HSV: Ein Sieg zum Durchatmen – und drei Wochen, die zählen
Endlich wieder Jubel im Volkspark! Der 2:1-Sieg gegen Köln bringt dem HSV nach schwachem Start Luft zum Atmen und Rückenwind für die Länderspielpause.

Endlich wieder ein Grund zum Jubeln im Volkspark! Nach drei Niederlagen und 0:12 Toren hat der HSV gegen den 1. FC Köln mit 2:1 gewonnen. Dieser Sieg war dringend nötig. Er nimmt zunächst einmal etwas Druck von der Mannschaft, gibt dem gerade erst vertragsverlängerten Trainerteam Rückenwind und lässt alle Beteiligten mit einem besseren Gefühl in die lange Länderspielpause gehen. Den Moment darf man genießen. Gerade nach diesem Saisonstart. Allerdings gilt auch hier, was ich gerade in einem Comic gelesen habe:
Der Sieg gegen Köln ist wie der Tankrabatt – für den Moment darf man sich darüber freuen, aber er löst die alten Probleme nicht langfristig.
Köln war über weite Strecken der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft. Das muss man anerkennen, wenn man aus diesem Sieg die richtigen Schlüsse ziehen will. Daniel Heuer Fernandes musste den HSV mehrfach vor einem Rückstand bewahren. Hinten stand die Mannschaft zwar kompakter als zuletzt, weil man mit elf Mann verteidigte – aber sicher wirkte sie längst nicht immer. Nach vorn fehlten Spielfluss, Entlastung und über längere Phasen auch die Aktionen, mit denen man einen Gegner aus dem Spiel heraus unter Druck setzt.
Der Dosenöffner nach Standard
Dass Nicolás Capaldo kurz vor der Pause eine Ecke von Albert Grønbæk einköpfte, war deshalb mehr als nur das erste Saisontor. Es war der Dosenöffner in einem Spiel, in dem dem HSV bis dahin offensiv nur sehr wenig gelungen war. Und es war ein schöner Beleg dafür, dass die zusätzliche Arbeit an offensiven Standards Früchte tragen kann. Co-Trainer Richard Krohn hatte hierauf in den vergangenen Wochen ein besonderes Augenmerk gelegt. Nach der Pause legte Yussuf Poulsen schnell das 2:0 nach. Mit der Führung im Rücken verteidigte der HSV leidenschaftlich, bekam mehr Zugriff und brachte den Sieg trotz des Kölner Anschlusstreffers über die Zeit. Vor allem dieser gemeinsame Einsatz macht Mut.
Rückhalt für Polzin – aber kein Freifahrtschein
Der Erfolg kam auch für die Verantwortlichen zur rechten Zeit. Einen Tag vor dem Köln-Spiel hatte der HSV die Verträge von Merlin Polzin und seinem Trainerteam trotz des Fehlstarts bis 2029 verlängert. Sportvorständin Kathleen Krüger begründete die Entscheidung mit ihrer Überzeugung vom gemeinsamen Weg. Auch aus der Mannschaft kam deutlicher Rückhalt: Kapitän Nicolai Remberg erzählte nach dem Sieg, er habe Polzin vor dem Spiel gesagt, dass die Spieler es auch für das Trainerteam schaffen wollten.
Das spricht für den Zusammenhalt im Verein. Und Polzin hat gegen Köln gezeigt, dass er nach zwei 0:5-Niederlagen bereit ist, seine Mannschaft zunächst auf defensive Sicherheit auszurichten. Trotzdem sollte man den Sieg nicht nachträglich zum Beweis erklären, dass schon vor dem Anpfiff alles richtig entschieden war. Über die Vertragsverlängerung kann man unterschiedlicher Meinung sein. Auf dem Platz wird sich in den kommenden Wochen zeigen müssen, ob aus dem Rückhalt auch eine stabile Entwicklung wird.
