Erste Halbzeit verpennt! HSV verliert verdien in Dortmund
Der HSV verliert sein Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund verdient mit 2:0. Während Durchgang eins komplett verschlafen wurde, zeigte die Mannschaft nach der Pause ein anderes Gesicht.

Moin zusammen,
der HSV hat sein Bundesliga-Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund verdient mit 2:0 verloren. Nachdem man in der ersten Halbzeit nicht am Mann war und sich von den Dortmundern herspielen ließ, kam man nicht mehr richtig in die Partie zurück und musste sich trotz 15 Minuten Überzahl einem starken BVB geschlagen geben.
Verschlafene erste Halbzeit
Borussia Dortmund lief den HSV hoch an, störte früh das Aufbauspiel und presste alle HSVer Mann-zu-Mann außer Heuer Fernandes. Ähnlich wie gegen Verl schaffte es der HSV nicht, dieses Pressing zu bespielen, und schlug den Ball meistens lang. Der Raum vor der Dreierkette wurde zwar geöffnet, von den Mittelfeldspielern des HSV aber nicht belaufen, sodass man den Ball nie weiter als zu Bornauw oder Capaldo bekam.
Gegen den Ball war der HSV dann nicht griffig, verlor viel zu viele Zweikämpfe – beziehungsweise kam gar nicht erst in diese – und ließ sich von den Dortmundern komplett herspielen. Diese verlagerten das Spiel immer wieder, zogen die HSV-Ketten auseinander und spielten über Guirassy den Ball in den Raum vor der Dreierkette.
In der 8. Minute fiel dann das verdiente 1:0. Guirassy ließ sich fallen, um den Raum hinter sich zu öffnen. Torunarigha kam zwar mit, ging aber nicht nach, und so spielten Guirassy und Karetsas die HSV-Defensive aus. Guirassy bekam den Ball auf seinen starken rechten Fuß und schloss perfekt ab.
Mit balldominanten Dortmundern ging es dann weiter: Nmecha hatte eine Chance, Karetsas einen guten Freistoß, der seinen Weg nicht ins Tor fand. Wenn der HSV etwas mit dem Ball versuchte, war es Lokonga, der diesen verlor, oder der Ball kam auf die Seite von Jatta und war anschließend wieder beim BVB.
Dann fiel kurz vor der Halbzeit das 2:0. Ein langer Ball, den Jatta nicht verteidigt bekommt. Capaldo rückte unnötigerweise raus, und so kam Karetsas im HSV-Strafraum an den Ball. Dieser zog ab, und Bornauw fälschte den Ball in die lange Ecke ab, sodass Heuer Fernandes nicht mehr herankam. Dann war Halbzeit.
Steigerung nach der Pause reicht nicht
Nach dem Seitenwechsel war der HSV dann griffiger und kam sogar zu Torchancen. Groenbaek bekam in der Offensive häufiger den Ball. So zog er immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich und konnte zum Abschluss kommen oder die Mitspieler freispielen. Trotzdem reichte es nicht, um den Ball im Tor unterzubringen. Gegen den Ball schaffte man es nach wie vor nicht, Guirassy zu verteidigen, der sich immer wieder fallen ließ, um den Raum hinter sich zu öffnen.
Eine maßgebliche Wendung nahm das Spiel dann mit der Verletzung von Konstantelias, der sich am Knie verletzte. An dieser Stelle: gute Besserung! Der BVB hatte so weniger Kreativität auf dem Platz. Gepaart mit dem griffigeren Verhalten des HSV kam unsere Mannschaft zu mehr Spielanteilen. Allerdings schaffte es die BVB-Defensive meistens, die Bälle abzulaufen.
Eine weitere Veränderung gab es in der 80. Minute. Der kurz zuvor eingewechselte Ignacio traf Groenbaek mit offener Sohle über dem Knöchel – klare Rote Karte. Allerdings schaffte es der HSV nicht, daraus Kapital zu schlagen. Immer wieder waren die Ballkontakte zu ungenau und die Flanken zu schwach. Parallel foulte man immer wieder unnötig, sodass die Dortmunder Zeit von der Uhr nehmen konnten. So endete das Spiel mit 2:0.
Fazit und Lehren
Gegen den BVB zu verlieren ist keine Schande, vor allem in der Höhe ist das in Dortmund völlig in Ordnung. Das "Wie" ist aber immer entscheidend. Wenn man so eine erste Halbzeit spielt, wird es schwer – nicht nur gegen Dortmund, sondern auch gegen alle 16 weiteren Gegner.
