HSV vor Bayern: Suspendierung von Dompé verschärft Personallage

HSV vor Bayern: Suspendierung von Dompé verschärft Personallage

Der HSV steht vor dem Heimspiel gegen den FC Bayern München vor einer angespannten sportlichen Situation. Erstmals seit mehr als acht Jahren gastiert der Rekordmeister wieder zu einem Bundesliga-Spiel im Volksparkstadion, doch die Vorbereitung darauf wird für die Mannen von und um Merlin Polzin herum von erheblichen personellen Problemen überschattet. Vor allem in der Offensive muss der HSV-Trainer so viele Ausfälle verkraften wie noch zu keinem Zeitpunkt in dieser Saison.

Auslöser der jüngsten Entwicklung ist die Suspendierung von Jean-Luc Dompé. Der Franzose war am vergangenen Sonntag im Rahmen einer Verkehrskontrolle alkoholisiert am Steuer angetroffen worden. Nach einer Blutprobe wurde sein Führerschein beschlagnahmt, zudem leitete die Polizei ein weiteres Verfahren ein, nachdem Dompé die Wache später mit einem E-Scooter verlassen hatte. Der HSV sprach von einem erheblichen Fehlverhalten und zog die Konsequenz, den 30-Jährigen bis auf Weiteres vom Trainings- und Spielbetrieb auszuschließen. „Das hilft uns gerade auch mit Blick auf die sportliche Situation nicht“, räumte Polzin ein, betonte jedoch zugleich, dass der Verein bei solchen Verstößen konsequent handeln müsse. „Keiner ist größer als der Verein.“



KOMMENTAR

Jetzt zeigt sich, ob der HSV vorbereitet ist

Der HSV steckt spätestens seit der Sufffahrt von Jean-Luc Dompé in einer selbstverschuldeten Zwickmühle. Die logische und alternativlose Suspendierung des Franzosen ist sportlich ein herber Einschnitt – und genau darin liegt das Dilemma. Denn jeder weiß: Die Qualitäten von Dompé kann im aktuellen Kader niemand auch nur annähernd auffangen. Kein anderer Spieler bringt diese Mischung aus Tempo, Unberechenbarkeit und Eins-gegen-eins-Gefahr über die Außenbahn mit. Wer ihn aus dem Spiel nimmt, nimmt dem HSV einen entscheidenden Teil seiner Offensiv-DNA.

Dass sich der HSV mit der Suspendierung sportlich massiv schwächt, ist die Konsequenz eines notwendigen Schrittes. Daran gibt es nichts zu deuteln. Werte, Regeln und Glaubwürdigkeit standen zu Recht über allem. Aber genau hier beginnt die kritische Betrachtung: Dass man auf eine solche Sufffahrt nicht vorbereitet war, mag noch erklärbar sein. Dass man jedoch die wiederkehrende Undiszipliniertheit des Spielers über einen langen Zeitraum hinweg hingenommen hat, hätte zumindest dazu führen müssen, ein solches Szenario mitzudenken.

Jetzt zeigt sich, wie gut der HSV wirklich vorbereitet ist.

Denn schon vor der Suspendierung Dompés war völlig klar: Der Kader ist auf den Außenbahnen zu dünn, zu verletzungsanfällig und zu einseitig aufgestellt. Dompé selbst war über weite Strecken dauerverletzt, immer wieder fraglich, nie wirklich planbar. Allein daraus hätte sich zwingend ergeben müssen, dass man für den Winter Qualität über die Flügel vorbereitet – nicht reaktiv, sondern strategisch. Stattdessen steht bislang lediglich ein Neuzugang zu Buche. Der allerdings ist im zentralen Mittelfeld vorgesehen, und dazu noch angeschlagen. Dementsprechend wird der dem HSV nicht sofort helfen können.

Der Transfer an sich mag sportlich auf Sicht sinnvoll sein, löst aber kein einziges der akuten Probleme. Weder auf den Außenbahnen noch im Zentrum der Offensive. Und genau das ist der Punkt: Der HSV sucht weiterhin Außenstürmer, weiterhin einen echten Knipser – und das nicht erst seit Dompés Sufffahrt. Das sind alte Baustellen, keine neuen. Und sie gefährden den Klassenerhalt fahrlässig.

Dass man Sportdirektor Claus Costa frühzeitig langfristig gebunden hat, wurde auch damit begründet, dass der Aufsichtsrat sich dessen Transferstrategie – insbesondere für den Winter – detailliert habe aufzeigen lassen wollen. Umso spannender wird jetzt die Frage: War das alles Teil eines belastbaren Plans oder lediglich eine theoretische Skizze?

Denn faktisch hat sich durch Dompés Suspendierung personell gar nicht so viel verändert. Die Schwachstellen waren vorher da, sie sind jetzt nur unübersehbar. Wenn es dem HSV in diesem Winter wieder einmal nicht gelingt, lang bekannte Lücken zu schließen – diesmal die Außenbahn, Durchschlagskraft, Abschlussqualität –, dann darf man das Ergebnis nicht schönreden.

Mit anderen Worten: Gelingt es dem HSV wieder nicht, diese lange schon bekannten Defizite rechtzeitig zu beheben, dann hat man in der sportlichen Leitung rund um Claus Costa seinen Job schlichtweg zum wiederholten Mal verfehlt. Nicht wegen Dompé. Sondern weil man längst hätte wissen müssen, dass offensiv Handlungsbedarf besteht. Und genau daran wird sich die sportliche Führung messen lassen müssen.



Sportlich trifft die Suspendierung den HSV zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Neben Dompé fehlen in der Offensive auch Yussuf Poulsen und Alexander Røssing-Lelesiit, die langfristig verletzt sind. Fabio Baldé und Damion Downs gelten als angeschlagen, Emir Sahiti steht vor einem möglichen Winterwechsel. Hinzu kommt, dass Robert Glatzel nach einer Erkrankung nur eingeschränkt einsatzfähig ist. Polzin sprach von einer ungewöhnlichen Häufung an Ausfällen: „Ich weiß nicht, ob es das in dieser Vielzahl in dieser Saison schon mal gab.“ Jammern wolle er dennoch nicht. Entscheidend sei es, Lösungen zu finden – gerade im Volkspark, wo „schon Dinge passiert sind, die woanders vielleicht nicht möglich sind“.

