HSV zwischen Länderspielpause und Transferphase: Entscheidungen stehen an

HSV zwischen Länderspielpause und Transferphase: Entscheidungen stehen an

Moin zusammen,

heute gibt es nur ein kleines Update, wir befassen uns in den nächsten tagen mal mit den bisherigen Ereignissen der Saison, aber das folgt. Heute wurde bekannt, dass Ransford Königsdörffer für die Nationalmannschat Ghanas nachnominiert wurde. Je nachdem wie der Trainer aufstellt, könnte es also sein, dass wir in beiden Spielen der deutschen Nationalmannschaft jeweils einen HSVer auf dem Platz sehen. Muheims Chancen stehen bei der Schweiz sicherlich besser, aber wer weiß, vielleicht kommt ja auch Königsdörffer zum Einsatz.

Anstehende Kaderplanung

Zudem geht es jetzt in die heiße Phase, was Verlängerungen beim HSV geht. Bei Mickelbrencis sind die Verhandlungen gestartet, hier könnte es in nächster Zeit eine Einigung geben. Bei Heuer Fernandes hängt das ganze ja auch vom Ausgang der Saison ab. Sollte der HSV die Klasse halten, gäbe es wohl eine Klausel im Vertrag, die eine Verlängerung beinhaltet. Auch bei Königsdörffer muss in den nächsten Tagen und Wochen geschaut werden, wie es weitergeht.

Außerdem gab es jetzt auch erste News zu den Leihspielern. Laut dem Abendblatt ist eine Verpflichtung von Philip Otele je nach weitere Leistungen möglich, bei Groenbaek muss man schauen, was er noch zeigen kann. Ich denke aber eher, dass es hier nichts wird, denn die anstehenden Spiele liefern eigentlich wenig Spielraum Groenbaek von Anfang an auf das Feld zu schicken, von der Bank wird es wohl schwierig einen großen Einfluss zu nehmen. Bei Downs und Gocholeishvili wird es, wie zu erwarten, wohl nicht zu einer festen Verpflichtung kommen. Downs zeigt keine Leistungen und Gocholeishvili ist seit einiger Zeit hinten dran. Auch bei Vieira wird die Kaufoption nicht gezogen, hier versucht man den Preis in einen angemessenen Rahmen zu verhandeln. Andernfalls würde man nach einem anderen Spielmacher Ausschau halten. Wir gehen auf die einzelnen Spieler in der Länderspielpause nochmal extern ein.

Tom

HSV Update: Nationalspieler unterwegs – kommt Kehl nach Hamburg?

HSV Update: Nationalspieler unterwegs – kommt Kehl nach Hamburg?

Moin zusammen,

die neue Woche ist gestartet und trotz der anstehenden Länderspielpause ist wieder viel los. Zunächst kommen wir einmal zu den Spielern, die auf Länderspielreise sind. Philip Otele steht im Aufgebot der nigerianischen Nationalmannschaft, Miro Muheim spielt für die Schweiz gegen Deutschland. Giorgi Gocholeishvili läuft für Georgien auf, Vuskovic für Kroatien. Dazu gibt es noch 4 Spieler, die zu U-Nationalmannschaften eingeladen sind. Dazu zählen Hannes Hermann (Deutschland U20), Fabio Balde (Deutschland U20), Damien Downs (U21 Amerika) und Otto Stange, der bei der deutschen U19-Nationalmannschaft bei der Eliterunde zur U19-EM für Deutschland im Aufgebot steht.

Mein Fazit zu BVB-HSV

Zum Thema 27. Spieltag ist meine Meinung, dass in diesem Spiel gegen diesen BVB aus der 2. Halbzeit maximal defensivere Außenverteidiger geholfen hätten. Auf rechts hätte ich spätestens nach dem 1:2 Gocholeishvili, mit dem Risiko, dass man aus dem Halbfeld noch den einen oder anderen Freistoß gegen sich kassiert hätte, eingewechselt. Auf der anderen Seite hätte es m. M. n. auch noch eine defensivere Variante gebraucht, um die Flanken von außen zu verhindern. Aber die Möglichkeit hat man nicht, da man für links nur Muheim oder gegebenenfalls Katterbach hat, die beide ihre Stärken eher in der Offensive als in der Defensive haben. Ein Vieira hätte m. M. n. nicht den Ausschlag gegeben, dass man am Ende mehr aus dem Spiel holt. Er bekam offensiv kaum Bälle, wenn er sie bekam, wurde er von 3 Mann gepresst. Die restliche Zeit wurde er sowohl von den Dortmundern als auch vom HSV überspielt. Natürlich wechselt man dann aber nicht Damion Downs ein, der noch nie Impact auf das Spiel des HSV hatte. Ich hätte Stange gebracht, aber auch da bin ich mir nicht sicher, ob das am Ende etwas verändert hätte. Ebenso hätte ein defensiver Wechsel nicht weniger Druck rausgenommen, weil man dem BVB noch mehr Platz auf dem Feld gegeben hätte. Im Nachhinein wissen wir es ja irgendwie alle besser. Wir können ja leider nicht sagen, was passiert wäre, wenn Dinge anders gehandhabt worden wären.

Gesamtbetrachtet war der BVB m. M. n. in der 2. Halbzeit so überlegen, dass es nur wenige Szenarien gegeben hätte, in denen der HSV aus dem Spiel Punkte mitnimmt. Die Wechsel haben definitiv nicht geholfen und waren nicht gut, aber ich sage, dass das am Ende keinen Unterschied gemacht hätte. Einzig wenn man bis zur 80. Minute irgendwie die 0 gehalten hätte, wäre was gegangen, aber ob das selbst mit einem Vieira auf dem Platz gehalten hätte, bezweifle ich. Am Ende war Dortmund in der 2. Halbzeit zu gut und die Leistung des HSV insgesamt nicht gut genug, um dort gegenzuhalten.

Kehl als neuer Sportchef?

