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Zum Glück spielt der HSV nicht Champions League...

Vorweg: Der HSV taucht erst gegen Ende dieses Blogs intensiver auf. Davor möchte ich mich aber einer Meldung widmen, die nicht überraschend kam. Überhaupt nicht. Denn die…

Zum Glück spielt der HSV nicht Champions League...

Vorweg: Der HSV taucht erst gegen Ende dieses Blogs intensiver auf. Davor möchte ich mich aber einer Meldung widmen, die nicht überraschend kam. Überhaupt nicht. Denn die letzten Jahre waren ein Fingerzeig für das Übermaß, das heute in seiner Größenordnung noch einmal neu definiert wurde. Und trotzdem ist diese Meldung ein Affront an alle, die den Fußball des Sports wegen lieben. 12 europäische Topklubs wollen eine Super-League (Super-Liga)  gründen, die in direkter Konkurrenz zur Champions League einzustufen ist. Sechs englische Topklubs sind dabei, unter anderen auch Manchester United. Und ich überlasse es an dieser Stelle einmal ManU-Urgestein Gary Neville, diesen Vorstoß zu kommentieren: Der ehemalige Fußballprofi hat die geplante scharf verurteilt und auch seinen Herzensclub heftig attackiert. „Ich bin Manchester-United-Fan, ich bin das seit 40 Jahren - aber ich bin empört, total empört“, sagte der 46-Jährige sichtlich bewegt bei Sky Sports am Sonntagabend nach dem 3:1-Sieg von Man United gegen Burnley. „Das ist kriminell. Das ist ein krimineller Akt gegen die Fans! Das ist eine Schande.“

Die an dem Projekt beteiligten englischen Clubs - neben Manchester United auch der FC Liverpool, Manchester City, FC Arsenal, FC Chelsea und Tottenham Hotspur - würden ihre eigene Geschichte und ihre Fans verraten, meinte der ehemalige Weltklasse-Fußballer. „Das ist reine Geldgier. Das sind Hochstapler. Das sollte verdammt werden!“ Dieser Plan mitten in der Corona-Pandemie sei wie ein Schlag - und der Zeitpunkt „schrecklich“, kritisierte Neville. „In welcher Welt leben diese Leute eigentlich, wenn sie denken, sie können dies zu diesem Zeitpunkt durchziehen? Ich bin nicht gegen Geld im Fußball, aber die Prinzipien und die Ethik sind die eines fairen Wettbewerbs“, meinte der frühere Nationalspieler der Three Lions und achtmalige englische Meister mit Man United. 

Neville spricht damit vielen aus der Seele. Und wer sich das Interview einmal anschaut, der sieht, mit welcher Abneigung Neville der Super League begegnet. Zurecht, wie ich finde. Mit den beteiligten englischen Top-Clubs kannte er keine Gnade. „Zieht ihnen morgen alle Punkte ab! Verbannt sie an das Ende der Liga und nehmt ihnen das Geld weg“, forderte Neville und fragte: „Haben sie denn das gottgegebene Recht, dabei zu sein? Ganz ehrlich, die Zeit ist jetzt reif für einen unabhängigen Regulator und diese Clubs an ihrer Machtbasis zu stoppen. Genug ist genug!“

Zwölf Top-Clubs aus England, Spanien und Italien wollen zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine europäische Super League gründen. Das teilten die Vereine in der Nacht zum Montag mit. Deutsche Bundesligaclubs haben sich dem Bündnis bislang nicht angeschlossen. Zum Glück! DFL-Boss Seifert hatte die Unterstützung des deutschen Fußballs strikt abgelehnt. Stattdessen unterstütze man die Kritik der UEFA. „Wirtschaftliche Interessen einiger weniger Top-Clubs in England, Italien und Spanien dürfen nicht die Abschaffung gewachsener Strukturen im gesamten europäischen Fußball zur Folge haben“, sagte der DFL-Geschäftsführer am Sonntagabend. „Es wäre insbesondere unverantwortlich, die nationalen Ligen als Basis des europäischen Profifußballs auf die Weise irreparabel zu beschädigen.“ Die DFL lehne jedes Konzept einer Superliga ab. Und das, obwohl branchenintern jeder weiß, dass insbesondere Seifert jeden Cent für die Deutsche Fußball-Liga mitzunehmen, der sich anbietet.

Milliarden statt sportliche Tradition - es reicht!

