HSV vs. Hoffenheim: Mentalitätsspiel entscheidet alles

HSV vs. Hoffenheim: Mentalitätsspiel entscheidet alles

Moin zusammen,

am Wochenende spielt der HSV um 18:30 Uhr im Topspiel der Bundesliga gegen die TSG aus Hoffenheim. Das Spiel wird im Einzelspiel auf Sky übertragen. Der HSV steht aktuell auf Platz 14 mit 31 Punkten und einer Tordifferenz von –15. Aktuell hat man noch 5 Punkte Vorsprung auf Platz 16. Hoffenheim hingegen kämpft weiterhin um die Champions League. Aktuell stehen die Jungs aus Sinsheim auf Platz 5 mit 54 Punkten und einer Tordifferenz von +15. Momentan hat man 2 Punkte Rückstand auf Platz 4. Da man aber 9 Punkte vor dem SC Freiburg auf Platz 7 steht, ist man fast so gut wie sicher im internationalen Geschäft. Dennoch will man natürlich in die Champions League. Man hat am 32. Spieltag noch das direkte Duell gegen Stuttgart, möchte bis dahin aber am besten an den Schwaben schon vorbeigezogen sein.  Das Hinspiel gewann die TSG zu Hause mit 4:1. Das Spiel sprach eine deutliche Sprache, Hoffenheim war über die meiste Zeit überlegen. Lediglich am Ende ließ man etwas nach, deshalb kam der HSV dann auch zu guten Torchancen, die im 4:1 endeten. Der HSV verschoss zusätzlich einen Elfmeter.

Die voraussichtliche Aufstellung von Hoffenheim sieht wie folgt aus:

Baumann – Coufal – Hranac – Kabak – Hajdari – Avdullahu – Krmaric – Burger – Lemperle – Asllani – Toure

Die TSG ist das lautstärkste Team der Bundesliga. In fast allen Statistiken ist man ganz oben. Man presst hoch und geht dabei auch ein gewisses Risiko ein. Hoffenheim hat nach Bayern die zweithöchste Pressinglinie der Liga. Zudem hat man viele Spieler, die für Tore gut sind. Ganze 4 Spieler haben bereits 7 oder mehr Tore erzielt. Darunter mit Prömel auch jemand, der nominell nicht zu den offensiven Spielern zählt Aber auch defensiv ist man mit Kabak und Hajdari gut aufgestellt. Im Tor steht dann Olli Baumann, der nicht nur Nationaltorwart ist, sondern seit sehr vielen Jahren konstant in der Bundesliga abliefert.

Personallage und spielerischer Ansatz des HSV

Beim HSV sind es wieder einige Spieler, die ausfallen, darunter Muheim, Vuskovic, Poulsen und Otele. Bei Lokonga, Dompe und Roessing-Lelesiit wurde noch keine finale Entscheidung getroffen, sie werden aber wohl nicht starten.

Ich denke, der HSV wird folgendermaßen starten:

Im Tor: Heuer Fernandes

Davor Omari, Torunarigha und Capaldo.

Links Mickelbrencis, rechts Gocholeishvili oder Jatta.

Auf der 6 Groenbaek und Remberg

Davor Vieira auf der 10

Glatzel und Königsdörffer im Sturm.

Spielerisch gilt es, bei einem so hohen Pressing des Gegners natürlich die Tiefe zu attackieren. Nach Ballgewinn den Ball schnell in die Tiefe spielen. Das beißt sich meiner Meinung nach gar nicht unbedingt mit einem großen Stürmer. Nichtsdestotrotz besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass der HSV direkt mit 2 schnellen Stürmern aufläuft. Durch die Leistungen in den vergangenen Spielen gehe ich aber davon aus, dass Glatzel und Königsdörffer spielen.

Defensiv muss man versuchen, das Tempo der TSG mitzugehen und die Räume so eng wie möglich zu machen. Anders als im Hinspiel muss man mit voller Leidenschaft verteidigen und alles reinwerfen.

Fazit

Es geht jetzt in die letzten 4 Spiele rein und in diesen Spielen zählt die Mentalität mehr denn je. Es gilt, die letzten Körner rauszuholen und alles reinzuwerfen, um irgendwie 3 Punkte zu holen. Egal, wer der Gegner ist, egal, wie der Gegner spielt. Es zählen nur Punkte, egal wie. Es fallen wieder einige Spieler aus, aber sind wir mal ganz ehrlich: Auch andere Gegner haben gegen Hoffenheim Punkte geholt und die haben teilweise nicht ansatzweise die Qualität, die der HSV hat. Und auch die holen Punkte. Das heißt, dass man mit Mentalität und Willen auch Gegner wie Hoffenheim schlagen kann. Und genau das braucht auch der HSV am Wochenende. An einem Samstag um 18:30 Uhr ist im Volksparkstadion alles möglich, das haben wir jetzt des Öfteren gesehen. Und ich bin mir sicher: Wenn das Stadion wieder die Energie aufbringt und die Spieler alles reinwerfen, ist auch ohne Vuskovic und Lokonga ein Sieg drinnen. Es geht darum, Kampf- und Siegeswillen zu zeigen, und dann kann das was werden.

Tom

Katterbach beim HSV: Zu Unrecht außen vor oder keine Option?