Polzin muss wieder Mängelverwaltung betreiben

Die personellen Engpässe zwingen den Trainer dazu, bei der Startelf kreativ zu werden. Besonders auf der linken Außenbahn ist die Situation angespannt. Bekanntermaßen. Und leider konnte die sportliche Leitung noch immer keine Verstärkung präsentieren. Und so bleibt es für Polzin eine Art Mängelverwaltung in der Offensive. Als Alternativen gelten unter anderem Rayan Philippe oder Bakery Jatta, der zuletzt jedoch auf der rechten Seite eingeplant war. Auch eine defensivere Lösung, etwa mit einem vorgezogenen Außenverteidiger wie William Mikelbrencis, ist denkbar, zumal gegen die Bayern ohnehin viel Defensivarbeit gefragt sein dürfte. Was ich von Mikelbrencis‘ Qualitäten, insbesondere defensiv, halte, ist hier aber hinlänglich bekannt.

Entlastung könnte perspektivisch der nächste Winterzugang bringen. Der dänische Offensivspieler Albert Grønbæk absolvierte seinen Medizincheck im Volkspark und soll zeitnah einen Vertrag beim HSV unterschreiben. Geplant ist eine Leihe bis zum Sommer vom französischen Erstligisten Stade Rennais mit Kaufoption. Polzin zeigte sich zuversichtlich, dass der Transfer zustande kommt, mahnte aber zur Geduld. Grønbæk war in dieser Saison an den CFC Genua ausgeliehen, kam dort jedoch nur zu vier Ligaeinsätzen und fiel zuletzt mit einer Muskelverletzung aus. Entsprechend dürfte er zunächst Zeit benötigen, um sportlich eine Rolle zu spielen.

Eine positive Nachricht gibt es aus der Defensive: Warmed Omari wird nach seiner schweren Sprunggelenksverletzung erstmals wieder im Kader stehen und könnte zunächst auf der Bank Platz nehmen. Darüber hinaus schließen die Verantwortlichen weitere Transfers nicht aus. Das Winterfenster ist noch bis Montag geöffnet, und Polzin bestätigte, dass der Verein im Offensivbereich „sehr wachsam“ sei und mehrere Gespräche führe.

Insgesamt zeigt sich der HSV wenige Tage vor dem Bayern-Spiel personell stark gefordert. Die Mischung aus Verletzungen, angeschlagenen Spielern und der Suspendierung Dompés hat die ohnehin angespannte Lage weiter verschärft. Gleichzeitig unterstreichen die Aussagen des Trainers und die laufenden Transferaktivitäten, dass der Verein bemüht ist, kurzfristig handlungsfähig zu bleiben und die Situation zumindest abzufedern.

In diesem Sinne, Euch allen jetzt erst einmal einen schönen Donnerstagabend!
Scholle

HSV-Offensive in der Krise: Nach Pauli-Spiel rücken neue Transferziele und Abgänge in den Fokus

HSV-Offensive in der Krise: Nach Pauli-Spiel rücken neue Transferziele und Abgänge in den Fokus

Moin zusammen,

ich habe mich ja nicht hier direkt zum Spiel gegen Pauli geäußert. Zusammenfassend: Defensiv okay, offensiv war das gar nix, aber es kann auch gar nix werden, wenn man den Ball in der gegnerischen Hälfte nicht verarbeitet bekommt. Ich dachte mir erstmal: „Okay, die stellen sich wie zu erwarten hinten rein, ein Pass in eine gestaffelte Zone und eine Passkombination, dann kann da was passieren.“ Als ich dann aber gesehen habe, wie der Ball teilweise angenommen wurde, war die Hoffnung da auch schon wieder weg.   Da hat man sich manchmal gefragt, was sich ein Trainer denken muss. Ich meine ja, der hat die Entscheidung darüber, wer spielt, aber dass die Spieler, die er aufstellt, keinen Ball annehmen oder direkt passen können, da scheitert es ja schon an den Basics.

Aus diesem Anlass muss und wird der HSV nochmal auf dem Transfermarkt tätig.

Für die Offensive soll noch jemand kommen und ich habe es ja schon öfter gesagt: Es MUSS jemand kommen. Es ist relativ egal, wer im Sturm spielt, denn wenn dieser keine Bälle bekommt, kann da stehen, wer will, es wird nix passieren. Und wenn dann Dompe nicht fit ist, wird es halt sehr schnell eng auf den Außenbahnen. Ich meine, schaut euch mal die Flanke von Königsdörffer an. Klar, Downs steht da falsch, aber ich glaube, selbst wenn Glatzel im Zentrum steht, bekommt er den Ball nicht, weil die Flanke einfach Grütze ist. Oder der Konter von Philippe. Da kannst du als Trainer machen, was du willst, den Pass kannst du am Ende nicht selber spielen. Und dann ist es eben egal, wer da spielt, es funktioniert nicht. Und deshalb muss dort Verstärkung her.

Potentielle Kandidaten

Der HSV hat angeblich Eren Dinkci auf der Liste. Der Flügel spielt aktuell in Freiburg, soll aber verkauft werden. Das ist für den HSV aktuell nicht stemmbar, da der Deutsch-Türke einen Marktwert von 6 Millionen hat Sollte jedoch kein Verein melden, wäre eine Leihe zum Ende des Transferfensters eventuell möglich. Dinkci kennt sich in der Bundesliga aus und wäre mMn eine gute Verstärkung.

Ein weiteres Gerücht ist Albert Gronbaek vom CFC Genua. Der Däne kam ursprünglich aus Glimt und wechselte 2024 zu Stade Rennes. Aktuell ist er von Rennes aber nach Genua ausgeliehen. Hier kam Gronbaek aber noch nicht auf viel Spielzeit. Auch weil er aktuell noch an einer Verletzung laboriert. Ein Leihabbruch wäre dann die Maßnahme und der HSV würde den Dänen dann für ein halbes Jahr an die Elbe holen. Ich finde Spieler, die von Bodo Glimt kommen, immer interessant und ich bin auch der Meinung, der HSV sollte gerne einen genauen Blick in die skandinavischen Länder werfen. Aber hier bin ich aktuell ein wenig abgeneigt. Denn laut Transfermarkt würde Gronbaek erst wieder Ende Februar fit werden. Ob das so stimmt, kann ich nicht sagen, aber wenn es so ist, dann würde dieser Transfer für mich nicht in Frage kommen. Der HSV braucht jetzt Verstärkung, am besten schon Samstag oder spätestens nächste Woche in Heidenheim. Der HSV steht vor einer entscheidenden Phase und da muss die Neuverpflichtung gleich performen. Da gibt es keine Eingewöhnungszeit.

