Meinung

Vertragsgespräche mit Claus Costa: Kontinuität mit Augenmaß

Während der HSV nach dem Pokalaus gegen Frankfurt weiter mit seiner Verletzungsmisere kämpft, laufen im Hintergrund offenbar wichtige Gespräche über die Zukunft der sportlichen Führung. Nach Informationen der Sport BILD soll Sportvorständin Kathleen Krüger den Vertrag mit Sportdirektor Claus Costa verlängern wollen. Für mich wäre das grundsätzlich eine richtige Entscheidung. Denn Costa hat erheblichen Anteil an der positiven Entwicklung des HSV. Allerdings muss er sich gerade jetzt auch einige kritische Fragen gefallen lassen. Insbesondere zur Zusammenstellung eines Kaders, der zwar über viel individuelle Qualität verfügt, dessen Belastbarkeit aber zunehmend zum Problem wird.

Vertragsgespräche mit Claus Costa: Kontinuität mit Augenmaß

Es gibt Nachrichten, die auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz so spektakulär erscheinen wie eine umstrittene Schiedsrichterentscheidung oder die nächste Verletzung eines wichtigen Spielers, die aber für die Zukunft eines Vereins möglicherweise eine deutlich größere Bedeutung haben. Genau so eine Nachricht gab es gestern. Denn nach Informationen der Sport BILD sollen beim HSV die Gespräche über eine Vertragsverlängerung mit Sportdirektor Claus Costa begonnen haben. Sportvorständin Kathleen Krüger soll von seiner Arbeit überzeugt sein und die Zusammenarbeit fortsetzen wollen. Offiziell bestätigt ist das bislang nicht. Aber ich finde, dass allein diese Entwicklung einen genaueren Blick verdient. Denn sie zeigt, dass die Verantwortlichen offenbar auch in einer sportlich schwierigen Phase an ihrem eingeschlagenen Weg festhalten möchten. Und das halte ich grundsätzlich für richtig. Allerdings nur unter einer wichtigen Voraussetzung: Dass man dabei nicht den Fehler macht, die durchaus vorhandenen Probleme der vergangenen Monate einfach auszublenden.

Der Weg bis hierhin

Zunächst einmal sollten wir uns vor Augen führen, welchen Anteil Costa an der Entwicklung des HSV hat. Als er in seine heutige Verantwortung hineinwuchs, war der Verein noch weit davon entfernt, sich dauerhaft in der Bundesliga zu etablieren. Der HSV musste nach Jahren sportlicher Enttäuschungen nicht nur den Aufstieg schaffen, sondern anschließend auch eine Mannschaft zusammenstellen, die den erheblich höheren Anforderungen der Bundesliga gewachsen ist. Dass dieser Weg nicht ohne Fehler und Rückschläge verlaufen würde, war eigentlich von Anfang an klar. Trotzdem ist es gelungen, den Verein sportlich wieder auf eine andere Ebene zu bringen. Costa hat dabei gemeinsam mit den jeweiligen Verantwortlichen und dem Trainerteam eine wichtige Rolle gespielt.

Allerdings sollten wir dabei nicht den Fehler machen, den Aufstieg und die erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre als dauerhaften Freifahrtschein zu betrachten. Denn die Anforderungen an einen Sportdirektor verändern sich mit der sportlichen Situation seines Vereins. In der Zweiten Liga ging es vor allem darum, eine Mannschaft zusammenzustellen, die genügend Qualität besitzt, um aufzusteigen. In der Bundesliga müssen wir dagegen einen Kader haben, der nicht nur einzelne Spiele gewinnen kann, sondern über eine gesamte Saison hinweg konkurrenzfähig bleibt.

Verletzungssorgen und Kaderbreite

Natürlich wäre es viel zu einfach, Costa für die aktuelle Verletzungsserie verantwortlich zu machen. Dafür kennen wir die individuellen medizinischen Hintergründe der einzelnen Spieler nicht gut genug. Aber genauso selbstverständlich gehört es zu einer seriösen Kaderplanung, die Verletzungshistorie, die körperliche Belastbarkeit und die bisherigen Einsatzzeiten möglicher Neuzugänge zu berücksichtigen.

