Der HSV befindet sich gerade in einer Phase, die sich lange niemand im Volkspark so ruhig, so stabil und gleichzeitig so hoffnungsvoll erträumt hätte. Nach dem emotionalen 2:2 gegen den FC Bayern und dem wichtigen 2:0-Auswärtssieg beim 1. FC Heidenheim ist klar: Diese Mannschaft hat sich Stück für Stück eine neue Sicherheit erarbeitet. Und genau darüber haben wir in unserem neuen Analyse-Talk ausführlich gesprochen – über einen HSV, der nicht mehr hektisch nach vorne rennt, sondern sich seine Spiele inzwischen von hinten heraus aufbaut.
Die Defensive steht deutlich stabiler, Abläufe greifen besser, das Team wirkt reifer. Auf dieser Basis schaltet der HSV nun langsam um: weg vom reinen Absichern, hin zu mehr eigenem Spiel, mehr Kontrolle, mehr Dominanz – vor allem gegen Gegner aus dem unteren und mittleren Tabellenbereich.
Das Spiel in Heidenheim war dafür sinnbildlich. Ja, vom reinen Spielverlauf hätte es auch enger werden können. Ja, der Gegner hatte Phasen, in denen es hätte kippen können. Aber genau das ist der Punkt: Solche Spiele hat der HSV in den vergangenen Jahren oft noch aus der Hand gegeben. Diesmal nicht. Diesmal blieb die Mannschaft ruhig, verteidigte konzentriert – und schlug vorne eiskalt zu. Ein erster Auswärtssieg, der nicht nur drei Punkte bringt, sondern vor allem Selbstvertrauen.
Dass der Weg stimmt, zeigt auch der Blick auf die kommenden Aufgaben. Allen voran das Heimspiel gegen 1. FC Union Berlin. Gegner aus genau jener Kategorie, in der der HSV inzwischen nicht mehr nur mithalten, sondern Spiele aktiv gestalten kann. Ransford Königsdörffer brachte es nach den letzten Erfolgen treffend auf den Punkt: Ausruhen ist nicht drin. Der Tabellenplatz sieht aktuell ordentlich aus, aber der Abstand nach unten bleibt trügerisch. Gerade jetzt gilt es, die positive Entwicklung weiter zu bestätigen.
Spannend fand ich im Talk vor allem die Einschätzung unseres Experten Stefan Schnoor. Der ehemalige HSV-Profi sieht – wenn die Entwicklung so weitergeht – sogar die realistische Chance, die Saison auf einem einstelligen Tabellenplatz zu beenden. Ein Gedanke, der vor wenigen Wochen noch wie pure Fantasie geklungen hätte. Aber, und auch das ist typisch Schnoor, er warnt zugleich immer wieder davor, die Maßstäbe jetzt zu schnell nach oben zu schrauben. Keine Europapokalträume, keine überzogenen Erwartungen. Der umgekehrte Weg sei der richtige: Schritt für Schritt wachsen, Stabilität festigen, Automatismen entwickeln. Genau das mache diesen aktuellen HSV so vielversprechend.
Unter Trainer Merlin Polzin wirkt das Team klarer, strukturierter und vor allem mental robuster. Die Mannschaft weiß inzwischen, wie sie Spiele auch dann übersteht, wenn es mal wackelt. Und sie weiß, dass sie sich nach vorne immer mehr zutrauen darf. Unser Fazit im Analyse-Talk fällt deshalb ziemlich eindeutig aus: Der HSV ist auf einem sehr guten Weg. Nicht spektakulär, nicht überdreht – sondern seriös, stabil und mit einer klaren Entwicklungskurve nach oben.
Wenn diese Mischung aus defensiver Sicherheit, wachsender Dominanz und kluger Geduld beibehalten wird, dann darf man sich in Hamburg endlich wieder auf eine Saison freuen, die nicht bis zum letzten Spieltag nervenzerreißend bleibt, sondern vielleicht sogar richtig Spaß macht.
Der HSV ist noch nicht da, wo er hinwill. Aber er ist endlich wieder auf dem richtigen Weg dorthin. Der nächste Schritt? Ein Sieg gegen Union Berlin wäre da ganz gut geeignet…
In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Dienstag! Bleibt gesund!! Scholle
die neue Woche beginnt und einige von euch sind eventuell auch noch ein wenig müde wegen des gestrigen Superbowls. Beim HSV durfte man diesen wohl schauen, heute stand kein Training auf dem Plan. Dennoch gab es heute eine Nachricht, die ein wenig Enttäuschung hinterließen. Albert Sambi Lokonga hat sich doch schwerer verletzt und fällt die nächsten Wochen aus. Lokonga erlitt am Samstag einen Außenbandriss im linken Sprunggelenk. Das ist ein herber Rückschlag, da Lokonga in letzter Zeit zu den besten Spielern des HSV gehörte. Lokonga kam für 300 000 Euro aus London und entwickelte sich zügig zum Leistungsträger. Anders als bei seinen Stationen vorher blieb er dabei auch weitestgehend verletzungsfrei. Er hatte früher immer wieder Probleme mit den Muskeln, dieses Problem hatte er in seiner bisherigen Zeit beim HSV kaum.
Lokonga hat eine super Ruhe am Ball, eine gute Übersicht und trotz seiner deutlichen Stärken im Passspiel hat er zudem auch ein gutes Defensivverhalten. Der Belgier ist das perfekte Gegenstück zu Remberg und stellt mit diesem zusammen die Grundbasis des HSV. Umso schlimmer, dass er jetzt in einer entscheidenden Phase ausfällt. Vor allem für die Auswärtsspiele in Mainz und in Wolfsburg tut das extrem weh. An dieser Stelle alles Gute und schnelle Genesung!
Das sind die offensiven Alternativen
Die Frage ist nun, wer Lokonga für die Ausfallzeit ersetzt. Mit der Rückkehr von Warmed Omari und der Verpflichtung von Albert Groenbaek hat man nun noch mehr Optionen als in der Hinrunde und ich kann mir vorstellen, dass sich die Position auch hinsichtlich des Gegners anpasst.
Fangen wir mal mit der ersten, offensichtlichen Variante an: Fabio Vieira rückt ähnlich wie in den Hinrunden und wie in Heidenheim eine Position zurück und startet neben Remberg. Ich denke, dass diese Variante vor allem gegen tiefstehende Gegner wie am Wochenende Union Berlin aufgestellt wird. So kann Vieira in der Offensive mehr oder weniger ähnlich zu einem nominellen 10er im Zentrum agieren. Anders als auf der 10 muss er natürlich aber mehr mit nach hinten arbeiten. Am Wochenende wird der Gegner aber mit vielen langen Bällen agieren, die das Mittelfeld überspielen sollen, so dass ich denke, dass Vieira am Wochenende auf der 8 neben Remberg spielt.
