Wird Düsseldorf wieder zum Terodde-Spiel für den HSV?
Daniel Thioune hatte es geahnt, auch wenn er sich nach außen versuchte, optimistisch zu zeigen. Heute aber bestätigte sich die Vorahnung des Coaches, der gestern auf der…

Daniel Thioune hatte es geahnt, auch wenn er bis zuletzt nach außen versuchte, optimistisch zu bleiben. Heute aber bestätigte sich die Vorahnung des Coaches, der gestern auf der Pressekonferenz bereits angedeutet hatte, dass er mit einem Ausfall von Josha Vagnoman rechne: Doppelter Bänderriss im rechten Sprunggelenk. Der wurde bei den Röntgenuntersuchungen heute bei dem Rechtsverteidiger diagnostiziert – ein bitterer Rückschlag. Für den Youngster, weil er gerade dabei war, sich auf der Rechtsverteidigerposition sesshaft zu machen. Und natürlich für den HSV, der dadurch sein zuletzt erfolgreiches Grundgerüst schon zwangsweise verändern muss. Dass Jan Gyamerah zumindest wieder fit ist, macht es quantitativ erträglicher. Aber für das Spiel in Düsseldorf rechne ich eher nicht mit einem Blitzcomeback Gyamerahs, sondern mit dem Einsatz des multifunktionalen Motitz Heyer als Rechtsverteidiger. Also so, wie Thioune in Braunschweig in der zweiten Halbzeit hatte spielen lassen, nachdem Vagnoman verletzt rausmusste.
Apropos Thioune, der hat nach seiner ersten Halbserie als HSV-Trainer mit 2,1 Punkten im Schnitt pro Partie klaren Kurs auf die Erste Liga genommen. Dass das nichts zu bedeuten hat, muss ich nicht sagen. Das machen die Verantwortlichen schon höchstselbst. Sie haben aus den Fehlern der letzten Jahre ihre Lehren gezogen. Zur Erinnerung: Unter Hannes Wolf hatte der HSV 2018/19 sogar noch einen Zähler mehr auf dem Konto (37), ehe der Absturz in der Rückrunde (19) folgte. Auch unter Dieter Hecking brach der HSV nach einer passablen Hinrunde (30) in der zweiten Saisonhälfte (24) ein. Aber wie heißt es so schön? Aller schlechten Dinge drei…
Aber dieser Weg ist noch lang, Sehr lang sogar. Und er beginnt mit einem extrem schwierigen Spiel – nämlich dem bei der nach dem HSV – das behaupte ich zumindest – zweitbesten Mannschaft der Liga in diesem Moment: Bei Fortuna Düsseldorf. Geht es nach Toni Leistner, dann droht dem von Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel runderneuerten Team unter Thioune kein erneutes Scheitern im Aufstiegsrennen. „Ich habe vom ersten Tag an gemerkt, was für eine Qualität in der Mannschaft steckt“, sagte der neue Abwehrchef. Natürlich hätten sich die vielen neuen Spieler erst mal finden müssen, berichtete er am Sonntagabend in der Sendung „Sportclub“ im NDR-Fernsehen. „Aber wir haben gut zusammengefunden und deswegen punkten wir jetzt auch konstant.“
Und mit dem Aufstieg in die Bundesliga würde einer seiner Herzenswünsche in Erfüllung gehen. „Es ist noch ein harter und langer Weg, aber wir geben als Team alles dafür“, sagte der 30-Jährige und hob „die gute Chemie“ im Kader hervor. Und an dieser hat er einen maßgeblichen Anteil, wie Trainer Daniel Thioune nicht müde wird, zu erwähnen. Zusammen mit Keeper Sven Ulreich im Tor, Spielern wie Hunt und Kinsombi im zentralen Mittelfeld und einem alle(s) überragenden Simon Terodde in der Sturmspitze hat der HSV ein Paradebeispiel dafür, wie man sich für die Zweite Liga eine stabile, gut funktionierende Führungsachse zusammenstellt. Dass die Stimmung passt, bewies nicht zuletzt auch Bakery Jatta, als er nach seiner Auswechslung in Braunschweig seine Enttäuschung hintenanstellte und stattdessen ein paar motivierende Worte Richtung Mannschaft sprach, wie Thioune heute im „kicker“ berichtet.