Katterbach beim HSV: Zu Unrecht außen vor oder keine Option?

Moin zusammen,

heute wollen wir uns mal genauer mit einer Personalie beschäftigen, die in letzter Zeit wieder mehr in den Diskussionen auftaucht. Es geht um Noah Katterbach. Und bevor wir damit anfangen, müssen wir das Ganze zunächst in den Kontext setzen, denn hier geht es in der Diskussion um mehr als das rein sportliche Thema. Deswegen fangen wir mal ganz vorne an. Noah Katterbach kam im Januar 2023 per Leihe zum Hamburger SV. Während seiner Leihe riss sich Katterbach das erste Mal in seiner Karriere das Kreuzband, der HSV holte ihn im Sommer trotzdem fest an die Elbe. Während der Leihe spielte Katterbach 11 Spiele für den HSV, er bekleidete jegliche Außen Positionen, dabei legte er 2 Tore auf. Nach seinem Kreuzbandriss spielte er dann in der Saison 23/24 unter Trainer Steffen Baumgart 6 Spiele. So richtig wollte Katterbach dann 2024/25 durchstarten. Unter Baumgart spielte Katterbach 8 Spiele in der 2. Liga, vorwiegend als linker und rechter Schienenspieler. Dabei kam er auf insgesamt 549 Minuten und 2 Torbeteiligungen. Katterbach bekam seine Minuten in der Phase, in der es Ergebnistechnisch unter Baumgart eher nach unten ging. Während der HSV in den ersten 6 Spielen ohne Katterbach 11 Punkte holen konnte, gelangen in den 7 Spielen mit Katterbach unter Baumgart nur 9 Punkte. Unter diesen Spielen war das Spiel gegen Magdeburg, in dem Katterbach wohl sein bestes Spiel in seiner HSV-Zeit machte. Nach der Übernahme von Merlin Polzin war Katterbach dann erstmal wieder hinten dran. Anders als Baumgart setzte der HSV wieder auf ein 4-3-3, in dem auf der linken Seite, auf der Katterbach als Linksfuß vorwiegend zum Einsatz gekommen wäre, Muheim und Dompe klar gesetzt. In der Wintervorbereitung sollte es dann wieder bergauf gehen, doch Katterbach verletzte sich erneut am Kreuzband und war so für die Rückrunde raus. Er stand zwar als mentaler Unterstützer immer am Seitenrand, doch auf den Platz konnte er erst wieder in der Vorbereitung auf die Saison 25/26, in der der HSV bekanntlich wieder in der Bundesliga spielt.

Die Suspendierung

In der Saison 25/26 kam Katterbach zunächst nur für das Spiel in München in den Kader. Für die restlichen Spiele wurde er zunächst nicht berücksichtigt. Im September wurde Katterbach dann in die U21 degradiert. Katterbach selber sagte, dass er nach seiner Reha voller Euphorie in die Vorbereitung der neuen Saison startete und dann enttäuscht war, dass alles nicht so passierte, wie er es sich vorgestellt hatte. Er kam anschließend laut eigener Aussage in eine negative Haltung, die sich auch im Training zeigte. Dieses Verhalten führte zu einem ca. dreiwöchigen Ausflug in die U21 des HSV. Nach einem klärenden Gespräch durfte Katterbach dann wieder am Mannschaftstraining der Bundesliga-Mannschaft teilnehmen. Seither kam Katterbach aber nur 2-mal in den Bundesliga-Kader, und zwar gegen Leverkusen und in Stuttgart. Also in beiden Spielen, in denen Muheim nicht spielen durfte.

Aktuelle Lage

Nun sind wir am aktuellen Punkt angekommen. Die Außenverteidiger liefern vor allem defensiv nicht ab, nun ist Muheim wahrschenlich für den Rest der Saison raus. Mickelbrencis hat momentan die Pole-Position für die linke Schiene. Da er seit dem Dortmund-Spiel aber auch defensiv schwach spielt, werden die Rufe nach Alternativen immer lauter. Jatta bringt nicht die gewünschte Leistung und Gocholeishvili ist die gewünschte Lösung der Mehrheit für die rechte Seite. Auf der linken Seite wird sich nun von vielen eben jener Katterbach gewünscht.

Katterbach ist beim HSV nach wie vor außen vor und das liegt vor allem daran, dass er seinen Output vermehrt offensiv hat. Er ist ähnlich wie Muheim ein Flügelverteidiger, der seine Schwächen ganz klar in der Defensivarbeit hat. Dass er trotzdem keine Chance bekommt, stößt bei vielen Anhängern böse auf und wir wollen da jetzt einmal ins Detail gehen.

Was spricht dafür, was dagegen?

Da Katterbach seine Stärken eher in der Offensive hat, ist der Wunsch, mit Gocholeishvili auf der rechten Seite im Verbund zu spielen, natürlich ein valider Vorschlag, den ich grundsätzlich für denkbar halte. Gocholeishvili hat seine Stärken in der Defensive und Katterbach hat diese in der Offensive. Das ist etwas, was ich schon seit längerem anspreche: Wenn du in einer 5er-Kette einen „Flügel“-Verteidiger hast, brauchst du auf der anderen Seite einen „Außen“-Verteidiger. Nun ist das System des HSV so aufgestellt, dass man mit 2 Flügelverteidigern spielt, bei dem vorwiegend der linke Part des häufigeren ins Zentrum zieht und von dort aus den Spielaufbau als 3er-Mittelfeldspieler leitet. Das ist anspruchsvoller als die reine Schienenposition, die Katterbach sonst häufig spielte, heißt aber natürlich nicht, dass er diese nicht bekleiden kann.