Bleiben wir beim Thema BVB/HSV, kommen wir direkt zur nächsten Personalie. Sebastian Kehl wurde als Sportdirektor beim BVB entlassen, sein Nachfolger wird Ole Book aus Elversberg. Nun wird Sebastian Kehl beim HSV noch heißer gehandelt, es könnte in der Tat dazu kommen, dass Kehl das Amt des Sportdirektors beim HSV übernimmt. Das ist zum aktuellen Zeitpunkt aber noch alles Spekulation, es gibt auch Gerüchte über ein Engagement bei Tottenham. Ich habe mir mal die Transferhistorie von Sebastian Kehl angeschaut. Zum einen sind dort gute Transfers, zum anderen sind natürlich auch Flops dabei. Positiv sind sicherlich die Transfers von Schlotterbeck, Guirassy und im Nachhinein auch die Transfers von Maxi Beier und Felix Nmecha. Beier und Nmecha brauchten Anlaufzeit, ähnliches könnte auch bei Jobe Bellingham passieren. Zum aktuellen Zeitpunkt zählt der Transfer des Engländers aufgrund der Gebühr von über 35 Millionen Euro aber nicht zu einem guten Transfer. Weiterhin holte Kehl Waldemar Anton und auch Füllkrug, mit dem man am Ende Gewinn machen konnte. Auf der anderen Seite stehen Transfers wie Niklas Süle, das Versäumnis rund um Ian Maatsen im Verbund mit dem Yan-Couto-Transfer und auch der Transfer von Chukwueuemeka ist nach wie vor in der Kritik. Auch wurde immer wieder über die Personalie Modeste diskutiert. Am Ende war der BVB auch dank seiner Hilfe noch bis zum letzten Spieltag Tabellenführer, als man die Meisterschaft am 34. Spieltag wieder hergab.   Ähnliches galt auch bei Haller, er war aber m. M. n. der ausschlaggebende Punkt, warum der BVB am Ende überhaupt noch Chancen auf den Titel hatte. Auch das Champions-League-Finale erreichte der BVB unter Kehl. Man schaffte es aber bis jetzt immer noch nicht, mit Schlotterbeck zu verlängern, und ich denke, man hätte diesen auch verloren, wenn Upamecano nicht bei Bayern verlängert hätte.

Insgesamt also ein durchwachsenes Bild. Wenn ich mir aber mal die gesamte Historie der Transfers unter Kehl anschaue, wirkt das auf mich doch positiver, als die kritischen Stimmen es hergeben, da ich da schon viele gute Transfers sehe. Dennoch verpasste man es z. B. bei Karim Adeyemi, ihn für gutes Geld nach England zu verkaufen. Auch wenn es zum Zeitpunkt des Angebots klug erschien, ihn nicht zu verkaufen, schaut man da hinterher sicherlich anders drauf. Am Ende hatte man in der Zeit einen Transferverlust von ca. 8 Millionen Euro. Man hat mit Adeyemi, Guirassy, eventuell Schlotterbeck und Nmecha aber mittlerweile auch Spieler mit großem Marktwert im Verein. Und natürlich die neue Küche für 11 Millionen Euro. Das ist natürlich kein Transfer eines Spielers, aber diese Anekdote darf hier nicht fehlen.

Schreibt doch gerne mal eure Meinungen zum Thema Kehl in die Kommentare.

Tom

Zwischen Stolz und Frust: HSV scheitert an sich – und am Punkt

Zwischen Stolz und Frust: HSV scheitert an sich – und am Punkt

Es gibt Spiele, nach denen bleibt mehr hängen als nur ein Ergebnis. Dieses 2:3 in Dortmund ist genau so eines. Aus HSV-Sicht fühlt es sich nicht wie eine Niederlage an – sondern wie zwei verlorene Punkte. Und wie eine Geschichte, die eigentlich ganz anders hätte enden müssen.

Der HSV hatte den Favoriten aus Dortmund in der ersten Halbzeit gut unter Kontrolle. Wach, mutig, defensiv stabil und klar im Kopf – genau so, wie man in einem Stadion wie diesem auftreten muss. Während der BVB fahrig wirkte und sich immer wieder in Umschaltsituationen überrumpeln ließ, spielte der HSV seine Chancen konsequent aus.

Das 1:0 war die Folge: schnell nach vorne, sauber ausgespielt, eiskalt abgeschlossen. Und auch danach blieb der HSV die bessere Mannschaft. Dortmund wirkte verunsichert, beinahe überrascht von der Klarheit und Konsequenz des Aufsteigers. Selbst als sich die nächste große Chance für die Gastgeber vom Punkt bot, blieb das Gefühl: Hier kippt nichts. Und tatsächlich – der Elfmeter ging vorbei.

Spätestens mit dem zweiten Treffer kurz vor der Pause war klar, wer dieses Spiel bislang bestimmt hatte. Der HSV führte verdient mit 2:0 – und hätte sogar noch höher führen können. Es war eine dieser ersten Halbzeiten, in denen alles zusammenpasst: Zugriff, Tempo, Haltung – und das Spielglück.

Und dann kam die zweite Hälfte. Und mit ihr eine Dynamik, die man in dieser Liga kennt – und die sich an diesem Abend brutal gegen den HSV richtete.

Dortmund erhöhte den Druck, schob an, wurde zwingender. Aber der Knackpunkt waren nicht nur die Minuten, sondern die Entscheidungen. Zwei Elfmeter gegen den HSV innerhalb kurzer Zeit – beide durchaus diskutabel, aber nicht unberechtigt. Aber vor allem:beide spielentscheidend. Plötzlich stand es nicht mehr 2:0, sondern 2:2. Und das Spiel war komplett gedreht, ohne dass der HSV wirklich eingebrochen wäre.

Was folgte, war ein klassischer Momentum-Kipppunkt. Dortmund witterte seine Chance, das Stadion war wieder da – und der HSV bekam kaum noch Entlastung. Die dritte Entscheidung, wieder im Strafraum, wieder gegen Hamburg, brachte dann die endgültige Wende.

Am Ende steht ein 2:3. Aber dieses Ergebnis erzählt nur die halbe Wahrheit.

Der HSV hat über weite Strecken gezeigt, dass er nicht nur mithalten kann – sondern ein Topteam auswärts kontrollieren kann. Dass er Spiele kontrollieren kann. Dass er reif ist. Und genau deshalb tut diese Niederlage so weh.