Deshalb wäre mein Vorschlag, so oder so mal in der Bundesliga zu schauen, wer da potentiell frei wäre, z. B. Armindo Sieb. Logischerweise muss man auch außerhalb schauen, aber wie gesagt, der Spieler muss direkt da sein. Die wichtigen Spiele stehen jetzt an. Heidenheim, Wolfsburg, Mainz, Union.   Dieser nächste Griff MUSS sitzen.

Abgänge

Auch auf der Abgangsseite bahnt sich was an. Immanuel Pherai steht vor einem Wechsel nach Nürnberg. Pherai kommt momentan nur auf 5 Bundesligaspiele, eins davon bestritt er nur sehr kurz, als er nicht mal 2 Minuten nach seiner Einwechslung mit gelb-rot wieder vom Platz musste. Pherai durfte seine Rolle als reiner 10er beim HSV leider nie wirklich umsetzen. Schon unter Tim Walter war Pherai damals eher ein offensiver 8er. M. M. n. ist Pherai aber ein Spielgestalter im Umschaltspiel, der mit seinem Tempo die richtigen Entscheidungen im Konter trifft. Ich dacht eigentlich, dass Pherai perfekt für die Bundesliga gedacht wäre, allerdings spielt der HSV mit 2 klaren 8ern, da hatte Pherai eigentlich nie eine gute Chance.

Auch Silvan Hefti wird den HSV verlassen. Er wird sich in Richtung USA verabschieden.   Hefti war 2024 als klarer Stammspieler eingeplant, konnte sich aber kaum durchsetzen. Insgesamt kam Hefti nur auf 20 Einsätze und konnte meistens nicht überzeugen. In der Bundesliga stand Hefti nie im Kader. Für Hefti wird der HSV eine kleine Ablöse bekommen, die aber in eine Abfindung reinfließt.

Schreibt doch gerne mal rein, wie ihr zu den Transfergerüchten steht und wen ihr noch so auf der Liste habt, bei dem sich der HSV mal umschauen sollte.

Tom

Letzte Woche Transferphase: HSV unter Druck – Kaderumbau alternativlos

Letzte Woche Transferphase: HSV unter Druck – Kaderumbau alternativlos

Die letzte Woche der Wintertransferphase fühlt sich beim HSV gerade an wie dieses Derby am Millerntor: kalt, zäh – und trotzdem voller Bedeutung. Nur, dass man sich diesmal nicht hinter einem 0:0 verstecken kann. Denn das Stadtderby gegen St. Pauli hat nicht nur gezeigt, wie stabil diese Mannschaft inzwischen verteidigt. Es hat vor allem brutal offengelegt, was vorne fehlt. Und genau deshalb ist jetzt Handeln Pflicht. Nicht irgendwann. Nicht im Sommer. Sondern jetzt – in diesen letzten Tagen, in denen der Markt noch offen ist und Fehler später nicht mehr zu korrigieren sind.

Der HSV muss seinen Kader zwingend korrigieren. Und zwar in doppelter Hinsicht.

Zum einen geht es darum, Spieler abzugeben, die beim HSV offensichtlich keine Perspektive mehr haben – die nicht mal mehr für den Kader reichen, egal wie dürftig die Offensive auftritt. Das ist hart, aber es ist Realität. Ein Beispiel dafür ist Immanuel Pherai. Einer der wenigen, der überhaupt weiß, wie sich ein Tor im Stadtderby anfühlt. Und trotzdem stand er am Freitagabend nicht mal im Aufgebot. Nicht verletzt, nicht angeschlagen, einfach draußen. Merlin Polzin hat lieber zwei Außenverteidiger auf die Bank gesetzt, die am Ende nicht mal eingewechselt wurden – und genau das ist das Signal, das Pherai offenbar endgültig verstanden hat: Er hat beim HSV keine echte Perspektive mehr.

HSV nach St. Pauli-Derby unter Transferdruck – Kader muss korrigiert werden

Die Konsequenz: Pherai plant den Blitzabgang. Verkauf oder Leihe – beides ist möglich, beides muss jetzt zügig entschieden werden. Denn wenn ein Spieler, der seit Monaten fit ist, in einer Phase ohne Durchschlagskraft vorn trotzdem keine Rolle spielt, dann ist die Sache im Grunde schon entschieden. Und ja, das tut weh. Aber es ist auch ein klarer Schnitt. Einer, der am Ende sogar helfen kann, weil er Gelder freimacht. Denn in dieser Transferwoche geht es nicht darum, den Kader „irgendwie hübscher“ zu machen. Es geht darum, die Chancen auf den Klassenerhalt zu erhöhen. Alles andere ist Nebensache.

Und als wäre diese ohnehin schon angespannte Lage nicht bitter genug, kommt jetzt die nächste Nachricht, die dem HSV in dieser Phase nochmal richtig weh tut: Alexander Røssing-Lelesiit wird uns aller Voraussicht nach bis Saisonende fehlen. Der 19-Jährige hat sich im Derby bei einem Foul von Adam Dzwigala einen hochgradigen Riss der Syndesmose im rechten Sprunggelenk zugezogen. Der Verein spricht davon, dass er „mehrere Monate nicht zur Verfügung stehen“ wird – und wenn man ehrlich ist, klingt das verdammt nach einem frühen Saison-Aus. Am Montag folgen weitere Untersuchungen, danach wird entschieden, ob sogar eine Operation nötig ist.

Das ist nicht nur menschlich extrem bitter, weil der Junge gerade erst dabei war, sich einen Platz zu erarbeiten – es ist auch sportlich ein harter Schlag. Røssing-Lelesiit hat in dieser Saison seine ersten Bundesliga-Spiele gemacht, sogar schon eine Vorlage geliefert, und im Dezember wurde sein Vertrag langfristig verlängert. Das war ein klares Zeichen: Der HSV sieht in ihm eine echte Zukunftsoption. Und jetzt fällt diese Option, die gerade in so einem engen Kadergefüge wichtig ist, mit hoher Wahrscheinlichkeit monatelang weg.

