Meinung

Ich schreibe, was ich sehe. Nicht, was Ihr lesen wollt

Ich hatte es vor ein paar Tagen angekündigt und werde es in dieser Woche auch so handhaben, einige Eurer Posts hier zu beantworten bzw. auf einige Thesen Eurerseits einzugehen.…

Ich schreibe, was ich sehe. Nicht, was Ihr lesen wollt

Ich hatte es vor ein paar Tagen angekündigt und werde es in dieser Woche auch so handhaben, einige Eurer Posts hier zu beantworten bzw. auf einige Thesen Eurerseits einzugehen. Einige werde ich direkt im Forum beantworten, andere hier via Blogbeitrag. Los geht es:

Meine Antwort auf Jörg Brettschneiders Post (sein Text ist fettgedruckt, meiner normal): 

Scholle, es kann doch nicht sein, dass du dem Kernproblem wieder aus dem Weg gehst!

Es kann doch nicht Dein Ernst sein, dass Du Dich allein zum Maßstab auserkoren hast…! Ich habe vom ersten Walter-Tag an dessen taktisches Spiel mit dem HSV kritisiert – und mache das noch immer, wenn Walter wieder in sein Phlegma verfällt. Und das im Gegensatz zu Dir übrigens, der Walter am Anfang für diesen Hurra-Fußball gelobt und mich für meine Kritik kritisiert hat. Lies mal nach!

Wehen hat vier Niederlagen in Folge einstecken müssen. Dann kommt der große Aufstiegsfavorit mit seiner teuren Truppe und schafft gerade mal ein Unentschieden. Nachdem man schon im Saarland und in Osnabrück „outperformt“ hatte…

Noch mal ganz deutlich: Ich bewerte die Spiele in den Blitzfazits immer zuerst für sich. Im Talk unter der Woche werden dann die Entwicklungen zum Kernthema. Und das Spiel in Wehen hat den positiven Ansatz, defensiv stabiler zu stehen, geliefert. Allein offensiv war der HSV in diesem Spiel nicht effektiv (genug). Und ganz nebenbei: Trotzdem hatte man die 100-prozentige Chance, das Spiel zu gewinnen

Wo soll da noch irgendetwas gut sein? Dass man einen biederen Aufsteiger dominiert, darf ja wohl erwartet werden! Warum hebst du das überhaupt hervor, Scholle?

Weil ich im Gegensatz zu Dir offenbar weiß, wie schwer es ist, gegen vermeintlich kleine Gegner zu spielen, die sich sehr tief in der eigenen Defensive verschanzen und dann kontern. Ich kenne es auch, wie eine Mannschaft verkopft, wenn es nicht läuft. Da wieder rausziko0mmen wie nach dem völlig unverdienten Treffer der Wiesbadener zum 1:0 war zwar etwas, was man grundsätzlich erwarten darf. Es war aber etwas, was in der aktuellen Phase (nach Elversberg und Osnabrück) schwer für die Mannschaft war. Und: Ich habe nicht hervorgehoben, dass man dominiert hat, sondern dass man defensiv stabil stand und eben nicht so anfällig für Konter war wie in den letzten Saisons.

Wovor hast du Angst? Wem bist du was schuldig?

Ich habe nur vor Dir und Deiner enttarnenden Analyse Angst… ;-) Und im Ernst: Ich schulde niemandem etwas. Weder beim HSV, noch hier. Also auch Dir schulde ich gar nichts. Und trotzdem mache ich mir die Mühe und antworte Dir ausführlich.
Man kann sich doch nicht jahrelang an den nackten Fakten vorbeirelativieren. Man muss sich doch als Journalist – und das gilt noch mehr für die anderen lokalen Schreiber – mal an den Fakten und Ergebnissen orientieren! Die sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Ein Punkt von möglichen neun gegen die Aufsteiger. Auswärts bisher generell ungenügend. Hannover war die Ausnahme. So kann man nie und nimmer aufsteigen!