Für Thiounes Düsseldorfer Trainer-Kollegen Uwe Rösler übrigens ist Spitzenreiter HSV zwar „klarer Favorit in der Liga“, trotzdem rechnet er sich gute Chancen aus, den Aufwärtstrend der vergangenen Wochen fortzusetzen. Der 52-Jährige muss gegen die Hanseaten auf Offensivtalent Shinta Appelkamp verzichten. Der 20 Jahre alte Japaner erlitt am Freitag beim spektakulären 3:3 gegen Greuther Fürth einen Muskelfaserriss und fällt vorerst aus. Dennoch will Rösler „nichts verändern, weil uns ein Spieler nicht zur Verfügung steht. Wir haben genug Möglichkeiten», sagte der Trainer des Tabellen-Vierten. Der HSV sei für ihn zwar klarer Favorit in der Liga, trotzdem rechnet er sich mit seiner seit acht Spielen ungeschlagenen die Fortuna gute Chancen aus, den Aufwärtstrend der vergangenen Wochen fortzusetzen.
„Wir brauchen gute Ballbesitzphasen“, sagte Rösler. „Denn gegen den Ball gibt es sicher bessere Mannschaften als den HSV. Mit dem Ball sind sie aber stark.“ Worte, die für Defensivchef Leistner wie eine Provokation klingen dürften. Allerdings lässt sich der 30-Jährige so leicht nicht aus der Ruhe bringen. Sachlich nüchtern warnt er stattdessen lieber: „Die anderen Teams wollen uns etwas wegnehmen und sind immer extrem heiß, gegen den HSV zu spielen.“ So auch der nächste Gegner Fortuna Düsseldorf, den Leistner als eines von vier bis fünf Teams bis zum Ende im Kampf um den Aufstieg erwartet. „Die haben sich nach einem verkorksten Saisonstart absolut gefangen und haben viele erfahrene Bundesliga-Spieler im Kader.“ Die Fortuna werde „alles dafür tun, uns einen Strich durch die Rechnung zu machen. Wir wollen uns aber natürlich so schnell wie möglich ein bisschen absetzen und einfach konstant weiter punkten.“
Und das wie oben erwähnt mit einer Umstellung. Wobei es mich bei Thioune nicht wundern würde, wenn er mutig Gyamerah ins Kalte Wasser wirft, erwarte ich Heyer hinten rechts und dafür Amadou Onana im Mittelfeldzentrum defensiv auf der Sechs. Ginge es nach mir, würde ich den Rest der Mannschaft tatsächlich unverändert lassen. Ich würde auch wieder mit Jatta beginnen, da ich davon überzeigt bin, dass sich bei einer starken und dementsprechend mutig-offensiv auftretenden Mannschaft wie Düsseldorf genau die Räume ergeben werden, die Jatta für sein Spiel braucht. Vor allem glaube ich nicht daran, dass Jatta zwei Spiele in Folge schwach spielt… Ich tippe auf diese Startelf:
Ulreich – Heyer, Ambrosius, Leistner, Leibold – Onana – Jatta, Kinsombi, Dudziak, Kittel – Terodde.
Oder was meint Ihr?
Vor allem steht für mich fest, dass diese Partie in Düsseldorf ein Terodde-Spiel ist. Zuletzt hatte der HSV gegen Gegner, die ihn und Jatta immer wieder gedoppelt hatten, auf die Spieler gesetzt, die um Terodde herum spielten. Der traf zwar selbst trotzdem, aber vor allem Kittel und Kinsombi bereiteten nicht nur Tore vor, sondern trafen auch selbst. Der HSV bewies damit vor allem sich selbst, dass man nicht abhängig von Terodde ist. Aber das nur für die unter uns, die behaupten, der HSV würde ohne Terodde nicht oben mitspielen können. Meine Gleichung sieht etwas anders aus: Ich behaupte, dass der HSV auch ohne Terodde ein Aufstiegskandidat ist. Mit ihm aber ist er der Aufstiegsfavorit. Zusammen mit Düsseldorf.
Umso mehr freue ich mich auf das Spiel in der Merkur-Spiel-Arena, wo es morgen um 20.30 Uhr zum Spitzenspiel der zwei formstärksten Teams der Liga kommt. Wir werden natürlich wieder für Euch dabei sein, wenn auch leider noch nicht von der Live-Couch, die coronabedingt noch ein wenig warten muss. Aber dafür haben meine Freunde Joscha und Florian das Spitzenspiel im „FIFA Orakel“ schon einmal durchgespielt. Wer gewonnen hat, das verrate ich nicht. Aber seht selbst:
In diesem Sinne, bis morgen! Da melde ich mich nach dem Spiel und der Pressekonferenz an dieser Stelle mit dem (späten) Blitzfazit.
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