Spielbericht

HSV kämpft, HSV beißt, HSV hat Chancen – aber am Ende reicht es nicht!

Der HSV ist raus aus dem DFB-Pokal. Mit 1:3 verlieren die Rothosen gegen Eintracht Frankfurt und müssen sich trotz eines engagierten Auftritts schon in der zweiten Runde verabschieden. Dabei kann man dieser Mannschaft kaum vorwerfen, nicht alles versucht zu haben. Viele Spieler gingen an ihre Grenzen, einige vermutlich sogar darüber hinaus. Und trotzdem reicht es am Ende nicht, um eine Frankfurter Mannschaft zu schlagen, die selbst alles andere als überzeugend auftrat. Genau das ist die eigentlich bittere Erkenntnis dieses Abends.

HSV kämpft, HSV beißt, HSV hat Chancen  – aber am Ende reicht es nicht!

Es gibt Niederlagen, nach denen man sich über die Einstellung einer Mannschaft ärgern muss. Weil der Einsatz fehlt, weil Zweikämpfe nicht angenommen werden oder weil der letzte Wille nicht erkennbar ist. All das kann man dem HSV nach diesem Pokalabend nicht vorwerfen. Im Gegenteil: Die Mannschaft von Merlin Polzin hat sich gegen Frankfurt über weite Strecken ordentlich präsentiert, viel investiert und gerade in der ersten Halbzeit durchaus Möglichkeiten gehabt, das Spiel in die eigene Richtung zu lenken.

Nur hat sie diese Möglichkeiten eben nicht genutzt. Grönbaek, Bornauw und El Ouahdi hatten ihre Gelegenheiten, doch wie schon häufiger in dieser Saison stand der betriebene Aufwand in keinem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag. Und genau das wird auf diesem Niveau irgendwann zum Problem. Denn während der HSV viel investieren musste, um überhaupt gefährlich zu werden, nutzten die Frankfurter nach der Pause ihre Möglichkeiten deutlich konsequenter.

Dabei war diese Eintracht keineswegs übermächtig. Frankfurt wirkte phasenweise verunsichert, spielte alles andere als fehlerfrei und bot dem HSV durchaus Chancen, dieses Spiel zu gewinnen. Trotzdem stand am Ende ein 1:3, das angesichts der Effektivität der Gäste auch nicht unverdient war.

Und genau hier liegt für mich die entscheidende Erkenntnis: Es reicht aktuell einfach nicht, wenn beim HSV alle kämpfen, laufen und sich aufopfern. Selbst dann nicht, wenn der Gegner einen eher schwachen Tag erwischt. Das ist bitter, aber es beschreibt ziemlich deutlich die derzeitigen Grenzen dieser Mannschaft.

Die Personalsituation macht es nicht einfacher

Natürlich muss man bei dieser Bewertung auch die personellen Voraussetzungen berücksichtigen. Mit Nicolai Remberg, Nicolas Capaldo, Fabio Vieira, Bilal Nadir, Jordan Torunarigha und Yussuf Poulsen fehlten gleich sechs wichtige Spieler. Dass mit Sebastiaan Bornauw zur Halbzeit auch noch der Abwehrchef verletzt ausgewechselt werden musste, verschärfte die ohnehin schwierige Situation zusätzlich.

Für ihn kam mit Jason Bissi-Mouelle ein 18-Jähriger zu seinem ersten Pflichtspieleinsatz bei den Profis. Dass der junge Verteidiger beim ersten Gegentor nicht glücklich aussah und auch der ebenfalls erst 18-jährige Shafiq Nandja beim zweiten Treffer Lehrgeld zahlte, gehört zur Wahrheit dieses Spiels. Allerdings wäre es völlig falsch, den beiden daraus einen großen Vorwurf zu machen. Wer junge Spieler in einer solchen Situation gegen einen Bundesligisten ins kalte Wasser werfen muss, darf nicht erwarten, dass sie sofort die Sicherheit erfahrener Stammkräfte mitbringen.

