Wirbel um Wüstefeld vor Spitzenspiel gegen Düsseldorf
Als hätte es gestern schon festgestanden: Heute kommt der Spiegel mit einem Artikel, der HSV-Finanzvorstand Dr. Thomas Wüstefeld noch schlechter aussehen lässt, als es nach den…

Als hätte es gestern schon festgestanden: Heute kommt der Spiegel mit einem Artikel, der HSV-Finanzvorstand Dr. Thomas Wüstefeld noch schlechter aussehen lässt, als es nach den brisanten Artikeln meiner ehemaligen Kollegen vom Hamburger Abendblatt eh schon der Fall war. Auch in dem neuen Spiegel-Artikel wird Wüstefeld als Geschäftsmann in Frage gestellt. Den ersten von noch einigen drohenden Gerichtsprozessen habe er bereits verloren und müsse 250.000 Euro an einen ehemaligen Geschäftspartner zurückzahlen. Weitere Verfahren gegen den HSV-Vorstand würden laufen. Und auch die Rolle des HSV-Aufsichtsrates wird noch einmal klar – und wie hier auch – richtig beschrieben: Man sei im Kontrollrat schlichtweg tatenlos. Und das ist leider weiterhin so.
Brisant ist zudem, dass sich Wüstefeld, der seinen großen Versprechungen beim HSV bislang keine Taten, dafür aber neue große Versprechungen folgen ließ, intern sogar als Vorstandsvorsitzender beworben haben soll. In einer E-Mail an den Aufsichtsrat habe er mitgeteilt, dass er nur in der Funktion weiter zur Verfügung stehen würde. Soll heißen: Er als CEO und sein Kontrahent auf Vorstandsebene, Sportvorstand Jonas Boldt, unter ihm. Ein Vorgang, der Boldt bekannt ist und der die eh schon vergiftete Stimmung unter den beiden Vorstandskollegen zusätzlich untragbar machte.
Und nur um das einmal klar zu sagen: Natürlich kann das alles falsch sein. Immerhin sagt auch Wüstefeld, dass ein Teil der Vorwürfe „schlichtweg gelogen“ sei, während andere auf Fehlern der Gegenseite basieren würden. Aber angesichts der zahlreichen und vor allem nicht gehaltenen Versprechungen Wüstefelds, der vielen kleinen Lügen in völlig unnötigen Situationen, angesichts der zahlreichen geschäftlichen Vorwürfe aus den allerverschiedensten Ecken scheint es für mich alles andere als wahrscheinlich, dass nur einer richtig liegt: nämlich Wüstefeld.
Ich hatte seinerzeit aus dem Trainingslager davon berichtet, dass mir etliche Vorgänge zu Wüstefeld gemeldet worden waren, die schwerwiegende Vorwürfe beinhalteten. So schwere, dass ich sie hier ohne teure juristische Prüfungen nicht aufschreiben konnte. Diese Mittel wiederum haben natürlich die Verlage. Und darum ließen meine Kollegen vom Abendblatt als erste alles prüfen und schrieben es auf. Und wenn ich richtig informiert bin, werden sie ihre bislang formulierten Vorwürfe auch mit weiteren Fakten untermauern können. Von daher erscheint der völlig deplatziert wirkende 200-Millioen-Euro-Plaza-Bau-Vorstoß Wüstefelds tatsächlich das zu sein, was wir gestern vermutet haben: Es ist die Flucht nach vorn. Es ist offensichtlich auch der Versuch von den Artikeln abzulenken, von deren Erscheinung Wüstefeld natürlich schon im Vorfeld wusste.
Heute reagierte Wüstefeld auch noch einmal via Deutsche Presse-Agentur (dpa) mit einem Statement: „Ich kann Ihnen versichern, dass da nichts dran ist. Dahinter steckt eine Kampagne von Wettbewerbern.“ Derweil bestätigte Oberstaatsanwältin Liddy Oechtering dem Abendblatt am Freitag den Eingang einer Anzeige gegen Wüstefeld. Sie sei inzwischen im System erfasst und habe Untreue als zentralen Tatvorwurf zum Gegenstand. Auch das sei eine alte Geschichte, an der nichts dran sei, sagte Wüstefeld. Oechtering sagte, der Sachverhalt werde nun geprüft. Ob die Staatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht sieht und ein Ermittlungsverfahren einleitet, stehe noch nicht fest.
Ich war immer und bin bis heute ein großer Freund davon, bis zum Beweis der Schuld das Unschuldsprinzip anzuwenden. So auch hier. Aber diese ganze Geschichte hat inzwischen Sphären erreicht, in denen der HSV irreparablen Schaden nimmt. Einen Schaden, der vom Präsidium des HSV e.V. als Hauptanteilseigner ebenso fahrlässig in Kauf genommen wird wie vom gesamten Aufsichtsrat. Allein der 200-Mion-Vorstoß gestern war schon an Irrationalität schwer zu übertreffen. Aber die Inhalte der Abendblatt-Artikel zusammen mit denen des „Spiegel“ lassen eigentlich keinen anderen Weg zu, als Wüstefeld - zumindest vorläufig! - aus der ersten Reihe abzuziehen. Ansonsten muss man, was eh schon von vielen gefordert wird, auch den verantwortlichen Aufsichtsrat ob seiner Tatenlosigkeit austauschen.