Denn sie fühlt sich nicht verdient an. Sie fühlt sich unnötig an. Die Wechsel waren diesmal mehr als unglücklich und haben dafür gesorgt, dass der HSV gar keine Entlastung mehr hatte. Sogar dazu, dass der HSV schlechter wurde. Dazu die drei Elfmeter für den Gegner, eine starke eigene Leistung – und trotzdem ohne Punkte. Das ist schwer zu schlucken.

Aber es ist auch ein Signal: Wenn der HSV diese Energie konserviert, wenn er diese erste Halbzeit zur Messlatte macht, dann wird er sich für solche Spiele bald belohnen.

An diesem Abend blieb nur das Gefühl, dass hier mehr drin war.

Deutlich mehr!

Für eine Einzel.kritik war ich zu emotional. Ich hole das aber morgen ganz ausgeruht und sachlich-fachlich nach.
Gute Nacht!

Scholle

Glatzel aus dem Kader gestrichen – Richtig oder falsch?

Glatzel aus dem Kader gestrichen – Richtig oder falsch?

Moin zusammen, heute wurde bekannt, dass der HSV ohne Robert Glatzel nach Dortmund fliegen wird. Aus disziplinarischen Gründen wurde der 32-Jährige aus dem Kader gestrichen.  Eine disziplinarische Maßnahme, nachdem der Angreifer seinen Unmut über seine Situation in einem nicht autorisierten Interview kundtat. Die Frage dahinter: Kann sich der HSV das so erlauben? Scholle iund ich sind da durchaus unterschiedlicher Meinungen. Aber leset selbst:

Grundsätzlich kann ich die Konsequenzen nachvollziehen, immerhin hat Glatzel gegen die internen Leitlinien verstoßen. Dass das ganze mindestens eine Geldstrafe mit sich ziehen würde, war sicherlich auch Robert Glatzel klar, das genau ausmaß liegt am Ende in der Hand der Entscheider. Dennoch ist eine Suspendierung in dieser Phase für mich aus 2 Gründen die falsche Entscheidung. 

Die Thematik um den Sturm herum ist in letzter Zeit immer höher gekocht, die Kritik wird lauter, der Druck von außen wächst. Nicht nur auf Trainer Polzin, sondern auf das gesamte offensive Konstrukt. Jedes Spiel, in dem offensiv wenig passiert, ist ein weiterer Tropfen in einem Fass, das bald zum Überlaufen droht. Nun steht man vor einem Spiel, in dem man so oder so zu wenig Chancen kommt, viele Tore wird der HSV morgen in Dortmund wahrscheinlich nicht erzielen. Eine Niederlage ist nicht ganz unwahrscheinlich. Und genau vor diesem Spiel verursacht man durch so eine Schlagzeile noch mehr Unruhe, als das Interview selbst schon reingebracht hat. Der Druck auf den Stürmern ist so oder so hoch, nach dieser Aktion, ist der HSV morgen fast gezwungen 2 oder 3 Tore zu machen, damit am Ende die Diskussion nicht noch mehr ausartet. Denn mal ganz unabhängig davon, ob Robert Glatzel morgen mehr Einfluss auf das Spiel gehabt hätte, als die Offensivkräfte, die morgen auflaufen, am Ende werden die Stimmen laut, dass es eben genau an diesen Stürmern gelegen hätte. Man baut sich mit dieser Aktion mMn einen neuen unnötigen Druck auf.

Der zweite Punkt, der für mich gegen dieses Verhalten spricht, ist der Fakt, dass man mit Robert Glatzel eine offensive Systematik schon vor Beginn des Spiels streicht. Wäre Poulsen fit, würde das ganze hier wahrscheinlich etwas anders aussehen aber jeder in Dortmund kann sich darauf einstellen, dass der HSV morgen rein die Tiefe sucht und das über 90. Minuten. Sollte der BVB früh in Führung gehen und sich dann, ähnlich wie in einigen anderen Spielen in diesem Jahr hintern reinstellen, hast du in diesem Falle eigentlich schon jegliche Offensiv Strategien des HSV verteidigt. Ich lasse mich gerne positiv überraschen, aber sollte der BVB morgen früh in Führung gehen, wird es für den HSV mMn noch schwerer als ohnehin schon. Vor allem weil die 5er-Kette des BVB in dieser Saison wirklich stabil steht.

Gesamtbetrachtet kann ich eine Strafe des HSV diesbezüglich nachvollziehen. Man hat bestimmte Prinzipien, nach denen die Kultur im Verein gelebt wird und wer sich dagegen stellt erhält Konsequenzen. Vielleicht ist das auch einfach ein ungünstiger Zeitpunkt, aber bei der aktuellen Lage, wo es offensiv sowieso schon nicht läuft, und man nun auf einen Gegner trifft, der sich im gegnerischen Ballbesitz auch gerne mal sehr tief fallen lässt, hätte ich eine Geldstrafe, gerne auch im höheren Bereich bevorzugt. Wie gesagt, eine Strafe ist mMn richtig, das Ausmaß zu diesem Zeitpunkt aber eher nicht gelungen. Sofern das ganze intern keine Unruhe reinbringt, ist das eventuell sogar die richtige Entscheidung. Denn was wäre passiert, wenn Glatzel nach dem Interview morgen doch gespielt hätte? Würden andere Reservisten dann genauso vorgehen? Wir können das ganze natürlich nur von außen betrachten und da bringt das für mich Unruhe in den Verein. Nichtsdestotrotz werden wir schauen was morgen und in den nächsten Wochen passieren wird, wie das Thema intern behandelt wird, wissen wir nicht. 

Tom 


Glatzel sorgt für Unruhe – und trifft den falschen Zeitpunkt

Die Ausgangslage ist schnell erzählt: Beim 1:1 des HSV gegen Köln kam Robert Glatzel erneut nicht zum Einsatz. Während Poulsen verletzt fehlte, setzten die Verantwortlichen auf andere Optionen, Glatzel saß 90 Minuten auf der Bank. Inzwischen ist der langjährige Torjäger im internen Sturm-Ranking offenbar nur noch die Nummer fünf – eine Entwicklung, die für einen Spieler mit seiner Vergangenheit beim HSV alles andere als leicht zu akzeptieren ist.

