Wintertransfers, Talente, DFB-Pokal und Lerneffekt - darauf kommt es beim HSV jetzt an
Der HSV will in Köln gewinnen. Logisch. Was auch sonst. Um pünktlich nach Hamburg reisen zu können? Auch logisch. Liest sich zwar seltsam – aber gelesen ist auch die Betonung…

Der HSV will in Köln gewinnen. Logisch. Was auch sonst. Um pünktlich nach Hamburg reisen zu können? Auch logisch. Liest sich zwar seltsam – aber gelesen ist auch die Betonung der Aussage von Trainer Tim Walter nicht dabei. Denn die besagte so viel wie: Uns würde es nicht stören, in der regulären Spielzeit zu gewinnen, wenn wir denn gewinnen. Und ganz ehrlich: Auch das ist mehr als logisch, angesichts der Belastung von drei Spielen binnen sieben Tagen und dem bevorstehenden Spiel am Freitag im Volksparkstadion gegen den FC St. Pauli. Nur eines muss hier allen klar sein: Walter sagt eben nicht, dass er von einem Sieg ausgeht und diesen schnell erreicht haben will.
Denn Walter weiß besser als die allermeisten von uns, welche Rolle der HSV in diesem Pokal-Achtelfinale einnimmt. Wer noch nicht weiß, was ich meine, der darf gern den Worten von Kölns Trainer Steffen Baumgart glauben, der heute sagte: „Wir sind der Bundesligist, wir sind der Favorit und das sollte morgen auch zu sehen sein. Wir wollen zu Hause eine Runde weiterkommen.“
Spannende 14 Tage Transferfenster bleiben noch
Und das, obwohl der HSV personell gut besetzt ist. Heute trainierten auch Stephan Ambrosius und Maxi Rohr wieder mit der Mannschaft – allerdings werden beide morgen in Köln sicher noch nicht zum Kader gehören. Ebenso sicher scheint, dass Bakery Jatta zunächst nur auf der Bank Platz nehmen wird, nachdem der Trainer gesagt hatte, das der Gambier noch nicht wieder zu 100 Prozent fit ist. Womit ich zu einem Punkt überleiten möchte, der uns die nächsten 14 Tage noch beschäftigen wird: Die Personalplanung des HSV.
Ich hatte zuletzt geschrieben, dass ich überzeigt davon bin, dass der HSV genügend Qualität im Kader hat, um seine Ziele zu erreichen. Du dabei bleibe ich grundsätzlich auch. Aber ich muss diese Aussage erläutern, da es hier einige missverstanden haben. Denn ich sage definitiv nicht, dass der HSV bei der Möglichkeit, Verstärkung zu bekommen, verzichten sollte. Sinnvolle Verstärkungen, die finanziell kein Risiko sind, sind immer sinnvoll. Wobei dieses „sinnvoll“ vielschichtig ist.
Denn die fußballerische Qualität allein reicht nicht aus, wenn der Spieler vom Typ her mehr durcheinanderbringt, als dass er hilft. Das geht unter Umständen im Sommer, wenn man sicher ist, diesen Spieler über eine gewisse Strecke in die Spur zu bekommen. Aber eben nicht im Winter, dafür ist die Winterpause zu kurz und die Saison nicht mehr lang genug. Vor allem ist es immer dann ein Risiko, wenn die aktuelle Gruppe menschlich so harmoniert, dass es sportlich produktiv ist. Und genau so soll es aktuell beim HSV sein. Daher hatte ich geschrieben, dass ich Wintereinkäufen sehr skeptisch gegenüberstehen würde. Ausschließen würde ich sie dennoch nicht.
Den „Aufstieg kaufen“ ist in so vielerlei Hinsicht falsch...
Aber: Wenn ich Überschriften lese wie „Muss sich der HSV den Aufstieg kaufen“, dann frag ich mich, was hier schon wieder falsch läuft. Ich weiß, dass die Kollegen damit nur beschreiben wollten, dass der HSV offensiv noch Bedarf hat. Aber „Aufstieg kaufen“ ist einfach falsch. Zum einen, weil es nicht funktioniert. Zum anderen, weil es den jeweils Neuen bei einer Verpflichtung schon jetzt einen falschen Beigeschmack geben würde. Und zu guter Letzt, weil der HSV diesem Image, eben über Geld alles regeln zu wollen, nicht nur entfliehen will, sondern dazu auch schlicht und einfach gezwungen ist. Denn für alles andere fehlen die Finanzen, wie eigentlich alle wissen sollten.
