Der HSV muss auf seinen Mittelfeldmotor Ludovit Reis verzichten. Leider wie erwartet auch sehr lang. Erst in der Rückrunde wird Reis, der sich im vergangenen Heimspiel gegen Greuther Fürth (2:0) eine Verletzung an der linken Schulter zugezogen hatte, wieder einsetzbar sein. Hintergrund: Der Niederländer muss sich in der kommenden Woche nun doch an der verletzten Schulter operieren lassen. Zunächst war unklar gewesen, ob Reis sich der OP unterziehen muss oder ob er die Verletzung konservativ behandeln lassen kann. Jetzt die traurige Gewissheit. Denn Fakt ist: Der Ausfall des Mittelfeldmannes ist ein schwerer Schlag für Trainer Tim Walter, bei dem Reis als unbestrittener Stammspieler gesetzt ist. In bisher sechs Ligaspielen hatte Reis den verletzten Innenverteidiger Sebastian Schonlau als Kapitän vertreten.
Am morgigen Sonnabend wird dann Jonas Meffert erneut als Ersatz-Ersatz-Kapitän den HSV um 20.30 Uhr beim 1. FC Kaiserslautern aufs Feld führen. Für Reis indes dürfte Immanuel Pherai in die Startelf rutschen. Und das wird spannend. Denn Pherai konnte bislang zwar schon andeuten, was in ihm steckt – aber jetzt wird er gebraucht. Und zwar auf Strecke gebraucht! Und wahrscheinlich wird er auch gebracht, sofern er sich nicht zu dumm anstellt.
Pherai wird vor Meffert und neben dem Mann spielen, auf den es meiner Ansicht nach jetzt insbesondere ankommen wird: Laszlo Benes. Denn der Slowake ist in den letzten Wochen und Monaten konstant stabiler geworden – mit regelmäßigen Ausreißern nach oben. Der Top-Assistgeber ist zudem fleißig, ackert auch nach hinten und hat den finalen Pass ebenso drauf wie den torgefährlichen Abschluss. Dazu kommt die Stärke bei direkten Freistößen. Ergo: Er hat fast alles (außer das Kopfballspiel), was es braucht, um den Chef im Mittelfeld zu machen. „Wir müssen das Spiel bestimmen“, zeigte sich Benes jetzt im Interview mit Sky selbstbewusst und legte noch mal kräftig nach: „Kaiserslautern ist auch ein sehr großer Verein, hat auch gute Fans und ein schönes Stadion. Die Stimmung ist immer heiß. Aber wir sind größer und das muss man auch im Spiel sehen.“ Worte, die man sagen kann – aber auch nur dann, wenn man dementsprechend nachliefert…!
Zusammen mit Jonas Meffert, der die Defensive organisiert hat Pherai also alle Führung und Organisatoren, um sich schnell einzuleben. Daher bin ich auch so zuversichtlich, dass es funktionieren kann. Anders als aktuell hinten rechts. Denn da wird Ignace van der Brempt die nächsten Wochen ausfallen und aller Voraussicht nach von Moritz Heyer ersetzt werden. Letztes Wochenende hat es nach einer nervösen Anlaufphase mit einer frühen (und unnötigen) Gelben Karte zum Ende hin ganz ordentlich geklappt. Aber mit noch sehr viel Lift nach oben – bzw. mit sehr viel Luft bis zu dem, was Heyer bis Mitte letzter Saison ausgezeichnet hatte, als er mit Bakery Jatta die rechte Seite defensiv wie offensiv im Griff hatte. Und ich hoffe, dass Heyer das mir unerklärliche Tief endlich hinter sich lässt und wieder befreit nach vorn arbeitet, während er defensiv alles wegarbeitet.
Apropos: Hier hatte jemand unter dem letzten Blog über Jatta gesagt, was ich schon seit ein paar Jahren immer wieder mal sage: Warum nicht Jatta mal als rechten Verteidiger spielen lassen? An ihm, da bin ich mir sicher, würden nicht viele vorbeikommen. Ein (für Walter ausschlaggebendes) Manko dürfte das Spiel hinten raus über seine Seite sein. Aber okay, im Verbund mit Heyer – genauso selbstverständlich mit van der Brempt – könnten sich die beiden immer wieder positionell abwechseln.
Eigentlich also auch hier beste Voraussetzungen, dass es gut funktionieren und der HSV den zweiten schweren Ausfall kompensiert. Oder besser gesagt: nach Schonlau und Reis ja sogar schon den dritten schwerwiegenden Ausfall, wobei Guilherme Ramos das in den letzten Wichen so gut gemacht hat, dass ich ihn definitiv auch nach einem Schonlau-Comeback nicht rausnehmen würde. Aber das Thema mit der richtigen Mischung in der Innenverteidigung hatte ich an dieser Stelle schon zu oft, das muss ich nicht wiederholen.
Ebenfalls ein alter Hut ist die aktuelle Auswärtsschwäche, die schon zu oft thematisiert wurde. In der Auswärtstabelle langt es bislang nur zum zehnten Platz. Zuhause ist man mit der maximalen Ausbeute von 15 Punkten aus fünf Spielen Tabellenführer. „Daheim sind wir eine Macht“, sagte Walter jetzt. „Das heißt ja aber auch nicht, dass wir auswärts machtlos sind.“ Und das stimmt sicherlich. Aber es wird Zeit, das auch mit Ergebnissen zu untermauern – am besten gleich im Topspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern, der dem HSV aller Voraussicht nach das Feld weitestgehend überlassen wird, um auf Konter zu setzen. Aber auch dieses taktische Verhalten ist wirklich alles andere als neu! Darauf MUSS!! der HSV vorbereitet sein…
In diesem Sinne, ich freue mich auf das Spitzenspiel beim FCK und bin fest davon überzeigt, dass der HSV die Ausfälle – so schwer sie tatsächlich sind – kompensieren kann! Oder wie seht Ihr das?
Der Hang zum Überkorrekten ist etwas, was wir Deutsche sicher nicht exklusiv haben. Aber wir haben es. Und mich nervt es zunehmend. Um an dieser Stelle aber nicht zu weit ins Politische abzudriften, bleibe ich mal beim HSV, wo ein ähnlicher Fall vor einiger Zeit für viel Aufsehen gesorgt hatte. Denn hier war dem aus Gambia geflüchteten Bakery Jatta in einem Sportmagazin vorgeworfen worden, umfangreichen Identitätsbetrug begangen zu haben. Ein Vorwurf, der nie nachgewiesen werden konnte – der Jatta selbst aber über einen langen Zeitraum belastend begleitet hatte. „Du kannst sowas nicht raushauen, ohne den sicheren Beweis dafür in der Hand zu haben“, hatte ich damals zu meinem Kollegen gesagt, der die ganze Story initiiert hatte und der letztlich von seinen Chefs dazu angetrieben wurde, trotz derlei Bedenken daran festzuhalten. Ein gravierender Fehler, das war damals schon vorhersehbar. Heute ist dieser Fehler ein rechtlich begründeter Fakt.