Die zweite Möglichkeit wäre Albert Grønbæk. Er ist ja ähnlich wie Vieira ein Spieler, der gerne durch das Zentrum kommt und als 10er agiert. Auch er könnte die Rolle ähnlich wie Vieira spielen und vor allem, wenn Polzin in einem Spiel viel Wert auf spielerische Lösungen legt, wäre es eine Möglichkeit, mit Grønbæk auf der 8 und Vieira auf dem rechten inversen Flügel zu agieren. Diese Möglichkeit klingt meiner Meinung nach sehr spannend, da man dann, sofern Grønbæk auch so ähnlich wie Vieira agiert, mit Vieira, Grønbæk und eventuell Otele gleich 3 Jungs auf dem Platz hat, die spielerische Qualität mitbringen. Am Wochenende wird diese Variante aber wohl noch nicht von Beginn an funktionieren, da Groenbaek am Samstag nicht starten wird.
Die defensiven Varianten
Es ergeben sich aber auch 2 defensivere Varianten, die vor allem in den Spielen gegen Leipzig und Leverkusen möglich sind.
Zum einen könnte wie in der Vorbereitung Nicolas Capaldo auf die 8 rücken. Capaldo ist vor allem defensiv stark, hat aber auch ein gutes Passspiel. Sicherlich nicht auf dem Level von Lokonga, aber dennoch solide. Bei ihm wäre dann vor allem die Intensität im Gegenpressing und im grundlegenden Defensivverhalten noch höher als vorher. Capaldo kann über 90 Minuten durch sprinten und hat dann auch häufig das Auge für den Mann in der Tiefe. Vor allem in den Spielen, in denen der HSV tief steht, ist diese Variante denkbar und da würde Capaldos Verhalten extrem zur Geltung kommen. Druck auf den Gegner ausüben, den Ball gewinnen und gleich ab in die Tiefe. Ich erinnere hier einmal an die Szene beim 3:0 gegen Mainz, als Capaldo den Ball in der Defensive gemeinsam mit Elfadli erobert und direkt einen langen Ball in den Raum auf Dompe spielt, der anschließend das Tor erzielt. Genau das kann auch in den Spielen gegen Leipzig und Leverkusen passieren. Bei dieser Variante würde dann Omari hinten rechts in der Innenverteidigung spielen.
Die letzte Variante wäre dann, dass Elfadli mit ins Zentrum geht. Elfadli hat ja auch selber schon häufiger bzw. in Magdeburg dauerhaft auf der 6 gespielt und auch bei seinem Job in der Innenverteidigung sieht man immer wieder, wie Elfadli die progressiven Läufe nach vorne macht. Man hätte mit Elfadli also einen defensiv starken 6er, der auch immer wieder nach vorne ausbricht und über Ruhe am Ball kommt. Elfadli ist nicht so energisch wie Capaldo, dafür hat er eine super Antizipation und wäre dann jemand, der sich vor allem auf das Abfangen von Pässen konzentrieren würde. Nach vorne bringt er dann die Ruhe am Ball mit und spielt gerne die Bälle in die entscheidenden Zonen. Dementsprechend würde dann Torunarigha hinten links beginnen.
Ich muss sagen, ich persönlich finde Elfadlis Spielweise in der Innenverteidigung richtig geil, deswegen würde ich ihn dort lieber sehen. Ich gehe aber auch mit dieser Variante konform, da auch Torunarigha in der Innenverteidigung in letzter Zeit einen sehr guten Job macht.
Schreibt doch mal gerne rein, welche Variante ihr am besten findet, bzw. welche Varianten es noch geben könnte, die nicht erwähnt wurden.
Und schreibt auch gerne mal rein, welches American-Football-Team ihr unterstützt, sofern ihr den Sport verfolgt. Ich gehe mit den Miami Dolphins.
Der HSV hat beim 1. FC Heidenheim endlich den Auswärtsfluch gebrochen – und dieser erste Dreier in der Fremde war weit mehr als nur ein weiterer Sieg in der Statistik. In einer Phase der Saison, in der jeder Punkt doppelt zählt, verschafften sich die Mannen von Trainer Merlin Polzin mit dem 2:0 nicht nur Luft im Tabellenkeller, sondern vor allem weiteres Selbstvertrauen.
Dabei begann die Partie alles andere als souverän. Heidenheim trat mutig und intensiv auf, setzte früh Nadelstiche und hätte nach wenigen Minuten in Führung gehen können – doch Daniel Heuer Fernandes war sofort hellwach und verhinderte den Rückstand. Der HSV wirkte zunächst gehemmt, ließ die Aggressivität und Wucht vermissen, die zuletzt in den Heimspielen zu sehen gewesen war, fand aber mit zunehmender Spieldauer besser in die Partie.
Je länger das Spiel dauerte, desto mehr übernahmen die Gäste die Kontrolle. Ohne große Offensiv-Feuerwerke, aber mit Ruhe, Struktur und wachsendem Ballbesitz erspielte sich der HSV die besseren Momente. Heidenheim blieb offensiv Stückwerk, während Hamburg geduldig auf seine Chancen lauerte. Kurz vor der Pause folgte die verdiente Belohnung: Ransford Königsdörffer setzte sich mit Tempo durch und jagte den Ball entschlossen ins lange Eck – der perfekte Dosenöffner in einer zähen Partie.
Nach dem Seitenwechsel zeigte sich jedoch deutlich, dass dem HSV nicht die gleiche Intensität und Konsequenz wie in den Heimspielen zur Verfügung stand. Heidenheim erhöhte den Druck, warf alles nach vorne und schnupperte mehrfach am Ausgleich. Doch immer wieder war Heuer Fernandes zur Stelle und wuchs endgültig zum Matchwinner heran. Parade um Parade raubte er den Gastgebern den Glauben – und hielt die knappe Führung fest.
Während Heidenheim verzweifelte, blieb der HSV eiskalt. Ein sauber ausgespielter Konter sorgte schließlich für die Entscheidung, als Philippe nach starker Vorarbeit zum 2:0 einschob. Der Rest war Kontrolle, Abgeklärtheit – und der spürbare Wille, diesen so wichtigen Sieg unbedingt über die Zeit zu bringen. Trainer Merlin Polzin bewies dabei nicht nur Mut in der Startelf, sondern auch ein gutes Gespür mit seinen Wechseln.
