HSV-Offensive in der Kritik: Moffi zu harmlos, Daka als Startelfoption?
Beim Spiel in Frankfurt lief beim HSV defensiv wie offensiv gar nichts zusammen. Vor allem taktische Fehler beim Pressing machten dem Team das Leben schwer.

Moin zusammen,
beim Spiel in Frankfurt funktionierte gar nichts. Die Defensive war viel zu anfällig, das Mittelfeld konnte das Übergangsspiel nicht leiten und die Offensive war zu harmlos. Frankfurt hat wieder kein gutes Spiel gemacht, doch der HSV konnte daraus überhaupt kein Kapital schlagen. Immer wieder hatten die Frankfurter Probleme mit dem Ball, benötigten teilweise zwei oder drei Ballkontakte, um ihn zu kontrollieren. Aber der HSV war nie dran. Das funktionierte am Dienstag deutlich besser.
Das Problem beim Pressing
Das Problem lag meiner Meinung nach schon vorne beim Anlaufen. Der HSV versuchte es häufig mit Mann-gegen-Mann-Pressing. Grønbæk übernahm einen Innenverteidiger und Moffi den anderen. Aber immer wieder wurde das Pressing durch einfache Fehler überspielt. Entweder war die Lücke zwischen den beiden Offensiven und dem Mittelfeld zu groß oder Moffi lief total planlos auf dem Platz herum.
Es gab einige Szenen, in denen der HSV es schaffte, die Frankfurter komplett zuzustellen. Jeder war an seinem Mann dran, Atubolu hatte keine Anspielstation. Doch Moffi fing plötzlich an, den Torwart anzulaufen. In dem Moment, wo Moffi seinen Gegenspieler verlässt, um Atubolu anzulaufen, überspielt Atubolu Moffi mit einem einfachen Heber. Schon hat ein Innenverteidiger Platz, um mit dem Ball nach vorne zu laufen und Überzahlsituationen zu schaffen.
So etwas erschließt sich mir nicht. Selbst wenn die Anweisung gewesen wäre, dass er den Torwart anläuft, wäre es fatal gewesen, so eine Aktion auszuführen und dem Gegner damit ohne Grund Platz zu schenken. Das Ziel von Pressing ist ja relativ klar: Im besten Fall gewinnt man den Ball in der gegnerischen Hälfte oder man zwingt den Gegner zum langen Ball. In dieser Situation, wenn du jeden Spieler außer den Torwart gedeckt hast, ist die einzige Möglichkeit ein langer Ball – es sei denn, es löst sich ein Spieler vom Gegenspieler. In dieser Situation brauchte sich der Gegner aber gar nicht lösen, weil Moffi sich als Gegenspieler von ihm löst. Und schon entsteht eine Situation, in der ein anderer Spieler seinen Gegenspieler verlassen muss, um den Ballführenden zu attackieren. Das sind einfach Dinge, die man besser umsetzen muss.
Zu wenig Ertrag bei Moffi
Damit sind wir generell beim Thema Terem Moffi. Sicherlich macht er hin und wieder den Ball fest, aber da kommt bis jetzt einfach viel zu wenig. In der Offensive hat man häufig den Eindruck, er würde gar nicht richtig anziehen beim Sprint, dann verspielt er zu häufig gute Umschaltsituationen.
Terem Moffi war laut Angaben der Ligue 1 2023 mit 36 km/h so schnell wie Kylian Mbappé. Nach seinem Kreuzbandriss hat er sicherlich an Tempo eingebüßt, aber ich habe manchmal das Gefühl, dass er gar nicht sprintet. Es ist super, dass er in den letzten zwei Spielen zwei Tore gemacht hat, aber in einem Spiel hat man auch andere Aufgaben, die man umsetzen muss. Denn sind wir mal ehrlich: Diese beiden Tore hätte ein anderer Stürmer auch gemacht, das war beide Male keine Kunst. Moffi muss offensiv vielseitiger werden, damit er zu mehr Möglichkeiten kommt, als nur den BAll über die Linie zu drücken.
Blick nach vorn: Chance für Daka?
Wir können jetzt mal wieder die Kaderplanung in die Pflicht nehmen und darüber diskutieren, warum man keinen anderen Stürmer geholt hat. Aber man kann diesen Transfer eben nicht mehr rückgängig machen, man muss schauen, wie man das Beste aus dem Kader herausholt. Und aktuell bin ich der Meinung, dass man vorne wieder mit Patson Daka starten sollte.
Daka ist endlich mal ein Stürmer, der den Gegner mit Tempo anläuft. Bei ihm merkt man gegen den Ball, dass er aus der RB-Schule kommt. Er läuft den Gegner gezielt und mit hohem Tempo an, das ist schon mal gut. Ob das dann mit dem Ball reicht, müssen wir sehen, aber gegen den Ball bringt er zumindest eine Qualität mit. Zudem ist er trotz seines Körperbaus ein Spieler, der seinen Körper gut einsetzen kann.
Ich kann mir zumindest vorstellen, dass Daka auch offensiv mal in einen Lauf kommt, wenn er sich Selbstvertrauen erarbeitet hat. Aktuell trifft er mit dem Ball noch zu häufig die falsche Entscheidung, daran kann man aber arbeiten. Er hat in den letzten beiden Spielen einen guten Eindruck gemacht, mMn sollte man Daka am Freitag neben Grønbæk starten lassen. Mit seinem Tempo und Zug zum Tor kann er durchaus was anrichten, er hat ja auch in der Vorbereitung gezeigt, dass er Tore schießen kann. Der sambische Nationalspieler war länger verletzt, sollte nun aber wieder fit für die Startelf sein.
Und dann kann Moffi ja vielleicht wieder reinkommen und wie gegen Hoffenheim vorne einen Ball einnicken. Das Tor machte definitiv Hoffnung auf mehr, bis jetzt kam danach aber zu wenig. Hoffen wir, dass sich das Ganze schleunigst ändert – entweder mit Daka am Freitag in der Startelf oder mit einem Moffi, der mehr aus sich herausholt.
Lies weiter
Spielbericht
1:3 in Frankfurt: Diesem HSV wurden die Grenzen aufgezeigt
Weiterlesen

Diskussion
3 KommentareDiskutier mit!
Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.
Jetzt kostenlos registrierenAnmelden