Und auch ich habe mich damals hier an dieser Stelle ganz klar zum deutschen Recht bekannt und Jattas Unschuldsvermutung vorneangestellt. So, wie ich es immer machen werde. Ich fand es vorbildlich, wie sich seinerzeit der HSV zu diesem Thema positionierte und seinen Spieler im höchsten Maße unterstützte und schützte. Aber: Ich habe damals den entstehenden Hype um Jatta, um den herum in vielen Diskussionen plötzlich nur noch zwischen „Team Jatta“ und dessen Feinden unterschieden wurde, schon sehr kritisch gesehen. Denn darum durfte es nie gehen.
Zum Glück wussten die HSV-Trainer das sehr gut zu differenzieren. Noch mehr müssen das aber die Verantwortlichen der Sportlichen Leitung jetzt machen, wenn es um die Vertragsverlängerung des Publikumslieblings geht. Denn sportlich ist Jatta zweifellos diskutabler als menschlich. Und damit komme ich noch mal kurz zum Überkorrekten zurück. Denn wenn ich höre, dass Jatta „auf jeden Fall“ gehalten werden muss, und dann auf die Nachfrage, warum das so sei, dann die Antwort erhalte: „Der hat hier so viel durchgemacht und hat sich trotzdem immer reingehauen“, dann ist das menschlich nachvollziehbar und sicher auch nett gemeint – aber inhaltlich falsch. Denn die Entscheidung, ob Jatta bleibt oder nicht, muss immer eine Frage von Kosten und Nutzen für den Verein sein. Dass Jatta hier schon von Kollegen meinerseits in den Rang der Topverdiener geschrieben wird, sehe ich ebenfalls anders.
Ich sehe Jatta nämlich noch nicht auf der obersten HSV-Stufe, sondern eine darunter. Jatta ist ein Spieler mit Qualitäten, die kein anderer HSVer hat (Tempo, Zweikampf, Physis). Aber ach einer mit Schwächen, wie sie kein anderer hat (letzter Pass, Flanken-Quote, Torabschluss). Vor allem aber sehe ich den HSV hier in absolut gar keiner Bringschuld. Denn der Verein hat sich immer vorbildlich hinter seine Spieler gestellt – auch hinter Jatta. Und dem Verein kann und darf es nur um den sportlichen Erfolg gehen, wenn der begrenzte Etat verteilt wird. Und eines ist mal ganz klar: Dankbarkeit gibt’s im Profifußball nur in den allerseltensten Fällen. Die wird eigentlich immer nur dann proklamiert und medial gepusht, wenn es für irgendeine Entscheidung zuträglich ist und dem eigenen PR-Zeck dient.
Also: Jattas neuer Vertrag muss allein an seinen sportlichen Fähigkeiten festgemacht werden. Zumal dazu auch persönliche Eigenschaften wie die Einstellung, der Wille und die Teamfähigkeit mit einbezogen werden. Und in dieser Gesamtrechnung sehe ich Jatta nicht als Top-Spieler, sondern als einen Spieler mit besonderen Fähigkeiten – und ebensolchen Mängeln. Ich würde ihn definitiv versuchen zu halten. Aber ganz sicher nicht um jeden Preis.
Passend zum Blogthema – derTalk!
Vielmehr muss man bei Jatta in den nächsten Wochen, Monaten und ggf. Jahren eben auch dort Fortschritte erkennen können, wo man jetzt noch deutlich zu oft die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Im Passspiel an sich, im taktischen Verhalten, in der Effizienz hat Jatta noch zu große Baustellen, als dass er für sich den Höchstsatz Gehalt beanspruchen darf.
Aber gut, hier ist der HSV entscheidend. Er muss sich so aufstellen, dass er in einer guten Verhandlungsposition ist. Und da man noch keinen Ausnahmespieler unter Vertrag hat, ist das für Jonas Boldt, Claus Costa und Co. Vom Schwierigkeitsgrad alles noch sehr überschaubar. Soll heißen: Man braucht Alternativen für die jeweils zu verhandelnde Position, mit der man ggf. genauso gut arbeiten kann. Hieran bemisst sich für mich die Qualität einer Scoutingabteilung/des Sportchefs. Dann wenn man hier gute Vorarbeit leistet, geht man völlig entspannt in die Verhandlung zur Vertragsverlängerung und macht die eigene Position ebenso deutlich wie die Haltung, den Spieler gern halten zu wollen. Und dann soll der entscheiden, ob er das Angebot annimmt oder nicht…
Am Ende ist und bleibt der Profifußball ein reines Rechenmodell. Soll heißen: Man bietet nur, was man bieten kann. Für nett sein gibt es im Profifußball leider kein Geld. Es sei denn, man errechnet sich einen geldwerten Vermarktungsvorteil durch die jeweilige Personalie. Aber auch der dürfte sich auf Zweitligaebene noch verhältnismäßig klein halten.
Deshalb kann ich von meiner Seite aus sagen, dass ich es ehr befürworte, Jatta zu halten. Ich glaube, dass er sogar in der ersten Liga helfen könnte mit seinem Tempo und seiner Physis. Aber im Gesamtpaket ist Jatta eben noch kein Glatzel, kein Heuer Fernandes und kein Reis oder Benes. Ergo: Kein Topverdiener.
Oder wie seht Ihr das?
Ich selbst bin übrigens die zwei Ferienwochen (noch bis Sonnabend) mit meiner Familie unterwegs. Ich werde mich aber spätestens am Freitag noch mal melden mit einem Bericht vor dem Topspiel beim 1. FC Kaiserslautern!
Es geht wieder auf den Platz. Und das ist auch gut so, denn Länderspielpausen – die nächste ist schon am 18. November – sind nicht die Spezialität des HSV, der oftmals behäbig aus selbiger rauskam. Ob das gegen Greuther Fürth auch so sein würde, sollte Tim Walter auf der Pressekonferenz am Donnerstag beantworten. Und er antwortete diplomatisch, dass seine Mannschaft heiß darauf sei, wieder in den Spielbetrieb einzusteigen. Besonders zuhause. Und das sollte sich am heutigen, zehnten Spieltag, den der HSV vor 55.800 Zuschauern bei Hamburger Schmuddelwetter gegen Greuther Fürth mit 2:0 gewann, auch so bewahrheiten….