Unterm Strich war es kein glanzvoller Auftritt, kein Spiel voller Dominanz und Tempo – und sicher nicht die Intensität, die der HSV zuletzt im Volkspark gezeigt hatte. Aber es war ein nötiger, wichtiger und vor allem Mut machender erster Auswärtssieg. Einer, der zeigt, dass diese Mannschaft auch enge Spiele ziehen kann. Gleichzeitig offenbarte die Partie klar, woran noch gearbeitet werden muss: mehr Konsequenz, mehr Energie über 90 Minuten und mehr offensive Durchschlagskraft.
Genau deshalb fühlt sich dieser Dreier so wertvoll an – als erster, kleiner Befreiungsschlag, vor allem aber als weiteren Schritt nach vorn. Aber auch als Erinnerung daran, dass der Weg noch längst nicht zu Ende ist.
DIE EINZELBEWERTUNGEN:
Daniel Heuer Fernandes: Er machte gar nichts falsch, aber sehr viel richtig gut. Hielt dem HSV vor allem in der zweiten Halbzeit mit einigen sehr starken Paraden den ersten Auswärtssieg fest. Bester HSVer heute.Note: 1
Warmed Omari: Er ist so herrlich unaufgeregt und stabil. Er wird seinen Platz nicht räumen müssen, wenn Capaldo wieder reinrückt, da bin ich mir sicher. Note: 2,5
Luka Vuskovic: Nicht so konsequent, wie man ihn kennt. Dass es gut gegangen ist, war der Ungefährlichkeit der Heidenheimer geschuldet. Wurde mit zunehmender Spieldauer besser – wobei es insgesamt immer noch völlig okay war. Note: 3
Daniel Elfadli (bis 45.): Als Innenverteidiger nach sieben Minuten Gelb zu sehen ist maximal ungünstig. Das passiert ihm leider zu oft. Note: 4
Jordan Torounrigha (ab 46.): Ganz starke Rettungsaktion in der 56. Minute. Dass er dieses Laufduell gegen den pfeilschnellen Conteh mitgehen konnte und nicht verlor – es überraschte mich! Kam gut rein und wirkte sofort stabil. Note: 3
Bakery Jatta: Seine Flanken sind so brutal schlecht, dass man ihm allein dafür schon die Bundesligatauglichkeit absprechen muss. Aber er ackert defensiv mit, machte heute viele intensive Laufwege Note: 3,5
Albert-Sambi Lokonga (bis 45.): Der HSV braucht ihn und seine ordnende Art. Ist leider angeschlagen vom Platz. Bleibt zu hoffen, dass es nicht zu schlimm ist. Note: 3
Damion Downs (ab 46.): Die personifizierte Unterzahl. Ist er wirklich von der Position her ein Stürmer? Konsequenter der Torgefahr auszuweichen, geht kaum… Dass Glatzel zusehen musste, während er auf dem Platz wieder dauerhaft ausrutschen und Bälle verstolpern durfte, ist unerklärbar. Note: 6
Nicolai Remberg: Der Mittelfeldabräumer war deutlich aktiver, als es angesichts der Aktionen den Anschein hatte. Und das war wichtig, um den Heidenheimern früh den Garaus zu machen. Note: 3
Miro Muheim: Ganz schwacher Start des Schweizers. Er war überhaupt nicht im Spiel, wirkte unkonzentriert und spielte einen Fehlpass nach dem anderen. Einer hätte das 0:1 bedeuten müssen – zum Glück vergaben die Gastgeber kläglich. Zweite Halbzeit besser. Note: 3,5
Philip Otele (bis 68.): Ohne Eingewöhnungszeit ins Rennen geschmissen – dafür war das schon sehr ordentlich. Seine Robustheit gefällt mir, seine Abschlüsse sind vielversprechend, wenn auch heute noch zu unkonzentriert. Insgesamt aber ein ordentlicher erster Auftritt Note: 3
William Mikelbrencis (ab 68.): Er ist mutig, versucht viel – prallt aber von seinen Gegnern immer wieder ab, als wäre er ein D-Jugendlicher, der gegen Erwachsen spielt. Körperlich muss er mächtig zulegen. Aber: Nach Jahren, in denen er immer wieder trotz schwächster Leistungen aufgestellt wurde, wird er langsam besser. Note: 3,5
Ransford Yeboah Königsdörffer (bis 68.): Gute Aktionen hat er – aber er bringt die Aktionen zu selten zu Ende. Und dann trifft er doch – in der Nachspielzeit der ersten Hälfte mit einem echten Strahl! Dass er runter musste, habe ich absolut nicht verstanden. Note: 2,5
Rayan Philippe (ab 68.): Er ist der Toptorjäger des HSV (5 Tore) – und heute trifft der leidenschaftslose Franzos in einer extrem wichtigen Phase zum vorentscheidenden 2:0. Allein dafür hat sich seine Einwechslung schon gelohnt. Mehr gabs auch nicht von ihm. Bleibt u hoffen, dass dieser Treffer ihn nicht glauben lässt, dass das so reicht… Spielerisch wieder eine 5, dafür ber den (vor-)entscheidenden Treffer zum 2:0 erzielt – ergibt in Summe Note: 3,5
Fabio Vieira (bis 80.): Was er kann, kann man erahnen. Dass er trotz gerade einmal 80 % seiner eigentlichen Stärke trotzdem schon „gut“ spielt, lässt hoffen. Note: 2,5
Giorgi Gocholeishvili (ab 81.): Sollte das 2:0 über die Zeit retten und pennte beim vermeintlichen 1:2 und löste fast das Abseits auf. Ansonsten wenig Zeit, um wirklich zu wirken. Eine Note erspare ich dem sympathischen Kämpfer lieber.
DIE STIMMEN ZUM SPIEL:
Daniel Heuer Fernandes: Es war ein intensives Spiel, aber vieles ist genauso eingetreten, wie wir es erwartet haben. Wir haben in der ersten Hälfte das Spiel kontrolliert und die Führung kurz vor der Pause hat uns ein gutes Gefühl gegeben, während das 2:0 so etwas wie eine Sicherheit für uns war. Zudem haben wir die Drangphase des Gegners angenommen und gut verteidigt. Ich bin sehr froh, dass ich mit meinen Paraden der Mannschaft helfen konnte. Heute hat die Leistung gestimmt und ich bin sehr zufrieden.
Nicolai Remberg: Wir waren sehr effizient vor dem Tor und hinten haben wir alles gut verteidigt. In den letzten Wochen sah es vorn nicht immer so aus, und heute haben wir in den genau richtigen Momenten getroffen. Zum Ende hin mussten wir viele Flanken wegverteidigen und haben „Ferro“ benötigt. Wir sind sehr glücklich, dass wir endlich auswärts drei Punkte geholt haben.