Mit Fábio Vieira und Bilal Nadir fehlen uns zwei Spieler, die für die spielerische Qualität unseres Mittelfeldes wichtig sind. Nicolai Remberg fällt langfristig aus, Nicolás Capaldo und Jordan Torunarigha haben zuletzt ebenfalls gefehlt. Dazu kommen die körperlichen Probleme von Yussuf Poulsen und weiteren Spielern. Wenn eine Mannschaft über einen längeren Zeitraum auf derart viele Spieler verzichten muss, wird aus einzelnen unglücklichen Ereignissen irgendwann eine strukturelle Herausforderung.

Dabei finde ich besonders interessant, dass der HSV trotz dieser Probleme durchaus gezeigt hat, wie viel Qualität in diesem Kader steckt. Die drei Siege gegen Köln, Hoffenheim und Stuttgart waren schließlich kein Zufall. Sie haben gezeigt, dass Merlin Polzin über Spieler verfügt, die in der Lage sind, auch schwierige Bundesligaspiele erfolgreich zu gestalten.

Die Mischung macht's: Jugend und Wirtschaftlichkeit

Ich finde es deshalb grundsätzlich positiv, dass Kathleen Krüger offenbar frühzeitig für Klarheit in der sportlichen Führung sorgen möchte. Sie hat bereits mit der langfristigen Bindung des Trainerteams um Merlin Polzin deutlich gemacht, dass sie auf Kontinuität setzt. Wenn nun auch Costa langfristig gehalten soll, könnte daraus eine stabile sportliche Führung entstehen.

Allerdings darf Kontinuität nicht mit Bequemlichkeit verwechselt werden. Wer langfristig Verantwortung übernehmen möchte, muss auch bereit sein, seine bisherigen Entscheidungen kritisch zu hinterfragen. Das gilt für die Transfers des vergangenen Sommers genauso wie für die kommenden Aufgaben.

Und genau deshalb halte ich auch die Entwicklung unserer jungen Spieler für einen wichtigen Bestandteil dieser Diskussion. Gestern hat die U21 mit dem 4:1 gegen Werder Bremen II einen wichtigen Erfolg gefeiert. Im Pokal gegen Frankfurt haben wir mit Jason Bissi-Mouelle bereits einen jungen Spieler gesehen, der plötzlich Verantwortung übernehmen musste. Und auch Nandja, Kofi Amoako oder Otto Stange gehören zu den Talenten, die künftig eine größere Rolle spielen könnten.

Gerade der wirtschaftliche Aspekt sollte dabei nicht unterschätzt werden. Der HSV kann und sollte sich nicht darauf verlassen, seine sportlichen Probleme dauerhaft mit immer höheren Transferausgaben lösen zu können. Junge Spieler mit Entwicklungspotenzial, erfahrene Leistungsträger und gezielte Verstärkungen müssen sich sinnvoll ergänzen.

Fazit

Was mir bei der aktuellen Diskussion ebenfalls wichtig ist: Wir sollten Costa nicht ausschließlich anhand der Ergebnisse der vergangenen Wochen bewerten. Wir haben gerade einmal sieben Bundesligaspiele absolviert und stehen mit neun Punkten auf Platz elf. Das ist angesichts des schwierigen Saisonstarts keine schlechte Ausgangsposition.

Trotzdem wird es für Costa und Krüger in den kommenden Wochen einige wichtige Entscheidungen geben. Zunächst muss die Mannschaft sportlich stabilisiert werden. Dazu gehört, dass die verletzten Spieler möglichst schnell, aber eben auch ohne unnötiges Risiko zurückkehren.

