Spielbericht

Wilde erste Hälfte, starke zweite Hälfte - der HSV siegt zum Abschluss gegen Thessaloniki

Der HSV hat in Österreich seine letzten Einheiten absolviert und das letzte Testspiel gespeilt. Beim 4:3-Sieg gegen den griechischen Erstligisten von Aris Thessaloniki wurde es…

Wilde erste Hälfte, starke zweite Hälfte - der HSV siegt zum Abschluss gegen Thessaloniki

Der HSV hat in Österreich seine letzten Einheiten absolviert und das letzte Testspiel gespeilt. Beim 4:3-Sieg gegen den griechischen Erstligisten von Aris Thessaloniki wurde es noch einmal richtig bunt. Das gefiel laut hörbar nicht allen (Trainer Tim Walters Stimme überschlug sich immer wieder), aber den rund 300 Zuschauern gefiel es durchaus. Sie bekamen schon in den ersten 45 Minuten fünf Treffer zu sehen – einer seltsamer als der andere. „Theo, was ist denn los mit dir“ musste sich Ersatzkeeper und Neuzugang Theo Raab anhören, als er als mitspielender Torwart den Griechen den Ball völlig unbedrängt in die Füße spielte und kurz danach einen Abschlag des gegnerischen Keepers so unterlief, dass Thessalonikis Mancini allein aufs Tor zulief und traf. Aber nicht allein der Keeper, sondern die gesamte Defensivbewegung des HSV in der ersten Halbzeit war eine Katastrophe.

Spielstand nach 45 Minuten: 2:3. Zurecht. Denn neben zwei Fast-Eigentoren und einem Eckball-Gegentreffer (Benes stieg erst gar nicht mit hoch) trafen Glatzel nach Kittel-Querpass und ein Grieche per Eigentor für den HSV, bei dem in den ersten 45 Minuten genauso wenig zusammenlief, wie es in den zweiten 45 Minuten gegen den Conference-League-Qualifikanten besser wurde, nachdem Walter alle elf Spieler durchwechselte. „Das war dann schon ein anderes Spiel“, gestand Kapitän Sebastian Schonlau, der in seinem ersten Spiel nach der Fußreizung heute einen unglücklichen Einstand feierte.

Dennoch gab es von Trainer Tim Walter nach dem Spiel ein paar harte Worte zur ersten Halbzeit, aber insgesamt auch ob der deutlich besseren zweiten Hälfte versöhnliche Worte sowie ein zufriedenes Gesamtfazit, zu dem ich morgen noch etwas mehr erzählen werde. Und: Der HSV hat seinen Härtetest für den schon in zwei Wochen beginnende Saison gefunden. A, kommenden Sonnabend geht es zum FC Basel. Dann soll nicht mehr so bunt durchgewechselt werden wie heute, kündigte Walter bereits an, bis dahin einen Großteil seiner Stammelf gefunden haben. Bis dahin gibt es wie gewohnt an dieser Stelle ein „Blitzfazit light“, das Ihr hier sehen und hören könnt: 

Und während hier in Österreich die Zelte abgebaut werden, wurde in Hamburg die Zusammenarbeit mit einem weiteren Investor in trockene Tücher gebracht. Finanzunternehmer Detlef Dinsel gehört ab sofort neben Marcell Jansen, Michael Papenfuß, Lena Schrum, Markus Frömming, Andreas Peters und Hans-Walter Peters dem siebenköpfigen Kontrollgremium des Zweitligaclubs an. Dinsel, der von 2012 bis 2019 Gesellschafter beim Bundesligaclub FC Augsburg war, ist auf einen entsprechenden Antrag des Vorstands gerichtlich bestellt worden und übernimmt den ruhenden Posten des für ein Jahr vom Aufsichtsrat in den Vorstand entsandten Dr. Thomas Wüstefeld.