Røssing-Lelesiit verletzt – HSV verliert Offensiv-Option und muss handeln

Heißt im Klartext: Dem HSV fehlt damit eine weitere Offensiv-Option auf außen – und zwar genau in dem Moment, in dem sowieso schon jede Idee und jede Alternative in der Offensive fehlt. Und ja, natürlich stellt sich damit die Frage noch schärfer als vorher: Muss jetzt ein neuer Außenspieler kommen? Für mich ist die Antwort eindeutig: Ja. Wenn du ohnehin schon das Gefühl hast, dass du vorne zu wenig hast – und dir dann auch noch eine junge, frische Option wegbricht, dann ist „abwarten“ keine Strategie mehr. Dann ist es Risiko. Und Risiko können wir uns im Abstiegskampf nicht leisten.

Zum anderen – und das ist der größere, entscheidende Punkt – muss der HSV personell nachlegen. Und zwar auf mindestens zwei Positionen: auf der offensiven Außenbahn und im Mittelsturm. Das ist keine Wunschliste mehr, das ist eine Notwendigkeit.

Du kannst noch so stabil stehen, du kannst noch so sauber verteidigen, du kannst noch so viele Spiele kontrollieren – wenn du vorne keine Qualität hast, um aus deiner Stabilität Punkte zu machen, dann bleibt dir am Ende nur Frust. Genau das haben wir in dieser Saison bereits gesehen. Der HSV hat sich defensiv verbessert, wirkt insgesamt reifer, verliert weniger die Kontrolle – aber er belohnt sich nicht. Weil vorne die Durchschlagskraft fehlt. Weil in den entscheidenden Momenten entweder die falsche Entscheidung getroffen wird oder die letzte Konsequenz einfach nicht da ist.

HSV braucht Stürmer und Flügelspieler – Offensive entscheidet den Klassenerhalt

Und deshalb darf es jetzt für die Sportdirektion nur eine einzige Aufgabe geben: diesen Kader so zu korrigieren, dass er erstligatauglich wird. Nicht irgendwann. Jetzt.

Parallel dazu läuft die zweite große Baustelle: das Verkleinern des Kaders. Auch hier bewegt sich etwas – und das ist grundsätzlich richtig. Silvan Hefti steht unmittelbar vor dem Abgang in die USA zu D.C. United. Ein Spieler, der in dieser Saison nicht ein einziges Mal im Kader stand, der im Training seit Monaten in einer Sackgasse steckt und der beim HSV sportlich keine Zukunft mehr hatte. Genau solche Personalien musst du lösen. Nicht, weil es Spaß macht, Leute loszuwerden – sondern weil es notwendig ist, um Struktur, Klarheit und finanzielle Luft zu schaffen.

Und ja, das Modell ist typisch Fußballgeschäft: kleine Ablöse, ein Teil fließt in eine Abfindung, um das niedrigere Gehalt in den USA auszugleichen. Am Ende spart der HSV Gehalt, der Spieler bekommt eine neue Chance, alle Seiten kommen raus aus einer Situation, die längst festgefahren war. Das ist ordentlich gemacht. Aber es ist eben nur der erste Teil der Arbeit.

Hefti vor Wechsel – HSV verkleinert Kader und schafft Budget für Transfers

Denn Abgänge allein retten dich nicht.

Du kannst den Kader noch so schlank machen – wenn du am Ende nicht die Qualität vorne reinholst, wirst du weiter Spiele wie dieses Derby erleben: viel Ball, viel Kontrolle, wenig Gefahr, null Tore. Und dann wird es irgendwann nicht mehr 0:0 heißen, sondern 0:1. Und du stehst da und sagst dir: „Tja.“ Nur dass dieses „Tja“ dann richtig weh tut.

Was mich zusätzlich nervt: Dass wir wieder an dem Punkt sind, an dem wir Spieler abgeben müssen, ohne wirklich nennenswerte Ablösesummen zu generieren. Man hat es wieder verpasst, rechtzeitig Werte zu schaffen oder Spieler zu verkaufen, bevor sie komplett aus dem sportlichen Raster fallen. Das ist das eine.

HSV-Transferphase: Abgänge ja – aber ohne Einnahmen wird es gefährlich

Das andere ist: Der HSV war bereit, rund drei Millionen Euro für einen neuen Keeper zu investieren – und ja, man kann darüber diskutieren, ob das sinnvoll war. Aber dass man dieses Geld in die Defensive steckt und gleichzeitig in der Offensive noch keine Lösung präsentiert hat, darf nicht das Ende der Veranstaltung sein. Das kann es einfach nicht sein. Wenn du dich entscheidest, so viel Geld in eine Position zu stecken, die bisher nicht dein Hauptproblem war, dann musst du vorne erst recht liefern. Sonst hast du am Ende zwar einen sicheren Rückhalt, aber vorne immer noch keinen, der dir Spiele gewinnt.

Und ich bleibe dabei: Dieses Geld – und noch ein bisschen mehr – musst du jetzt investieren. In Tempo auf außen. In einen Mittelstürmer, der diesen Namen verdient. In Qualität. In jemanden, der aus einer halben Chance ein Tor macht. In einen, der in einem zähen Spiel wie am Millerntor die eine Szene bekommt und sie nicht wegwirft, sondern reinmacht.

Denn das ist der Unterschied zwischen „guter Ansatz“ und „Klassenerhalt“.

HSV muss in der Offensive investieren – sonst droht der Abstieg

Und wenn die Sportdirektion diese Aufgabe in dieser letzten Transferwoche nicht gelöst bekommt, dann hat sie ihren Job mal wieder verfehlt. Ganz einfach. Jahrelang war es in der zweiten Liga die Defensive, die man vernachlässigt hat – das ist diesmal anders. Da steht man ordentlich. Da ist vieles stabil. Aber wenn man jetzt wieder die falsche Seite vergisst, wird es am Ende genauso bitter.

Diesmal wäre es die Offensive.

Und am Ende gilt der Satz, für den man eigentlich ins Phrasenschwein einzahlen müsste – der aber leider trotzdem zu 100 Prozent stimmt: Nichts ist teurer als der Abstieg.

Scholle

HSV-Analyse zum St.-Pauli-Derby: Warum dieses 0:0 wie eine Warnsirene klingt

HSV-Analyse zum St.-Pauli-Derby: Warum dieses 0:0 wie eine Warnsirene klingt

Ich sitze hier nach diesem Derby und merke: Das Einzige, was wirklich heiß war an diesem Abend, war die Erwartungshaltung. Das Kribbeln vorher. Dieses typische „Heute zählt’s“-Gefühl, wenn du weißt, dass es nicht einfach nur um drei Punkte geht, sondern um Hamburg, um Stolz, um eine Stadt, die sich für 90 Minuten in zwei Farben aufteilt.

