Spielbericht

Traumtore und Erleichterung: HSV schlägt Gladbach verdient mit 3:1

Der HSV schlägt Borussia Mönchengladbach mit 3:1. Ein verdienter Heimsieg und wichtiger Befreiungsschlag, der jedoch nicht alle Probleme löst.

Traumtore und Erleichterung: HSV schlägt Gladbach verdient mit 3:1

Was für eine Erleichterung und was für ein wichtiger Abend für den HSV! Nach den zuletzt enttäuschenden Auftritten, der wachsenden Verunsicherung und den berechtigten Diskussionen über die sportliche Entwicklung hat die Mannschaft von Merlin Polzin endlich wieder ein Erfolgserlebnis eingefahren, das nicht nur der Tabelle, sondern vor allem auch den Köpfen guttun dürfte.

Das 3:1 gegen Borussia Mönchengladbach war ein Sieg, den der HSV dringend gebraucht hat. Nicht nur, um den Abstand zum Tabellenende zu vergrößern, sondern auch, um sich selbst und seinem Umfeld zu beweisen, dass diese Mannschaft trotz aller personellen Probleme konkurrenzfähig sein kann.

Natürlich darf man sich über diesen Erfolg erst einmal freuen. Wer nach den vergangenen Wochen nicht wenigstens für einen Abend die positiven Gefühle genießen kann, macht sich das Leben als HSV-Fan unnötig schwer. Allerdings gehört zur Wahrheit auch, dass dieser Sieg keineswegs bedeutet, dass plötzlich alles wieder gut ist. Es gibt weiterhin einige Baustellen, an denen Merlin Polzin und sein Trainerteam dringend arbeiten müssen.

Zwei Traumtore, ein Premierentreffer – und endlich wieder Grund zum Jubeln

Was Miro Muheim derzeit mit seinem linken Fuß veranstaltet, ist schon bemerkenswert. Nach seinen entscheidenden Distanztreffern gegen Hoffenheim und Stuttgart legte der Schweizer gegen Gladbach gleich den nächsten Hammer nach. Aus rund 30 Metern jagte er den Ball mit mehr als 129 km/h ins Tor. Ein Treffer, den man sich kaum schöner wünschen könnte.

Dass Muheim inzwischen beinahe regelmäßig aus solchen Entfernungen trifft, ist eine außergewöhnliche Qualität, von der der HSV enorm profitiert. Gleichzeitig zeigt sie aber auch, wie sehr die Hamburger zuletzt auf individuelle Glanzleistungen angewiesen waren. Denn so schön diese Tore sind: Eine dauerhaft funktionierende Offensive kann nicht darauf aufbauen, dass alle paar Spiele jemand aus 30 Metern den Ball in den Winkel schweißt.

Umso erfreulicher war deshalb der zweite HSV-Treffer. Ausgerechnet Shafiq Nandja, der in den vergangenen Wochen einige bittere Erfahrungen sammeln musste, stand nach einer Stunde goldrichtig und erzielte sein erstes Bundesligator.

Für den 19-Jährigen dürfte dieser Moment eine besondere Bedeutung haben. Nach seinen unglücklichen Aktionen in den zurückliegenden Begegnungen war durchaus zu erkennen, dass ihm noch Erfahrung und Sicherheit fehlen. Das ist bei einem derart jungen Spieler vollkommen normal. Umso schöner, dass er nun mit einem Tor belohnt wurde und sich damit ein Stück Selbstvertrauen zurückholen konnte.

Den Schlusspunkt setzte Albert Grönbaek mit einem weiteren Traumtor aus der Distanz. Der Däne, der vor der Pause keineswegs fehlerfrei gespielt hatte, steigerte sich im Verlauf der Partie deutlich und wurde mit seinem Treffer zum 3:1 endgültig zum entscheidenden Mann des Abends. Besonders erfreulich war dabei nicht nur das Tor. Grönbaek zeigte zunehmend, welche Qualitäten er mit seiner Technik, Kreativität und seinem Mut im Offensivspiel einbringen kann.

Der HSV war besser – aber längst nicht so stabil, wie er sein muss

So erfreulich das Ergebnis auch ist: Wer die Partie über die gesamten 90 Minuten betrachtet, wird einige Dinge gesehen haben, die weiterhin Sorgen bereiten müssen.

Bereits in der ersten Halbzeit offenbarte der HSV erneut Schwächen in der defensiven Abstimmung. Gladbach kam mehrfach zu gefährlichen Aktionen, und die Hamburger hatten durchaus Glück, dass die Gäste ihre Möglichkeiten nicht konsequenter nutzten. Auch die eigene Chancenverwertung ließ vor der Pause erheblich zu wünschen übrig.