Miro Muheim: Wir haben vor allem in der zweiten Hälfte ein richtiges Kampfspiel gesehen, in dem wir gut dagegengehalten haben. Wir können sehr zufrieden sein: Drei Spiele in dieser Saison gegen Heidenheim, drei Siege. Sie sind ein paar Mal über Standards gefährlich geworden, aber „Ferro“ war zur Stelle. Unfassbar, was er gehalten hat. Für mich war dieses Spiel besonders, weil es mein 150. Spiel für den HSV war.
Merlin Polzin: Wir hatten keinen guten Start und haben den Gegner zu der einen oder anderen Chance eingeladen, aber im Laufe der ersten Halbzeit haben wir mehr Struktur reinbekommen und uns die eine oder andere Möglichkeit herausgespielt. Erfreulicherweise war das Timing des ersten Tores sehr gut. In der Halbzeit haben wir der Mannschaft gesagt, dass wir das 1:0 nicht nur verwalten wollen, weil wir wussten, welche Wucht auf uns zukommen wird. Dass wir in den ersten 20 Minuten nach der Pause nicht wirklich stattgefunden haben, hat mir nicht gut gefallen. Wir können uns bei „Ferro“ bedanken, dass er uns im Spiel gehalten hat. Das 2:0 hat uns geholfen, das Spiel auf unsere Seite zu ziehen. Wir sind glücklich, dass wir dieses anspruchsvolle Spiel für uns entscheiden konnten und damit endlich den ersten Auswärtssieg mitgenommen haben.
Frank Schmidt: Es war ein ausgeglichenes Spiel, das nicht viel Tempo in den ersten 20, bis 25 Minuten hatte. Für uns war der Rückstand kurz vor der Halbzeit sehr bitter. Wir haben uns danach neu ausgerichtet und sind mehr ins Risiko gegangen. 20 Minuten lang haben wir viel Druck gemacht und hatten vor allem über Standards Möglichkeiten zum Ausgleich, aber Heuer Fernandes war bei jeder gefährlichen Aktion zur Stelle.
Am Samstag steht das nächste Bundesliga-Spiel des Hamburger SV an. Um 15:30 Uhr gastieren die Rothosen in Heidenheim anlässlich des 21. Spieltages. Tabellarisch trifft hier der 18. auf den 13. Es ist bereits die 3. Partie in dieser Saison. Das Spiel in der Hinrunde konnte der HSV zu Hause mit 2:1 gewinnen, die Partie in der 2. Runde des DFB-Pokals konnte der HSV ebenfalls für sich entscheiden. Das 0:1 war der erste Auswärtssieg des HSV in Heidenheim und bisher auch der einzige Auswärtssieg in regulärer Spielzeit in der Saison 25/26. In der Bundesliga konnte der HSV auf fremdem Platz noch nicht gewinnen, man holte lediglich 3 Punkte. Während der HSV in der Auswärtstabelle Platz 18 belegt, belegt Heidenheim in der Heimtabelle Platz 18. Lediglich 9 Punkte konnte man aus 10 Spielen holen. Dabei entstand ein Torverhältnis von 10:22.
Der FC Heidenheim
Die voraussichtliche Aufstellung des FCH liest sich wie folgt:
Dabei fallen ein paar Namen direkt ins Auge. Ramaj, der aus Dortmund ausgeliehen ist, Niklas Dorsch und natürlich Eren Dinkci, der ja als Gerücht beim HSV gehandelt wurde. Am Ende entschied sich Dinkci für Heidenheim, dort spielte er auch schon früher einmal. Ein weiterer Name, der mir persönlich immer wieder in den Kopf kommt, ist Honsak, der schon das ein oder andere Tor gegen den HSV erzielte. Das ist auf jeden Fall jemand, auf den man aufpassen muss, auch wenn Honsak wohl eher über den Flügel bzw. den Halbraum kommt, als direkt aus der Sturmzentrale. Denn hier wird wohl Pieringer starten. Der letzte Bundesliga-Sieg der Heidenheimer ist gelang am 13. Spieltag, als man Freiburg zu Hause bezwingen konnte. Anschließend holte man aus den folgenden 7 Spielen lediglich 2 Punkte. In Heidenheim ist man sich aber auch bewusst, dass die Kaderqualität nicht unbedingt der der Konkurrenten entspricht und man sich über Kampf und Wille Punkte erarbeiten muss.
Personal des HSV
Der HSV muss am Wochenende auf Alexander Roessing-Lelesiit, Fabio Balde und Nicolás Capaldo verzichten. Capaldo fehlt wegen einer Gelbsperre, Balde und Roesing-Lelesiit sind verletzt bzw. angeschlagen. Jean-Luc Dompe ist weiterhin suspendiert. Auch bei Albaert Groenbaek muss man schauen, wie weit er jetzt schon gehen kann, da er relativ wenig Spielzeit in Genua sammeln konnte. Philip Otele ist voll im Saft.
Ich gehe von folgender Aufstellung aus:
Heuer Fernandes im Tor
Davor Elfadli, Vuskovic und Omari.
Links Muheim, rechts Jatta.
Im Zentrum Remberg und Lokonga.
Davor kann ich mir vorstellen, dass Otele auf links startet und Vieira nominell rechts außen spielt. Im Sturm erwarte ich zunächst Robert Glatzel.
Das Ganze wird sich dann hoffentlich wieder so ergeben, dass Vieira vom nominellen Flügel auf die 10 rückt und von da das Spiel gestaltet, um Otele und Jatta in der Tiefe zu suchen. Das wäre meiner Meinung nach das, was sich aus dem aktuell zur Verfügung stehenden Kader ergibt. Otele und Jatta müssen dann dafür sorgen, dass Glatzel bedient wird. Und auch wenn ihr es nicht gerne hört, aber ich glaube, wenn Glatzel im Sturm spielt kann auch Jatta ihn bedienen.
Weniger passiv, mehr aktiv
Spielerisch hoffe ich, dass der HSV das Spiel, ähnlich wie im Pokal, übernimmt. Dann hätte man mit Vieira den Spielgestalter und mit Glatzel einen Finisher im Sturm. Dann müssen die Flügel noch dafür sorgen, dass Glatzel auch die Bälle bekommt. Wenn das der Fall ist, hat der HSV meiner Meinung nach gute Chancen, Punkte zu holen.
Polzin sagte in der Pressekonferenz, dass er Heidenheim Frank Schmidt-typisch aggressiv erwartet. Sollte das so eintreffen, muss der HSV schnell umschalten, genau wie gegen Bayern. Keine unnötigen Pässe, sondern zügig nach vorne. Mit Otele hat man nun jemanden, der über sehr viel Tempo verfügt und auch gerne den Abschluss sucht. Also wäre es eine Möglichkeit, Otele häufig in der Tiefe zu suchen.