Die Erinnerung an die vergangene Saison macht Hoffnung: Auch damals gelang der erste Sieg erst am vierten Spieltag, ebenfalls mit 2:1. Danach fand der HSV Schritt für Schritt zu jener Stabilität, die ihm schließlich den Klassenverbleib sicherte. So eine Entwicklung ist auch jetzt möglich. Sie kommt allerdings nicht allein deshalb, weil sich das Ergebnis vom vierten Spieltag wiederholt hat.
Eine kleine Herbst-Vorbereitung im Volkspark
Die dreiwöchige Länderspielpause gibt dem HSV Zeit, genau daran zu arbeiten. Neun Profis sind bei ihren Nationalmannschaften, darunter auch Immanuël Pherai. Für die übrigen Spieler hat das Trainerteam unterschiedliche Pläne erstellt. Dauerbrenner wie Nicolai Remberg und Daniel Heuer Fernandes bekommen nach der hohen Belastung seit Beginn der Vorbereitung früh frei. Spieler mit Trainingsrückstand oder Verletzungspausen legen dagegen Sonderschichten ein – teils in kleinen, auf ihre Position zugeschnittenen Gruppen, teils individuell oder im Kraftraum.
Dazu zählen unter anderem Fabio Vieira, Terem Moffi, Bilal Nadir und Sebastiaan Bornauw. Auch Albert Sambi Lokonga, Nicolás Capaldo, Yussuf Poulsen und Miro Muheim sollen die Zeit nutzen, um körperlich näher an ihr Leistungslimit zu kommen. Gerade bei Muheim, der ohne vollständige Vorbereitung in die Saison gegangen war und anschließend verletzt fehlte, braucht das seine Zeit. Es ist vernünftig, diese Rückstände jetzt gezielt anzugehen. Gegen Mainz hatte der HSV bereits schmerzhaft erfahren, dass spät hinzugekommene Spieler die vom Trainerteam geforderte Intensität noch nicht durchgehend umsetzen konnten.
Auch die Trainer teilen sich die Arbeit in dieser ersten Woche auf. Zum Auftakt leiteten Loïc Favé und Richard Krohn das Training, während Merlin Polzin ein paar freie Tage hat. Später wechseln sie sich ab. Am 29. September beginnt die reguläre Vorbereitung auf das Testspiel gegen den FC Kopenhagen am 4. Oktober. Danach rückt das Bundesligaspiel in Hoffenheim am 10. Oktober in den Mittelpunkt.
Diese kleine Herbst-Vorbereitung darf sich allerdings nicht allein auf Fitness beschränken. Die neuen Spieler müssen sich besser kennenlernen, Abläufe mit Ball müssen klarer werden, und aus der kompakten Defensive gegen Köln muss eine Verlässlichkeit entstehen, die auch unter größerem Druck trägt. Der HSV hat gezeigt, dass er sich nach zwei heftigen Niederlagen wehren und ein Spiel mit einfachen Mitteln gewinnen kann. Das war der richtige erste Schritt – aber auf diese Weise wird es nicht immer gelingen. Andere Mannschaften werden ihre Gelegenheiten konsequenter nutzen, wie zuletzt RB Leipzig.
Deshalb muss der HSV die Erleichterung nun in konzentrierte Arbeit umsetzen. Und zwar genau in dieser Reihenfolge: Erst die Defensive stabilisieren und jene Stärke wiederfinden, die in der vergangenen Saison die Grundlage für den Klassenverbleib war. Darauf kann die Mannschaft Schritt für Schritt aufbauen. Nur einen Fehler darf sie nicht wiederholen: zu glauben, dass sie schon so weit ist, Bundesligaspiele vor allem spielerisch gewinnen zu können. So weit ist der HSV noch nicht. Das ist für mich die wichtigste Erkenntnis der vergangenen Wochen – und gerade auch des Sieges gegen Köln. Wenn die Mannschaft daraus die richtigen Schlüsse zieht, kann dieser erste, enorm wichtige Erfolg tatsächlich zum Wendepunkt werden.
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Spielbericht
Zurück zu den Basics: Wie sich der HSV diesen Sieg erarbeitet hat
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