Meinung

🚨 HSV braucht richtige Kämpfer! Bornauw fraglich – Polzin schwärmt von Mentalitätsmonstern

Während Sebastiaan Bornauw nach einem Schlag gegen den Kiefer noch um seinen Einsatz in Frankfurt bangt, begeistern Zakaria El Ouahdi, David Møller Wolfe und Louis Lemke ihren Trainer mit kompromisslosem Einsatz. Zwei Nachrichten, die für mich einen bemerkenswerten Gegensatz darstellen. Denn so wichtig Bornauw für die Defensive geworden ist: Von einem echten Abwehrchef erwarte ich auch eine besondere Mentalität. Gerade beim HSV, der sich seinen Platz in der Bundesliga weiterhin hart erarbeiten muss.

🚨 HSV braucht richtige Kämpfer! Bornauw fraglich – Polzin schwärmt von Mentalitätsmonstern

Ich habe heute zwei Artikel gesehen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, bei genauerem Hinsehen aber ziemlich genau beschreiben, worauf es beim HSV in dieser Saison ankommen wird. Im ersten geht es um Sebastiaan Bornauw, dessen Einsatz am Sonntag gegen Eintracht Frankfurt weiterhin fraglich ist. Im zweiten schwärmt Merlin Polzin von seinen beiden Schienenspielern Zakaria El Ouahdi und David Møller Wolfe sowie von Nachwuchstalent Louis Lemke. Und ich muss sagen: Der Unterschied zwischen diesen beiden Geschichten könnte für mich kaum größer sein.

Zweifel am Abwehrchef

Fangen wir mit Bornauw an. Der Belgier hat sich in den vergangenen Wochen zweifellos zu einem wichtigen Spieler entwickelt. Er organisiert die Defensive, bringt Erfahrung mit und verleiht der Dreierkette Stabilität. Dass der HSV nach seiner verletzungsbedingten Auswechslung im Pokal gegen Frankfurt deutlich anfälliger wurde, war kaum zu übersehen. Trotzdem hat mich schon am Dienstag überrascht, dass Bornauw nach dem Schlag gegen seinen Kiefer überhaupt in der Kabine geblieben ist. Und jetzt erfahren wir, dass medizinisch offenbar nichts gegen einen Einsatz am Sonntag spricht, Bornauw aber erst einmal für sich entscheiden muss, ob er sich wieder vollständig bereit für die Zweikämpfe fühlt.

Ich will das ganz deutlich sagen: Ich mag mich irren. Und ich würde mich sogar freuen, wenn ich mich irre. Aber auf mich wirkt Bornauw in dieser Situation zu weich für die Rolle eines echten Abwehrchefs. Natürlich kann ich nicht beurteilen, wie schmerzhaft der Schlag tatsächlich war oder wie sich Bornauw körperlich fühlt. Gerade bei Kopf- und Gesichtsverletzungen muss man vorsichtig sein. Niemand sollte einen Spieler auffordern, medizinische Risiken einzugehen. Aber wenn ein Profi medizinisch grünes Licht hat und trotzdem erst noch die notwendige Sicherheit für Zweikämpfe finden muss, dann darf ich zumindest die Frage stellen, ob er die Mentalität mitbringt, die ich mir von einem Abwehrchef wünsche. Zumal ich weiß, dass er letzte Saison kaum gespielt hat und die Saison davor die Hälfte der Zeit – unterschiedlich verletzt – nicht einsetzbar war. Macht zwölf Startelfspiele von 72 in zwei Jahren.

Ich erinnere mich da an Luka Vušković. An einen jungen Innenverteidiger, der sich mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit in jeden Zweikampf geworfen hat, der Schmerzen weggesteckt hat und für den es gefühlt nur eine Frage gab: Wie schnell kann ich wieder auf den Platz? Da wurde nach Treffern behandelt, versorgt und weitergespielt, wenn es verantwortbar war. Natürlich darf auch das kein Maßstab dafür sein, Verletzungen zu ignorieren. Aber diese kompromisslose Haltung, dieses unbedingte Gewinnenwollen, diese Bereitschaft, sich für die Mannschaft in jeden Ball zu werfen – genau das verbinde ich mit einem echten Abwehrchef. Und genau diese Ausstrahlung fehlt mir bei Bornauw bislang ein Stück weit.

Dynamik und unbedingter Wille

Umso erfreulicher finde ich, was Polzin über El Ouahdi und Møller Wolfe sagt. Beide wurden im Sommer verpflichtet, um auf den Außenbahnen für mehr Dynamik, Intensität und Laufbereitschaft zu sorgen. Und genau das liefern sie. Sie marschieren die Linie hoch und runter, gehen in die Zweikämpfe, suchen das direkte Duell und vermitteln dabei vor allem eines: Diese Jungs haben richtig Bock auf Fußball! Da habe ich häufig das Gefühl, dass sie vor lauter Adrenalin kleinere Schmerzen während des Spiels kaum wahrnehmen. Natürlich spüren auch sie jeden Treffer. Aber ihre Körpersprache vermittelt mir, dass sie sich davon nicht aus dem Rhythmus bringen lassen wollen.