Diskussion

7 Kommentare

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DU
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R
Rollercoastervor 1 Std.
Blinder Aktionismus die Verlängerung. Dann einmal hierzu: „ Für mich wäre das grundsätzlich eine richtige Entscheidung. Denn Costa hat erheblichen Anteil an der positiven Entwicklung des HSV“ Ist das ein Scherz? Werte doch mal die ganzen Transfers seit Costa aus? Man ist nur wegen der Unfähigkeit der anderen Mannschaften aufgestiegen, und ist auch nur wegen der noch größeren Unfähigkeit der anderen Mannschaften in der Liga geblieben! Und zu dem Punkt, muss Satire sein: „ Natürlich wäre es viel zu einfach, Costa für die aktuelle Verletzungsserie verantwortlich zu machen.“ Sorry, wer holt denn diese ganzen Halbinvaliden mit Vorgeschichte ab? Von Poulsen will ich gar nicht erst reden!
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A
atarivor 1 Std.
Schon erstaunlich, wie schnell beim HSV aus Kontinuität eine Erfolgsgeschichte wird, die offenbar keiner gründlichen Überprüfung mehr bedarf. Costa wurde erst im November 2025 verlängert, und jetzt sollen schon wieder langfristig Fakten geschaffen werden. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die sportliche Entwicklung und die Kaderzusammenstellung erhebliche Fragen aufwerfen. Wer seine Transferbilanz seit 2023 genauer betrachtet, findet neben gelungenen Verpflichtungen wie Selke, Remberg, Capaldo oder Lokonga auch eine bemerkenswerte Reihe von Fehlgriffen: Öztunali, Okugawa, Ramos, Hefti, Richter, Perrin, Sahiti, Mebude, Otele oder Downs. Dazu kommen kostspielige Entwicklungsprojekte mit bislang überschaubarem Ertrag. Und nun ein Kader, bei dem schon im Oktober die Krankenstation überquillt, einige Spieler offenbar nicht über 90 Minuten belastbar sind und offensive Qualität und funktionierende Abläufe regelmäßig fehlen. Schon während der Sommertransfers wurde auf Verletzungsvorgeschichten, Fitnessdefizite und fehlende Spielpraxis hingewiesen. Wie viele dieser Risiken hat man bewusst in Kauf genommen? Natürlich hat Costa auch gute Transfers getätigt. Aber seit wann reichen einzelne Treffer, um eine insgesamt überzeugende Kaderplanung nachzuweisen? Der Aufstieg und der Klassenerhalt sind keine lebenslange Erfolgsgarantie für die Verantwortlichen. Was müsste beim HSV eigentlich noch passieren, damit man vor der nächsten Vertragsverlängerung erst einmal eine schonungslose sportliche Bilanz zieht? Kontinuität ist schließlich nur dann etwas wert, wenn das, was man fortsetzt, auch dauerhaft funktioniert.
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Flotti McFlottvor 38 Min.
Kontinuität um der Kontinuität Willen hat schon bei Schleimbeutel Judas Boldt und Oberprolet Waltersen nicht funktioniert.
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Schwedenhrubeschvor 49 Min.· bearbeitet
"Wir sollten Costa nicht ausschließlich anhand der Ergebnisse der vergangenen Wochen bewerten. " Dann bewerte ich ihn mal anhand seiner Kernaugabe (Transfers). Er ist seit März 23 im Amt und hat unter anderem folgende Transfers zu verantworten: 23/24: Öztunali Ramos Okugawa 24/25: Hefti Mebude Perrin Soumahoro Richter Sahiti 25/26 Downs Omari Poulsen 26/27 noch nicht beurteilbar Es sind auch gute Transfers gewesen, die habe ich jetzt nicht aufgelistet. Meine Auflistung soll zeigen, dass Costa einfach zu viele Fehltreffer hat.
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Flotti McFlottvor 44 Min.· bearbeitet
Mein Eindruck, ich werde ihn jetzt einfach mal seicht überspitzt postulieren: Sachbearbeiterin Krüger hat gar keine andere Wahl. Sie unterschreibt das, was ihr an Verträgen auf den Schreibtisch gelegt wird. Die wahre Macht im Verein haben andere … Freuen wir uns also auch in den kommenden Transferfenstern auf kernige Schotten, labile Käseknie und aufgeschwatzte Vereinsmumien. Toll 👏
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Brian Cloughvor 13 Min.· bearbeitet
