Analyse

Zahlt sich Thiounes Führungsstil im Saisonfinale aus?

Kurz vor dem Heimspiel gegen Darmstadt 98 hat HSV-Trainer Daniel Thioune die Diskussionen beim HSV noch einmal geordnet. Nicht die Corona-Pandemie, die immer mehr in den…

Zahlt sich Thiounes Führungsstil im Saisonfinale aus?

Kurz vor dem Heimspiel gegen Darmstadt 98 hat HSV-Trainer Daniel Thioune die Diskussionen beim HSV noch einmal geordnet. Nicht die Corona-Pandemie, die immer mehr in den Spielplan der Zweiten Liga  eingreift, sondern das nächste Spiel am morgigen Freitag (18.30 Uhr/Sky) gegen einen zweifelsfrei unangenehmen Gegner aus Darmstadt soll das beherrschende Thema im Volkspark sein. „Das ist unser tägliches Brot. Wir müssen zusehen, dass wir uns nur darauf konzentrieren“, mahnte der Coach. Die Spielverlegung gegen Sandhausen (ursprünglich 16. April) und die mögliche Absage gegen den Karlsruher SC (20. April) sollen unmittelbar vor dieser Partie keine Rolle spielen.

Klar ist, dass es um drei Punkte und die Behauptung des zweiten Tabellenplatzes geht. Der ist angesichts eines nicht auszuschließenden Saisonabbruches fast noch wichtiger denn je. Vor allem aber gilt es, nach dem unbefriedigenden 3:3 bei Hannover 96 gegen Darmstadt keinen weiteren Punktverlust zuzulassen. Über die Ursachen für den verschenkten Sieg bei den Niedersachsen grübelt Thioune übrigens noch immer. Ein „gewisses Maß an Cleverness hat gefehlt“, sagte Thioune. „Ich glaube schon, dass man von uns verlangen kann, dass man bei einer 3:0-Führung nichts mehr anbrennen lässt.“ Der Coach will seine Mannschaft künftig abgebrühter sehen. Seine Minimalforderung für den Freitagabend lautet: „Die Null hinten und vorne die Eins.“ Würde uns allen wahrscheinlich reichen.

Der HSV muss noch sieben Mal an seine 100 Prozent kommen

Sieben Spieltage sind bis zum Saisonende noch zu bestreiten. Von allen Aufstiegsaspiranten haben die Hanseaten das vermeintlich leichteste Restprogramm. Sechs Gegner stehen derzeit auf den Plätzen 12 bis 17, lediglich der Karlsruher SC fällt als Sechster aus dem Rahmen. Und auch hier wurde diese Diskussion geführt, ob das nun ein Vor- oder ein Nachteil ist. Ich behaupte: DAS hängt ausschließlich am Auftritt des HSV. Sollte man es tatsächlich noch siebenmal hinbekommen, 100 Prozent abzurufen, machen vermeintlich schwächerer Gegner Siege wahrscheinlicher. „Der Tabellenplatz entscheidet nie darüber, wie eine Partie ausgeht, sondern immer die eigene Performance auf dem Platz“, nennt es Thioune. Und wer sich an die Niederlage beim Tabellenletzten Würzburger Kickers (2:3) erinnert, der weiß ganz genau, was der HSV-Trainer meint.

Umso wichtiger ist es in der Endphase der Meisterschaft ist es für die Hamburger deshalb von besonderer Bedeutung, dass alle Mann an Deck sind. Selbst der Langzeitverletzte Rick van Drongelen drängt wieder Richtung Startelf. „Für mich als Trainer sind es immer schwere Entscheidungen, sich für elf final zu entscheiden“, gesteht Thioune und betont in Anbetracht bevorstehender englischer Wochen: „Jeder einzelne wird in unserem Kader gebraucht. Wir brauchen Spieler auf dem Platz, die in der Lage sind, am Anschlag zu spielen.“

Was dann nach dem Darmstadt-Spiel kommt, ist ungewiss. Müssen die derzeitigen Quarantäne-Teams ihre 14-tägige Isolation komplett ausschöpfen, stehen dem HSV zwei spielfreie Wochen bevor. Was Thioune aber nicht als das große Handicap sieht. Denn andere Teams, denen in Quarantäne gemeinsames Training untersagt ist und deren Profis daheim „lediglich auf dem Fahrrad sitzen und vor die Wand schauen“, wie Thioune sagt, können schnell aus dem Rhythmus geraten. Aber auch sein Team wird durch die spielfreie Zeit Probleme bekommen, den Wettbewerbsmodus hochzuhalten. Von der Anhäufung der sechs Spieltage verteilt auf 29 Tage – das ist nicht zu unterschätzen.

