Wüstefelds Abgang und das Versagen des Aufsichtsrates – der HSV demontiert sich weiter selbst

Wüstefelds Abgang und das Versagen des Aufsichtsrates – der HSV demontiert sich weiter selbst

Ich bin platt. So viel Dilettantismus hätte ich auch dem HSV nicht zugetraut. Auf der einen Seite eine Pressekonferenz einzuberufen und auf der anderen Seite so viele Fragen weiter unbeantwortet zu lassen – das ist der Nachweis fehlender Qualifikation für das Amt des Aufsichtsrates. Und so eloquent und rhetorisch fein ein Medienprofi wie Marcell Jansen da heute auch herumlavierte, allein die Tatsache, dass er den Vorwurf an den inzwischen zurückgetretenen Vorstand Dr. Thomas Wüstefeld wegen fälschlich angeeigneter akademischer Titel nicht beantworten konnte, ist ein Grund, diesem Aufsichtsrat das Vertrauen zu entziehen. Oder einfach von selbst zu gehen. Das aber werde er nicht machen, sagte Jansen heute in den 39 Minuten seiner selbst einberufenen Pressekonferenz. Und seine Kollegen werden auch nicht gehen. Sie sehen ihre Fehler schon gar nicht mehr.

Dr. Thomas Wüstefeld tritt von allen Ämtern zurück

Dr. Thomas Wüstefeld tritt von allen Ämtern zurück

Der Druck war dann einfach zu stark: Dr. Thomas Wüstefeld ist am heutigen Mittwochabend von allen Ämtern beim HSV zurückgetreten. Darüber hat der Interimsvorstand den Aufsichtsrat auf einer außerordentlichen Sitzung informiert. Wüstefeld, der sein Amt als Aufsichtsrat und damit zugleich auch seinen Vorstandsposten abgibt, war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil sowohl seine akademischen Titel als auch sein Handeln als Geschäftsmann hinterfragt und teilweise mit Klagen belegt worden waren. Zudem hing Wüstefeld immer mehr seinen vollmundigen Versprechungen im Bezug auf den HSV – vor allem im Bezug auf die Kostensicherung für die Stadionsanierung – hinterher und konnte selbige trotz Ankündigungen nicht umsetzen.

HSV bei 96: Die formstärksten Teams treffen aufeinander

HSV bei 96: Die formstärksten Teams treffen aufeinander

Tim Walter hofft vor dem Spitzenspiel bei Hannover 96 tatsächlich noch auf ein Blitz-Comeback seines Flügelstürmers Jean-Luc Dompé.  „Bei Jean-Luc wird es von Tag zu Tag besser. Heute hat er schon auf dem Laufband gearbeitet. Warten wir mal die nächsten Tage ab“, sagte der HSV-Coach heute bei der Pressekonferenz vor dem Duell bei den Niedersachsen am Freitag (Anpfiff 18.30 Uhr). Der 27 Jahre alte Linksaußen aus Frankreich hatte während der Länderspiel-Pause im Training einen Außenband-Anriss im rechten Sprunggelenk erlitten, aber Walter sah schon am Tag der Pressemitteilung bezüglich Dompés Verletzung eine Chance: „Früher wurde sowas kurz getapet (fest verbunden, Anm. d. Red.) – und weiter ging’s.“

Beim HSV gilt das Leistungsprinzip nur im Sport

Beim HSV gilt das Leistungsprinzip nur im Sport

Was wohl los wäre, wenn der HSV statt Tabellenführer nur Fünfter der Tabelle wäre und parallel dazu den ganzen Stress rund das Sportliche unverändert Schlagzeilen produzieren würde? Ich bin mir ganz sicher, es hätte schon längst personelle Konsequenzen gehabt. Der Trainer wäre ziemlich sicher weg. Vielleicht sogar der Sportvorstand, der sich ja seit Monaten eng an den Trainer kettet und solidarisiert. Aber: Die Frage ist hypothetisch, denn der HSV hat aktuell sportlich im Ergebnis Erfolg. Zuletzt sogar sehr überzeugend. Trotz allem – muss man sagen.

Benes und Kittel – oder überrascht HSV-Trainer Tim Walter doch?

Benes und Kittel – oder überrascht HSV-Trainer Tim Walter doch?

Es wird spekuliert. Sportlich darüber, ob durch den Ausfall von Jean-Luca Dompé am Freitag bei Hannover 96 Laszlo Benes UND Sonny Kittel gemeinsam in der Startelf stehen. Für mich ist das nahezu beschlossene Sache, da ich im Gegensatz zu meinen Kollegen nicht glaube, dass der HSV-Trainer Tim Walter bei der Verletzung von Dompé pokert. Ein Anriss des Außenbandes kann zweifelsfrei durch gezieltes Tapen (fester Klebeverband) durchaus so stabilisiert werden, dass der Spieler problemlos 90 Minuten spielen kann. Aber das muss der Spieler auch wollen und vor allem muss das Risiko den Ertrag wert sein. Letzteres würde ich an dieser Stelle so kurz nach der Verletzung noch deutlich verneinen.