Jetzt kommen wir zu einem weiteren Punkt in der Debatte, und zwar der Leistung. Katterbach spielte für den HSV 27 Spiele und konnte dabei 3 Torbeteiligungen erzielen. Beim 1. FC Köln konnte er in 45 Spielen eine Vorlage beisteuern. In der Bundesliga konnte Katterbach bisher keine Torbeteiligung verbuchen, er hat insgesamt 2428 Minuten gespielt. Hier muss man natürlich dazu sagen, dass Katterbach zu den 1.-Liga-Zeiten gerade einmal 19 und 20 Jahre alt war.

Beim HSV gab es bis jetzt keine einzige Spielzeit, in der er konstant beweisen konnte, dass er in die erste Mannschaft gehörte. Sicherlich spielt da die Verletzungshistorie eine große Rolle, aber auch in den Spielen, in denen er spielte, waren selten Spiele über 90 Minuten dabei und so richtig galt Katterbach nie als Stammspieler. Er konnte sich in der 2. Bundesliga nicht konstant durchsetzen und das, obwohl die Gegenspieler in der 2. Liga ein niedrigeres Niveau haben als die Spieler in der Bundesliga. In den Saisons, als Katterbach in der Bundesliga für den 1. FC Köln auflief, belegte man Platz 14 und Platz 16. In der Bundesliga schaffte man bis 2025 nicht den Aufstieg und in der Aufstiegssaison war Katterbach Teil des Kaders, als es eher bergab ging. Zudem sprechen die nicht vorhanden Scorerpunkte nicht unbedingt dafür, dass sein offensiver Output in der Bundesliga zur Geltung kommt.

Fazit

Jetzt kommen wir zu meiner Meinung, die sich aus den genannten Punkten ergibt. Sicherlich kann man die Dimension dieser Debatte noch viel weiter ausfahren, aber der theoretische Ansatz und die gezeigten Leistungen sind für mich in dieser Debatte die wichtigsten Punkte. Wenn ihr noch andere Punkte habt, führt diese gerne in den Kommentaren an.

Vorher möchte ich aber noch einen Punkt anmerken, der mir in dieser Diskussion rund um die Personalie auffällt. Auf mich wirkt diese Debatte deutlich verstärkt, vor allem durch den Vorfall mit der Suspendierung. Viele sagen, dass Katterbach beim HSV genau wegen dieser Aktion nicht spielt. Fakt ist, dass Katterbach öffentlich sagte, dass er nicht die richtige Einstellung an den Tag legte, was dann eine Suspendierung zur Folge hatte. Ob er das jetzt aus freien Stücken gesagt hat, können wir nicht bestätigen oder widerlegen, er hat es aber gesagt und das müssen wir im Bezug auf diese Suspendierung festhalten. Zudem wird dann immer wieder gesagt: „Er kann es ja nicht schlechter machen als die anderen.“ Das halte ich für das falsche Argument. Rein logisch könnte nach diesem Argument ja dann jeder andere, der noch nicht auf der linken Schiene gespielt hat, mit dieser Begründung spielen. Und dieses Argument verlässt m. M. n. auch die Sphäre der Diskussion um Katterbach selbst. Das bezieht sich eher auf die Verteidiger Debatte, als gesamtes und ist mMn kein Argument nur für Katterbach als einzelne Person.

Jetzt kommen wir zu meiner Meinung hinsichtlich der dargestellten Lage. Die theoretische Grundidee, mit Katterbach auf der linken Seite zu spielen und den Gegenpart auf der rechten Seite mit Gocholeishvili zu haben, gefällt mir eigentlich. Denn ich sehe durchaus das Potenzial, dass Katterbach das spielen kann. Die Frage ist aber, ob er das auch praktisch umsetzen kann, und da sprechen die Leistungen sowohl in der ersten als auch in der zweiten Liga nicht unbedingt für Katterbach. Man kann es sich auslegen, wie man will (er war damals zu junge für die erste Liga/ er hatte damals nicht genug Zeit sich zu beweisen beim HSV), am Ende sprechen die Daten leider nicht dafür, dass Katterbach überragende Leistungen gebracht hat. Wenn man das Ganze gegenüber einem Mickelbrencis stellt, hat dieser mit 22 Jahren in 24 Spielen in der Bundesliga 4 Vorlagen aufzuweisen, was Katterbach in 50 Spielen in der Bundesliga, mit vorwiegenden Stärken in der Offensive, nicht geschafft hat. Zudem weiß man seit seines letzten Pflichtspiels aufgrund des 2. Kreuzbandrisses nicht so wirklich, was man erwarten kann. Im Training konnte er bis jetzt nicht überzeugen und dann kommt jemand ohne Spielpraxis und ohne ein Pflichtspiel in ein neues System rein, was er noch nicht gespielt hat. Es wirkt so, als ob man auf eine zweite Glatzel-Story hofft. Der Unterschied ist halt leider, dass Glatzel in den letzten Jahren beim HSV immer unter Beweis gestellt hat, dass er nach wie vor fähig ist, seine Leistungen zu zeigen, auch nach der Verletzung. Das kann man bei Katterbach nicht thematisieren, weil man eben seit seinem zweiten Kreuzbandriss wenig gesehen hat.