Dass ein Punkt aus drei Auswärtsspielen bei Aufsteigern für den Aufstieg zu wenig ist, ist klar. Fünf Punkte aus fünf Auswärtsspielen zeigt, dass der HSV hier ein Problem nicht in den Griff bekommt. Wobei das Spiel in Wiesbaden hier noch ebenso wie die Partie in Hannover gute Ansätze in der Defensive geliefert hat. Und ich wiederhole mich zwar, aber ich muss es offenbar auch: Ich analysiere jedes Spiel für sich. Und sobald Walter die Offensive UND die Defensive zusammen funktionieren lässt, sind wir da, wo es wirklich GUT ist. Bis dahin sprechen wir hier nur über Entwicklungen in die richtige und/oder eben falsche Richtung. 

Die Truppe spielt sich einen Wolf, spielt aber kaum echte Chancen heraus. Es sieht doch wirklich jede(r), dass es so nicht funktionieren wird.

Der HSV erspielt sich ligaweit am zweitmeisten Großchancen und schießt am zweitmeisten auf das gegnerische Tor. Offensiv war es in Wiesbaden nicht effektiv – aber dass der HSV in jedem Spiel seine Torchancen bekommt, ist wohl unbestritten.

Die Mannschaft braucht neue Impulse von einem richtigen Trainer und einem richtigen Sportvorstand!

Alles neu – und das wird dann so schnell besser, dass der HSV ganz oben dranbleibt? Das halte ich für eine steile These. Ich sehe aber zwingend Veränderungsbedarf im taktischen Bereich beim HSV. Wie zuletzt ansatzweise zu sehen. Sollte sich Walter dem aber wieder verschließen, bin ich bei Dir und würde zum Winter hin Walters Position diskutieren. 

Die Spieler würden es selbst nie einräumen, stehen aber nach dem Spiel völlig ratlos in Wiesbaden auf der Wiese und baden in ihren Wehen. Sie wissen nicht weiter. Die kurzen Ecken funktionieren anscheinend auch nur bei Wiesbaden. Beim HSV nie. Was soll diese Shice?

Keine Ahnung. Ich halte kurze Ecken für ein gutes Stilmittel, wenn man daraus einen Raumgewinn erzielt. Dieser fehlte mir beim HSV. Von daher stimme ich Dir hier zu.
Jeder, der mal Fußball gespielt hat, weiß ganz genau, dass kurze Ecken Blödsinn sind. Wenn nicht gerade der dumme HSV der Gegner ist…

Das halte ich so pauschal für haltlos.

Das Gegentor war kein Zufall. Walter hatte kurz zuvor die Defensive per Auswechselungen liquidiert. Was für Schwachsinnswechsel!

Auch ich war über die wilden Wechsel überrascht. Und dass sie für kurzzeitige Verwirrung gesorgt haben können, ist eine These, die ich nicht widerlegen kann. 
Vorne stehen sich die Offensivleute gegenseitig im Weg, hinten steht kaum noch jemand.

Falsch. Der HSV steht defensiv insgesamt deutlich stabiler und besser als in den letzten Jahren. Zumindest läuft man nicht mehr so oft blind in Konter. 

Deshalb konnte die Ausnahmetruppe aus Hessen auch ihre kurze Ecke völlig unbedrängt ausführen. Ordnung in der HSV-Defensive war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden. Walter hatte ja – s. o. – entsprechend ausgewechselt.

Andererseits passieren Fehler im HSV-Spiel, die sich schwer erklären lassen. Warum beispielsweise stört Glatzel bei dieser kurzen Ecke nicht den Kopfball spielenden Gegner? Warum lässt Heuer Fernandes den Ball nach vorn prallen, anstatt ihn zur Seite zu lenken? Und warum pennt van der Brempt komplett beim Nachsetzen?

Man kann nicht so viel essen, wie man kot… möchte, weil dieser „Trainer“ nicht mehr zu ertragen ist. Weder auf der PK noch auf der Bank. Die rotzigen Antworten auf der PK spiegeln nur seine Performance auf der Bank. Einfach nur niveaulos, unverschämt und respektlos.

