HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem
Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise

Moin zusammen,
wir sind einen Tag nach der Blamage und ich kann immer noch nicht so richtig verstehen, was da gestern auf dem Platz los war. 107 Kilometer gelaufen, 0,19 Expected Goals bei 54 Prozent Ballbesitz. Wenn man viel Ballbesitz hat und der Gegner kompakt steht, muss man sich in der Offensive bewegen, viel laufen, Räume reißen. Die HSV-Offensive stand 90 Minuten auf einem Fleck. Die Defensivreihe der Mainzer hat an diesem Spiel fast gar nicht teilgenommen, denn so richtig in Aktion treten mussten sie nicht.
Der Plan der Mainzer war von Anfang an klar. Tietz lässt sich fallen, um Räume für Becker zu reißen. Das wusste jeder von Anfang an. Und genau so haben sie auch vier der fünf Tore gemacht: langer Ball, ablegen, Abschluss. Da gibt es nun zwei Wege mit umzugehen:
- Man steht hinten tief und versucht die Tiefe abzusichern, damit die Mainzer zwar den Ball lang spielen können, hinter Tietz aber kein Platz ist. Dann kommt es auf die spielerische Qualität der Mainzer an. Das hätte gut gehen können, bei der Qualität des Mainzer Mittelfelds können diese dann dennoch das Spiel bestimmen.
- Option 2 ist dann, hoch zu pressen, den Gegner zu jagen und lange unkontrollierte Bälle provozieren, welche man dann hinten 1-gegen-1 abfängt.
Das war meiner Meinung nach auch der Plan des HSV, allerdings hat man vorne weder attackiert, noch hat irgendjemand hinten Anstalten gemacht, Tietz bei der Ballannahme zu stören. Das Musterbeispiel ist das 0:2. Vorne kein Druck auf den Gegner, langer Ball auf Tietz und der darf den Ball einfach annehmen, mit dem Fuß! Dann legt er den logischerweise nur noch auf Amiri ab, Becker geht tief und Bornauw bleibt passiv, obwohl er keinen Gegenspieler hat. Das ist alles maximal unverständlich. Und da können dann Spieler spielen, wie sie wollen, wenn sie nicht das machen, was der Plan ist, dann wird das schwierig.
Keine Bewegung, keine Torchancen
Wir können gerne auch über die Taktik und die Wechsel reden, zum Beispiel warum ein Vieira nicht von Anfang an gespielt hat. Er wäre wahrscheinlich jemand gewesen, der den Ball mal fordert, das wäre tatsächlich einzigartig im Spiel des HSV gewesen. Und da kommen wir zum Punkt. Die Spieler auf dem Platz haben einfach komplett versagt. Das soll den Trainer nicht in Schutz nehmen, vielleicht hätte es mit einem anderen Ansatz defensiv geklappt. Aber wenn ich als Offensivspieler vom Ball weglaufe und mich hinter dem Gegner verstecke, anstatt den Ball zu fordern und zu kreieren, dann ist es relativ egal, welchen Ansatz ich wähle, das funktioniert nämlich nie.
Tore schießt man nur, wenn die Spieler vor der Abwehrkette versuchen, diese zu überwinden, um Richtung Tor zu kommen. Wenn ich die ganze Zeit auf einem Fleck stehen bleibe, werde ich gedeckt – so einfach ist das. Es kann nicht sein, dass im Spiel mit dem Ball die drei Innenverteidiger auf der Mittellinie stehen und alle anderen warten auf Höhe der Abseitslinie einfach nur auf den Ball, ohne sich zu bewegen. So kommst du nicht zu Torchancen. Und so passiert dann auch so ein Pass von Remberg, der dann Adeline sucht, der sich nach 20 Minuten das erste Mal anbietet.
Ursachenforschung muss jetzt beginnen
Und ich denke, man sollte eben genau da ansetzen. Warum fordert kein Spieler den Ball, warum bleibt jeder stehen? Gestern hätte jede mögliche Taktik gespielt werden können, es hätte nicht geklappt. Und das ist meiner Meinung nach das viel größere Problem als rein die Taktik. Man muss herausfinden, warum das so ist. Das war in Verl in der 1. Halbzeit ja genauso. Und da macht es dann auch keinen Unterschied, ob Nadir oder Lokonga spielt; der hat in Verl den Ball auch nicht gefordert und nur schlechte Pässe gespielt. Wenn jemand in der Bundesliga spielt, kann ich zumindest erwarten, dass er sich freiläuft und den Ball fordert. Das ist keine Taktik oder sowas, das sind Basics.
Die Frage ist, warum agieren die Spieler so? Wird es ihnen vom Trainerteam nicht richtig erklärt oder sind sie nicht in der Lage, die einfachen Dinge umzusetzen? Oder ist der genereller Offensive Plan einfach falsch bzw unverständlich?
Genau das ist die Ursachenforschung, an der gearbeitet werden muss. Es muss sich schnell was ändern, denn wenn man so in Leipzig auftritt, gibt es eine richtige Packung und dann wirst du auch gegen Köln nichts holen. Man sollte jetzt nicht nach zwei Spielen die komplette Saison abhaken, aber man muss auf Fehlersuche gehen. Und da lag das Problem gestern weit tiefers als nur die reine Taktik.
Tom
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