Und Walters Mannschaft begann genau so, wie es sein sollte: Aggressiv in den Zweikämpfen, laufstark, schnell im Umschalten und zweikampfstark. Eine Führung wäre verdient gewesen, ehe sich der HSV zweier früher Rückschläge erwehren musste, die es in sich hatten. Erst schied van der Brempt nach acht Minuten mit einer Knieverletzung aus, dann musste auch noch Mannschaftskapitän Ludovit Reis raus, nachdem er mit seiner jüngst operierten Schulter unglücklich (und von einem Fürther geschubst) auf eine leere Getränkekiste am Spielfeldrand gestürzt war. Zwei personell bittere Ausfälle, zumal gerade diese beiden in dieser Angangsphase auffällig aktiv waren.
Während Moritz Heyer für van der Brempt auf die rechte Außenverteidigerposition rückte, kam Immanuel Pherai für Reis – und Jonas Meffert übernahm dessen Kapitänsbinde. Ein Prozess, der dem Sechser guttat, denn er war es, der kurz nach Reis‘ Auswechslung zum 1:0 traf. Eine Scharfe Hereingabe (nach einer kurzen Ecke!) vom Top-Vorlagengeber Laszlo Benes (11. Torvorlage schon!) verlängerte Meffert per Kopf zum 1:0. Sein erstes Tor seit Februar 2022! Auffällig hierbei wie auch sonst bis hierhin: Der HSV suchte die Flanken in den Sechzehner, spielte schnell nach vorn und über die linke Seite war Jean Luc Dompé, dem Walter nach „überragenden Trainingsleistungen“ für Levin Öztunali in die Startelf gestellt hatte, das Eins-gegen-Eins, um so Räume zu schaffen.
Ebenfalls auffällig: Beide Einwechslungen hatten zunächst Probleme, sich zurechtzufinden. Heyer, der seit Ende letzter Saison in einem tiefen Leistungsloch festzuhängen scheint, sah eine „Kann-aber-mus-nicht“-Gelbe Karte, die ich nicht gegeben hätte. Und Pherai lief mehr hinterher, als er auf das Spiel direkt Zugriff hatte. Dafür stand der HSV defensiv bis auf eine Unaufmerksamkeit (Green scheitere an Heuer Fernandes, 17. Minute) gut. Und auch in dieser Szene war es der zuletzt ebenso wie heute wieder starke Guilherme Ramos, der wiederholt entscheidend verteidigte.
Großes Glück hatte der HSV in der 40. Minute, in der es Schiri Robert Schröder nach einem schmerzhaften Foul von Bakery Jatta bei der bereits gegebenen Gelben Karte beließ, obgleich der Kölner Keller ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, sich den üblen Tritt von Jatta auf den Knöchel des Fürthers Asta noch mal genauer anzusehen. Der mit Karten ansonsten eher locker hantierende Schröder aber entschied darauf, dass hier kein gewolltes Foul, sondern ein unglücklicher Tritt vorlag. Kann man so sehen – allerdings behaupte ich, dass ein Großteil der Schiedsrichter in den Bundesligen hier Rot gezückt hätten.
Ergebnis nach den verletzungsbedingten Auswechslungen sehr zerfahrenen Partie: Es gab rekordverdächtige zehn Minuten Nachspielzeit. Und die nutzte der HSV. Immanuel Pherai bediente im Zentrum Robert Glatzel, der den Fuß hinhielt und zum 2:0 traf. Endlich wieder Glatzel, dem Walter zuletzt („Robert wird wieder treffen, da mache ich mir absolut keine Sorgen“) noch demonstrativ den Rücken gestärkt hatte. Und vorbereitet ausgerechnet von den beiden Einwechselspielern (Heyer schickte Pherai rechts im Sechzehner, der legte quer) vorbereitet, die bis dahin Schwierigkeiten hatten, ins Spiel zu finden.
Zur zweiten Halbzeit änderte sich nicht viel am Spiel. Ebenso wenig am Ergebnis, da die Fürther einen Elfer verschossen (Heuer Fernandes parierte gegen Hrgota) und der HSV wucherte mit seinen Chancen nur so herum, dass es fast schon wehtat. Dompé und Jatta hätten allein schon vier oder mehr Tore machen bzw. auflegen MÜSSEN!
Aber am Ende reichte es zu einem völlig verdienten 2:0-Sieg. Da in Paderborn Ex-HSVer Filip Bilbija noch zum 2:2 traf, ist der HSV punktetechnisch zum Tabellenführer FC St. Pauli aufgeschlossen. Übrigens: Wer sich mit der Zweiten Liga beschäftigt, sollte unbedingt den Namen Muslija im Kopf behalten. Der Paderborner ist aktuell so stark, dass ich als HSV unbedingt Kontakt aufnehmen würde…
Aber noch mal kurz zum HSV, der am kommenden Wochenende beim 1.FC Kaiserslautern antreten muss. Hier waren die Spieler nach der Partie kritisch – aber auch zufrieden. Daniel Heuer Fernandes sagte: „Wir sind mit viel Energie und Leidenschaft das Spiel über 90 Minuten angegangen. Die Chancenausbeute hätte ein Stück weit besser aussehen können. Dadurch hätten wir noch mehr Ruhe ins Spiel bekommen. Rundum war es aber ein sehr souveränes Spiel. Ich freue mich heute vor allem über die Art und Weise unseres Auftritts.“ Schlusswort Tim Walter: „Es macht immer Spaß, gegen Mannschaften von Alex (gemeint ist Fürths Trainer Alex Zorniger) zu spielen, weil er sehr intensiv spielen lässt und die Spiele offen werden. So war es heute auch. Das Spiel ging hin und her. Wir haben gut verteidigt und hatten zugleich auch eine gute Energie im Spiel mit dem Ball. Wir haben uns auch durch die zwei Ausfälle nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wir haben heute von Beginn an gezeigt, dass wir das Spiel gewinnen wollen. Das hat meine Mannschaft gegen eine immer gefährliche Fürther Mannschaft bravourös gemacht. Deshalb bin ich heute sehr zufrieden mit den Jungs.“
Und das darf er heute ganz sicher auch sein!
DIE SPIELERBEWERTUNGEN:
DANIEL HEUER FERNANDES: Am Ball heute mit einigen Ungenauigkeiten. Aber auf der Linie gewohnt sicher rettete er sogar gegen den Elfer von Hrgota. Note: 2
IGNACE VAN DER BREMPT (bis 8. Minute): Er versuchte, das Tempo hochzuhalten. Und das gelang ihm sehr gut, bis er nach zehn Minuten verletzt raus musste. Gute Besserung von dieser Stelle! Er wird dem HSV hoffentlich nicht zu lange fehlen.
