldorf

Der HSV ist zumindest über Nacht erst einmal wieder Tabellenführer. Dank des sehr geduldig und ruhig herausgespielten 1:0-Siegs hat man den Heutogen Gegner, Fortuna Düsseldorf, wieder von der Spitze geholt und darf sich über das vierte Spiel zu Null in der noch jungen Saison freuen. Dabei halt eine sehr disziplinierte Defensive und eine geduldige Offensive, in der Topstürmer Robert Glatzel von den Düsseldorfern zwar weitgehend aus dem Spiel genommen worden war. Aber durch einen berechtigen Foulelfmeter gelang Laszlo Benes der verdiente Siegtreffer in der 83. Minute, nachdem er selbst gefoult worden war.

DAS BLITZFAZIT:

DIE SPIELERBEWERTUNGEN:

DANIEL HEUER FERNANDES: Er hatte in der ersten Halbzeit nichts zu halten, war zudem immer Herr im Haus. Sein gegenüber konnte sich dagegen mehr auszeichnen, was Heuer Fernandes aber wenig bis gar nicht stören sollte. Note: 2

IGNACE VAN DER BREMPT: Sein Tempo ist und bleibt für den HSV Gold wert. Wenn er es denn mal mutzt. Heute war er anfänglich aktiv, hielt hinten dicht. Er hatte zehn starke Minuten zu Beginn und zehn starke Minuten in der Schlussphase. Dazwischen war es teilweise grenzwertig. Technisch ist das noch verbesserungsfähig. Er hatte heute wieder zu viele Stockfehler in der Ballan- und Ballmitnahme. Note: 3

DENNIS HADZIKADUNIC: Ich hatte ihn vor drei Wochen an der Seite von Schonlau schon weiter gesehen. Aktuell wirkt er manchmal etwas zu verhalten und hat eine seltsam destruktive, geknickte Körpersprache. Warum? Ich weiß es nicht. Heute begann er durchaus ordentlich und hätte daraus das Selbstvertrauen ziehen können, dass der HSV in der Innenverteidigung dringend braucht. Insgesamt war es aber absolut okay. Note: 3
GUILHERME RAMOS: 
Machte, was er am besten kann: Zweikämpfe im Infight gewinnen. Das war gut. Dazu ist er mit seiner Kopfballstärke bei jedem Standard eine echte Verstärkung. Der bullige IV machte wieder ein gutes Spiel! Note: 2,5

MIRO MUHEIN: Spielte eine sehr solide Partie – sogar mit Ausreißern nach oben, wie bei seinem Freistoß in der 57. Minute. Auf jeden Fall deutlich besser als sein Ersatz Moritz Heyer zuletzt. Note: 2,5

JONAS MEFFERT: Mit ihm als funktionierenden Mittelfeldorganisator ist der HSV zweifellos besser.  Note: 3

LUDOVIT REIS: Hatte die meiste Ballkontakte und schien für alles – vom Ballabfangen über das Ballschleppen bis hin zum Pass und am besten noch selbst den Abschluss suchen. Er war der aktivste HSVer, aber das war selbst für den zweifellos extrem fleißigen, willigen Niederländer heute etwas zu viel. Note: 3

LEVIN ÖZTUNALI (bis 67.): Er ist und bleibt – trotz guten Beginns heute – eine Enttäuschung. Offensiv nahezu komplett wirkungslos, defensiv unaufmerksam. So verliert er den Startelfplatz . Note: 4,5

JEAN-LUC DOMPE (ab 67.): Defensiv hatte Öztunali die Messlatte schon sehr niedrig gehängt, aber Dompé lief trotzdem noch drunter durch. Er mag und kann Defensive einfach nicht. Aber: Dafür hatte er offensiv deutlich mehr Schwung als sein Vorgänger und holte so auch die nicht unwichtige Gelbrote von Düsseldorfs Zimmermann raus. Note: 3
LASZLO BENES: 
Er genießt nach seinem starken Saisonauftakt weiterhin Walters Vertrauen – und er zahlt es wieder zurück. Heute war er schon besser als zuletzt. Zwar noch lange nicht so gut, wie zu Saisonbeginn, aber er will und versucht. Immer. Auch deshalb wurde er belohnt. Erst holte er den Elfer raus, dann verwandelte er ihn selbst und avancierte zum Matchwinner.  Note: 2

