Analyse

Wenn der Fußball im Mittelpunkt steht: Der FCN kommt!

Wenn ich es grob überschlage, dürfte ich in meiner Zeit als HSV-Reporter rund 500 Spieler im täglichen Umgang kennengelernt haben. Dazu die 25 Trainer samt Trainerteam,…

Wenn der Fußball im Mittelpunkt steht: Der FCN kommt!

Wenn ich es grob überschlage, dürfte ich in meiner Zeit als HSV-Reporter rund 500 Spieler im täglichen Umgang kennengelernt haben. Dazu die 25 Trainer samt Trainerteam, Vorstände, etliche Aufsichtsräte und andere Funktionäre sowie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des HSV. Und gerade einmal ein Bruchteil dieser Menschen mir bis heute in einer sehr sympathischen Art erhalten geblieben – um hier nicht von Freundschaft zu sprechen. Und wenn ich an die Partie des HSV gegen Nürnberg heute Abend denke, kommt einer, den ich richtig gern mag ins Volksparkstadion: Christian Mathenia.

Dazu kommt mit Dieter Hecking ein Trainer ins Volksparkstadion, den ich schätze. Als Typ. Denn Hecking war gerade. Nicht überfreundlich, aber respektvoll. Und wenn man aus seiner Sicht Quatsch erzählte oder schrieb, sagte er das. Kurzum: Er hat gar nicht erst angefangen, auf Kumpelbasis zu agieren, sondern war für mich berechenbar, weil vergleichsweise ehrlich. Zumindest so ehrlich, wie man als Trainer gegenüber Schreibenden und Berichtenden sein kann.

Was ich meine: Andere Trainer haben immer wieder versucht, so zu tun, als würden sie die Journalisten oder zumindest einzelne von ihnen, besonders schätzen. Sie haben versucht, eine Bindung aufzubauen, die den Grad der Kritik in der Berichterstattung über ihn dämpften. Nicht selten auch mit Erfolg. Hecking hatte das nicht nötig. Er zog sein Ding durch und es schien ihm egal, ob wir das gut fanden oder kritisierten. Kein Heckmeck, kein Geschöne, kein falsches Drama. Einfach Fußball. Das mochte ich. Seinen Fußball dagegen fand ich ebenso eindimensional wie den von Walter – nur noch ausrechenbarer.

Hecking zog all seine Qualität aus der der Mannschaft, bzw. der einzelnen Spieler. Er reagierte während der Spiele für mich in den allermeisten Fällen völlig unnachvollziehbar. Seine Wechsel verstand ich fast nie. Und taktisch war/ist Hecking trotz der vielen Jahre als Trainer eher, sagen wir es so: von seinem System sehr überzeugt. Und deshalb bin ich auch für das Spiel morgen im Volksparkstadion optimistisch – also aus HSV-Sicht.

Dass Hecking aus dieser Rückkehr nichts Übermäßiges kreiert, es spricht für die Art, die mir an Hecking gefällt. Das Kapitel HSV ist für ihn eher abgehakt. „Das ist jetzt überhaupt nichts Besonderes mehr. Ich werde jedes Mal, wenn ich gegen den HSV spiele, danach gefragt“, sagte der ehemalige HSV-Coach auf eine Frage zum Verhältnis zu seinem ehemaligen Verein. Er habe sich in seinem Jahr als HSV-Trainer wohlgefühlt und kenne auch noch den ein oder anderen Spieler, „aber das ist bei mir bei allen Vereinen so.“ Und Hecking hat so einige Ex-Vereine

Überhaupt: Dass der Vater von fünf Kindern noch mal auf dem Trainerstuhl sitzt, war so nicht vorgesehen. Deshalb war er als Sportvorstand zum 1. FC Nürnberg gewechselt. 

Fast drei Jahre später ist er als Coach Gegner im Volkspark. Und die Ausgangslage könnte unterschiedlicher kaum sein. Während der HSV mal wieder um den Aufstieg mitspielt, richtet sich der Nürnberger Blick in Richtung Tabellenkeller. „Die Tabelle lügt nicht. Die müssen schon gut sein, wenn sie da oben stehen“, sagte Hecking und fügte den gestern zitierten Satz an, dass man den HSV aber auch nicht größer als nötig machen müsse. Die individuelle Qualität der Spieler sei zwar unumstritten, aber die letzten Wochen hätten gezeigt, dass ihre Gegner auch zu Chancen kommen, so Hecking. Übrigens: Beim letzten Nürnberger Auswärtssieg im Volkspark hieß der FCN-Coach auch Dieter Hecking - 2012 gewannen die Franken im Norden 1:0. Ein Ergebnis, das wir heute hoffentlich vermeiden können.

Personell jedenfalls deutet vieles darauf hin, dass der HSV mit Trainer Tim Walter wieder in Bestbesetzung antreten kann – die Gelbsperre für Moritz Heyer ebenso ausgeklammert wie die Dopingsperre für Vuskovic selbstverständlich. Auch Bakery Jatta meldete sich heute gesund zurück und dürfte – sofern er heute pünktlich ist – dabei sein. Ob er von Beginn an spielt? Ich würde es machen, sofern er wirklich komplett schmerzfrei ist. Die Frage ist nur, wen man dafür draußen lässt. Jean Luc Dompé, der mit seinem Eins-gegen-Eins auf engem Raum Lücken schafft? Oder den robusten Sprinter Ransford Königsdörffer? Schwer zu sagen. Beide haben in den letzten Spielen Argumente geliefert. Aber so, wie ich HSV-Trainer Tim Walter einschätze, tippe ich darauf, dass bis auf Heyer die Startelf der Vorwoche aufläuft. Oder wie würdet Ihr aufstellen?

Ich freue mich jedenfalls auf das Spiel mit dem Widersehen – aber nicht deswegen. Ich freue mich auf Noah Katterbach von Beginn an und darauf, dass das Stadion ausverkauft sein wird. Allein Letztgenanntes reicht mir zwar nicht, um das Spiel toll zu finden – aber es ist eine Basis, die kein anderer Klub in dieser Liga so vorweisen kann.

In diesem Sinne, hoffen wir mal, dass der HSV heute die Defensive in den Griff bekommt und hinten wieder an Stabilität gewinnt.

Bis später, Scholle

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