MORITZ HEYER (ab 11. Minute): Hatte wie bei seinen letzten Einsätzen arge Probleme im Stellungsspiel. Er fand nicht in die Partie, sah früh Gelb – und bereitetet dann in der Nachspielzeit mit einem klugen Pass auf Pherai das 2:0 mit vor. In der zweiten Hälfte wurde er etwas stärker, weil etwas souveräner defensiv. Note: 3
DENNIS HADZIKADUNIC: Sehr unauffällig, was kein schlechtes Zeichen ist. Wenn er was zu tun hatte, löste er die Aufgabe. Also: Alles okay so! Note: 3 GUILHERME RAMOS: Machte wieder genau das, was er am besten kann: Rustikal Zweikämpfe im Infight gewinnen. Er war in fast allen gefährlichen Situation der entscheidende Mann auf HSV-Seite, weshalb der HSV zum vierten Mal in Folge im Volksparkstadion die Null hielt. Dass er auch derjenige war, der per Foulspiel den Elfer verursachte – geschenkt! Wer so viel macht, der darf auch Fehler machen! Und ich bleibe auch dabei: Die Mischung mit einem rein defensiv agierenden und defensiv denkenden Spieler in der Innenverteidigung bleibt die Konstellation, die der HSV beibehalten muss, wenn er aufsteigen will. Note: 2
MIRO MUHEIN: Auch wenn heute die Vorstöße nicht so zielgerichtet waren, die Tendenz bei dem Schweizer war und ist weiterhin absolut positiv. Note: 3
JONAS MEFFERT (bis 79.): Er musste das Mittelfeld in einer hart geführten Partie ordnen, und das schaffte er trotz der frühen Wechsel gut. Dass er dazu noch traf – es sei ihm gegönnt. Note: 3
JEAN-LUC DOMPÉ (bis 76.): Endlich suchte er die Eins-gegen-Eins-Situationen nicht nur, sondern gewann sie auch. Seine Flanken sind dabei oft noch zu ungenau. Er wurde zunehmend müder und vergab das sichere 3:0 – gleich mehrfach, was richtig schwach war. Aber: Die Tendenz bei ihm stimmt grundsätzlich wieder. Note: 3,5
RANSFORD KÖNIGSDRFFER (ab 76.): Hatte gleich einen Riesen auf dem Fuß, den er vergab.
LUDOVIT REIS (bis 15.): Seine Verletzung ist bitter, weil es wieder die bereits verletzte Schulter ist. Ich hoffe, dass es nicht zu schwerwiegend ist und er nicht operiert werden muss. Anstatt der Note: Gute Besserung, Ludovit!
Der verletzte Ludovit Reis (HSV) nach Spielende
Hamburg, 21.10.2023, Fussball, 2. Bundesliga, Hamburger SV – SpVgg Greuther Fuerth 2:0
IMMANUEL PHERAI (ab 16.): Er brauchte eine Weile Anlauf, um zumindest am Spiel teilzunehmen. Der Pass zum 2:0 gab ihm vielleicht den entscheidenden Impuls, denn in der zweiten Halbzeit wurde er agiler. Nicht gut, aber besser. Note: 3
LASZLO BENES: Auch wenn er selbst nicht traf, das war stark! Benes war der Antreiber im HSV-Spiel und übernahm kurzerhand und mit vielen klugen Pässen die Regie. Wäre die Offensive etwas effektiver, hätte Benes heute nicht nur seinen 11. Torassist gespielt, sondern die Torvorlagen Nummer 12, 13 und 14 gleich hinterher! Für mich war er dominanter Regisseur des HSV und der beste Mann auf dem Platz – mit und ohne Ball. Note: 1,5
BAKERY JATTA (bis 74.): Er macht immer viel – aber genau so viele gute Szenen finden ob seiner Abschlussschwäche ein jähes, enttäuschendes Ende. Unfassbar, was der Gambier heute allein mit dem Kopf vergab! Vor allem: DAS ebenso wie den Querpass an sich sind Dinge, die man trainieren kann. Er hat zwar Chancen, die andere nicht bekämen – aber er nutzt sie so wenig, dass es einfach nicht für eine gute Note reicht: Note: 4
ROBERT GLATZEL: Endlich trifft er wieder. Auch aus dem (extrem knappen!) Abseits blieb er saucool. Aber auch er war ein wesentlicher Teil der miserablen Chancenverwertung heute. Note: 3
TRAINER TIM WALTER: Er hat endlich erkannt, dass die Defensive entscheidend ist. Gar nicht auszudenken, wenn der HSV so offen wie letzte Saison bei einer solchen Chancenverwertung gespielt hätte… Von daher: Gut so! Endlich! Und vor allem: bitte unbedingt beibehalten!
DIE STATISTIK ZUM SPIEL:
HSV:Heuer Fernandes – van der Brempt (8. Heyer), Hadzikadunic, Ramos, Muheim – Meffert, Reis (15. Pherai), Benes – Jatta, Glatzel, Dompe (76. Königsdörffer)
In den letzten Tagen haben wir hier viel über „Entwicklung“ philosophiert, bzw. darüber, dass diese eben nicht zu erkennen ist. Nun ist das Gesehene das eine, die Zahlen dahinter das andere. Nichts von beidem ist für sich allein aussagekräftig genug, daher habe ich mich dazu entschlossen, bei unseren Analyse-Freunden von Createfootball.com noch einmal eine Analyse zu bestellen, die aufzeigt, was die Zahlen hinter dem Gesehenen aussagen. Hier haben wir auch mit unserem Analysten „Muti“ gesprochen, der den HSV als Außenstehender noch einmal rationaler bewertet, als wir hier.
Und in allen Analysen wird deutlich, dass der HSV immer ausreichend Torchancen kreiert, um Spiele zu gewinnen – und dass er defensiv stabiler geworden ist. Allerdings muss er sich in beiden Bereichen noch steigern, wenn man am Saisonende zu den Aufsteigern zählen will. Anbei die Analyse. Viel Spaß damit! Angefangen mit:
Was läuft schon gut?
Flaches Angriffsspiel
Der HSV spielt die wenigsten langen Bälle der Liga, baut Angriffe konsequent flach auf, löst auch Pressingsituationen spielerisch durch die hohe individuelle Qualität und die höchste Präzision an Pässen ins letzte Drittel (73%), erspielt sich die Mannschaft die zweitmeisten Abschlüsse der Liga (14.6)
Dabei dringt kein Team häufiger als der HSV aus dem Zentrum in gefährliche Schusspositionen (1.4 xG pro 90 Min. aus der Spielfeldmitte kreiert)
Insgesamt kommt der HSV auf die drittmeisten Ballaktionen im gegn. Strafraum (22) und die viertbesten Schusspositionen (0.14 xG pro Schuss) kein Team spielt mehr Positionsangriffe erfolgreich zu Ende (11) und kommt häufiger aus dem Spiel heraus zum Torschuss
Der HSV kreiert elf Torschüsse aus Positionsangriffen pro 90 Minuten – Ligabestwert!
