Wider alle Kritik - Walter zieht sein Ding durch
Trotz der vielen Gegentreffer und mäßigen Punkte-Ausbeute im Saisonendspurt b leibt es wie erwartet beim Alten. Der HSV will seiner Linie treu bleiben. Vor der Partie gegen den…

Trotz der vielen Gegentreffer und mäßigen Punkte-Ausbeute im Saisonendspurt b leibt es wie erwartet beim Alten. Der HSV will seiner Linie treu bleiben. Vor der Partie gegen den offensivstarken Verfolger SC Paderborn trotzte der nachvollziehbar gereizt wirkende Trainer Tim Walter Kritik auf der Pressekonferenz - und denkt nicht daran, sein System im Schlussspurt zu verändern. Er setzt weiter darauf, dass man immer in der Lage sei, genügend Tore zu erzielen, um zu gewinnen. „Im letzten Moment sind wir nicht konsequent genug. Wirhaben teilweise zu wenig Druck von vorne. Es liegt an uns, das noch einen Tick besser zu machen. Wir kommen dazu, uns Chancen zu erspielen, wir kommen dazu, in vielen Situationen konsequent zu verteidigen, wir wollen es aber in allen Situationen“, sagte der 47-Jährige, „und darum sind wir von uns überzeugt und gehen den Weg genauso weiter. Wir denken an das Positive. Nicht so wie vielleicht in Deutschland gang und gäbe ist, erst mal an das Negative zu denken.“
Auch das ist Walter-Style. Bei sich bleiben – und das schreibe ich ohne Häme, sondern im Wissen, dass das viel Gutes haben kann. Und mal völlig losgelöst von der Negativserie zuletzt ist das sicher konsequent – aber eben auch nicht zwingend richtig. Alternativlos ist indes, dass sich Walter nicht von außen treiben lässt. Auch nicht von der zunehmenden Kritik an ihm selbst. „Jeder darf sagen, was er will. Aber ich kriege es gar nicht mit, weil es mich nicht interessiert. Ich konzentriere mich auf den Verein, auf das was wir beeinflussen können. Das ist unsere tägliche Arbeit. Wir wollen den Verein voranbringen, das haben wir über zwei Jahre geschaffen. Deswegen bleiben wir bei uns. Alles andere können wir nicht beeinflussen.“
Ich habe heute länger mit einem HSV-Mitarbeiter über die aktuelle Situation gesprochen, was sehr interessant war. Denn zum einen haben diese eng an der Mannschaft arbeitenden Mitarbeiter einen noch deutlich intensiveren Einblick in das Geschehen. Und logischerweise verteidigen diese Mitarbeiter auch das, was ihnen heilig ist. Fakt ist: Insbesondere in der Rückrunde ist der HSV anfällig in der Defensive: Acht Gegentreffer kassierte die Abwehr um Kapitän Sebastian Schonlau allein in den vergangenen drei Partien. Das ist zweifellos auch Walter zu viel.
Walters Reaktion: Er wird seiner Idee vom mutigen Offensivstil treu bleiben, forderte einfach mehr Entschlossenheit in der Schlussphase des Aufstiegsrennens, „dass jeder Einzelne noch intensiver an seinem Zweikampfverhalten arbeitet“, womit er ein Basisverhalten anspricht. Gegen Paderborn gehe es „darum, dass wir das Spiel bestimmen und das wir dem Gegner unser Spiel aufdrängen“, sagte Walter wie sonst auch jedes Mal. Ob er das Spielsystem ändern würde: „Es hat uns dahingebracht, wo wir jetzt sind. Ich bin Überzeugungstäter Wir sind Überzeugungstäter.“
Paderborn will angesichts der sechs Punkte Rückstand auf den HSV seinerseits im Endspurt der Liga das Aufstiegsrennen noch einmal aufmischen. „Die minimale Resthoffnung ist nach wie vor da. Jeder kann die Tabelle lesen: Wenn man Vierter ist, ist Platz drei nicht mehr weit“, sagte Paderborns Trainer Lukas Kwasniok. „Das Schöne ist: Wir können die Liga spannend machen. Und niemand sonst. Das wissen wir. Und deshalb ist es unser Anspruch und unsere Pflicht der Liga gegenüber, eine absolute Top-Leistung abzuliefern“, fügte Kwasniok hinzu.
Beim HSV wird es nach der Rückkehr von Jonas Meffert, die essenziell ist, darum gehen, wer den gesperrten Bakery Jatta ersetzen soll. „Ihr werdet es nicht erfahren. Wir können möglicherweise die Formation ändern”, deutete Walter an, dass er personell umbauen könnte. Und das wäre angesichts der Partie in Magdeburg auch alles andere als unerwartet. Aber: Dass er sein System umstellt, das hatte er zuvor ja schon ausgeschlossen. Von daher bleibt es ein Kampf der Prinzipien. Und keiner der Vernunft. Leider.
Apropos Vernunft: Die Entscheidung des Schiedsrichters im heutigen Pokalhalbfinale in der 96. Minute den Handelfmeter nicht zu geben, halte ich für vernünftig – aber für falsch, wenn man den Maßstab der teilweise lächerlichen Handelfmeterentscheidungen der letzten Wochen und Monate zugrunde legt. Denn dann war das Handspiel heute schon eher deutlich, wenn auch kaum vermeidbar. Aber der VAR und die Schiri-Zunft wird sich hier nie darauf verständigen können, einen halbwegs nachvollziehbaren roten Faden zu finden, befürchte ich. Aber dazu sicher in den nächsten Monaten an anderer Stelle mit HSV-Bezug mehr.
In diesem Sinne, morgen meldet sich Cornelius mit dem Gegner-Blog und wir uns hier mit einem neuen Video zur Situation vor dem 31 Spieltag. Bis dahin!
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