Was Benes' Abschied für den HSV bedeutet - Karabec ist da!
Es hatte sich bereits nach dem erneut verpassten Aufstieg abgezeichnet. Während Robert Glatzel und mutmaßlich auch Ludovit Reis für eine weitere Saison im Volkspark spielen,…

Von Robert Hoyer
Es hatte sich bereits nach dem erneut verpassten Aufstieg abgezeichnet. Während Robert Glatzel und mutmaßlich auch Ludovit Reis für eine weitere Saison im Volkspark spielen, wird Laszlo Benes in die erste Liga zu Union Berlin wechseln. Benes macht von seiner Ausstiegsklausel gebrauch, die je nach Quelle zwischen schnäppchenhaften 2-3 und marktwertgerechten 5-6 Millionen liegt. Damit verlässt der vermutlich beste Spieler der vergangenen Saison den HSV. 13 Tore und 11 Vorlage sprechen für sich und sind die logische Empfehlung es eine Liga weiter höher zu versuchen. Im Folgenden möchte ich einmal aufzeigen, was Benes Abgang für den HSV bedeutet und wie man mit diesem Verlust umgehen kann.
Zunächst einmal verliert der HSV seinen torgefährlichsten Mittelfeldspieler. 13 Tore sind ein stolzer Wert - zweitbester Torschütze aus dem Mittelfeld ist Jatta mit gerade einmal fünf Treffern. Dabei überzeugte Benes vor allem mit seiner starken Schusstechnik, welche den HSV in dem ein oder anderen Spiel wieder auf Kurs brachte. Zudem zeichnete ihn die Qualität von starken Vertikalpässen aus, die gerade in Baumgarts System mit mehr Tiefe im Vergleich zu Walter von entscheidendem Vorteil sein kann. Bis heute unverständlich, warum Benes in Düsseldorf auf einmal als Flügelspieler auslaufen sollte – die Folge: 0 Schüsse aufs Tor. Mit seinen spielerischen Qualitäten ergänzte sich Benes zudem lange sehr gut im Dreiermittelfeld mit Abräumer Meffert und Box-to-Box Spieler Reis, die die „Drecksarbeit“ für den eher langsamen Benes übernahmen. Benes Profil als vertikaler Spielmacher wird im aktuellen Kader fehlen. Die anderen offensiven Mittelfeldspieler Suhonen und Pherai sind weniger Strategen, sondern quirlige Dribbler.
Für Letzteren könnte Benes Abgang jedoch eine Chance sein. Während der Verletzung von Ludovit Reis spielten Benes und Pherai oft zusammen die Doppel-8. Ein Mismatch, da beide Spieler offensiv denken und Pherai nicht Benes Arbeiter sein konnte. Dennoch musste Pherai mehr defensive Aufgaben übernehmen und konnte nicht wie in Braunschweig mit allen Freiheiten aus der 10er-Position heraus auf die gegnerische Abwehr zulaufen. Diese 10er-Position, die es unter Walter nicht gab (ein Schelm wer sich fragt, warum Pherai dann überhaupt für Walter verpflichtet wurde), könnte nun unter Baumgart vakant werden. In einem 4-4-2 mit Raute könnte beispielsweise Meffert den alleinigen 6er spielen. Auf der Acht würden Reis als klassischer Box-to-Box Spieler und Poreba als zweikampfstarker und passsicherer 8er die Halbpositionen übernehmen. Pherai würde hinter zwei Spitzen (bspw. Glatzel und Königsdörffer) seine Freiheiten bekommen und könnte nach einem Jahr Anlauf endlich durchstarten (Benes erging es ja nach einem ersten durchwachsenen Jahr nicht anders). Ein 4-4-2 mit Raute wäre für Benes übrigens nicht passend, da er für die Halbpositionen läuferisch zu schwach ist und auf der 10 das Spiel zu wenig vor sich hat. Dieser Systemwechsel ist nur eine Idee, für die der Kader auch noch Verstärkungen bräuchte - gerade was einen Herausforderer für Meffert und einen weiteren Stürmer für die Doppelspitze angeht. Jatta und Dompe hätten zudem kein passendes Positionsprofil.