Kurz darauf meldete sich der 32-Jährige in einem Interview mit der Hamburger Morgenpost zu Wort. Ein Interview, das nicht über den Verein lief und damit nicht den üblichen Abläufen entsprach. Beim HSV – wie im Profifußball generell – werden Gespräche mit Medien in der Regel abgestimmt und vor Veröffentlichung gegengelesen. Glatzel hat sich bewusst darüber hinweggesetzt und seinen Frust öffentlich gemacht. Inhaltlich ging es um seine geringe Einsatzzeit, um Gespräche mit Trainer Merlin Polzin und um sein fehlendes Verständnis für die aktuelle sportliche Situation.

Dass ein Spieler in so einer Lage unzufrieden ist, überrascht nicht. Im Gegenteil: Es wäre eher ungewöhnlich, wenn ein Stürmer mit dieser Vita und diesem Selbstverständnis die Situation einfach kommentarlos hinnimmt. 73 Tore in 115 Spielen sprechen für sich. Glatzel hat über Jahre geliefert, hat den HSV mitgetragen und geprägt. Dass er sich nun außen vor fühlt, ist menschlich absolut nachvollziehbar. Und vielleicht hätte eine klarere, frühere Kommunikation intern an der einen oder anderen Stelle sogar geholfen, die Situation zu entschärfen.

Und trotzdem bleibt ein entscheidender Punkt: der Zeitpunkt.

Der HSV befindet sich in der entscheidenden Phase der Saison. Zwei Monate vor Schluss geht es nicht mehr um langfristige Perspektiven oder persönliche Rollen, sondern ausschließlich um Punkte. Der Klassenerhalt ist greifbar, aber noch nicht gesichert. In genau dieser Phase muss sich alles dem einen Ziel unterordnen: die nötigen Punkte holen und die Liga halten. Jede Diskussion, jede Schlagzeile, jede Unruhe von außen lenkt im Zweifel genau davon ab.

Vor diesem Hintergrund wirkt das Interview wie ein unnötiger Störfaktor. Denn Glatzel ist kein junger Spieler, der aus der Emotion heraus handelt. Er kennt das Geschäft, er kennt die Dynamiken, er weiß, welche Wirkung öffentliche Aussagen in einer solchen Phase haben können. Deshalb darf man zumindest die Frage stellen, warum er diesen Weg genau jetzt gewählt hat. Warum nicht in ein paar Wochen? Warum nicht nach gesichertem Klassenerhalt? Warum nicht ausschließlich intern?

Glatzel selbst betont, er wolle kein Feuer legen oder sich über die Mannschaft stellen. Faktisch ist aber genau das passiert. Die Diskussion hat sich verschoben – weg von der sportlichen Situation, hin zu Personalfragen und Rollenverteilungen. Fans diskutieren nicht mehr nur über Punkte und Gegner, sondern über Glatzel, Downs und die Stürmerhierarchie. Das mag menschlich verständlich sein, hilft der Mannschaft in dieser Phase aber nicht.

Und genau hier liegt das Problem. Bei aller Sympathie für Glatzel und bei allem Verständnis für seine Lage: In dem Moment, in dem ein Spieler seine persönliche Situation öffentlich über das große Ganze stellt, wird es schwierig. Der Eindruck entsteht, dass individuelle Interessen über die mannschaftliche Aufgabe gestellt werden – und genau das kann sich ein Team im Abstiegskampf nicht leisten.

Dass das Trainerteam darauf reagiert hat, überrascht daher nicht. Für die Partie bei Borussia Dortmund am Sonnabendabend wurde Glatzel nicht nominiert – eine Entscheidung, die man als klares Signal und zugleich als gerechte Konsequenz werten kann. Nicht als Strafaktion im klassischen Sinne, sondern als Hinweis darauf, dass es in dieser Phase um Disziplin, Geschlossenheit und das Einhalten gemeinsamer Regeln geht.

Die Reaktion von Trainer Merlin Polzin insgesamt fällt entsprechend aus: Verständnis für die Emotion, aber klare Kritik am Vorgehen. Intern wurde das Thema angesprochen und aufgearbeitet. Sportlich wird sich dadurch zunächst wenig ändern – entscheidend bleibt weiterhin, was der Mannschaft insgesamt am meisten hilft.

Und genau darum muss es jetzt gehen. Der HSV hat in den vergangenen Wochen gezeigt, dass er konkurrenzfähig ist. Die Defensive steht, die Punkteausbeute ist ordentlich, die Ausgangslage ist stabil. Es wäre fahrlässig, diesen Weg jetzt durch Nebengeräusche zu gefährden.

Deshalb kann es nur eine klare Haltung geben: Dieses Thema intern klären, sauber aufarbeiten – aber die volle Konzentration auf die letzten Spiele richten. Alles andere kann und sollte warten.

Am Ende wird niemand mehr darüber sprechen, wer wann welches Interview gegeben hat. Entscheidend ist allein, ob der HSV die Klasse hält.

Und genau darauf muss jetzt der gesamte Fokus liegen.

Scholle

HSV gegen Dortmund im Check: Personal, System und Spielplan

HSV gegen Dortmund im Check: Personal, System und Spielplan

Moin zusammen,

heute war mal wieder viel los um den HSV. Bevor wir auf den Gegner eingehen, beginnen wir ein weiteres Mal mit dem Thema Robert Glatzel. Logischerweise wurde Trainer Merlin Polzin in der Pressekonferenz auf das Interview von Glatzel angesprochen und sagte dazu, dass es jedem Spieler zustehe, dass ein Spieler eine Perspektive auf das Geschehen habe wie Glatzel. Allerdings sei der Vorgang, so wie das Interview stattfand, nicht im Einklang mit den internen Regeln gewesen. Polzin sagte weiter, dass die Sache intern mit klaren Worten geklärt wurde. Bezüglich des Kaders hörte es sich zunächst so an, dass es darauf weniger Einfluss habe. Ob das wirklich so ist, werden wir in den kommenden Wochen sehen. Glatzel wird laut der BILD für dieses Interview eine Geldstrafe bekommen, da er sowohl Ablauf als auch Inhalt nicht mit dem Verein kommuniziert hat. Soweit ich weiß, sind das normale Auflagen. Glatzel konnte damit also wohl rechnen. Wie hoch die Strafe ist, ist noch nicht bekannt.