Das Gegentor war zudem ein weiteres Beispiel dafür, dass sich der HSV durch eigene Fehler unnötig in Schwierigkeiten bringt. Ein Ballverlust im Mittelfeld, Probleme beim anschließenden Verteidigen und plötzlich war die eigentlich verdiente Führung dahin. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Die spielentscheidende Phase begann mit dem Platzverweis gegen Gladbachs Ko Itakura unmittelbar nach der Halbzeit.

Natürlich muss eine Mannschaft eine solche Überzahl erst einmal ausnutzen, und das hat der HSV gut gemacht. Allerdings wäre es falsch, daraus abzuleiten, dass der HSV über die gesamte Partie hinweg eine souveräne Vorstellung abgeliefert hätte.

Polzins Veränderungen haben Wirkung gezeigt

Positiv hervorzuheben ist, dass Merlin Polzin auf die jüngsten Entwicklungen reagiert hat. Mit Sebastiaan Bornauw kehrte ein wichtiger Spieler in die Defensive zurück, Zakaria El Ouahdi durfte von Beginn an spielen und Patson Daka erhielt im Angriff den Vorzug vor Terem Moffi.

Gerade El Ouahdi brachte mit seiner Dynamik und Aktivität Elemente ins Spiel, die dem HSV zuletzt gefehlt hatten. Auch Daka sorgte mit seiner Laufbereitschaft immer wieder für Unruhe in der Gladbacher Defensive. Die Rückkehr von Bornauw tat der Abwehr ebenfalls gut, auch wenn der Belgier noch nicht in jeder Situation die erhoffte Sicherheit ausstrahlte.

Die Länderspielpause kommt genau zur richtigen Zeit

So wichtig der Sieg gegen Gladbach war, so entscheidend wird nun der Umgang mit der anstehenden Länderspielpause. Der HSV kann die zahlreichen Ausfälle wichtiger Spieler nicht dauerhaft ohne Qualitätsverlust kompensieren.

Deshalb muss die Pause jetzt vor allem dazu genutzt werden, möglichst viele der zuletzt angeschlagenen oder verletzten Spieler wieder näher an die Mannschaft heranzuführen. Gleichzeitig bietet die spielfreie Zeit die Gelegenheit, weiter an den Abläufen zu arbeiten. Die defensive Stabilität muss verbessert werden.

Nach der Länderspielpause wartet schließlich ein ganz anderer Härtetest. Am 22. November geht es zum Nordderby gegen Werder Bremen, und spätestens dort wird sich zeigen müssen, ob der HSV aus den vergangenen Wochen gelernt hat.

Am Ende bleibt ein Abend, über den man sich als HSV-Anhänger einfach freuen darf. Drei Tore, zwei davon absolute Traumtreffer, ein Premierentor eines jungen Eigengewächses, ein ausgelassener Volkspark und vor allem drei unglaublich wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt.

In diesem Sinne: Genießt es! Und habt ein schönes, entspanntes Wochenende! Scholle

