Walter vor Spitzenspiel in Darmstadt: Kinsombi und Reis werden der neue Kittel
Voller Tatendrang und Selbstbewusstsein geht der SV Darmstadt 98 in das Spitzenspiel gegen den HSV. Mit einem Sieg am Sonntag würde der Spitzenreiter den HSV gleich auf acht…

Voller Tatendrang und Selbstbewusstsein geht der SV Darmstadt 98 in das Spitzenspiel gegen den HSV. Mit einem Sieg am Sonntag würde der Spitzenreiter den HSV gleich auf acht Punkte distanzieren. „Wir wollen gegen den HSV aggressiv spielen und wieder zeigen, dass wir Offensivfußball können“, sagte Coach Torsten Lieberknecht auf der Spieltagspressekonferenz. „Wir werden uns gut auf die große Herausforderung vorbereiten, wollen einen mutigen Auftritt hinlegen und das Spiel gewinnen.“
45 Mal haben die Lilien bisher getroffen – mehr als alle anderen Zweitligisten und damit Liga-Bestwert. Phillip Tietz und Luca Pfeifer erzielten jeweils zwölf Treffer, waren allerdings in den vergangenen vier Spielen nicht erfolgreich. „Wir verspüren eine große Freude auf ein Spiel in einer zu dieser Jahreszeit für uns nicht zu erwartenden Konstellation“, sagte Lieberknecht, für den die Freude jedoch auch getrübt ist: „Es stimmt mich sehr traurig, dass nur 1000 Fans dabei sein können. Gerade wenn man sieht, dass in anderen Bundesländern viel mehr möglich ist“, meinte der 48-Jährige. Die 98er hatten vergeblich gehofft, dass eine 50-prozentige Stadionauslastung schon im Schlager möglich ist, aber die neuen Regelungen gelten in Hessen erst ab nächster Woche.
HSV ist am Böllenfalltor noch ungeschlagen
Die Lilien haben übrigens noch nie am Böllenfalltor gegen den HSV gewonnen, im Hinspiel gab es ein aufregendes 2:2 zwischen den Ex-Erstligisten. „Wir haben die letzten Wochen sehr gut genutzt, um uns körperlich in einen optimalen Zustand für die ganzen kommenden Herausforderungen zu bringen. Wir sind so fit, dass wir wortwörtlich bis zum Ende des Jahres spielen könnten“, betonte Lieberknecht. Wobei das nicht für Ex-HSV-Profi Lasse Sobiech (Sprunggelenkblessur) gilt.
Fraglich ist zudem der Einsatz des angeschlagenen Klaus Gjasula, der in der vergangenen Saison noch für den HSV antrat. Bis Trainer Tim Walter ihn aussortierte. „Klaus ist ein sehr, sehr guter Spieler und sehr guter Kerl. Wir sind gut miteinander ausgekommen. Es geht darum, dass er eine Rolle einnehmen muss und dass er sehr viel spielen wollte. Das kann er in Darmstadt, weil die etwas anders agieren als wir. Von daher ist es legitim“, sagte HSV-Trainer Tim Walter heute, als er auf den ehemaligen HSV-Sechser angesprochen wurde, der vor der Saison sogar kostenfrei trotz laufenden Vertrages abgegeben wurde. Verschenkt sozusagen. Aber eben auch abgehakt. Auch das machte Walter deutlich.
Ob Walter lieber aufsteigen oder den DFB-Pokal gewinne. Wollen würde, wurde er heute gefragt. Und die Antwort kam prompt: Langer Weg noch. Fokussieren uns auf das nächste Spiel. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich immer gewinnen will. Aber mich stört das „oder“ in der Frage.“ Auch in Darmstadt wird der HSV-Trainer wieder voll auf Sieg spielen lassen – so viel scheint sicher. Offen dabei ist nur, er die Rolle von Sonny Kittel einnehmen wird, der wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt ist. Der Neue, Giorgi Chakvetadze, wird es nicht. Da hatte ich mich ja schon zu Wochenbeginn festgelegt.
Und Trainer Tim Walter stützte diese These heute noch mal. „Er braucht mit Sicherheit auch noch ein bisschen. Die letzten zwei Jahre nur Negatives erlebt. Er hat sein Potenzial schon angedeutet, man muss aber auch Geduld mit ihm haben.“ Was genau ihm denn noch fehlt? Walter: „Für Einwechslungen ist er schon bereit. Ansonsten braucht man schon eine oder zwei Wochen. Wenn wir ganze Trainingswochen mit ihm hatten, glaube ich schon, dass wir viel Spaß mit ihm haben.“ Wichtig sei, dass man viel mit ihm spricht. Dass man ihm „auch etwas Liebe gibt, was er zuletzt nicht viel hatte“, wie Walter es formulierte. Er wolle seinen Neuen insbesondere im Spiel mit dem Ball Ihm Dinge erklärt, ihm Dinge beibringt und ihn unterstützt. Gerade mit Ball sei der Georgier schon sehr gut, „und darin werden wir ihn unterstützen“.