Borussia Dortmund

Kommen wir nun zum Gegner. Am Wochenende steht für den HSV wieder eine Auswärtsfahrt an. Dieses Mal geht es ins Westfalenstadion (mittlerweile Signal-Iduna-Park). Mit Borussia Dortmund trifft der HSV auf die beste Mannschaft der Rückrunde. Generell spielen die Dortmunder eine gute Saison, vor allem punktetechnisch. In der Liga verlor man nur 2-mal und das gegen den FC Bayern, der in dieser Saison übermächtig scheint. Aus den letzten 5 Spielen holten die Borussen 10 Punkte. Zuletzt gewann man zu Hause gegen Augsburg mit 2:0. Das Spiel zwischen dem HSV und Dortmund endete in der Hinrunde mit 1:1. Das Spiel war über lange Strecken offen, der BVB hatte mehr Spielanteile, konnte die kompakte Defensive des HSV aber schwer überwinden. Erst durch einen Volley von Chukuwuemeka ging der BVB in Führung, Ransford Königsdörffer konnte in letzter Sekunde per Kopf ausgleichen. Der BVB kam dort vermehrt über das Zentrum, aber der HSV machte dieses gut zu, war hartnäckig in den Zweikämpfen und machte es dem BVB schwer, zum Tor zu kommen.

Die voraussichtliche Aufstellung des BVB liest sich wie folgt:

Kobel – Reggiani – Anton – Schlotterbeck – Ryerson – Nmecha – Bellingham – Svensson – Adeyemi – Beier – Guirassy.

Die Dortmunder kommen natürlich mit ordentlich Qualität. Es gäbe auch noch weitere Spieler wie Brandt, Bensebaini oder Chukuwuemeka, die potentiell in die Startelf rücken könnten. Die Dortmunder spielen in dieser Saison nicht immer überzeugenden Fußball, aber sie ziehen die Spiele am Ende häufig. Im Schnitt holen die Dortmunder 2,22 Punkte pro Spiel. Hochgerechnet würde das am Ende zu 75–76 Punkten führen. Richtig gut ist vor allem die Defensive der Dortmunder. Mit 26 Gegentoren hat man nach Bayern (25 Gegentore) die wenigsten der Liga kassiert. Mit Kobel hat man auf der Linie einen richtig guten Rückhalt. Man hat aber auch in einigen Spielen wie z. B. gegen Heidenheim gesehen, dass Dortmund trotzdem verwundbar ist.

Personallage des HSV

Beim HSV sieht die Personallage folgendermaßen aus:

Alexander Roessing-Lelesiit, Bakery Jatta, Yussuf Poulsen und Nicolas Capaldo sind nicht dabei, der Rest ist fit für den Kader.

Auf einzelne Positionen ging Polzin auf der Pressekonferenz wenig ein. Ich stelle mir die Aufstellung folgendermaßen vor:

Im Tor wie immer. Heuer Fernandes

Davor, Torunarigha, Vuskovic und Omari.

Im Zentrum Remberg und Lokonga.


Links Muheim, rechts Mickelbrencis.

Vorne Otele, Königsdörffer und Vieira.

Ich denke, die Defensive ergibt sich aus dem letzten Spiel, da funktionierte das ganz gut. Auch das Zentrum ist klar, ebenso wie Vieira für die Offensive.

Fraglich ist dann nur, wie Polzin vorne plant. Ich denke, Otele wird spielen, da er mehr nach hinten arbeitet. Neben ihm dann Königsdörffer. Natürlich besteht auch immer die Chance, dass Downs spielt, aber ich denke, dass Otele nach seiner Krankheit wieder startet, und zwischen Downs und Königsdörffer würde ich in diesem Falle im Moment immer mit Königsdörffer gehen. So hat man, wie bereits Dienstag erwähnt, auch die Möglichkeit, zwischen 3-4-3 und 3-5-2 zu wechseln, je nachdem, ob Dortmund den Fokus ihres Offensivspiels auf das Zentrum oder die Außen legt. Zudem sind Otele und Königsdörffer m. M. n. die beiden, die da vorne am ehesten die Tiefe bespielen können. Glatzel ist nach dem Vorfall und den Aussagen von Polzin wohl kein Kandidat für die Startelf und auch bei meiner Nachfrage nach Philippe hörte es sich eher danach an, dass dieser nicht startet. Somit gibt es für vorne nur noch Dompe, Downs, Königsdörffer und Otele. Aufgrund der defensiven Ausrichtung macht für mich nur Otele Sinn und daneben Königsdörffer, da Downs bis jetzt, sagen wir mal, sehr wenig gezeigt hat.

Auf den spielerischen Ansatz bin ich ja Dienstag schon eingegangen. Kurz gesagt: Der HSV muss versuchen, schnell in die Tiefe zu kommen. Das ist gegen Dortmund, die mit der letzten Kette teilweise bis 5 Meter vor die Mittellinie aufrücken, möglich, vor allem, wenn man es schafft, im Zentrum den Ball zu gewinnen. Dann muss es aber auch sehr schnell gehen. Ich denke, lange Ballbesitzphasen führen in diesem Spiel nicht zum Erfolg. Dafür ist die Dortmunder Defensive einfach zu gut und zu stabil. Wenn man das Spiel lange offen hält, sorgt man für Beunruhigung im Stadion und beim Gegner. Das sollte ähnlich wie im Hinspiel das Ziel sein, damit man entweder schon mitten im Spiel oder ganz am Ende entscheidend zuschlagen kann.

Fazit

Das Spiel in Dortmund wird eines der schwierigsten in der restlichen Saison. Und ich habe schon viele gehört, die sich nur darum streiten, wie hoch das Spiel am Ende ausgeht. Ich persönlich denke, es macht keinen Sinn, ein Spiel vorher abzuschreiben. Wenn man mit der Einstellung reingeht, kann die Mannschaft auch gleich zu Hause bleiben und die Geldstrafe plus Niederlage hinnehmen.

