Warum Glatzel in Kiel zum Matchwinner werden soll
Robert Glatzel bringt es auf 17 Tore. Der Mittelstürmer ist beim HSV absolut gesetzt und hinter Simon Terodde zusammen mit Guido Burgstaller und Marvin Ducksch auf Rang zwei in…

Robert Glatzel bringt es auf 17 Tore. Der Mittelstürmer ist beim HSV absolut gesetzt und hinter Simon Terodde zusammen mit Guido Burgstaller und Marvin Ducksch auf Rang zwei in der Torjägerliste. Dabei hat Glatzel in der Hinrunde zweifellos einige Torchancen liegen gelassen. Aber, und das wissen tatsächlich alle, die sich nur ein Mindestmaß mit dem HSV und den dazugehörigen Statistiken beschäftigen, Glatzel zählt im Vergleich zu seinen Konkurrenten zu den Arbeitern auf dem Platz. Er holt sich die Bälle tief, verteilt selbst und stand oft tief, anstelle im Sturmzentrum als Abnehmer zu warten. In der Hinrunde definitiv noch mehr als jetzt – was zweifellos auch ein Grund dafür war, dass ihm häufiger in Schlussphasen Kraft und somit Konzentration fehlte. Aber vor allem haben Trainer Tim Walter und Co. das Problem erkannt und Glatzels Aktionsradius ein wenig näher an die gefährliche Zone gelegt.
Ergebnis: Nach acht Toren in der Hinrunde steht Glatzel jetzt schon bei neun Treffern in der Rückrunde – und es sind noch sechs Spiele zu gehen. Trotzdem ist sich Ex-HSV-Torwart und HSV-Kritiker Uli Stein nicht zu schade, den HSV-Angreifer öffentlich anzuzählen.
Trotzdem muss der 28-Jährige Kritik einstecken. Im „Maschinensucher Doppelpass“ auf „Sport1“ haute er ziemlich infundiert einfach mal auf Glatzel ein: „Ein großes Problem in dieser Saison ist, trotz seiner 16 Treffer, Glatzel. Wenn man bedenkt, wie viele Chancen er braucht, um ein Tor zu erzielen. Die Mannschaft kann so schlecht nicht sein und mit einem Mittelstürmer wie Terodde wäre der HSV auf einem Aufstiegsplatz.“ Klar! Das muss ja stimmen, oder? Wartet – NEIN! Denn genau so hatten die Offiziellen im Jahr davor auch gedacht und sind gescheitert. Obwohl Terodde da sogar 24 Treffer erzielte stieg der HSV MIT Terodde nicht auf.
Warum ich das schreibe? Weil ich einfach keinen Bock mehr auf diese Talkshow-Touristen habe. Die setzen sich dahin, werden pauschal als Experten betitelt, weil sie früher mal gut waren. Oder wie im Falle Uli Stein sogar sehr gut. Bei vielen stimmt das sicher auch. Aber eben leider längst nicht bei jedem. Viele so genannte Experten leben nur noch von ihrem Namen, aber ganz sicher nicht von der fachlichen Qualität ihrer Aussagen. Und bei Uli Stein, den ich persönlich kenne und mit dem ich selbst schon zusammen in mehreren Talkshows und TV-Formaten saß, weiß ich, dass er polarisieren will. Er will der harte Uli sein. Das ist bei ihm auch ein Stück weit Imagepflege. Uli haut vor allem gern gegen den HSV raus, nach dem er schon ob seiner HSCV-Vergangenheit sehr oft gefragt wird. Und das leider oft auch, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung davon zu haben, was hier in Hamburg gerade passiert.
Ich glaube nicht, dass beim HSV irgendjemand gekränkt oder genervt ist, nur, weil ein Uli Stein irgendwo rummeckert. Warum auch? Aber ich wollte hier nur noch mal erklären, dass diese Art - von Sport1 in diesem Fall - modernes Klickbait ist. Ich hatte Glück, dass ich in der Zeit unter Jan Haarmeyer beim Hamburger Abendblatt sehr viel Vertrauen entgegengebracht bekam und sich mein damaliger Sportchef auf mich verließ. Ich durfte die Geschichten selbst bestimmen – die Zeile entstand dafür erst nach Fertigstellung der Geschichte. Ein Glück, das einige Kollegen nicht hatten. Denn die mussten nicht selten ihre Geschichten so recherchieren, dass die dazu schon am Morgen gewählten Überschriften passten. Da wurden die Überschriften in der Morgenkonferenz festgelegt, bevor die entsprechenden Gespräche geführt wurden.