Pressingeffizienz
Der HSV besitzt den zweitniedrigsten PPDA-Wert der Liga, lässt gerade einmal 9.3 Pässe des Gegners bis zur ersten Abwehraktion zu, nur Magdeburg unter Ex-HSV-Coach Titz läuft den Gegner früher an
Dazu gewinnt der HSV die zweitmeisten Defensivduelle (64%), zeigt sich in diesem Aspekt im Vergleich zur Vorsaison (60%) stark verbessert!
Flankenverteidigung
Hamburg kassierte noch kein einziges Kopfball-Gegentor in der laufenden Zweitligasaison, die Zuordnung bei gegn. Flanken ist mehr als stimmig
Besonders die Neuzugänge Hadzikadunic und Ramos sind enorm stark im Luftduell, gewinnen 64%, bzw. 50% ihrer Kopfballduelle und liegen damit deutlich über dem Ligaschnitt von 46%
Wo muss sich der HSV verbessern?
Chancenverwertung
Den xG-Wert von 20.8 erwarteten Toren übertrifft kein Zweitligist, daraus konnte der HSV jedoch „nur“ 17 Tore erzielen, trotz guter Schusspositionen und -präzision ist die Chancenverwertung nicht optimal besonders Glatzel kann seine Ausbeute noch steigern (5 Tore aus 7 xG)
Defensiver Zugriff
Obwohl die Gegner des HSV zu weniger als zehn Abschlüssen pro 90 Minuten kommen, ist die Qualität der Torchancen wie schon in der Vorsaison deutlich zu hoch, wodurch der HSV zu einfach Gegentore kassiert Der Expected Goals Against-Wert liegt mit 13.3 sogar noch deutlich über dem realen Wert von 10 Gegentoren, zu viel für ein Top-Team!
Tiefe im Angriff
Der HSV spielt die zweitwenigsten raumgewinnenden Pässe der Liga (46 /90 Min., weist dabei auch eine extrem schwache Genauigkeit von 71% auf Ballbesitz gegen defensive Gegner häufig sehr lateral
Steckpässe in die Schnittstellen werden kaum gespielt, weisen mit 22% Präzision die geringste Genauigkeit der Liga auf (Ligaschnitt 37%) um gegen tiefstehende Gegner in der Chancenkreation versatiler zu sein, muss diese Qualität gesteigert werden und besonders Pherai und Jatta häufiger den Ball zwischen die Ketten des Gegners spielen
Ähnlich verhält es sich im Flankenspiel, besonders Halbfeldflanken von Pherai und Benes sind bisher überhaupt kein Mittel, werden aber 10x /90 Min. gespielt aus tieferen Positionen sind Hereingaben von bspw. van der Brempt, Dompé und Muheim deutlich gefährlicherer
Nur 14.5% aller Pässe sind raumgewinnend und überspielen Gegenspieler – der niedrigste Wert der Liga
Benchmarking der relevanten Daten (Defensive)
Hamburger SV22/23
Hamburger SV23/24
Durchschnitt2. Bundesliga 23/24
Gegentore
1.2
1
1.4
Expected Goals Against (pro Schuss)
1.4 (0.12)
1.5 (0.13)
1.7 (0.12)
Gegnerische Schüsse (% aufs Tor)
10.9 (39%)
9.9 (38%)
12.2 (36%)
Defensivzweikämpfe (% erfolgreich)
57 (60%)
51.3 (64%)
58 (60%)
Kopfballduelle (% erfolgreich)
33.4 (45%)
29.2 (50%)
37.5 (46%)
Abgefangene Pässe
37
31.9
37.8
Balleroberungen
83.2
78.9
83.1
PPDA
8.6
9.3
11.6
Alle Daten pro 90 Minuten aus der 2. Bundesliga 2022-23 respektive 2023-24.
Benchmarking der relevanten Daten (Offensive)
Hamburger SV22/23
Hamburger SV23/24
Durchschnitt2. Bundesliga 23/24
Tore
1.9
1.7
1.4
Expected Goals (pro Schuss)
1.9 (0.14)
2.3 (0.14)
1.6 (0.13)
Schüsse (aufs Tor)
12.8 (39%)
14.6 (41%)
12.2 (36%)
Passquote
84%
85%
83%
Schlüsselpässe
4.1
4
3.5
Lange Pässe (% angekommen)
32.5 (51%)
31.5 (55%)
43 (59%)
Pässe ins letzte Drittel (% angekommen)
46.5 (69%)
47.4 (73%)
43.4 (67%)
Flanken (% angekommen)
19.2 (37%)
18.8 (31%)
13.8 (35%)
Alle Daten pro 90 Minuten aus der 2. Bundesliga 2022-23 respektive 2023-24.
Was muss Tim Walter verbessern?
Defensive
Die Konterabsicherung muss Tim Walter eindeutig in den Griff kriegen, dass der HSV vergleichsweise einfache Gegentore kassiert, war in der Vorsaison bereits ein Riesenproblem besonders bei solch einer hohen Verteidigungslinie muss die Absicherung auf Gegenangriffe besser greifen, aus dem offenen Spiel heraus lässt der HSV kaum Chancen zu
Offensive
Die Qualität der Torchancen ist die beste der Liga, deren Verwertung ist es bislang noch nicht. Pro Spiel schießt der HSV 0.5 Tore weniger als erwartet, vor dem Tor ist also noch reichlich Steigerungsbedarf vorhanden
Übergangsspiel
Besonders gegen tief stehende Gegner muss der HSV mehr Räume mit progressiven Pässen öffnen. Insbesondere Reis und Muheim müssen die Präzision ihrer insgesamt 2.4 Versuche (13%) deutlich steigern. Von Benes und Pherai kommen bisher fast gar keine Steckpässe. Verbessert sich der HSV in diesem Aspekt, wird die Qualität der Torchancen weiter zunehmen.
Dieser Text stammt von der Fußball-Consultancy CREATEFOOTBALL GmbH, die national wie international Profivereine, Berateragenturen sowie Medienanstalten in den Themenfeldern Datenscouting und -analyse berät.
Ich hatte es vor ein paar Tagen angekündigt und werde es in dieser Woche auch so handhaben, einige Eurer Posts hier zu beantworten bzw. auf einige Thesen Eurerseits einzugehen. Einige werde ich direkt im Forum beantworten, andere hier via Blogbeitrag. Los geht es:
Meine Antwort auf Jörg Brettschneiders Post (sein Text ist fettgedruckt, meiner normal):
Scholle, es kann doch nicht sein, dass du dem Kernproblem wieder aus dem Weg gehst!