Und dann bekommst du –  DAS…

0:0 am Millerntor. Kein Drama, keine Geschichte, kein Moment, der hängen bleibt – außer der bitteren Erkenntnis, dass wir gerade ein Stadtderby gesehen haben, das sportlich zu den schwächsten gehört, an die ich mich überhaupt erinnern kann. Und das sage ich nicht, weil ich HSV-Fan bin und mir ein Sieg lieber gewesen wäre. Das sage ich, weil dieser Abend fußballerisch erschreckend war. Weil beide Offensivreihen gespielt haben, als würde ihnen im letzten Drittel plötzlich das WLAN abbrechen. Keine Klarheit, keine Präzision, keine Kälte vor dem Tor. Nicht ligatauglich. Auf beiden Seiten.

Das war weniger Derby, mehr… Abstiegskrampf mit Bengalos.

Viel Ball, wenig Idee – und noch weniger Punch

Wir hatten den Ball. Wir hatten Phasen, in denen wir reifer wirkten, strukturierter, erwachsener in der Anlage. St. Pauli stand tief, lauerte, spielte viel auf Sicherheit und auf den Moment – aber dieser Moment kam eben auch nicht, weil vorne bei ihnen einfach nichts Zwingendes passierte. Und bei uns? Bei uns war das Problem sogar noch frustrierender, weil wir grundsätzlich besser im Spiel waren, aber es nicht geschafft haben, daraus irgendwas wirklich Gefährliches zu machen.

Es gab diese kleinen Ansätze: ein Laufweg hier, ein möglicher Konter da, eine Situation, wo du denkst „Jetzt! Jetzt bitte einmal sauber ausspielen!“ – und dann kommt wieder ein Abseits, eine viel zu scharfe Hereingabe, ein falscher Passwinkel, ein Kontakt zu viel, ein Abschluss ohne Überzeugung. Als hätte man sich kollektiv darauf geeinigt, im Strafraum bitte nicht zu mutig zu sein.

Das ist der Moment, wo du als Fan auf der Couch sitzt – oder im Block stehst – und du merkst, wie aus Leidenschaft langsam Ärger wird. Weil du genau weißt: Diese Spiele sind die, die du gewinnen musst, wenn du in dieser Liga bleiben willst. Diese Spiele sind die, in denen Qualität entscheidet. Und Qualität, meine Freunde… war an diesem Abend Mangelware.

Polzin wirft alles rein – aber vorne bleibt es erschreckend dünn

Merlin Polzin hat reagiert. Und das kann man ihm nicht vorwerfen. Der Mann hat wirklich alles probiert. Der hat im Laufe des Spiels gefühlt einmal die komplette Offensive durchgetauscht, als würde er an einem kaputten Spielautomaten alle Knöpfe gleichzeitig drücken, in der Hoffnung, dass irgendwann doch mal ein Gewinn-Sound kommt.

Dompé rein. Glatzel rein. Philippe rein. Und ja, natürlich hatte man in dem Moment wieder Hoffnung. Weil du dich an das erinnerst, was möglich wäre: Dompé, wenn er fit ist, als Chaosstifter. Glatzel als Zielspieler, der aus einer halben Chance ein Tor machen kann. Philippe als frische Beine.

Aber die harte Wahrheit war: Selbst dieser große Wechsel hat aus diesem Spiel keinen Derby-Moment gemacht. Es blieb das gleiche Bild. Viel Aufwand, wenig Wirkung. Und irgendwann schleicht sich diese eklige Erkenntnis rein: Vielleicht fehlt uns nicht nur die Form. Vielleicht fehlt uns Qualität. Und zwar ganz konkret: Qualität in der Offensive.

Heuer Fernandes: alles gehalten, was zu halten war

Über Daniel Heuer Fernandes müssen wir gar nicht diskutieren. Der hat das gemacht, was ein Torhüter in so einem Spiel machen muss: da sein, wenn’s brennt – und sonst Ruhe ausstrahlen. Es gab diese Phase in der Schlussviertelstunde, in der St. Pauli plötzlich doch mal Druck aufgebaut hat, zwei, drei ordentliche Abschlüsse hatte und du merkst, wie so ein Spiel kippen kann.

Und Heuer-Fernandes? Bleibt cool. Hält, was er halten kann. Keine Patzer, kein Flattern, keine Unsicherheit. Und genau deshalb ist es auch komplett daneben, ihm irgendwas anzukreiden. Wenn man hinten die Null hält, ist das die Grundlage. Aber du gewinnst damit eben nur dann, wenn vorne auch einer trifft.

Und genau da liegt unser Kernproblem.

Vuskovic: Chef, Ruhepol – und am Ende gefährlichster Mann auf dem Platz

Luka Vuskovic ist 18. Achtzehn! Und spielt dieses Derby, als wäre er seit zehn Jahren im Volkspark gesetzt. Er hatte alles im Griff, wurde kaum wirklich gefordert – und das ist fast schon der Punkt: Weil St. Pauli ihn praktisch nie ernsthaft in Stress bringen konnte, hatte er immer wieder die Zeit, sich nach vorne einzuschalten, anzukurbeln, mitzugehen, Räume zu überbrücken.

Und jetzt kommt der Satz, der diesen Abend perfekt zusammenfasst:
Dass Luka Vuskovic am Ende die gefährlichste Torraumszene von allen hatte, spricht Bände.Ein Innenverteidiger. Unser Teenager-Abwehrchef. Der gefährlichste Mann im Derby. Wenn das kein Alarmzeichen ist, dann weiß ich auch nicht.

Und ja: Nach dem Spiel hat er Haltung gezeigt. Und zwar richtig. Ich will hier nicht alles auseinandernehmen, aber wer glaubt, dass es in Ordnung ist, einen 18-Jährigen über seine Familie und seinen Bruder anzugehen, nur um ein bisschen „Derby“ zu spielen, der hat nicht verstanden, worum es in dieser Stadt eigentlich gehen sollte. Luka hat sich nicht versteckt. Luka hat klar gesagt, was Sache ist. Respekt dafür.