Dass Walter bei den Pressekonferenzen ist, wie er ist, ist einer meiner Gründe, weshalb ich diese Pks nicht mehr besuche. Ich halte sie in großen Teilen für Zeitverschwendung, weil Walter eben nicht auf Fragen eingeht, sondern seine Standards wiederholt. Das respektlose Verhalten sehe ich allerdings nicht als dauerhaft – aber dafür zuletzt als gegeben an. Hier muss ein Trainer mit Walters Erfahrung meiner Meinung nach souveräner agieren und antworten.

Es muss doch irgendjemanden im HSV geben, der die diese glasklaren Dinge erkennt.
Ist der HSV wirklich auf allen Ebenen verblödet?

Sicher nicht.

Und warum legt immer nur der Kicker – die einzige objektive unparteiliche mediale Instanz – den Finger in die Wunde?

Oh Mann, erst kritisierst Du mich als zu kritisch, jetzt als zu wenig kritisch? Nehme ich so hin. Aber ich werde weiterhin nur das schreiben, was ich sehe und meine. Ich werde sicher nicht  schreiben, was Du und andere hören bzw. lesen wollen.

Wovor hat die Hamburger Journaille eigentlich Angst? Hat Boldt alle – außer den Braunschweiger Sebastian Wolff vom Kicker – „aufgeschaltet“?

Nein.
Die PK zu boykottieren ist wie desertieren. Lautstark, ehrlich und objektiv Kommentieren wäre die bessere Lösung.

Zur Wahrheit gehört aber eben auch, dass vor der Pressekonferenz immer auch Fragerunden mit dem Trainer am Trainingsrand stattfinden, auf der man sehr gerade und ehrliche Fragen stellt. Dort werden die richtigen Fragen gestellt und teilweise beantwortet. Die Pressekonferenzen sind eine DFL-Auflage und eigentlich nur noch für die interessant, die sonst nicht dazu kommen, den Trainer zu befragen.

Und bitte ein Update zum Aufsichtsrat, Scholle: Was machen die eigentlich? Was macht Jansen? Was sagt Kühnes Abgesandter? Wozu ist Hasenfuß eigentlich AR-Boss?

Der Aufsichtsrat ist operativ nicht verantwortlich, von daher ist es gut, dass hier nicht wieder wilde Statements wie zuletzt von Kühne selbst kommen. Allerdings habe auch ich das Gefühl, dass der in sich unstimmige Aufsichtsrat längst politisiert hat und wie viele vorige Zusammenstellungen auch nichts Gutes bewirkt.
Das ist doch nur noch blamabel und lächerlich. Man kann doch nicht einfach abtauchen, wenn man so ein Amt inne hat. Oder ist die Schwäche und Ahnungslosigkeit der Räte doch noch viel schlimmer, als wir bisher geglaubt haben? Wobei das eigentlich nicht mehr möglich ist. Die können es doch nicht einfach so laufen lassen.

Das stimmt, sie müssen immer kontrollieren und ggf. eingreifen, wenn gefährliche Tendenzen zu erkennen sind.

Also Scholle, einmal drüber schlafen und dann bitte Klartext!

Ich hoffe, dass ich Dir ein wenig erklären konnte, warum ich in einigen Punkten eine offensichtlich andere Meinung als Du vertrete.

Ergebnisse are the real thing, nicht dieses dominante Quergeschiebe mit kurzen Ecken. Das kann man sich nicht mehr geben.

Aber nur Ergebnisse sind kein guter Ratgeber. Es geht immer um die Entwicklung. Wenn die stagniert (was schon der Fall war) oder sogar ins Negative verkehrt, dann muss etwas geändert werden. Und sobald das der Fall ist bzw. sobald ich das so sehe, werde ich es so sagen und schreiben.

BATMAN schrieb: 

Oh mein Gott. Was für ein Block ist das denn bitte Scholle. Dann schreib lieber was über die HSV Frauen denn die wollen den sportlichen Erfolg, haben ein klares Ziel und spielen auch so Ihre Spiele. Es trennen Welten von der Einstellung der Frauen und der Männer.

