Wüstefeld verkündet 200-Millionen-Plan - und erntet Spott
Tja, was soll ich dazu sagen? Es gab nicht viele Themen, die ich zum aktuellen Zeitpunkt aus HSV-Sicht für sinnloser gehalten hätte als eine neue Großinvestition. Denn wer es…

Tja, was soll ich dazu sagen? Es gab nicht viele Themen, die ich zum aktuellen Zeitpunkt aus HSV-Sicht für sinnloser gehalten hätte als eine neue Großinvestition. Denn wer es trotz des riesengroßen Umfeldes des HSV nicht hinbekommt, Bürgen für rund zehn Millionen Euro zu finden, der hat ein echtes Problem. So auch Dr. Thomas Wüstefeld, dem ich aber ganz explizit NICHT die aktuelle finanzielle Lage anlasten möchte. Diese Lage wurde von etlichen Vorgängern mit viel Unwissen und Dilettantismus produziert. Aber wie gestern geschrieben, hat sich Wüstefeld in den letzten Monaten immer wieder proaktiv mit großen Ankündigungen selbst den Druck aufgelastet, liefern zu müssen. Und das hat er bislang nicht.
Dass ausgerechnet Wüstefeld zuerst zehn Millionen Euro Mehreinnahmen nach den paar Saisonspielen anführt und heute gleich mal ein rund zehn Jahre altes 200-Millionen-Euro-Projekt als aktuell nachschiebt, das ausgerechnet jetzt wieder realisiert werden soll, lässt Schlimmes befürchten. Denn auf mich wirkt das wie ein Ablenkungsmanöver. Ein Manöver, um Zeit zu gewinnen. Und um ein Manöver, das Wüstefelds Integrität nicht wachsen lässt. Im Gegenteil. Selbst Finanzsenator Andreas Dressel spottete gegenüber NDR 90,3 auf Wüstefelds 200-Mio-Plan angesprochen: „Wer zu den Sternen fliegen will, muss erst mal eine Bodenstation bauen.“
Hamburgs Finanzsenator Dressel - Spott für Wüstefeld
Aber worum genau geht es? Finanzvorstand Thomas Wüstefeld plant nach eigenen Angaben ein bis zu 200 Millionen Euro teures Millionen-Projekt im Hamburger Volkspark. Wie das Abendblatt heute berichtet, sollen neben der HSV-Arena eine Volkspark-Plaza für 12.000 Menschen und ein 25-stöckiges Hochhaus entstehen. „Wir beschäftigen uns schon seit mehreren Monaten damit“, sagte der 53-Jährige zum „Projekt HSV 360 Grad“, das so schon seit einem guten Jahrzehnt in den Schubladen der HSV-Geschäftsstelle lag. Wüstefeld ergänzte: „Wir wollen mehr Infrastrukturmöglichkeiten für den Volkspark schaffen.“
Und das ist auch alles gut gemeint. Allerdings stellt sich die Frage: Wie kann der HSV, der seit Monaten und bisher vergeblich für dringend nötige Sanierungsarbeiten am Volksparkstadion eine millionenschwere Landesbürgschaft erbittet, über ein solches Großprojekt nachdenken? Wüstefelds Antwort: Er habe bereits mit drei potenziellen Geldgebern gesprochen, die großes Interesse an dem Vorhaben hätten.
Und aus Investorensicht ist eine solche Plaza zweifelsfrei spannender. Hier entsteht etwas, während man beim Volksparkstadion Lücken füllt. Dennoch scheint es auch HSV-Sicht zum jetzigen Zeitpunkt vermessen. Zumal die für die Gebäude vorgesehene Fläche nicht dem HSV gehört, sondern der Stadt, die man gerade wieder um finanzielle Hilfe gebeten hat. Man sei mit der Stadtentwicklung, den zuständigen Behörden und Investoren im Gespräch, meinte Wüstefeld, der selbst noch nicht weiß, ob er über das Jahresende hinaus, wenn sein Vertrag ausläuft, noch im Vorstand sitzen wird.
Denn aktuell spricht der Aufsichtsrat, der von dem Projekt „HSV 360 Grad“ keine Kenntnis hatte, gerade mit Wüstefeld-Gegner Klaus-Michael Kühne. Der Investor hatte zuletzt unverblümt Wüstefelds Demission als eine Grundlage für sein 120-Millionen-Angebot gemacht, das der HSV ablehnte. Gestern gab es „ein gutes Gespräch“ des HSV-Präsidiums mit Kühne. Noch ohne konkrete Ergebnisse und der Austausch soll fortgesetzt werden. Aber dass Kühne sich mit Wüstefeld arrangieren kann, scheint ausgeschlossen.
Wüstefeld muss liefern - sonst wird es eng für ihn
Für Wüstefeld ist jetzt entscheidend, dass keine weiteren Unruhen um seine Person entstehen – und dafür wird er beim HSV seinen Worten Taten folgen lassen müssen. Jedes Mal, wenn ein Vorhaben nicht funktioniert oder sich zumindest massiv verzögert, ein neues Fass mit Träumen aufzumachen wird nicht (mehr lange) funktionieren. Die 200-Millionen-Nummer von heute macht es immer schwieriger, hier noch an ein gutes Ende für Wüstefeld als HSV-Vorstand zu glauben.