Polzin erwähnte ebenso, dass man Heidenheim sehr männerorientiert erwartet. Das würde natürlich eine Spielweise wie am Samstag begünstigen. Frank Schmidt ist aber auch jemand, der sich den Gegnern gelegentlich anpasst, und wird sicherlich auch Mittel suchen, das Mann-orientierte Defensivverhalten dementsprechend anzupassen.
Ich bin gespannt, wie sich das Spiel am Wochenende entwickelt, aber ich habe richtig Lust auf Samstag. An alle, die vor Ort sind: Gute Fahrt und macht ordentlich Stimmung.
auch ich melde mich nach dem Prüfungsstress wieder zu Wort. Und beim HSV ist in den letzten Tagen einiges passiert. Einige kamen, viele gingen. Wir wollen uns heute mal damit beschäftigen, wie der HSV nun nach dem Deadlineday in die Rückrunde geht. Beginnen tun wir mit den Abgängen.
Insgesamt verzeichnet der HSV in dieser Wintertransferphase 8 Abgänge, darunter den Leih-Abbruch von Daniel Peretz. Meffert und Ramos waren ja schon länger klar, auch Suhonens Abgang stand schon fest. In den letzten Tagen kam dann noch der fixe Abgang von Silvan Hefti dazu. Zudem verleiht der HSV mit Immanuel Pherai, Emir Sahiti und Aboubaka Soumahoro 3 Spieler jeweils mit Kaufoption. Bei Sahiti und Pherai kann ich das nachvollziehen, bei Soumahoro finde ich das persönlich nicht ganz so gut, da ich nach wie vor viel von Soumahoro halte. Allerdings ist die Kaufoption in Höhe von 5 Millionen Euro dann doch schon relativ hoch. Ich hoffe, dass Soumahoro sich gut entwickelt und dann zurück zum HSV kehrt.
So sieht der Kader nun aus
Auf der Zugangsseite hat der HSV auch noch einmal nachgelegt. Bekannt war ja bereits die Leihe von Damion Downs, der bereits seine ersten Einsätze bestritt, ähnlich wie Sander Tangvik, der aus Norwegen fest an die Elbe wechselt. Der HSV hat aber weiter offensiv nachgelegt. Mit Albert Groenbaek und Philip Otele kommen zwei offensive Jungs, die wohl beide vorrangig für den Flügel eingeplant sind. Dabei ist Otele der klassische Flügelspieler, während Groenbaek eher der offensive Spielmacher ist, der auf den Flügel ausweicht. Ähnlich wie Vieira oder Karabec. Im Zuge der Pherai-Leihe kommt Otto Stange wieder zurück zum HSV. Der 18-Jährige war ja für die komplette Saison nach Elversberg ausgeliehen, kam dort aber auf wenig Spielzeit. Diese Spielzeit könnte Stange eventuell auch in der Bundesliga erhalten, deshalb macht es sowohl für ihn als auch als Alternative für den HSV Sinn, dass Stange wieder zurück nach Hamburg geht. Dabei ist Stange sowohl auf dem Flügel als auch im Zentrum einsetzbar. Wir sollten aber natürlich keine 90-minütigen Einsatzzeiten erwarten, ich denke, das ist logisch.
Eine weitere erfreuliche Nachricht ist, dass der HSV die Kaufoption für Warmed Omari in Höhe von ca. 2,2 Millionen Euro gezogen hat. Bis zu seiner Verletzung konnte Omari beim HSV überzeugen und auch im Spiel gegen die Bayern fügte er sich m. M. n. sehr schnell wieder sehr gut ein. Omari hat ein gutes Auge und vor allem eine gute Ruhe am Ball. Das mag ich, der selber Innenverteidiger spielt, sehr gerne sehen. Einerseits hat die Festverplichtung natürlich sportliche Gründe, andererseits darf ein Verein nur 6 Spieler aus dem Ausland ausleihen und da der HSV mit Otele eine 7. Leihe aus dem Ausland gemacht hat, musste man eine Kaufoption ziehen. Mit 2,2 Millionen Euro macht man bei Omari wahrscheinlich wenig falsch, das Risiko scheint erstmal gering. Und schön ist zu wissen, dass man beim HSV über die Leih-Regeln Bescheid weiß. Anderen Vereinen aus dem Norden ging es da ja anders.
Zudem besteht laut Abendblatt die Möglichkeit, dass Yussuf Poulsen schon gegen Union Berlin wieder im Kader stehen könnte. Für die Startelf reicht es natürlich noch nicht, aber der HSV hat damit in der wichtigen anstehenden Phase wieder nahezu alle Möglichkeiten, aus dem Kader vorhanden.
Dompe wird wohl vorerst nicht für den HSV auflaufen. Wie der HSV heute bekannt gab, wird Dompe auch in dieser Woche noch suspendiert, zudem erhält Dompe eine Geldstrafe im 6-stelligen Bereich. Er selber entschuldigte sich abermals, und sagte, er wolle soziales Engagement leisten. Die komplette Stellungnahme lest ihr hier: Dompé vorerst weiter vom Spielbetrieb suspendiert | HSV.de
Das Bayern Spiel zeigt wie es geht
Das Personal steht also, nun muss es noch spielerisch klappen. Ich war am Samstag natürlich auch im Stadion und ich muss sagen: Das war geil! Das war der HSV, wie ich ihn damals kennengelernt habe. Schnells Offensivspiel, aggressives Abwehrverhalten und Kämpfen bis zum Schlusspfiff. Das war überragend. Und der HSV ist endlich mal gelaufen! Fast 124 Kilometer, so macht man das. Ich habe das immer wieder kritisiert und jetzt wurde es endlich umgesetzt. Jeder ist gelaufen, als wäre es sein letztes Spiel, und jeder hat für den anderen gekämpft. So, jetzt bitte immer. Und dann die taktische Masterclass von Merlin Polzin. Hier wird ja immer wieder über die Herangehensweise von Polzin und seinem Trainerteam gemeckert, aber das war super. Mit den Positionswechseln hat der HSV die Manndeckung von Bayern komplett aus dem Konzept gebracht und hat so immer wieder gefährliche Angriffe entfacht. Denn das war mMn kein Spiel, das der HSV mit Glück unentschieden gespielt hat. Der HSV hat hier über 90 Minuten mitgehalten und guten Fußball gespielt. Dass Bayern über 70 % Ballbesitz hatte, war vorherzusehen, aber sie haben damit eben auch wenig anfangen können.