Gelockt wird mit der Ankündigung, dass den Gründungsvereinen zunächst 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen sollen - bei einer Einlage von, so geht aus der Mitteilung des börsennotierten Clubs Juventus Turin hervor, zwei Millionen und, falls nötig, bis zu weiteren acht Millionen Euro je Gründungsmitglied. Der größte Teil der Einnahmen soll wohl wie üblich aus der Vermarktung der TV-Rechte kommen. Die Vereine wollen auch Solidaritätszahlungen leisten und so nach eigenem Bekunden dafür sorgen, dass die ganze europäische Fußball-Pyramide von ihrem Plan profitiert. Gespielt werden soll mit insgesamt 20 Mannschaften in zwei Zehnergruppen, danach im aus der Champions League bekannten K.o.-System mit Hin- und Rückspielen in Viertel- und Halbfinals sowie einem Endspiel an neutralem Ort. Die fünf zusätzlichen Teams sollen sich jedes Jahr aufs Neue qualifizieren müssen - wie und auf Grundlage welcher Wettbewerbe, das ließen die Gründer offen.

Aber, und DAS ist meine Hoffnung bei diesem widerlichen Versuch der Übermonetarisierung: Vielleicht ist das ja endlich der Punkt, an dem alle erkennen, dass sie das Rad schon viel zu weit gedreht haben. Vielleicht entsteht jetzt endlich ein Widerstand in der Lautstärke, die gehört werden muss. Scharfe Kritik gab es auch vom europäischen Fan-Netzwerk Football Supporters Europe (FSE). „Dieser geschlossene Wettbewerb wird der letzte Nagel im Sarg des europäischen Fußballs sein und alles zerstören, was ihn so beliebt und erfolgreich gemacht hat“, hieß es in einer Erklärung am Sonntag. „Diese Pläne sind von Grund auf illegitim, unverantwortlich und gegen jeglichen Wettbewerb. Mehr noch, sie werden ausschließlich aus Gier vorangetrieben.“

Dass sich in diesem Fall ausgerechnet die nicht einen Deut weniger geldgeile und von Korruptionsskandalen erschütterte UEFA echauffiert – es wäre fast schon lustig, wenn es nicht so traurig wäre. Die UEFA droht sogar mit historisch drastischen Strafen, die auch Bundestrainer Joachim Löw nicht kalt lassen können. Denn die UEFA hat den zwölf abtrünnigen Topclubs ebenso wie deren Spielern harte Sanktionen angedroht. Sogar eine EM-Sperre für mehrere deutsche Fußball-Nationalspieler um Toni Kroos, Ilkay Gündogan oder Timo Werner steht nach den ungewöhnlich scharfen Worten von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin als maximal denkbare Drohkulisse im Raum.  „Die Spieler, die in diesen Teams spielen, die vielleicht in einer geschlossenen Liga spielen, werden von der Weltmeisterschaft und Europameisterschaft ausgeschlossen“, sagte Ceferin am Montag nach der denkwürdigen Sitzung des UEFA-Exekutivkomitee am Montag in Montreux. Nur den Zeitpunkt dieses Bannstrahls für Akteure von Clubs wie Real Madrid, Manchester City oder dem FC Chelsea ließ der Slowene offen.

UEFA droht Teilnehmern mit EM-Verbot für Sommer

Im Extremfall würde er schon diesen Sommer gelten. Am Ufer des Genfer Sees beschloss der Kontinentalverband seine ebenfalls hochumstrittene Reform der Champions League. Die Sprechweise lautet dabei: Wer nicht nach unseren Regeln mitspielt, fliegt raus. Dabei sollen in der Königsklasse zwei der vier neuen Plätze nicht mehr wie bislang üblich aufgrund von Leistungen aus der vorigen Saison vergeben werden. Stattdessen wären dafür die Platzierungen der Vereine in der Fünfjahreswertung der UEFA ausschlaggebend. Auch dies war bereits vor allem von Fanvertretungen stark als Tabubruch kritisiert worden. Zurecht. Und da sage noch eine/r, der DFB sein ein Sch….haufen.

Ich aus meiner Sicht werde die Königsklasse in beiden Formen – ob UEFA-reformiert oder als Super League neu gegründet, ablehnen. Zum Glück besteht hier keine Gefahr für den HSV – aber ich würde selbst mit dem HSV brechen, wenn er sich einem solch unsolidarischen, geldgierigen Projekt wie der Super Liga anschließen würde. Das hat alles nichts mehr mit Sport zu tun. Nichts mehr mit dem, was ich schätze. Und damit meine ich so deutlich irdischere Probleme, wie in der Zweiten Bundesliga den Aufstieg in die Erste Liga zu realisieren. Und das ist schwer genug. Der VfL Bochum hat am Wochenende den entscheidenden Schritt gemacht, behaupte ich. Dieses 4:3 gegen Hannover 96 war genau das Spiel, das sie dem HSV mindestens voraushaben werden. Der VfL hatte sich  eine  3:1-Führung noch nehmen lassen: In der 90. Minute glichen die Niedersachsen wie schon gegen den HSV den Rückstand aus. Aber: Bochum schoss (köpfte) das 4:3 in der Nachspielzeit. Ein Sieg, der im Zustandekommen sowohl für den Kopf der Bochumer als auch in der Tabelle ein Meilenstiefel in Richtung Erste Liga war.

