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Heute sind alle gefragt! Stoppt der HSV gegen Gladbach den Trend?

Nach den jüngsten Niederlagen steht der HSV unter erheblichem Druck. Gegen Tabellenschlusslicht Mönchengladbach braucht es im Volksparkstadion dringend eine Trendwende.

Heute sind alle gefragt! Stoppt der HSV gegen Gladbach den Trend?

Heute Abend geht es für den HSV um deutlich mehr als nur drei Punkte. Nach den Niederlagen gegen Paderborn und zweimal gegen Eintracht Frankfurt steht die Mannschaft von Merlin Polzin unter erheblichem Druck. Ausgerechnet jetzt, wo die Hamburger dringend wieder ein Erfolgserlebnis benötigen, fehlen wichtige Leistungsträger, die Defensive wirkt zunehmend verunsichert und offensiv fehlt es an Durchschlagskraft. Borussia Mönchengladbach reist zwar als Tabellenletzter in den Volkspark, hat unter Alexander Blessin zuletzt aber wieder deutlich mehr Stabilität entwickelt. Was auf dem Papier nach einer lösbaren Aufgabe aussieht, könnte deshalb zu einer der schwierigsten Prüfungen der bisherigen Saison werden. Denn der HSV muss heute Abend etwas schaffen, das ihm zuletzt kaum noch gelungen ist: defensiv sicher stehen und gleichzeitig genügend offensive Gefahr entwickeln, um ein Bundesligaspiel gewinnen zu können.

Personelle Sorgen und die Abhängigkeit von Einzelnen

Die personelle Situation macht diese Aufgabe nicht leichter. Nicolai Remberg fehlt als aggressiver Antreiber und Zweikämpfer im zentralen Mittelfeld, Fábio Vieira als kreativer Kopf und Bilal Nadir als weitere Alternative. Ob Sebastiaan Bornauw, Nicolás Capaldo und Yussuf Poulsen rechtzeitig zurückkehren können, ist weiterhin offen. Alle drei könnten der Mannschaft mit ihrer Erfahrung und ihren individuellen Qualitäten helfen, allerdings wäre es aus meiner Sicht falsch, angeschlagene Spieler nur deshalb einzusetzen, weil die sportliche Situation gerade besonders schwierig ist. Vor allem Bornauw sollte nach seinen Kopf- und Kieferbeschwerden erst dann zurückkehren, wenn er tatsächlich wieder vollständig belastbar ist. Der HSV braucht seine Leistungsträger schließlich nicht nur heute Abend, sondern auch in den kommenden Wochen. Trotzdem zeigt allein die Diskussion über ihre mögliche Rückkehr, wie abhängig die Hamburger momentan von einzelnen Spielern geworden sind.

Besonders deutlich wurde das zuletzt im zentralen Mittelfeld. Ohne Remberg fehlt dem HSV nicht nur Zweikampfstärke, sondern auch jene Präsenz, die eine Mannschaft benötigt, um ein Spiel zu kontrollieren und die eigene Defensive zu entlasten. Albert Sambi Lokonga konnte diesen Verlust in Frankfurt nicht auffangen. Von einem Spieler seiner Erfahrung und fußballerischen Qualität muss in einer solchen Situation allerdings mehr kommen. Er muss Verantwortung übernehmen, das Spiel ordnen und seinen Mitspielern Sicherheit geben. Martin Adeline war zuletzt zwar engagiert, ist aber selbst noch mitten in seiner Entwicklung. Wenn das Zentrum nicht funktioniert, geraten zwangsläufig auch die anderen Mannschaftsteile unter Druck. Genau das war gegen Frankfurt immer wieder zu beobachten: Die Defensive musste zu häufig reagieren, während die Offensive kaum in der Lage war, für längere Entlastungsphasen zu sorgen.

Die Balance zwischen Stabilität und Offensive

Und genau hier liegt für mich die eigentliche Herausforderung für Merlin Polzin. Natürlich muss der HSV defensiv stabiler werden. Nach 19 Gegentoren in acht Bundesligaspielen und den zahlreichen individuellen Fehlern der vergangenen Wochen kann daran kein Zweifel bestehen. Aber die Lösung darf nicht darin bestehen, sich mit möglichst vielen Spielern am eigenen Strafraum zu versammeln und darauf zu hoffen, dass vorne irgendwann ein glücklicher Treffer gelingt. Denn eine Mannschaft, die ausschließlich verteidigt, wird über 90 Minuten zwangsläufig immer wieder unter Druck geraten. Der HSV muss deshalb eine Balance finden, die zuletzt weitgehend verloren gegangen ist: defensiv kompakt stehen, im Mittelfeld wieder Zugriff bekommen und gleichzeitig mit eigenen Angriffen dafür sorgen, dass der Gegner nicht dauerhaft das Spiel bestimmen kann.

Diese Balance zwischen defensiver Stabilität und offensiver Entlastung hinzubekommen, ist für mich die Königsdisziplin des heutigen Spiels.