Ich denke auch, dass die Außenverteidiger eine absolute Schwachstelle sind und dort muss vor allem im Sommer nachgerüstet werden. Ich denke aber, dass man das jetzt mit Spielern auffangen sollte, die Spielpraxis haben und genau wissen, wie das System abläuft. Für mich ist diese Debatte eigentlich ab dem Moment beendet, in dem Gocholeishvili auf einer der beiden Seiten spielt, weil man dann defensiv deutlich stabiler steht. Dann kann man auf der rechten Seite mit einem Spieler agieren, der seine Stärken eher offensiv hat und im System eingespielt ist, damit man sowohl offensiven Output als auch defensive Stabilität hat.

Ich weiß, dass viele das anders sehen. Deswegen schreibt eure Meinung und eure Argumente gerne in die Kommentare, bleibt aber bitte sachlich. Unnötig angehende Bemerkungen bringen den Diskurs nicht weiter.

Tom

Verletzungssorgen beim HSV: Jetzt kommt das laufstärkste Team

Verletzungssorgen beim HSV: Jetzt kommt das laufstärkste Team

Moin zusammen,

das Spiel gegen Hoffenheim rückt immer näher und heute begann dann auch offiziell die neue Trainingswoche. Alexander Roessing-Lelesiit war wieder mit auf dem Platz. Poulsen und Lokonga trainierten auf einem anderen Platz individuell. Luka Vuskovic wird weiterhin außerhalb des Platzes behandelt, dort wird viel im Wasser gemacht. Es sind nach wie vor nicht alle Bewegungen schmerzfrei möglich. Claus Costa sagte, dass Vuskovic auf jeden Fall in dieser Saison nochmal für den HSV auflaufen wolle. Es gehe aber einerseits um die ärztlichen Gutachten und andererseits das Schmerzempfinden des Spielers selber. Auch bei Muheim ist die Verletzung schwerer, es droht das Saisonaus. Costa sagte aber auch, dass er nicht ausschließe, dass alle Jungs nochmal eingreifen können. Ich denke, bei Muheim wird das nicht mehr der Fall sein. Bei Vuskovic hängt es viel von der Entwicklung der Verletzung ab. Dompe, Roessing-Lelesiit, Poulsen und Lokonga werden wohl nochmal für den Kader infrage kommen.

Wie geht es jetzt weiter?

Auf der linken Schiene wird es jetzt wohl erstmal mit Mickelbrencis weitergehen, auf der rechten Seite wohl Jatta. Natürlich gibt es auch Gocholeishvili und Katterbach, aber die scheinen momentan hinten dran zu sein Lemke und Balde sind dann die ganz Jungen, aber das muss man schauen, wie das passt. Der Druck ist immens, aber so überragend haben die Außenverteidiger halt auch nicht gespielt. Also vielleicht ist es dann doch mal eine Idee, Lemke reinzuschmeißen. Defensiv wird dann Torunarigha die Zentrumsrolle übernehmen, rechts Capaldo und links dann Omari oder Elfadli. Omari hat seine Sache in Bremen besser gemacht als in den Spielen vorher, aber mehr war das auch nicht. Das macht sich am Ende wohl nicht viel. Im Zentrum ist dann die Frage, ob Lokonga spielt oder nicht. Je nachdem wird sich dann die Position von Vieira entscheiden. Die Mentalität von Vieira hat mir am Wochenende überhaupt nicht gefallen, aber er ist nun mal der beste Spieler im HSV-Kader. Er kann aus einer einzigen Chance das entscheidende Tor erzielen.

Laufintensive Duell

Am Samstag kommt das laufstärkste Team in den Volkspark. Hoffenheim hat die meisten Kilometer abgespult, die meisten intensiven Läufe und die zweitmeisten Sprints der gesamten Liga. Der HSV ist in allen drei Statistiken Tabellenletzter. Das zeigt sich ja schon über die ganze Saison und auch im Hinspiel wurde der HSV in Grund und Boden gelaufen. 123 zu 112 Kilometern sprechen für sich.

Der HSV versucht ja gerne, den Ball lang zu spielen, um dann die zweiten Bälle zu erobern. Das wird gegen so eine laufintensive Mannschaft, die fast jeden Lauf in einen Sprint zieht, natürlich nicht einfacher als vorher.

