Warum lässt Baumgart wie Walter spielen?
Das eine ist, was man mit dem bloßen Auge sehen kann. Das andere ist das, was die Zahlen aussagen. Und gerade bei Letzterem verlassen wir von MoinVolkspark.com uns immer wieder…

Das eine ist, was man mit dem bloßen Auge sehen kann. Das andere ist das, was die Zahlen aussagen. Und gerade bei Letzterem verlassen wir von MoinVolkspark.com uns immer wieder sehr gern auf die Expertise von createfootball.com und dessen Gründer Mats Beckmann. Mit dem habe ich heute mal wieder ausführlich über den HSV sprechen können. Dabei ging es um alles, was aktuell wichtig ist, wie zum Beispiel die taktischen Änderungen Steffen Baumgarts und deren Wirkung, das Problem mit der Offensive und natürlich die Aussichten im Aufstiegskampf. Aber seht selbst:
Und wie versprochen, hat mir Mats die Daten, die er angesprochen hatte, auch noch mal stichwortartig rübergeschickt. So zum Beispiel das, was sich uns auch nach dem Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern so dargestellt hatte, nämlich, dass es ein mehr als glücklicher Sieg war. Denn der FCK hatte über drei xG (expected Goals / Torwahrscheinlichkeit). Mit anderen Worten: Der Sieg des HSV war statistisch mehr als glücklich. Und wenn wir ehrlich sind, sah es auch so aus…
Viel besser war das ZSV-Spiel in Magdeburg nicht. Zumindest nicht bis zur Einwechslung von Jean-Luc Dompé. Diese beiden hatten einen ganz wesentlichen Anteil, dass sich die stringenten Positionsangriffe mit vielen Abschlüssen (nach zuvor unter 20% gegen den FCK nun über 40% abgeschlossener Angriffe) verbesserten. Dompé lieferte nach seiner Einwechslung mit acht von neun gewonnenen Offensivzweikämpfen die Basis und lieferte auch dem ebenfalls eingewechselten Glatzel und dem einzig torgefährlichen Mittelfeldmann, Laszlo Bénes starke Vorarbeiten. Zudem war er deutlich anspielbarer als sein Vorgänger auf Linksaußen, Ransford Königsdörffer.
Insgesamt, und das war ebenso sichtbar wie es sich von den Zahlen belegen lässt, war die linke Seite mit Dompé vor Miro Muheim deutlich stärker. Letztgenannter fand ihn achtmal mit Vertikalpässen. Apropos Muheim: Der wird hinten raus immer mehr zum besten Spieleröffner. Neun von Muheim gespielte Pässe auf Benes waren die Basis für das besser werdende Passspiel unter Steffen Baumgart. Zudem war Benes enorm präsent, empfing viele Pässe, war der Dreh- und Angelpunkt und spielte zudem neun Schlüsselpässe in den letzten 3 Spielen – mehr schaffte sonst niemand.
Was alle diese Zahlen zeigen, ist ein Trend in der Ära Baumgart: Mehr offensive Gefahr aber auch höheres Risiko defensiv. Der FCK und der FC Magdeburg erspielten sich im Schnitt rund 12 Chancen gegen den HSV – bis hierhin ließ der HSV unter Baumgart nur sechs Torchancen pro 90 Min. zu. Oder anders formuliert: Der HSV hat unter Baumgart wieder das Problem, das er schon unter dem auch deshalb geschassten Tim Walter hatte. Baumgart lässt wie Walter spielen – mit einer noch höheren Pressinglinie…
Allerdings gibt es auch Unterschiede zu erkennen. Und nicht nur positive: Zum Beispiel ist die Flankenquote unter Baumgart deutlich zurückgegangen. Gerade einmal 19% statt der zuvor unter Walter 28% kommen an. Wobei man hier festhalten muss, dass das Fehlen Glatzels in den letzten Partien hier maßgeblichen Anteil hatte. Mit Ihm ist die Quote auch für Baumgart etwas besser. Dieser legte zuletzt den Fokus auf Eins-gegen-Eins-Duelle. Königsdörffer, Dompé und Jatta sollen dies erledigen und schafften unter Baumgart zuletzt 23 pro 90 Minuten unter Baumgart, während es unter Walter nur 17 waren.
Die Frage ist aber, warum das so ist. Und hier bin ich mir relativ sicher, dass Baumgart das nicht freiwillig so spielt. Ebenso sicher bin ich mir, dass diese Mannschaft taktisch so festgespielt war/ist auf die Walter-Taktik, dass jegliche Veränderungen zu Unsicherheiten führen. Zudem muss man eingestehen, dass dieser Kader den Ausfall von einem Robert Glatzel nicht verkraftet. Hier wie in der Innenverteidigung wurde im Winter Verbesserung verpasst. Und, wie zu sehen war, ist selbst ein Dompé inzwischen nicht mehr gleichwertig zu ersetzen. Was das über Spieler wie Andras Nemeth und Königsdörffer aussagt, kann sich jeder selbst denken…
Komplimente für Baumgart gibt es aber dennoch – ausgerechnet vom nächsten Gegner Holstein Kiel. Und das auch noch von einem ehemaligen Hamburger, in Hamburg höchst umstritten inzwischen beim Tabellenzweiten die Fäden im Mittelfeld zieht: Lewis Holtby. „Ich kenne Steffen Baumgart nicht gut, aber auffallend ist: Er scheint ein Menschenfänger zu sein, der in Paderborn mit dem Durchmarsch von der dritten Liga in die Bundesliga Sensationelles geleistet hat“, sagte Holtby der „Sport Bild“. Und weiter: „Danach war er lange sehr erfolgreich in Köln, führte den FC in den Europacup. Er gibt einer Mannschaft in kürzester Zeit große emotionale Energie, das sieht man jetzt beim HSV.“ Um auch hier statistisch zu bleiben: In Sachen Laufleistung ist diese Begeisterung noch nicht durchgeschlagen. Hier liegt man auf Rang neun in der Ligatabelle – der FC St.Pauli und Fortuna Düsseldorf führen diese Tabelle an, Holstein Kiel ist vier Ränge vor dem HSV…
Mal sehen, was es am Sonnabend wird. Kleiner Tipp für alle, die das Video noch nicht gesehen haben: Darin verrät Mats, wie er die Startelf aufstellen würde. Mit einer Überraschung, die ich mehr als spannend fände…!
In diesem Sinne,
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