All das machte der HSV in der ersten Halbzeit nicht. Wenn man Spieler wie Karetsas und Konstantelias so frei zocken lässt, braucht man sich nicht wundern, wenn Dortmund am Ende der ersten Halbzeit 15 Abschlüsse hat.
Die zweite Halbzeit ist etwas, auf das man zumindest teilweise aufbauen kann. Es gab hin und wieder Momente hoher Ballgewinne, als man sich nach vorne traute und den Gegner attackierte. Allerdings reicht es eben nicht, wenn man das nur 45 Minuten macht. Ob es mit der Leistung der zweiten Halbzeit über 90 Minuten für mehr als null Punkte gereicht hätte, bleibt offen. Fest steht aber, dass man nicht so auftreten darf wie in den ersten 45 Minuten.
Der HSV wird sich noch einmal auf der rechten Seite verstärken, und das ist auch dringend notwendig. Was da gezeigt wurde, ist alles andere als bundesligatauglich. Da muss mindestens einer, eigentlich sogar noch ein zweiter Spieler kommen. Zudem wäre es wünschenswert, wenn Vieira noch zum HSV stößt; es fehlt neben Groenbaek jemand, der das Spiel vorne vorantreibt.
Jetzt gilt es zu erforschen, warum es in der ersten Halbzeit so aussah, wie es aussah, und dann schauen wir, was der HSV noch auf dem Transfermarkt macht.
Die Einzelwertungen
- Heuer Fernandes: Er konnte bei beiden Gegentoren wenig machen. Mit dem Ball kamen viel zu wenige Anspielstationen im Raum vor der Abwehrkette. (Note: 3-)
- Jordan Torunarigha (bis 82.): Das war heute zu wenig. Beim 1:0 muss er an seinem Gegenspieler drannbleiben. Generell schaffte er es nicht, Guirassy in Schach zu halten, und foulte ihn immer wieder. (Note: 4-)
- Sebastiaan Bornauw: Auch er schaffte es nicht, Guirassy zu verteidigen. Mit dem Ball immer wieder komische Chips auf die Außen, die teilweise unnötige Ballverluste zur Folge hatten. (Note: 4-)
- Nicolas Capaldo: Er konnte immer mal wieder wichtige Zweikämpfe gewinnen, aber gegen den Ball – vor allem beim 2:0 – rückte er zu früh raus. (Note: 4)
- Louis Lemke (bis 89.): Er arbeitete sich ins Spiel. Das er mit 16 noch nicht alles richtig macht ist logisch. Für sein erstes Spiel in der Bundesliga war das aber in Ordnung, vor allem in seinem Alter. (Note: 3-)
- Bakery Jatta (bis 82.): Das war gar nichts. Mit dem Ball kein Raumgewinn, ohne Ball viel zu wenig. Macxi Beier ist kein gelernter Schienenspieler und wirkte, als ob er da öfter spielt. Das ist einfach nicht bundesligatauglich. (Note: 6)
- Nicolai Remberg: Er kam in der ersten Halbzeit gar nicht in die Zweikämpfe und war überwiegend unsichtbar. (Note: 4)
- Sambi Lokonga: Zu wenig Bewegung im Aufbau und eine schwache Passqualität. (Note: 5)
- Albert Groenbaek: Er kam zu selten an den Ball. Dazu gab es zu wenig Output. In der zweiten Halbzeit liefen die meisten Angriffe über ihn, das war besser. (Note: 3-)
- Martin Adeline (bis 67.): Das war mit und gegen den Ball viel zu wenig. Mit dem Ball zu wenig Kreativität und gegen den Ball zu wenig Aggressivität. (Note: 4-)
- Patson Daka (bis 67.): Er nahm wenig am Spiel teil, jeder Ball wurde lang geschlagen, und er musste gegen die Innenverteidiger in die Kopfballduelle. Das hat nicht geklappt. In der zweiten Halbzeit etwas auffälliger, ein Tor wäre drin gewesen. (Note: 4)
- Moffi (ab 67.): Er versuchte, sich reinzuhängen, kam aber selten an den Ball und dementsprechend zu wenigen Aktionen. Unauffällig. (Note: 4)
- Stange (ab 67.): Er war auffälliger als Moffi, aber da kam zu wenig bei raus. (Note: 4)
- Nadir (ab 82.): Er kam rein, als der HSV in Überzahl war, konnte aber keinen entscheidenden Einfluss nehmen. (Note: 4)
- Poulsen (ab 82.): Kaum Aktionen. (Note: 4)
- Philippe (ab 89.): Zu wenig Zeit, keine Note.
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