Hat Walter einen ersten Vertragsentwurf abgelehnt?
Der HSV ist noch bis Dienstag in den USA. Anschließend soll hier in Hamburg noch ein wenig ausgelaufen werden, ehe es für Mannschaft und Trainer in eine erstaunlich lange…

Der HSV ist noch bis Dienstag in den USA. Anschließend soll hier in Hamburg noch ein wenig ausgelaufen werden, ehe es für Mannschaft und Trainer in eine erstaunlich lange Winterpause geht, wie ich finde. Erst nach Weihnachten geht es wieder auf den Platz, also auch erst nach der WM, zu der ich auch gleich noch kurz kommen möchte. Aber vorher noch ein kurzes Update zu der einen von zwei wichtigen Personalien (Vuskovic ist die andere) in diesem Winter: der Vertragsverlängerung des Duos Tim Walter/Jonas Boldt. Oder andersrum.
Gestern hatte ich zum wiederholten Male meine Meinung beschrieben, wie ich mit dieser Causa umgehen würde. Ich würde sehr leistungsbezogene Verträge machen. Heute habe ich gehört, dass der HSV das wohl sehr ähnlichsehen soll. Zumindest soll der Aufsichtsrat, dem auch ich in den letzten Monaten in verschiedenen Punkten eine unerträgliche Langsamkeit in Entscheidungsprozessen vorgeworfen habe, schon im Laufe der Hinrunde den Versuch gestartet haben, die Bereitschaft von Trainer Tim Walter dafür herauszufiltern, seinen Vertrag auf Leistungsbasis zu verlängern. Und dabei stieß man offenbar auf Ablehnung.
Aufsichtsrat hatte bei Walter bereits vorgefühlt
Okay, dazu muss man sagen, dass es bei solchen Verträgen wie sonst auch zwingend auf die Ausgestaltung der einzelnen Bausteine ankommt. Erst danach lässt sich ein seriöses Urteil fällen, wie diese Absagen von Trainer und Vorstand einzuordnen sind. Diese erste Idee vom Aufsichtsrat, einen leistungsbezogenen Vertrag unterschreiben zu lassen, wurde abgelehnt. Und das ist Walters gutes Recht. Ebenso wie der HSV jetzt überlegen muss, ob und wie er den Trainer halten will. Die Idee, so hatte ich es gehört, dem Trainer Verträge für beide Ligen (zu entsprechend gesteigerten Bezügen im Falle des Aufstiegs) anzubieten, halte ich für gut. Noch besser finde ich den darin verankerten Vorschlag, eine beidseitige Ausstiegsklausel einzubauen. So könnte man unnütze Abfindungszahlung umgehen. Allerdings soll es bei Walter unter anderem auch daran gescheitert sein.
Verständlich. Denn Trainer werden zwar ungern entlassen – aber die Abfindungen lassen sie meistens recht gut und nicht selten auch recht schnell darüber hinwegkommen. Auf einen solchen goldenen Handschlag verzichten will zumindest niemand. Warum auch? Wenn es der Markt doch bislang immer noch hergibt. Aber: Dass der HSV nach seinen vielen Millionen Euro, die er in Abfindungen versenkt hat, diesem Kreislauf ein Ende setzen will, verstehe ich genauso.
Der HSV muss dabei sicher einkalkulieren, dass der Trainer ablehnt – aber dann wäre das so. Wenn Walter von sich und dem HSV überzeugt ist, bleibt er bei halbwegs vernünftigen Bedingungen. Sollte er bei einem anderen Klub ein besseres Angebot bekommen, sei es ihm gegönnt, sich dafür zu entscheiden. Allein eines darf eben nicht mehr passieren: Dass sich der HSV finanziell übernimmt. Auch nicht für Walter.