Außer die beiden Tore die wirklich gut gespielt waren. Da hat der HSV es 2 Mal defensiv verpasst, die Schnittstelle zuzustellen, aber die Verlagerung vor dem 1:1 und die Kombination vor dem 1:2 … wow, das war schon echt gut. Und wenn am Ende der Schiri schuld ist, dann interpretiere ich das jetzt optimistischerweise mal als ein Zeichen, dass die Bayern hier nicht die schlechteste Leistung der Saison gezeigt haben.
Ich sehe das übrigens so: Der Elfer für den HSV ist mMn klar. Olise fällt auf der anderen Seite zu leicht. Wenn der Schiri das Foul gegen Capaldo pfeift, darf man sich nicht über Rot beschweren. In der Nachbetrachtung wird Capaldo aber nicht als letzter Mann gewertet, dann wird das auch nicht überprüft. Elfaldi blockt den Ball zunächst mit der Brust und von da springt der Ball an die Hand. -> Kein Elfer. Stanisic wird geschubst, da liegt mMn aber schon im Vorhinein ein Foul von Tah vor, bevor der Ball in die Luft befördert wird. Dass Kane und Olise so lange meckern dürfen, ist mir ein Rätsel. Insgesamt war der Schiedsrichter nicht gut, aber eben auf beiden Seiten. Und im Endeffekt wurde schon so viel für Bayern und gegen den HSV gepfiffen, da sollte man dann auch mal einen Gang runterschalten.
2 Kernfaktoren stechen raus
Da natürlich nicht jeder Gegner mit einer Manndeckung spielt, ist es logisch, dass der HSV das Spiel so nicht mehr so häufig spielen kann bzw. wird. Aber es gibt zwei Aspekte, die ich aus dem Spiel mitnehmen, die der HSV zwangsläufig mit in die nächsten Spiele mitnehmen muss.
1. Mehr laufen als der Gegner. Du musst nicht in jedem Spiel den Torwart und den Innenverteidiger über 90 Minuten anlaufen, aber die 6er pressen und Ballverluste provozieren sollte schon drin sein. Der HSV hat in diesem Spiel gezeigt, dass er viel laufen kann, also macht das bitte auch in den restlichen Spielen. Das bringt mehr Unruhe beim Gegner rein und gibt mehr Chancen auf Umschaltfußball.
2. Vieira muss auf die 10. Das System entwickelte sich mit dem Ball häufig so, dass Vieira im Zentrum der Spielmacher hinter der Spitze war, und man war das gut. Wie der die Bälle verteilt hat und das Spiel leitete. Das war genau das, was ich von ihm erwartet habe. Und dann die Bälle direkt in die Tiefe auf Jatta. Der hat diese zwar am Ende nicht erreicht, weil Davies ein überragender Sprinter ist, aber ich sage: Wenn da ein anderer Linksverteidiger steht oder wenn Vieira diese Bälle auf Otele spielt, ergeben sich daraus richtig gute Torchancen. Wer sich das Spiel genauer angeschaut hat, hat gesehen, dass sich beim HSV offensiv immer mal wieder ein 4-2-3-1-System ergeben hat, und das fand und finde ich gut. Wie gesagt: Pack Vieira auf die 10 und lass ihn machen, der Junge kann das.
Fazit
Wichtig ist, dass der HSV nicht die falschen Erkenntnisse aus diesem Spiel zieht. Wehe, hier denkt sich jetzt jemand: „Wir haben gegen Bayern gewonnen, jetzt läuft das von alleine.“ Gegen Heidenheim wird es ein deutlich anderes Spiel und vor allem gegen Union Berlin. Da muss man spielerische Lösungen finden und darf die defensive Absicherung nicht vergessen. Defensiv wird gegen Heidenheim Capaldo leider nicht dabei sein, aber ich denke, auch Omari kann das richtig gut ersetzen. Offensiv wird es natürlich je nach Spielverlauf eng und kompliziert, aber wenn Vieira so spielt wie gegen Bayern und Gladbach, dann habe ich da weniger Bedenken als in anderen Spielen. Jetzt müssen die Stürmer noch bedient werden und diese müssen den Ball dann auch versenken. Ich wünsche mir, dass der HSV in Heidenheim mit Otele und Glatzel vorne startet. So kann man über tiefe Bälle mit Otele agieren und mit Flanken Glatzel einbinden. Zum aktuellen Zeitpunkt bin ich positiv gestimmt, aber das Bayern-Spiel darf natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass das am Samstag in Heidenheim ein immens wichtiges Spiel ist. Gewinnt man hier, hat man einen Konkurrenten vorerst abgeschüttelt, verliert man, wird’s richtig eng und der Punkt gegen Bayern bringt wenig. Der HSV muss dieses Spiel gewinnen und am besten auch noch gegen Union. Ich bin sehr gespannt, aber auch sehr heiß. In Jugendsprache sage ich: „Lasst Vieira und Glatzel mal kochen.“
Was für ein Abend im Volksparkstadion. Das 2:2 des HSV gegen den FC Bayern München fühlte sich für die Fans wie weit mehr als ein Punkt an – es war ein Beweis dafür, dass diese Mannschaft weiß, wer sie ist, wofür sie steht und wie sie selbst einem übermächtigen Gegner Paroli bietet. Von der ersten Minute an war spürbar, dass der HSV diesen Abend nicht dem Zufall überlassen wollte. Intensität, Kompaktheit und eine klare Idee bestimmten das Spiel. In Phasen, in denen die Bayern Druck machten und der HSV leiden musste, blieb die Mannschaft ruhig, hielt dagegen und verlor nie die Ordnung. Genau das war Teil des Plans: nicht kopflos zu verteidigen, sondern kontrolliert, gemeinsam und mit Überzeugung.
Mit und gegen den Ball präsentierte sich der HSV kompakt, wach und unangenehm – ein Mix, der den Bayern sichtbar Probleme bereitete. Und diese Stabilität war kein Zufallsprodukt. Das Trainerteam hatte die Mannschaft akribisch vorbereitet und ihr einen Matchplan an die Hand gegeben, der voll aufging. Mannorientiert gegen den Ball, mutig und variabel im eigenen Ballbesitz – der HSV nahm die Duelle an und schaffte es immer wieder, durch Bewegung und Positionswechsel Räume zu öffnen. Dass dabei nicht nur defensive Sicherheit, sondern auch zahlreiche Torchancen entstanden, überraschte selbst die Spieler. Spätestens in der ersten Halbzeit wurde deutlich, dass die Hamburger nicht nur mithalten, sondern dem Rekordmeister tatsächlich wehtun konnten.
