Wehmeyer - die unterbewertete Konstante beim HSV
Die Gefahr, dass sich der HSV in interne Machtkämpfe verstrickt, ist immer gegeben. Mal mehr – mal weniger. Klar. Und angesichts der bevorstehenden Wahlen zum neuen Präsidium…

Die Gefahr, dass sich der HSV in interne Machtkämpfe verstrickt, ist immer gegeben. Mal mehr – mal weniger. Klar. Und angesichts der bevorstehenden Wahlen zum neuen Präsidium des HSV e.V. ist die Gefahr gerade wieder etwas größer. Dass sich alle Bewerber bis zum letzten Tag der Meldefrist Zeit ließen, deutet auch darauf hin, dass hier eher nicht mit offenen Karten gespielt wird. Zumal bis auf Marcell Jansen bis heute niemand öffentlich zu seiner Bewerbung bekannt hat. Jansens Team mal ausgeschlossen. In dem ist auch Bernd Wehmeyer. Und der Klubmanager der HSV AG möchte als designierter Vizepräsident des HSV e.V. keine internen Machtkämpfe mehr aufflammen lassen. „Mein Ziel ist es, dass der HSV in absehbarer Zeit wieder mit einem gewissen Respekt und vor allem als ein Verein wahrgenommen wird. Ich möchte für Nachhaltigkeit und Kontinuität stehen“, sagte der 69 Jahre alte Ex-Profi und heutige Clubmanager meinen ehemaligen Kollegen vom Hamburger Abendblatt.
Wehmeyer wurde im „Team Jansen“ als einer seiner Vizepräsidenten benannt. Er freue sich sehr, dass er in Wehmeyer, mit dem der HSV als Profi unter anderem dreimal deutscher Meister und 1983 Europapokalsieger der Landesmeister geworden ist, und Michael Papenfuß „zwei weitere HSVer für eine Team-Kandidatur hinzugewinnen konnte“, betonte Jansen, dem damit ein Team zur Seite steht, das neben Kompetenz auch Stimmen mit sich bringt für die Wahl des neuen Präsidiums, das am 7. August auf der Mitgliederversammlung in der Hansestadt gewählt wird. Grund dafür waren die Rücktritte Mitte Februar von Jansen sowie dessen Vizepräsidenten Thomas Schulz und Moritz Schaefer. Vorausgegangen war ein monatelanger Richtungsstreit um die Ausrichtung der Fußball-AG. In dieser ist Wehmeyer als Klubmanager zwar angestellt, laut den Statuten und der Satzung sei eine AG- und die ehrenamtliche e.V.-Tätigkeit aber möglich, erklärte Wehmeyer.
Wehmeyer ist in seiner jetzigen Funktion wichtig für den HSV
Wehmeyers Ziel nehme ich ihm so zu 100 Prozent ab: „Ich möchte als Bindeglied zwischen AG und e.V. fungieren“, sagte er. Aber bei allem Respekt vor einem der verdientesten HSV der letzten Jahre befürchte ich, dass der Interessenkonflikt vorprogammiert wäre. Als Vizepräsident des e.V. hätte er Einblick in Verträge von Mitarbeitern, mit denen er zusammenarbeitet – und vor allem auch in Verträge derer, die ihm vorgesetzt sind. Mein erstes Gefühl war bei Wehmeyer genau so, wie bei Horst Hrubesch, als dieser zum Interimscoach wurde: Hoffentlich gerät er nicht zwischen die Mühlen derer, die es eben nicht nur gut mit dem HSV meinen…
Denn Fakt ist: In seiner aktuellen Funktion als Repräsentant des HSV hat Wehmeyer in den letzten Jahren immer wieder entscheidende Kontakte zu (Werbe-)Partnern des HSV geknüpft und gehalten. Allein bei Fly Emirates war Wehmeyers Engagement schon entscheidend. Dass sich andere auf die Fotos drängten – ein altbekanntes HSV-Problem. Und der Grund dafür, weshalb der eher ruhige, selten extrovertierte Wehmeyer von viel zu vielen in und um den HSV herum dauerhaft unterschätzt wird. Schon deshalb würde ich es Wehmeyer gönnen, mehr im Rampenlicht zu stehen. Ich würde mich für ihn und den HSV freuen, wenn er zum Entscheider befördert würde – denn genau das hätte er schon seit vielen Jahren mehr als verdient. Allein deshalb kann ich Jansen zu dieser Wahl nur beglückwünschen. Andererseits trägt Jansen hier auch eine Verantwortung. Denn Wehmeyer der AG zu entreißen würde diese zuallererst einmal schwächen.
Kaderplanung noch lange nicht abgehakt
Apropos: Bislang ist der HSV in Sachen Kaderplanung noch nicht entscheidend vorangekommen. Gerade offensiv fehlen dem HSV weiter Alternativen zu den Abgängen bzw. insbesondere dem Abgang von 24-Tore-Mann Simon Terodde. Inzwischen hat nach Serdar Dursun, der in die Türkei wechselt, auch Stürmer Philipp Hofmann nicht zum HSV wechseln. Der 28-Jährige wolle den Zweitligisten Karlsruher SC auch nur im Falle eines Angebots aus der Ersten Liga verlassen. „Wenn ich wechsle, dann nur eine Liga höher. Innerhalb der Liga macht das für mich keinen Sinn. Hier haben wir einen guten Zusammenhalt in der Mannschaft“, sagte der 28-Jährige nach dem KSC-Trainingsauftakt den „Badischen Neuesten Nachrichten“.
Ein Wechsel zum HSV, der im vergangenen September ein Thema war, ist demnach keine Option mehr. Wobei die Begründung natürlich Schwachsinn ist. Hofmann wollte sehr gern zum HSV. Und der HSV wollte ihn. Bis Tim Walter zum HSV kam und andere Vorstellungen in Sachen Wunschstürmer äußerte. Von daher kommt der wahre Grund bei Hofmann erst etwas später zum Tragen: „Ich glaube, ich würde mich da auch nicht richtig wohlfühlen, weil der Trainer auch nicht so gut zu mir passt.“
Kann sein. Sicher ist aber auch, dass Walter klare Vorstellungen hat – und diese zumeist auch durchsetzt. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis Walter sein Team komplett hat, nachdem heute bekannt wurde, dass Jungprofi Ogechika Heil erst einmal zum niederländischen Erstliga-Aufsteiger Go Ahead Eagles Deventer verliehen wird. Heil hatte seinen Vertrag gerade erst im April beim HSV bis 2024 verlängert und soll in der Eredivisie Spielpraxis sammeln.
In diesem Sinne, bis morgen. Ich freue mich jetzt auf spannende Spiele bei der EM. Und ich hoffe, Ihr habt einen nicht minder schönen Abend vor Euch!
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