Aber das nur für die bislang recht einseitig wider den Aufsichtsrat geführte Debatte um die Vertragsverlängerungen von Boldt und Walter. Diese hätten zu gewissen Bedingungen bereits verlängern können bzw. zumindest tiefer in die Verhandlungen einsteigen können. Sie haben sich aber dagegen entschieden und warten aber auf ein neues, verbessertes Angebot des HSV, das wohl auch kommen wird. Sogar sehr zeitnah. Meinen Infos nach soll Boldts Vertrag möglichst bald verlängert werden und dabei mit diesem auch der Rahmen für eine Vertragsverlängerung Walters vorabgestimmt werden.
Ich bin nicht in WM-Stimmung - Wolfgang ist vor Ort
Und dann noch ein Wort zur WM bzw. zu meinem Umgang im hiesigen Blog mit dieser Weltmeisterschaft, die nicht nur zeitlich anders ist als alle bisherigen Weltmeisterschaften. Auch für mich ist sie anders. Kein lustiges Tippspiel, keine organisierten Partys bei den Spielen der DFB-Elf – und vor allem das Gefühl, keines der Spiele mit unbeschwertem Spaß schauen zu können. Nichts ist bei mir aktuell auf eine Fußball-Weltmeisterschaft ausgerichtet – die Jahreszeit tut hierbei ihr übriges dazu. Ich merke, dass die Leidenschaft für dieses Turnier an sich nicht gegeben ist. Ich weiß nicht einmal, wer am Wochenende die ersten Spiele bestreitet. Ich kenne die Gruppen nicht und ich blättere beim Zeitunglesen zumeist über den Teil mit der WM hinweg.
Dennoch gibt es diese WM. Sie wird gespielt, weil Entscheidungsträger der FIFA den unerklärlichen Fehler gemacht haben, dieses Turnier in einem Land spielen zu lassen, in dem demokratische Werte ebenso wie Grund- und Menschenrechte nichts zählen. Dass man wenige Stunden vor der Eröffnung der Spiele den Ausschank von Alkohol in den Stadien nach vielen Zusagen nun doch untersagte und damit zumindest einen Teil der zahlenden Fans täuschte – es passt! Auch, dass sich viele darüber aufregen. Dabei ist es zweifellos das kleinste aller Übel, die im Zusammenhang mit dieser WM zu nennen sind.
Ich für mich habe dennoch beschlossen, die WM-Spiele nicht grundsätzlich zu boykottieren, wie es viele andere fordern und machen. Ich werde mir die Spiele der deutschen Mannschaft wenigstens ansehen. Wenn nichts anderes dazwischenkommt. Denn die Sportler können in diesem ganzen Szenario noch am allerwenigsten dafür, was die Fifa veranstaltet. Und sie haben sich sportlich fair für dieses Highlight (das sollte es für einen Fußballer zumindest sein) qualifiziert. Und dafür haben sie sich wie alle anderen Menschen auf diesem Planeten Respekt verdient. Auch meinen. Zumindest sehe ich das so.
Und so sehr ich glaube, dass ein Boykott der Spiele helfen kann, selbst einem so abgrundtief versauten Haufen wie der Fifa klarzumachen, dass es so nicht weitergeht, freue ich mich, dass mir mein sehr geschätzter Kollege Wolfgang Stephan angeboten hat, sein Tagebuch im Blog mitzunehmen. Wolfgang berichtet dabei von den Geschehnissen und seinen Eindrücken abseits des Fußballs in Katar vor Ort, was ich sehr spannend finde. Liveberichte, ungefilterte und eigene Erfahrungen vor Ort – mich interessiert das sehr. Neben allen Dokumentationen und Berichten im Vorfeld über die Entstehung der WM interessiert es mich, mitzubekommen, wie die Durchführung der WM vor Ort stattfindet. Zumindest erhoffe ich mir dadurch ein noch klareres Bild von den Umständen bei dieser WM zu bekommen. Denn eines ist aus meiner Sicht immer falsch: Weggucken.
In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Start in dieses Wochenende.
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