Es kann doch nicht Dein Ernst sein, dass Du Dich allein zum Maßstab auserkoren hast…! Ich habe vom ersten Walter-Tag an dessen taktisches Spiel mit dem HSV kritisiert – und mache das noch immer, wenn Walter wieder in sein Phlegma verfällt. Und das im Gegensatz zu Dir übrigens, der Walter am Anfang für diesen Hurra-Fußball gelobt und mich für meine Kritik kritisiert hat. Lies mal nach!
Wehen hat vier Niederlagen in Folge einstecken müssen. Dann kommt der große Aufstiegsfavorit mit seiner teuren Truppe und schafft gerade mal ein Unentschieden. Nachdem man schon im Saarland und in Osnabrück „outperformt“ hatte…
Noch mal ganz deutlich: Ich bewerte die Spiele in den Blitzfazits immer zuerst für sich. Im Talk unter der Woche werden dann die Entwicklungen zum Kernthema. Und das Spiel in Wehen hat den positiven Ansatz, defensiv stabiler zu stehen, geliefert. Allein offensiv war der HSV in diesem Spiel nicht effektiv (genug). Und ganz nebenbei: Trotzdem hatte man die 100-prozentige Chance, das Spiel zu gewinnen
Wo soll da noch irgendetwas gut sein? Dass man einen biederen Aufsteiger dominiert, darf ja wohl erwartet werden! Warum hebst du das überhaupt hervor, Scholle?
Weil ich im Gegensatz zu Dir offenbar weiß, wie schwer es ist, gegen vermeintlich kleine Gegner zu spielen, die sich sehr tief in der eigenen Defensive verschanzen und dann kontern. Ich kenne es auch, wie eine Mannschaft verkopft, wenn es nicht läuft. Da wieder rausziko0mmen wie nach dem völlig unverdienten Treffer der Wiesbadener zum 1:0 war zwar etwas, was man grundsätzlich erwarten darf. Es war aber etwas, was in der aktuellen Phase (nach Elversberg und Osnabrück) schwer für die Mannschaft war. Und: Ich habe nicht hervorgehoben, dass man dominiert hat, sondern dass man defensiv stabil stand und eben nicht so anfällig für Konter war wie in den letzten Saisons.
Wovor hast du Angst? Wem bist du was schuldig?
Ich habe nur vor Dir und Deiner enttarnenden Analyse Angst… 😉 Und im Ernst: Ich schulde niemandem etwas. Weder beim HSV, noch hier. Also auch Dir schulde ich gar nichts. Und trotzdem mache ich mir die Mühe und antworte Dir ausführlich. Man kann sich doch nicht jahrelang an den nackten Fakten vorbeirelativieren. Man muss sich doch als Journalist – und das gilt noch mehr für die anderen lokalen Schreiber – mal an den Fakten und Ergebnissen orientieren! Die sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Ein Punkt von möglichen neun gegen die Aufsteiger. Auswärts bisher generell ungenügend. Hannover war die Ausnahme. So kann man nie und nimmer aufsteigen!
Dass ein Punkt aus drei Auswärtsspielen bei Aufsteigern für den Aufstieg zu wenig ist, ist klar. Fünf Punkte aus fünf Auswärtsspielen zeigt, dass der HSV hier ein Problem nicht in den Griff bekommt. Wobei das Spiel in Wiesbaden hier noch ebenso wie die Partie in Hannover gute Ansätze in der Defensive geliefert hat. Und ich wiederhole mich zwar, aber ich muss es offenbar auch: Ich analysiere jedes Spiel für sich. Und sobald Walter die Offensive UND die Defensive zusammen funktionieren lässt, sind wir da, wo es wirklich GUT ist. Bis dahin sprechen wir hier nur über Entwicklungen in die richtige und/oder eben falsche Richtung.
Die Truppe spielt sich einen Wolf, spielt aber kaum echte Chancen heraus. Es sieht doch wirklich jede(r), dass es so nicht funktionieren wird.
Der HSV erspielt sich ligaweit am zweitmeisten Großchancen und schießt am zweitmeisten auf das gegnerische Tor. Offensiv war es in Wiesbaden nicht effektiv – aber dass der HSV in jedem Spiel seine Torchancen bekommt, ist wohl unbestritten.
Die Mannschaft braucht neue Impulse von einem richtigen Trainer und einem richtigen Sportvorstand!
Alles neu – und das wird dann so schnell besser, dass der HSV ganz oben dranbleibt? Das halte ich für eine steile These. Ich sehe aber zwingend Veränderungsbedarf im taktischen Bereich beim HSV. Wie zuletzt ansatzweise zu sehen. Sollte sich Walter dem aber wieder verschließen, bin ich bei Dir und würde zum Winter hin Walters Position diskutieren.
Die Spieler würden es selbst nie einräumen, stehen aber nach dem Spiel völlig ratlos in Wiesbaden auf der Wiese und baden in ihren Wehen. Sie wissen nicht weiter. Die kurzen Ecken funktionieren anscheinend auch nur bei Wiesbaden. Beim HSV nie. Was soll diese Shice?
Keine Ahnung. Ich halte kurze Ecken für ein gutes Stilmittel, wenn man daraus einen Raumgewinn erzielt. Dieser fehlte mir beim HSV. Von daher stimme ich Dir hier zu. Jeder, der mal Fußball gespielt hat, weiß ganz genau, dass kurze Ecken Blödsinn sind. Wenn nicht gerade der dumme HSV der Gegner ist…
Das halte ich so pauschal für haltlos.
Das Gegentor war kein Zufall. Walter hatte kurz zuvor die Defensive per Auswechselungen liquidiert. Was für Schwachsinnswechsel!
Auch ich war über die wilden Wechsel überrascht. Und dass sie für kurzzeitige Verwirrung gesorgt haben können, ist eine These, die ich nicht widerlegen kann. Vorne stehen sich die Offensivleute gegenseitig im Weg, hinten steht kaum noch jemand.
Falsch. Der HSV steht defensiv insgesamt deutlich stabiler und besser als in den letzten Jahren. Zumindest läuft man nicht mehr so oft blind in Konter.
Deshalb konnte die Ausnahmetruppe aus Hessen auch ihre kurze Ecke völlig unbedrängt ausführen. Ordnung in der HSV-Defensive war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden. Walter hatte ja – s. o. – entsprechend ausgewechselt.
Andererseits passieren Fehler im HSV-Spiel, die sich schwer erklären lassen. Warum beispielsweise stört Glatzel bei dieser kurzen Ecke nicht den Kopfball spielenden Gegner? Warum lässt Heuer Fernandes den Ball nach vorn prallen, anstatt ihn zur Seite zu lenken? Und warum pennt van der Brempt komplett beim Nachsetzen?