Im Hinspiel standen die Hoffenheimer sehr hoch und der HSV kam zu guten Momenten, als man die Tiefe attackierte. Und auch über die Saison hinweg ist Hoffenheim, nach Bayern, die Mannschaft, die am frühesten mit dem Pressen anfängt (44 Meter vor dem Tor). Zudem hat man mit 436 Pressing-Sequenzen die meisten der Liga. Das heißt, den HSV erwartet hier ein laufstarkes, intensives Pressing-Team, das wohl wie im Hinspiel mit langen Bällen in der Tiefe attackiert werden muss. Entweder setzt Polzin dann auf zwei schnelle Stürmer oder er macht es wie in Bremen und stellt Glatzel als Kopfballspieler hin, welcher dann den Ball festmacht und tief spielt oder direkt in die Tiefe verlängert. Alles in allem ist natürlich klar, dass der HSV in diesem Spiel alles reinwerfen muss. Sicherlich ist ein Plan immer gut, aber am Ende geht es in solchen Spielen kurz vor dem 34. Spieltag meistens eher darum, wer es mehr will. Also muss am Samstag eine absolute Energieleistung auf den Platz gebracht werden.

Tom

HSV komplett ratlos: Was läuft aktuell schief?

HSV komplett ratlos: Was läuft aktuell schief?

Moin zusammen,

das Nordderby ist vorbei und es wirkt irgendwie wie ein Knackpunkt in der Saison. Das Spiel war ab Anpfiff der 2. Halbzeit Grotte, keiner wollte das Spiel gewinnen, und da gab es auch noch die Szenen vor und nach dem Spiel. Wenn auf oder außerhalb des Platzes Personen finanziell zu schaden kommen oder ihre Gesundheit gefährdet wird, ist eine klare Grenze überschritten. Das gilt es in aller Deutlichkeit zu verurteilen. Hierzu hat der HSV in einem Interview mit Cornelius Göbel Stellung bezogen. Das Ganze könnt ihr hier lesen: Göbel: „Eine klare Grenze ist überschritten“ | HSV.de

Vuskovic und Lokonga raus- Was jetzt?

Spielerisch fehlt bei mir mittlerweile auch der Ansatz. Ich weiß nicht, was jetzt noch hilft. Es wird jetzt über einen neuen Trainer diskutiert, aber selbst da sehe ich irgendwie keine Idee, wie man jetzt ein Spiel gewinnen soll. Welcher Ansatz soll da noch helfen? Der Ansatz der ersten Halbzeit war m. M. n. richtig, man hat Bremen weitestgehend vom eigenen Tor weggehalten, einige gute hohe Ballgewinne gehabt und ist auch nach einem Standard mal gefährlich zum Tor gekommen. Der lange Ball auf Glatzel hat gut funktioniert, aber nachdem er den Ball abgespielt hat, passierte irgendwie nichts. Und in der zweiten Halbzeit fiel das Ganze dann aus einem mir nicht ersichtlichen Grund zusammen. Und wenn ich mir den HSV mit einem neuen Trainer vorstelle, weiß ich nicht, was der noch anders machen soll. Er hätte Katterbach und Gocholeishvili bringen können, aber ob das am Ende den Unterschied gegen Hoffenheim und Freiburg machen kann? Ich weiß es nicht. Ich denke, wir sind uns einig, dass die langen Bälle auf Glatzel in den letzten Spielen das Mittel sind, aber was passiert, nachdem Glatzel den Ball festmacht? In HZ 1 haben die Mitspieler nichts damit angefangen, in Halbzeit 2 hat er die Bälle zu lang gehalten. Und mir fehlt die Fantasie, wie da noch was gehen soll. Egal in welchem System.

Zudem kommt, dass Vuskovic jetzt doch noch schwerer verletzt sein soll. Auch bei Lokonga ist ein Einsatz am Wochenende fraglich. Damit ist die Abwehr fraglich und auch im Zentrum fehlt das Übergangsspiel. Zumindest wenn Vieira so spielt wie gestern. Und auch der Rest … puh. Da kommt auch einfach keine Energie mehr. Irgendwie muss da jetzt für die letzten Spiele irgendwann ein Sieg rausgeholt werden. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie muss das passieren. Ob es eines Trainingslagers bedarf oder etwas anderem, es braucht einen harten Cut, ab dem man sagt, wir starten jetzt von neu. Nach wie vor hat der HSV eine gute Position in der Tabelle mit 5 Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz. Aber ein Polster heißt eben nicht, dass man rechnerisch durch ist. 3 Punkte braucht man noch und die müssen jetzt irgendwie geholt werden. Scheißegal wie, Hauptsache man holt die Punkte. Man kann nach der Saison analysieren, was schiefging, aber jetzt muss man die richtigen Entscheidungen treffen, die am Ende mindestens 3 Punkte aus 4 Spielen holen Ob es ein neuer Impuls auf der Bank ist oder eine neue taktische Herangehensweise. Ich bin tatsächlich das erste Mal in dieser Saison komplett ratlos.

Tom

Derby verloren, Kontrolle verloren: HSV rutscht zurück in den Abstiegskampf

Derby verloren, Kontrolle verloren: HSV rutscht zurück in den Abstiegskampf

Dieses Spiel sollte der Schritt sein. Der vielleicht entscheidende. Der Moment, in dem der HSV im Abstiegskampf ein Zeichen setzt, Haltung zeigt, sich rauszieht aus dieser gefährlichen Zone. Stattdessen steht nach 90 Minuten im Weserstadion wieder dieses Gefühl, das sich in den vergangenen Wochen viel zu oft breitgemacht hat: Es war zu wenig. Wieder einmal. Der HSV verliert das Nordderby bei Werder Bremen mit 1:3 – und es ist eine Niederlage, die ein Muster bestätigt. Weil sie offenlegt, was aktuell fehlt. Und weil sie zeigt, dass diese Mannschaft im entscheidenden Moment ohne entscheidende Spieler nicht stabil genug ist.