Die Einzelkritik

  • Daniel Heuer Fernandes: Er musste nicht über sich hinauswachsen. Aber er hielt alles, was zu halten war. Mehr ging nicht. Note: 2
  • Shafiq Nandja (bis 63.): Er reagiert immer, statt zu agieren. Soll heißen: Er muss einfach mehr, schneller und besser antizipieren. Das ist zweifellos etwas, was mit wachsender Erfahrung besser wird. Bei seinen gefühlt drei Metern Körpergröße dürfte man eigentlich ein besseres Kopfballspiel erwarten – dafür weniger Torgefahr mit dem Fuß. Aber: Die hatte er heute und traf zum ersten Mal in der Bundesliga. Und das war wichtig! Note: 3
  • Alexander Rössing-Lelesit (ab 63.): Bringt derzeit jedes Mal Schwung mit, wenn er reinkommt. So stellt man sich einen offensiven Einwechselspieler vor. Allerdings fehlt ihm noch Effizienz mit Ball. Da waren einige zu leichte Ballverluste dabei. Note: 3,5
  • Sebastiaan Bornauw (bis 88.): Der Abwehrchef spielte gut – bis zum Fehlpass, der fast zum 2:2 geführt hätte. Er bügelte den Fehler zwar selbst aus, aber er demonstrierte, warum der HSV aktuell nicht zu Null spielen kann. Die Hoffnungen ruhen defensiv tatsächlich auf einem Marijo Vuskovic nach vier Jahren Doping. Note: 3,5
  • Jason Bissi Mouelle (ab 89.): Noch dabei. Gut für seine Statistik.
  • Warmed Omari: Seine Weichheit hätte den HSV fast den Rückstand gekostet, als er sich in den ersten Minuten schon zu einfach wegschubsen und fallen ließ. Aber diese Szene machte ihn aggressiv und er war wach. Zumindest im Zweikampf. Am Ball fehlt ihm zu oft noch der Überblick. Aber: Er wird mutiger, traut sich das Passspiel zu, spielt lange Bälle, wenn er keinen Anspielpunkt hat. And das ist gut so! Darüber kann er sich Sicherheit holen. Bis dahin ist es noch nicht gut genug. Note: 3,5
  • Albert Sambi Lokonga (bis 80.): Besserer Beginn als das gesamte letzte Spiel. Er suchte den Ball, fand ihn und trieb das eigene Spiel an. Aber: Defensiv findet der HSV ohne Remberg im Zentrum nicht statt. Allein die schnellen Gegenstöße werden noch zu oft. Note: 3
  • Amoako (ab 81.): Machte nichts mehr falsch.
  • David Møller Wolfe: Gute erste Halbzeit mit viel Elan nach vorn, Flankenversuchen (nicht alles gelang) und einem Torschuss, den Gladbachs Keeper Batz stark parierte (36.). Wird langsam – aber ganz sicher! – besser. Ich bin gespannt, was da noch kommt. Note: 2,5
  • Miro Muheim (bis 73.): Er kann es einfach! Sorgte mit einem traumhaften Fernschuss für das 1:0 und war auch ansonsten einfach gut. Note: 2
  • Albert Grønbæk (bis 73.): Er war ebenso agil wie glücklos. Rannte, schleppte Bälle, fing Bälle ab – aber er verlor sie auch zu oft und verpasste den Zeitpunkt für den Abschluss/den Pass. Mit Beginn der zweiten Halbzeit sorgte er für Überzahl, weil er nur per Foul gestoppt werden konnte. Er wurde besser, trieb das Spiel ins vorderste Drittel – und er traf per Traumtor zum vorentscheidenden 3:1. Note: 2
  • Martin Adeline (bis 63.): Wirklich gut. Er wird immer besser. Dass er raus musste, erschloss sich ihm nicht – und mir auch absolut überhaupt nicht. Für den Franzosen kam Moffi – was für ein Fehler! Er war einer der Besten auf dem Platz! Note: 2
  • Terem Moffi (ab 64.): Er hat schon zwei Tore erzielt – und wenig lässt darauf hoffen, dass es noch mehr werden. Schwer anzusehen, wenn ein Stürmer keinen einzigen Sprint voll durchzieht. Note: 4,5
  • Patson Daka: Hellwach in der achten Minute, als er einen Rückpass der Gladbacher abfing. Aber: Den muss er dann auch machen! Mit ihm hat man aber einen Anspielpunkt, der den Ball weiterleiten, verteilen oder eben auch selbst nutzen kann. Mit ihm kann man kombinieren. Aber sein Abschluss fehlt noch, da war heute mehr drin! Note: 3,5
  • Trainer Merlin Polzin: Nachdem es zuletzt massig Kritik hagelte, fand er heute Lösungen für die weiter vorherrschende Personalnot, die sich hoffentlich über die Länderspielpause hinweg etwas lösen wird. Aber: Was waren das für wilde Wechsel? Die besten Spieler runter, offensiv wechseln bei knapper Führung? Kann man machen – solange es gut geht… Note: 3
  • Schiedsrichter Günter Perl: Er ließ heute sehr lange sehr viel durchgehen und verzichtete auf Gelbe Karten. Die Gelb-Rote war dann – wenn man diese Linie betrachtet – hart. Aber: Sie war völlig berechtigt, zumal Itakura schon in der ersten Halbzeit mit Gelb-Rot runtergemusst hätte. Auch ansonsten war das völlig okay. Note: 3

Diskussion

3 Kommentare

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JeanLuc_HHvor 42 Min.
Leider keine Einzelbenotungen der Spieler 🤷‍♂️
1
E
Echter-alwaysHSVvor 39 Min.
Dazu hatte er wohl keine Zeit mehr. Das Spiel war ha auch erst ca. 2 Stunden vorbei und er musste ja auch noch das Blitzfazit machen. Wäre aber schön, wenn die Einzelbenotung noch nachgeschoben werden könnte. Glaube aber nicht daran.
2
JeanLuc_HHvor 33 Min.
Das würde mich schon mal interessieren. Gerade mit Blick auf das Spiel in Bremen/Füllkrug habe ich die Abwehr zum Beispiel heute alles andere als sattelfest gesehen.
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