BAKERY JATTA: Er macht so viel – und auch so viel gut. Aber der finale Ball ist dann einfach zu schlecht. Egal ob bei Flanken oder im Abschluss (den Kopfball MUSS er machen!!!). Immerhin: Seinetwegen fiel nicht auf, wie schwach van der Brempt abgesehen von den ersten und den letzten zehn Minuten defensiv arbeitete. Wie schrieb mir ein Freund während des Spiels: „Jatta – bester HSV-Außenverteidiger“. Stimmt! Nach hinten war er ne glatte 1, nach vorn leider nur ne 4 – ergibt zusammen die Note: 3

ROBERT GLATZEL (bis 72.): Es lief heute nicht für ihn, weil die Düsseldorfer ihn teilweise mit drei Mann deckten. Das darf er selbst zwar als Kompliment auffassen – aber heute hebelte es ihn aus. Note: 4

ANDRAS NEMETH (ab 72.): Nahezu wirkungslos – aber dann mit dem Pass, der letztlich zum entscheidenden Elfer führte. Note: 3

DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

Hamburger SV: Heuer Fernandes – van der Brempt, Hadzikadunic, Ramos, Muheim – Meffert, Reis, Benes – Jatta, Glatzel (72. Nemeth), Öztunali (67. Dompe)

Fortuna Düsseldorf: Kastenmeier – Zimmermann, Siebert, de Wijs, Iyoha- Tanaka (88. Ginczek), Engelhardt, Johannesson – Klaus (88. Niemiec), Tzolis (80. Uchino), Jastrzembski

Tore: 1:0 Benes (83.)

Zuschauer: 56.100

Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)

Gelbe Karten: Hadzikadunic, van der Brempt, Dompe / Iyoha, Johannesson, Engelhardt, Zimmermann, Siebert

Gelb-Rote Karten: – / Zimmermann (76.)

DIE STIMMEN ZUM SPIEL:

Daniel Thioune (Trainer Fortuna Düsseldorf): Glückwunsch an den HSV zum sicherlich nicht unverdienten Sieg. Wir haben es in der ersten Hälfte gut gemacht, den Raum gut verteidigt und relativ wenig zugelassen. Wir haben den Ballbesitz abgegeben. Es war völlig in Ordnung, dass wir es defensiv so gespielt haben, weil wir uns das so vorgenommen haben. Wenn man nach sieben Spieltagen 14 Punkte hat, darf man von seiner Mannschaft aber auch mehr erwarten. Wir hatten offensiv nicht den Mut und die Überzeugung, haben die Räume nicht bespielt. Das haben wir in der Halbzeit klar angesprochen und im zweiten Durchgang besser gemacht. Bis zu der Gelb-Roten Karte hatte ich dann ein gutes Gefühl. Danach haben wir leider wieder nachgelassen, sodass wir eine verdiente Niederlage kassiert haben, weil wir im Ballbesitz zu wenig zum Spiel beigetragen haben.

Daniel Heuer Fernandes: Wir mussten geduldig bleiben. So einen Gegner wie Düsseldorf kannst du nicht von Beginn an bespielen und durchgehend hinten einschnüren. Düsseldorf hat Qualität und hatte dadurch auch seine Abschlüsse. Wir brauchten eine gewisse Kontrolle über das Spiel und durften nicht zu offen spielen. Diese Balance haben wir gut gefunden. Wir hatten eine tolle Energie bei den Zweikämpfen und zweiten Bällen. Es war über 90 Minuten ein sehr guter Auftritt, mit dem wir eine Reaktion gezeigt haben. Wir möchten natürlich gar nicht erst in die Situation kommen, so eine Reaktion zu zeigen, aber haben die Trainingswoche und das Spiel heute gut angenommen. Wir müssen jetzt auswärts die gleiche Bereitschaft und Energie wie heute an den Tag legen. 