Und Fakt ist: Musste es eine besonders kritische Geschichte sein, mussten die Kollegen immer wieder bei den gleichen Herren anrufen. Denn auf große Ex-HSVer wie beispielsweise Manfred Kaltz, Uli Stein, Felix Magath oder auch Uwe Seeler war Verlass. Sie lieferten deftige Aussagen bzw. ließen sie sich auch mal in den Mund legen. Dafür wurde dann suggestiv gefragt in Richtung der Zeile – und kam kein klares Dementi, ging die Zeile durch. Scheiß drauf, ob die Aussagen so stimmte oder nicht. Wichtig war nur, dass sie laut war. So, wie es ein Uli Stein immer ist.
Aber okay, genug der alten Legenden, jetzt steht die Partie bei Holstein Kiel an. Und das wird ein harter Gang für den HSV. „Das waren immer ganz heiße Spiele“, erinnert sich beispielsweise Holstein-Stürmer Fin Bartels, der als einstiger Profi des FC St. Pauli und von Werder Bremen die Rivalität geradezu eingeimpft bekam. Und diese „Denen-werde-ich's-zeigen“-Haltung haben auch andere Profis verinnerlicht. Bei Kiel sind es die die ehemaligen HSV-Spieler Lewis Holtby, Fin Porath, Ahmet Arslan und Fiete Arp. Bei den Hamburgern haben David Kinsombi und Jonas Meffert eine Holstein-Vergangenheit. Nicht zu vergessen HSV-Trainer Tim Walter, der für Kiel in der Saison 2018/19 am Rand das Zepter schwang. „Ich erinnere mich sehr gern an die Zeit, weil ich dort viele nette Menschen kennengelernt und Freunde gefunden habe. Es war 'ne schöne Zeit. Ich komme immer wieder gern nach Kiel. Die See, das Klima finde ich sehr, sehr schön.“
Ob das auch im Spiel für die Atmosphäre auf dem Platz gelten wird, ist offen. Heute hat Schalke gewonnen, Werder und der FC St. Pauli haben sich die Punkte geteilt und somit dem HSV die Chance eröffnet, auf beide zwei Punkte gutzumachen (Darmstadt spielt gerade noch in Nürnberg). Aber: Der HSV kann mit einer Neiderlage auch alles verspielen. Und egal wie oft die Spieler betonen, dass sie nur von Spiel zu Spiel schauen und eh keine Zeitung lesen – alle wissen zu 100 Prozent ganz genau, worum es in diesem und den darauf folgenden fünf Partien geht. Schon deshalb wird morgen einen Menge Dampf auf dem Kessel sein.
Hoffentlich genau so viel (oder noch mehr) wie gegen den FC Erzgebirge Aue. Personell zumindest kann Walter aus dem Vollen schöpfen. Heute hatte er 21 Feldspieler und drei Torhüter im Abschlusstraining, Ergo: Neben Marko Johansson als dritter Keeper müssen noch drei gesunde Feldspieler zuhause bleiben. Einer, der ganz sicher dabei sein wird, ist Robert Glatzel. Und ich würde mir ein zweites A……freuen, wenn er morgen in Kiel trifft und dem HSV somit einen wichtigen Auswärtssieg beschert - und nebenbei seine Kritiker Lügen straft. Wobei: Ich bin mir ganz sicher, dass in dem Moment dann kein Uli Stein befragt wird. Und von sich aus ko0mmen und Glatzel loben wird er auch nicht. Wetten…?!?
Anbei noch mein Startelftipp für morgen: Heuer Fernandes – Heyer, Schonlau, Vuskovic, Vagnoman – Meffert – Reis, Rohr – Jatta, Glatzel, Kittel. Oder was meint Ihr? Wie würdet Ihr aufstellen? In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit der Spielbewertung und dem Blitzfazit nach dem Spiel. Bis dahin wünsche ich Euch alles Gute, bleibt gesund und respektvoll im Umgang!
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