Dabei begann alles in einem Rahmen, der genau das versprach, was ein Derby ausmacht: ein volles Stadion, eine brachiale Atmosphäre, eine Bremer Choreo, die den HSV symbolisch in den Untergang zieht, Pyro, Emotionen, Druck von allen Seiten. Genau die Bühne also, auf der du dich behaupten musst, wenn du in dieser Liga bleiben willst. Und der HSV? Der wirkte zunächst nicht unterlegen, aber auch nicht entschlossen genug. Bremen war griffiger, aktiver, ohne dabei wirklich zwingend zu werden. Der HSV lauerte, hatte durch Königsdörffer die erste große Chance – und genau das ist einer dieser Momente, die Spiele kippen können. Er nutzt ihn nicht. Und dann passiert das, was aktuell einfach zu oft passiert.

Werder trifft.

Stage köpft das 1:0 (37.), ein Treffer, der sich fast schon angedeutet hatte. Und der wieder einmal ofenlegte, dass der HSV auf den Außen nicht ligatauglich verteidigt. Weder rechts mit dem erneut erschütternden Mikelbrencis, noch links mit Muheim, der am Ende sogar verletzt vom Platz musste. 

Aber okay, zunächst einmal antwortet der HSV. Schnell sogar. Glatzel mit einem überragenden Abschluss in den Winkel zum 1:1 (41.), ein Tor, das Qualität zeigt, das Hoffnung gibt, das eigentlich genau der Impuls sein müsste, dieses Spiel zu ziehen. Aber genau hier liegt das Problem: Der HSV schafft es nicht, diese Momente zu greifen.

Nach der Pause kommt Bremen wieder mit mehr Energie, mehr Klarheit – und wieder ist es Stage, der den Unterschied macht. Ein Traumtor aus 17 Metern in den Winkel, unhaltbar für Heuer-Fernandes – das 2:1 (57.). Und plötzlich kippt das Spiel komplett. Nicht, weil Bremen überragend wäre. Sondern weil der HSV nicht mehr die Mittel findet, zurückzukommen. Wenig Durchschlagskraft. Kaum klare Chancen. Ein harmloser Freistoß von Muheim als beste Möglichkeit – das ist zu wenig für ein Spiel, das über so viel entscheidet.

Und dann kommt das, was aktuell fast sinnbildlich für diese Mannschaft steht: der Kontrollverlust.

Otele, gerade erst eingewechselt, fliegt mit Rot vom Platz (79.). Eine Szene, die man diskutieren kann – aber die vor allem eines zeigt: fehlende Cleverness, fehlende Souveränität. Dafür zu viel Emotion, zu wenig Kontrolle. Und damit noch nicht genug. Auf der Bank eskaliert es später komplett. Rudelbildung, Provokationen, zwei weitere Rote Karten gegen HSV-Betreuer. Chaos statt Klarheit. Genau das ist das eigentliche Problem. Diese Unsouveränität zieht sich durch. Auf dem Platz. Neben dem Platz. In den entscheidenden Momenten. Und sie kostet den HSV Punkte.

Das 3:1 durch Puertas in der Nachspielzeit ist dann nur noch die Konsequenz (90.+1). Bremen nutzt einen Konter, macht den Deckel drauf. Und während Werder durchatmet und einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt macht, steht der HSV wieder da und muss sich fragen, warum es nicht reicht.

Die Antwort darauf ist unangenehm, aber offensichtlich: Weil diese Mannschaft aktuell nicht stabil genug ist. Weil sie es nicht schafft, in entscheidenden Phasen die Ordnung zu halten. Weil sie Spiele nicht kontrolliert, sondern sich zu oft treiben lässt – von Emotionen, von Rückschlägen, von Situationen.

Denn dieses Spiel war nicht einfach nur eine Derby-Niederlage. Es war ein Warnsignal. Ein ziemlich deutliches sogar. Der HSV steckt wieder voll drin im Abstiegskampf. Und wenn er nicht ganz schnell gegensteuert, wird es noch deutlich enger.

Es geht jetzt nicht mehr um schöne Ansätze oder einzelne gute Phasen. Es geht um Struktur. Um Disziplin. Um Kontrolle. Um genau das, was in Bremen gefehlt hat. Sonst wird aus „es war zu wenig“ sehr schnell „es reicht nicht“. Und dann wird es richtig gefährlich.