Zumindest der sportliche Bereich lebt das Leistungsprinzip

Zumindest der sportliche Bereich lebt das Leistungsprinzip

Es geht weiter in die richtige Richtung. Und das schreibe ich nicht, weil der überaus sympathische Friedhelm Funkel als Dauer-Orakel wieder den HSV lobt. Nein, vielmehr geht HSV-Trainer Tom Walter weiterhin den Weg über die Jugend. Ein wenig erzwungen – zugegeben. Aber er geht ihn gut. Gestern im Testspiel gegen das dänische Topteam FC Nordsjaelland warf der HSV-Trainer neben Rückkehrer Anssi Suhonen auch Elija Krahn mit rein, der schon seit einiger Zeit immer wieder bei den Profis trainiert. Und Krahn spielte eine saubere Partie. Mit viel Übersicht, einer guten Zweikampfführung und hoher Ballfertigkeit wusste der Youngster, der als A-Jugendlicher schon in der Regionalliga-Mannschaft spielt, zu überzeugen.  Einzig in Sachen Robustheit und Dynamik sehe ich bei Krahn noch Defizite, die aber in Teilen trainierbar sind. Aber: Ein vielversprechendes Talent für die Zweite Liga ist der 19-Jährige allemal.

Testspiel gerade noch gerettet – bittere Pleite für Wüstefeld

Testspiel gerade noch gerettet – bittere Pleite für Wüstefeld

Der HSV hat ein erneut nicht verloren. Das ist der positive Teil vom insgesamt eher mageren Testspiel des HSV heute gegen den dänischen Erstligisten FC Nordsjælland. Denn da retteten Nachwuchsstürmer Tom Sanne (82. Minute) und der finnische Mittelfeldmann Anssi Suhonen (89.) – beide sind optisch auf dem Platz schwer auseinanderzuhalten – mit späten Toren ein 2:2 (0:0). Mads Hansen (58.) und Benjamin Nygren (71.) hatten den Tabellenzweiten der dänischen Superliga auf dem Nebenplatz des Volksparkstadions in der zweiten Halbzeit 2:0 in Führung gebracht. Am Ende aber stand es 2:2. Etwas glücklich aus HSV-Sicht, weil der HSV bis zu den Treffern so gar keine Torgefahr entwickelte, dafür aber in der zweiten Hälfte bei schnellen Gegenstößen große Lücken und Abstimmungsprobleme offenbarte. „Ich finde, es war ein guter Test. Wir haben eigentlich keine Torchancen zugelassen, nur nach eigenen Fehlern. Die Tore haben wir uns eigentlich selbst reingekickt“, sagte Trainer Tim Walter im Anschluss. Der 46-Jährige machte vor allem in der Offensive das Manko aus: „Grundsätzlich hätten wir es nach vorne etwas zielstrebiger und schneller ausspielen können. Wir hatten gute Abschlussmöglichkeiten, waren dann aber zu ungenau. Wir haben das Tor nicht getroffen.“

Über Moin Volkspark

Moin Volkspark – das ist ein Team aus jungen Menschen, die sich seit vielen Jahren mit dem HSV beschäftigen und ihre facettenreichen Fähigkeiten so einbringen, dass hier heute eine Plattform entsteht, die den Anspruch hat, HSV-Freunde und -Interessierte vollumfänglich zu informieren und zu unterhalten.

Das Ganze gepaart mit der Expertise des bekannten Sportjournalisten Marcus „Scholle“ Scholz, der beim HSV seit mehr als 21 Jahren 24/7 am Ball ist, bietet ein Maximalmaß an objektiver Informationen und  zeitgemäßer Unterhaltung. Ziel ist es, hier frischen, dynamischen Content zu bieten, der sich wohltuend von der allgemeinen Journaille abhebt.

Moin Volkspark ist aber nicht nur ein Ort, um sich zu informieren, sondern soll auch immer ein Ort des Austausches und des Miteinanders sein. Wir wollen eurer Leidenschaft einen Platz im Netz bieten: zum Diskutieren im Forum, zum Mitfiebern bei Live-Events. Und natürlich zum Mitmachen in unseren vielfältig angelegten Video-Formaten. Eure Freude, Eure Trauer, Euer Jubel und Eure Wut haben hier Ihren Platz, solange alles respektvoll formuliert und artikuliert wird.

Moin Volkspark steht für ein leidenschaftliches Miteinander und ist der Zusammenschluss dessen, was eigentlich schon seit langer Zeit zusammengehört.