Der Rückschlag nach der Pause, als die Bayern früh das 2:1 erzielten, hätte das Spiel kippen lassen können. Doch genau hier zeigte sich die mentale Stärke dieser Mannschaft. Statt Unsicherheit oder Nervosität folgte eine Phase, in der der HSV mit voller Energie nach vorne spielte, den Gegner erneut unter Druck setzte und sich belohnte. Dieses schnelle Zurückkommen war Ausdruck einer inneren Überzeugung: Wir bleiben bei uns, wir glauben an unseren Plan. Und beinahe wäre daraus sogar mehr als der Ausgleich entstanden.
Getragen wurde diese Leistung auch von der Atmosphäre im Volksparkstadion. Für die Spieler ist dieses Stadion ein besonderer Ort, an dem sie spüren, wie viel möglich ist, wenn alles zusammenkommt. Der HSV rannte, kämpfte und arbeitete unermüdlich, jagte den Bayern nach, ohne dabei die Struktur zu verlieren. Selbst als in der Schlussphase die Kräfte schwanden und der Druck der Münchner zunahm, verteidigten die Hamburger mit allem, was sie hatten – konzentriert, leidenschaftlich und gemeinsam.
Der Schlüssel zu diesem Auftritt lag in den Attributen, die Merlin Polzin seiner Mannschaft mitgegeben hatte: Mut, Galligkeit und Überzeugung. Der HSV wollte nicht abwarten, sondern selbst Fußball spielen, extrem mutig im Ballbesitz sein und den Gegner durch Rotationen „auf eine Reise mitnehmen“. Gleichzeitig war allen klar, dass man gegen die individuelle Qualität der Bayern auch kritische Situationen überstehen muss. Genau das tat der HSV – ohne Hektik, ohne Panik, mit klarem Kopf. In den entscheidenden Momenten war die Mannschaft da.
Am Ende stand ein Unentschieden, das sich gerecht anfühlte, weil es hart erarbeitet war. Ein Punkt, der Selbstvertrauen gibt – und der in der Tabelle enorm hilft. Der HSV machte gleich drei Plätze gut. Bei einer Niederlage hätte man sich plötzlich auf einem Relegationsrang wiedergefunden, nun aber sendet dieser Abend ein starkes Signal: Diese Mannschaft hat alle Mittel, um die Klasse zu halten. Punkt.
Mehr noch: Wenn es der sportlichen Leitung gelingt, diese Basis mit einem echten Knipser zu ergänzen – einem Spieler, der die zunehmende Präsenz im gegnerischen Sechzehner konsequent in Tore ummünzt -, dann kann es für den HSV schnell in ruhigere Fahrwasser gehen. Struktur, Intensität und Mentalität sind bereits da.
So magisch dieser Abend auch war, lange Zeit zum Genießen bleibt nicht. Jetzt heißt es, den Schalter umzulegen und den Fokus auf das nächste Spiel in Heidenheim zu richten – weniger glamourös, weniger beachtet, aber sportlich mindestens genauso wichtig. Doch eines bleibt: Dieser Abend im Volksparkstadion hat gezeigt, dass der HSV lebt, glaubt und bereit ist, sich in dieser Liga zu behaupten.
Das war einfach ein richtug geiler Abend – in allen Belangen.
DIE EINZELBEWERTUNGEN:
Daniel Heuer Fernandes: Wurde nach guten zehn Minuten des HSV gleich zweimal sachwer geprüft – und bestand diese Prüfungen wie auch alle weiteren im Spiel. Dazu mit dem Ball am Fuß wieder bärenstark! Note: 2
Nicolas Capaldo: Hatte die größte Chance im ersten Durchgang für den HSV und vergab. Er muss offensiv schneller Entscheidungen treffen, dann trifft er auch bald. Defensiv ist und bleibt er eine Kampfmaschine. Aber: In Heidenheim wird er defensiv gelbgesperrt fehlen. Note: 2
Luka Vuskovic: Er ist aktuell der torgefährlichste HSVer. Hinten fand er sich nach kurzem Wackeln schnell – und vorne traf er on top. Dass sich die Bayern so offensiv in seine Richtung äußerten rund um das Spiel kann man als stillos bezeichnen. Er jedenfalls zeigte, dass er mit ganzem Herzen HSVer ist. Note: 1
Daniel Elfadli: Erst löst der das Abseits auf, dann verliert er Kane aus dem Fokus – und schon trifft dieser zum 1:1. Vom Engagement und Willen eine glatte 1 – spielerisch manchmal zu wild, aber insgesamt gut! Note: 2
Bakery Jatta (bis 59.): Dem schwachen Scouting ist es zu verdanken, dass er jetzt schon als Defensivspieler aufgeboten wird. Er ließ sich beim 1:1 düpieren und entschied sich beim 1:2 für den falschen Gegenspieler. Aber: Er lernt das Defensivspiel ja auch gerade erst… Insgesamt war das absolut in Ordnung heute. Note: 2
Giorgi Gocholeishvilli (ab 60.): Hatte mit Diaz einen frischen Mann als Gegenspieler, der schon ein unverkennbares Niveau mitbringt. Und im Ernst: Dieses Duell war so ungleich, wie es ungleicher kaum sein kann. Aber der Georgier gab alles – wie immer, was gut ist! Aber: Er war dabei oft etwas übermotiviert und wild. Zu wild! Note: 3
Albert-Sambi Lokonga (bis 84.): Seine Zweikampfstärke und seine Abgeklärtheit am Ball sind in solchen Spielen besonders wichtig. Unfassbar! Mal beruhigendes, dann belebendes – aber immer kontrollierendes Element auf dem Platz. Bester Mann auf dem Platz in einer insgesamt stark aufspielenden Mannschaft. Note: 1
Immanuel Pherai (ab 85.): Sein potenzielles Abschiedsspiel war kurz, aber läuferisch intensiv. Er machte alles, was er in dieser kurzen Zeit noch machen konnte, um zu helfen. Ich habe es zwar schon mal gesagt, aber ich wiederhole mich gern: Ich würde ihn nicht ziehen lassen!! Problem: sein Weg scheint nach Nürnberg zu führen. Leider!
William Mikelbrencis (bis 72.): Er überraschte mich. Erst in der Startelf – dann mit seinem Spiel auf dem Platz. Flanken verhindern ist weiterhin nicht seine Kerndisziplin, aber wenn er dafür solche Flanken offensiv schlägt, wie zum 2:2 auf Vuskovic, dann komme ich damit klar. Machte sein mit weitem Abstand bestes Spiel im HSV-Trikot. Note: 2
Warmed Omari (ab 73.): Endlich ist er wieder da. Er wird dem HSV noch sehr helfen, da bin ich mir sicher. Mich freut sein Comeback extrem!!