DAS SPIEL IN ZAHLEN UND NAMEN:

Werder Bremen: Backhaus – Sugawara, Pieper, Coulibaly, Deman – Lynen – Stage (67. Bittencourt), Puertas – Njinmah (89. Stark), Milosevic (61. Grüll), Schmid

HSV: Heuer Fernandes – Capaldo (83. Downs), Torunarigha, Omari – Mikelbrencis, Grönbaek (66. Otele), Remberg, Muheim (75. Jatta) – Vieira – Königsdörffer (75. Stange), Glatzel

Tore: 1:0 Stage (37.), 1:1 Glatzel (41.), 2:1 Stage (57.), 3:1 Puertas (90.+1)

Zuschauer: 37.441 (ausverkauft)      

Schiedsrichter: Florian Exner (Münster)

Gelbe Karten: Deman, Sugawara, Bittencourt, Grüll / Königsdörffer, Muheim, Jatta

STIMMEN ZUM SPIEL:

Nicolai Remberg: Es war ein vogelwildes Spiel. Wir haben verdient verloren. Unser Plan ist aufgegangen, Bobby lang zu schicken. Er hat ein überragendes Spiel gemacht, hat die Bälle gut festgemacht und wir wollten dann die zweiten Bälle aufsaugen. Das ist uns gut gelungen. In der zweiten Hälfte sind wir nicht gut nach vorn gekommen. Und dann ist es einfach nicht clever, dass wir uns immer wieder mit Roten Karten selbst schwächen. Der Platzverweis ist unglücklich, er wollte es nicht, aber er trifft ihn leider auch fies. Anschließend waren wir wieder ein Spieler weniger, und mussten hinterherrennen. Es ist jetzt eine Challenge für uns, aus der aktuellen Lage wieder gemeinsam herauszukommen. Wir werden jetzt die nächste Woche viel abbekommen, aber müssen dort gemeinsam durch. Jetzt zusammenzuhalten, ist die große Kunst. 

Daniel Heuer Fernandes: In der ersten Hälfte ist viel von dem aufgegangen, was wir uns vorgenommen haben: das Pressing überspielen, viele lange Bälle auf Bobby und zweite Bälle gewinnen. Das hat in der zweiten Hälfte nicht mehr so gut geklappt, weil der Gegner auch etwas umgestellt hat. Das 1:2 war ein Traumtor und dann ein Nackenschlag. Die Rote Karte erschwert es, das Spiel wieder auf unsere Seite zu ziehen. Es ist ärgerlich, das Derby in Unterzahl zu beenden. Acht Platzverweise in der kompletten Saison sind sicherlich viel. Diese Niederlage sitzt schwer. Es ist ein harter Schlag, aber wir werden bei uns bleiben und weitermachen. Es geht darum, das Spiel schnell abzuhaken und sich auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren. Es bleiben jetzt noch vier Spiele und wir wollen die Partien ziehen. 

Robert Glatzel: Es ist ein verdienter Sieg für Werder. Es war trotz allem kein so schlechtes Spiel von uns. Wir haben alles reingehauen. Es war ordentlich, aber es fehlten bei uns etwas die klaren Torchancen. Es war ein hitziges Spiel und es ist sehr viel passiert. Bis zur Roten Karte war alles drin. Am Schiedsrichter lag es sicherlich nicht. Hätten wir vor dem Tor noch mehr Druck aufbauen können, wäre Werder vielleicht mehr ins Wanken geraten. So hat uns etwas der Punsh gefehlt. Für uns war es kein schönes Erlebnis heute, aber wir müssen es nüchtern betrachten. Wir haben noch alles selbst in der Hand. 

Merlin Polzin: Glückwunsch an Daniel Thioune und Werder Bremen zum Derbysieg. Es ist für uns ein sehr emotionaler Nachmittag mit einer Mischung aus Enttäuschung, Unzufriedenheit und Wut. Es wird ein paar Tage nachwirken. Wir wollten mit aller Macht alles investieren, um der Bedeutung dieses Spiel gerecht zu werden. Das hat man gespürt. Es war ein intensives Spiel mit einem leistungsgerechten Unentschieden zur Halbzeit. Danach haben wir es leider nicht geschafft, in den entscheidenden Momenten da zu sein: Uns haben die Galligkeit und die Verständnis fürs Verteidigen im richtigen Moment gefehlt. Wir fangen bei uns an: Wir nehmen es, wie es heute passiert ist. Es ist heute ein harter Moment, aber wir werden uns für die letzten vier Spiele wieder aufrichten. 

Daniel Thioune: Wir hatten inhaltlich viele Probleme in der ersten Hälfte, haben es gegen Robert Glatzel nicht gut gemacht. Dennoch muss ich ein Riesenkompliment ans Team aussprechen. Wir wussten über die Herausforderung des Spiels und die Kritik am „Nicht-Derby-Modus“ aus dem Hinspiel. Wie wir das Spiel angenommen haben, war großartig. Das Derby hatte alles: viel Energie, unfassbare Tore, Rote Karten und ganz viel Emotionen. Sowohl beim 1:1 als auch beim 2:1 war der Körpereinsatz sehr hart bis grenzwertig, das gleicht sich aus. In der zweiten Hälfte waren wir dann viel besser im Spiel und haben das Stadion, das uns richtig getragen hat, für uns genutzt. Und mit Jens Stage hatten wir einen Spieler auf dem Platz, der mit nur einer Trainingseinheit ganz viel einbringen kann. Er ist ein absoluter „Glue Guy“, der die Kabine zusammenhält. Wir sind ein glücklicher Derbysieger.