Einen weiteren Vorteil hat Benes Verkauf übrigens noch. Mit den Einnahmen könnte man vielleicht endlich die seit Jahren bestehende Baustelle auf der Rechtsverteidigerposition langfristig lösen. Zurzeit stehen dafür nominell nur Oliveira und Mikelbrencis zur Verfügung (Heyer ist kein RV!). Abschließend können wir Benes nur alles Gute in Bundesliga wünschen und auf ein baldiges Wiedersehen in ebenjener Liga hoffen. Bis dahin bleibt viel zu tun – insofern auch an Stefan Kuntz viel Erfolg für die nächsten zwei Monate – wir werden ihn brauchen.
Vielen Dank für Deine Einschätzungen, lieber Robert!! Inzwischen hat der HSV auch hierauf reagiert und seinen nächsten Neuen verpflichtet: Adam Karabec kommt zum HSV! Der tschechische Mittelfeldspieler wird von Sparta Prag bis Saisonende ausgeliehen und reist direkt ins Trainingslager nach Schneverdingen. „Mit Adam bekommen wir einen Spieler mit einem sehr spannenden Profil“, sagte Direktor Profifußball Claus Costa. „Dank seiner spielerischen Qualität, seiner Kreativität und seines starken linken Fußes ist er jederzeit in der Lage, für Gefahr zu sorgen.“ Sportvorstand Stefan Kuntz ergänzte: „Wir haben uns schon länger mit Adam beschäftigt und freuen uns sehr, dass es mit dem Transfer geklappt hat.“ Die Pressemitteilung im Wortlaut:
HSV VERPFLICHTET KARABEC
DER 21-JÄHRIGE OFFENSIVSPIELER ADAM KARABEC WECHSELT AUF LEIHBASIS VOM TSCHECHISCHEN MEISTER SPARTA PRAG ZUM HSV UND REIST DIREKT INS TRAININGSLAGER DER ROTHOSEN.
Der Hamburger SV verpflichtet Adam Karabec, der auf Leihbasis vom tschechischen Erstligisten Sparta Prag nach Hamburg wechselt. Bei den Pragern wurde der 21-Jährige im Nachwuchs ausgebildet und feierte für seinen Club bereits im Alter von 16 Jahren sein Profi-Debüt. In der Saison 2023/24 kam der 22-fache U21-Nationalspieler Tschechiens wettbewerbsübergreifend in 30 Partien zum Einsatz, in denen er fünf Tore erzielte und vier weitere vorbereitete. Seit seinem Profi-Debüt im Februar 2020 kam der vielseitige offensive Mittelfeldspieler in der Liga, im Pokal sowie in der Europa League auf insgesamt 141 Pflichtspiel-Einsätze für den AC Sparta Prag, mit dem er in der abgelaufenen Saison das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg feiern konnte.

"Mit Adam bekommen wir einen Spieler mit einem sehr spannenden Profil", sagt Direktor Profifußball Claus Costa (Foto), "dank seiner spielerischen Qualität, seiner Kreativität und seines starken linken Fußes ist er jederzeit in der Lage, für Gefahr zu sorgen. Darüber hinaus hat Adam mit mehr als 150 Einsätzen für Sparta Prag und die tschechische U21-Nationalmannschaft bereits Erfahrung auf nationalem sowie internationalem Parkett gesammelt."
Und Sportvorstand Stefan Kuntz hebt hervor: "Wir haben uns schon länger mit Adam beschäftigt und freuen uns sehr, dass es mit dem Transfer geklappt hat, wobei der Dank für die konstruktiven und zielführenden Gespräche auch seinem Berater Pavel Kuka sowie Spartas Sportdirektor Tomas Rosicky gilt, die ich beide schon seit vielen Jahren kenne."
Karabec selbst, der nach bestandenem Medizincheck und der erfolgten Vertragsunterschrift direkt ins HSV-Trainingslager nach Schneverdingen reist, freut sich auf die neue Aufgabe und hat klare Vorstellungen für seine Zeit in Hamburg: "Der HSV ist ein toller Verein und das Volksparkstadion ist absolut beeindruckend. Ich kann es kaum erwarten, hier zu spielen und hoffentlich auch einige Tore zu schießen. Ich möchte mit meiner neuen Mannschaft so viele Spiele wie möglich gewinnen und mithelfen, das große Ziel des Vereins zu erreichen."
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