Walter verspricht Spektakel und Kühne inszeniert Krawall
Eigentlich sollte hier heute alles dem Spiel am Sonntag gegen Arminia Bielefeld gewidmet werden. Und ich verspreche, der größte Teil wird sich auch um Fußball drehen. Aber…

Eigentlich sollte hier heute alles dem Spiel am Sonntag gegen Arminia Bielefeld gewidmet werden. Und ich verspreche, der größte Teil wird sich auch um Fußball drehen. Aber vorab muss ich mit einem Kommentar aufwarten, den die BILD heute über ihren Hamburg-Sportchef Matthias Müller-Bothmann abgesetzt hat. Und selbst wenn sich die Motivation hierfür aus dem Umstand speisen mag, dass Klaus Michael Kühne nach dem Abendblatt nun auch mit der Mopo – nicht aber mit der BILD – gesprochen hat, inhaltlich ist es das, was eigentlich ALLE Journalisten in Hamburg inzwischen wissen (müssen).
Unter dem Titel „Krawall-Karl und der Kühne-Plan beim HSV“ prangert der BILD-Sportchef hier Kühnes Machtspiele an. „Jeder, der ihm und seinem Treiben kritisch gegenübersteht, soll beim HSV entfernt werden. Damit er sein Ziel erreichen kann, sich seine angebotenen Geldspritzen mit Macht und Einfluss beim HSV bezahlen zu lassen“, kritisiert Müller-Bothmann. Zurecht. Und er nennt auch noch einige andere Dinge beim Namen, die ihr hier zwar schon lesen konntet, die aber die wenigsten laut sagten, weil sie es sich mit Kühne nicht verscherzen wollten.
Die BILD zählt Kühne an: „Hat sich schon längst disqualifiziert"
Die BILD scheint mit Kühne zu brechen und geht dabei auf den Milliardär selbst als Macht haschenden Intriganten ebenso los wie auf dessen Attaché Karl Gernandt los. „Man darf gespannt sein, welchen Befehl „Krawall-Karl“ für den nächsten Termin am 24. Februar bekommt. Es wäre wenig überraschend, wenn eine weitere Eskalation provoziert wird, um diese dann Jansen in die Schuhe zu schieben. Den will Kühne ja bekanntlich als nächsten absägen“, heißt es in dem Kommentar. Und weiter: „Und es entbehrt nicht einer gewaltigen Ironie, dass ausgerechnet Gernandt nun den Ober-Lehrer und Chef-Kritiker spielt. Jener Gernandt, der als HSV-Aufsichtsrats-Boss von 2014 bis 2016 versagte und somit den Weg Richtung Abstieg beschleunigte.“
Mit dem Blick auf die aktuelle Aufsichtsratsdebatte heißt es in dem Kommentar: „Es ist schon beachtlich, wie sich ein 15,21-Prozent-Anteilseigner (mit Teilen der Klein-Aktionäre als Claqueuren) gegenüber dem Hauptaktionär (75,1 Prozent) aufplustert.“ Und auch mit Blick auf die nähere und ferne Zukunft stellt sich der Kollege eindeutig gegen Klaus Michael Kühne. Wer wirklich glaubt, dass Kühne sich dann nicht auch zukünftig massiv und teilweise vereinsschädigend (man denke u.a. an die damalige Verbandelung mit Spielerberater Volker Struth) in die Operative einmischen würde, der muss sich nur die Hinterzimmer-Spielchen der vergangenen Wochen und Monate ansehen...Als einfacher Darlehensgeber oder normaler Sponsor – ok. Aber für alles darüber hinaus hat sich Kühne in den vergangenen Monaten und Jahren längst disqualifiziert.“
Kühne wird das nicht freuen. Logischerweise. Denn bislang hatte das noch keine Hamburger Tageszeitung so formuliert. Dabei wissen es alle. Schon lange. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser Kommentar Wirkung haben wird. Vielleicht öffnet dieser Kommentar tatsächlich einigen die Augen. Aber okay, das soll es mit dem Thema Vereinspolitik heute sein. Fortsetzung folgt.
Aktuell wirft der Sonntag seine Schatten voraus – und die Hamburger folgen den Lockungen des HSV. Auch zum Heimspiel am Sonntag (So., 13.30 Uhr) gegen den Tabellen-16. Arminia Bielefeld können HSV-Trainer Tim Walter und seine Mannschaft wieder auf ein ausverkauftes Volksparkstadion hoffen. Schon heute sind mehr als 55.000 Tickets abgesetzt. „Das spricht für uns. Das spricht für den HSV. Ich glaube, die Menschen haben Spaß daran, zu uns zu kommen“, sagte Cheftrainer Tim Walter und ich hätte es komplett so unterschrieben. Ich hätte es auch dem Trainer und seiner Art zugeschrieben. Allerdings störten mich die nachfolgenden Sätze: „Sie wollen Spektakel sehen. Der Dino liefert großes Kino.“ Denn darauf kommt es absolut nicht an.