Thiounes Führungsstil muss sich jetzt auszahlen

Auch deshalb halte ich Thiounes bisherigen Weg, möglichst alle Spieler mitzunehmen,  für grundsätzlich richtig. Aber: Jetzt muss sich dieses Vorgehen auszahlen. Soll heißen: Weitere Experimente darf niemand mehr erwarten. Thioune sollte jetzt 25 und mehr Spieler zur Verfügung haben, denen klar sein muss, dass in jedem Spiel die beste Elf beginnt. Ein Bobby Wood darf daher ebenso wenig erwarten, dass er spielt, wie es ein Gideon Jung, ein Klaus Gjasula und andere erwarten dürfen. Auch ein Rick van Drongelen darf nichts erwarten – er muss einfach da sein, wenn er doch gebraucht wird. Und das kann schnell passieren. Angesichts der Gelbsperre für Amadou Onana muss Thioune sich auf der Sechs etwas einfallen lassen. Das Problem: Der beste Sechser hat sich in der Innenverteidigung gerade als Partner von Stephan Ambrosius bewährt.

Mit anderen Worten: Hier gegen Darmstadt van Drongelen einzubauen, um Heyer auf die Sechs vorziehen zu können, birgt zumindest ein kleines Risiko aus der Ungewissheit heraus, wie weit van Drongelen nach der ewig langen Pause und dem Mini-Auftritt gegen den FC St. Pauli schon ist. Dass er sich 90 Minuten lang zerreißen würde für den HSV – definitiv! Denn ich würde ich in der Viererkette möglichst wenig verändern, um hier die Sicherheit zu fördern, die sich vor der zweiten Halbzeit gegen Hannover angedeutet hatte.

Ich würde tatsächlich die Viererkette unverändert lassen und auf der Sechs entweder einen Gideon Jung mit der Aufgabe betrauen, einfach den Kreativen vor ihm den Rücken freizuhalten. Eine weitere Alternative wäre eine Doppel-Sechs spielen zu lassen, wobei hierbei neben dem weiter gesetzten Aaron Hunt ein David Kinsombi spielen könnte. Eine Alternative, bei der ich allerdings kein wirklich gutes Gefühl hätte.

Letztlich steht für mich fest, dass Hunt ebenso beginnt wie Simon Terodde ganz vorn. Drumherum sind Tim Leibold im linken und Sonny Kittel über rechts im Mittelfeld ebenso gesetzt wie Manuel Wintzheimer hinter Terodde. Dazu käme Jeremy Dudziak bei mir ins Team, was meine Startelf recht offensiv ausrichten würde. Dudziak und Wintzheimer sind zumindest zwei Spieler, die im Wechsel auch mit nach hinten arbeiten können. So würde ich spielen lassen:

Ulreich – Vagnoman, Ambrosius, Heyer, Gyamerah – Kittel, Hunt, Dudziak, Leibold – Wintzheimer – Terodde. 

In dieser Formation hätte ich zumindest das beste Gefühl. Abgesehen von Terodde und – obwohl es schon deutlich besser geworden ist: Kittel – haben alle anderen Spieler schon bewiesen, dass sie defensiv mitarbeiten (können). Damit wäre diese Startelf für mich so flexibel, dass sie auf der einen Seite versuchen kann, das Spiel komplett in die Hand zu nehmen, andererseits aber auch reagieren kann, sollte Darmstadt stärker ins Spiel finden. Oder wie sehr Ihr das? Schreibt mir doch einmal, wie Ihr beginnen würdet! Ich bin auf jeden Fall gespannt, was sich der HSV-Trainer wieder einfallen lässt…

In diesem Sinne, morgen melde ich mich direkt nach Schlusspfiff und Pressekonferenz wieder bei Euch mit dem Blog und dem Blitzfazit. Bis morgen!

Scholle

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