Analyse

Was war das, HSV? Glücklicher Punkt nach ganz schwacher Derby-Leistung

Ich werde zu diesem Spiel nicht viel schreiben, weil der HSV sich keine Worte verdient hat. Dass man hier am Ende mit einem 2:2 nach einem 0:2-Rückstand noch einen Punkt…

Was war das, HSV? Glücklicher Punkt nach ganz schwacher  Derby-Leistung

Ich werde zu diesem Spiel nicht viel schreiben, weil der HSV sich keine Worte verdient hat. Dass man hier am Ende mit einem 2:2 nach einem 0:2-Rückstand noch einen Punkt mitnimmt, das müssen sich die Spieler des FC St. Pauli mehr vorwerfen lassen, als dass es sich die HSV-Spieler und Verantwortlichen auf die eigene Fahne schreiben dürfen. Denn der HSV tat über die gesamten 90 Minuten nie auch nur annähernd das, was man in einem Stadtderby machen muss. Im Gegenteil: Statt zumindest körperlich alles in die Waagschale zu werfen, haute man sich mit versuchtem Kurzpassspiel (fka „Walter-Fußball“) das 0:2 sogar selbst rein. Und das in einer Phase des Spiels, wo der FC St. Pauli alles im Griff hatte. Vor allem den offensiv null stattfindenden HSV.

Dass sich die HSV-Verantwortlichen dieses Spiel tatsächlich noch ein Stück weit schönreden wollten (Walter: „Umso bemerkenswerter ist es, wie wir zurückgekommen sind. Da bin ich sehr stolz auf meine Mannschaft“) ist längst nicht mehr komisch, sondern inzwischen für mich ein fatales Zeichen. Ein fatales Zeichen dafür, dass dieser HSV den Fokus auf die für den Aufstieg zwingend notwendige Leistungskultur verloren hat. Ebenso wie Trainer Tim Walter heute gegen den FC St. Pauli taktisch nicht gegenhalten konnte, wussten die Spieler auf dem Platz nicht, wie sie sich wehren sollten. „So wie wir zurückgekommen sind mit den beiden Toren - Hut ab!“, lobte ein ansonsten im Interview auch kritischer Sportvorstand Jonas Boldt. Aber wen wundert es, dass ausgerechnet die vermehrt in der Kritik stehenden Walter und Boldt nach diesem Spiel noch am meisten lobenden Worte fanden, während Spieler wie Robert Glatzel und Daniel Heuer Fernandes die Leistung der eigenen Mannschaft kritisierten…

Ich habe bis zum Treffer zum 2:2 viele Whattsappnachrichten und Sprachnachrichten bekommen von HSV-Fans, die ansonsten unerschütterlich sind. Alle kotzten sich über das schwache HSV-Spiel aus und die meisten vermuteten sogar Tim Walters letzten Arbeitstag. Und ich kann nur hoffen, dass die Diskussion um fehlende Entwicklung und damit auch über Tim Walter als Trainer – ich sehe den HSV sogar in einer deutlich nach unten orientierten Leistungskurve - nicht durch diesen glücklichen Punktgewinn verhallt. Denn sie muss geführt werden. Und zwar intensiver denn je.

Achja, für alle, die jetzt wieder kommen mit „gegen solche individuellen Fehler wie beim 0:2 kann man doch nicht den Trainer verantwortlich machen!““: DOCH, das kann man! Denn der Trainer fordert dieses beknackte Kleinklein-Spiel hinten raus seit Jahren, er fordert derlei Kurzpass bei einem Flachabstoß – und damit provoziert er solche Fehler mit. Grobschlächtige und mit zweifelsfrei auf anderen Ebenen liegenden Qualitäten ausgestatten Spielern wie Ambrosius und Ramos dieses Kurzpassspiel zu fordern ist in etwa so, als würde man William Mikelbrencis und Levin Öztunali in einem solchen Spiel in einer entscheidenden Phase die rechte Seite besetzen lassen.

Fazit: Dieser HSV steht nicht auf Tabellenplatz zwei (Stand vor dem Spiel Holstein Kiels), „weil“ man Tim -Walter-Fußball spielt, sondern trotzdem man diesen Fußball spielt…

So, ich mache jetzt Wochenende und lenke mich mit meinen Kindern und schönen Ausflügen ab. Euch allen wünsche ich ebenfalls ein schönes Wochenende!! Bliebt gesund!

Scholle 

DIE ZAHLEN ZUM DERBY:

FC St. Pauli: Vasilj - Wahl, Smith, Mets - Saliakas (67. Ritzka), Irvine, Hartel, Treu - Metcalfe (86. Maurides), Eggestein (80. Afolayan), Saad (67. Amenyido)

HSV: Heuer Fernandes - Van der Brempt (75. Mikelbrencis), Ambrosius, Ramos, Muheim - Poreba (46. Dompe, 90.+3. Nemeth), Meffert, Benes - Königsdörffer (80. Öztunali), Glatzel, Pherai

Tore: 1:0 Irvine (15.), 2:0 Heuer Fernandes (ET, 27.), 2:1 Glatzel (58.), 2:2 Pherai (60.)

Zuschauer: 29.153 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)

Gelbe Karten: Wahl / Ramos, Meffert, Mikelbrencis

TRAINERSTIMMEN ZUM SPIEL:

Tim Walter: Es war ein rassiges Spiel, das wir bis zum Gegentor ganz gut kontrolliert haben. Wir haben uns nicht clever angestellt, auch wenn ein klarer Körperkontakt dabei war. Danach war etwas der Wurm drin und kurz drauf kassieren wir das zweite Gegentor der Marke Slapstick. In der Halbzeit ging es dann nur darum, Lösungen zu finden - und das ist uns gelungen. Wir haben taktisch etwas angepasst und die beiden Tore schön herausgespielt. Anschließend war es ein Abnutzungskampf auf einem nicht leicht zu bespielenden Platz. Wir freuen uns über diesen Punkt.  

Fabian Hürzeler: Es fühlt sich schlecht an. Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft, waren sehr aktiv, speziell in der ersten Hälfte. Das 2:0 war verdient und dann haben wir mehrere Chancen, um das dritte Tor zu erzielen. Dann wäre das Spiel anders gelaufen. Wir sind auch in die zweite Hälfte gut reingekommen. Die zwei Tore des HSV entstehen dann aufgrund von individueller Qualität und fallen aus unserer Sicht zu einfach. Es ist enttäuschend, nach 90 dominanten Minuten nur mit einem Punkt dazustehen. Wir wollten den Sieg, werden es aufarbeiten und daraus unsere Schlüsse ziehen. 

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