Walter trotz 2:6 gegen Freiburg zufrieden - Wirbel um Vuskovic
SOTOGRANDE. Wenn nach einer 2:6-Niederlage der Trainer nicht schimpft, kann das als ungewöhnlich gewertet werden. Und wenn dann noch die alte Regel, wonach ein Fußballspiel 90…

Von Wolfgang Stephan
SOTOGRANDE. Wenn nach einer 2:6-Niederlage der Trainer nicht schimpft, kann das als ungewöhnlich gewertet werden. Und wenn dann noch die alte Regel, wonach ein Fußballspiel 90 Minuten dauert, so eklatant gebrochen wurde, sind Erklärungsversuche vonnöten. Offiziell endete das Testspiel des HSV gegen den SC Freiburg mit 2:6 - nach 140 Minuten Fußball im sonnigen Andalusien.
Bis auf sieben Minuten gleich zu Beginn des Spiels lieferten die Hamburger eine ordentliche Leistung gegen den Bundesligisten ab, der mit der stärksten Elf angetreten war. Für die Freiburger war das Spiel im Santa Maria Polo Club in Sotogrande das Ende der Trainingswoche in Andalusien, für die am Mittwoch angereisten Hamburger der Auftakt – zwei durchaus wichtige Fakten bei der Bewertung.
Tim Walter ließ die Startelf auflaufen, die angesichts des Ausfalls von Jonas David als die derzeit stärkste Elf gilt, auch mangels Alternativen auf den vakanten Stellen in der Innenverteidigung und auf der rechten Abwehrseite. Als Innenverteidiger neben Sebastian Schonlau lief Moritz Heyer auf, für ihn spielte rechts der Franzose William Mikelbrencis.
Dass diese Variante keine vielversprechende Lösung ist, wurde relativ schnell in einer vogelwilden Anfangsphase deutlich.
Zunächst ging der HSV nach fünf Minuten durch Robert Glatzel in Führung, der eine butterweiche Jatta-Flanke per Kopf veredelte. Nur zwei Minuten später verunglückte Jatta ein Rückpass, über Michael Gregoritsch landete das Spielgerät am Arm von Miro Muheim, den Elfmeter versenkte Vincenzo Grifo sicher. Nur drei Minuten später gingen die Freiburger durch Manuel Gulde nach einem Eckball in Führung, zwei Minuten später erhöhte Daniel-Kofi Kyereh auf 3:1, nach weiteren zwei Minuten erzielte er das 4:1 - jeweils nach Abwehrfehlern der Hamburger.
Insbesondere Mikelbrencis ist auf der Außenposition keine Lösung und die Innenverteidigung mit Schonlau und Heyer ging in der Freiburger Angriffsmaschinerie mit unter. „Doofe Fehler“, befand Tim Walter, der sich aber auch über zwei Tore von Robert Glatzel freute: „Beide Tore waren unfassbar gut herausgespielt, gegen eine Mannschaft, die als Tabellenzweiter in der Bundesliga nur wenig Tore bekommt und auf Champions League-Kurs ist“, lobte der Trainer. Der Hamburger Torjäger hatte in der 32. Minute wieder nach Zuspiel von Jatta aus 20 Metern das 2:4 erzielt, das Halbzeitergebnis.
Danach spielten die beiden Teams vor rund 100 Fans bei 22 Grad munteren Sonnenschein-Fußball. Interessant: In der 66. Minute kam der Youngster Valon Zumberi für Heyer in die Innenverteidigung. Das 20-jährige Eigengewächs spielte selbstbewusst und später sogar souverän. Freiburg erhöhte in der 82. Minute durch Jeong Wooyeongh auf 5:2, das war auch das Endergebnis nach 90 Minuten.
Dass am Ende das amtliche Spielergebnis mit 6:2 benannt wird, liegt an einer ungewöhnlichen Konstellation, denn den regulären 90 Minuten, folgten weitere 50 Minuten ohne Pause. Spielzeit, um den Nachwuchs zu beschäftigen. Nils Petersen erzielte in der 107. Minute noch das 6:2, insgesamt schlug sich der Hamburger Nachwuchs aber ordentlich, insbesondere Zumberi lieferte als Abwehrchef vor dem ebenfalls guten Torhüter Matheo Raab eine souveräne Leistung ab.