Torunarigha wird stabiler – das sieht man von Woche zu Woche

Jordan Torunarigha macht Schritte nach vorne. Das sieht man. Der findet besser rein, wirkt eingespielter, versteht sich besser mit seinen Nebenleuten. Und auch wenn er an diesem Abend nicht wirklich dauerhaft gefordert wurde – er hat eine vernünftige, solide Partie gespielt. Weniger Wackler, mehr Sicherheit, bessere Abläufe. Das ist positiv. Wirklich. Das Omari nach seiner langen Verletztenzeit zurückkommt und in der Form der ersten Spiele eine absolute Verstärkung sein würde – auch das bringt am Ende genau gar nichts, wenn du vorne weiter den Ball behandelst wie eine heiße Kartoffel.

Und dann kommt diese Szene… die mich immer noch fassungslos macht

Es gibt Spiele, da hast du Pech. Da fehlt ein Zentimeter, da steht einer im Abseits, da geht der Ball an den Pfosten. Kann passieren. Und dann gibt es Spiele, da nimmst du dir den Sieg einfach selbst weg.

Diese Drei-gegen-eins-Situation war der Moment, in dem du als HSV-Fan kurz aufspringst, weil du weißt: Das ist es jetzt. Das ist der Derby-Sieg. Du spielst das sauber aus, du siehst, wie ein schneller Spieler sein Tempo und seine fußballerischen Fähigkeiten nutzt, richtig einsetzt und du gewinnst 1:0! Anschließend fährst du als König vom Kiez und bejibelst die taktische Disziplin der Mannschaft. 

Und was passiert?

Rayan Philippe spielt diesen Außenristpass. Außenrist! In einem Moment, in dem du einfach nur einen klaren, einfachen Ball brauchst. Wo du noch 20 Meter mit dem Ball nach innen ziehen und Dein hohes Tempo nutzen kanns. Und er verstolpert es so schlampig, so unfassbar fahrlässig, dass es wehtut. Nicht weil es „misslungen“ ist, sondern weil es eine Entscheidung war, die du auf diesem Niveau einfach nicht triffst, wenn du ernsthaft drei Punkte holen willst.

Ich sag’s, wie ich’s denke: So eine Leistung ist eine bodenlose Frechheit.
Und ja: Wenn ich Trainer wäre, würde ich ihn erstmal aus dem Kader streichen. Nicht aus Trotz, sondern als Signal. Weil du nicht mit dem Zauberfuß spielen musst, wenn du einfach nur gewinnen musst. Dieser Außenristpass hat uns zwei unfassbar wichtige Punkte geklaut. Zwei. Nicht einen. Zwei.

Und es bleibt nicht mal bei dieser Szene: Philippe ist für mich bislang eine der größten Enttäuschungen dieser Saison. Weil er sehr vuiel mehr Potenzial hat, als er abruft. Und das Schlimmste ist dieser Gedanke, der sich danach festsetzt:
Hoffentlich rächt sich genau sowas am Saisonende nicht.

Glatzel: Noch warten wir auf den Knipser – aber so wird das nichts

Bei Robert Glatzel bleibe ich vorsichtig, weil ich weiß, was er eigentlich kann. Aber wir müssen trotzdem die Realität ansprechen: Gegen St. Pauli kam er überhaupt nicht zum Zug. Nicht, weil er nicht wollte – sondern weil das Spiel ihn gar nicht in die Situationen gebracht hat, in denen ein Stürmer gefährlich sein kann.

Teilweise agiert er 10, 15, 20 Meter in der eigenen Hälfte. Und vorne im Strafraum? Kaum präsent. Kaum Bälle. Kaum Szenen.

Und dann brauchst du dich auch nicht wundern, dass du keine Durchschlagskraft entwickelst. Ein Knipser lebt von Situationen. Von Flanken, von zweiten Bällen, von Präsenz. Wenn das nicht passiert, kannst du vorne auch einen Torjäger aus Gold hinstellen – es bleibt stumpf.

Dieses Derby war kein Fußball-Fest. Es war eine laute Warnung.

Ganz ehrlich: Das war eines dieser Derbys, bei denen du nach Abpfiff nicht „Schade“ sagst, sondern „Gott sei Dank ist es vorbei“. Es war kalt, es war zäh, es war ideenlos – und es war sinnbildlich für zwei Teams, die gerade nicht aus der Kraft heraus spielen, sondern aus dem Überlebensmodus.

Und ja, der Punkt hilft uns tabellarisch mehr als St. Pauli. Aber sportlich ist es trotzdem ein Warnsignal. Ein großes. Ein rotes. Eines, das du nicht weglächeln kannst.

Denn wenn du so spielst und vorne so wenig zustande bringst, dann wirst du irgendwann nicht mehr 0:0 spielen. Dann verlierst du 0:1. Durch eine Standardsituation, einen Konter, einen abgefälschten Ball. Und dann stehst du da und fragst dich, warum du wieder in der gefährlichen Zone hängst.

Transferphase: HSV MUSS offensiv nachlegen – alles andere ist fahrlässig

Und damit sind wir beim wichtigsten Punkt:
Der HSV muss in dieser letzten Woche der Transferphase ZWINGEND noch offensiv nachlegen. Nicht vielleicht. Nicht „wäre schön“. Nicht „wenn sich was ergibt“.

ZWINGEND.

Alles andere wäre fahrlässig.

Du kannst nicht ernsthaft in der Bundesliga bleiben wollen, wenn du im Stadtderby sieben Angreifer auf den Platz wirfst und am Ende bleibt als Ergebnis: zwei harmlose Torschüsse, null Tore, null Kaltschnäuzigkeit. Du kannst nicht ernsthaft erwarten, dass das „von allein“ besser wird, wenn dir in Umschaltsituationen die falschen Entscheidungen um die Ohren fliegen und du selbst die klaren Momente wegwirfst.

Du brauchst Qualität. Sofort. Du brauchst einen, der im Strafraum einen Plan hat. Einen, der eklig ist. Einen, der nicht „nochmal ablegt“, sondern schießt. Einen, der aus Halbchancen Tore macht. Einen, der diesem Team das gibt, was es gerade nicht hat: Durchschlagskraft. Weil du sonst am Ende immer wieder sagen wirst: „Wir waren besser. Wir hatten mehr Ball. Wir waren reifer.“

Und trotzdem stehst du da – mit einem Punkt. Oder gar keinem. Dieses Derby war ein Spiegel. Und der Spiegel sagt: Hinten stabil – ja. Aber vorne?? Vorne fehlt etwas! Etwas ganz Entscheidendes.

Und wenn der HSV das jetzt nicht erkennt und nicht handelt, dann spielen wir am Saisonende wieder diese Spiele, in denen du rechnest, hoffst, betest, statt einfach Fußball zu spielen und die eigene Entwicklung erkennbar voranzutreiben. Ich will das nicht nochmal.

