Zum Rückrundenstart im neuen Jahr: HSV-Präsident Jansen spricht Klartext
Es wird deutlicher beim HSV. War es in den letzten Jahren noch immer so, dass Schuldfragen nie öffentlich, dafür aber sehr wohl hinter vorgehaltener Hand besprochen wurden. Von…

Es wird deutlicher beim HSV. War es in den letzten Jahren noch immer so, dass Schuldfragen nie öffentlich, dafür aber sehr wohl hinter vorgehaltener Hand besprochen wurden. Von daher finde ich den Schritt von Aufsichtsratsboss Marcell Jansen gut. Denn der hat heute im Interview mit dem Hamburger Abendblatt Ex-Finanzvorstand Frank Wettstein eine Mitschuld an der prekären finanziellen Lage des Vereins gegeben – was angesichts der Position Wettsteins als oberster Finanzer des HSV logisch ist. Er hat also kein Geheimnis verraten. Und dennoch spricht er laut aus, was alle denken: „Zur Wahrheit gehört auch, dass der HSV in den vergangenen zehn bis zwölf Jahren als Club nicht die solide Basis erwirtschaftet hat, um nun eine bessere Position für diese schwierigen Zeiten zu haben“, sagte Jansen.
Die wirtschaftliche Stabilität sei dem Fußball-Zweitligisten „bereits vor Corona abhandengekommen. Wir haben uns von Millionenminus zu Millionenminus gehangelt.“ Jansen sagte aber auch: „Ich würde niemals jemandem die Alleinverantwortung geben. Im Gegenteil. Frank Wettstein hat viele wichtige Entscheidungen für unseren Club gefällt.“ Wettstein hatte im vergangenen Jahr angekündigt, seinen zum 31. Mai auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Der Verein hatte diesen gegen Zahlung einer Abfindung – für Branchenkenner nicht wirklich überraschend - vorzeitig zu Jahresbeginn aufgelöst.
Jansen nimmt Wettstein in die Mitschuld am Finanzloch
In einem solchen Moment einen Status Quo zu benennen, halte ich persönlich für sehr sinnvoll. Ob das am Tag vor dem ersten Saisonspiel passieren muss – das ist ein anderes Thema. Ich hätte den heutigen Tag nicht für so ein Interview gewählt. Andererseits ist es besser, dass man es einmal sagt, ehe man es wieder verschweigt und der Neue auf der Vorstandsposition irgendwann von „Altlasten“ spricht. In diesem Fall wäre das Wettsteins Nachfolger als Finanzvorstand, HSV-Anteilseigner Thomas Wüstefeld (5,11 Prozent). In ihm übernehme „erstmals bei uns ein eigener Gesellschafter Verantwortung und geht auch mit in die Haftung“, sagte Jansen heute und nannte das „ein starkes Zeichen“. Zudem mache er das unentgeltlich. „Das zeigt sehr deutlich, wie Thomas Wüstefeld tickt“, so Jansen weiter. Wobei man hier natürlich festhalten muss, dass Jansen damit seine eigene Entscheidung rechtfertigt.