Walter sieht Mannschaft deutlich weiter als vor einem Jahr
Entscheidend ist einzig und allein, dass der HSV aufsteigt und sich sportlich entwickelt. Und zum Glück relativierte Walter seine Spektakel-Ausflüge schnell wieder. Er würde es gern auch mal ein bisschen weniger spannend haben. Er hätte auch absolut nichts dagegen, wenn seine Mannschaft ein Spiel früher entscheiden würde. „Klar würden wir das Ganze gern entspannter angehen und hätten dann gern früher den Deckel drauf. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert. Es ist halt so, dass die Gegner immer mehr als 100 Prozent gegen uns geben. Und wenn sie noch etwas Lunte riechen, dass sie dann noch weitermachen. Für uns heißt das, nie vom Gaspedal gehen.“ Stimmt! 100 Prozent Zustimmung!
Genau das hat in den letzten Jahren auf den Zielgeraden immer wieder gefehlt. Die Mannschaft habe sich aber „extrem weiterentwickelt“, sagt der HSV-Coach, sein Team leistungsmäßig erkennbar weiter als zum gleichen Zeitpunkt der vorherigen Saison sieht. Damals stand man vor dem 21. Spieltag auf Rang fünf 34 Zählern. Diesmal sind es 42 Zähler und Rang zwei. „Es ist auch die Art und Weise, wie wir auftreten. Wir haben viel mehr Vertrauen ineinander. Die Jungs haben viel mehr Vertrauen in die eigene Stärke.“
Wer gegen Bielefeld beginnen wird, da wollte Walter sich noch nicht festlegen. Kapitän Sebastian Schonlau wird sicher wieder in der Startelf stehen, obwohl er wegen einer lädierten Lippe gerade noch pausieren muss. Zudem wird neben dem Abwehrchef Jonas David wieder in der Innenverteidigung spielen. David hatte in Heidenheim verletzungsbedingt gefehlt und sein Ersatz Javi Montero wusste absolut nicht zu überzeugen. Ob auch Laszlo Benes in die Startformation rücken darf, nachdem er zuletzt gegen Braunschweig (4:2), in Rostock (2:0) und in Heidenheim jeweils als Vorlagengeber überzeugte, lässt Walter offen: „Ich habe das ja schon häufiger angesprochen: Wir haben großes Potenzial im Kader.“
Damit verwies der HSV-Coach noch einmal auf das, was er seit Saisonbeginn immer wieder positiv erwähnt: Er wies auf den besonderen Teamgeist hin: „Die Jungs wollen alle spielen. Trotzdem besteht ein gesunder Konkurrenzkampf zwischen Jungs, die sich sehr, sehr mögen. Das ist das Entscheidende, dass wir ein gutes Team sind, dass wir eine gute Harmonie haben. Und das muss wachsen. Die Zeit, die wir miteinander verbracht haben, dient dazu.“ Oder anders formuliert: Die Konstanz des Vorstandes, an Walter festzuhalten, habe dazu gedient, „dass wir zum jetzigen Zeitpunkt definitiv weiter sind als letztes Jahr“, wie Walter feststellt.
Aber: Auch das sind erst einmal nur Worte, denen man am Sonntag Taten folgen lassen muss, um oben dranzubleiben. Zumal man am Sonntag bereits wissen wird, wie die direkte Konkurrenz (Lautern heute in Paderborn, Darmstadt morgen in Rostock) gespielt haben wird. Nur Heidenheim (gegen Nürnberg) spielt ebenso wie der HSV erst am Sonntag.
Ich werde wieder für Euch im Stadion sein. Mit wahrscheinlich 56.999 anderen Zuschauern, die sich das „Live-Spektakel“ nicht entgehen lassen wollen. Wobei ich dabei bleibe: Mir ist ein souveränes, ungefährdetes 2:0 deutlich lieber als eine starke Aufholjagd zum Remis oder ein 5:4, das zwischenzeitlich auch hätte kippen können. Ich brauche kein Spektakel – mir reicht eine positive Entwicklung. Auf Funktionärsebene ebenso wie auf dem Platz.
In diesem Sinne, morgen wird es noch ein kurzes Update zum Spiel am Sonntag gegen Bielefeld geben. Bis dahin wünsche ich Euch allen einen schönen Abend, und: bleibt gesund!
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