Laszlo Benes: Wir wissen alle, dass wir die letzten beiden Spiele schlecht gespielt haben. Heute haben wir alle eine Reaktion gezeigt. Wenn wir von der ersten Minute alles reinhauen und alle offensiv spielen, dann sieht das genauso aus, dass wir dem Gegner kaum Chancen geben. Heute war ein Spiel, das durch ein Tor entschieden werden kann. Das wussten wir vorher. Ich freue mich, dass wir zu null gespielt haben. Beim Elfmeter wollte ich Verantwortung übernehmen. Ich habe nicht verstanden, warum er den Strafstoß nicht gleich gegeben hat. Ich hätte den Ball ansonsten reingeschossen. 

Robert Glatzel: Es war enorm wichtig, nach den vergangenen zwei Spielen eine Reaktion zu zeigen. Das ist uns gegen einen direkten Konkurrenten, der auf Augenhöhe war, gelungen. Es war nicht alles perfekt, aber wir haben 90 Minuten alles rausgehauen und auch verdient gewonnen. Für das nächste Spiel – wieder bei einem Aufsteiger – darf es jetzt keine Überraschungen oder Ausreden mehr geben. 

Tim Walter: Wir waren heute sehr, sehr diszipliniert. Es sind zwei gute Mannschaften aufeinandergetroffen. Beide Teams versuchen über den Ballbesitz ihre Chancen zu kreieren. Wir waren heute sehr aktiv, wollten genau das im Vergleich zur Vorwoche verändern. Wir sind sehr häufig über die Flügel durchgebrochen. Dabei ist leider zu wenig zustande gekommen. Es war insgesamt ein ausgeglichenes Spiel. Wir haben mit den Einwechslungen heute einen Treffer gelandet. Andras leitet den Elfmeter ein, Jean-Luc provoziert die Gelb-Rote Karte. Ich bin mit den Einwechselspielern sehr zufrieden. Wir haben es dann erfolgreich wegverteidigt. Wir sind als aktivere Mannschaft der verdiente Sieger.   

Jonas Meffert: Jeder von uns wollte es von Anfang an besser machen als letzte Woche – und jeder hat es auch besser gemacht. Wir waren in der Pflicht heute. Ich bin froh, dass wir es geschafft haben. Die Schlüsselszene war natürlich die Gelb-Rote Karte. Fortuna hat es ähnlich verteidigt wie Elversberg und Osnabrück. Deshalb kann man sagen, dass wir uns zur vergangenen Woche enorm gesteigert haben. 

Warum Wiesbaden (noch) wichtiger wird als Düsseldorf

Warum Wiesbaden (noch) wichtiger wird als Düsseldorf

Viele haben sich gefragt, wie der HSV den Turnaround bekommen möchte nach den zuletzt verlorenen Partien bei Elversberg und Osnabrück. Tim Walters Antwort: Mit einer aktiveren Spielweise. So will der HSV-Coach mit einem Sieg im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf am Freitagabend die Kehrtwende schaffen. „Wir müssen mehr agieren und nicht reagieren“, sagte der HSV-Trainer vor dem Duell mit dem Tabellenführer vor ausverkauftem Haus. „Wenn du nur reagierst, bist du auch von der Birne her einen Schritt langsamer“, so Walters Erklärung, was in den letzten Spielen vorrangig gefehlt hatte. Insgesamt müsse man „mehr arbeiten“, so Walter.