Walter legt sich auf Kinsombi als Kittel-Ersatz fest
Vielleicht ja mit einer ersten Einwechslung am Sonntag. Und das vielleicht dann für den ersten Kittel-Ersatz, David Kinsombi. Der Ex-Königstransfer wird in Darmstadt beginnen, glaube ich. Und ich hoffe, dass der Trainer richtig liegt mit seiner Einschätzung. Heute ließ er es zwar auf die direkte Frage hin noch offen („Alles möglich. Wir versuchen das, auch über das Team zu steuern. Wie wir das dann genau machen, weiß ich noch nicht“), aber er deutete noch mal mehr als deutlich an, dass er grundsätzlich eine hohe Meinung von Kinsombi hat.
Andererseits hat Walter sehr wohl erkannt, dass Kinsombi beim HSV nach wie vor Probleme hat, seine Leistung abzurufen. „David ist ein Spieler, der sich selber sehr viel Druck macht, der an sich hohe Erwartungen hat. Und wenn er das nicht erfüllen kann, tut er sich sehr schwer damit. Das hat er versucht, ein wenig zu relativieren“, so Walter, der seinen Kittel-Ersatz auf einem guten, weil erfolgreichen Weg wähnt: „Gerade in den letzten Monaten hat er sich brutal weiterentwickelt, was den Kopf anbelangt. Von daher ist er sehr wichtig für uns, das weiß er auch. Freuen wir uns, dass er noch mehr Konstanz in sein Spiel bekommt. Er ist brutal torgefährlich und wir hoffen, dass er noch mehr in die Box reingeht und vor allem sich selbst damit belohnt.“ Und auch hier gilt: Hoffentlich schon am Sonntag…
Da wird neben dem gesperrten Kittel und den verletzten Tim Leibold (Kreuzbandriss) und Jan Gyamerah (Muskelverletzung) auch Mikkel Kaufmann aus, der nach Aussage des Trainers noch „krank“ ist. Vagnoman: Er ist noch nicht so weit. Solange er ausgefallen ist, so viele Wochen braucht er auch. Von daher ist er noch keine Option“, sagt Walter, der damit die Ausfallmonate als Anzahl der Trainingswochen fürs Comeback meinte. Bei Vagnoman sind das nunmehr vier Monate – dementsprechend nach einer Trainingswoche noch drei Wochen bis zum Comeback.
Die beste Abwehr trifft auf den besten Sturm
Bis dahin vertraut Walter weiter auf das zuletzt starke Quartett Moritz Heyer, Sebastian Schonlau, Mario Vuskovic und Miro Muheim. Dieser vier werden es mit dem bislang erfolgreichsten Sturmduo Phillip Tietz und Luca Pfeiffer zu tun bekommen. „Und wir treten als beste Abwehr auf. Im Verbund. Das ist unsere große Stärke“, kontert Walter den Hinweis auf den besten Angriff der Liga und verweist auf die Stimmung innerhalb der Mannschaft, die mir in den letzten Tagen ein paarmal zu häufig (inklusive von mir) gelobt wurde: „Ich habe von Beginn an angesagt, dass mir das zwischenmenschliche Verhältnis am wichtigsten ist. So gehen die Mannschaft und wir die Sache an. Wir haben Leitplanken gesetzt, daran halten sich alle. Ich kann der Mannschaft ein Kompliment machen, dass es jeden Tag Spaß macht, in die Kabine zu gehen. Ich glaube, dass es in der Gruppe einfach passt. Wir gehen gut miteinander um, wollen Erfolg haben - und das spornt uns an.“
Ebenfalls den Teamgeist beschworen hatte heute Ludovit Reis. Und auf den jungen Niederländer freue ich mich seit Wochen immer mehr vor den Spielen. Zu Saisonbeginn hatte ich schon geschrieben, dass es mich ärgern würde, wenn sich der Mittelfeldspieler immer wieder aufs Abräumen beschränken würde, weil er einfach die Fähigkeiten hat, sich effektiv ins Offensivspiel einzuschalten. Seither hat er das mit zunehmender Spieldauer immer mehr - und immer besser gemacht. Ich glaube, dass Reis mit seinen Offensivqualitäten zusammen mit Kinsombi ein gutes Duo ausmachen und das Spiel lenken kann. Die beiden zusammen mit Jonas Meffert, der sich seit jeher als taktischer Organisator auszeichnet, geben ein gutes Trio im Mittelfeldzentrum ab. Zumal Kinsombi (bei aller berechtigter Kritik an ihm) für mich immer noch einer der Mittelfeldspieler mit dem besten Torriecher ist. Er weiß normalerweise, wann er wo zu stehen hat. Hoffen wir mal, dass das auch für Sonntag gilt…
In diesem Sinne, bis morgen. Da wird es an dieser Stelle ein Update zum Kader geben. Ich freue mich jetzt auf ein schönes Fußballwochenende mit drei (TV-)interessanten Zweitliga-Tagen in Folge. Und: Euch wünsche ich erst einmal einen schönen Abend, ein schönes Wochenende und dem einen oder anderen etwas mehr Gelassenheit im Kommentarbereich. Und das ist bitte gleichzusetzen mit einer Warnung an alle, die hier der Meinung sind, andere User abschätzig bewerten und beleidigend bezeichnen zu dürfen. Danke.
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