Analyse

Walter: „Vielleicht müssen wir einfach mal Luft holen“

„Wir sind sehr selbstkritisch, aber wir sind auch sehr selbstbewusst.“ Das sagte Trainer Tim Walter heute auf der Pressekonferenz vor dem nahezu ausverkauften Spiel am…

Walter: „Vielleicht müssen wir einfach mal Luft holen“

„Wir sind sehr selbstkritisch, aber wir sind auch sehr selbstbewusst.“ Das sagte Trainer Tim Walter heute auf der Pressekonferenz vor dem nahezu ausverkauften Spiel am Sonnabend gegen den 1. FC Nürnberg (13.00 Uhr) im Volksparkstadion. Eine „Zwischendelle“ würde Walter nicht wundern – und allzu viele Gründe zur Sorge gibt es nicht wirklich: Im Jahr 2023 ist man weiter ungeschlagen, da gab es schon deutlich schwächere Rückrundenstarts. Und dementsprechend wenig Sorgen hat Walter. Sagt er. „Eine Entwicklung geht nicht immer nur linear, sondern da gibt es Dellen und Kurven“, so der Coach. „Vielleicht müssen wir einfach auch mal Luft holen, um wieder an den höchsten Punkt zu kommen. Es kann gut sein, dass wir an diesem Punkt gerade sind. Wir sind dennoch auf einem hohen Niveau. Und die Ansprüche an uns sind hoch, aber die haben wir selbst so hochgeschraubt, und wir haben auch hohe Ansprüche an uns selbst.“

Worte, bei denen ich mitgehen kann. Derartige Punkte-Pausen gehören selbst bei absoluten Topteams dazu. Dennoch muss man bei allem auch die Konkurrenz im Blick behalten. Und die punktet eben auch. In den direkten Duellen hat der HSV zwar nicht verloren – aber eben auch beide Male nicht gewinnen können. Darmstadt holte aus den ersten fünf Rückrundenspielen 13 Zähler und baute den Vorsprung so auf vier Punkte aus, während Heidenheim einen Zähler weniger als der HSV holte. Und an diesem Sonnabend treffen die beiden Teams im Abendspiel direkt aufeinander. Für den HSV also die Chance, Punkte gutzumachen. 

Aber auch in guten Phasen gilt es, die Probleme zu erkennen und zu beheben. Soweit es geht zumindest. Denn ein Problem in der aktuellen Phase ist, dass sich Jonas Meffert mit Knieproblemen von Spieltag zu Spieltag hangelt und auf dem Platz längst nicht die Form der Hinrunde hat. Und egal wie oft hier Meffert für sein fehlendes Sprinttempo kritisiert wird: Er ist und bleibt die zentrale Figur im Mittelfeld. Er ist das Gehirn im HSV-Spiel und die Schaltstelle zwischen defensive und Mittelfeld. „Jonas ist ein sehr wichtiger Spieler für uns, weil er das Bindeglied zwischen Defensive und Offensive ist. Er ist sehr intelligent, hat immer das große Ganze im Blick und natürlich hilft es uns, wenn er bei 100 Prozent ist“, sagt Walter und richtet den Blick optimistisch nach vorn. Er weiß, dass er mit dieser Phase klarkommen muss. „Wir wollen keine Ausreden suchen, es können auch andere in die Bresche springen.“ Zudem habe er bei Meffert in Darmstadt einen Aufwärtstrend erkannt. „In Darmstadt hat er es wieder ganz ordentlich gemacht.“ Hmm. Geht so.

Fakt ist: Meffert ist nicht der einzige HSV-Profi mit „einer Delle“ im Moment. Sebastian Schonlau und seine Viererkette wirken aktuell nicht sattelfest – was sicher auch in Teilen mit dem wackelnden Mittelfeld zusammenhängt. Ganz vorn hat Robert Glatzel seit zwei Partien nicht mehr getroffen. Dass ich das erwähne, zeigt zum einen, welchen Anspruch der Toptorjäger des HSV bereits weckt. Aber der HSV hängt eben auch an seinen Toren. Obgleich ich glaube, dass Andras Nemeth ein Stürmer ist, der dem HSV in der aktuellen Situation sehr helfen kann.

Ebenfalls helfen konnte bislang Noah Katterbach nach seinen Einwechslungen. Gegen Nürnberg dürfte die Winter-Leihgabe aus Köln von Beginn an spielen. Als Ersatz für den gelbgesperrten Moritz Heyer auf der für ihn als Linksfuß ungewohnten rechten Abwehrseite – aber das dürfte kein zu großes Problem darstellen. Denn der schnelle, zweikampf- und dribbelstarke Linksfuß kennt diesen Seitenwechsel. Und ich freue mich am Sonnabend auch darauf, ihn von Beginn an zu sehen.

Ebenfalls freue ich mich auf Dieter Hecking, den ich als Person in Hamburg sehr geschätzt habe. Ein Mann mit Autorität, der es mit er Mannschaft hätte schaffen müssen – es aber leider nicht zum Aufstieg schaffte. Er kommt als Trainer zurück nach Hamburg und ich werde mich morgen ein wenig seiner Person widmen. Wichtiger als er ist aber eh, was sich beim HSV abspielt. Daher heute nur das, was Hecking über den HSV sagt. Und dem räumt der heutige FCN-Coach und -Vorstand in Personalunion eine hohe Qualität ein. Er sagt aber auch: „Wir sollten den HSV jetzt auch nicht zu groß machen.“ Die letzten Wochen hätten gezeigt, dass es immer wieder Möglichkeiten für Gegner gegeben hätte, um „etwas mitzunehmen.“ Auch da hat er Recht.

Aber ob das für Sonnabend auch gilt? Ich bezweifle es. Und ich hoffe sehr darauf, dass Jatta zum einen am Sonnabend pünktlich zum Treffpunkt erscheint – und zum anderen, dass sein Fuß bis dahin abschwillt. Walter: „Bei Baka war es so, dass er eigentlich nichts hatte und heute morgen dann über Fußschmerzen geplagt hatte. Klinisch war da eigentlich nichts. Er kann auch schon wieder normal laufen, aber wir müssen morgen noch einmal schauen.“

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