Dabei könnte es durchaus interessante personelle Veränderungen geben. Wie BILD berichtet, wird beim HSV intern offenbar darüber diskutiert, Terem Moffi und Patson Daka erstmals gemeinsam in die Startelf zu stellen. Ein Gedanke, den ich durchaus spannend finde. Moffi hat in beiden Spielen gegen Frankfurt getroffen und damit zumindest seinen Torriecher unter Beweis gestellt. Gleichzeitig ist er nach Einschätzung von Polzin selbst noch nicht bei 100 Prozent seiner Leistungsfähigkeit angekommen. Das deckt sich mit meinem Eindruck. Moffi wirkt häufig noch nicht explosiv genug, macht zu wenige Bälle fest und lässt jene Dynamik vermissen, die eigentlich zu seinen größten Stärken gehören soll. Daka könnte mit seiner Geschwindigkeit und seinen Laufwegen eine sinnvolle Ergänzung sein. Zwei Stürmer würden der gegnerischen Defensive möglicherweise mehr Aufgaben stellen und könnten dafür sorgen, dass der HSV häufiger in gefährliche Räume kommt.

Allerdings hätte eine solche Umstellung auch Konsequenzen für das Mittelfeld. Albert Grønbæk müsste vermutlich etwas tiefer agieren, wodurch der HSV zwar zusätzliche offensive Qualität im Zentrum gewinnen könnte, gleichzeitig aber noch stärker darauf achten müsste, defensiv nicht die Kontrolle zu verlieren. Gerade angesichts der Probleme der vergangenen Wochen wäre es riskant, einfach einen zusätzlichen Angreifer aufzustellen, ohne die Absicherung dahinter entsprechend anzupassen. Entscheidend wäre deshalb, wie Polzin die Aufgaben verteilt und ob es gelingt, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen wieder zu verkürzen. Die Diskussion über eine mögliche Viererkette gehört ebenfalls dazu. Für mich ist allerdings nicht entscheidend, ob der HSV mit drei oder vier Innenverteidigern beziehungsweise einer bestimmten Grundordnung spielt. Entscheidend ist, dass die Spieler ihre Aufgaben verstehen und die Mannschaft wieder als geschlossene Einheit funktioniert.

Standards und der Faktor Volkspark

Auf den Außenbahnen würde ich mir dabei Zakaria El Ouahdi von Beginn an wünschen. Er gehört für mich aktuell zu den Hamburgern, die mit ihrer Dynamik und ihrer Bereitschaft, den direkten Weg nach vorne zu suchen, besonders viel bewirken können. Auch Miro Muheim könnte eine wichtige Rolle spielen, nicht zuletzt bei Standardsituationen. Drei der bislang sieben Hamburger Saisontore entstanden nach ruhenden Bällen, während Gladbach bereits fünf Gegentreffer nach Standards hinnehmen musste. Das ist eine interessante Konstellation, die der HSV nutzen sollte. Allerdings darf man sich nicht ausschließlich auf solche Situationen verlassen. Die Hamburger brauchen wieder mehr eigene Angriffe, mehr Präsenz im gegnerischen Strafraum und vor allem das Gefühl, dass sie einen Gegner auch aus dem laufenden Spiel heraus unter Druck setzen können.

Dass Borussia Mönchengladbach trotz des letzten Tabellenplatzes keineswegs ein einfacher Gegner wird, sollte inzwischen jedem klar sein. Die Mannschaft von Alexander Blessin hat sich zuletzt stabilisiert, verteidigt geschlossener und kommt mit neuem Selbstvertrauen nach Hamburg. Bemerkenswert ist dabei, dass auch die Borussia erhebliche Verletzungssorgen hat. Mit Tim Kleindienst, Moritz Nicolas und weiteren Spielern fehlen wichtige Kräfte. Trotzdem ist es Blessin gelungen, die Mannschaft wieder besser zu organisieren. Genau darin liegt für mich eine der entscheidenden Aufgaben für Polzin. Auch der HSV muss unter schwierigen personellen Voraussetzungen wieder eine funktionierende Ordnung entwickeln. Die Verletztenliste erklärt viele Probleme, darf aber nicht zur dauerhaften Entschuldigung für fehlende Konzentration, mangelnde Zweikampfstärke oder individuelle Nachlässigkeiten werden.

Glücklicherweise findet dieses enorm wichtige Spiel im Volksparkstadion statt. Und ich zahle dafür gerne jedes Mal wieder ins Phrasenschwein ein: Das Hamburger Publikum ist für den HSV definitiv ein zusätzlicher Spieler auf dem Platz. Wer die Atmosphäre im Volkspark kennt, weiß, welche Energie von den Rängen auf die Mannschaft überspringen kann. Gerade in schwierigen Phasen kann diese Unterstützung den entscheidenden Unterschied machen. Aber natürlich funktioniert das nicht von allein. Die Mannschaft muss die Zuschauer mitnehmen, vom Anpfiff an präsent sein, Zweikämpfe annehmen und zeigen, dass sie dieses Spiel unbedingt gewinnen will. Die Fans werden auch Fehler verzeihen, wenn sie erkennen, dass die Spieler alles investieren. Was sie allerdings nicht dauerhaft auffangen können, ist eine Mannschaft, die passiv wirkt und sich bei jedem Rückschlag weiter verunsichern lässt.