Aber insgesamt stecken schon einige sehr interessante Passagen in dem Interview meines Freundes Kai Schiller mit Marcell Jansen, der sich auch über die Corona-Pandemie an sich seine Gedanken macht. Der wegen der Corona-Pandemie beschlossene Zuschauerausschluss, der vom Hamburger Senat nun auf die Zulassung von 2000 Fans abgeändert wurde, verstärkt die finanzielle Schieflage des HSV. „Die Situation muss man sehr ernst nehmen, weil Ticketingerlöse immer auch ein beachtlicher Teil auf der Einnahmenseite waren und sind“, so Jansen. „Viele Menschen in Deutschland machen sich gerade mit Recht Sorgen um unsere Sportvereine. Dabei geht es nicht nur um den HSV. Es geht auch um die anderen Hamburger Klubs, um die anderen Sportarten. Und es geht auch um unsere Fußball-Mitbewerber. Es ist nicht fünf vor 12 Uhr. Es ist fünf nach 12 Uhr. Ohne Zuschauer bricht allen Klubs irgendwann die Existenzgrundlage weg.“
Matchday! HSV-Trainer Tim Walter verspricht "angepassten Vollgasfußball" und hofft auf den ersten HSV-Auftaktsieg auswärts seit 2011, während die Klubführung eine erneute Corona-Hilfe beantragen will. Das und mehr - im MorningCall:
Und dennoch geht die Gesundheit vor. Auch vor Bundesligaspielen. Es wird also umso wichtiger sein, wenn hier Politik und Sport Hand in Hand arbeiten – was leichter gesagt als umgesetzt ist. Vor allem aber geht es für den HSV wie für jedes andere Unternehmen in der freien Marktwirtschaft jetzt darum, die finanziellen Ausfälle bestmöglich abzuschätzen und einen alternativen Plan zu entwickeln. Ehrlich gesagt steckt für einen finanziell so schwer angeschlagenen Klub wie den HSV in einer solchen Ausnahmesituation sogar eine Chance. Was ich meine? Ganz einfach: Viele deutsche Klubs haben (im Gegensatz zum HSV) sehr solide und gewinnbringend gewirtschaftet, bis das Unvorstellbare passierte und Bundesligaspiele erst eingestellt und anschließend unter Ausschluss der Öffentlichkeit gespielt wurden.
Wie verkraftet der HSV die Corona-Einschränkungen?
Der HSV hat daraus noch eine Corona-Hilfe von mehr als 10 Millionen Euro berechtigt bezogen. Viele andere Klubs konnten das nicht. Diese mussten die Ausfälle eins zu eins hinnehmen. Sie können zumindest den Vorsprung auf den HSV nicht weiter ausbauen. Aber, um auch das hier noch einmal in aller Deutlichkeit und ganz klar zu sagen: Ich würde jedes normale, gesunde Gesamtszenario dieser Corona-Welle vorziehen.
Die große Frage wird sein, wie der HSV sich aus dieser Situation herausrettet, welche neuen Wege der HSV einschlägt. Der Weg der klaren Worte ist ein Anfang, nachdem man mit Trainer Tim Walter sportlich einen sehr mutigen neuen Weg geht. Walter hat schon sportlich vieles verändert und ist dabei, die jungen Spieler des Klubs allesamt nach und nach für die Profimannschaft zu aktivieren. Auch morgen in Dresden werden mit Jonas David und Faride Alidou mindestens zwei Youngster wieder mit dabei sein. Zumindest gehörten sie heute zu der Mannschaft, die trainierte, während Josha Vagnoman und Tim Leibold weiter ausfallen.
Spekuliert wird aktuell darüber, ob Walter das System auf zwei Spitzen umstellt, da Bakery Jatta noch nicht bei 100 Prozent ist – und mich würde das sehr freuen, weil es die Chance auf Einsatzminuten für Robin. Meißner erhöht. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass Walter derartig umstellt. Ich glaube eher, dass Jatta von Beginn an aufläuft und solange spielt, wie er durchhält. Zumindest halte ich das für sinnvoller. Oder was meint Ihr?
Ich jedenfalls freue mich sehr darauf, dass es morgen wieder losgeht. Und ich werde selbstverständlich nach Spielschluss hier wieder mit einem Blitzfazit aufwarten. Bis dahin wünsche ich Euch jetzt erst einmal einen schönen Abend – und bis morgen!
Scholle
P.S.: Wie morgen habe ich auch heute den Videobeitrag – es ist in diesem Fall der Communitytalk – aus dem Homeoffice produziert. In Sachen Design werde ich mir von meinen Jungs noch mal ein paar wertvolle Tipps abholen. Aber ansonsten hoffe ich, das Ihr mit dieser Art des Communitytalks trotzdem klarkommt…
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