Also: Bitte. Legt nach. Offensiv. Mit Qualität. Jetzt. Sonst wird es richtig hässlich.

DIE EINZELKRITIK:

Daniel Heuer Fernandes (33): Schon in der ersten Halbzeit versuchten die St.-Pauli-Ränge, ihn mit allem zu bearbeiten, was ein Derby so hergibt – doch der HSV-Keeper blieb komplett bei sich. Er wirkte ruhig, stabil und ließ sich weder von der Kulisse noch von Provokationen aus dem Konzept bringen. In der Schlussphase war er dann auch zur Stelle, als es wirklich mal brenzlig wurde. Und ganz ehrlich: Das, was er halten konnte, hat er auch gehalten – ihm kann man in diesem Spiel absolut nichts vorwerfen. Note: 3

Nicolas Capaldo (27): Capaldo spielte das Derby so, wie man es von einem Südamerikaner erwartet: giftig, aggressiv, mit dem richtigen Maß an Härte – aber ohne kopflos zu werden. Er gewann extrem viele direkte Duelle, räumte wichtige Situationen ab und unterband mehrere gefährliche Aktionen der Gastgeber, bevor sie überhaupt richtig heiß werden konnten. Ein echter Derby-Spieler. Note: 3

Luka Vuskovic (18): Der Junge hat nicht nur gespielt wie ein Abwehrchef – er hat sich auch nicht beirren lassen, obwohl die Stimmung gegen ihn teilweise richtig ekelhaft war. Und weil St. Pauli offensiv über weite Strecken kaum durchkam, hatte Vuskovic immer wieder Zeit, sich einzuschalten, nach vorne zu tragen und Aktionen anzuschieben. Dass er am Ende sogar die gefährlichste Torraumszene des gesamten Spiels hatte, spricht Bände. Und auch nach Abpfiff zeigte er Haltung – genau so muss man im Derby auftreten. Note: 2

Jordan Torunarigha (28): Torunarigha findet immer besser rein. Man merkt, dass die Abläufe mit seinen Nebenleuten zunehmend stimmen und er sich in der neuen Rolle wohler fühlt. Ja, gefordert wurde er insgesamt nicht besonders oft. Trotzdem war das eine absolut vernünftige Partie, mit solidem Aufbau und deutlich weniger Wacklern als noch in anderen Spielen. Das wirkt alles zunehmend stabiler. Mote: 3

Bakery Jatta (27): Jatta wurde häufig mit langen Bällen gesucht und probierte viel, aber es blieb oft beim Bemühen. Einzelne Aktionen waren okay, wirklich gefährlich oder konsequent wurde es aber zu selten. Da war zu viel dabei, was im Ansatz hängen blieb. Note: 4

Nicolai Remberg (25): Remberg musste früh mit einer Gelben Karte leben, die man auch anders hätte bewerten können – hat sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen lassen. Er blieb sauber im Spiel, hielt die Balance und war im Passspiel sehr verlässlich. Wenn man einen sucht, der für diese fehlenden Punkte verantwortlich ist: Er gehört definitiv nicht dazu. Note: 3

Fabio Vieira (25, bis 88.): Wenn es beim HSV jemanden gibt, der technisch sichtbar auf einem anderen Level spielt, dann ist es Vieira. Am Ball ist das richtig stark – nur verzweifelt er auch regelmäßig daran, dass seine Laufwege nicht gesehen werden oder seine guten Ideen im letzten Moment verpuffen. Dazu arbeitete er auch gegen den Ball ordentlich mit und gewann viele direkte Duelle. Note: 3

Miro Muheim (27): Muheim zeigte eine solide Leistung, schaltete sich mehrfach ein und brachte zumindest noch Struktur in die Aktionen nach vorne. Er war aktiv, setzte Impulse und hatte auch ein paar gute Szenen im Spielaufbau. Unauffällig – aber im positiven Sinn. Note: 4

Ransford Königsdörffer (24, bis 68.): Er fand überhaupt keinen Zugriff auf das Spiel. Kaum Einfluss, kaum Aktionen, kaum Präsenz – und wenn er beteiligt war, ging zu viel schief. Sein erster Ballkontakt ist Kreisliga – der Rest war leider nicht viel mehr. Für ein Derby war das allemal viel zu wenig. Note: 6

Damion Downs (21, bis 68.): Downs war praktisch nicht im Spiel. Wenig Ballkontakte, wenig Einbindung, kaum Wirkung. Und das Bittere: Wenn sich mal eine Umschaltsituation ergab, traf er immer die falschen Entscheidungen und ließ damit Chancen liegen, die man in so einem engen Spiel einfach nutzen muss. Antizipation? NULL! Ein gespür für gefährliche Situationen? Minus 100. Das ist wirklich gar nichts bislang. Wie er einen Marktwert von 10 Millionen Euro erlangen konnte, weiß er komplett zu verstecken. Note: 6

Alexander Røssing-Lelesiit (19, bis 14.): Bitterer Start: Er durfte beginnen, war aber nach dem Foul selbst früh raus und konnte sich gar nicht zeigen.

Fabio Baldé (20, ab 14., bis 68.): Für Baldé lief es maximal unglücklich. Zwar stimmte der Einsatz und er war in vielen Zweikämpfen präsent – aber offensiv blieb das extrem harmlos. Am Ende musste er nach nicht mal einer Stunde nach Einwechslung schon wieder runter. Ein Abend zum Vergessen. Note: 5

Rayan Philippe (25, ab 68.): Das war eine bodenlose Frechheit. Punkt. Wer bei einer Drei-gegen-eins-Situation so einen schlampigen Außenristpass spielt, obwohl ein Mitspieler komplett frei steht, der nimmt seinem Team den Sieg aus der Hand. Dieser eine Moment hat dem HSV zwei brutal wichtige Punkte geklaut. Ich weiß nicht, was er sich dabei gedacht hat – aber als Trainer würde ich ihn nach so einer Aktion erstmal aus dem Kader streichen. Und das Schlimmste: Es passt leider ins Bild seiner bisherigen Saison. Eine absolute Enttäuschung – und man kann nur hoffen, dass genau sowas am Saisonende nicht das Ding ist, das alles kaputt macht. Note: 6

Jean-Luc Dompé (30, ab 68.): Man sah, dass er aktuell nicht bei 100 Prozent ist. Er versuchte, Akzente zu setzen, aber die Explosivität fehlte und er konnte nicht so richtig den Unterschied machen, den man sich erhofft hatte. Note: 4

Robert Glatzel (32, ab 68.): Bei Glatzel muss man weiterhin abwarten, ob er die Hoffnungen als klassischer Knipser wirklich erfüllen kann. Gegen St. Pauli kam er jedenfalls überhaupt nicht zur Geltung – auch weil er teilweise 10, 15, 20 Meter in der eigenen Hälfte herumturnte und vorne im Strafraum kaum präsent war. Dort, wo er eigentlich gefährlich sein soll, hatte er praktisch keine Bälle und keine Szenen. So kannst du als Stürmer natürlich auch kein Spiel entscheiden.