Fazit und Ausblick

Ich traue Merlin Polzin grundsätzlich zu, die richtigen Antworten zu finden. Seine Lernfähigkeit und seine Bereitschaft, Dinge zu verändern, gehören für mich weiterhin zu seinen großen Stärken. Aber genau diese Fähigkeiten sind jetzt gefragt. Es reicht nicht, auf die Rückkehr der Verletzten zu hoffen oder darauf zu vertrauen, dass die Mannschaft irgendwann wieder zu ihrer Form findet. Polzin muss Lösungen entwickeln, die mit dem vorhandenen Personal funktionieren. Wenn dafür taktische Anpassungen, eine veränderte Rollenverteilung im Mittelfeld oder ein neuer Angriffsplan notwendig sind, sollte er diese Möglichkeiten konsequent prüfen. Entscheidend ist nicht, dass der HSV seine ursprüngliche Spielidee unter allen Umständen beibehält. Entscheidend ist, dass er wieder konkurrenzfähig wird.

Denn eines sollte man bei aller Kritik nicht vergessen: Der HSV hat in dieser Saison bereits bewiesen, dass er Bundesligaspiele gewinnen kann. Die Erfolge gegen Hoffenheim und Stuttgart haben gezeigt, was möglich ist, wenn die Mannschaft geschlossen auftritt, ihre Aufgaben diszipliniert erfüllt und offensiv mutig bleibt. Von dieser Form waren die Hamburger zuletzt allerdings weit entfernt. Deshalb geht es heute Abend auch darum, wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen. Ein Sieg gegen Gladbach würde nicht nur drei wichtige Punkte bringen, sondern auch verhindern, dass aus einer schwierigen Phase eine noch größere sportliche Krise entsteht. Eine weitere Niederlage würde dagegen die ohnehin angespannte Situation erheblich verschärfen. Damit verrate ich auch kein Geheimnis...

Der HSV steht heute Abend vor einer enorm schwierigen, aber keineswegs unlösbaren Aufgabe. Die personellen Probleme sind erheblich, die jüngsten Leistungen geben wenig Anlass zur Zufriedenheit und mit Gladbach wartet ein Gegner, der sich zuletzt wieder gefangen hat. Aber der HSV spielt zu Hause, vor einem Publikum, das seine Mannschaft tragen kann, und gegen einen Konkurrenten, der selbst erhebliche Schwächen besitzt. Die Voraussetzungen für eine Trendwende sind also durchaus vorhanden.

Jetzt kommt es darauf an, dass Polzin die richtige Mischung findet: hinten endlich wieder Stabilität, im Zentrum mehr Präsenz und vorne genügend Mut und Qualität, um den Gegner dauerhaft zu beschäftigen. Klingt so einfach, ist es aber nicht. Denn das ist die Königsdisziplin gegen Gladbach. Und genau daran wird sich heute Abend entscheiden, ob der HSV endlich wieder in die Spur findet.

Scholle

Diskussion

2 Kommentare

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DU
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horst.schlauvor 59 Min.
Morgen @all, wäre schön, wenn Ihr eure Usernamen mal beibehalten würdet und dass auch bei Gegenwind !!! Der ständige Wechsel nervt und deutet stark auf "Wenig bis gar keine Kritikfähigkeit" hin !!! Allen wünsch ich einen schönen Abend - ein tolles Spel - und ein nochschöneres Wochenende !!! Gruß Horst Schlau
2
A
atarivor 29 Min.
Scholle, wenn man deine Einschätzungen der vergangenen Wochen nebeneinanderlegt, ergeben sich doch einige Fragen. Am 10. August wurde Polzin noch als Glücksfall mit großer Lernfähigkeit und taktischer Flexibilität beschrieben. Am 5. September folgte „Dieser HSV macht Lust auf mehr“ – ein hervorragender Transfersommer, ein stärkerer und kompletterer Kader und erneut Lob für Polzin. Am 10. Oktober wurde die „echte Kaderbreite“ gefeiert, am 20. Oktober waren sogar mehr Möglichkeiten vorhanden als gedacht. Am 1. November dann die Kehrtwende: fehlende Qualität in der Breite, Ausfälle nicht zu kompensieren und eine Mannschaft, die in ihrer aktuellen Besetzung nicht bundesligatauglich sei. Und heute? Wieder großes Vertrauen in Polzins Lernfähigkeit und seine Fähigkeit, mit dem vorhandenen Personal Lösungen zu finden. Wie konnte aus der gefeierten Kaderbreite innerhalb weniger Wochen ein derartiges Qualitätsproblem werden? Woran lässt sich Polzins viel gelobte Lernfähigkeit eigentlich konkret erkennen? Und wurde die Kaderplanung im Sommer nicht schlichtweg erheblich überschätzt? Natürlich darf man Einschätzungen korrigieren. Aber gerade einmal zwei Monate nach den großen Vorschusslorbeeren wäre auch eine kritische Auseinandersetzung mit den eigenen damaligen Bewertungen angebracht.
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