Zurück zur Normalität
„Back to reality“ singt Eminem in dem ständig wiederkehrenden Spieltagssong „Lose yorself“, wenn die Mannschaften auf den Platz kommen. Und so sicher ich mir bin, dass diese…

„Back to reality“ singt Eminem in dem ständig wiederkehrenden Spieltagssong „Lose yourself“, wenn die Mannschaft des HSV auf den Platz kommt. Und so sicher ich mir bin, dass diese Songauswahl nicht auf den Mist von Trainer Tim Walter gewachsen ist, diese Song-Zeile wird ihm sicher gefallen. Denn genau das ist das Motto nach dem 5:0-Sieg beim Tabellenführer in Darmstadt und vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim. „Zurück zur Realität“ wollte der Trainer auch schon direkt nach dem berauschenden Spiel in Darmstadt, und das wiederholte er heute noch mal.
Es gäbe absolut keinen Grund, nach einem guten Spiel auszuflippen, so der HSV-Coach, der ergänzte: „Wir haben auch in der Vergangenheit schon viele gute Spiele gemacht, die wir aufgrund der fehlenden Effizienz nicht gewonnen haben. Wir wissen, was wir noch besser machen können.“ Und dann kam der Satz, den ich in den letzten Wochen immer wieder von Walter gehört habe: „Wir bleiben bei uns“ gefolgt von „wir wollen uns weiterentwickeln.“
Walter im Alltagsmodus: „Kein Grund zum Ausflippen“
Walter war sehr schnell im Alltagsmodus. Und das ist auch gut so. Denn die zuletzt entstandene Überzeugung im HSV-Spiel keimt genau daraus. Also aus dem „Normalsein“ heraus. Die Annahme, eben nicht besser als andere zu sein, treibt die Mannschaft weiter an, in jedem Spiel ans Leistungslimit zu gehen. Das – und natürlich Walters Art, mit der Mannschaft umzugehen: „Wir müssen weiter hart an uns arbeiten, erfolgshungrig bleiben, gallig und bissig sein. Das müssen wir immer wieder einfordern. Hierbei dürfen wir keinen Deut nachlassen. Wir sind auf einem guten Weg. Doch da geht immer noch mehr.“ Stimmt.
Bedenken, dass seine Mannschaft den Fokus verlieren könnte, habe ich tatsächlich nicht. Und Walter, der das am besten beurteilen kann, auch nicht. „Die Jungs haben alle Ziele, das hilft, um nicht vom Weg abzukommen. Wir wollen immer gewinnen, das bedeutet uns viel. Wir wollen auf keine Bremse treten. Die Jungs gehen respektvoll miteinander um. Deshalb muss man nicht intervenieren.“ Und wenn man sich die Kaderzusammenstellung ansieht, wenn man sich dazu die Interviews anhört und die Spiele analysiert, dann wird zumindest eines klar: Diese Konstellation kann funktionieren.
So sehen es auch die so genannten Experten. Auffällig heute bei der Mopo-Story war, dass alle den HSV mit im Boot hatten. Schalkes Olaf Thon sieht den HSV sogar vor seinen Schalkern, St. Paulis Ex-Coach Dietmar Demuth sieht den HSV zudem vor seinen St. Paulianern. Und die Formkurve unterstützt diese Thesen. Denn wie der HSV sind auch Schalke und Werder konstant im Aufschwung. Aber wie sagte es Walter noch? „Der Weg ist noch weit.“
Heidenheim kommt mit beeindruckender Serie im Rücken
Und schwierig. Denn mit Heidenheim kommt eine Mannschaft, die sechs Siege, ein Remis und nur eine Niederlage in den letzten acht Spielen aufzuweisen hat. Gegen die seit vier Ligaspielen unbesiegten Gästen erwartet er das gewohnt laufintensive Match. „Wir müssen unser Spiel durchsetzen“, forderte der Coach, der wie zuletzt auch auf ein „hohes Ball- und Pass-Tempo“ setzt.
Gegen Heidenheim soll dabei auch wieder Sonny Kittel, der in Darmstadt wegen einer Gelbsperre gefehlt hatte, wieder helfen. HSV-Coach Tim Walter stellte am Donnerstag die Rückkehr des Taktgebers nicht nur in Aussicht, sondern machte schon recht deutlich, dass er keinen Grund sähe, seinen besten Vorlagengeber nicht wieder in die Startelf zu setzen. „Sonny Kittel ist nach seiner Sperre wieder dabei und wird sehr wahrscheinlich in die erste Elf zurückkehren“, sagt Walter. Ob der zuletzt ebenfalls stark aufspielende David Kinsombi dagegen erneut in der Startaufstellung stehen wird, ließ Walter offen. „Beide sind sehr gute Spieler“, sagte der 46 Jahre alte Chefcoach, für den der Blick auf die Tabelle weiterhin „absolut irrelevant“ ist.
Dennoch, die Brisanz der Partie gegen den FC Heidenheim ist auch ihm ganz sicher bewusst. Der HSV ist mit 37 Punkten Tabellen-Vierter, Heidenheim liegt punktgleich auf Platz sechs. Dem Sieger winkt im Aufstiegskampf ein erster von vielen notwendigen Bigpoints. „Unsere größte Motivation ist es, Spiele zu gewinnen“, wiederholte Walter. Den Bonus in der Tabelle würde der Coach aber kaum ablehnen.

Personell sieht es beim HSV gut aus. Neben Kittels Rückkehr durfte Walter heute auch Mikkel Kaufmann, der mit einer Erkältung mehr als eine Woche aussetzen musste, auf dem Platz begrüßen. Ebenso wie Robert Glatzel, der am Mittwoch nur eine individuelle Einheit absolviert hatte. Noch nicht wieder einsetzbar sind dagegen Stephan Ambrosius und Josha Vagnoman, während selbiges bei Anssi Suhonen noch offen ist. Aber viel Grund, bis auf Kittel etwas an der Startelf zu verändern, besteht eh nicht. Und wie ich Walter kenne, wird er auch nicht allzu viel verändern. Zurecht.
In diesem Sinne, bis morgen.
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