Nicolai Remberg: Bekam früh Gelb und war im Anschluss vorsichtiger. Er fiel nur deshalb etwas weniger auf als sonst, weil er mit Lokonga heute jemanden neben sich hatte, der überragte und dem er im Grunde „nur“ assistieren musste. Gutes Spiel. Note: 2,5
Miro Muheim: Gegen Olise so wenig zuzulassen ist stark. Sehr stark. Dass er trotzdem noch nach vorn mitspielte und in der Schlussphase lange Sprints ziehen konnte – stark. Note: 2
Fabio Vieira (bis 85.): Er wird besser, weil er endlich die Position spielen darf, die er spielen muss: Zentral offensiv! Er musste aber das 3:2 machen. Vielleicht hätte er den Ball erst annehmen, zwei, drei Schritte machen und sich dann die Ecke aussuchen sollen. Wie wichtig er und Lokonga fürs Team sind wurde besonders deutlich, als die beiden ausgewechselt waren. Note: 1,5
Robert Glatzel (ab 86.): Half mit, den Punkt über die Zeit zu retten.
Ransford Yeboah Königsdörffer (bis 72.): Kam richtig gut ins Spiel und machte, was er machen sollte – er lief an und schleppte Bälle nach vorn. Nur seine Abschlüsse/Pässe fanden ihre Ziele nicht. Aber heute war er ein wesentlicher Faktor. Note: 2,5
Rayan Philippe (ab 73.): Ich hätte ihn – aus bekannten Gründen nicht gebracht. Insgesamt war er aktiver als sonst und hätte fast den Siegtreffer vorbereitet. Bleibt zu hoffen, dass es ab jetzt endlich aufwärts geht. Er würde der HSV-Offensive in Topform so viel helfen können… Note: 3
Schiedsrichter Harm Osmers: Verpasste es, Kane (zwingend!) gleich nach Spielbeginn gelb zu geben (3.). Und er machte so unsouverän weiter. Die Gelben Karten für den HSV waren diskutabel, aber okay. Dennoch, bei identischen Fols gab es für die Bayern: NICHTS! Auch, was Kompany sich am Rand durchweg abkniff, war grenzwertig und wurde von Osmers zu großzügig bewertet. Er blieb zwar ohne spielentscheidenden Fehler – aber insgesamt war er absolut kein souveräner Leiter des Spiels. Note: 4,5
Trainerteam Polzin/Favé/Köhn: Heute haben sie nahezu alles richtig gemacht und sich sowie der Mannschaft bewiesen, was drin ist, wenn alle voll mitziehen. Dass mit zunehmenden Wechseln auch das Niveau abnahm – in einem so intensiv geführten Spiel ist das fast unvermeidbar. Aber das Trainerteam holt aus diesem Kader heraus, was rauszuholen ist. Um es wie bei der Mannschaft auch im Trainerteam zu halten, gibt es eine Sammelnote: 1
DIE STIMMEN ZUM SPIEL:
Daniel Heuer Fernandes: Es ist ein gerechtes Unentschieden, das wir uns hart erarbeitet haben. Ich bin stolz auf unsere Leistung. Wir haben genau das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir wollten intensiv sein. Wir wussten, dass es Phasen geben würde, in denen wir leiden müssen. Diese haben wir aber gut überstanden. Wir haben sehr gut dagegengehalten gegen einen Gegner, der individuell sehr stark besetzt ist. Zudem haben wir es dem Gegner schwer gemacht. Wir waren mit und gegen den Ball sehr kompakt und insgesamt einfach gut. Es war ein gelungener Mix in unserem Spiel.
Nicolai Remberg: Das Trainerteam hat uns perfekt auf dieses Spiel vorbereitet. Unser Plan ist voll aufgegangen: Wir wollten Mann gegen Mann verteidigen. Dass wir uns auch noch so viele Chance gegen die Bayern herausspielen, damit hätte ich nicht gerechnet. Nach dem 1:2 direkt nach der Pause habe ich gedacht, dass es unangenehm werden könnte. Ich kann nur den Hut ziehen vor der Mannschaft, wie wir danach voller Energie nach vorn gespielt haben. Man darf nicht vergessen, wer unser Gegner war. Und beinahe hätten wir das Spiel sogar gedreht.
„Das hat gezeigt, dass wir mental sehr stark sind“
Miro Muheim: Das Trainerteam hat uns mitgegeben, dass wir mehr laufen müssten, um eine Chance zu haben. Das haben wir gut umgesetzt. Wir können sehr stolz auf unsere Leistung sein. Das Gegentor nach der Pause war sehr frustrierend, aber wie wir zurückgekommen sind, hat gezeigt, dass wir mental sehr stark sind. Es ist ein großartiges Gefühl, gegen eine Mannschaft wie Bayern einen Punkt zu holen.
Nicolas Capaldo: Jedes Mal ist es etwas Besonderes im Volksparkstadion. Wir wissen, wie gut wir sind, wenn wir zu Hause spielen. Das Spiel hat gezeigt, dass wir ein Team sind, das sich jederzeit reinhängt. Heute mussten wir sehr viel laufen, weil wir unseren Gegnern nachgejagt sind. Wir waren zum Start in die zweite Hälfte etwas schläfrig, aber wir haben einen Weg zurück ins Spiel gefunden. Zum Schluss haben wir ohne Ende verteidigt.
Merlin Polzin: Die Attribute, die wir vor dem Spiel von der Mannschaft eingefordert haben – Mut, Galligkeit, Überzeugung –, haben sich alle in unserem Spiel wiedergefunden. Wir waren extrem mutig im Ballbesitz und hatten viele Positionswechsel. Ein Riesenkompliment an das Trainerteam, was den Matchplan und die Vorbereitung angeht. Wir haben es durch Rotationsbewegungen immer wieder geschafft, den Gegner auf eine Art Reise mitzunehmen. Auch im Spiel gegen den Ball wussten wir, dass wir bei der Qualität der Bayern die eine oder andere Situation überstehen müssen. Das haben wir geschafft. Wir sind nicht nervös geworden, auch wenn der Gegner mal länger den Ball hatte. In den entscheidenden Momenten waren wir da. Es war ein magischer Abend hier im Volksparkstadion.
FC Bayern München: Neuer – Stanisic, Upamecano, M.-J. Kim (65. Tah), Davies – Kimmich, Pavlovic, Olise, Karl (46. Luis Diaz), Gnabry (65. Musiala) – Kane
Tore: 1:0 Vieira (34./FE), 1:1 Kane (42.), 1:2 Luis Diaz (46.), 2:2 Vuskovic (53.)