Besonders bemerkenswert finde ich, dass Polzin ausdrücklich auch Louis Lemke hervorhebt. Der gerade einmal 17-Jährige bringt diese Mentalität ebenfalls mit und hat sich damit bereits vier Startelfeinsätze erarbeitet. Das gefällt mir ausgesprochen gut. Denn genau solche Spieler braucht der HSV. Spieler, die nicht erst lange überlegen, ob sie sich den nächsten Zweikampf zutrauen, sondern die mit einer Selbstverständlichkeit und Begeisterung auf den Platz gehen, die ihre Mitspieler mitreißt. Dazu zähle ich selbstverständlich auch Nicolai Remberg, der uns mit seiner Präsenz, seiner Aggressivität und seinem unbedingten Willen momentan enorm fehlt. Und auch Miro Muheim gehört für mich zu den Spielern, die Verantwortung übernehmen und in schwierigen Momenten vorangehen.

Dabei geht es mir ausdrücklich nicht darum, Verletzungen zu verharmlosen oder Spielern mangelnden Charakter zu unterstellen, nur weil sie körperliche Beschwerden haben. Aber es gibt eben einen Unterschied zwischen medizinischer Vorsicht und jener besonderen Wettkampfmentalität, die eine Mannschaft ausstrahlt. Und gerade beim HSV halte ich diese Mentalität für unverzichtbar. Denn wir sollten uns nichts vormachen: Wir sind noch lange keine etablierte Bundesligamannschaft, die sich entspannt im Tabellenmittelfeld zurücklehnen kann. Wir müssen uns unseren Platz in dieser Liga weiterhin hart erarbeiten. Der Abstiegskampf ist für uns keineswegs erledigt. Im Gegenteil: Die ersten Spieltage haben bereits gezeigt, wie anspruchsvoll diese Saison wird. Und dass die Bundesliga nach dem Aufstieg noch einmal eine ganz andere Herausforderung darstellt, erleben wir gerade Woche für Woche.

Die unangenehmste Mannschaft der Liga sein

Genau deshalb finde ich auch die Aussage von Polzin so treffend, dass der HSV nur dann die nächsten Schritte machen kann, wenn die Mannschaft überperformt. Das ist für mich der entscheidende Punkt. Wir werden in vielen Spielen nicht die individuell bessere Mannschaft sein. Wir werden Gegner haben, die technisch stärker, erfahrener und auf einzelnen Positionen deutlich besser besetzt sind. Aber wir können versuchen, ihnen mit Laufbereitschaft, Leidenschaft, Geschlossenheit und einer kompromisslosen Zweikampfführung den Spaß am Fußball zu nehmen. Dafür braucht es Spieler wie El Ouahdi und Møller Wolfe. Dafür braucht es einen Remberg. Und dafür braucht es auch einen Abwehrchef, der diese Haltung verkörpert und seine Mitspieler mitreißt.

Natürlich wird das allein gegen Frankfurt nicht reichen. Die Eintracht hat am Dienstag gezeigt, wie konsequent sie Fehler bestrafen kann. Und Dino Toppmöller hat bereits angekündigt, dass seine Mannschaft am Sonntag von Beginn an aktiver auftreten möchte. Der HSV muss deshalb auch taktisch Antworten finden, im Spielaufbau sauberer werden und seine Torchancen besser nutzen. Aber die Grundlage muss stimmen. Gerade wenn Frankfurt früh presst und uns körperlich fordert, brauchen wir elf Spieler, die bereit sind, jeden Meter zu gehen und jeden Zweikampf anzunehmen.

Und genau deshalb wünsche ich mir, dass Bornauw am Sonntag auf dem Platz steht – sofern er gesundheitlich wirklich bereit ist. Nicht, weil er irgendwem etwas beweisen muss oder Schmerzen ignorieren soll. Sondern weil ich sehen möchte, dass er die Rolle des Abwehrchefs nicht nur spielerisch, sondern auch mit seiner Ausstrahlung vollständig ausfüllt. Vielleicht täuscht mein Eindruck. Vielleicht ist Bornauw längst viel kompromissloser, als es die aktuelle Diskussion vermuten lässt. Dann wäre ich der Erste, der sich darüber freut.

Der HSV braucht in dieser Saison nicht nur gute Fußballer, sondern Spieler, die vorangehen.

Er braucht Spieler, die ihre Mitspieler mitreißen und die bereit sind, sich in jedem Spiel an ihre Grenzen zu bringen. El Ouahdi, Møller Wolfe und Lemke zeigen bereits eindrucksvoll, wie das aussehen kann. Und genau diese Mentalität wünsche ich mir von der gesamten Mannschaft. Denn in der Bundesliga werden wir nicht immer die bessere Mannschaft sein können. Aber wir sollten zumindest alles dafür tun, die unangenehmste zu sein.

In diesem Sinne: Euch allen einen schönen Samstag und bis morgen! Dann hoffentlich mit einem fitten, einsatzfreudigen Bornauw in der Startelf und anschließend drei Punkten aus Frankfurt im Gepäck!

Scholle

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2 Kommentare

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Schwedenhrubeschvor 28 Min.
Ein Feuerwerk der Worthülsen gibt es von Polzin bei jeder Pressekonferenz . Die unangenehmste Mannschaft ist die Mannschaft nur für die Zuschauer. Und zur Mentalität: als sie die hätte zeigen müssen, in Paderborn, war da gar nichts.
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Bastrupvor 45 Min.
In der Pk nach dem Pokalspiel gegen die Eintracht wurde der Trainer nach der Verletzung Bornauws gefragt: "blutige Lippe" 😣
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