Letzteres ist pauschal und im Grunde immer richtig. Aber das „Arbeiten“ im Zusammenhang mit dem HSV bedeutet für mich so viel wie: Mehr Zweikämpfe annehmen und laufen. Also genau das, was man vor allem in den Spielen gegen die Aufsteiger in den letzten Jahren immer wieder hatte vermissen lassen. Denn bislang dachte man beim HSV noch immer, dass man allein über seine spielerische Klasse solche Partien gewinnt. Weshalb auch immer…

Walter fordert „mehr Arbeiten“ von seinen Spielern

Sollte Walter es also wirklich so meinen und umsetzen, freut es mich. Inwieweit das aber auch wirklich Wirkung zeigt, werden wir leider weniger am Freitag beweisen bekommen, denn eine Woche später beim SV Wehen Wiesbaden. Denn das Spiel gegen den Tabellenführer aus Düsseldorf wird anders. Dort trifft man auf einen Gegner, der seinerseits den Anspruch hat, das Spiel zu gestalten. In diesen Partien bekommt der HSV in aller Regel Räume, die die tiefer stehenden Gegner aus dem mittleren und unteren Tabellenbereich nicht bieten. In solchen Spielen fühlt sich der HSV samt Walter-Fußball in aller Regel sehr wohl. Und sollte man die Spielweise der ersten Spieltage konservieren und die Viererkette weiterhin tiefer und auf einer Höhe agieren – dann kann das auch gegen Ex-Trainer Daniel Thioune funktionieren.

Dabei muss der HSV-Coach erneut auf Kapitän Sebastian Schonlau verzichten. Der Abwehrchef laboriert immer noch mit Problemen an der Wade, die ihn bereits seit der Vorbereitung plagen. Der 29-Jährige habe „genau an der gleichen Stelle wieder eine Verletzung“, sagte Walter. Schonlau werde dadurch sowohl «für das Wochenende und wahrscheinlich auch für die Woche darauf“ ausfallen.

Zuletzt bildeten Dennis Hadzikadunic und Guilherme Ramos das Startelf-Duo in der Innenverteidigung. Beide wurden aber ob schwacher Leistungen ausgewechselt. Walters Optimismus für Freitag beruht auf den ersten Ligaspielen, in denen es seine Mannschaft auch schon ohne den Kapitän geschafft hätte, sagte er heute.  Zur Erinnerung:  Schonlau war erst am fünften Spieltag zu seinem ersten Saisoneinsatz gekommen und fiel schon nach zwei Spielen wieder aus.

Düsseldorf ist ein Highlight – Wiesbaden bringt Erkenntnis

Ich hoffe ehrlich gesagt darauf, dass Walter am Freitag seinen Worten über Fortuna Düsseldorf („Die haben eine gute Mischung zwischen Verteidigung und angreifen. Es ist ein guter Gegner, aber ich weiß, dass wir auch gut sind.“) eine stabile Defensive folgen lässt. Ob er dafür Guilherme Ramos oder Stephan Ambrosius neben Denis Hadzikadunic stellt, ist dabei fast egal. Tendenziell hat Ambrosius in seinen kürzeren Einsatzzeiten zuverlässiger geliefert als Ramos. Aber letztlich sind es beide „Wegarbeiter“, oder wie es früher so schön hieß: Vorstopper. Beide sind am Ball keine Virtuosen – aber dadurch vielleicht etwas fokussierter aufs Verteidigen. Und das braucht der HSV.

Vor allem auch in den Spielen gegen die oben erwähnten, tiefer stehenden Mannschaften. Und dieses „Arbeiterspiel“ kommt direkt nach dem nächsten Highlightspiel am Freitag wieder auf den HSV zu. Deswegen sei es auch hier noch mal erwähnt: Beide Spiele sind für die Tabelle gleich wichtig. Und jetzt darf nur Düsseldorf zählen. Aber in Sachen Entwicklungsstand ist die Partie am Freitag für mich kein Gradmesser. Soll heißen: Einen Turnaround mag es am Freitag ergebnistechnisch geben. Ich hoffe es sogar stark! Aber erst das Spiel gegen Wiesbaden wird zeigen, ob Walter dazulernt und seine Mannschaft auch für die Spiele gegen die vermeintlich Kleinen spielen kann. Wie ich das meine, erläutere ich im neuen Talk mit Cornelius sehr ausführlich.

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend!