Wahrlich, Claus Costa ist ein Mann von seltenem Scharfblick! Wo andere Sportdirektoren nach kräftigen, gesunden Fußballern suchen, scheint sein Auge gerade auf jenen zu ruhen, denen das Schicksal schon manches Knie gebeugt, manche Sehne gezerrt, manches Band und manchen Muskel zerrissen hat. Was dem gewöhnlichen Menschen als Warnung gilt, mag ihm als Verheißung erscheinen: In Hamburg, so hofft er wohl, werden sie wieder auferstehen! Poulsen, Lokonga, Omari, Grønbæk, Torunarigha, Moffi, Nadir, Bornauw, Capaldo, Selke, Katterbach: Welch stattliche Heerschau der Versehrten und Hoffentlich-endlich-Genesenden! Gewiss, niemand vermag zu beweisen, dass Costa die Verletzungsgeschichte zum Maßstab seiner Suche erhoben hat. Doch wer so oft dasselbe findet, bei dem drängt sich der Verdacht auf, dass er es auch sucht. Und siehe, selbst aus dieser Not lässt sich bisweilen ein Vorteil gewinnen! Fallen die teuer verpflichteten Herren aus, müssen die jungen Kräfte aus eigener Zucht ins Feld – und können schließlich gegen klingende Münze weiterziehen. Senhor Baldé trug dem HSV dem Vernehmen nach rund sieben Millionen Euro ein, mögliche Zuschläge nicht gerechnet. Ein vortreffliches Geschäft! Vielleicht lassen sich dereinst auch die Jungmänner Stange und Nandja, deren Begabung ich weniger hoch veranschlage, zu ansehnlichem Preise veräußern. Darum sage ich: Verlängert gern Costas Vertrag. Das wäre jedenfalls vernünftiger als die voreilige Verlängerung mit Herrn Polzin. Claus Costa hat, bei allem Wagnis seiner Einkäufe, wenigstens einen Weg eröffnet, Geld zu verdienen. Polzin hingegen hält an seiner vermaledeiten Dreierkette fest, auch wenn ihm die Männer dafür fehlen, und vermag aus den verbliebenen Kräften kein überzeugendes Ganzes zu formen. So bleibt uns ein wunderliches Schauspiel: Der Sportdirektor beschafft die Versehrten, der Trainer beklagt die Ausfälle, die Jugend darf spielen, und am Ende klingelt vielleicht die Kasse. Wer wollte behaupten, in Hamburg gebe es keinen Plan?
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Brian Cloughvor 4 Min.
Doch damit niemand glaube, ich hätte dem wackeren Herrn Costa Unrecht getan, sei nun das Krankenbuch seiner Erwerbungen aufgeschlagen. Es ist ein Werk von stattlichem Umfang, und manche Seite liest sich weniger wie die Geschichte eines Fußballers als wie der Bericht eines Feldlazaretts. Da wäre Poulsen, der schon vor seiner Ankunft in Hamburg allein 2024/25 neunzig Tage und vierzehn Spiele versäumte. Lokonga brachte aus England und Spanien 2023/24 hundertsechzehn, 2024/25 weitere vierundneunzig Ausfalltage mit. Capaldo, ein Mann von unstreitbarem Mut, fehlte 2023/24 wegen Knie und Sprunggelenk gar zweihundertelf Tage. Wahrlich, hier kauft man nicht bloß einen Spieler, sondern die Hoffnung auf seine Wiederherstellung! Moffi hatte nach einem Kreuzbandriss 231 Tage gefehlt, Nadir nach einer schweren Kreuzbandverletzung 249 Tage und 29 Spiele. Bornauw verzeichnete 2024/25 insgesamt 122 Ausfalltage, Selke vor seinem Wechsel 131. Omari war einst wegen Schambeinbeschwerden 139 Tage außer Gefecht; als er in Hamburg auch noch einen Außenbandriss erlitt, zog man nach seiner Rückkehr dennoch die Kaufoption. Welch unbeugsamer Glaube an die heilende Kraft der Elbe! Und Katterbach? Ihm riss bereits als Hamburger Leihspieler das Kreuzband, worauf man ihn fest verpflichtete. Später riss auch das andere. Grønbæk kam mit Sehnen- und Muskelbeschwerden, Torunarigha mit einer Vorgeschichte an Sprunggelenk, Hüfte und Muskulatur. Vieira hatte eine Leistenoperation mit 84 Tagen Pause hinter sich; Daka fehlte einst 88 Tage wegen einer Sprunggelenksverletzung. Auch Okugawa erschien nach langwieriger Verletzung mit kaum Spielpraxis. Gewiss: Verletzung ist nicht gleich Untauglichkeit, und kein Mensch kennt die geheimen Beweggründe des Herrn Costa. Doch wer so beharrlich in den Lazaretten Europas nach Verstärkung Ausschau zu halten scheint, darf sich nicht wundern, wenn am Ende die Jugend die Schlachten schlagen muss.
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