Meinung

Abschied von einer HSV-Eiche: Zum Tod von Peter Nogly

Trauer beim HSV: Der frühere Kapitän, Meister und Europapokalsieger Peter Nogly ist mit 79 Jahren gestorben. Ein Nachruf auf eine echte Vereins-Eiche.

Abschied von einer HSV-Eiche: Zum Tod von Peter Nogly

Mit Peter Nogly ist einer der ganz großen HSV-Spieler gestorben. Der frühere Kapitän, deutsche Meister, Pokalsieger und Europapokalsieger wurde 79 Jahre alt. Für den HSV ist das ein schwerer Verlust – und für mich persönlich ebenfalls ein trauriger Moment.

Ich hatte zu Zeiten von Matz ab das große Glück, häufiger gemeinsam mit Peter Nogly und meinem Freund Dieter Matz Sendungen aufzeichnen zu dürfen. Ich durfte Peter auch privat kennenlernen. Und was mir von ihm besonders in Erinnerung bleibt, ist weniger der große Titelträger als der Mensch: ehrlich, bodenständig, unaufgeregt und dem HSV tief verbunden. Er wollte diesem Verein nicht nur als Spieler, sondern auch viele Jahre später immer zu 100 Prozent etwas Gutes.

Prägende Epoche und beeindruckende Zahlen

Nogly kam 1969 von Phönix Lübeck zum HSV und prägte eine der erfolgreichsten Epochen der Vereinsgeschichte. 1976 gewann er den DFB-Pokal, 1977 den Europapokal der Pokalsieger und 1979 die deutsche Meisterschaft. Insgesamt absolvierte er 414 Pflichtspiele für den HSV und erzielte dabei 52 Tore – bemerkenswerte Zahlen für einen Verteidiger. 122-mal führte er die Mannschaft in der Bundesliga als Kapitän aufs Feld. Nur Uwe Seeler trug die Binde häufiger.

Sein Spitzname „Eiche“ passte perfekt. Nogly war hart, robust und verlässlich, aber nie unfair. Trotz seiner kompromisslosen Spielweise sah er in seiner gesamten Karriere keine Rote Karte. Er selbst erklärte das einmal trocken damit, dass er selten zu spät gekommen sei, sondern meistens schon da gewesen wäre. Genau dieser Humor und diese Bodenständigkeit gehörten zu ihm.

Dabei war Nogly weit mehr als nur ein beinharter Verteidiger. Er war stark im Stellungsspiel, kopfballgefährlich und auch offensiv immer wieder präsent. Sein Treffer im DFB-Pokalfinale 1976 gehörte zu seinen größten Momenten, ebenso wie sein spektakulärer Flugkopfball gegen Borussia Mönchengladbach, der zum Tor des Monats gewählt wurde.

Eng verbunden mit dem Verein

Auch nach seiner aktiven Karriere blieb er dem Fußball und dem HSV eng verbunden. Er arbeitete als Trainer, war im Hamburger Amateurfußball unterwegs, spielte lange für Traditionsmannschaften und gehörte von 2014 bis 2017 dem Aufsichtsrat der HSV Fußball AG an. Der Verein ehrte ihn früh auf dem „Walk of Fame“, 2012 wählten ihn die Fans sogar in die Jahrhundertmannschaft.

Vielleicht sagt aber am meisten über Peter Nogly aus, wie seine ehemaligen Mitspieler heute über ihn sprechen. Horst Hrubesch nannte ihn die „Verlässlichkeit in Person“, Bernd Wehmeyer erinnerte an einen großartigen Kapitän und einen bodenständigen Menschen. Genau so habe auch ich ihn erlebt.

Peter konnte kritisch sein, aber nie aus Eitelkeit oder persönlichem Interesse. Ihm ging es immer um den HSV. Genau deshalb bleibt er für mich einer dieser Menschen, bei denen Verein und Persönlichkeit sehr eng miteinander verbunden waren.

Dass ich mit ihm gemeinsam mit Dieter Matz Sendungen machen und ihn auch außerhalb der Kameras erleben durfte, empfinde ich heute noch einmal mehr als großes Glück.

Der HSV verliert einen seiner ganz Großen.

Mach’s gut, Peter. Ruhe in Frieden, Eiche.

Diskussion

5 Kommentare

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DU
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Darmzottevor 6 Std.
Schön, dass du noch einen weiteren Blog gebracht hast, Scholle.
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Darmzottevor 5 Std.
Wie sich die Zeiten geändert haben. Nogly hatte gerade mal 4 Länderspiele. Was für eine Qualität damals im deutschen Fußball vorherrschte. Heute hätte so jemand sicher mehrere Dutzend Länderspiele.
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Schwedenhrubeschvor 5 Std.
Einer der ganz Großen, der doch immer ein wenig im Schatten der vielen damaligen HSV-Stars (damals hatte der Begriff noch seine Berechtigung) stand. Danke für alles, Eiche
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JB
Jörg Brettschneidervor 2 Std.
Peter Nogly gehört zu denjenigen, die die (wirkliche) Tradtion des HSV mitbegründet haben. Natürlich auch einige Menschen vor ihm. Tradition pflegen und bewahren heißt, die Werte dieser Menschen und deren Leistungen/Erfolge als Maßstab für die Zukunft zu setzen. "Tradition" wird heute im HSV-Umfeld leider zu oft missbraucht oder zumindest missverstanden. An Menschen wie Peter Nogly sollte man sich beim HSV noch lange erinnern und messen.
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horst.schlauvor 5 Std.
Und wieder ist ein wahren Fussballmeister von uns gegangen !!! 😮‍💨😮‍💨😮‍💨
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