Albert Sambi Lokonga (26, ab 88.):  Kam zu spät rein, um noch auffällig zu werden oder bewertet werden zu können. 

Merlin Polzin (35): Der Trainer bekam sein Team so eingestellt, dass der HSV den Gastgeber über weite Strecken wirklich im Griff hatte und das Spiel kontrollierte. Dass am Ende trotzdem wieder kein Sieg dabei rauskam, hatte nicht mit der Defensive zu tun, sondern mit der fehlenden Wucht und Konsequenz vorne. Er hat alles probiert, selbst den angeschlagenen Dompé gebracht – aber die Offensive hat es nicht sauber zu Ende gespielt. Mal wieder nicht. Bleibt nur zu hoffen, dass er intern mehr Druck auf seine Sportdirektion in Sachen personeller Nachbesserungen m acht, als er sich äußerlich anmerken lässt. Alles andere wäre fahrlässig… Note: 3

HSV vor Torwart-Transfer: Tangvik kommt, Ramos vor Abschied – Bewegung im Kader

HSV vor Torwart-Transfer: Tangvik kommt, Ramos vor Abschied – Bewegung im Kader

Moin zusammen,

vorab einmal die Info, dass ich in den nächsten 2 Wochen etwas kürzertreten werde, da wir in der Uni Abgabe für Hausarbeiten und Prüfungen haben. Ich gebe mein Bestes, hier weiter aktiv zu sein, aber seht es mir bitte nach, wenn die Texte mal ein wenig kürzer werden oder verspätet kommen.

Beim HSV bahnt sich nun ein neuer Transfer an. Sander Tangvik ist auf dem Weg und wird diese Woche noch seinen Medizincheck absolvieren. Eventuell könnte er am Freitag schon auf der Bank sitzen. Der 23-jährige Torwart kommt aus Trondheim und spielte dort in der Saison 25/26 bereits 6 Spiele in der Conference-League-Quali. In den 6 Spielen, spielte er 4-mal zu null. Trondheim kam mit Tangvik bis in die letzte Qualifikationsrunde, bevor man sich nach Hin- und Rückspiel mit 5:3 Mainz 05 geschlagen geben musste.

Im norwegischen Pokal kassierte Tangvik ein Gegentor Die neue Saison in der norwegischen Liga beginnt erst im März, weshalb er seit Beendigung der letzten Saison Ende 2025 noch keine Ligaspiele für Trondheim bestreiten konnte. In der vergangenen Saison spielte er 33 Spiele, kassierte 46 Gegentore und spielte 12-mal zu null.

Tangvik ist einer für die Zukunft

Laut Abendblatt bezahlt der HSV 2,5 Millionen Euro plus mögliche Bonuszahlungen. Der Marktwert des norwegischen Keepers beträgt 3 Millionen Euro. Mit 23 Jahren ist der 1,93 Meter große Torwart noch relativ jung. Es ist davon auszugehen, dass er für die Rückrunde als Nummer 2 geplant ist und dann im Sommer um den Stammplatz kämpft. Sofern Tangvik mit dieser Rolle dann auch zufrieden ist, denke ich, dass man hier einen vernünftigen Deal gemacht hat. Man holt einen jungen Keeper, der aber auch schon gewisse Erfahrungen auf internationaler Bühne gemacht hat und alles reinschmeißen wird, um so früh wie möglich die neue Nummer 1 zu werden. Anders als bei Peretz kommt Tangvik dabei wahrscheinlich nicht mit einem zu hohen Anspruch, da er jung ist und aus einer Liga kommt, die qualitativ unter dem Niveau der Bundesliga ist.

Wenn Tangvik sich im Training reinschmeißt und sich spielerisch die ein oder andere Sache bei Heuer Fernandes abschaut, ist da definitiv das Potenzial da, dass er langfristig die neue Nummer 1 im Tor wird. Zudem gibt die Erfahrung, die Tangvik gesammelt hat, eine gesunde Basis, mit der Tangvik Heuer Fernandes auch kurzfristig ersetzen könnte, sollte Heuer Fernandes ausfallen. Auch mit 2,5 Millionen Euro Sockelablöse macht man bei einem Marktwert von 3 Millionen erstmal nichts falsch. Sicherlich wird die Summe aber ansteigen, wenn der HSV die Klasse hält.

Ramos vor Abgang

Auf der Abgangsseite bahnt sich ein Transfer von Gui Ramos an. Der Portugiese steht laut BILD vor einem Wechsel nach China.   Das kommt ehrlicherweise ein wenig überraschend, da Ramos in dieser Saison immer wieder zu Kurzeinsätzen kam und gegen Stuttgart ja fast selber das 2:1 gemacht hätte. Auch im Pokal war Ramos der Grund, warum der HSV am Ende überhaupt in die 2. Runde kam. Dass Ramos nicht zur Stammkraft wird, war klar, aber vor allem nach der Verletzung von Omari kam Ramos immer wieder zu Einsatzzeiten. Jetzt, wo Omari so langsam wieder fit wird, würden aber wohl auch Ramos Einsatzzeiten weniger werden.   Ramos war eigentlich immer einer, der alles reingehauen hat, egal gegen wen es ran ging. Sowas honoriere ich immer. Fußballerisch gibt es sicherlich bessere Spieler beim HSV, aber bei seiner Einstellung kann man nicht meckern. Und ich mag Spieler, die immer alles geben. Wenn es nicht klappt, klappt es halt nicht, aber man hat es wenigstens versucht. Außer der Pass auf Heuer Fernandes im Derby, der war nicht ganz so geil. Aber Spaß beiseite. Alles Gute für die Zukunft!

Schreibt doch gerne mal rein, was ihr von Tangvik haltet und was ihr zum Ramos-Abgang sagt!

Tom