Meinung

Der DFB ist ein Beispiel dafür, wie es nicht geht

Heute ist einer dieser Tage, an denen der Fußball nervt. So richtig. Weniger der HSV, das vorweg. Aber eigentlich wollte ich mich heute in Vorfreude schreiben auf die…

Der DFB ist ein Beispiel dafür, wie es nicht geht

Heute ist einer dieser Tage, an denen der Fußball nervt. So richtig. Weniger der HSV, das vorweg. Aber eigentlich wollte ich mich heute in Vorfreude schreiben auf die bevorstehende EM. Aber die ist mehr als gedämpft worden. Weil der DFB mal wieder ein Zeichen gesetzt hat, dass die Oberen mit dem ungleich größeren Teil darunter nichts mehr gemein haben. 400.000 Euro sollen die deutschen Nationalspieler kassieren, wenn sie den Titel holen. Pro Spieler. Und da das Trainerteam sowie Bierhoff und Co. sicher nicht weniger bekommen, können wir also ganz locker mal von 10 Millionen Euro und mehr ausgehen, die dort verteilt würden. In einem Jahr, das den zweiten Lockdown mit sich gebracht und die komplette Basis des DFB nicht nur neuerlich lahmgelegt sondern auch finanziell massiv beschädigt hat sollen also die, die eh ihrem Job nachgehen durften und allesamt Großverdiener sind, noch einmal reich beschenkt werden für etwas, was eigentlich als die größte Ehre gelten sollte: Nämlich für das eigene Land einen Titel zu holen bzw. überhaupt für das eigene Land zu spielen.

Wer diesen Blog verfolgt, der wird mitbekommen haben, dass ich die Maßlosigkeit in dem Altherren-Klub DFB seit Ewigkeiten verachte. Diese Klüngel, die der DFB bei der Fifa und der Uefa immer wieder zutiefst verurteilt, ist im eigenen Verband nicht minder ausgeprägt. In der Jugend werden kleine Klubs mit tollen Mannschaften inzwischen mit teuren Vorgaben dazu gezwungen, Abstand von den höchsten Ligen zu nehmen. Es sollen nach Möglichkeit nur noch die größten, finanziell potenten Klubs über den besten Nachwuchs verfügen – und diese Separierung setzt sich mit dieser dramatisch schlechten Prämienregelung des DFB nur fort.

Die Kleinen gehen kaputt - oben regnet es Geld

Denn während der kleine Fußball in den Amateurklubs leidet, geht es den Oberen weiterhin gut. Oder wie in diesem Fall mit „die Mannschaft“ sogar noch besser als vorher. Denn 400.000 ist die höchste jemals ausgelobte EM-Titel-Prämie. „Aber andere Länder loben noch höhere Prämien aus“ höre ich von einigen heute. Und das macht es nicht besser. Für mich deutet diese Regelmäßigkeit und offensichtliche Notwendigkeit solch hoher Prämien nur an, was wir eh alle vermuten: Dass der Profifußball längst vom großen Geld geschluckt wurde.

Was das alles mit dem HSV zu tun hat? Ich finde die Parallelen gerade in den letzten Jahren immer wieder extrem offensichtlich. Und deshalb hoffe ich, dass der HSV den Weg, den Horst Hrubesch nach seinem Intermezzo als Cheftrainer angekündigt hatte, auch in aller Konsequenz gehen: Hin zum Ausbildungsverein, dessen Kennzeichen nicht wie zuletzt überzogene Verträge sondern eine überdurchschnittlich gute Karrierechane ist. Werte schaffen, die noch Werte sind. Ich will keine gekauften Trikot-Küsser, sondern Spieler, die hier ihrem Traum nachjagen, einmal ein großer des Fußballs zu werden. Wie alles darf natürlich auch das nicht zum Selbstzweck werden – ganz klar. Es muss immer die Qualität der Mannschaft an oberster Stelle stehen. Aber ich bin überzeugt davon, dass der HSV in den letzten Jahren jeweils die nominelle Qualität hatte, Erster zu werden und mehr der eigenen Mentalität denn an dem Können der Gegner gescheitert ist. 

Und wenn man anfängt, nicht immer die Kohle in den Vordergrund zu stellen sondern die Perspektiven so verbessert, dass man sich seine Qualitätsspieler in Teilen zumindest selbst ausbildet, könnte allein der Faktor Identifikation den HSV schon verbessern. Problem ist: Irgendwer muss irgendwann damit anfangen und nicht gleich beim ersten Gegenwind wieder alles über den Haufen werfen. Denn das ist und bleibt das mit weitem Abstand größte Problem des HSV.

Die Spieler „leiden“ unter der Maßlosigkeit der Funktionäre

Aber zurück zur EM, auf die ich mich zwar etwas mehr gefreut habe als auf die WM (Weihnachtsmeisterschaft) im kommenden Jahr in Katar. Ich gucke sehr gern Länderspiele und fiebere auch fast immer mit. Ich gönne auch wirklich allen Menschen alles Gute, wenn es sie glücklich macht. Neid kenne ich nicht. Von daher ist es mir bei Spielerbeurteilungen auch scheißegal, wie viel Geld die Spieler verdienen. Sie können ja noch nicht einmal wirklich etwas dafür. Ähnlich wie bei den überbezahlten HSV-Profis Wood und Co. sind es in diesem Fall aber die Kroos‘, Gündogans, Neuers und Co., die den  Frust der Basis abbekommen.

Dabei ist dieses vom DFB gesetzte Zeichen mit dieser Monsterprämie nichts anderes als ein neuerlicher Beweis, dass der DFB-Führung – und das sind viele alte Herren mit dem erkennbaren Drang zur Machterhaltung bzw. zum Machtausbau -  jegliche Bodenhaftung verloren gegangen ist. Sie wissen einfach nicht, wie 99 Prozent ihres Verbandes ticken. Und/oder es ist ihnen scheißegal.  Das Geblubber vom „Wir“ jedenfalls ist Bullshit. Es ist de facto nicht mehr wert ist als die vollmundigen Versprechungen der HSVPlus-Verantwortlichen vor der Ausgliederung 2014.

Insofern, Fußball nervt. Manchmal. Manchmal sogar richtig doll. Heute ist für mich so ein Tag. Nur gut, dass es auch noch ein Morgen gibt…

Scholle

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