Nein, ich finde den Weg des HSV, sich vermehrt über junge Talente entwickeln zu wollen, für den logischsten und einzig richtigen Weg. Mit anderen Worten: Geht Faride Alidou doch noch in der Wintertransferphase, sollte der HSV zusehen, dafür gleichwertigen Ersatz zu finden. Oder eben aus dem vorhandenen Personal diese Position zu ersetzen. Die Frage, die ich mir stelle, ist vielmehr: Hat der HSV aus diesem Kader schon alles rausgeholt? Und meine Antwort darauf ist: Nein, hat er nicht.
Mikkel Kaufmann – um bei der Offensive zu bleiben, denn nur darüber wird bei der Suche nach Neuen offenbar diskutiert – funktioniert einfach nicht. Ob das nun am Walter-System oder einfach am Spieler selbst liegt, das lasse ich erstmal dahingestellt. Chancen hatte Kaufmann mehr als genug. Ebenso Manuel Wintzheimer, dessen Auftritte ich zweifellos hinter denen von Alidou einstufen würde. Aber eben auch lange nicht so schwach, als dass ich ihm nicht noch einmal eine solche Saison wie 2020/21 zutrauen würde. Und da schaffte er in 32 Spielen immerhin drei Tore und 13 Torvorlagen.
Der HSV hat längst nicht das ganze Potenzial ausgeschöpft
Apropos: Damit kommen wir zu dem Spieler, dessen Nichtberücksichtigung von Trainer Tim Walter immer damit beantwortet wird, dass andere es einfach zu gut machen. Eine Antwort, die ich dem Trainer so nicht abnehme, denn gerade Walter hat seine Offensiven schon auf allen Positionen spielen lassen. Wintzheimer und Mikkel zumindest. Nur Robin Meißner kommt bei Walter so gar nicht zum Zug. Und da ich heute gelesen habe, dass Walter sich einen Wechsel zum 4-4-2-System vorstellen kann, verstehe ich nicht, weshalb nicht Glatzel und Meißner nebeneinander spielen sollten…
Aber leider scheint sich Walter hier in einer Zwickmühle zu bewegen. Denn für Meißner, der sicher alles andere als ein starker Außenstürmer ist, das System umzustellen, scheint nicht in Frage zu kommen. Ihn für Glatzel zu bringen wäre sportlich kaum nachvollziehbar – da stimme ich Walter zu 100 Prozent zu. Aber einen neuen, zentralen Stürmer zu holen im Winter würde nicht nur auf mich wie die Ansage wirken: Mach Dir keine falschen Hoffnungen, Robin Meißner.
Dabei ist Walter der Trainer, der einfach macht, ohne sich vorher zu viele Gedanken darüber zu machen, was passiert, wenn es nicht funktioniert. Sein Spielsystem ist zweifellos das mutigste, was in den letzten Jahren in Hamburg gespielt wurde. Und auch das Heranziehen junger Talente haben vor Walter zwar alle als Ziel proklamiert – aber nur Walter hat es wirklich durchgezogen. Vielleicht sollte sich der HSV-Trainer daran erinnern und Meißner irgendwann einmal eine faire Chance geben, ehe er unverrichteter Dinge woanders die Qualitäten unter Beweis stellt, von denen er in Hamburg aus meiner Sicht schon nachgewiesen hat, dass er sie besitzt.
Am Freitag hat Walter mit Alidou neben Glatzel spielen lassen – und das hat nicht funktioniert. Oder anders gesagt: Hier hat die Umstellung Kollateralschäden nach sich gezogen, die letztlich im schwachen Spiel und dem schwachen Ergebnis zu erkennen waren. Neben Faride Alidou vorn in der Spitze ging nämlich auch Sonny Kittel ohne die anspielbaren Außen von Minute zu Minute mehr unter. Bei David Kinsombi von „kollateral“ zu sprechen, wäre in diesem Fall eher schwer, dafür hat er bislang einfach noch nicht wirklich funktioniert. Aber gerade bei einer solchen Umstellung wäre Meißner endlich dran, seine Chance zu bekommen. Und zwar für mehr als nur die Schlussminuten. Aber okay, er weiß schon, was Walter noch mit Meißner vorhat…
Morgen in Köln wird der junge Angreifer wohl wieder dabei sein. Ebenso wie alle anderen, die schon in Dresden mit waren. Der HSV wird zeigen können, ob er aus dem gelernt hat, was in Dresden falsch lief. Und damit meine ich ausdrücklich nicht den Trainer allein. Aber auch ihn.
In diesem Sinne, bis morgen. Dann wieder mit dem MorningCall und am Abend mit dem Spiel sowie dem dazugehörigen Blitzfazit. Bis dahin!
Scholle
P.S.: Zu dem Punkt, weshalb sich das Design hier immer wieder mal zerschießt und welche Schlüsse sich daraus auf mich ableiten lassen, habe ich im Blogkommentarbereich geantwortet. Und dabei würde ich es auch belassen wollen.
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