Gut funktioniert hat bislang der sportliche Bereich. Und am Sonnabend kommt mit Fortuna Düsseldorf eine Mannschaft in den Volkspark, die sich spielerisch messen kann. Und das on top mit dem ehemaligen HSV-Coach Daniel Thioune, der ohne Revanchegelüste in das Topspiel geht. «Ich bin im Guten aus Hamburg weggegangen. Ich habe keine Rechnung offen. Da blieb nichts hängen“, sagte der Trainer des Tabellenfünften vor dem Duell beim Tabellenzweiten, bei dem er im Mai 2021 nach verpasstem Aufstieg freigestellt worden war.
Ich freue mich auf das Spiel, weil es sportlich ansehnlich zu werden verspricht. Und angesichts der bislang 46.000 verkauften Tickets wird es auch von den Rängen wieder extrem stimmungsvoll. Bleibt nur zu hoffen, dass der auch das bestbesuchte Spiel zu werden Gleichwohl verspürt der 48-Jährige Nervenkitzel: „Natürlich ist das ein besonderer Auftritt für mich. Dann fühlt es sich vielleicht ganz gut an, wenn man drei Punkte holt. Aber sie sind genauso viel wert wie in anderen Spielen.“
Ex-HSV-Trainer Thioune verspricht HSV mutige Düsseldorfer
Trotz anhaltender Personalprobleme geht Thioune mit Zuversicht in die Partie: „Der HSV kann sich auf eine Fortuna freuen, die mit sehr viel Selbstvertrauen kommt. Die Effizienz ist auf unserer Seite gegeben. Wir brauchen nicht ganz so viele Chancen, um Tore zu schießen.“ Nach Einschätzung des Trainers geht sein Team die Partie mit ähnlich großer Motivation an, wie er selbst: „Wenn man nach Hamburg fährt, ist man maximal motiviert. Da brauche ich keine zusätzlichen Anreize zu setzen und den Jungs zeigen, wo das Gaspedal steht.“ Klingt doch so, als dürften wir uns auf ein gutes Spiel freuen. Ich tue es jedenfalls…
In diesem Sinne, morgen wird es an dieser Stelle ein Update geben von Jonathan, den wir im Trainingsvideo heute auch einmal persönlich für all diejenigen vorstellen, die am vergangenen Freitag nicht live dabei waren. Ich verabschiede mich an dieser Stelle und wünsche Euch viel Spaß mit Jonathans Trainingsberichten in visueller und schriftlicher Form. Zudem haben wir Jonathan in dem heutigen Video noch einmal persönlich vorgestellt. Aber schaut selbst:
Jonathans Trainingsbericht vom 15. September 2022:
Zu Beginn hat sich das Team mit verschiedenen kurzen Laufübungen an den Hürden aufgewärmt. Nach dem Aufwärmen ging es über zu Kurzpassspiel im aufgebauten Feld mit verschiedenen Varianten, mit unterschiedlich vielen Kontakten und kurzen Antritten mit den Bällen nach der jeweiligen Ballannahme.
Als die Spieler aufgewärmt waren, ging es in die erste Spielform, bei der zwei Teams gebildet wurden. Es mussten im Team bestimmte Pässe gespielt werden, bevor auf die kleinen Tore abgeschlossen werden durfte. Eine andere Möglichkeit, ein Tor zu machen, war, zehn Pässe innerhalb des eigenen Teams zu erfolgreich an den Mann zu bringen, ohne dass der Gegner dazwischenkommt. Wenn die Spieler, die außerhalb des Feldes mit eingebunden wurden, den letzten Pass gegeben haben, haben die Tore doppelt gezählt.
Nach dieser Spielform wurden Ecken trainiert. Auffällig hierbei war für mich, dass nur eine Ecke direkt reingeschlagen wurde. Alle anderen Eckbälle waren ausschließlich kurze Ecken, bei denen ein Spieler immer kurz anlief, während ein dritter stand teilweise auf Höher der Sechzehnmeterraumlinie, wodurch ein Dreieck gebildet werden sollte.
Es gab auch ein, zwei Ecken, die kurz gespielt wurden, dann hintenrum, und im Zuge dessen die Flanken eher aus zentralerer Position gebracht wurden. Definitiv eine interessante Variante und etwas, worauf man im Spiel ein Auge haben sollte.
Nach den Standards ging es in eine Umschaltübung, bei der Flanken verteidigt und oder verwertet werden sollten. Es wurden 4-5 Flanken hintereinander auf zwei Tore geschlagen, die Spieler blieben im Feld und mussten immer zwischen den Toren pendeln, wodurch die Umschaltsituationen entstanden. Während dieser Übung begann auch das typische Hamburger Wetter.
Extra-Einheiten gab es heute keine. Aber für mich auffällig war, dass sich Anssi Suhonen mit seiner Power und seiner Laufbereitschaft immer wieder in den Vordergrund spielen konnte. Zuletzt gegen Kiel stand er schon im Kader – und nach diesen Trainingseinheiten dürfte er noch einmal näher an die Stammplätze ran gerückt sein…
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