HSV zwischen dem was er kann - und dem, was er muss
Es gibt Gegner, gegen die kann sich der HSV quälen wie er will - es will einfach kein Sieg herausspringen. Der SV Darmstadt 98, der am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) im…

Es gibt Gegner, gegen die kann sich der HSV quälen wie er will - es will einfach kein Sieg herausspringen. Der SV Darmstadt 98, der am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) im Volksparkstadion gastiert, ist so ein Team. Von den zurückliegenden fünf ligaübergreifenden Begegnungen in Hamburg gewannen die Hessen vier und holten zudem ein Unentschieden. Und ich sage: Na und?? Viele machen aus derartigen Serien einen großen Film – ich nicht. Ich glaube nicht an „Angstgegner“ und ähnliches. Auch Trainer Tim Walter will sich mit solchen Rückblicken nicht aufhalten. Stattdessen bewertet der HSV-Coach den Moment – und da sieht er den kommenden Gegner erstarkt. „Sie bringen viel Physis mit und haben eine gute Präsenz in der vordersten Linie. Sie sehen ihre Chancen – wie viele Teams in der 2. Liga – sicherlich im Umschaltspiel. Wir müssen dafür bereit und stets wachsam sein.“
Nach der schmerzhaften Derby-Pleite wolle man vor allem bei ihren enttäuschten Fans Abbitte leisten. „Es ist klar, dass du dich immer rehabilitieren willst“, meinte Walter. Nach dem Saisonauftakt mit Sieg, Unentschieden und Niederlage sieht er sein Team indes noch im grünen Bereich. Vor allem die sportliche Entwicklung seiner Mannschaft „Es geht um die Art und Weise, wie wir spielen, wie wir in unseren Spielprinzipien weiterkommen. Ich glaube, da sind wir auf einem sehr guten Weg“, erklärte der 45 Jahre alte Coach. Wobei: Was sonst soll er auch sagen?
Dennoch war heute in der Pressekonferenz schon zu merken, dass die Derbyniederlage auch mit Walter etwas gemacht hat. Er wirkte gereizt. Dass mitunter von außen mehr verlangt wird und Leistungen kritischer eingeschätzt werden, kommentierte er mal wieder ironisch: „So wie wir am ersten Spieltag schon in der Champions League waren, sind wir jetzt nach der Niederlage im Derby gleich Absteiger.“ Eine Beobachtung, die ich nicht teile. Vielmehr glaube ich, dass auch Walter die Notwendigkeit sieht, seinen Kader personell noch einmal zu ergänzen. Dass er heute anderslautende Aussagen traf – es spricht für das Verhältnis von Trainer und Vorstand. Walter scheint keinen Druck aufbauen zu wollen. Hoffe ich zumindest. Denn sollte er es wirklich so sehen, wie er es heute sagte, wäre das aus meiner Sicht eine fatale Fehleinschätzung.
Konkrete Verstärkungen bis zum Ablauf der Transferfrist am 31. August seien jedenfalls noch nicht geplant: „Momentan sehen wir keinen Handlungsbedarf“, sagte Walter heute im Verlauf der Pressekonferenz. Dennoch sei die sportliche Führung täglich im Austausch. „Wenn wir was sehen, was wir machen wollen, dann werden wir das auch tun.“ Mit anderen Worten: Alles kann – nichts muss. Aber auch das sehe ich anders. Diese Mannschaft muss sich auf den Außenbahnen und im Mittelfeldzentrum noch verstärken, wenn man wirklich um den Aufstieg mitspielen will. Alles andere wäre ein großes Risiko – wobei ich auch das mittragen würde, wenn es dahinter einen Plan gäbe, der erkennbar und plausibel ist.
Aber bislang habe ich nichts anderes gehört, als dass man aufsteigen will. Und obgleich ich Walter unterstelle, dass er die personellen Notwendigkeiten lange vor mir schon erkannt hat, hatte der HSV-Coach zuletzt immer wieder die aktuellen Spieler in die Verantwortung genommen. Zuletzt hatte Walter wiederholt von mangelnder Bereitschaft gesprochen. Das bezog sich besonders auf Umschaltmomente. Wenn er fehlende Bereitschaft beklagte, so habe das für konkrete Spielphasen, nicht für eine gesamte Partie gegolten, erläuterte er.
Sonntag nun willen sie es besser machen. Vor 17.900 Zuschauern den ersten Heimsieg dieser Saison feiern. Die Darmstädter, die am vergangenen Sonntag den FC Ingolstadt mit 6:1 überrannten, sind nach anfänglichen Problemen in Fahrt gekommen. Mit ihnen kehrt ein alter Bekannter ins Volksparkstadion zurück: Klaus Gjasula ist erst vor wenigen Tagen vom HSV zu den Hessen gewechselt. „Der HSV will mit viel Wut im Bauch seine individuelle Klasse und Stellung zeigen“, sagte der 48-Jährige Darmstadt-Coach Torsten Lieberknecht, der mit einem schwierigen Unterfangen rechnet. Trotzdem sieht der Übungsleiter sein Team mit einem klaren Plan ins Volksparkstadion reisen: „Wir wollen die Schwächen des HSV aufdecken. Dazu gehört nun einmal Mut, egal ob im eigenen Ballbesitz, bei Kontern oder Standards.“ Vor allem in Sachen Standardsituationen schoben die Lilien in der vergangenen Trainingswoche Sonderschichten. „Wir wollen dort einfach noch effektiver werden“, sagte Lieberknecht.
Und das hat er mit Walter gemeinsam. Der sprach von einer „richtig guten zweiten Halbzeit“ im Stadtderby, in der man sich nicht ausreichend belohnt habe. Wer das an diesem Sonntag nachholen darf, das ließ Walter offen. Und auch ich werde mich erst morgen nach dem Abschlusstraining mit der möglichen Startelf beschäftigen. Bis dahin aber möchte ich noch einmal an alle Tippspielinteressenten die Nachricht von Janik weiterleiten. Wer mitspielen will, die/der meldet sich einfach oben im Reiter auf dieser Website an und tippt. Mit dabei ist ein Bonusspiel, das doppelte Punktzahl geben kann. Ansonsten gibt es drei Punkte bei richtigem Ergebnis und einen Punkt bei richtiger Tendenz. Also: Mitmachen, gewinnen und/oder einfach Spaß haben!
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