Scholle

Mitgliederrekord beim HSV! Aber: Fan-Zuspruch darf nicht missverstanden werden

Mitgliederrekord beim HSV! Aber: Fan-Zuspruch darf nicht missverstanden werden

Für den HSV lief es an den vergangenen beiden Spieltagen nicht. Und Trainer Tim Walter quittierte zumindest die zweite Niederlage in Folge mit Straftraining und klaren Worten der Kritik am Auftreten seiner Spieler. Ungewohnt scharf kritisierte Walter seine Mannschaft öffentlich. Und das war gut, wie ich finde – denn zuletzt hatte man in solchen Phasen immer wieder abgelenkt und unter anderem auch den Fanzuspruch immer wieder als Indiz dafür genannt, dass man ja so viel doch nicht falsch machen würde. 

Und auch heute ist der Zulauf zum Verein trotz der seit 2018 dauernden Zweitliga-Angehörigkeit weiterhin ungebrochen. Wie der HSV e.V. heute mitteilte, verzeichnet man ab dem 1. Oktober erstmals 100.000 Mitglieder aus 52 Ländern. Laut transfermarkt.de ist der HSV damit erst der sechste Verein aus der 1. und 2. Bundesliga, der eine sechsstellige Zahl an Mitgliedern hat. Zuvor hatten der deutsche Rekordmeister Bayern München, Borussia Dortmund, Liga-Konkurrent Schalke 04, Eintracht Frankfurt und der 1. FC Köln die Marke übertroffen. Ebenso wie bei den Mitgliederzahlen ist der Run auf die Heimspiele der Hamburger weiterhin enorm. Bei der bevorstehenden Partie gegen Fortuna Düsseldorf wird wie in den drei bisherigen Saison-Heimspielen erneut ein mit 57.000 Zuschauern ausverkauftes Volksparkstadion erwartet. Zum zwölften Mal in Folge übrigens…

„Die neue Rekordmarke zeigt einmal mehr, wie besonders der HSV ist. Wir sind sehr dankbar für diesen Rückhalt, der die Gemeinschaft unserer Mitglieder und Fans auszeichnet“, sagte HSV-Präsident Marcell Jansen in Bezug auf die 100.000 Mitglieder. Und damit hat er sicher nichts Falsches gesagt. Problem ist nur, dass genau diese Haltung bei einigen die Grenzen zwischen den besonderen Fans und der besonderen Qualität in der Arbeit der Fußballfunktionäre und -spieler zuletzt immer wieder verwischen. Aber auch dazu mehr in unserem neuen Talk, in dem ich mich klar zu diesem Thema geäußert habe und den wir Euch oben mit eingestellt haben. 

Sportlich muss HSV-Trainer Tim Walter voraussichtlich erneut auf Sebastian Schonlau verzichten, der wegen seiner Wadenprobleme auch heute noch nicht mittrainieren konnte, währen Denis Hadzikadunic und Valon Zumberi wieder fit sind. Leichte Entwarnung gab es auch bei Miro Muheim, der nach verpasstem Vormittagstraining am Nachmittag wieder mitmischte und dem Vernehmen nach bis Freitag wieder fit sein soll. Sollte dem so sein, dürfte er den zuletzt enttäuschenden Moritz Heyer ersetzen.

In diesem Sinne, Euch allen eine gute Nacht. Heute haben wir mit knapp 30 Minuten mal einen sehr langen, sehr ausführlichen – und vor allem sehr meinungsstarken Talk geführt in dessen Verlauf ich Euer Mitwirken erfrage. Denn mich würde wirklich extrem interessieren, wie Ihr das Thema Fanzuspruch und HSV-Selbstverständnis seht. Ich für meinen Teil sehe darin neben aller Freude über die Champions-League-reifen Fans auch ein großes Problem. Aber dazu im Video mehr. 

Ich muss leider noch ein wenig renovieren und versuchen, der Fehlermeldung bei einigen Blogteilnehmerinnen und- teilnehmern (Nonce is invalid) auf den Grund zu gehen.

Scholle