Warum ich Hansa Rostock immer wieder mit Dixi-Klos verbinde
Nach über 13 Jahren treffen der Hamburger SV und der FC Hansa Rostock wieder in einem Pflichtspiel aufeinander. Am 3. Mai 2008 hatte der HSV in Rostock das Nordduell in der…

Nach über 13 Jahren treffen der Hamburger SV und der FC Hansa Rostock wieder in einem Pflichtspiel aufeinander. Am 3. Mai 2008 hatte der HSV in Rostock das Nordduell in der Fußball-Bundesliga mit 3:1 für sich entschieden, nun begegnen sich die beiden Vereine am morgigen Sonntag zum Abschluss der Hinrunde der Zweiten Liga endlich wieder auf Wettbewerbsebene. Und eines vorweg: Ich hätte auf Hansa gern verzichtet, denn ich mag die Stadt Rostock zwar, aber dafür Hansa Rostock nicht. Nicht mehr. Und das aus gutem Grund.
Denn ich war beim ersten HSV-Duell in Rostock kurz nach der Wende dabei und stand im Gästeblock. Zusammen mit drei Kumpels und dem Vater von einem der Dreien sind wir damals nach Rostock gefahren. Und ich hatte mich auf Hansa gefreut, weil ich einen sehr netten Kollegen hatte, der aus Rostock kam und der mir andauernd von seiner Heimatstadt und von der Stimmung im Ostseestadion vorgeschwärmt hatte. Damit hatte er auch gar nicht so Unrecht. Die Stadt an der Ostsee war nett – und im Stadion ging ordentlich was ab. Es war zwar kein schönes Stadion – aber das sollte uns als HSV-Gänger im alten, ungemütlichen Volksparkstadion nicht sonderlich abschrecken. Nein, es passte soweit.
Für den November war es vergleichsweise angenehm, weil trocken. Und im Stadion selbst passte niemand mehr rein. 20.000 Zuschauer waren da – und das alte Stadion damit ausverkauft. Gut für uns und schlecht für die anfänglich gute Stimmung: Der HSV spielte überlegen und ging in Führung. Die legendäre Mannschaft um Dietmar Beiersdorfer hatte eigentlich alles im Griff – im Gegensatz zu uns. Denn wir waren in einem separat abgezäunten Käfig Fuße der Gästetribüne – mit Rostockern links rechts und hinter uns. Keine gute Idee, wie ich fand. Und wie sich am Ende auch herausstellte. Denn während wir während des Spiels noch halbwegs in Ruhe gelassen wurden, mussten wir nach dem Spiel eine der ekelhaftesten Erfahrungen machen, die ich bislang in Fußballstadien gemacht hatte.
Jan Furtok hatte den HSV relativ spät zum Sieg geschossen und der HSV konnte sich im Tabellenmittelfeld etwas von Rostock absetzen. Das wiederum gefiel naturgemäß nur uns Hamburgern – und wir feierten es entsprechend lautstark auch nach Spielschluss. Immerhin hatten wir noch Zeit, da der Stadionsprecher uns angekündigt hatte, dass wir erst ca. 10 Minuten nach Schlusspfiff das Stadion verlassen sollten. Das einzige Problem hierbei: Wir hatten in diesem „Käfig“ auch nicht allzu viele Möglichkeiten. Es war relativ voll und dementsprechend eng, was für die Stimmung gut war, nicht aber für das, was jetzt kam. Im wahrsten Sinne…
Denn das alte Ostseestadion war so angelegt, dass man im oberen Umlauf einmal rundherum laufen konnte, wovon einige Rostock-Ultras Gebrauch machten. Sie kamen zu uns rüber, was an sich schon bedrohlich war. Aber sie kamen nicht, um uns zu vermöbeln, sondern um die oben auf dem Stadionumgang aufgestellten Dixi-Klos die Stufen runterzuwerfen. Und das taten sie. Das erste Dixi-Klo krepierte auf halber Strecke, aber daraus lernten die Hansa-Fans schnell. Und so trafen zwei oder drei Dixi-Klos unten am Zaun an, wo sie aufgingen und die ganze Sch…. In den Käfig lief. Ich glaube ehrlich gesagt, dass ich auch deshalb Dixi-Klos nicht einmal dann mehr benutze, wenn es kaum eine andere Möglichkeit gibt… Da es parallel hierzu vor dem Stadion noch zu einigen Tumulten kam, war es meine erste und letzte Reise nach Rostock. Zumindest als Fan. Als Reporter musste ich noch mal hin, allerdings damals nur zu einem Testspiel ins neue Hansa-Stadion.
Heute geht es für beide Teams geht es sportlich um einiges. Der HSV kann mit einem Sieg Anschluss an die Aufstiegsplätze finden, der Aufsteiger aus Rostock würde mit einem Erfolg den Abstand zur Abstiegszone vergrößern. Schon deshalb dürfte es eine interessante Partie vor den leider nur noch maximal 15.000 Zuschauern werden.
Dass im Vorfeld die Personalien Bakery Jatta und Faride Alidou dominiert haben, haben alle gemerkt. Und die beiden dürften auch gegen Hansa wieder zur Startelf zählen. Nicht dabei ist stattdessen Jonas David. Der Innenverteidiger hat ebenso individuell trainiert wie Stephan Ambrosius, Geburtstagskind Josha Vagnoman (herzlichen Glückwunsch und eine baldige Genesung, Josha!!), Daniel Heuer Fernandes, Maxi Rohr und Miro Muheim. Tom Mickel und Tim Leibold haben ganz gefehlt. Der Rest ist fit für das wichtige Spiel gegen Hansa Rostock, in welchem auch Bakery Jatta und Faride Alidou dabei sein werden. Aufstellungstechnisch erwarte ich keine großen Überraschungen. Ich tippe auf: Johansson – Heyer, Schonlau, Vuskovic, Gyamerah – Meffert – Reis, Kittel – Jatta, Glatzel, Alidou. Oder würdet Ihr anders aufstellen?
Und obwohl ich eigentlich nichts über die Themen Alidou und Jatta heute schreiben wollte, muss ich doch eines loswerden: Ich würde es nullkommanull verstehen, wenn im Stadion gegen Alidou gepfiffen würde. Denn abgesehen davon, dass der Junge gerade einmal 20 Jahre jung und in seiner ersten echten Profisaison ist, wäre selbst der immer wahrscheinlicher werdende Wechsel in die Erste Liga nichts anderes als absolut nachvollziehbar. Finanziell bekommt er das Dreifache geboten – und sportlich ist er dort, wo er als Fußballer immer hinkommen wollte: In der ersten Liga. Dass so ein Theater um seine Person entstanden ist, hat ebenfalls nicht er zu verantworten, sondern seine Vertragssituation, die der HSV komplett verpennt hat. Er selbst war es noch, der im Sommer verlängern wollte, was der HSV ablehnte – das sollten alle diejenigen nicht vergessen, die jetzt Alidion anpöbeln, auspfeifen und Charakterlosigkeit andichten, weil der von anderen Vereinen umworben und den HSV eventuell verlassen wird.
In diesem Sinne, bis morgen! Dann ohne Dixi-Klos und mit einem interessanten Spiel auf Nordduell-Ebene. Ich freue mich darauf. Auch auf Jatta und Alidou. Und natürlich auch auf das Blitzfazit nach der Partie. Bis dahin!
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