Vielmehr zeigt sich daran, wie schwierig die Lage für Merlin Polzin inzwischen geworden ist. Die Mannschaft muss zahlreiche Ausfälle kompensieren, während immer mehr junge Spieler Verantwortung übernehmen müssen. Immerhin deutet sich bei Bornauw und dem ebenfalls angeschlagenen Albert Grönbaek an, dass beide am Sonntag wieder zur Verfügung stehen könnten. Trotzdem wird die personelle Situation beim erneuten Aufeinandertreffen mit Frankfurt extrem angespannt bleiben.

Viel Aufwand, zu wenig Ertrag

Sportlich war die Geschichte der zweiten Halbzeit schnell erzählt. Frankfurt ging durch Robin Koch in Führung, der HSV reagierte und hatte Möglichkeiten zum Ausgleich, nutzte sie aber erneut nicht. Stattdessen erhöhten Jonathan Burkardt und Younes Ebnoutalib innerhalb weniger Minuten auf 3:0. Dass Terem Moffi anschließend noch verkürzte und der HSV bis zum Schluss weiterkämpfte, sprach zwar für die Moral der Mannschaft, änderte aber nichts mehr am verdienten Ausscheiden.

Und damit sind wir wieder beim Kern des Problems. Ich finde es absolut anerkennenswert, wie sich diese Mannschaft trotz der vielen Ausfälle gegen die Widerstände stemmt. Auch Merlin Polzin und sein Trainerteam stehen derzeit vor einer enorm schwierigen Aufgabe, die sie mit viel Engagement angehen. Allerdings dürfen wir nicht den Fehler machen, Einsatz und Leidenschaft schon als ausreichenden Leistungsnachweis zu betrachten.

Es reicht aktuell einfach nicht, wenn beim HSV alle kämpfen, laufen und sich aufopfern.

Denn auf diesem Niveau entscheidet eben nicht allein, wer mehr läuft oder wer sich mehr aufopfert. Entscheidend ist, was man aus seinen Möglichkeiten macht und wie konsequent man in den wichtigen Situationen agiert. Frankfurt hat das an diesem Abend vorgemacht, ohne dafür außergewöhnlich gut spielen zu müssen.

Wenn der HSV nahezu alles investiert und trotzdem gegen eine keineswegs überzeugende Frankfurter Mannschaft mit 1:3 verliert, dann sollte uns das durchaus zu denken geben. Nicht, weil man dieser Mannschaft mangelnden Willen unterstellen könnte, sondern weil offensichtlich wird, dass ihr aktuell selbst bei maximalem Einsatz noch einiges fehlt.

Am Sonntag gibt es die nächste Chance

Viel Zeit zur Aufarbeitung bleibt ohnehin nicht, denn schon am Sonntag wartet in der Bundesliga das nächste Duell mit Eintracht Frankfurt. Dann auswärts und vermutlich unter ähnlich schwierigen personellen Voraussetzungen. Um dort erfolgreicher zu sein, wird es vor allem darauf ankommen, defensiv konsequenter zu agieren und die wenigen guten offensiven Möglichkeiten endlich effizienter zu nutzen.

Mein Fazit fällt deshalb trotz des ordentlichen Auftritts ernüchternd aus: Der HSV hat gekämpft, sich gewehrt und angesichts der Umstände vieles richtig gemacht. Aber am Ende hat es eben nicht gereicht. Und zwar gegen einen Gegner, der selbst weit von seiner Bestform entfernt war.

Das muss man nicht dramatisieren, sollte es aber auch nicht schönreden. Denn wenn eine Mannschaft fast alles aus sich herausholt und trotzdem relativ deutlich verliert, dann zeigt das auch, wo sie qualitativ momentan steht. Genau diese Erkenntnis sollte man aus dem Pokalabend mitnehmen, ohne dabei die schwierigen Rahmenbedingungen aus den Augen zu verlieren.

Am Sonntag bekommt der HSV die Gelegenheit, es besser zu machen. Einfacher wird es allerdings ganz sicher nicht.

Bis dahin!

