Sieben Millionen für Baldé: Chance - und ein klarer Auftrag
Sieben Millionen für Fabio Baldé? Ein starker Deal für den HSV! Doch der überraschende Geldregen ist kein Glücksfall, sondern ein klarer Auftrag.

Der Wechsel von Fabio Baldé zu Racing Straßburg steht unmittelbar bevor. Der 21 Jahre alte Flügelspieler bringt dem HSV eine Ablösesumme von gut sieben Millionen Euro ein, die durch Bonuszahlungen noch weiter steigen kann. Angesichts seiner überschaubaren Einsatzzeit ist das ein bemerkenswerter Deal: In der vergangenen Bundesliga-Saison kam das Hamburger Eigengewächs lediglich auf 440 Spielminuten, ein Tor und eine Vorlage. Während Baldé sein großes Potenzial vor allem mit seiner Athletik und seinem hohen Tempo immer wieder andeutete, verhinderten Verletzungen und kleinere körperliche Beschwerden bislang den endgültigen Durchbruch beim HSV.
Mit dem Verkauf an den zum BlueCo-Konsortium gehörenden französischen Erstligisten verschafft sich der HSV zusätzlichen finanziellen Spielraum für den Transfer-Endspurt. Gleichzeitig wirft der Deal grundsätzliche Fragen auf: War es richtig, Baldé schon jetzt zu verkaufen? Hätte der HSV auf eine weitere sportliche und wirtschaftliche Wertsteigerung setzen sollen? Und wie müssen die Einnahmen nun investiert werden, damit der Verein langfristig von diesem Transfer profitiert?
Ein überraschend lukrativer Deal
Über die Zukunft von Baldé haben wir auch in unseren Experten-Talks immer wieder diskutiert – und Stefan Schnoor und ich haben dabei durchaus unterschiedliche Positionen vertreten. Stefan war der Meinung, der HSV solle Baldé weiter ausbilden und versuchen, noch mehr Wertsteigerung aus diesem Spieler herauszuholen. Ich habe dagegen immer gesagt: In der aktuellen Situation muss der HSV Baldé bei einem vernünftigen Angebot verkaufen. Meine persönliche Schmerzgrenze lag damals sogar schon bei fünf bis sechs Millionen Euro.
Dass der HSV jetzt rund sieben Millionen Euro plus Boni bekommt, ist für mich erstaunlich. Ganz ehrlich: Ich kann mir noch nicht vollständig erklären, was die Verantwortlichen in Straßburg dazu bewogen hat, eine derart hohe Summe zu bieten. Aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul. Deshalb darf sich der HSV zunächst einmal über diesen warmen Geldregen freuen.
Kein Geld für Kokolores
Entscheidend ist allerdings, was der Verein jetzt mit diesem Geld macht. Dieser Transfer darf nicht einfach nur als glücklicher Coup gefeiert werden. Er muss vielmehr Motivation und Auftrag zugleich sein, die Einnahmen sinnvoll und möglichst gewinnbringend zu reinvestieren: in Spieler, die den HSV sportlich stärker machen, sich in Hamburg weiterentwickeln und dem Klub später vielleicht selbst wieder einen erheblichen Transfergewinn einbringen.
Die gesamte Summe beispielsweise in einen Fabio Vieira zu investieren, wäre aus meiner Sicht natürlich Kokolores. Das kann nicht der Weg des HSV sein. Der Verein muss die Einnahmen klug verteilen und eine nachhaltige Transferstrategie verfolgen.
Denn wir sprechen hier nicht nur über das aktuelle Transferfenster. Der HSV muss in den kommenden Jahren – und ich betone ausdrücklich die Mehrzahl – regelmäßig Gewinne durch Spielerverkäufe erzielen, um sich finanziell weiter zu stabilisieren. Davon ist der Klub noch ein gutes Stück entfernt. Zwar fällt das Minus in diesem Jahr möglicherweise deutlich geringer aus als zunächst befürchtet. Einen Transferüberschuss, wie ihn andere Bundesligisten durch ihre Verkäufe ins Ausland und insbesondere in die Premier League regelmäßig erwirtschaften, wird der HSV aber wohl noch nicht erreichen.
Der Weg zur langfristigen Stabilität
Genau diesen Weg muss der Verein erst noch gehen. Der Verkauf von Fabio Baldé ist ein Anfang auf einem Niveau, das den aktuellen Stellenwert des HSV realistisch widerspiegelt. Das ist überhaupt nicht despektierlich gemeint. Der HSV ist Aufsteiger und muss sich zunächst wieder dauerhaft in der Bundesliga etablieren.
Sportlich befindet sich die Mannschaft aus meiner Sicht auf einem sehr guten Weg – darüber waren sich auch Stefan Schnoor und ich einig. Wirtschaftlich ist der HSV aber noch längst nicht an dem Punkt, selbst regelmäßig hohe Ablösesummen zahlen zu können. Der Verein muss zunächst seine Hausaufgaben erledigen. Das langfristige Ziel muss sein, aus Transfers wie den sieben Millionen Euro für Baldé irgendwann Verkäufe über 50, 60 oder vielleicht sogar 70 Millionen Euro zu entwickeln.
Dafür muss der HSV seine Nachwuchsarbeit konsequent stärken und gleichzeitig hervorragend scouten. Es geht darum, junge Spieler frühzeitig zu erkennen, ihnen eine echte Perspektive zu bieten und sie gezielt weiterzuentwickeln. Mit Luka Vušković hat der HSV in der vergangenen Saison bereits gezeigt, dass Hamburg jungen Spielern die Bühne geben kann, die sie für den nächsten großen Karriereschritt benötigen. Dieses Image gilt es dauerhaft zu pflegen, um es in den Gesprächen mit Toptalenten einfacher zu haben. Aber auch hier steht der HSV erst am Anfang.
Deshalb darf man sich über den Baldé-Deal kurz freuen. Anschließend muss man ihn aber als Motivation und vor allem als klare Aufgabe begreifen.
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