Auch wenn die Qualität der Dortmunder deutlich höher ist als die des HSV, ist das Spiel dadurch noch nicht verloren. Man sollte dort mit einem guten Plan und Überzeugung in das eigene Spiel hinfahren und alles versuchen.

Mit dabei sind auch wieder mal mindestens 8.000 HSV-Fans, die die Mannschaft unterstützen werden, und dass man gegen Dortmund Punkte holen kann, haben wir ja im Hinspiel gesehen. Ich freue mich jedenfalls auf das Spiel und wünsche allen, die mit nach Dortmund fahren, eine gute Reise. Schreit unsere Jungs nach vorne.

Tom

Zwischen System und Realität: Der Fall Glatzel beim HSV

Zwischen System und Realität: Der Fall Glatzel beim HSV

Moin zusammen,

heute möchten wir uns im Verbund einem Thema widmen, das in den letzten beiden Tagen sehr hochgekocht ist. Es geht um Robert Glatzel. Glatzel ist nicht nur Fanliebling des HSV, sondern stand auch in den vergangenen Jahren statistisch für gute Werte. In seinen Jahren in der 2. Liga erzielte er für den HSV 81 Tore und 20 Vorlagen. Dabei wurde er 2facher-Torschützen König. Er war immer ein Garant dafür, den Ball über die Linie zu drücken. Selbst im Aufstiegsjahr, in dem Glatzel lediglich 15 Spiele und 670 Minuten spielte, erzielte Glatzel 10 Treffer.

Das Spielerprofil von Glatzel ist klar. Er ist der klassische Zielspieler, der vorne dafür sorgen soll, dass seine Mannschaft Tore erzielt. Meistens als Torjäger, hin und wieder auch als Vorlagengeber. Für so einen Zielspieler ist ein offensives Ballbesitzsystem, wie es der HSV in der 2. Liga spielte, natürlich optimal, alles ist auf den Zielspieler zugeschnitten. Der HSV hatte oftmals den Ball, es ging mehr um das Toreerzielen als um das Toreverhindern.

Die Vorgschichte

Nach dem Bundesligaaufstieg hat sich das Spiel des HSV verändert. Aufgrund der deutlich höheren Qualität der Gegner geht es vermehrt darum, Tore zu verhindern. Selbst zu Chancen kommt man deutlich weniger als in der Vorsaison, was aufgrund der Gegnerqualität abzusehen war. Deshalb fokussierte man sich komplett auf die defensive Kompaktheit und studierte eine 5er-Kette mit 2 Mittelfeldspielern und 3 „Offensiven“ ein. Vor allem im Trainingslager wurde dabei akribisch an den Abläufen in der Defensive gearbeitet. Dabei lag der Fokus in der Vorbereitung nicht nur auf der 5er-Kette, sondern auf dem gesamten Konstrukt, welches gegen den Ball schon beim Stürmer anfängt.   Für die Stürmerposition verpflichtete man mit Yussuf Poulsen ein Spielerprofil, welches vom Profil her gut zur Taktik passte. Ein Stürmer, der durch gezieltes Anlaufen den Gegner in Zonen drängt, in denen der HSV durch gezieltes Pressing den Ball erobert, um von dort aus direkt ins Umschaltspiel zu gehen. Allerdings ging diese Idee mehr oder weniger nach hinten los, denn Poulsen war bzw. ist die meiste Zeit verletzt.

Nun fiel die Möglichkeit mit einem richtig guten Pressing-Stürmer weg, Polzin setzte in der Startelf häufig auf Ransford Königsdörffer in der Spitze. Er ist nicht der Pressing-Stürmer, der Poulsen ist, aber er bringt ein gewisses Tempo mit, das vor allem im Umschaltspiel hilft. Königsdörffer lief viel, probierte, die Gegner in die Pressingzonen des HSV zu locken. Das gelang teilweise. Königsdörffer machte viele Meter, ackerte viel, war aber vor dem Tor nicht effektiv. Erst am 10. Spieltag erzielte er seinen ersten Treffer. Königsdörffer war sicherlich nicht die bevorzugte Wahl für das Sturmzentrum, da er eben ein Flügelspieler ist, aber seine Qualitäten im Tempo galten wohl für das Umschaltspiel in der Phase als besser. Doch die Gegner stellten sich mehr und mehr auf das Spiel des HSV ein und standen in Umschaltmomenten tiefer, um eben solche Momente zu verhindern. Der HSV definierte sich mehr über Ballbesitzmomente, konnte mit Flanken auf Königsdörffer aber wenig erreichen.

Am 12. Spieltag stellte der HSV seine offensive Spielweise dann ein wenig um. Anstatt die Bälle schnell in die Tiefe zu bringen, versuchte man mit Glatzel als Zielspieler, die Bälle im Zentrum festzumachen, um von dort die Angriffe einzuleiten. Das gelang so weit, Glatzel erzielte gegen den VfB Stuttgart das 1:0 und machte bis zu seiner Auswechslung ein super Spiel. Nach der Auswechslung von Glatzel kam der HSV nicht mehr so ins Spiel wie mit Glatzel, man merkte den Verlust des Zielspielers, konnte am Ende aber noch den 2:1-Siegtreffer erzielen. Viele Hoffnungen lagen auf der neuen offensiven Ausrichtung mit Glatzel als Zielspieler und Anspielstation. Allerdings musste Glatzel aufgrund seiner Verletzung erst einmal pausieren, bis zum Jahresende konnte er nicht mehr mitwirken. Der HSV musste also wieder mehr auf das Umschaltspiel gehen, was tatsächlich gut funktionierte. Ein Sieg im Derby gegen Bremen und ein Unentschieden gegen Frankfurt sprangen aus den restlichen 3 Spielen heraus.

Aufgrund der geringen Spielzeit von lediglich 30 Minuten im Stuttgart-Spiel und der Situation rund um Poulsen und Königsdörffer war der HSV gezwungen, im Winter einen neuen Stürmer zu verpflichten. Man suchte also ein Spielerprofil, welches sowohl die Fähigkeiten des Zielspielers als auch das Profil des Umschaltspielers beinhaltet. Man verpflichtete Damion Downs per Leihe. Auch hier wieder jemand, der rein vom Profil gut zum HSV hätte passen können. Ein großer, schlaksiger Stürmer, der vom Profil her sowohl Bälle festmachen kann als auch mit einem Speed von 34+ km/h gut für die Umschaltmomente ist.