Letztgenannter hatte sich auf der Aufsichtsratssitzung auch noch einmal zu den Vorwürfen gegen seine Person geäußert, wie der HSV in einer Pressemitteilung mitteilte. Unter anderem ist in der Pressemitteilung auch zu lesen: 

„Die Aufsichtsratssitzung stand neben dem Einstieg Dinsels primär unter dem Motto „Saison- und Zukunftsplanung“. Vorstand und Kontrolleure tauschten sich detailliert über die sportlichen Planungen und Perspektiven sowie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und finanziellen Möglichkeiten aus, zudem bezog Vorstand Dr. Thomas Wüstefeld Stellung zur jüngsten medialen Berichterstattung um seine Person. 

„Es war eine gute Sitzung mit viel Offenheit und einem sehr konstruktiven Austausch aller Beteiligten“, bilanzierte Jansen. Das Kontrollgremium sprach sich mit Zustimmung des Vorstandes für einen weiteren Ablaufplan aus, in dessen Mittelpunkt die Transformation und Jahresplanungen stehen. „Wir als Aufsichtsrat sind uns einig, dass von allen Seiten noch weitere Fakten zusammengetragen werden müssen, ehe wir die nächsten Schritte einleiten können“, so Jansen.

Pressemitteilung vom HSV

Das könnte man so lesen, als würde der Aufsichtsrat den harten Sparkurs von Wüstefeld zunächst einmal einbremsen, um zu sehen, was davon wirklich notwendig ist. Zudem habe man sich Wüstefelds Version bezüglich der ihm gegenüber erhobenen Vorwürfe angehört und offenbar keinen Grund gesehen, handeln zu müssen. Das werden jetzt einige kritisieren, aber ganz rational betrachtet – und nichts anderes sollen die Kontrolleure – ist das das Einzige, was dem Aufsichtsrat derzeit möglich ist. Denn wie überall zählt auch in diesem Fall das Unschuldsprinzip. Und bis auf Indizien und persönliche Anschuldigungen gibt es aktuell noch keine Fakten, die gegen Wüstefeld sprechen. Dass das Ganze ein Geschmäckle hat und der HSV in der öffentlichen Wahrnehmung wieder unter besonderer Beobachtung steht, ist allerdings ebenso klar.

Das weiß auch AR-Boss und HSV-Präsident Marcell Jansen, der jetzt ein wenig in der Zwickmühle steht. Einerseits muss er seine Funktion als Chef der Kontrolleure ausreichend wahrnehmen und auch den Mann ausreichend überprüfen, den er seinerzeit in den Klub geholt und den er zum Vorstand gemacht hat. Jansen wird mit Sicherheit selbst der öffentlichen Beurteilung ausgesetzt sein. Seine Kritiker werden ihm vorwerfen, dass er bei seinem „Buddy“ Wüstefeld nicht kritisch genug sei. Andererseits muss er seinem Mitarbeiter gegenüber ausreichend loyal sein und aufpassen, dass er seinen angestellten Vorstand nicht zu früh verurteilt. Das schränkt den Bereich, in dem er „richtig“ handelt, stark ein.

So hat der HSV gespielt:

1. Halbzeit: Raab – Heyer, Ambrosius, Schonlau, Muheim – Meffert - Heil, Benes, Bilbija, Kittel  –  Glatzel.

2. Halbzeit: Mickel – Vagnoman, Vuskovic, David, Leibold (83. Andresen) – Opoku, Rohr, Reis, Amaechi (88.Megeed) – Königsdörffer, Meißner

Tore: 0:1 Iturbe (3.), 1:1 Glatzel (8.), 1:2 Mancini (11.), 2:2 Peersman (ET, 22.), 2:3 Peersman (35.), 3:3 Meißner (58.), 4:3 Amaechi (59.)

P.S.: Die DFL hat die Spieltage 3 bis 9 terminiert. Mit Abendspielen für den HSV, wie Ihr HIER sehen könnt. 

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