Scholle

Diskussion

5 Kommentare

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DU
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1887.proudvor 45 Min.
Die Szene in der 35. Minute ist eine absolute Frechheit. El Ouahdi wird von Koch im Strafraum glasklar umgemäht. Stieler pfeift nicht – geschenkt, der steht schlecht. Aber wofür sitzt dieser Videoschiedsrichter überhaupt in Köln, wenn er sich so eine offensichtliche Fehlentscheidung nicht noch einmal anschaut? Das hat uns komplett um den verdienten Lohn gebracht. Kämpferisch absolut top: Den Jungs auf dem Platz kann man heute kaum einen Vorwurf machen. Gegen einen ebenfalls Erstligisten so dagegenzuhalten, sich reinzuwerfen und spielerisch Akzente zu setzen, war stark. Wir haben Eintracht Frankfurt phasenweise richtig ins Schwitzen gebracht. Stolz trotz Ausscheiden: Das Ergebnis (1:3) spiegelt nicht wider, was hier heute los war. Die Enttäuschung sitzt tief, weil das Achtelfinale wäre trotz starken Gegnern heute greifbar gewesen. Aber der Support war brachial, wir haben gezeigt, was Hamburg ausmacht. Mund abputzen, den Frust in Energie umwandeln und den Fokus jetzt wieder voll auf die Liga richten. N.d.HSV!
3
1887.proudvor 30 Min.
..ich danke dir und einen schönen Abend noch!
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F
FranzLeitnervor 31 Min.
Stieler: "Die bessere Entscheidung wäre Strafstoß gewesen" Und hier reden einige „Experten“ immer noch von einer richtigen Entscheidung…
3
The Orginal Gravesenvor 10 Min.
So, das musste nicht sein. Wir waren eigentlich in fast allen Bereichen besser – außer bei dem, was im Fußball zählt: Chancen zu nutzen. Über den Schiri/VAR reden wir besser nicht. Aber dass wir verlieren, war nach dem Flottis-Kommentar eigentlich schon vorhersehbar: „Im Pokal rumpelt man sich irgendwie eine Runde weiter …“ Es ist schon beeindruckend, wie McFalsch es immer wieder schafft, derart danebenzuliegen.
1
JB
Jörg Brettschneidervor 25 Min.
Das Ausscheiden ist am Ende bitter, weil trotz aller Widrigkeiten mehr drin war. Die beiden jungen Abwehrspieler haben einerseits nicht schlecht gespielt und sicherlich jeweils eine gute Zukunftsperspektive. Andererseits waren sie auch ein Grund dafür, dass Frankfurt zu drei Toren in der zweiten Hälfte kam. Die Fehler muss man ihnen natürlich zugestehen. Einerseits. Andererseits schwächen sie dadurch auch die Mannschaft. Klingt hart, ist aber so im Profifußball. Aber die Jungs haben gute Anlagen. Insbesondere Nandja hatte auch gute Szenen am Ball. Auch wenn das alleine nicht reicht. Im Sturm sieht es anders aus. Moffi und Daka überzeugen einfach nicht. Für Stange wird es ohnehin schwierig. Costa hat versäumt, einen richtigen Torjäger für die Bundesliga zu holen. Lieber einen Ebnoutalib statt Moffi und Daka. Das würde auch nicht am Geld scheitern. Hätte man vorne einen gefährlichen Stürmer, würden wir uns heute nach dem Spiel trotz Verletzungsseuche über das Weiterkommen freuen. Des Trainers Wechsel bleiben mir ein Rätsel. Warum wurde mit Muheim einer der wenigen Spieler vom Feld genommen, der weiß, wo das Tor steht. Der Mann hatte zuletzt einen Lauf. Tangvik heute mit zwei Wacklern, hat sich nicht extrem empfohlen. Man muss Heuer F. also nicht zwingend aus dem Tor nehmen. Der Schiedsrichter war ein Frankfurter! Ich deute bei HSV-Niederlagen so gut wie nie auf den sog. Unparteiischen. Aber heute hat er das Spiel mit ganz schlechten Entscheidungen in eine Richtung gepfiffen. Dass man diesen klaren Elfmeter nicht sehen will und Collins auf dem Platz lässt, erinnert mich an ganz düstere Zeiten des Fußballs. Insgesamt war die Leistung nicht schlecht. Es ist trotzdem bitter, gegen eine nicht gerade bärenstarke Eintracht zu Hause ausgeschieden zu sein. Das macht das Bundesligaspiel am Sonntag noch schwieriger.
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