Geht's schief, muss neben Wüstefeld auch der Aufsichtsrat gehen
So viel zum Thema Vorstand und Aufsichtsrat, das seit Wochen schon nicht mehr Schritt halten kann mit der sportlichen Entwicklung der Mannschaft in der Zweitligatabelle. Und das soll sich morgen weiter fortsetzen gegen das Team von Ex-HSV-Trainer Daniel Thioune. Am besten sollen Kapitän Sebastian Schonlau & Co. schon im Top-Spiel gegen Fortuna Düsseldorf am Sonnabend da weitermachen, wo sie zuletzt in Kiel (3:2) aufgehört hatten. Zumindest ergebnistechnisch. Walter ist „sehr froh“, dass er die Qual der Wahl hat beim Aufeinandertreffen mit Cheftrainer-Vorgänger Daniel Thioune. So könne das Motto „never change a winning team“ ebenso zum Tragen kommen wie neue, taktische Überlegungen.
„Wenn ein Spieler alles für seine Mannschaft tut, dann hat er bei mir sehr gut Karten“, verriet Walter, bei dem sich zuletzt allen voran der in Kiel eingewechselte Mittelfeldakteur László Bénes mit zwei Torvorlagen empfohlen hat. Als Paradebeispiel nannte Walter allerdings den Spieler, dem ich zuletzt unterstellte, er wäre aktuell der wichtigste Spieler im Mittelfeld des HSV: Ludovit Reis. Der ist unter Walter konstant stärker geworden und ist zuletzt auch als Torschütze in Erscheinung trat. „Er ist mit seiner Power sehr wichtig für uns. Für den HSV und diese Mannschaft lässt er sein Leben auf dem Platz“, lobte Walter etwas martialisch. Und er legte noch einen drauf: „Er charakterisiert meine Mannschaft, in der jeder für jeden alles geben will.“
Aber Walter, der sich wieder über ein gut gefülltes Volksparkstadion freuen darf, lobte auch wohlweislich den Gegner aus Düsseldorf. Vor allem die Stärke im Angriff (16 Tore), die beim HSV auf die neben dem 1. FC Heidenheim (je 5 Gegentreffer) beste Abwehr der Zweiten Liga trifft, verspricht Spannung. „Sie haben eine sehr gute Offensive und auch schon entsprechend Punkte gesammelt. Das ist eine von mehreren Mannschaften, die vorne mitspielen werden“, so Walter warnend.
Sein Gegenüber, Ex-HSV-Coach Thioune, den ich weiterhin für einen sehr guten Trainer halte und der wegen der Corona-Pandemie mit dem HSV nie vor einem derart vollen Volksparkstadion spielen durfte, kehrt erstmals in die Hansestadt zurück. „Ich erlebe jetzt zum ersten Mal ein Hamburger Stadion voll besetzt mit Zuschauern, nur eben als Trainer der Fortuna. Da werden nicht alle für mich sein“, sagte er, um dann noch einmal zu wiederholen, was er gestern bereits angedeutet hatte: „Ich werde von meiner Mannschaft verlangen, dass sie mutig spielt, dass sie aktiv spielt. Weniger mit den Gedanken, dass man in Hamburg verlieren kann. Mehr die Gedanken dahin gerichtet, dass man gewinnen kann.“
Walter hat gegen Düsseldorf Qual der Wahl
Walter und Co. werden das zu verhindern versuchen. Mit Anssi Suhonen, der im Training auffällig gut agierte, erneut im Kader. Allerdings scheint ein Einsatz des Finnen noch recht unwahrscheinlich. Zumindest deutete Walter das auf der Pressekonferenz schon an – und sofern Walter den jungen Finnen nicht als Zehner aufbietet, hat dieser auf seiner Position mit Reis und Meffert aktuell zwei übermächtige Konkurrenten.
Spannender ist da der Kampf um die Zehn, in dem sich Benes und der zuletzt immer beginnende Sonny Kittel streiten. Nicht wenige erwarten, dass der Neuzugang für den zuletzt schwächelnden Filigrantechniker Kittel beginnen wird. Ich persönlich würde tatsächlich nicht wechseln, sondern Benes sukzessive mehr Zeit geben. Auch, weil ich ihn trotz seiner zwei Assists gegen Holstein Kiel noch nicht so integriert sehe, wie es sein müsste. Ich fand auch den wiederkehrenden Aufbau über regelmäßige Spielzeit bislang sehr zielführend. Wobei: Sollten mich Walter und Benes morgen von Beginn an eines Besseren belehren – ich hätte nichts dagegen. Zumal das bedeuten würde, dass der HSV noch einen potenziellen Leistungsträger mehr im Kader hätte…
In diesem Sinne, beim Heutigen Training wurde wieder auf dem schwer einsehbaren, oberen Platz trainiert. Daher gibt es heute kein neues Video von Jonathan. Dafür melde ich mich morgen Abend bzw. Nacht nach dem Spiel natürlich wieder mit einem Blitzfazit und der Einzelkritik zum Spiel! Bis dahin,
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