Allerdings kommt es nicht immer nur aufs reine Profil an, die Sachen müssen auch umgesetzt werden. Dies gelang nicht. Zum aktuellen Zeitpunkt steht Downs bei 8 Spielern, 483 Minuten und 0 Torbeteiligungen. Seine Qualitäten im Umschaltspiel konnte er lediglich aufblitzen lassen, er konnte sie aber nicht bewusst zeigen. Aufgrund mehrerer Umstände rutschte Glatzel am 22. Spieltag in die Startelf. Er machte kein überragendes Spiel, aber er zog mit seiner Präsenz die Aufmerksamkeit auf sich und weg von Königsdörffer, welcher in diesem Spiel richtig aufblühte. Königsdörffer erzielte einen Doppelpack, Glatzel legte das erste Tor mit einer gezielten Vorlage auf und der HSV gewann mit 3:2. Im darauffolgenden Spiel durfte Glatzel im Auswärtsspiel gegen Mainz wieder von Beginn an ran. Hier funktionierte das Zusammenspiel weniger gut, am Ende stand ein 1:1.

Seither fand Glatzel den Weg nicht mehr auf den Bundesliga-Rasen. Aufgrund der ausbleibenden Leistungen von Downs im Sturmzentrum wurden die Stimmen und die Kritik immer lauter, warum Glatzel nicht spielt. Polzin betonte auf die Frage nach Glatzel immer wieder, dass die Defensive Vorrang habe und gewisse Spielerprofile im Anlaufverhalten stärker seien.

Die aktuelle Lage

Und nun sind wir im Hier und Jetzt angelangt. Robert Glatzel gab am 15.03. ein Interview in der Mopo, in dem er durchblicken ließ, dass er nicht so wirklich verstehe, warum er gar nicht mehr zum Einsatz komme. Er sei nach dem Leverkusenspiel proaktiv auf das Trainerteam zugekommen und habe nach den Gründen gefragt, die er auch bekam. Er wolle diese aber nicht öffentlich machen. Er fände die Situation laut eigener Aussage gegenüber der MOPO „maximal frustrierend“. Vor allem die Situation von den beiden Spielen gegen Union Berlin und Mainz 05 bis hin zur Situation jetzt wurde thematisiert. Das er gar nicht mehr spiele, könne er nicht verstehen.

Glatzel gab dieses Interview laut Recherchen des Abendblatts und der BILD ohne Absprache mit dem HSV. Er griff in dem Interview den HSV aber in keinster Weise direkt an, er stellte lediglich seine Situation da. Das gesamte MOPO+-Interview könnt ihr mit einem MOPO+-Account hier lesen: HSV-Star Glatzel offen wie nie: „Will ein paar Dinge loswerden“ | MOPO


Kommentar

Ich gehörte lange Zeit zu denjenigen, die Glatzel nicht in der Startelf sahen, da sein Spielerprofil mMn nicht in das System des HSV passte. Das gesamte Konstrukt war darauf ausgelegt durch schnelle Umschaltmomente in die Tiefe und vor das Tor zu kommen, um von dort aus den Ball zu versenken. Allerdings sah ich nach und nach die Veränderung vom reinen Umschaltfußball hin zu einer Mannschaft die auch mit dem Ball Chancen kreierte. Anders als erwartet schaltete der HSV nicht mehr nur noch um, man behielt auch gerne die Formation bei und hielt den Ball in den eigenen Reihen, anstatt den direkten Weg nach vorne zu suchen. Das merkte man mMn ab dem Spiel gegen Wolfsburg. Immer mehr Mannschaften stellten sich tief hinten rein, und der HSV kam mehr und mehr zu Flanken, die aber keinen Abnehmer fanden. So verliefen viele offensive Momente im Sand oder teilweise sogar in Gegenangriffen. Mein Kollege Elias (Grüße an der Stelle) machte immer wieder darauf aufmerksam, dass man es mit Glatzel in der Startelf einfach mal versuchen solle. Und so kam es gegen Stuttgart. Ab da merkte auch ich: Wenn der HSV Glatzel so einsetzt und dann gegen tiefstehende Gegner noch zu vielen Flanken kommt kann das wirklich funktionieren. Ganz davon ab, dass wir glaube ich alle einen Selbstbewussten Glatzel in der Bundesliga sehen wollen, da dieser den HSV weiterbringen kann.

Das der HSV mit Downs im Winter jemanden verpflichtet war richtig, und ich bin nach wie vor vom reinen Spielerprofil bei der Scouting Abteilung und sage, dass das Profil eines großen Stürmers mit viel Tempo der Optimalfall für den HSV war. Allerdings hat Downs in der Hinserie in England schon nicht viel gespielt und kam mWn mit wenig Selbstbewusstsein. Man vertraute wahrscheinlich darauf, dass dieser sein Selbstbewusstsein in den Spielen wiederbekommt. Aber das gelang eben nicht. Und Glatzel konnte im Spiel gegen Union Berlin m. M. n. zeigen, dass er jemand ist, der dem HSV helfen kann. Glatzel war nicht derjenige, der in dem Spiel 5 Tore machte, aber er zog die Aufmerksamkeit auf sich und öffnete so Räume, die einem Königsdörffer richtig stark machten. Er nahm ihm die Lasten, die Königsdörffer in der Hinrunde hemmten ab und so konnte dieser richtig aufblühen.

Ich bin dann aber auch wieder beim Trainerteam, dass es gegen Leipzig eines Spieler bedurfte, der zunächst im Umschaltspiel nach vorne agieren kann. Und das funktionierte auch. Wenn ich jedoch nach der 1. HZ merke, dass Leipzig hoch presst und der HSV offensiv viel mit langen Bällen agiert, hätte es mMn einen Glatzel gebraucht, der die langen Bälle sichert. Ohne Glatzel war jeder lange Ball verschenkt. Ähnlich gegen Leverkusen. Auch hier merkte man, dass die langen Bälle kein Ziel fanden, warum nicht Glatzel bringen?