Ich habe tatsächlich noch kein Spiel der Frauen gesehen, daher schreibe ich auch nicht darüber. Aber wenn Du so viele Spiele siehst, würde es mich freuen, Deine Analysen hier zu lesen. Im Ernst!

Der Bericht spielgelt das wieder was beim HSV abgeht. Friede, Freude ,Eierkuchen. Es geht seit mehr als 1 Jahr gar nicht mehr um den sportlichen Ehrgeiz sondern nur noch um eine Show zu bieten um medial immer im Rampenlicht zu stehen, damit gut Leute ins Stadion kommen um nachher sagen zu können war doch ein Spektakel. Das spielgelt sich auch durch die Hamburger Medien wieder. Es wird doch nichts mehr wirklich hinterfragt.

In meinem Artikel beschreibe ich das Spiel in Wiesbaden, nicht die gesamte Saison und schon gar nicht die Geschehnisse der letzten fünf Jahre. Den Showfaktor habe ich so oft kritisiert, dass es mich schon selbst nervt. Denn hier geht es nicht um Show oder Spektakel, sondern darum, aufzusteigen.  

Auch die Benotungen weichen sowas von der Realität ab. Wie kann man immer nur alles schönreden bei bestimmten Spieler. Beispiel Jatta: Erfüllt seine defensive Aufgaben ganz gut. Aber bitte wenn von 10 Flanken 9,5 Kreisklassen Format haben was bringt das denn? Und das seit Jahren. Würden nur 2-3 gezielt kommen würden eventuell Tore daraus fallen.

Steht sinngemäß so in meiner Einzelkritik.
Beispiel Meffert: Der langsamste und torungefährlichste Spieler bis runter in die Regionalliga. Sorry das ich so. Zu sagen er hält die defensive zusammen kann gar nicht stimmen denn sonst hätten wir nicht so viele Gegentore.

Das ist mal eine Schlussfolgerung. Ein Meffert kann nicht gut spielen, wenn der HSV viele Gegentore kriegt? Im Walter-Fußball? Meinst Du das ernst oder war das ironisch? Zu Meffert: Statistisch holt der HSV ohne ihn exponentiell weniger Punkte als mit ihm. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass er der wichtigste Spieler des Teams ist? Sicher nicht. Es zeigt aber, dass Meffert eine Qualität ins Team bringt, die nicht so offenkundig ist wie Tore von Glatzel oder Glanzparaden von heuer Fernandes.
Beispiel Reis: Ja er läuft viel und kämpft und versucht das Spiel anzutreiben, aber er verliert über 50 % seiner gewonnen Zweikämpfe wieder sofort durch blindes Dribbeln oder schlampige Pässe zum Mitspieler. Und er fordert viel zu viel den Ball. Für mich gehört er auf die 6 und nur mit der Aufgabe den Ball zu erobern und sofort abzuspielen . Das ist effektiver.

Reist ist in den letzten Jahren vom Sechser zum Achter geworden und einer der torgefährlichen Mittelfeldspieler. Dass Reis die Bälle zu leicht verliert, halte ich für inhaltlich falsch. 
Man kann zu mindestens 5-7 Leuten was sagen wo die Realität was anders sagt als geschrieben wird.

Das verstehe ich leider inhaltlich nicht. Was meinst Du hier genau? 

Nein dieser HSV wird unter Walter/Boldt es nicht ansatzweise schaffen, den HSV irgendwann mal in die 1 Liga zu bringen. So sieht die Realität aus. Nur ein Trainer, der weiss worauf es heutzutage ankommt beim Fussball, der würde Erfolg bringen. So ein Typ wie Sandro Wagner.

Ja – und nein. Welche Qualitäten zeichnen denn beispielsweise Sandro Wagner so aus, dass er den Aufstieg mit dem HSV sicher schaffen würde? Allerdings bin ich bei Dir, dass der HSV in Person von Walter und  Boldt schon etliche Entwicklungsschritte deutlich aufgezeigt und fälschlich ignoriert hat.

In diesem Sinne Schönen Sonntag. 

Danke. Hatte ich. Dir einen schönen Start in die neue Woche!

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