Feuer, Druck, Derby: HSV vor 90 Minuten, die alles verändern können

Feuer, Druck, Derby: HSV vor 90 Minuten, die alles verändern können

Es gibt Spiele, die sind wichtig – und es gibt Spiele, die eine ganze Saison in sich tragen. Dieses Nordderby gehört ohne jede Frage zur zweiten Kategorie. Wenn der HSV am Sonnabend um 15.30 Uhr im Weserstadion aufläuft, geht es nicht einfach nur um drei Punkte. Es geht um einen Moment, in dem sich Wochen, Monate, vielleicht ein ganzes Jahr bündeln. Um die eine Gelegenheit, aus einem nervenaufreibenden Abstiegskampf den entscheidenden Schritt Richtung Klassenerhalt zu machen. Und genau das spüren sie alle. In der Kabine, auf dem Platz, im Umfeld. Dieses Spiel ist anders.

Die Vorzeichen könnten kaum intensiver sein. Hochrisikospiel, tausende Polizisten, rivalisierende Fanlager, die sich seit Jahrzehnten nichts schenken. Das Weserstadion wird brennen – emotional, laut, aufgeheizt. Pyrotechnik auf den Rängen, Druck auf dem Platz. Und mittendrin ein HSV, der zuletzt nicht immer die Stabilität hatte, die er braucht, um solche Spiele zu bestehen. Die Zahlen sind klar: In den vergangenen Wochen lief die Mannschaft weniger als der Gegner, verlor mehr Zweikämpfe, wirkte nicht mehr so durchsetzungsstark wie noch zuvor. Aber genau darin liegt auch die Chance dieses Spiels. Denn ein Derby verzeiht keine halben Sachen. Es zwingt dich, alles reinzuwerfen. Es ist der Moment, in dem du dich entscheiden musst.

Und als wäre diese Ausgangslage nicht schon besonders genug, bekommt dieses Nordderby noch eine zusätzliche Ebene. Auf den Trainerbänken stehen sich mit Daniel Thioune und Merlin Polzin zwei Männer gegenüber, die mehr verbindet als ein normaler sportlicher Wettbewerb. Vor 13 Jahren begann ihre gemeinsame Geschichte in Osnabrück, als Thioune einen jungen, akribischen Beobachter ansprach und ihn kurzerhand zu seinem Co-Trainer machte. Sieben Jahre arbeiteten sie Seite an Seite, entwickelten sich gemeinsam, stiegen auf – und wurden Freunde. Jetzt stehen sie sich in einem der emotionalsten Spiele des deutschen Fußballs gegenüber. „Am Wochenende sind wir keine Freunde“, sagt Thioune mit einem Lächeln. Und doch liegt genau darin die besondere Spannung: Zwei Trainer, die sich kennen, die sich lesen können – und die genau wissen, dass es diesmal um alles geht. Und das Beste: Beide äußerten sich vor diesem Spiel im höchsten Maße respektvoll über den jeweils anderen. So gehört sich das…

Doch so besonders diese Geschichte ist, am Ende entscheidet nicht die Vergangenheit, sondern das, was auf dem Platz passiert. Und da richtet sich beim HSV vieles auf eine Personalie: Luka Vuskovic. Offiziell wackelt der Abwehrchef, Knieprellung, kein Mannschaftstraining, große Zweifel. Sein Ausfall würde die Defensive empfindlich treffen – das hat das 0:4 in Stuttgart brutal gezeigt. Und trotzdem bleibt ein Gefühl: Wenn es irgendwie geht, wird er spielen. Vielleicht nicht von Beginn an, vielleicht nicht bei voller Belastung. Aber Luka Vuskovic ist nicht der Typ, der zu so einem Spiel anreist, um dann 90 Minuten auf der Bank zu sitzen. Dafür ist dieses Derby zu groß, dafür ist die Situation zu entscheidend. Ich bin überzeugt, dass er am Ende auf dem Platz stehen wird – weil genau dieser Wille und solche Spieler jetzt gebraucht werden.

Denn dieses Spiel verlangt genau diesen Charakter. Mehr Wucht, mehr Präsenz, mehr Entschlossenheit. Spieler wie Nicolai Remberg, der sich von Pfiffen nicht einschüchtern lässt, sondern sie als zusätzlichen Antrieb begreift. Spieler wie Albert Grønbæk, der trotz kurzer Zeit im Verein sofort verstanden hat, welche Bedeutung dieses Derby hat. Es geht nicht mehr um Taktik-Debatten oder Formkurven. Es geht um Haltung. Um die Bereitschaft, diesen einen Schritt zu gehen.

Und genau deshalb ist dieses Spiel so geil. Weil es mehr ist als ein Derby. Weil es für den HSV die Chance ist, sich selbst zu beweisen, dass er bereit ist, in der Bundesliga zu bleiben. Wenn der HSV dieses Spiel gewinnt, macht er einen entscheidenden, riesigen Schritt Richtung Klassenerhalt e vielleicht den entscheidenden. Und genau deshalb wird dieses Nordderby kein fußballerischer Leckerbissen, sondern ein Kampf. Laut, intensiv, emotional, vielleicht auch chaotisch. Aber genau auf dieser Bühne entscheidet sich, wer bestehen kann, wenn es darauf ankommt.

Der HSV hat jetzt die Chance, diese Antwort zu geben. Und diesmal gibt es wirklich keine zweite mehr.
In diesem Sinne, bis morgen!!

Scholle