Auffällig: Der VfL Bochum reagiert auf jede Niederlage mit einem Sieg. Jedesmal. Der HSV hingegen hat das in der Liga bislang noch nicht einmal geschafft. Bis jetzt zumindest. Denn Fakt ist, am Donnerstag beim SV Sandhausen muss gewonnen werden. Wie eigentlich in allen sechs noch verbliebenen Punktspielen, da speziell Greuther Fürth dem HSV nicht nur auf den Fersen bleibt, sondern inzwischen sogar einen Punkt davongezogen ist. Am morgigen Dienstag geht es für die Spielvereinigung im Heimspiel gegen Braunschweig. Sollte dort gewonnen werden, wäre der HSV (bei diesem einen Spiel weniger) schon vier Punkte hinten.

HSV plant Trip in den Süden „mit alle Mann“

Ihr seht, es wird alles enger und enger. Und jetzt wird es darauf ankommen, dass der HSV die Klasse zeugt, die nicht nur ich ihm im Laufe dieser Saison immer wieder attestiert habe. Denn JETZT muss Stabilität demonstriert werden, JETZT müssen die Führungsspieler Sven Ulreich, je nach Verletzungsstand Toni Leistner, Aaron Hunt, David Kinsombi, Jeremy Dudziak und natürlich auch ein Simon Terodde (um nur einige zu nennen) vorwegmarschieren und demonstrieren, dass der Aufstieg nur über den HSV geht. Der Trainer und sein Team haben genau JETZT die so oft zitierte Crunchtime. Und zwar bis zur allerletzten Sekunde dieser Saison.

Trainer Daniel Thioune selbst versucht, Ruhe zu bewahren und betonte, dass er diese Situation mit dem wachsenden Druck aus den letzten Jahren in verschiedenen Variationen kennt und die Abläufe normal bleiben würden. Wobei Dudziak heute wegen eines Gerstenkorns im Auge fehlte. Oder besser gesagt, weil er deswegen Antibiotikum nehmen musste, absolvierte er nur individuelles Krafttraining, soll aber bis Donnerstag fit sein. Bei Leistner wird es etwas knapper, aber Hoffnung besteht. Er konnte heute wieder mittrainieren, hatte zuletzt aber noch einmal kürzertreten müssen.

Am Mittwoch nach der Trainingseinheit geht es dann zum Auswärtsspiel beim SV Sandhausen, wo am Donnerstagmorgen angeschwitzt und abends gespielt wird. Im Anschluss an das Spiel geht es nach Herzogenaurach ins „Mini-Trainingslager“ als Vorbereitung auf den Kick am Sonntag in Regensburg. Erst nach dem zweiten Auswärtsspiel dieser Woche geht es wieder zurück nach Hamburg. „Wir haben doch entschieden, dass alle gesunden Spieler des Kaders mitfliegen. Wir müssen immer drauf zugreifen können“, erklärt Thioune, und führt aus: „Sonny Kittel beispielsweise hat vier Gelbe und wäre bei der Nächsten gesperrt. Das sind alles so Unwägbarkeiten, auf die wir nicht reagieren könnten, wenn wir nur mit einem kleinen Kader fliegen würden.“

Dudziak pausiert, Leistner wackelt, van Drongelen ist bereit

Rick van Drongelen ist übrigens im Gegensatz zu Leistner schon wieder voll einsetzbar und auch für Donnerstag in Sandhausen schon eine Alternative für die Innenverteidigung. Wobei ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, dass der Coach nichts an der Innenverteidigung ändert. Ich hoffe dagegen, dass der Trainer auf der Sechs wieder mit Amadou Onana beginnt, obgleich der zuletzt nicht durch Leistung zu bestechen wusste. Dennoch glaube ich an den Typen Onana, noch mehr an dessen Potenzial und am allermeisten daran, dass der junge Belgier nichts mehr will, als das in ihn gesetzte Vertrauen zurückzuzahlen. Und solange das nicht zu Übermotivation führt – das müssen die Trainer genau im Training beobachten – ist das einfach nur gut.

Apropos gut: Der HSV hat heute die Lizenz für die Zweite Bundesliga ohne Auflagen bekommen. Auch das ist gut. In diesem Sinne, bis morgen. Entschuldigt bitte den Ausflug in die Königsklasse und diesen episch langen Blobgbeitrag. Aber das musste raus. Euch allen einen schönen Abend! Und dafür stelle ich hier noch einmal ein Interview rein, das zumindest mich an bessere Zeiten erinnert. Vom HSV geführt mit einer Legende, die jüngst seinen 70. Geburtstag gefeiert hat.

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