Walter will in Leipzig offensiv auftreten - fällt Glatzel aus?
Ob sich der HSV in eine „Mini-Krise“ spielen wird, wollten die Kollegen der BILD heute wissen. Nach der bislang höchsten Derby-Niederlage und vor dem Spiel beim Pokalsieger RB…

Ob sich der HSV in eine „Mini-Krise“ spielen wird, wollten die Kollegen der BILD heute wissen. Nach der bislang höchsten Derby-Niederlage und vor dem Spiel beim Pokalsieger RB Leipzig darf man auch mit zwei Niederlagen in Folge rechnen, ohne als Schwarzmaler zu gelten. Aber: Man muss so nicht rechnen. Vor allem muss man das nicht zu einer Krise hochstilisieren. Ebenso wenig wie man vorher die Tabellenführung zur sicheren Meisterschaft machen durfte – und beim HSV auch nie gemacht hat. Nein, es ist alles im Rahmen und alles kann – nichts muss passieren. „Es gibt im Fußball immer ein Auf und Ab. Wir gehen unseren Weg weiter, lassen uns jetzt nicht von zwei Spielen und deren Beurteilung von außen beeinträchtigen. Wir bleiben bei uns“, sagte Trainer Tim Walter in gewohnter Manier und wie zuletzt auch betont kämpferisch. „Wir lassen uns von einer Niederlage jetzt nicht umwerfen und malen deshalb nicht alles schwarz. Widrigkeiten gehören im Fußball einfach dazu.“
Leider scheint heute eine ganz entscheidende Widrigkeit dazugekommen zu sein, denn Torjäger Robert Glatzel brach das Training heute vorzeitig ab, weil seine alten Rückenprobleme offenbar wieder aufgetreten sind. Sein Einsatz in Leipzig ist damit allemal gefährdet. Und wie unser Jonathan beim Training heute (leider ohne Video, weil wieder auf dem nicht einsehbaren Platz trainiert wurde) erfuhr, hat sich auch Glatzel selbst nach dem Training eher pessimistisch zu seinen Einsatzchancen geäußert. Sein Ausfall wäre eine Schwächung – aber lieber im Pokal Pause als in der Liga ausfallen. Behaupte ich.
Glatzel bricht Training ab - fällt er aus?
Das allerdings auch aus taktischer Sicht. Denn wie schon im Derby nach der Roten Karte würde ich auch in Leipzig einen schnellen Mittelstürmer inklusive schnellen Außenbahnspielern als durchaus funktional erachten. Denn im Pokal in Leipzig darf man davon ausgehen, dass der Gastgeber etwas mehr Spielanteile haben wird als der HSV. Oder anders formuliert: So realistisch muss man sein. Und genau deshalb bedarf es meiner Meinung nach der Option eines richtig schnellen Sprinters, der mit seinem Tempo im Sturmzentrum auch bei Kontern gefährlich ist. So, wie es ein Königsdörffer sein könnte. Und dass Königsdörffer in Leipzig beginnt, erscheint durch die neue Situation bei Glatzel recht wahrscheinlich. Trotz des schwachen Auftrittes im Stadtderby. Zumal mit Laszlo Benes ein weiterer Spieler aus der letzten Startelf auszufallen scheint.
Ich weiß, dass hier viele den Pokal als genauso wichtig erachten wie die Liga. Ich gehöre ehrlicherweise nicht dazu. Nicht in der aktuellen Situation des HSV, in der ich alles – wirklich alles – dem Ziel Wiederaufstieg unterordnen würde. Dass ich den Pokal trotzdem ernst nehme, selbstredend! Auch morgen in Leipzig würde ich zusehen, die beste Mannschaft auf den Platz zu bekommen. Allerdings hier und da auch mit gesundem Blick auf die Liga. Wie bei Sebastian Schonlau, der heute für zwei Spiele vom Sportgericht gesperrt wurde. Denn obwohl der bei mir absolut gesetzte Stammspieler im DFB-Pokal spielen dürfte, würde ich ihn in Leipzig draußen lassen.
Ich würde Jonas David spielen lassen. So, wie es auch Trainer Tim Walter angekündigt hat. Wobei bei Walter nicht klar ist, an wessen Stelle David in der Abwehr beginnen wird. Anstelle Schonlaus? Oder neben Schonlau? Vielleicht als einer von dreien in der Dreierkette David/Schonlau/Vuskovic? Egal wie, David MUSS meiner Meinung nach spielen, um ihm die Spielpraxis fürs Wochenende gegen Magdeburg und danach in Paderborn zu geben. Denn die Liga bzw. der Aufstieg in die Bundesliga muss (auch aus wirtschaftlicher) aus sportlicher Sicht Priorität haben. Dafür ist es auch wichtig, Spieler „zu aktivieren“, die wichtiger werden.
Trainer Walter bläst zur Offensive in Leipzig
Ansonsten würde ich weiter die Mannschaft spielen lassen, von der ich als Trainer überzeugt bin. Und ich glaube, das wird Walter auch so handhaben. „Wir sind der absolute Underdog. RB Leipzig spielt in der Champions League und ist amtierender Pokalsieger. Wir wissen um die Qualität, die diese Mannschaft hat. Der HSV-Trainer dürfte seiner grundsätzlich offensiven Ausrichtung treu bleiben. „Wir werden unsere Chance suchen und von unserer DNA nicht abweichen. Wir wollen unser Gesicht zeigen. Wir wollen zeigen, wofür der HSV steht: Mut, Wille und Geschlossenheit. Daher freuen wir uns auf dieses Spiel“, so der Trainer des zweifellosen Außenseiters.
Ich mich auch! Und ich werde mich danach wie immer mit der Einzelkritik und dem Blitzfazit bei Euch melden. Hoffentlich mit einer erfreulicheren als nach dem Stadtderby. Vor allem aber hoffe ich, dass ein Robert Glatzel wieder gesund wird/bleibt. Denn in der Liga, in der der HSV in aller Regel der Favorit und daher auch die spielbestimmende Mannschaft ist, hat der HSV keine echte Alternative zu dem Angreifer. Außer vielleicht in Unterzahl… Und im Ernst: Bis morgen!
Scholle
P.S.: Auch ich war enttäuscht vom HSV-Auftritt beim FC St. Pauli, weil ich im Gegensatz zu meiner Beobachtung vorher leider nichts von der richtigen Einstellung zum Derby gesehen habe. Die Rote Karte tat sein Übriges und am Ende stand ein extrem bitteres 0:3. ABER: Wenn ich höre und lese, wie sich einige Ultras aufspielen und in der Spitze der Niveaulosigkeit sogar Spieler und andere HSV-Offizielle bespucken, dann muss ich kotzen. Bei aller Liebe zum fanatischen Anfeuern, bei allem Respekt vor der fantastischen Unterstützung der Ultras für den HSV in den letzten, für die Fans absolut nicht leichten Jahren, haben sie nicht das Recht, sich so zu benehmen. Im Gegenteil: Diese kleine Gruppe von „Fans“, sie sind für mich die echten Verlierer des Derbys.
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