Weniger andeuten, mehr machen - und das jetzt!
Geht tatsächlich schon wieder die Puste aus? Beim Dusel-1:1 bei Fortuna Düsseldorf rettete Glatzel zwar einen überaus glücklichen Punkt. Ansonsten aber lieferte das leblose…

Geht tatsächlich schon wieder die Puste aus? Beim Dusel-1:1 bei Fortuna Düsseldorf rettete Glatzel zwar einen überaus glücklichen Punkt. Ansonsten aber lieferte das leblose HSV-Spiel viel Grund zum Nachdenken – und wenig Grund zur Freude. Denn auch dieser eine, glückliche Punkt in der Schlusssekunde könnte im Aufstiegskampf zu wenig sein. „Der HSV ist nie tot. Das hat er über viele Monate gezeigt. Die Mannschaft ist widerstandsfähig und auch heute zurückgekommen“, lobte der frühere HSV- und aktuelle Fortuna-Coach Daniel Thioune die Moral seines Ex-Teams zwar. Doch der erschreckend maue Auftritt einer Truppe, die gerade um ihre wohl letzte Chance zur Rückkehr in die Erstklassigkeit in dieser Saison kämpft, gibt kaum Anlass zu Optimismus. Im Gegenteil.
„Wir haben heute kein gutes Spiel gemacht. Wir haben zu keiner Zeit das auf dem Platz bekommen, was wir uns vorgenommen haben. Wir waren zu behäbig, hatten wenig Energie und Power in unserem Spiel“, musste der sonst so positiv gestimmte Thioune-Nachfolger Tim Walter zugeben. „Wir bleiben bei uns“, sagt er zwar immer wieder – aber in Düsseldorf stand das Team nicht zum ersten Mal eher neben sich. Und nimmt man die mäßige Ausbeute von zwei Punkten aus den jüngsten vier Spielen zum Maßstab, dann hat der HSV im verbliebenen Sechskampf um den Aufstieg sogar die schlechtesten Aussichten. Derzeit beträgt der Rückstand auf Platz drei bereits sechs und auf einen direkten Aufstiegsrang sogar neun Zähler. Das nächste Spiel gegen den SC Paderborn wird – wie man es soft sagt – zu einem richtungsweisenden Spiel.
Meffert nicht zu ersetzen? Kittel und Kinsombi schwächeln weiter
Vor allem auch inhaltlich. Denn dieser HSV aus dem Düsseldorf-Spiel hatte so gar nichts mit dem HSV gemein, der mich zuletzt begeistert hat. Defensiv wackelig, im Mittelfeldzentrum ohne Ideen und nach vorn eigentlich gar nicht vorhanden – das sind Attribute des Scheiterns. So sehr Thiounes Worte einigen HSVern auch Mut machen, so enttäuschend stellt sich die Wirklichkeit dar. Denn in dieser fehlte mit Jonas Meffert der einzige Mittelfeldspieler mit konstanten Führungsqualitäten. Ludovit Reis war zudem sehr gewillt – aber oft auch zu wild. Ansonsten aber gab es nichts, was mich hoffen lässt, dass es schnell besser wird. Denn sowohl der eingewechselte David Kinsombi – wie man so eine 1-Million-Prozentchance so kläglich vergeben kann, bleibt für immer sein Rätsel! – als auch noch viel mehr der in der Hinrunde so starke, gefestigt wirkende und vom Trainer als Führungsspieler gefeierte Sonny Kittel übernahmen die Verantwortung, die sie einfach tragen müssen. Im Gegenteil: Beide scheinen damit mal wieder absolut nicht klarzukommen und wirkten überfordert.
Mal wieder muss man leider dazu sagen. Immerhin scheint den Profis klar zu sein, was sie verbockt haben.„Der Punkt ist mehr als glücklich und das einzig Positive an diesem Spiel, resümierte Torjäger Glatzel nach der Partie korrekt. „Es war die schwächste Halbzeit der Saison. Heute hat vieles gefehlt. Wir haben überhaupt nicht das zeigen können, was uns auszeichnet. Wir waren zu langsam, haben kaum Chancen kreiert, die Zweikämpfe nicht konsequent geführt. Düsseldorf hat uns vorgemacht, wie es geht.“ Stimmt. Ebenso wie das Resümee des HSV-Kapitäns: „Heute überwiegen die negativen Aspekte“, meinte Kapitän Sebastian Schonlau selbstkritisch. „Wir sind enttäuscht und müssen das Spiel aufarbeiten. Wir haben nun zwei Wochen Zeit, müssen im Training alles reinhauen und am besten nicht mehr nachdenken“, sagte der Abwehrchef.
Allein die „absolute Willensleistung“ (Walter), nach dem späten 0:1 durch Adam Bodzek (85.) die fünfte Saisonpleite zu verhindern, lässt eine Rest-Hoffnung. Sagt Walter: „Für uns spricht, dass wir bis zum Ende an uns glauben und uns noch belohnt haben. Wir sind froh darüber, weil wir sehen, dass die Jungs immer weitermachen.“ Und das stimmt. Diese Moral ist auch einer der Aspekte, die mich weiterhin an eine grundsätzlich positive Entwicklung glauben lassen. Aber immer wieder von Entwicklungen im Konjunktiv zu sprechen wird nicht reichen. Sätze wie die von Sportvorstand Jonas Boldt nach der Düsseldorf-Partie („Wir haben aktuell vielleicht keine einfache Phase, aber für die Moral bringt uns der Punkt eine ganze Menge“) reichen einfach nicht mehr. Sie sind gut gemeint und richtig aus HSV-Sicht. Aber parallel dazu muss allen klar, dass der HSV mehr machen muss, er muss endlich Dinge umsetzen – nicht mehr nur andeuten. Soll heißen: JETZT ist die Phase, in der sich zeigt, wer beim HSV wirklich bereit für Verantwortung ist. JETZT müssen Führungsspieler führen – und zwar zu Siegen in Spielen gegen Teams, die schwächer sind.
Der HSV muss jetzt liefern, wenn nicht alles vorbei sein soll
Und ohne das respektlos zu meinen: Diesen Anspruch, besser zu sein, muss der HSV in allen letzten acht Saisonspielen gegen Paderborn, Aue, Kiel, Karlsruhe, Regensburg, Ingolstadt, Hannover und Rostock haben. Fakt ist aber eben auch, dass dieser HSV jedes einzelne dieser acht Spiele verlieren kann und wahrscheinlich auch wird, wenn er so auftritt wie zuletzt gegen Werder, Nürnberg und Düsseldorf. Und eines sollte auch klar sein: Punktverluste kann sich der HSV nicht mehr erlauben. Davon hat er sich schon zu viele geleistet. Es ist nicht mehr so, dass der HSV eine Serie starten SOLLTE – er MUSS jetzt eine Serie starten, wenn er nicht schon vorzeitig alle seine Aufstiegshoffnungen begraben will.
Von daher: Crunchtime, lieber HSV! Aber diesmal nicht mehr nur theoretisch – sondern in echt…
Scholle
P.S.: Miro Muheim ist vom HSV aus dem Leihgeschäft heraus fest verpflichtet worden und hat einen vertrag bis 2025 unterschrieben. Der Linksverteidiger sprach heute über seinen neuen Vertrag:
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