Nach dem Köln Spiel sind die Diskussionen ganz heiß und das kann ich nachvollziehen. Die Personalie Downs wurde ja immer wieder mit dem Anlaufverhalten argumentiert. Aber im Spiel gegen Köln hat man da mMn wenig von gesehen. Ich habe da mal genau darauf geachtet und in 5 von 10 Fällen lief Downs erst gar nicht an. Und torgefährlich ist er laut Statistik eben auch nicht.

Es ist m. M. n. grundsätzlich richtig zu sagen, dass die Defensive das Wichtigste ist und der Stürmer in der Defensive mitarbeiten muss, aber das sehe ich bei Downs einfach nicht. Zumindest nicht in dem Ausmaß, dass es ausschlaggebend für den Erfolg ist. Immer wieder kamen die Kölner über lange kontrollierte Bälle aus der Abwehrkette heraus in die Tiefe. Das ist für mich etwas, was ein anlaufender Stürmer verhindern muss. Zur Orientierung: Laut Mats Beckmann hat Damion Downs mit 6 % die drittschlechteste effektive Pressingquote der Liga. Da sehe ich dann kein gutes Argument für ein Downs als Anlaufstürmer.

Und ich kann dann auch nachvollziehen, warum alle Glatzel fordern. Immerhin hat der Mann in seinem ersten Startelfeinsatz ein Tor gemacht, in seinem zweiten Startelf Einsatz, legte er einen auf und machte einen Mitspieler um 2 Level besser. Und das steht eben auf der Gegenseite zu 6% effektive Pressingquote und 0 Torbeteiligungen. Ich war ja lange selber skeptisch, ob das mit Glatzel klappt oder nicht, aber er hat geliefert. Ganz egal ob das alles passend oder glückliche Fügung war, er hat abgeliefert und Downs eben nicht. Und da stellt sich natürlich die Frage warum nicht einfach mal versuchen? Es hat eben bei Downs nicht geklappt, das ist auch völlig okay, aber dann muss ich das Sehen und Änderungen vornehmen. Ich denke die Kritik an der Personalie wächst nicht nur, weil es um Glatzel geht, sondern weil es generell darum geht, dass sich da vorne etwas ändern muss. Der HSV strahlt zu wenig Torgefahr aus, und dass man defensiv so stabil steht, liegt mMn vor allem an Remberg und Vuskovic und nicht and Downs.

Ich habe gestern bereits gesagt, dass ich in Dortmund nicht mit Glatzel starten würde, aber wenn ich sehe, dass der Gegner hoch presst und ich nicht hinter die letzte Kette komme, muss mMn ein großer Stürmer gebracht werden und das ist Glatzel. Es wird ja immer moniert, dass man alle Profile braucht, aber manchmal frage ich mich, wann denn das Profil Glatzel gebraucht wird. Ich habe ähnlich wie Mats einen dominanteren HSV gegen Köln erwartet. Jemand der mit einem klaren Zielspieler versucht das Spiel zu gewinnen. Denn wenn man nicht gegen Köln mit einem 9er startet gegen wen dann? Vor allem wenn die Defensive der Kölner in letzter Zeit anfällig für unnötige Fehler und falsche Zuordnung ist.

Ich sehe am Ende halt nicht was Glatzel schlechter macht als Downs. Sicherlich ist Glatzel nicht der Anlaufmeister, aber das ist Downs eben auch nicht, so sagt es ja die Statistik. Aber im Gegensatz dazu ist Glatzel halt vor dem Tor da. Auch in der 2. Liga war Glatzel in vielen Spielen, vor allem auswärts, lange unsichtbar, aber am Ende war er trotzdem da und hat das Tor oder sogar 2 gemacht. Und ich denke das braucht es einfach in dieser Phase. Denn mMn ist der HSV besser dran, wenn er gegen den Ball 5% schlechter, aber mit dem Ball 20% besser ist. Denn zum aktuellen Zeitpunkt strahlt ein Stürmer wie Glatzel auf einen Gegenspieler mehr Präsenz aus, als Downs. Wie gesagt, Glatzel sollte nicht unbedingt gegen Dortmund starten, aber ich erwarte, dass man im Spiel auf Glatzel setzt, wenn man mit Bällen nach vorne keine Anspielstation hat, weil er eben derjenige ist, der diese Bälle festmachen kann und damit die Abwehr auch ein wenig entlastet. Denn mehr Zeit offensiv heißt auch mehr Pause für die Defensive. Was passiert, wenn man jeden Ball lang ins Nirgendwo schlägt, haben wir ja gegen Leipzig und Leverkusen gesehen.

Zusammenfassend kann ich nachvollziehen, dass Glatzel natürlich enttäuscht über seine Situation ist. Ich meine wirklich viel falsch gemacht hat er nicht. Wenn er gestartet hat, hat er meistens geliefert. Und dieses Trainingsargument zählt für mich übrigens schon lange nicht mehr. Wichtig ist, wie man auf dem Platz performt und nicht wie viele Bälle man im Training im kleinen Tor unterbringt. Und da hat Glatzel eben genug Argumente geliefert, um Spielzeit zu bekommen. Wenn das Trainerteam zu Beginn einen anderen taktischen Plan verfolgt, um den Gegner aus der Reserve zu locken, ist das okay, aber wenn ich sehe, dass dieser Plan nicht funktioniert, muss ich etwas ändern. Ich denke Glatzel weiß selber, dass er nicht der Geborene Sprinter und Anläufer ist, aber es sieht ja jeder, dass seine Qualitäten in den Spielen gebraucht werden.

Dieses Interview verdeutlicht noch einmal die Situation von Glatzel und ich denke, im Sommer werden sich die Wege trennen. MMn hätte es bessere Szenarien gegeben, in denen Glatzel am Ende mehr Spielzeit bekommen hätte. Ein Wechsel wäre m. M. nach echt schade, da der HSV Glatzel viel zu verdanken hat und ich nach wie vor denke, dass Glatzel in der Lage ist, in der Bundesliga mitzuhalten.

Tom