„Was die Jungs leisten, ist schon toll, überragend, ich bin wirklich sehr zufrieden, abgesehen von den doofen Fehlern“, sagte der aufgeräumt wirkende HSV-Trainer. Nach dem schnellen Rückstand so eine Spielkontrolle zu bekommen, sei nicht alltäglich. Gleichwohl fehle seinen Jungs noch die „gewisse Konsequenz im Zweikampf“, was möglicherweise auch „eine Qualitätsfrage“ sei. Walter: „Die Abstände sind nicht so groß seien, dass wir uns nicht zutrauen würden, nächstes Jahr Bundesliga zu spielen.“
Am Rande des Spiels ließ Vorstandschef Jonas Boldt durchblicken, dass sich in Kürze auf dem Transfermarkt etwas bewege. Bekanntlich sucht der HSV einen Innen- und einen Rechtsverteidiger. Boldt: „Ich bin zuversichtlich, dass in den nächsten zwei Tagen etwas passieren wird.“
Vielen Dank, lieber Stephan! Für Deinen Bericht und für das Video!
Und dann noch ein kurzer Abstecher zum gestrigen Thema: Mario Vuskovic. Als ich den gestrigen Artikel geschrieben habe, hatte ich tatsächlich keinen Schimmer, dass dieses Thema heute von meinem geschätzten Kollegen Thomas Hürner, der für die Süddeutsche Zeitung über den HSV berichtet, erneut befeuert wird. Und zwar mit sehr spannenden, interpretativen Neuigkeiten zum Ablauf. Stichwort: Verfahrensfehler. In dem Artikel, der bereits online gestellt ist und am Sonnabend in der gedruckten Ausgabe der SZ erscheint, heißt es:
„Für den konkreten Fall erklärt die Nada, dass sie am Donnerstag, 10. November, das Analyseergebnis der im September genommenen Probe erhalten und unverzüglich die Staatsanwaltschaft und das BKA informiert habe – und danach erst den DFB. Der Verband teilt mit, dass er am späten Donnerstagnachmittag die Information von der Nada erhalten und diese am Freitagvormittag weitergegeben habe. Die Durchsuchung von Privatwohnung und Spind, bei der auch Laptop und Handy sichergestellt wurden, wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft erst um 14.05 Uhr bzw. um 14.25 Uhr vollstreckt – also einige Stunden später.“
Weiter heißt es dort, dass der Teamarzt „am späten Vormittag/mittags“ informiert worden sei, während ein Vuskovic-Berater eine SZ-Anfrage unbeantwortet ließ. Die Durchsuchungen allerdings waren erst nachmittags. Und dieser offenbare Fehler im Umgang mit dem Dopingbefund scheint bestätigt, da der HSV in dem SZ-Artikel bestätigt, dass der DFB am Vormittag über den HSV-Mannschaftsarzt den Spieler sowie im Anschluss den HSV informiert habe. Soll heißen: Zwischen Bekanntwerden des Dopingbefundes beim HSV und den Durchsuchungen liegt ein unüblich langer Zeitraum. Das wiederum an dieser Stelle zu interpretieren wäre unlauter. Denn Fakt ist: Weder im Stadion noch bei der Hausdurchsuchung Vuskovics wurde etwas Verdächtiges gefunden. Und weder der HSV noch der Spieler können etwas dafür.
Sicher ist aber, dass dieser gut recherchierte SZ-Artikel die Diskussionen anfeuern wird. Hat der DFB einen Fehler gemacht? Hat der Mannschaftsarzt die Kommunikation unterbrochen? Warum liegt zwischen Bekanntwerden des Dopingbefundes beim HSV und den Untersuchungen so viel Zeit? Alles Punkte, die spannend sind, die allerdings nichts am Befund an sich ändern. Und damit auch nicht an der Arbeit der Nada.
In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Freitagabend und ein schönes Wochenende! Bleibt gesund!!
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