Man kann nicht so viel essen, wie man kot… möchte, weil dieser „Trainer“ nicht mehr zu ertragen ist. Weder auf der PK noch auf der Bank. Die rotzigen Antworten auf der PK spiegeln nur seine Performance auf der Bank. Einfach nur niveaulos, unverschämt und respektlos.
Dass Walter bei den Pressekonferenzen ist, wie er ist, ist einer meiner Gründe, weshalb ich diese Pks nicht mehr besuche. Ich halte sie in großen Teilen für Zeitverschwendung, weil Walter eben nicht auf Fragen eingeht, sondern seine Standards wiederholt. Das respektlose Verhalten sehe ich allerdings nicht als dauerhaft – aber dafür zuletzt als gegeben an. Hier muss ein Trainer mit Walters Erfahrung meiner Meinung nach souveräner agieren und antworten.
Es muss doch irgendjemanden im HSV geben, der die diese glasklaren Dinge erkennt. Ist der HSV wirklich auf allen Ebenen verblödet?
Sicher nicht.
Und warum legt immer nur der Kicker – die einzige objektive unparteiliche mediale Instanz – den Finger in die Wunde?
Oh Mann, erst kritisierst Du mich als zu kritisch, jetzt als zu wenig kritisch? Nehme ich so hin. Aber ich werde weiterhin nur das schreiben, was ich sehe und meine. Ich werde sicher nicht schreiben, was Du und andere hören bzw. lesen wollen.
Wovor hat die Hamburger Journaille eigentlich Angst? Hat Boldt alle – außer den Braunschweiger Sebastian Wolff vom Kicker – „aufgeschaltet“?
Nein. Die PK zu boykottieren ist wie desertieren. Lautstark, ehrlich und objektiv Kommentieren wäre die bessere Lösung.
Zur Wahrheit gehört aber eben auch, dass vor der Pressekonferenz immer auch Fragerunden mit dem Trainer am Trainingsrand stattfinden, auf der man sehr gerade und ehrliche Fragen stellt. Dort werden die richtigen Fragen gestellt und teilweise beantwortet. Die Pressekonferenzen sind eine DFL-Auflage und eigentlich nur noch für die interessant, die sonst nicht dazu kommen, den Trainer zu befragen.
Und bitte ein Update zum Aufsichtsrat, Scholle: Was machen die eigentlich? Was macht Jansen? Was sagt Kühnes Abgesandter? Wozu ist Hasenfuß eigentlich AR-Boss?
Der Aufsichtsrat ist operativ nicht verantwortlich, von daher ist es gut, dass hier nicht wieder wilde Statements wie zuletzt von Kühne selbst kommen. Allerdings habe auch ich das Gefühl, dass der in sich unstimmige Aufsichtsrat längst politisiert hat und wie viele vorige Zusammenstellungen auch nichts Gutes bewirkt. Das ist doch nur noch blamabel und lächerlich. Man kann doch nicht einfach abtauchen, wenn man so ein Amt inne hat. Oder ist die Schwäche und Ahnungslosigkeit der Räte doch noch viel schlimmer, als wir bisher geglaubt haben? Wobei das eigentlich nicht mehr möglich ist. Die können es doch nicht einfach so laufen lassen.
Das stimmt, sie müssen immer kontrollieren und ggf. eingreifen, wenn gefährliche Tendenzen zu erkennen sind.
Also Scholle, einmal drüber schlafen und dann bitte Klartext!
Ich hoffe, dass ich Dir ein wenig erklären konnte, warum ich in einigen Punkten eine offensichtlich andere Meinung als Du vertrete.
Ergebnisse are the real thing, nicht dieses dominante Quergeschiebe mit kurzen Ecken. Das kann man sich nicht mehr geben.
Aber nur Ergebnisse sind kein guter Ratgeber. Es geht immer um die Entwicklung. Wenn die stagniert (was schon der Fall war) oder sogar ins Negative verkehrt, dann muss etwas geändert werden. Und sobald das der Fall ist bzw. sobald ich das so sehe, werde ich es so sagen und schreiben.
BATMAN schrieb:
Oh mein Gott. Was für ein Block ist das denn bitte Scholle. Dann schreib lieber was über die HSV Frauen denn die wollen den sportlichen Erfolg, haben ein klares Ziel und spielen auch so Ihre Spiele. Es trennen Welten von der Einstellung der Frauen und der Männer.
Ich habe tatsächlich noch kein Spiel der Frauen gesehen, daher schreibe ich auch nicht darüber. Aber wenn Du so viele Spiele siehst, würde es mich freuen, Deine Analysen hier zu lesen. Im Ernst!
Der Bericht spielgelt das wieder was beim HSV abgeht. Friede, Freude ,Eierkuchen. Es geht seit mehr als 1 Jahr gar nicht mehr um den sportlichen Ehrgeiz sondern nur noch um eine Show zu bieten um medial immer im Rampenlicht zu stehen, damit gut Leute ins Stadion kommen um nachher sagen zu können war doch ein Spektakel. Das spielgelt sich auch durch die Hamburger Medien wieder. Es wird doch nichts mehr wirklich hinterfragt.
In meinem Artikel beschreibe ich das Spiel in Wiesbaden, nicht die gesamte Saison und schon gar nicht die Geschehnisse der letzten fünf Jahre. Den Showfaktor habe ich so oft kritisiert, dass es mich schon selbst nervt. Denn hier geht es nicht um Show oder Spektakel, sondern darum, aufzusteigen.
Auch die Benotungen weichen sowas von der Realität ab. Wie kann man immer nur alles schönreden bei bestimmten Spieler. Beispiel Jatta: Erfüllt seine defensive Aufgaben ganz gut. Aber bitte wenn von 10 Flanken 9,5 Kreisklassen Format haben was bringt das denn? Und das seit Jahren. Würden nur 2-3 gezielt kommen würden eventuell Tore daraus fallen.
Steht sinngemäß so in meiner Einzelkritik. Beispiel Meffert: Der langsamste und torungefährlichste Spieler bis runter in die Regionalliga. Sorry das ich so. Zu sagen er hält die defensive zusammen kann gar nicht stimmen denn sonst hätten wir nicht so viele Gegentore.
Das ist mal eine Schlussfolgerung. Ein Meffert kann nicht gut spielen, wenn der HSV viele Gegentore kriegt? Im Walter-Fußball? Meinst Du das ernst oder war das ironisch? Zu Meffert: Statistisch holt der HSV ohne ihn exponentiell weniger Punkte als mit ihm. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass er der wichtigste Spieler des Teams ist? Sicher nicht. Es zeigt aber, dass Meffert eine Qualität ins Team bringt, die nicht so offenkundig ist wie Tore von Glatzel oder Glanzparaden von heuer Fernandes. Beispiel Reis: Ja er läuft viel und kämpft und versucht das Spiel anzutreiben, aber er verliert über 50 % seiner gewonnen Zweikämpfe wieder sofort durch blindes Dribbeln oder schlampige Pässe zum Mitspieler. Und er fordert viel zu viel den Ball. Für mich gehört er auf die 6 und nur mit der Aufgabe den Ball zu erobern und sofort abzuspielen . Das ist effektiver.
Reist ist in den letzten Jahren vom Sechser zum Achter geworden und einer der torgefährlichen Mittelfeldspieler. Dass Reis die Bälle zu leicht verliert, halte ich für inhaltlich falsch. Man kann zu mindestens 5-7 Leuten was sagen wo die Realität was anders sagt als geschrieben wird.
Das verstehe ich leider inhaltlich nicht. Was meinst Du hier genau?
Nein dieser HSV wird unter Walter/Boldt es nicht ansatzweise schaffen, den HSV irgendwann mal in die 1 Liga zu bringen. So sieht die Realität aus. Nur ein Trainer, der weiss worauf es heutzutage ankommt beim Fussball, der würde Erfolg bringen. So ein Typ wie Sandro Wagner.
Ja – und nein. Welche Qualitäten zeichnen denn beispielsweise Sandro Wagner so aus, dass er den Aufstieg mit dem HSV sicher schaffen würde? Allerdings bin ich bei Dir, dass der HSV in Person von Walter und Boldt schon etliche Entwicklungsschritte deutlich aufgezeigt und fälschlich ignoriert hat.
In diesem Sinne Schönen Sonntag.
Danke. Hatte ich. Dir einen schönen Start in die neue Woche!
mit viel Freude, noch mehr Erstaunen und teilweise auch einer gewissen Portion Unverständnis habe ich Eure Kommentare nach dem Spiel in Wiesbaden gelesen. Ich werde die Länderspielpause auch dazu nutzen, darauf einzugehen. Allerdings nicht heute. Denn heute will ich nur vorab über den Gedanken sprechen, ich hätte irgendwas „schöngeredet“. Denn hier scheinen viele von Euch nicht bemerkt zu haben, dass Blitzfazits und auch Spielberichte vor allem Momentaufnahmen sind. Und in diesem Fall hat der HSV in Wiesbaden sehr vieles von dem umgesetzt, was ich nach Elversberg und Osnabrück so kritisiert hatte. Aber der Reihe nach.
In Wiesbaden hat der HSV nicht deshalb zwei Punkte zu wenig geholt, weil er ins offene Messer gerannt ist, wie zuvor des Öfteren bei den sehr tief stehenden Gegnern der Fall war. Im Gegenteil: In Wiesbaden hat der HSV sehr konsequent verteidigt, stand sicher und stabil – allein die Tore zu schießen wurde verpasst. Und dann kam, was immer passiert, wenn man sich zu oft über etwas unterhält: Es tritt genau das ein, was nicht eintreten darf – in diesem Fall der Rückstand mit dem in der 81. Minute gerade erst zweiten (!) Schuss aufs HSV-Tor – oder besser gesagt: per Kopfball, den Robert Glatzel nicht zu verhindern wusste, während Heuer Fernandes den Ball prallen lässt und van der Brempt nicht auf den Abpraller reagiert. Ergo: Es kam sehr viel zusammen, was taktisch nicht zu vermeiden ist.
Deshalb habe ich das Spiel auch nicht in Gänze schlecht gesehen, sondern als Fortschritt. Denn so muss der HSV spielen, wenn er gegen Aufsteiger und andere Defensivkünstler dauerhaft punkten will. Diese Geduld braucht es – und die war weder in Elversberg noch in Osnabrück vorhanden. Dass ein Punkt in Wiesbaden enttäuschend ist – keine Frage. In meinem Fazit und in meinem Blog aber bewerte ich den Spielverlauf. Und wenn wir ganz ehrlich sind: Der HSV hätte auch dieses Spiel gewinnen MÜSSEN. Ebenfalls sicher ist: Hätte Benes wie sonst sicher verwandelt, hätten sich auch die Kommentare hier gänzlich anders gelesen.
Ich sehe meine Aufgabe aber nicht darin, nach Siegen zu jubeln und nach Niederlagen zu pöbeln. Denn es gibt ebenso schlechte Spiel, die zum Sieg führen, wie es gute Spiele gibt, die im Misserfolg enden. Ich habe in den Siegphasen mit Walters Hurra-Fußball eben diesen als untauglich für den Aufstieg kritisiert, wie ich das Spiel in Wiesbaden jetzt verteidige. Ich fordere seit jeher Stabilität im Spiel mehr als alles andere. Denn so spannend Spiele wie gegen Schalke auch sein mögen – das darin enthaltene Risikospiel ist zu hoch.
Wer mal beim Nachbarn hingeschaut hat, wird gesehen haben, wie es geht. Denn der FC St. Pauli hat trotz der vielen Unentschieden zu Saisonbeginn immer das Gleiche gespielt. Und das war aus einer sicheren Defensive heraus der Fußball, den Walter auch sehen will. Ein Spiel, in dem jeder Spieler auf dem Platz zu jeder Zeit den Ball haben möchte, was automatisch zu viel Ballbesitz führt, wenn man gut in Bewegung ist. Der FC St. Pauli ist offensiv flexibel, defensiv stabil. Das ist die Mischung, die es braucht, um aufzusteigen.
Und obgleich es nur zwei Punkte Unterschied sind, ist der FC St. Pauli dem HSV trotz eines deutlich geringeren Kaderwertes eines voraus: Die Mannschaft hat die weitaus variablere Taktik automatisiert. Das wiederum führt dazu, dass sich alle Spieler im System ihres Coaches wohlfühlen und sicherer werden. Anders als ein Levin Öztunali beispielsweise. Aber, um das auch in diesem Zusammenhang klar zu sagen: Der HSV ist individuell keinen Deut schwächer als der FC St. Pauli oder alle anderen Zweitligisten. Er ist allerdings nicht so stabil. Weil Walter diese Stabilität erst in dieser Saison spielen lässt – und auch das auch noch nicht durchgehend. Aber genau das ist das vorrangige Thema für den Trainer. Schon lange.
In diesem Sinne, ich werde in den nächsten Tagen auf einzelne Posts eingehen. Sicher nicht auf alle. Aber auf einige von denen, die diskutabel sind. Euch allen einen schönen Mittwochabend!